Philosophische Praxis

„Wir machen ihn (den anderen Menschen, S.M.) zum Aufhänger für die vielen Kleider, die wir selber nicht tragen wollen.“[1]

Nichts kritisiert man so leicht wie die Fehler der Anderen. Wir sehen sie und sind schnell mit unserem Urteil dabei. Teilweise denken wir dieses nur für uns, teilweise teilen wir es dem anderen gleich mit. In beiden Fällen aber steckt etwas drin: Ich setze den Massstab und du entsprichst diesem nicht.

Es steckt aber noch mehr drin: Oft sind die Dinge, die uns an anderen stören, die, welche sich auch in uns finden – oft als dunkle Flecke, die wir tunlichst übersehen. Zwar sind sie da, machen uns wohl mitunter das Leben schwer, weil sie sich durchaus nach aussen äussern, für uns aber oft nicht sichtbar und damit nicht veränderbar sind.

Beziehungen zu anderen Menschen können uns helfen, unsere blinden Flecke aufzudecken. Wenn wir hinsehen, was uns an anderen stört…

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Ich hab genug von
nur bierernsten
hinterfragern
selbsternannten
wissensträgern
so gefühlten
grosshirnstemmern

hab genug von
diesen einen
die so wirklich
endlich meinen
es zu wissen
und auch besser
als die andern einen

ich hab genug von
zeigefingern
augenrollern
lehrerminen
grossgekotzten
scheinmaschinen
von allen diesen

ich hab genug
von ihnen

©Sandra Matteotti

 

Ein Weg zu Liebe und Gelassenheit

Liebe ist für den anderen da. Sie darf nicht, wie es leider allzu oft im Alltag der Fall ist, vergiftet sein von Eifersucht und Obsession. Liebe braucht Gelassenheit. Um gelassen zu sein, muss ich mich selbst wie auch den anderen annehmen können, ihn sein lassen. Nur wer sich und den andere in seinem Sein annehmen kann, erfährt Gelassenheit.

muhoWas ist Liebe? Eine Frage, die sich wohl jeder schon mal gestellt hat, sogar Lieder wurden darüber gesungen. Abt Muho widmet sich dieser Frage und unterscheidet dabei zwischen den vier klassischen Liebesbegriffen storge, eros, philia und agape. Kommend aus einer christlichen Kultur nun im Buddhismus zu Hause verbindet er diese Begriffe mit der buddhistischen Lehre, bringt die Liebe mit Gelassenheit in Beziehung

Muho belässt es aber nicht bei der Erklärung der Begriffe, er erzählt auch seine Geschichte, die Geschichte eines eher unsicheren deutschen Jungen, der nach dem Studium beschliesst, nach Japan zu gehen und schlussendlich Abt des grössten Zen-Klosters da wird. Er erzählt von seinen Liebeserfahrungen, stellt dabei immer auch sein eigenes Verhalten in Frage. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern im Kloster, sieht sich dabei immer auch in Situationen, in denen er sich entscheiden muss, wem er seine Aufmerksamkeit nun schenken muss: Seiner Familie oder seiner Gemeinde. Nicht immer leicht zu fällen, die Entscheidung, und nicht immer gelingt es, die richtige zu treffen.

Gerade die persönliche Geschichte zeigt viel über das Thema des Buches: Liebe ist vielfältig und vielschichtig, sie muss im Alltag gelebt werden, denn da bewährt sie sich. Und: Ohne eine Spur Gelassenheit geht es nicht. Erst durch sie gelingt es in der Liebe, dass auch schwierige Zeiten, persönliche Macken und falsche Entscheidungen nicht zum Abbruch führen.

Die theoretischen Kapitel sind mitunter etwas gar abstrakt und teilweise zu kurz gehalten geschrieben, was vor allem durch den Vergleich mit den persönlichen Kapiteln noch stärker ins Auge fällt. Sie weisen aber auch auf die grosse Belesenheit und das Hintergrundwissen des Autors hin, so dass man ihm das gerne nachsieht.

Fazit
Ein sehr offenes, eingängiges, persönliches Buch zum Thema Liebe und Gelassenheit, das einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Muhô ist Abt von Antaiji, einem tief in den japanischen Bergen gelegenen Zen-Kloster. Er wurde 1968 in Berlin geboren und kam mit 16 Jahren mit Zazen in Kontakt. 1993 wurde er zum Mönch ordiniert und 2001 von seinem Lehrer als eigenständigen Zenmeister anerkannt. Er beschloss, als Obdachloser in Ôsaka zu leben, wo er eine Zengruppe leitete. Am 14. Februar 2002 erreichte ihn die Nachricht vom Tod seines Lehrers, und er wurde als dessen Nachfolger zum Abt von Antaiji berufen.

Muhô ist der Autor von „Ein Regentropfen kehrt ins Meer zurück“, „Das Meer weist keinen Fluss zurück“ (beide im Berlin-Verlag), „Futter für Pferd und Esel“ (Angkor Verlag) und „Zazen oder der Weg zum Glück“ (Rowohlt Taschenbuch-Verlag) und hat die Bücher „An dich“, „Zen ist die größte Lüge aller Zeiten“ und „Tag für Tag ein guter Tag“ von Sawaki Kôdô ins Deutsche übersetzt. Homepage: http://www.antaiji.org

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Berlin Verlag (4. September 2018)
ISBN-Nr.: 978-3827013804
Preis: 18 Euro /28.90 CHF

 

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Sätze aus Worten,
hart und auch schwer,
strömen mir zu und
werden zum Meer.

Zieh’n mich herab
und decken mich zu
ziehn mich herab
und aus meiner Ruh.

Bin ach so müde
und fühle mich leer,
Sätze aus Worten,
sie lasten gar schwer.

Und wenn dann bei Ebbe
die Wogen wegziehn,
bleibt oft der Wunsch nur:
Ich möchte nun fliehn.

Ich möchte mich nicht mehr
den Worten aussetzen,
sie sollen mich niemals
mehr weiter verletzen.

Sätze aus Worten,
zerstören zu viel.
Drum frage dich stets:
„Was steht auf dem Spiel?“

Nicht jedes Wort muss
ausgesagt sein,
so manches davon
verursacht nur Pein.

Frage dich darum,
ob gut, nötig, wahr,
und wenn alles nicht,
dann schweige ganz klar.

©Sandra Matteotti

Ich wollt’ es doch
nur recht dir machen,
wollte keinen
Streit entfachen.

Nahm mich zurück.
Dachte: „Zum Glück!“

Nie hätt’ ich gedacht,
was dieses entfacht;
dieses mich Anpassen,
dieses mich selbst Verlassen.

Nahm mich zurück,
so Stück für Stück.

Angst hat regiert,
mich selber negiert,
machte mich klein,
eliminierte mein Sein.

Nahm mich zurück,
damit das Glück.

Was blieb denn noch,
so unterm Joch
der Furcht allein?
Wer könnte da noch

glücklich sein?

©Sandra Matteotti

Philosophische Praxis

Wer bist du?

Stellt uns jemand diese Frage, kommen die Antworten meist spontan: Ich bin Sandra, bin Mutter, Frau von dem und arbeite das. Die meisten von uns würden wohl staunen, käme dann die Nachfrage:

Und wer bist nun du?

Wir würden denken, das gerade erzählt zu haben. Nur: Wir kratzten an der Oberfläche. Wir zählten unsere verschiedenen Rollen auf, trafen aber nicht den Kern. Was wir beschrieben, war unser Ego, der Teil von uns, der immer „hier“ schreit, wenn es darum geht, zu definieren, welche Rollen wir in der Gesellschaft spielen, was uns gehört, wodurch wir uns nach aussen definieren. Das tief drin ist damit noch nicht mal ansatzweise genannt – meist kennen wir es gar nicht.

In der östlichen Philosophie unterscheidet man zwischen dem Ego und dem Selbst. Das Ego ist all das, was oben genannt wurde, es ist das, was wünscht und sehnt, das ablehnt und vermeidet…

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