„Die grössten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.“ (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Wie oft trachten wir nach dem Grossen, nach dem Lauten, nach dem, was auffällt, was hergibt. Je grösser, desto besser – so lautet die Devise und daran wird man auch landläufig gemessen in einer Gesellschaft, die Wert über Leistung definiert. Und wir? Wir wollen dazugehören. Wollen jemand sein. Wollen Anerkennung, dürsten nach Bestätigung. Und rennen all dem hinterher, oft über unsere Kräfte, entgegen besseres Wissen, ungeachtet dessen, was dabei auf der Strecke bleibt; oft wir selber, nicht selten unsere Beziehungen, ganz oft unsere Gesundheit. Was leider ausbleibt, ist das Glück, das wir uns aus all dem versprechen. Kaum ist etwas Grosses erreicht, muss das nächste her. Es hört nie auf.

Und dann. Ein kleiner Moment. Ein Lächeln, ein liebes Wort, das gemeinsame Sitzen mit einem lieben Menschen auf einer Bank, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Ein Kuss. Ein Blick. Eine Tasse Tee zurück an der Wärme nach einem kalten Tag draussen.

Wie schön wäre es, könnten wir aus solchen Momenten etwas fürs Leben lernen, darüber, was wirklich zählt, was wirklich Wert hat. Und dann das Hamsterrad verlassen.

Ich glaube, es ist möglich. Wir müssen es nur ausprobieren.

Bücher

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, danach du frugst,
In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
In den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
Denn nun ist sie dein.
(Hermann Hesse, 1918)

______________
Für das Projekt „Lyrische Helfer“ – Gedichte für glückliche Zeiten oder wenn man das Glück sucht

Wir alle wollen glücklich sein und tun auch sehr viel, das Glück zu finden. Wir denken, wir müssen etwas bestimmtes haben, leisten oder erreichen, damit das Glück in unser Leben kommt, suchen es bei Menschen, in Büchern, gar in Therapien. Wir sind wie der Bauer, der aufbricht, um einen Schatz zu finden und nicht merkt, dass dieser im eigenen Garten schon da gewesen wäre, er hätte ihn nur sehen und giessen müssen.

Wir sind wie ein Garten, in uns ist alles Gute (und auch anderes) angelegt. Wir entscheiden, was davon wir giessen und zum Wachsen bringen. Wenn wir in uns die guten Anlagen wie Liebe, Mitgefühl und Güte giessen, wird sich das Glück von selber einstellen. Glück findet sich nicht im Aussen, wir können es nicht erreichen. Es ist schon da, wir müssen es nur sehen und wachsen lassen.

wer will ich sein
und: wer kann ich werden?
wer bin ich schon und
sehe es nicht?

was will ich tun
und: was kann ich wollen?
wo muss ich sollen und
will es schlicht nicht?

wo will ich hin
und: wer führt das steuer?
was ist mein weg und
geh ich ihn schon?

©Sandra Matteotti

Schon Aristoteles sagte, dass Glückseligkeit das höchste Gut des Menschen sei. In seiner Nikomaschischen Ethik versucht er aufzuzeigen, wie man ein guter Mensch ist und ein glückliches Leben führt. Leben heisst nach Aristoteles immer auch handeln. Indem wir handeln, leben wir. Und wir handeln, um etwas zu erreichen, ein Gut – und da wären wir wieder am Anfangspunkt:

Das Höchste all dieser Güter ist die Glückseligkeit.

Allem Handeln um unterschiediche Güter liegt immer etwas zugrunde:

Wir wollen glücklich sein.

Nur: Was ist Glück? Bücher darüber gibt es viele, Ratgeber, wie wir es erreichen, ebenso. Noch scheint keines wirklich der Erfolgsgarant zu sein, denn es entstehen immer neue. Vermutlich liegt ein Grund dafür, dass es mit dem Lesen der Bücher nicht getan ist, man auch gewisse Einsichten anwenden müsste – eben handeln. Und das anders, als man es bislang tat, denn offensichtlich erreichta man auf die althergebrachte Weise das Glück nicht. Und hier wird es ungemütlich. Wir lebten schon eine Weile so, verhielten uns auf eine gewohnte Weise – irgendwie war das unser Ich, wie wir es kannten. Nur:

If you do what you did, you’ll get what you got.

Sprich: Es ändert sich nichts und das Glück – sofern du nicht schon jetzt glückselig lächelnd da sitzt und dies liest– wird nicht einfach an die Tür klopfen und sich häuslich niederlassen.

tatsächlich tun wir jeden Tag ganz viel, in der Hoffnung, glücklich zu werden. Wir erfüllen uns Wünsche, wir strengen uns an, um anderen zu gefallen, Ziele zu erreichen. Wir gönnen uns was – Schokolade, Urlaub, ein neues Auto. Und doch: Nichts will so wirklich wirken. Und wenn etwas nicht klappt, sind wir nicht nur nicht glücklich, dann leiden wir. Und noch schlimmer: Wir tun tagtäglich Dinge, die uns nicht gut tun, die uns mehr schaden als nützen – und doch tun wir sie immer wieder. Würden wir nur diese Dinge loslassen, wären wir dem eigenen Glück schon ein ganzes Stück näher.

10 Dinge, die wir loslassen können, um dem Glück ein bisschen näher zu kommen:

  1. Vergleiche

Wie oft schauen wir, was andere haben oder nicht haben, und sind dann mit uns selber nicht mehr zufrieden? Warten wir eben noch zufrieden, sehen wir bei jemand anderem mehr… Neid macht sich bemerkbar, zumindest aber Unzufriedenheit mit dem, was wir haben. Das muss nicht sein. Der andere ist ein anderer, ich bin ich. Das zu geniessen und sich daran zu freuen, was man hat, ist ein ganz grosser Schritt hin zum eigenen Glück.

  1. Es allen recht machen wollen

Wie oft nehmen wir uns zurück, um es anderen recht zu machen? Nicht selten danken es diese uns kaum, im Gegenteil, sie merken es unter Umständen gar nicht. Und wir sitzen dann da und grummeln innerlich – darüber, dass unsere Bedürfnisse auf der Strecke blieben, und darüber, dass nicht einmal Dankbarkeit dafür geäussert wurde. Es geht nicht darum, keinem mehr einen Gefallen zu machen, aber es tut weder einem selber noch der Beziehung gut, wenn einer sich immer zurücknimmt – und oft dann den anderen seinen Frust darüber merken lässt.

  1. „Das kann ich nicht!“

Wie oft stehen wir vor einer Aufgabe und sagen uns als erstes: Das kann ich nicht. Wie viel verpassen wir, weil wir es nicht mal probieren? Wie viel entgeht uns, weil wir uns zu wenig zutrauen?

  1. „Was denken wohl die anderen?“

Auch hier steht uns die Angst, das Gesicht zu verlieren, im Wege. Der Gedanke, andere können uns auslachen, etwas schlechtes von uns denken oder uns nicht mögen, lässt uns oft erstarren. Wir meiden Dinge, die uns eigentlich Freude machen würden, nur um ein Bild zu wahren.

  1. Sich zu ernst nehmen

Wenn mal etwas in die Hose geht, geht die Welt nicht unter. Einfach mal über die eigenen Fehler lachen, die eigenen Unsicherheiten zugeben, fünf gerade sein lassen. Das Leben ist nicht nur ernst und wenn man es mit Humor und ein bisschen Nachsicht (mit sich selber) nimmt, geht vieles leichter von der Hand.

  1. Alles persönlich nehmen

Nicht alles, was passiert, hat wirklich mit einem selber zu tun. Wenn jemand einen grimmig anschaut, muss das nicht heissen, dass wir etwas falsch gemacht haben (vor allem dann, wenn er uns gar nicht kennt und nichts vorgefallen ist). Vielleicht hat er einfach einen schlechten Tag? Viele Reaktionen anderer sagen zu einem grossen Teil mehr darüber aus, was in den anderen Menschen vorgeht, als es mit uns zu tun hat.

  1. Sich aufopfern

Oft schauen wir, dass es allen gut geht, vergessen uns selber dabei selber. Wieso messen wir uns selber so wenig Wert zu?

  1. Geliebt werden wollen um jeden Preis

Was tun wir alles, um geliebt zu werden? Wir passen uns an, interessieren uns für Dinge, die uns vorher egal waren, versuchen so zu sein, wie wir denken, dass der andere uns haben will, nur weil wir denken, dass er uns so, wie wir sind, nicht lieben kann. Wen aber liebt er, wenn wir gar nicht mehr sind, wer wir wirklich sind? Und was passiert mit unserem wahren Sein? Halten wir das Versteckspiel ewig durch oder platzt irgendwann die Bombe? Ist es das wirklich wert? Liebe sollte nie aufgrund irgendwelcher Anpassungen und äusserer Merkmale erarbeitet werden müssen. Wirkliche Liebe geht tiefer.

  1. Wenn ich nur erst….

Oft denken wir, glücklich zu sein, wenn wir nur erst etwas erreicht haben. Mehr Geld, weniger Kilos, einen neuen Job, einen neuen Mann. Wir definieren unser heutiges Leben und damit unser heutiges Unglück damit, dass wir noch nicht haben, was wir dringend brauchen, und streben dann händeringend und mit Scheuklappen für anderes danach, dieses zu erreichen. Die Ernüchterung kommt meist dann, wenn das eine erreicht ist, das Glück (nach vielleicht kurzem Aufflackern) aber nicht von Dauer ist, weil wieder etwas fehlt. Glück hängt nicht am Erreichen von Dingen, sondern ist eine innere Einstellung zu dem, was ist.

  1. Ich bin nicht gut genug

Für wen oder was? Und wieso? Jeder Mensch ist gut genug. Das heisst nicht, dass man keine Ziele mehr haben darf oder an sich arbeiten soll, im Gegenteil, aber: Das, was heute ist, ist für heute gut genug. Gäbe es das heutige Ich nicht, hätten wir gar keine Basis. Was heute ist, ist alles, was wir haben, und dafür sollten wir dankbar sein.

„Wenn du tust, was du schon immer getan hast, bekommst du, was du schon immer bekommen hast.“ (Unbekannt)

Wer hat nicht auch schon mal am Silvester gute Vorsätze gefasst? Und sie dann nicht eingehalten? Voller Elan starten wir ins neue Jahr, sind guten Mutes, dieses Mal unsere Vorsätze umzusetzen. Die ersten Tage gehen auch gut, doch dann wird es langsam harzig. Und schon bald ist alles beim Alten.

Leider ist eine Veränderung nicht damit passiert, diese Veränderung wirklich zu wollen. Um sich wirklich zu verändern, braucht es neben dem Vorsatz

  • den festen Willen, das zu tun, was man will,
  • die Entsagungskraft, das loszulassen, was man nicht mehr will,
  • die Ausdauer, auch in schwierigen Phasen durchzuhalten.

Veränderung ist immer Arbeit und immer Übung. Und: Sie passiert nicht für sich allein. Oft müssen wir unser Denken, Verhalten und Tun rund um den Punkt, der sich verändern soll, auch prüfen und anpassen.

Wenn wir tagtäglich die gleichen Dinge auf die gleiche Weise tun, ist dieses Tun zu einer Gewohnheit geworden, in welcher alles zusammen ein Ganzes gibt. Daraus nur ein einzelnes Teilchen zu lösen und zu verändern, kann schwer fallen, wenn nicht unmöglich sein. Wenn wir also etwas ändern wollen, müssen wir genau hinschauen, wie dieses in unserem Leben verwurzelt ist. Und es dann mitsamt den Wurzeln aus unserem Lebensgarten reissen.

Nun wünschen wir uns Veränderungen oft nicht nur für uns, sondern auch für andere oder gar die Welt. Es ist eine alte Weisheit, dass man andere nicht ändern kann, nur sich selber. Gandhi sagte:

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Oft ist unser erster Gedanke, was das bringen soll. Wenn wir plötzlich lieb und nett sind, bedeutet das nicht, dass der übellaunige Nachbar das auch ist. Das zumindest reden wir uns ein, und wir tun es häufig, weil wir selber vor der Arbeit, die eine Veränderung mit sich bringt, zurückschrecken. Allzu oft ist nämlich genau das, was wir in der Welt ändern wollen, auch in uns angelegt und uns ein wunder (teilweise auch ein blinder) Punkt im Leben.

Bevor wir also hingehen und die Welt ändern wollen, sollten wir zuerst bei uns anfangen und nach Anzeichen dessen suchen, das wir im Aussen ändern wollen. Wenn wir es erkannt haben, gilt es, zu akzeptieren, dass es ein Teil von uns ist. Wir können es von allen Seiten betrachten und schauen, wie es in unserem Sein verwurzelt ist, um es dann mitsamt den Wurzeln aus dem Leben loszulassen.

Oft denken wir, dass wir mit Gewalt gegen Unliebsames vorgehen müssen. Wir stellen uns auf Kämpfe ein, sagen dem Ungewollten den Krieg an, aber damit erzeugen wir nur Druck – und befeuern das, was wir loswerden sogar noch. Viel effizienter ist es, anzuerkennen, dass es ein Teil von uns ist – wie vieles andere auch. Statt das Negative zu bekämpfen, sollten wir das Positive stärken, um diesem mehr Gewicht zu geben. Dann gelingt es irgendwann, das andere loszulassen. Weil wir es nicht mehr brauchen. Weil wir eingesehen haben, dass es in unserem Leben nur Leid bringt und wir das so nicht mehr wollen. All das ohne verbissenen Kampf, sondern mit einem Lächeln im Gesicht. Und dieses schicken wir dann in die Welt hinaus:

„Lächle und die Welt verändert sich.“ (Buddha)

 

„Wir mögen’s keinem gerne gönnen, daß er was kann, was wir nicht können.“ (Wilhelm Busch)

Wohl jeder hat sich wohl schon mal dabei ertappt, dass er neidisch auf einen andern schaute und innerlich grummelte, weil dieser was hatte oder konnte, das auch er gerne gehabt oder gekonnt hätte. Neid ist so ziemlich der Vorreiter unter den negativen Gefühlen. Ebenso ist es einem wohl auch schon so ergangen, dass man förmlich spürte, wie bei anderen der Neid regiert, einfach aus ihren Reaktionen – oder auch Nichtreaktionen.

So menschlich Neid sein mag, so vergiftend wirkt er – und dies hauptsächlich für den, welcher ihn hegt. Wenn ich jemandem etwas neide, hat dieser es immer noch, merkt oft gar nichts von meinen negativen Gefühlen (oder sie können ihm auch egal sein), ich dagegen habe es immer noch nicht. Und: Ich habe zusätzlich noch all die negativen Gefühle, die mir alles andere als gut tun.

Wieso mich nicht einfach freuen, dass jemand etwas hat oder kann? Mich mit ihm freuen? Im Buddhismus heisst das Mudita: Mitfreude. Eine wunderbare Sache, da sie Menschen verbindet. Studien zufolge halten Beziehungen länger, wenn man die Fähigkeit zur Mitfreude hat und lebt. Das Gefühl, dass da jemand ist, der sich mit einem freut, vertieft die Beziehung und verstärkt die eigene Freude. Zudem: Geteilte Freude ist doppelte Freude, da sich nun zwei freuen. Und ist es nicht schöner, mit Freude im Herzen durchs Leben zu gehen als sich von Neid zerfressen lassen.