Philosophie als lebendige Praxis des Denkens, Fragens und gemeinsamen Weltgestaltens.
„Ich bin die Summe meiner Teile – und ein bisschen mehr.“
Sandra von Siebenthal
Philosophie beginnt für mich dort, wo Menschen sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben. Sie beginnt im Staunen, im Zweifel, in der Irritation, aber auch in der Erfahrung, dass etwas in der Welt nicht stimmt: dass Menschen ausgeschlossen werden, dass Sprache verarmt, dass Debatten verhärten, dass Bildung zu sehr auf Leistung und Verwertbarkeit verengt wird, dass Demokratien unter Druck geraten und dass viele Menschen das Gefühl verlieren, in dieser Welt wirksam handeln zu können.
Mich interessiert Philosophie deshalb nicht als Rückzug in abstrakte Systeme, sondern als eine Weise, die Gegenwart zu verstehen und in ihr handlungsfähig zu bleiben. Im Zentrum meiner Arbeit stehen Fragen menschlichen Lebens und gesellschaftlicher Gestaltung: Was macht Menschen weltfähig? Was braucht es, damit sie sich entfalten, urteilen, sprechen und handeln können? Wie entsteht eine gemeinsame Welt, in der Verschiedenheit nicht als Bedrohung, sondern als Voraussetzung demokratischen Lebens verstanden wird? Und was geschieht, wenn diese gemeinsame Welt brüchig wird?
Philosophie ist für mich nur dann sinnvoll, wenn sie dem Leben dient, nicht imt Ratschlägen oder als Lebenshilfe, sondern durch ein Denken, das der Komplexität des Lebens gerecht wird. Philosophie darf nicht folgenlos bleiben, sie muss berühren, orientieren, befragen, in Bewegung bringen und eine praktische Bedeutung haben.
Ich möchte Philosophie lebendig werden lassen. Sie soll nicht im Elfenbeinturm verbleiben, nicht nur in Büchern, Seminaren und Fachdebatten stattfinden, sondern dort, wo Menschen leben, sprechen, zweifeln, hoffen, entscheiden und handeln. Philosophie gehört in die Welt: in Gespräche, Salons, Schulen, öffentliche Debatten, Texte, Begegnungen. Sie ist kein Besitz einiger weniger, sondern eine gemeinsame Praxis, ein Projekt des Fragens, Suchens und Verstehens.
Kants berühmte Fragen – Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? – bilden bis heute einen Horizont philosophischen Denkens. In ihnen verdichten sich jene Themen, die auch meine Arbeit leiten: das Verhältnis von Mensch und Welt, Freiheit und Verantwortung, Erkenntnis und Orientierung. Doch diese Fragen bleiben für mich nicht historisch. Sie stellen sich immer neu: in jeder Zeit, in jeder Gesellschaft, in jedem einzelnen Leben.
Ich habe Philosophie und Germanistik studiert und in Philosophie promoviert, mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Angewandte Ethik. Es folgten diverse Yogalehrer-, Meditations- und Pranayama-Aus- und Weiterbildungen, das Studium der Östlichen Philosophie sowie eine Ausbildung zum Psychologischen Berater.
Denkzeiten ist für mich ein offener Raum, ein Ort, an dem Denken nicht abgeschlossen präsentiert wird, sondern als Bewegung sichtbar bleibt. Ein Ort für Fragen nach dem gelingenden Leben, nach Bildung, Gerechtigkeit, Freiheit, Demokratie, Literatur und Kunst. Ein Ort für Texte, die verstehen wollen, aber auch für Gespräche, die weiterführen. Erkenntnis entsteht nicht im Monolog. Sie bleibt ein gemeinsamer Prozess des Fragens, Zweifelns, Antwortens und Weiterdenkens. Philosophie wird dort lebendig, wo sie geteilt wird.

schön das sie mich auf google+ hinzugefügt haben. Texte und Gedanken gefallen mir sehr und sind für das, was ich auf dem internet und in blogs lese und wahrnehme in Form und Inhalt besonders gehaltvoll. auf einen möglichen Austausch freue ich mich. mit herzlichem Gruß Wolf Guenter Thiel
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Danke für dieses Feedback zu meinen Gedanken hier im Blog. Ich freue mich auch über einen möglichen Austausch, schicke herzliche Grüsse durchs Netz, Sandra Matteotti
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Exzellent – das ist auch meine Welt. Es interessiert mich sehr, was Sie am liebsten lesen und welche und warum Sie diese/jenen Philosophen vorziehen. Gehört Geschichte auch dazu?
Grüße
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Geschichte gehört durchaus auch dazu, ja, allerdings nicht in aller Breite und Tiefe, eher punktuell. Sehr zentral ist sicher mein Interesse für den Holocaust, für das Aufkommen des Antisemitismus insgesamt in Europa und die Auswirkungen dadurch.
Herzliche Grüsse
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Vielen Dank für Ihre Antwort. Worin ist Ihr Interesse gerade an diesem Thema begründet? Und Ihre Philosophen (Philosophie)?
Herzliche Grüße
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Ich denke, je mehr man sich mit einem Thema beschäftigt, desto interessanter wird es. Ich habe über Jahre in diversen Fachgebieten zu diesem Thema geforscht, Literatur Überlebender analysiert, die historischen Hintergründe beleuchtet und philosophisch die Aufarbeitung dieser Vergangenheit untersucht. Die Beweggründe dafür? Vielleicht das Gefühl für die Ungerechtigkeit des Lebens, das aus einigen Opfern, aus anderen Tätern macht. Daneben führten sicherlich viele verschiedene Gründe zusätzlich zu meiner Auseinandersetzung mit diesen Thema, das alles hier darzulegen ginge zu weit.
Lieblingsphilosophen zu nennen wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Mich fasziniert Hannah Arendt als Persönlichkeit und auch durch ihre Klarheit und Ehrlichkeit des Denkens. Aber auch Sokrates, Aristoteles, Kant, Nietzsche, heute Sen (wenn er auch eher Wirtschaftswissenschaftler ist) und viele mehr haben Gedanken gehegt, die spannend, herausragend und mitreissend waren. Und nun diese Namen genannt zu haben unterschlägt so viele andere, die mich auch inspirierten, zum Staunen brachten, zum Nachdenken anregten. Ein zu weites Feld für eine einfache Antwort, die abschliessend wäre.
Herzliche Grüsse zurück
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Das stimmt, mit den Philosophen; schließlich standen sie alle auf den Schultern ihrer Vorgänger.
[Ich bewundere besonders die frühen Chinesen Me-Ti, Lao Tse und Konfuzius, Aristoteles für seine frühe Rationalität, Thomas Hobbes für seine mutigen Religions-und Staatsgedanken, Hegel für seine Rolle als letzter umfassender Systemphilosoph, Alexis De Toqueville für seinen gesellschaftlichen Scharfblick und für die moderne Praxis hat Ayn Rand (für mich) die prinzipiellen philosophischen Fragen beantwortet. Ich sehe die Philosophie als die Königsdisziplin der Wissenschaften
Alles Gute.
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Ja, das Denken ist durchaus eine hilfreiche Fähigkeit. Aber ist es nicht genau das Denken, das uns ins Ausweglose kreisen lässt? Das uns dieses grausame Kopfkino beschert und in der Folge schlaflose Nächte? Das uns Verzweiflung hautnah bringt?
Ich bin der Meinung, dass Denken ein nützlicher Dienst ist, den uns unser Körper zur Verfügung stellt, um hier auf diesem Planeten unsere höheren Fähigkeiten umsetzen zu können. Zum Beispiel um mit dem Hilfsmittel Sprache Bilder zu transportieren.
So möchte ich, allen Denkern zum Trotz ;-), Descartes ein wenig modulierend modernisieren:
Ich nehme wahr, also bin ich.
Herzliche Grüße,
Martin
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Wahrnehmen und stehen lassen, ohne zu werten, ohne zu urteilen. Das wäre das Credo der östlichen Philosophie. Fällt nicht immer leicht – ob es immer machbar ist, stellt sich die Frage.
Herzliche Grüsse zurück
Sandra
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Hoi Cosima, schön, auch hierüber mit dir Kontakt zu haben. Habe meinen Blog erst heute eröffnet und noch viele Fragen. Eine davon: verwendest du einen kostenpflichten Blog oder die kostenlose Version? Mir gefällt nämlich die Unterteilung oben bei dir – würde auch gern Themen wie „Fotografie“, „Familie“ oder ähnliches erstellen. Geht das mit der kostenlosen Version nicht?
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Ein liebes Hallo zurück
Ich habe hier die kostenpflichtige Version, bei sprachzeiten.com aber die kostenlose, die Unterteilung geht also bei allem, wird aber nicht bei allen Themes unterstützt, da musst du dich durchklicken und bei denen schauen, die dir gefallen. Ich bin gespannt auf deinen Blog, werde ihn gerne besuchen. Wenn du Fragen hast, nur zu, ich bin schon ein Weilchen bei WordPress, vielleicht kann ich dir helfen.
Lieber Gruss
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Danke sehr für deine Antwort. Habe sie erst heute entdeckt, sie war im Spamordner. 😉
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Dahin packt mein Mailprogramm alle Mails von WordPress… drum schau ich immer mal wieder nach, seit ich das weiss 😉
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Hallo
Sehr schöner Blog mit interessanten Gedanken.
Schau doch bitte mal auf unser Plattform vactum.com vorbei.
Gerne würden wir dort mal etwas von dir publizieren.
Gruss
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Hallo
Herzlichen Dank! Sieht interessant aus, euer Blog. Würde mich sehr freuen, da etwas zu veröffentlichen.
Gruss zurück
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The blog seems to be interesting. Greetings to you…
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„Ich war schon immer kreativ“
– toll!
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In der Tat. Rennste kopflos (ohne vorher nachzudenken) durch die Welt, kann allerhand passieren. Ein einfaches Beispiel: wenn ich in den Supermarkt einkaufen gehe ohne mir vorher zu überlegen was ich eigentlich kaufen möchte, werde ich die Hälfte vergessen. Ergo vorher überlegen und Einkaufszettel schreiben. Wer nicht denkt ist meiner Meinung nach eines: dumm! 🙂
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Für mich bist du ein gutes Beispiel für einen (nach)denkenden Menschen, der Kunst(handwerk) und Denken zu einer Symbiose bringt. Piaget nannte Denken „verinnerlichtes Handeln“. So beeinflusst Dein Denken Deine Kunst und umgekehrt. In deinem Schreiben manifestiert sich diese Symbiose. Das zeichnet Dich aus. Weiter ist es wohl auch dein Nicht-sicher-sein und dein Zweifeln, das dein Denken befördert. Von Hieronymus Bosch gibt es ein Bild mit vier archetypischen Menschen, die Jesus die Dornenkorone aufsetzen. Einer ist der „Wissende“, der glaubt, es zu wissen und damit die Bereitschaft verliert zu zweifeln und zu denken. Zweifeln und Denken und es dann zu formulieren, ist Dein Kapital.
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Lieben Dank für diesen stimmigen Kommentar. Ich denke, wenn wir zu wissen glauben, versteifen wir, oft versteinern wir sogar. Das zeigt sich dann auch oft im Miteinander.
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