Ernst Jandl *01. August 1925

Ernst Jandl wird am 1. August 1925 in Wien geboren. Das künstlerische Interesse seiner Eltern, eines wenig ambitionierten Bankangestellten und einer ausgebildeten Lehrerin, färbt früh auf Ernst ab und so entdeckt er schon mit neun Jahren die Schriftstellerei. Mit 12 Jahren veröffentlicht er sein erstes Gedicht mit dem Titel Hochwasser. Jandl besucht das Gymnasium in Wien und wird nach der Matur ins Militär einberufen, wo er als Dolmetscher arbeitet und durch seine Englischkenntnisse in Kontakt mit englischsprachigen Autoren kommt, welche sein Leben stark beeinflussen sollen: Ernest Hemmingway und Gertrude Stein.

1946 beginnt Ernst Jandl in Wien das Studium der Germanistik und Anglistik, verlobt sich ebenda mit einer Mitstudentin, Roswitha Birthi, welche er nach kurzem Verlobungsunterbruch auch heiratet. Er verfasst neben einem Probejahr am Gymnasium seine Dissertation zum Thema Die Novellen Arthur Schnitzlers und tritt 1950 seine erste Gymnasiallehrerstelle an. Das Schreiben nimmt einen immer grösseren Platz in seinem Leben ein und Jandl veröffentlicht Gedichte in verschiedenen Organen.

1953 führt der Weg der Jandls nach England, wo er und seine Frau beide als Lehrer arbeiten. In dieser Zeit lernt Ernst Jandl Erich Fried kennen und beschliesst unter dessen Einfluss, der Literatur noch mehr Gewicht zu geben und des Weiteren einen anderen Umgang mit der Sprache zu versuchen, indem diese nicht mehr bloss Ausdrucksmittel, sondern Arbeitsmaterial wird. 1954 erfolgt die Rückkehr nach Wien und Jandl übernimmt eine neue Gymnasiallehrerstelle ebenda. In dieser Zeit lernt er Friederike Mayröcker kennen, die junge Autorin arbeitet ebenfalls als Lehrerin. Die gemeinsamen literarischen Bestrebungen führen die beiden zusammen, sie lassen sich von ihren Ehepartnern scheiden und leben ihre geistige und gleichgesinnte Beziehung, zuerst in einer Wohnung, dann in getrennten Revieren, die ihren unterschiedlichen Arbeitsrhythmen besser Rechnung tragen.

Im Jahr 1956 findet Jandl eine neue Schreibmethode, welche er in prosa aus der flüstergalerie präsentiert und die nach eigenen Worten die „erste mir gelungen erscheinende Assimilation von Techniken des Jahrhundertgenies Gertrude Stein“ darstellt. Es folgen produktive Jahre, Jandl tobt sich exzessiv im Bereich der experimentellen Lyrik aus, Sprechgedichte wie schtzngrmm erscheinen. Jandls Spiel mit der Sprache ist dabei nie Selbstzweck, er bezieht die Sprachwahl immer auf das darzustellende Moment seiner Gedichte.

wien : heldenplatz[1]
der glanze heldenplatz zirka
versaggerte in maschenhaftem männchenmeere
drunter auch frauen die ans maskelknie
zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick
und brüllzten wesentlich.

verwogener stirnscheitelunterschwang
nach nöten nördlich, kechelte
mit zu-nummernder aufs bluten feilzer stimme
hinsensend sämmertliche eigenwäscher.

pirsch!
döppelte der gottelbock von Sa-Atz zu Sa-Atz
mit hünig sprenkem stimmstummel.
balzerig würmelte es im männechensee
und den weibern ward so pfingstig ums heil
zumahn: wenn ein knie-ender sie hirschelte.

Mit seiner unkonventionellen Art stösst Jandl nicht nur auf Begeisterung beim Publikum. Es wird ihm „kulturelle Provokation“ vorgeworfen und geunkt, ob er als Lehrer nicht die Jugend verderbe. Er wird zur Persona non grata in Österreich, an weitere Veröffentlichungen ist nicht zu denken.

kennen du ernsten jandeln?
ihn du kennen nicht dürfen
du sein guten jungen!
(an einen grenzen)

Die Aufregung legt sich nach einigen Jahren und es folgen in den 60er Jahren wieder erste kleine Publikationen in Zeitschriften, Lesungen führen ihn zu einer allmählich wachsenden Anerkennung.

1970 erreicht Jandl mit seinem Gedichtband Der künstliche Baum den grössten Verkaufserfolg. Das Buch vereint Sprechgedichte und visuelle Gedichte.

ottos mops
ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso
otto holt koks
otto holt obst
otto horcht

otto: mops mops
otto hofft
ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott

Jandl sieht sich immer mehr im Zwiespalt zwischen Schreiben und Lehrersein, da ihn sein Brotberuf zu sehr am schreiben hindert, er ihn aber für das finanzielle Überleben braucht. Er nimmt mehrfach unbezahlten Urlaub, erkrankt zwischenzeitlich, was zu noch mehr Absenzen vom Schulunterricht führt. Verschiedene Stipendien helfen zu überleben. Als er schliesslich in den Schuldienst zurück will, gelingt das nicht und er lässt sich aus gesundheitlichen Gründen frühzeitig pensionieren.

Ernst Jandl widmet sich nun voll und ganz der Kunst, nimmt immer mehr Einfluss auf den Kulturbetrieb Österreichs. Verschiedene Gedichte Jandls werden mit Jazzmusik untermalt, er beschreitet mit der Kombination Musik und Lyrik neue Wege. Ernst Jandl stirbt am 9. Juni 2000 an Herzversagen in Wien. Er liegt auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 33 G, Nummer 29).

ich werde dir erscheinen

wie stets ich erschienen dir bin
und du wirst weinen
denn ich bin dahin[2]

Sein Werk

Ernst Jandl hat neben Hörspielen, Theaterstücken, Übersetzungen, Rezensionen und Vorträgen mehr als zwanzig Gedichtbände veröffentlicht. In seinem Werk vereint er experimentelle und konventionelle Texte in englischer und deutscher Sprache. Jandls Werk besticht durch eine grosse Vielfalt an Formen und Themen. Er behandelt Alltagserfahrungen, Familiensituationen, Liebe, Tier- und Dingbeschreibungen, lässt sich über den Krieg und die gesellschaftlichen Konventionen aus und thematisiert immer wieder auch das schreibende Ich selbstreflexiv.

er habe immer etws zu sagen gehabt und er habe immer gewusst, dass man es so und so und so sagen könne; und so habe er sich nie darum mühen müssen, etwas zu sagen, wohl aber um die art und weise dieses sagens. denn in dem, was man zu sagen hat, gibt es keine alternative.; aber für die art und weise, es zu sagen, gibt es eine unbestimmte zahl von möglichkeiten. es gibt dichter, die alles mögliche sagen, und dies immer auf die gleiche art und weise. solches zu tun habe ihn nie gereizt; denn zu sagen gebe es schliesslich nur eines; dieses aber immer wieder, und auf immer neue weise.


[1] Das Gedicht bezieht sich auf eine persönliche Erfahrung Jandls als Vierzehnjähriger bei einer Kundgebung zu Ehren Hitlers.

[2] zwei erscheinungen (aus dem Gedichtband idyllen), abgedruckt in der Todesanzeige Ernst Jandls.

Hermann Hesse (*2. Juli 1877)

Um meine Geschichte zu erzählen, muss ich weit vorn anfangen. Ich müsste, wäre es mir möglich, noch viel weiter zurückgehen, bis in die allerersten Jahre meiner Kindheit und noch weit über sie hinaus in die Ferne meiner Herkunft zurück.

Mit diesen Worten beginnt Hermann Hesse seinen Demian und drückt damit ein Verständnis von Sein und Werden aus, das sich durch sein ganzes Werk zieht. Die kindliche Seele, ihre Entwicklung und die Nöte dabei prägen Hermann Hesses ganzes Werk. Kaum ein anderer Schriftsteller hat Themen wie (Persönlichkeits)Bildung und Erziehung so ins Zentrum gerückt wie er.

Hermann Hesse erblickt als Sohn einer christlichen Missionarsfamilie am 2. Juli 1877 in Calw, einer kleinen Stadt im nördlichen Schwarzwald, das Licht der Welt.  1881 folgt der Umzug nach Basel, wo die Familie fünf Jahre bleibt und Hermann Hesse die Internatsschule der Basler Mission, für die seine Eltern tätig sind, besucht. 1886 führt der Weg zurück nach Calw, wo Hermann Hesse die Schule besucht, danach in Stuttgart das Landesexamen besteht und in der Folge in das evangelisch-theologische Seminar in Maulbronn eintritt. Er ist ein rebellischer Student, der mehrfach den Seminarmauern entflieht.

Durch Konflikte mit den Eltern und verschiedenen Schulen belastet, tritt Hermann Hesse in eine depressive Phase ein, welche Suizidgedanken mit sich bringt. Ein gescheiterter Suizidversuch führt zu Hermann Hesses Einlieferung in eine Nervenheilanstalt nahe Stuttgarts. Hermann Hesse fühlt sich unverstanden und verstossen, er distanziert sich von seiner Familie, äussert dies in aggressiven und von Sarkasmus strotzenden Briefen.

Ab 1892 besucht Hermann Hesse das Gymnasium, bricht dann die Schule ab und beginnt eine Buchhändlerlehre, welche er nach drei Tagen hinwirft, um eine Mechanikerlehre zu beginnen und dann erneut in den Buchhandel zu wechseln.

Neben seiner Arbeit und Reisen nach Italien veröffentlicht er immer wieder Gedichte und kleine literarische Arbeiten in Zeitschriften. 1903 lernt Hesse die Basler Fotografin Maria (Mia) Bernoulli kennen und heiratet sie 1904. Im selben Jahr gelingt ihm auch der Durchbruch mit seiner Literatur, Peter Camenzind erscheint beim Fischer Verlag. 1906 erscheint der zweite Roman, Unterm Rad.

Der Erste Weltkrieg bricht aus, Hesse ist kriegsuntauglich und schon bald Gegner der Kriegspolemik, die er rund um sich sieht. 1917 verfasst Hesse seinen Roman Demian, welcher erst nach dem Krieg, 1919 unter Pseudonym erscheint. Ebenfalls 1919 folgt der Umzug ins Tessin. Zu diesem Zeitpunkt liegt Hesses Leben in Scherben. Mehrere Schicksalsschläge stürzen Hesse in eine Krise und auch seine Ehe ist nicht von Glück gesegnet. Die vielen Reisen Hesses, die alleinige Pflicht Mias für Haus und Kinder und die psychischen Probleme beider führen zum Auseinanderleben und zur Scheidung 1923.

Kennst du das auch?
Kennst du das auch, dass manchesmal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehen musst?

Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
Wie Einer, den ein plötzlich Heimweh traf;
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
Du weinst, weinst ohne Halt – kennst du das auch?

Hermann Hesse widmet sich neu inspiriert seiner Schriftstellerei, malt daneben Aquarelle und macht Zeichenskizzen. Der Zweite Weltkrieg lässt seine Produktivität schwinden, zwar entstehen in der Zeit noch Erzählungen und auch Gedichte, aber kein Roman mehr. 1961 erkrankt Hermann Hesse an einer Grippe, man entdeckt zudem eine bisher unentdeckte Leukämie. Hermann Hesse stirbt in der Nacht zum 9. August 1962 in Montagnola.

Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Werke Hermann Hesses:

  • Peter Camenzind (1904)
  • Unterm Rad (1906)
  • Gertrud (1910)
  • Unterwegs (1911)
  • Rosshalde (1914)
  • Demian (1919)
  • Siddharta (1922)
  • Narziss und Goldmund (1939)
  • Morgenlandfahrt (1932)
  • Das Glasperlenspiel (1943)

Erich Segal (*16. Juni 1937)

Erich Wolf  Segal wird am 16. Juni 1937 in Brooklyn, New York City als Sohn eines Rabbis geboren. Er studiert ab 1955 in Harvard klassische Philologie und promoviert 10 Jahre später über antike klassische Komödien. Danach arbeitet er als Gastdozent und Assistent an verschiedenen Universitäten, unter anderem in Yale und München und publiziert eine Vielzahl literaturwissenschaftlicher Werke, wie es zur akademischen Karriere gehört. Er hat neben Drehbüchern und Romanen auch ein Musical geschrieben. 1970 gelingt ihm der Durchbruch als Romanschriftsteller mit seinem Roman Love Story.

Der Ruhm ist nicht nur Segen. In seiner Funktion als Literaturprofessor muss sich Segal dem oft harten Urteil seiner Studenten stellen und auch die Literaturkritik ist nicht nur voll des Lobes, es wird im Gegenteil als „dümmstes, zynischstes und langweiligstes Buch“ (FAZ) und bezeichnet und es heisst, nichts daran sei interessant, ausser dem Erfolg (Spiegel). Der Erfolg der durchaus seichten Geschichte liegt wohl in dem vermittelten Gefühl, welches der Zeit entspricht.

Nach einer Schaffenspause, die Segal braucht, den Tumult um seine Liebesgeschichte zu verarbeiten, fährt Segal fort zu schreiben, sowohl im wissenschaftlichen wie auch im belletristischen Rahmen, beides auf immer höherem Niveau, allerdings mit weniger Erfolg. Erich Segal erkrankt an Parkinson, unterrichtet aber weiter. Zuletzt lehrt er in Oxford und lebt in London, wo er am 17. Januar 2010 an einem Herzinfarkt stirbt.

Werke:
Belletristik:
Love Story (1970; dt: Love Story)
Oliver’s Story (1977; dt: Olivers Story)
Man, Woman and Child (1970; Mann, Frau und Kind)
Class (1985; …und sie wollten die Welt verändern)
Doctors (1988; dt: Die Ärzte / Die das Leben lieben)
Acts of Faith (1992; dt: Die Gottesmänner)
Prizes (1995; dt. Der Preis des Ruhms)
Only Love (dt: Only Love)

Drehbücher:
1967: Yellow Submarine
1970: The Games
1970: Kampf der Talaren
1971: Jennifer on my Mind
1980: Jahreszeiten einer Ehe (A Change of Seasons)

Literarische Vorlage zu einem Film:
1969: Love Story
1978: Olivers Story
1982: Herzen im Aufruhr (Man, Woman and Child)
1998: Nur die Liebe hält ewig (Only Love)

Saul Bellow (*10. Juni 1915)

Am 10. Juni 1915 erblickt Solomon Bellows in Lachine, einem Vorort von Montréal, das Licht der Welt. Als er neun Jahre alt ist, zieht er mit seiner Familie nach Chicago, wo er aufwächst und später an der Northwestern Universität seinen Bachelor in Anthropologie und Soziologie macht. Danach arbeitet er an der University of Wisconsin, als Journalist und ist später Universitätsprofessor für Literatur.

 Das Judentum prägt sein Aufwachsen sehr, seine erste erlernte Sprache ist Hebräisch. In seinem literarischen Werk nimmt das östlich-jüdische Thema im Grossstadtmilieu eine zentrale Rolle ein. Da Bellow selber einer aus Russland nach Kanada eingewanderten jüdischen Familie aus bescheidenen Verhältnissen  entstammt, später an Colleges unterrichtet, lernt er Menschen aus den verschiedensten Schichten kennen. Die Verarbeitung derselben als Nebenfiguren in seinen Romanen (hervorragend gelungen in seinem wohl erfolgreichsten Roman Herzog) hilft, das soziale Spektrum seiner Zeit plastisch darzustellen. Die Suche männlicher, jüdischer Intellektueller in den USA nach ihrem Platz in dieser Welt, ihr Kampf mit dem Leben und der Liebe prägen als Leitthemen Bellows gesamtes Werk.

 Saul Bellow erhält 1976 den Nobelpreis für Literatur. Er stirbt am 5. April 2006 in Brookline, Massachusetts.

 

Von Saul Bellow u.a. erschienen sind:

  • Dangling Man (1944, dt: Der Mann in der Schwebe)
  • The Victim (1947, dt: Das Opfer)
  • Herzog (1964)
  • The last Analysis (1965)
  • Mr. Sammler’s Planet (1970, dt: Mr. Sammlers Planet)
  • Humboldt’s Gift (1974, dt: Humboldts Vermächtnis)
  • The Dean’s December (1982, dt: Der Dezember des Dekans)
  • A Theft (1989, dt: Ein Diebstahl)
  • The Actual (1997, dt: Das einzig Wahre)
  • Ravelstein (2000)

Vladimir Nabokov (*22. April 1899)

Vladimir_NabokovVladimir Nabokov wird am 22. April 1899 in St. Petersburg als Kind einer russischen Adelsfamilie geboren. Er kommt wegen seines westlich orientierten Vaters schon als Kind in Kontakt mit der Weltliteratur, spricht französisch und englisch. Bereits mit 17 Jahren veröffentlicht er seinen ersten Gedichtband.   Das politische Engagement des Vaters bringt diesem verschiedene Inhaftierungen und führt schliesslich zur Flucht nach London. Nabokov studiert an der Universität Cambridge Romanistik und Russische Literatur und zieht nach dem Studium nach Berlin.

Er publiziert unter dem Pseudonym V. Sirin, kann aber nicht leben von der Literatur und hält sich mit Tennis- und Boxunterricht über Wasser. 1937 folgt die Emigration nach Paris, 1940 die Flucht in die USA, wo er als Kurator des zoologischen Museums an der Harvard University arbeitet und wissenschaftlich schreibt. 1948-1958 hat er eine Professur für russische und europäische Literatur an der Cornell Universität inne. 1955 erscheint sein Roman Lolita, der für Aufruhr sorgte, aber  grosse Erfolge einfuhr. In der Folge kann er von seinem Schreiben leben. 1961 folgt die Übersiedlung in die Schweiz, nach Montreux, wo er 1977 stirbt. Werke Nabokovs sind unter anderem Die Mutprobe (1932), Verzweiflung (1934), Lolita (1955),   Ada oder das Verlangen (1969), Die Kunst des Lesens (1984).

Robert Walser (*15. April 1878)

Am 15. April 1878 kommt Robert Walser in Biel zur Welt, besucht ebenda die Schule und macht später eine Banklehre. Nach einer kurzen Anstellung in Basel zieht Robert Walser 1895 nach Stuttgart, wo er sich als Schauspieler versuchen will, was allerdings ohne Erfolg bleibt. Schon damals ein guter Wanderer läuft er zurück in die Schweiz und landet schliesslich 1896 in Zürich. Es folgen diverse Anstellungen als Schreibkraft.

1898 erscheinen erste Gedichte Walsers in der Berner Zeitung Der Bund. Durch sie wird man ausserhalb der Schweizer Grenzen auf ihn aufmerksam und er wird auch in der Zeitschrift Die Insel publiziert mit seinen Gedichten. Obwohl er durch diese Publikationen in Kontakt mit den literarischen Kreisen Münchens kommt, bleibt er vorerst in Zürich wohnen, wo er Militärdienst leistet 1905, danach zunächst als Gehilfe bei einem Ingeneur arbeitet, schliesslich eine Ausbildung zum Diener macht und eine kurze Zeit als ebensolcher arbeitet auf Schloss Dambrau in Oberschlesien. Auch diese Karriere ist nicht von Dauer, 1906 verschlägt es ihn nach Berlin, sein Bruder Karl lebt da und macht ihn mit den ansässigen Literaten- und Künstlerkreisen bekannt.

In dieser Berliner Zeit entstehen Walsers Romane Geschwister Tanner, Der Gehülfe und Jakob von Gunten. Diese wie auch kürzere Prosatexte kommen in der Literaturszene bei Autoren wie Hesse, Kafka oder Tucholsky ausnehmend gut an, der Zugang zu einem breiteren Publikum blieb ihm aber verwehrt. Leben kann er von seiner Schreiberei kaum. 1913 zieht Walser in die Schweiz nach Biel zurück, es entstehen weitere kleine Prosastücke, die sowohl in Zeitungen wie auch in kleinen Bänden erscheinen. Neben dem Schreiben ist es vor allem das Wandern, das Robert Walser begeistert. Ganze Tage und auch Nächste wandert er durch die Gegend, verarbeitet diese Eindrücke auch in seinem literarischen Werk. 1921 zieht Walser nach Bern, in dieser Zeit entstehen viele Entwürfe zu Gedichten, Prosastücken  und sogar ein Roman. Alles in millimeterkleiner Schrift, die nur selten mit Tinte ins Reine geschrieben wird und so lange nicht zu entziffern ist.

1929 verstärken sich Robert Walsers gesundheitlichen Probleme, er leidet zunehmend an Angstzuständen und Halluzinationen, hört Stimmen. Er kommt in die Heilanstalt Waldau bei Bern, wo er weiter schreibt, immer noch Miniaturen, wie er seine Entwürfe in Millimeterschrift nennt. 1933 wird Robert Walser gegen seinen Willen nach Herisau in die dortige Heil- und Pflegeanstalt übersiedelt. Er hört auf zu schreiben, behält nur noch die Liebe zu ausgedehnten Spaziergängen bei. Auf einem solchen stirbt er am 25. Dezember 1956 an einem Herzschlag.

Werk und Wirkung

Robert Walsers literarisches Werk greift sehr stark seine beruflichen Erfahrungen auf. Das Angestelltentum sowie auch das Dienen sind Motive, die sich in verschiedenen seiner Werke aufgreifen lassen. Auch die ausgedehnten Spaziergänge finden ihren Niederschlag in der Literatur.  In einer ab und an naiven Sprache und auf spielerische Art greift Robert Walser zudem die Umstände seiner Zeit auf und unterlegt den oberflächlich heiter wirkenden Werken eine zweite Ebene, die von den existentiellen Ängsten der damaligen Zeit spricht und auch auf eine sehr feine Beobachtungsgabe der Gesellschaft schliessen lässt.

Obwohl Robert Walser in literarischen Kreisen hoch geschätzt wird, kann er beim breiten Publikum nicht Fuss fassen. Er fühlt sich als Versager, was seine von Natur schon zu Depressionen neigende Verfassung unterstützt.

Erst in neuerer Zeit wird Walser wieder entdeckt und die Grossartigkeit seines literarischen Werkes auch von einem grösseren Kreis erkannt. Leider sind einige seiner Werke verschollen, darunter mindestens drei Romane sowie auch Prosastücke und Gedichte. 1960 erscheint die von Jochen Greven editierte Gesamtausgabe, welche die vorher verstreut publizierten Werke vereint. Noch heute kommen immer wieder neue Funde ans Tageslicht.

Gelassenheit
Seit ich mich der Zeit ergeben,
fühl’ ich etwas in mir leben,
warme, wundervolle Ruh!

Seit ich scherze unumwunden
mit den Tagen, mit den Stunden,
schliessen meine Klagen zu.

Und ich bin der Bürd entladen,
meiner Schulden, die mir schaden,
durch ein unverblümtes Wort:
Zeit ist Zeit, sie mag entschlafen,
immer findet sie als braven
Menschen mich am alten Ort.
(Robert Walser, in: Die Gedichte, Suhrkamp Verlag)

Werke von Robert Walser

  • Geschwister Tanner (1907)
  • Der Gehülfe (1908)
  • Jakob von Gunten (1909)
  • Prosastücke (1916/17)
  • Der Spaziergang (1917)
  • Kleine Prosa (1917)
  • Seeland (1920)

Charles Baudelaire (*9. April 1821)

Charles Baudelaire kam am 9. April 1821 in Paris als Kind eines wohlhabenden, kunst- und literaturliebhabenden ehemaligen Verwaltungsbeamten und dessen viel jüngeren englischen Frau zur Welt. Als Charles sechs Jahre alt ist, stirbt sein Vater und seine Mutter wendet sich einem sehr autoritären und karriereorientierten Offizier zu, was für den kleinen Baudelaire eher traumatisch war. Der Wechsel vom musischen Zuhause zur Drillstätte, dazu häufige Umzüge führten dazu, dass sich Charles Baudelaire immer mehr zurückzog und aus einem Gefühl der Wurzellosigkeit und mangelnden Anschlusses zu Depressionen neigte. Dass man ihn auch noch in ein Internat steckte, liess ihn vollends aus dem Ruder laufen, er flog wegen seines schwierigen Verhaltens von der Schule.

Nach seinem trotzdem geglückten Schulabschluss schrieb er sich für ein Jurastudium ein, dies allerdings nur auf Drängen seiner Eltern. Selber wollte er Schriftsteller werden und bewegte sich in den entsprechenden Kreisen der Literaten- und Künstler-Bohème in Paris.

Ab 1838 schrieb Baudelaire Gedichte, was aber für den Lebensunterhalt nicht ausreichte. Er verschuldete sich. Als ob das des Unglücks nicht genug gewesen wäre, steckte er sich bei einer Prostituierten auch noch mit Syphilis an.

Die enttäuschten und sich schämenden Eltern schickten ihn auf Schiffsreise – weit weg mit dem Makel. Statt auf den Pfad der Besinnung zu gelangen, schrieb er weiter Gedichte, inspiriert von seinen Reiseerlebnissen.

Kaum zurück schloss er sich wieder seinen alten Kreisen an, nutzte das ihm mittlerweile stattliche Erbe seines Vaters, um sein Leben als Dandy zu finanzieren. Seine Geliebte, die Schauspielerin Jeanne Duval, half ihm zusätzlich, sein Geld unter die Leute zu bringen, bis es der besorgten Familie Charles Baudelaires zu bunt wurde und sie ihn unter die finanzielle Vormundschaft eines Notars stellten.

Sein sowieso eher depressives Gemüt hielt dieser Schmach nicht stand, er versuchte, sich das Leben zu nehmen, was aber nicht gelang.

Von seiner Schriftstellerei konnte er zeitlebens nicht leben, ein paar Gedichte an Zeitschriften,  zwei Novellen, einige Dramenentwürfe, daneben unvollendete Skizzen für weitere Prosatexte reichten dazu schlicht nicht aus. Einzige Beachtung fanden seine Berichte über Kunstausstellungen, die von Kompetenz zeugten. Das alles war seinem depressiven Gemüt nicht zuträglich, die Neigung blieb stets Teil seines Lebens, seines Seins.

Sein herausragendstes Werk dürfe Les Fleurs du Mal sein, das 1857 veröffentlicht wurde. Les Fleurs de Mal ist eine Sammlung von 100 Gedichten, die schon früher entstanden und auch publiziert, nun nach Themen geordnet als Ganzes erschienen. Den hier versammelten Gedichten ist eine Stimmung eigen, die von Melancholie zeugen, von Dunkelheit und gar Hässlichkeit.

Zwar kam Baudelaire durch dieses Werk zu einiger Bekanntheit, seine finanzielle Situation verbesserte sich nicht. Sämtliche Versuche, dies zu ändern, scheiterten, dazu kamen noch gesundheitliche Probleme. 1866 kam er nach einem Schlaganfall ins Pflegeheim und starb 1867 in einer Pariser Klinik.

Baudelaire und die Décadence

Dem Vorwort Théophile Gautiers in der Ausgabe von Fleurs du mal von 1868 zufolge steht Baudelaires Dichtkunst für den Sieg einer neuen Kunst und den Stil der Décadence, welcher Produkt und Widerspiegelung einer alternden Kultur ist. Moralische Wertmassstäbe werden abgewertet und treten ein gegen das bürgerliche Nützlichkeitsdenken, das in der Kunst nichts zu suchen hat. Dichtung will ihre eigene Wirklichkeit produzieren, einen künstlerischen Mikrokosmos, welcher nur ästhetischen Massstäben, nie aber Nützlichkeitserwägungen genügen soll. Ein neues ästhetisches Konzept entsteht, in welchem die sprachartistische Gestaltung Vorrang hat vor der Inhaltsebene, Schönheit wird zum Gegenbegriff der Nützlichkeit. Schön ist nur, was nicht nützlich ist und was nützlich ist, ist hässlich, weil es als Ausdruck von Armut, Bedürftigkeit und Unvollkommenheit der menschlichen Natur gesehen wird. Ästhetik vor Moral und Nützlichkeitserwägungen heisst die Parole.

Die Poetizität der Sprache erhebt Dichtung über blosses Mitteilen, nicht mehr Imitation der Natur ist Thema der Kunst, sondern Imitation der Kunst. Dies führt zu einer Art kunstinterner Kommunikation, indem nämlich ein Kunstwerk (Dichtung) nicht mehr mit der Erfahrungswirklichkeit kommuniziert, sondern eine Reaktion auf eine bereits gestaltete Kunstwirklichkeit darstellt. Dadurch entsteht ein alle Künste umfassender intertextueller Verweiszusammenhang. Décadence bedeutet so gesehen eine ästhetische Gegenposition zur Klassik, sie ist eine Ausdrucksform neuer Bedürfnisse einer spätzeitlichen Zivilisation, in der das Künstliche an die Stelle des natürlichen Lebens tritt.

Baudelaires Fleurs du mal zeigen den Stil der Décadence als einen Stil, der nicht realistisch darstellen will, sondern einen eigenständigen Kunstkosmos zum Ziel hat, welcher in der Erfahrungswirklichkeit nur den Anstoss, nicht aber die Vorlage findet. Damit, so liest man bei Théophile Gautier, ist Baudelaire ein Dichter, welcher für die Autonomie der Kunst eintritt, der darauf abzielt, die Gegenstände der alltäglichen Realität hervorzuheben und sie sogleich in eine ästhetische Welt einzuführen. Durch die Integration der Gegenstände in die Dichtung machen sie eine sprachliche Metamorphose durch und bekommen dadurch einen Status in der Kunst, der nicht mehr ihrer wirklichen Identität entspricht.

Kurz gesagt: Kunst ist blosse Ästhetik weg von moralischen oder utilitaristischen Wertmassstäben. Sie transformiert die Gegenstände des wirklichen Lebens in künstliche Objekte, so dass die Künstlichkeit an Stelle der Natürlichkeit ans Tageslicht kommt und dargestellt wird. Zusammengefasst lassen sich aus Baudelaires Aussagen über die literarische Décadence vier zentrale Gegensatzpaare aufzeigen: Ausdruck statt Inhalt, Kunst vor Natur, Seltsames statt Hergebrachtes, Verdichtung statt Unmittelbarkeit.

Werke Charles Baudelaires u.a.:

  • Les Fleurs du Mal (1857; dt. Die Blumen des Bösen)
  • Théophile Gautier (1859)
  • Les paradis artificiels, opium et haschisch (1860; dt. Die künstlichen Paradiese)
  • R. Wagner et Tannhauser à Paris (1861)

4. April 1785: Bettina von Arnim

Blumen
Blumen
sind
die
Liebesgedanken
der
Natur
(B.v.A.)

Elisabeth Catharina Ludovica Magdalena Brentano, auch Bettine (so lautet Bettina von Arnims Mädchenname) wurde am 4. April 1785 in Frankfurt am Main in eine aus Italien stammende, begüterte altadelige Familie hineingeboren. Als sie acht Jahre alt war, starb ihre Mutter, weswegen sie fortan in der Ursulinenschule Fitzlar erzogen wurde. Nach dem Tod ihres Vaters, Bettina war damals gerade 12 Jahre alt, kam sie in die Obhut ihrer Grossmutter Sophie von La Roche nach Offenbach und zog später zu ihrer Schwester und deren Mann.

1802 lernte sie Achim von Arnim kennen, den sie 1811 heiratete; aus dieser Ehe stammen sieben Kinder. Als Achim von Arnim 1831 aus heiterem Himmel starb, begann Bettina von Arnims soziales und literarisches Engagement. Sie setzte sich für Arme und Kranke ein und schrieb ihr sozialkritisches Werk Dies Buch gehört dem König (1843), einen fiktiven Dialog zwischen Goethes Mutter und der Mutter des preussischen Königs. Das Werk wurde in Bayern verboten, ebenso das Nachfolgewerk, Gespräche mit Dämonen, welches aus Frustration über das Scheitern der Revolution 1848 entstanden ist.

Bettina von Arnim pflegte eine sehr enge Beziehung zu ihrem Bruder Clemens Brentano, aus der etliche Briefe resultierten. Auch ihre Beziehung zu Goethes Mutter und später zu Goethe selber war Grundlage eines regen Briefwechsels, ebenso ihre Freundschaft zu Karoline von Günderode. Die aus diesen Beziehungen stammenden Briefe wurden von Bettina von Arnim später stark überarbeitet herausgegeben (Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, Die Günderode).

Nach einem Schlaganfall 1854 erholte sich Bettina von Arnim nicht mehr und starb schliesslich 1859.

Werke von Bettina von Arnim:
• Tagebuch (1835)
• Goethes Briefwechsel mit einem Kinde (1835)
• Die Günderode (1840)
• Dies Buch gehört dem König (1843)
• Gespräche mit Dämonen. Des Königsbuch zweiter Teil (1852)
• Ilius Pamphilius und die Amnrosia (1847)

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Heute vor 229 Jahren, am 10. März 1788 kam Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff als zweiter Sohn eines preussischen Offiziers, Adolf Theodor Rudolf von Eichendorff, und dessen Frau Karoline auf Schloss Lubowitz in Oberschlesien zur Welt. Er liebte Abenteuer- und Ritterromane sowie antike Sagen und versuchte sich schon als Kind selber im Schreiben. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Breslau studierte Eichendorff in Halle Jura und Geisteswissenschaften. Er reiste viel, liebte das Theater und war überhaupt Kunst und Kultur sehr angetan.

Nach Abschluss seines Jura-Studiums 1812 nahm Eichendorff von 1813 bis 1815 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Kurz nach seiner Rückkehr nach Breslau heiratete er, es folgten 4 Kinder, von denen das letzte kurz nach der Geburt starb. 1818 starb auch Eichendorffs Vater, nach dessen Tod viele der hoch verschuldeten Ländereien und Güter verkauft wurden. Ein Verlust, der an Joseph von Eichendorff zehrte, von dem er sich kaum mehr erholte.

Ab 1816 arbeitete Eichendorff im Staatsdienst und arbeitete sich zum Geheimen Regierungsrat hoch. Nach einer schweren Lungenentzündung 1943 quittierte er seinen Dienst 1944 und trat frühzeitig in Ruhestand. Er schrieb hauptsächlich Romane und Erzählungen, in welche er den grossen Teil seines lyrischen Werkes einbaute. 1857 auf, selber zu schreiben, um publizistisch zu betätigen. Er starb im selben Jahr am 26. November in Neisse.

Zum literarischen Schaffen:
Zahlreiche Gedichte Eichendorffs wurden vertont, allen gemein ist die idyllische Darstellung der Natur, die bildliche Sprache:

Mondnacht

Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Entstanden  um 1835, das erste Mal veröffentlicht 1837 zählt das Gedicht zur Spätromantik und gehört in die Gattung der Naturlyrik. Es wurde 1840 von Robert Schumann vertont und zum Mittelpunkt seines Liederkreises gewählt.

Wenn der Himmel die Erde küsst, kann das als Segnung Gottes verstanden werden. Diese träumt von der Erhebung hin zu ihm. Es breitet sich eine Idylle auf der Erde auf, die sich in wogenden Ähren und rauschenden Wäldern ausdrückt. In der sternenklaren Nacht kann sich die Seele des Menschen erheben, durchs stille Land gleiten, in Frieden,  und frei aller Sorgen. Es ist ein Gefühl von Heimkommen in die Geborgenheit.

Heimweh, Erinnerung und Sehnsucht sind zentrale Elemente i Eichendorffs Lyrik. Sicherlich drückt da der nachwirkende Verlust der elterlichen Güter durch.

Eichendorffs bekanntestes Werk war sicher Aus dem Leben eines Taugenichts. Die 1826 erschienene Novelle wiederspiegelt ganz deutlich das Lebensgefühl der Spätromantik. Es handelt von jungen Sohn eines Müllers, welcher (nicht ganz freiwillig, sagt doch der Vater:

Du Taugenichts! Da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich nicht länger füttern.)

in die weite Welt hinaus geht, um sein Glück zu finden. Zufälle und Abenteuer säumen seinen Weg, er wird Gärtner auf einem Schloss, verliebt sich in Aurelie, welche unerreichbar scheint, und wandert weiter. In Italien sieht er sich inmitten farbenprächtigen Lebens und einiger Liebschaften, bis ihn die Sehnsucht nach der Heimat und nach Aurelia die Zelte abbrechen lässt und er zum Schloss zurückfährt. Es folgt die Aufklärung eines Missverständnisses, Heirat und das märchenhafte Happy End. Die Novelle gleicht einem naiven Märchen, in eben dem Ton ist sie auch geschrieben.

Werke

  • Ahnung und Gegenwart, Roman (1810-12 geschrieben, erschienen 1815)
  • Das Marmorbild,  Novelle (1818)
  • Die Freier, Lustspiel in drei Aufzügen (Vorstufen entstanden 1816-1820, fertiggestellt und erschienen 1833)
  • Krieg den Philistern, dramatisches Märchen in fünf Abenteuern (1824)
  • Aus dem Leben eines Taugenichts, Erzählung (1817 begonnen, abgeschlossen 1822/23, erschienen 1826)
  • Auch ich war in Arkadien, Politische Satire in Form eines Reiseberichts (1832 entstanden, 1866 posthum erschienen)
  • Dichter und ihre Gesellen, Novelle (erschienen 1834)
  • Das Schloss Dürande, Novelle (1837)
  • Die Glücksritter, Novelle (1841)
  • u.a.

Status Quo

Jahresrückblicke hatten wir viele, ebenso  Vorsätze fürs neue Jahr oder aber Bilanzen des letzten. Es wird hier weder das eine noch das andere folgen, einfach ein paar Gedanken, die mir in letzter Zeit kamen. Alles willkürlich, alles hatte Auslöser und Gründe, nichts ist weltbewegend, trotzdem lag es mir im Sinn:

– Ich bin 40. Damit bin ich alt. Ich habe gestern den deutschen Bachelor gesehen und die Frauen da könnten teilweise meine Töchter sein. Erschreckend. 

– Ich dachte immer, ich kann nicht singen. Ich vermied zu singen aus eben diesem Grund. Nachdem ich gestern das Casting zu DSDS schaute, muss ich zwar nicht mein Urteil revidieren, dazu stehe ich noch immer, aber ich kann beruhigt singen, denn es gibt welche, die singen effektiv schlechter und tun das noch öffentlich. 

– Ich schaue zu viele schlechten Sendungen. Das sind alles Formate, die man tunlichst vermeiden sollte, wenn man etwas auf sich und seinen kulturellen Bildungsstand hält. Selbst wenn man diesen aussen vor liesse, fänden sich genügend ethische, moralische und  anderweitige Gründe, es nicht tun zu dürfen. Ich muss gestehen: Ich mag die. Sie unterhalten mich besser als ein Krimi, bei dem ich von Anfang an den Täter kenne oder eine Liebessülze, deren Ausgang genauso vorhersehbar ist (inklusive zwischenzeitliche Verstrickungen). 

– Eigentlich bin ich noch ganz gut in Schuss. Da ich heute schnell heim wollte, rannte ich den ganzen Weg zurück mit dem Hund. Andere würden das joggen nennen. Dazu bin ich zu faul. Ich nenne es effizientes Heimkommen. Und das klappte doch ganz gut. So alt ist 40 also doch nicht. Mir fällt grad ein Stein vom Herzen. Ob ich den mit übrig gebliebenen Weihnachtskeksen auffüllen darf?

– Ich bin verfressen. Ich denke an Weihnachtskekse im Januar. Und ich will entgegen aller Empfehlungen aus Hausarztwartezimmerzeitschriften keine Januardiät machen. Das geht gar nicht. Damit degradiere ich mich zum Einzelkämpfer. Ich bin wohl asozial. 

– Ich bin gar nicht so, wie die mich sehen, die mich gar nicht kennen. Letztes Jahr regte ich mich noch drüber auf. Dieses Jahr schmunzel ich schon. Wenn das so weiter geht, kriegen die bald den Schweizer Comedy Award, weil selten wer so gelacht hat. 

– Das Singleleben ist toll. Gerade erzählte mir mein guter Freund, dass er das ganze Wochenende lesen würde. Meine Meute würde mir was  husten, täte ich das tun wollen, was ich eigentlich auch tun wollte, täte ich es denn tun können. Leider tu ich es nicht tun können, tu schon nicht mal davon träumen aus Gründen der Nichttubarkeit. Aber tun können täten täte ich es gerne. Ok, wenn ich Glück habe, werde ich bekocht. Da greift dann der Punkt von vorher. Und alles kann man wohl nicht haben… wobei: ich könnte lesen, während ich bekocht werde. Und vorher müssten die Zutaten eingekauft werden, sprich: noch mehr Lesezeit. Irgendwie klingt mein Wochenende grad sehr gut. 

– Das Leben ist eigentlich ganz in Ordnung. Zwar auferlegt es einem immer mal wieder Prüfungen, man hadert, zaudert, zürnt. Doch bringt es einem doch immer auch so viele positive Dinge, dass man unterm Strich sagen kann: Eigentlich geht es uns gut. Klar kann man nun einwenden, dass ich nicht weiss, wie es denen geht, die das grad lesen, doch zeugt nur schon der Umstand des Lesens davon, dass sie lesen können, einen Computer besitzen, Zugang zum WWW haben und wohl momentan wohlgenährt in der warmen Stube sitzen, was sie zu den Privilegierten dieser Welt zählen lässt. Insofern: Es geht uns gut. 

– Zu guter Letzt: ich sollte früher schlafen gehen. Jeden Morgen kämpfe ich mit der Gravitation, überlege mir, wieso ich genau diesen Morgen liegen bleiben könnte, müsste, dürfte, um mich dann ächzend und stöhnend (und nein, das hat nichts, aber auch gar nichts mit Punkt eins dieser Liste zu tun) aus den Laken zu schälen und mit zugekniffenen Augen den täglichen Pflichten zu stellen. Wenn ich es mir so richtig überlegen würde, käme hier der Punkt mit dem Singleleben wieder ins Spiel: Ich müsste gar nicht aufstehen… andererseits müsste ich nun noch mit dem Hund raus, statt einfach ins Bett zu purzeln (wieder mal zu spät). 

Irgendwas scheint immer zu sein, aber grundsätzlich ist alles gut. Also eigentlich. Ausser… aber  eben….

Wege, Wünsche und Bilanzen

Momentan liest man rundum dieselben Themen: Weihnachten, Weltuntergang, neues Jahr. In ewig neuen Texten das gleiche Thema und so mancher mag sich denken: Nicht schon wieder. Und doch ist es das, was grad beschäftigt, weil es halt präsent ist. Auch bei mir. Der Weltuntergang weniger, wenn, dann nur in Witzform, Weihnachten schon eher, das neue Jahr kommt und damit auch der Rückblick auf das Jahr, das war. Dieser fällt bei mir immer doppelt aus, da gleich nach dem Neujahr auch noch der Geburtstag kommt, welcher 2013 ein spezieller sein wird.

Es ist ein bewegtes Jahr gewesen, ein Jahr voller Herausforderungen, Niederlagen, Siegen, Verlusten. Ein Jahr mit Tränen, solchen aus Freude und aus Leid. Ein Jahr mit vielen Menschen, die in mein Leben traten, wieder gingen, erneut kamen, weg blieben, fehlten, mich freuten, mich auch mal enttäuschten. Ich habe viel gelernt von diesen Menschen, Dinge, die ich lieber nicht gelernt hätte, solche, die wichtig waren, welche, die tief gingen. An gewissen Dingen bin ich noch dran.

Es war ein Jahr mit verschiedenen Rollen. Von Märchenprinzessin bis hin zum gefallenen Engel war alles dabei. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Vertrauen wurde gebrochen, neues gebaut. Wunden heilten, andere brachen auf. Aus einigen wurden Narben, andere pflege ich noch und hoffe, sie gesunden. Einige werden wohl auch bleiben.

Es war ein Jahr der Suche. Nach mir, nach meinem Platz, nach meinem Weg. Ich stand an vielen Gabelungen, bog oft ab, kehrte zurück, ging wieder vor. Ich überwand Hindernisse, stolperte, kämpfte, kraxelte, kletterte, sprang und lag am Boden. Um wieder aufzustehen und weiter zu gehen. Neue Wege zu suchen und einen zu finden, der passt. Er wird nicht einfach werden, aber er ist der Weg, den ich gehen will. Weil ich ihn immer gehen wollte. Von Anfang an, von ganz klein. Und was im Dickkopf mal drin ist, das sitzt tief und treibt an. Noch stehe ich am Anfang und sehe den hohen Berg vor mir. Es ist nicht der erste Berg und ich habe sie immer bezwungen. Ich hoffe, auch den zu meistern.

Es war ein Jahr mit vielen Wünschen, vielen Träumen. Sie erschienen anfangs so rosig, alles perfekt. Dann kamen Risse, Luftschlösser brachen ein. Zurück blieb eine Realität, die nicht immer einfach, aber trotzdem gut war. Ab und an schaut man zurück und denkt mit Wehmut, was so rosig schien. Doch ist, was ist und vermutlich ist es gut so. Der Boden der Realität ist immer der sicherste. Seifenblasen platzen wohl und Märchen wurden geschrieben, nie gelebt.

Es war ein Jahr im Wechselbad der Gefühle. Ein Jahr, das mich ab und an verdammt einsam fühlen liess, um dann wieder gerührt zu sein ob unglaublich viel Freundschaft, Zuneigung und Hilfe in der Not. Es war ein Jahr, das mir zeigte, dass es Menschen gibt in diesem meinem Leben, die zu mir stehen und einfach da sind. Menschen, die an mich glauben und mich unterstützen, in allen Bereichen und allen Belangen. Es war ein Jahr, das mich viel Dankbarkeit spüren liess und damit auch Glück. Oft entwuchs es Leid, doch das ist wohl die Bipolarität des Lebens: In allem Leid steckt auch ein Glück. Man muss es nur sehen.

Und so geht das Leben seinen Weg und das Jahr zu Ende. Das neue Jahr steht vor der Tür und wie so oft steckt man Hoffnungen, Wünsche, Vorsätze in dieses Jahr. Im Wissen, dass man es sowieso nicht ändern können wird. Was ist, das ist, was kommen muss, das muss. Und doch wird es ein Jahr sein, das meinem Weg gewidmet ist. Im Wissen, dass es kein leichter sein wird. Im Wissen, dass wohl viel Kraft, viele Tränen, viele Zweifel diesen Weg begleiten. Und doch fühlt er sich gut und richtig an.

Es wird ein Jahr sein, in welchem sicher auch Vieles fehlen wird, das ich mir so wünschen würde. Ein Jahr mit Entbehrungen in einigen Bereichen, aber auch Überfluss und Fülle in anderen. Das Luftschloss, das ich gerne bauen würde, steht in den Wolken, ich schaue ab und an sehnsüchtig hoch, um mich dann wieder auf den Platz am Boden zu besinnen. Und es ist ein guter Platz. Ein fruchtbarer noch dazu. Ich bin gespannt, welche Blumen wachsen werden rund um mich. Und ich freue mich über jede Blüte. Und gehe dabei meinen Weg.

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100 Jahre Tod in Venedig

Vor 100 Jahren erschien Thomas Manns Erzählung „Tod in Venedig“. Sie handelt von Gustav von Aschenbach, einem erfolgreichen Schriftsteller, der, längst verwitwet und ganz der eigenen Leistung verpflichtet, nach Venedig aufbricht, um sich da zu erholen. Am Strand fällt ihm ein schöner Knabe auf, in den er sich verliebt. Zwar wahrt er die nötige Distanz, doch wird er von dieser jäh erwachenden Leidenschaft so durchgeschüttelt, dass sein Innenleben aus der Bahn gerät. Er verliert jegliche Selbstachtung, infiziert sich mit Cholera und stirbt im Liegestuhl liegend, seinen Schwarm noch einmal betrachtend und sich einbildend, dieser hätte ihm zugewinkt.

Eine Skandalgeschichte, wenn man so will. Sie thematisiert ganz offen die Homoerotik, welcher Thomas Mann selber verfallen war, die er aber zeitlebens unterdrückt hat. Seine Kunst diente ihm als Ventil, das auszudrücken, was er nicht ausleben konnte. Eine Geschichte wird 100 Jahre alt und hat an Spannung, an Wirkung nichts verloren in diesen Jahren. 

Artikel zum Geburtstag:

FAZ: 100 Jahre Tod in Venedig: Pervers?

Deutschlandradio Kultur: Thomas Manns berühmte Künstlernovelle