Erika Mann – Der Zauberlehrling

Die gewisse Vorliebe, die er für mich hatte, lag daran, dass ich ein so grosser Aff’ war […] die zweite Eigenschaft, die mich ihm irgendwie nahebrachte, dass ich ganz schlichte Lösungen – manchmal, nicht immer, manchmal – wusste für Situationen, die schwierig schienen.

 

Erika Mann spricht und schreibt über ihren Vater, den Zauberer, Thomas Mann. Sie zeichnet ein Bild, dass sich gänzlich von denen ihrer Geschwister unterscheidet. Dies wohl vor allem deswegen, weil sie nie um dessen Zuneigung, um dessen Aufmerksam kämpfen musste. Sie war  – nach anfänglichem Unmut, weil er gerne einen Sohn als Erstgeborenen gehabt hätte – sein Liebling. Und wie der Vater sie, so vergötterte auch sie den Vater, brachte ihn zum lachen, sah ihm seine Schwächen nach, hatte für alles eine Erklärung, eine Entschuldigung.

 

Zwar kam es auch einmal in ihrer gemeinsamen Geschichte zu einem Zerwürfnis, als sich Thomas Mann in den 30er-Jahren nicht deutlich von den politischen Zuständen in Deutschland distanzierte, was sich aber wieder einrenkte. Erika Mann verschrieb ihr Leben ganz dem Vater Thomas Mann und dessen Werk. Dies über seinen Tod hinweg. Sie war die Hüterin seines Nachlasses, an ihr kam niemand vorbei.

 

Ein Buch, das eine andere Sicht auf den grossen Schriftsteller wirft. Es ist eine sehr subjektive Sicht, die vieles wohl mit den Augen der liebenden Tochter verklärt, aber auch eine private Sicht. Sie stellt nie bloss, legt aber trotzdem einen privaten Thomas Mann offen. Durch Interviews, Originalbriefe und Aufsätze gewinnt der Leser einen Eindruck vom Leben und Schaffen Thomas Manns, der sich zu den von den anderen Familienmitgliedern gezeichneten abhebt und diesen komplementiert.

 

Fazit:

Man spürt in diesem Buch die Liebe und die Achtung Erika Manns zu ihrem Vater. Ein schönes Buch einer humorvollen und intelligenten Frau und eine Hommage an einen herausragenden Schriftsteller und geliebten Vater. 

 

(Erika Mann: Mein Vater, der Zauberer, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2. Auflage, Reinbek bei Hamburg 2005.)

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