Tagesgedanken: Licht im Dunkel

Rainer Maria Rilke: Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangen Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

Das Leben läuft nicht immer so, wie wir uns das erträumt haben. Manchmal beginnen wir einen neuen Lebensabschnitt voller Freude und Hoffnung, um dann vor einer Mauer zu stehen, wo es nicht mehr weiter geht. Oder wir leiden an einer Krankheit, die unsere Tage mit Schmerzen füllen. Oder Menschen, auf die wir gebaut haben, enttäuschen uns. Beispiele gäbe es viele. Nicht zu selten hadern wir dann. Wir trauern unseren geplatzten Hoffnungen nach, sehen die Welt dunkel und düster. Nur wollen wir die dunkle Seite eigentlich nicht in unserem Leben, wir suchen das Licht. Leider ist es erstens eine Illusion, zu glauben, ein Leben könnte nur aus lichtvollen Momenten bestehen, zudem ist es zweitens nicht mal sicher, ob das wirklich wünschenswert wäre.

Oft zwingen uns gerade diese Situationen dazu, genauer hinzuschauen. Und dann sehen wir plötzlich etwas, das uns vorher gar nicht klar war. Wir sehen unsere Irrtümer, sehen, wo wir uns selbst falsch eingeschätzt haben, stossen auf Träume, Wünsche oder Ziele, die uns viel mehr am Herzen liegen als die, welche wir verfolgt haben. Oft sind es die problematischen Situationen, an denen wir wachsen.

Vielleicht sind dunkle Stunden Chancen und Möglichkeiten. Trauern, hadern, seine Wunden zu lecken sind auch immer Zeiten, in denen wir innehalten. Es sind Zeiten, in denen wir unser Leben und uns selbst hinterfragen. Dieses Hinterfragen führt zu Einsichten in das eigene Sein und Tun, es bringt förmlich Licht ins Dunkel des Unterbewusstseins, holt Dinge hervor, die tief darin verborgen waren.  Vielleicht sehen wir das im ersten Moment nicht, da der Schmerz über das Scheitern einer Hoffnung zu gross ist. In diesen Momenten hilft es wohl nur, im Wissen darum zuversichtlich zu sein, dass auf Dunkelheit auch wieder Licht folgen wird, so wie Udo Jürgens singt:

«Immer, immer wieder geht die Sonne auf
und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht,
Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf,
denn Dunkelheit für immer gibt es nicht»

Tagesgedanken: Schutzschild

«Der Eremit
Sie warfen nach ihm mit Steinen.
Er lächelte mitten im Schmerz.
Er wollte nur sein, nicht scheinen.
Es sah ihm keiner ins Herz.

Es hörte ihn keiner weinen,
Er zog in die Wüste hinaus.
Sie warfen nach ihm mit Steinen.
Er baute aus ihnen sein Haus.»[1]
(Mascha Kaleko)

Wir sind als Menschen soziale Wesen, wir sind abhängig voneinander, da wir allein nicht überlebensfähig sind – dies nicht nur im körperlichen, sondern vor allem auch im psychischen Sinn. Die Seele leidet, wenn man sich nicht akzeptiert fühlt. Die Welt scheint fern und fremd, wenn man sich in ihr nicht zu Hause fühlt. Zu Hause fühlt man sich da, wo man sich angenommen fühlt, wo man sein darf, wer man ist, wo man spürt: Ich gehöre dazu, ich bin so akzeptiert, wie ich bin.


Ich kann mir zwar wünschen, dass mich andere Menschen als die nehmen, die ich bin – selbst, wenn ich anders bin als sie. Erwarten kann ich es leider nicht, verlangen schon gar nicht. Was, wenn die Anerkennung ausbleibt? Wenn ich mich ausgestossen fühle aus der Gemeinschaft, weil ich in den Augen anderer nicht hineinpasse? Muss oder kann ich mich so sehr verbiegen, dass ich passend werde? Würden sie mich dann mögen? Wäre ich dann zufrieden? Aber: Wen würden sie dann eigentlich mögen? Wäre das noch ich?

Oder muss ich meine Koffer packen und gehen? In der Hoffnung, Menschen zu finden, die mich so verstehen und annehmen können, wie ich bin? Nur: Das werden wohl nirgends alle sein. Wie viele braucht es, um mich akzeptiert zu fühlen, und mit wie viel Ablehnung und Ausgrenzung kann ich umgehen? Kann ich an dieser auch wachsen? Indem ich mir einen Schutz aufbaue, wie der Eremit in Mascha Kalékos Gedicht sein Haus? Oder maure ich mich dann ein und werde unberührbar, damit unfähig, noch wirkliche Begegnungen zu haben, Beziehungen zu leben?

Du bist, wie du bist und du bist nicht genehm
Du bist, wer du bist, und du wirst nicht geseh’n.
Du wirst ausgemessen und sorgsam geprüft,
man schaut nur von aussen, mehr will man nicht seh’n.

Das reicht schon zu wissen, ob du wirklich passt.
Du denkst dir nichts Böses, du möchtest nur sein.
Und merkst ganz tief drin, ich gehör’ hier nicht rein.
Du fühlst dich alleine, verlassen und leer.

Du fühlst dich verloren, und möchtest weggeh’n.
Du stellst dir die Frage: «Wo soll ich nur hin?
Wo ist der Ort bloss, für mich, wie ich bin?»

Allen werde ich nie gefallen, danach zu streben hiesse, mich immer wieder selbst zu verletzen durch falsche Hoffnungen und Erwartungen und die darauffolgenden Enttäuschungen. Schlussendlich wird es auch nicht gelingen, mich auf Dauer zu verbiegen, denn das eigene Gefühl, nicht sein zu können, wer ich eigentlich bin, untergräbt die Freude an der Beziehung mit anderen, es ist ein zu grosser Preis: Ich gehöre nur dazu, weil ich bin, wie sie mich haben wollen, nicht weil ich bin, wer ich bin.

Es bleibt wohl nur eines: Ich muss mir immer wieder klar werden, wer ich bin und was ich will und brauche im Leben und von anderen Menschen. Und dann muss ich sehen, ob ich das in solcher Form kriege an dem Ort, wo ich bin, oder ob ich vielleicht am falschen Platz bin. Dann müsse ich mir einen suchen, der besser passt. Vielleicht reichen aber auch kleine Anpassungen aus, um einen Ort zu einem passenden zu machen. Vielleicht muss ich kein Haus bauen, nicht mal Mauern errichten, es reicht vielleicht ein Schutzschild, den ich hochhalten kann. Ein Schutzschild, hinter das ich in unsicheren Momenten treten kann und hinter dem das warme Gefühl aufkommt: Ich bin, wie ich bin, und das ist gut so. Und dann trete ich wieder hervor und schaue, ob das auch noch andere finden. Und wenn ich mich auf die konzentriere, statt immer jene im Blick zu haben, die mich ablehnen, stehe ich plötzlich in einer Welt, in der ich mich wohlfühlen kann.


[1] Zit. Nach «In meinen Träumen läutet es Sturm» ©1977 dtv Verlagsgesellschaft mbH&Co.KG, München

Tagesgedanken: Alles im Wandel

Manchmal steht man im Leben und alles scheint gut. Wohin man blickt viel Licht und Gutes, die Dinge laufen, wie sie sollen, eine grosse Dankbarkeit erfüllt einen, weil man weiss, dass das alles nicht selbstverständlich ist. Manchmal dauert es nicht lang, bis sich dieses Nicht-selbstverständlich-Sein deutlich zeigt: Quasi aus dem Nichts liegt das ganze Glück in Trümmern, ein kleiner Auslöser und das Leben, das gerade noch hell und schön und voller Freude war, gleicht einem dunkeln Loch, dessen Ausgang unsichtbar in weiter Ferne zu liegen scheint. 

Was tun? Hadern? Wohl schon. Nur wenige Menschen haben wohl die Gelassenheit, das einfach still hinzunehmen. Besser ist es aber wohl, das nicht zu lange zu tun, denn erstens macht es die Situation nicht besser und zweitens findet man damit keinen Weg aus dem Dunkel. Ich sagte immer, dass es auch in düsteren Momenten Lichtvolles und Schönes gibt, man müsse es nur sehen. Das ist durchaus so, ich bin davon überzeugt, und doch ist das alles nicht so einfach. Obwohl man es weiss und auch sieht: das gute Gefühl dabei bleibt aus.

Manchmal gehören die dunklen Momente einfach zum Leben und man muss sie annehmen. Vielleicht hilft in solchen Situationen vor allem eines: Das Vertrauen darauf, dass das, was sich in die dunkle Richtung verändern konnte, auch wieder zum Hellen zurückkehren kann, hin zum Licht. 

Theodor Fontane hat das in seinem tröstlichen Gedicht beschrieben:

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all dich drücken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
Zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens
Und – es kommt ein andrer Tag.

Tagesgedanken: Was bleibt

Es gibt Tage, nach denen ist nichts mehr, wie es mal war. Es sind Tage, an denen etwas passiert, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, bei denen es ein Davor und ein Danach gibt. Es sind Tage, die einen Riss im Leben hinterlassen, eine Lücke. Und keiner ist davor sicher.

„Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.“
Masche Kaleko

Der Tod entreisst. Er trennt, was mal zusammen war. Er nimmt den einen mit und lässt den anderen ohne diesen zurück. Was nach dem Tod kommt, wissen wir nicht, was er uns nimmt, ist umso klarer. Und damit müssen wir weiterleben. Wo mal jemand war, ist keiner mehr. Und doch bleibt ganz viel. Und das ist nur da, weil der da war, der nun fehlt. Dieses Wissen legt einen Grundstein für Dankbarkeit, die weiter durchs Leben trägt nebst all den schönen Erinnerungen, die das Herz nähren.

Rilke schrieb:

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehen.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.“

Und wer weiss: Vielleicht ist der letzte Ring auch der Ring, den andere für uns weiterziehen. Durch ihre Erinnerung. Und wir gestalten diese Erinnerung durch unsere Gegenwart.

Tagesgedanken: Trost der Lyrik

Als ich während meiner Dissertation viel Literatur und Zeugnisse von Überlebenden des Holocaust gelesen habe, stiess ich immer wieder auf Aussagen, dass sie in der Lyrik, in der Literatur Halt und Trost gefunden hätten in diesen grausamen und menschenunwürdigen Zeiten. Beim Lesen von Hannah Arendts Biografie stiess ich auf diese eindrückliche und bewegende Geschichte:

Hannah Arendt und Heinrich Blücher mussten während des Zweiten Weltkrieges aus Deutschland fliehen und sie gingen nach Frankreich. Als die Deutschen Besatzungen Frankreich besetzten, war das Leben auch da nicht mehr sicher. Eines Tages kam der Befehl für Heinrich Blücher, er müsse, wie viele der Flüchtlinge damals, in ein Lager. Heinrich Blücher nahm ein Gedicht von Bertolt Brecht mit auf den Weg, es sollte sein Talisman sein. Das Gedicht hatte da schon eine lange Reise hinter sich: Walter Benjamin hatte es von einem Besuch bei Brecht aus Dänemark mitgebracht und Blüchers übergeben. Hannah Arendt lernte das Gedicht auswendig und gab das gedruckte Exemplar Blücher mit. Für Blücher enthielten diese Zeilen eine persönliche Botschaft, sie versprachen Hoffnung und gaben ihm Halt.

Blücher sprach dem Gedicht magische Kräfte zu, indem er dachte, dass er die als Freunde erkennen würde, die dieses Gedicht verstehen. Bei dem Gedicht handelte es sich um Brechts „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“. Es brachte Heinrich Blücher nicht nur Gleichgesinnte und Kameradschaften, es hatte generell grosse Wirkung im Lager und wurde für viele ein Rettungsanker in der Hoffnungslosigkeit. Besonders eine Stelle mag gewirkt haben:

…dass das weiche Wasser in Bewegung
Mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt.
Du verstehst, das Harte unterliegt.“

Es bringt wenig Gutes, im Angesicht von Problemen hart zu werden, die harten Bandagen sind selten das geeignete Mittel für eine gute Veränderung. Aus diesen Zeilen spricht die Hoffnung, dass im Zarten und Weichen die Lösung liegt, wir müssen diesem nur genug Raum und Zeit geben – und darauf vertrauen.

#abcdeslesens – T wie The Road Not Taken (Robert Frost)

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that, the passing there
Had worn them really about the same.

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Eines der wohl bekanntesten Gedichte von Robert Frost, fast möchte ich sagen, der englischsprachigen Dichtung. Im Spiel mit dem Bild eines Weges, der für den Lebensweg stehen kann, trifft der Gehende auf eine Weggabelung. Welchen Weg soll er beschreiten? Was verspricht der eine, was der andere? Was werden sie beide halten? Vor dem Gehen wird man es nicht wissen, man kann nur Abwägungen machen, die Wege von aussen betrachten, Vorstellungen zu Hilfe ziehen – und dann wird man eine Entscheidung treffen müssen.

Das Ich im Gedicht schaut sich die Wege an, schaut dem einen nach, bis er sich der Sicht entzieht, begutachtet den anderen. Vieles deutet darauf hin, dass beide etwa gleich viel begangen worden sind, und doch gibt es Spuren für das Gegenteil. Beide Wege liegen gleich vor ihm an diesem Morgen. Und so entscheidet sich das Ich für einen, behält sich den anderen für später vor, im Wissen, dass ein Weg oft in einen anderen führt, die Chance also gross ist, dass es nie mehr an den Punkt von heute zurück kehren wird.

Oft im Leben stehen wir vor Entscheidungen und überlegen nach allen Seiten, welche die für uns beste sei. Wir wägen ab, stellen uns Konsequenzen vor und wissen, dass jede Entscheidung für etwas, auch eine gegen etwas anderes sein wird. Nur: Wir können nicht alles haben, wir müssen eine Wahl treffen. Und: Vieles im Leben kommt nicht wieder.

Bemerkenswert ist der letzte Vers. In der ersten Zeile heisst es da, dass das ich dies mit einem Seufzen sagen werde. Das Ich sagt es nicht mal jetzt, sondern erst irgendwann und irgendwo, dann, wenn der Weg gegangen ist und es sehen wird, wohin er geführt hat. Was aber bedeutet das? Ein Seufzen ist keine eindeutige Angelegenheit. Je nachdem, wie man seufz, kann es Erleichterung oder Bedauern ausdrücken. Wir wissen nicht, welche Art des Seufzen es hier sein wird.

Und dann wird alles nochmals zusammengefasst: Wir haben die klare Ausgangslage der zwei Strassen, die sich trennen in einem Wald. Und dann folgt die Entscheidung: Das Ich nimmt den Weg, der weniger begangen ist. Und das macht den ganzen Unterschied. Was nun so klar daliegt, ist allerdings alles andere als klar. Wir wissen nicht, welchen Unterschied das macht, ob dieser positiv oder negativ ist für das Ich, das den Weg gegangen ist. Und vermutlich ist das gar nicht wichtig. Nur schon das Treffen einer Entscheidung hat einen Unterschied gemacht, indem ich nämlich weiter gehe im Leben und nicht stehen bleibe. Einmal getroffen, gilt es, den Weg zu gehen. Bis sich wieder neue Weggabelungen zeigen.

Ich konzentriere mich in meinem Blog und auch in meinem Lesen allgemein mehrheitlich auf deutschsprachige Literatur, doch gibt es so ein paar Lieblinge aus anderen Ländern, die ich nicht missen möchte. Robert Frost ist einer davon. Die Schwierigkeit, die sich dabei zeigt, ist die des Übersetzens – gerade in der Lyrik (sie ist aber auch in der Prosa ein grösseres Thema, als landläufig angenommen wird, da ein falscher Sprachduktus in der übersetzten Sprache das ganze Buch komplett verändern kann und viel vom Charme wegfällt, welchen das Original hatte). Zwar verstehe ich Englisch durchaus ziemlich gut, was bei anderen Sprachen leider nicht mehr der Fall ist, ich habe mich bei diesem Gedicht aber doch um Übersetzungen bemüht, vor allem auch, weil ich das Gedicht so liebe und es auch Menschen zugänglich machen möchte, welche im Englischen nicht so bewandert sind.

Deutsche Übersertzung von Lars Vollert:

Ein Weg ward zwei im gelben Wald.
Betrübt, dass ich nicht beide gehen
Und Einer sein kann, macht’ ich Halt
und sah dem einen nach, der bald
im Dickicht war nicht mehr zu sehn.

Ich nahm darauf den andern dann.
Sein gutes Recht gewährt’ ich ihm:
Das Gras stand dort schon wieder lang,
obgleich er durch der Leute gang
genauso ausgetreten schien.

Auf beiden an dem Morgen lag
das Laub von Tritten nicht zerdrückt.
Dem ersten blieb ein nächster Tag!
Weil eins zum andern führen mag,
ahnt’ ich, ich käm wohl nicht zurück.

Ich sag mit einem Seufzen sicherlich,
wenn viele Jahre ich verbracht:
Ein Weg ward zwei in einem Wald, und ich –
ich nahm den einsamen für mich,
das hat den Unterschied gemacht.

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Literaturhinweis:
Robert Frost: Promises to keep. Poems Gedichte, Übersetzung und Nachwort von Lars Vollert, C. H. Beck textura, 9. Auflage, München 2016.

Thomas Sparr: Todesfuge. Biographie eines Gedichts

Inhalt

«Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus  Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland  
 
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith»

In den Jahren 1944/45 entstand wohl eines der bekanntesten Gedichte deutscher Lyrik: Paul Celans «Todesfuge». Es fand Eingang in zahlreiche Anthologien und Schulbücher, wurde wieder und wieder zitiert und adaptiert. Paul Celan wiederlegte damit Adornos Ausspruch, dass nach Auschwitz keine Gedichte mehr geschrieben werden könnten, er zeigt aber auch, dass solche in einer neuen Sprache geschrieben sein müssen. Eine Sprache, die einen Bruch zeigt zu dem, was war, eine Sprache, die ermöglicht zu sagen, was eigentlich unsagbar ist.

Thomas Sparr geht diesem Gedicht in seinem Buch auf den Grund. Er zeigt, wie es entstanden ist, was die Beweggründe für die Entstehung waren und wie es später rezipiert wurde. Er schreibt damit nicht nur eine Biographie eines Gedichts, sondern er zeigt auch, dass die Biographie seines Autors tief in dieses eingeschrieben ist.

Weitere Betrachtungen
Das Buch erschien 2020, Paul Celan wäre in dem Jahr 100 Jahre alt geworden. Der Titel zeigt deutlich, dass es sich nicht um die Biographie des Lyrikers handelt, sondern um die des Gedichts. Folgerichtig lässt Sparr nur das aus Celans Biographie einfliessen, was für die Entstehung des Gedichts wichtig war, weil es in diesem verarbeitet wurde oder aber als Grundlage für die Entstehung diente.

Thomas Sparr wollte mit diesem Buch eine Lücke schliessen. Gilt die Todesfuge als eines der bekanntesten Gedichte, das oft zitiert und publiziert wird, ist über dessen Entstehung landläufig nur wenig bekannt. Es ist ihm gelungen, nicht nur ein gut fundiertes, ausführliches Bild der Hintergründe und der Entstehungszeit zu zeichnen, auch die Rezeption hat er gut herausgearbeitet und so quasi eine Lebensgeschichte eines Gedichts geschaffen. Gleichzeitig öffnet dieses Buch auch den Blick auf das Zeitgeschehen, die gesellschaftlichen Zustände in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Indem Thomas Sparr dem Leser all diese Informationen liefert, lässt er diesem doch genug Spielraum für eigene Betrachtungen und Interpretationsansätze. Denn eines ist sicher: Es gibt für dieses Gedicht keine eindeutige und absolut gültige Interpretation. Die Sprache ist zu komplex, die Querbezüge auf andere Werke, die Metaphern und Bilder sind zu vieldeutig, die Gedanken und Brüche sind zu tief. Dies ist auch die Botschaft von Thomas Sparr, was sein Buch umso mehr auszeichnet.

Persönlicher Bezug
Auf Paul Celan stiess ich über Ingeborg Bachmann, die mich lange sehr intensiv beschäftigte und auch faszinierte. Natürlich war mir Paul Celan auch schon vorher ein Begriff gewesen, aber nie in der Tiefe, in welcher ich ihn danach kennenlernte. In diesem Gedicht vereinigen sich einige meiner Forscherleidenschaften: Lyrik, die Auseinandersetzung mit Sprache allgemein und die Beschäftigung mit dem Holocaust und dessen Folgen.

Fazit
Ein sehr informatives, kompetentes, aufschlussreiches und doch gut lesbares Buch über eines der wohl bekanntesten Gedichte der Deutschen Lyrik. Für Lyrikliebhaber, insbesondere für an Paul Celans Lyrik Interessierte ein Gewinn. Sehr empfehlenswert.

Zu Paul Celan
Paul Celan wird am 23. November 1920 in Czernowitz, Grossrumänien als Paul Antschel geboren. Celan lernt schon als Kind Gedichte auswendig, er liebt die deutsche Literatur, allen voran Hölderlin, Heine und Kafka. Es dauert nicht lange, dass eigene Gedichte aus seiner Feder fliessen. Er studiert zuerst Medizin, dann Romanistik mit Unterbruch wegen des Krieges. 1947 geht er nach Wien, 1948 nach Paris. Im selben Jahr lernt er auch Ingeborg Bachmann kennen – eine nicht lebbare Liebe. Er heiratet später eine andere, Gisèle Lestrange.

Traumatisiert von den schrecklichen Erlebnissen des Krieges, sieht sich Paul Celan Zeit seines Lebens als Opfer. Vor allem die Frauen in seinem Leben kriegen das zu spüren, denn sie werden in die Schuldrolle gedrängt. Paul Celan ist ein Gefangener seiner Vergangenheit. Und er versucht, diese zu bewältigen. Nicht einfach für einen, der in der deutschen Sprache verhaftet ist, in dem Sprachraum dringend Aufmerksamkeit und Erfolg sucht, sich aber davon abgrenzen will. Die Folge ist eine immer mehr ins Unverständliche abdriftende Sprache.

Paul Celan zieht sich mehr und mehr zurück, wird gegen die ihm Nahem immer aggressiver, bricht den Kontakt zu den anderen ab. Die Welt scheint ihm immer fremder zu werden, die Menschen sieht er mehr und mehr als Feinde. 1970 entzieht er sich dem, was für ihn nicht mehr tragbar ist, er steigt in die Seine und ertrinkt. 50 Jahre nach seiner Geburt.

Autor
Thomas Sparr, Jahrgang 1956, war nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie in Marburg, Hamburg und Paris von 1986 bis 1989 an der Hebräischen Universität in Jerusalem tätig, anschließend im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Von 1990 bis 1998 leitete er den Jüdischen Verlag, war Cheflektor des Siedler Verlags und arbeitet heute als Editor-at-Large im Suhrkamp Verlag in Berlin. Er ist mit Arbeiten zu Paul Celan hervorgetreten. Zuletzt erschien von ihm »Grunewald im Orient. Das deutsch-jüdische Jerusalem«.

Angaben zum Buch
Herausgeber: ‎ Deutsche Verlags-Anstalt; Originalausgabe Edition (10. März 2020)
Taschenbuch: ‎ 336 Seiten
ISBN-13: ‎ ‎ 978-3421047878

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#abcdeslesens – S wie «Sieh nicht, was andre tun» (Christian Morgenstern)

Sieh nicht, was andre tun,
der andern sind so viel,
du kommst nur in ein Spiel,
das nimmermehr wird ruhn.

Geh einfach Gottes Pfad,
lass nichts sonst Führer sein,
so gehst du recht und grad,
und gingst du ganz allein.

Eine lyrische Analyse wird hier eigentlich überflüssig. Klar könnte man den Klammerrein anmerken, den jambischen, regelmässigen Fluss, aber es erscheint nicht nötig. Wir haben hier ein kleines, feines Gedicht, das viel Lebens-Wahrheit in sich trägt. Kurz gesagt bringt es folgende Botschaft an den Leser:

Sei du selbst und alles ist gut.

Wir neigen oft dazu, uns an anderen auszurichten, sie zum Vorbild zu nehmen. Dann stehen wir da, vergleichen uns und sind mit uns unzufrieden. Wie viel besser wäre es, so zu sein wie der andere. Nur: Selbst wenn wir das hinkriegten, wenn wir so wären, wie der andere, bliebe ein Problem – nein, es bleiben mehrere: Wir wären nicht mehr wir selber, insofern nicht mehr authentisch. Wir hätten eine Rolle übernommen, die wir nun spielen. Und in diesem Spiel werden wir nie zur Ruhe kommen, weil unser Naturell, uns zu vergleichen, uns sicher bald einen Nächsten bringen wird, dem wir noch besser nacheifern würden.

So gehen wir rastlos durch das Leben auf der Suche nach dem besten Ich, welches wir aber nie sind, da wir fremde Massstäbe übernehmen. Erst wenn wir uns auf unser eigenes Sein verlassen, wenn wir unseren eigenen Weg gehen, werden wir zur Ruhe kommen. Dann wird es nicht mehr nur ein Rollenspiel sein, sondern ein Leben aus tiefstem Herzen, ein authentisches und echtes Leben. Unser Leben.

#abcdeslesens – R wie «Römische Fontäne» (Rainer Maria Rilke)

Borghese

Zwei Becken, eins das andere übersteigend
aus einem alten runden Marmorrand,
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend
zum Wasser, welches unten wartend stand,

dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,
ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;

sich selber ruhig in der schönen Schale
verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,
nur manchmal träumerisch und tropfenweis

sich niederlassend an den Moosbehängen
zum letzten Spiegel, der sein Becken leis
von unten lächeln macht mit Übergängen.

Rilke hat dieses Gedicht im Jahr 1906 in Paris geschrieben (es erschien in den «Neuen Gedichten»), er dürfte beim Schreiben aber an seine Reise nach Rom gedacht haben, wo er mit seiner Frau Clara war und oft den Borghese-Garten besucht hatte. Rilke empfand diesen Garten als Zuflucht, als Ort der Stille im lärmig-lauten Rom, mit dem er sich nicht richtig anfreunden konnte.

Das Sonett besteh aus einem einzigen Satz, der sich über die Strophen ergiesst, wie das Wasser es beim Brunnen tut. Wie bei seinen anderen Ding-Gedichten fehlt auch hier ein lyrisches Ich, der Brunnen steht für sich allein und das Wasser fliesst ungehindert. Es ist quasi eine Selbstbegegnung des Wassers mit sich selber, wir haben hier auch kein Geben und Nehmen wie zum Beispiel bei Meyers Gedicht zum selben Brunnen. Bei Rilke ist es ein Fliessen und wartendes Empfangen.

Zentral erscheint in diesem Gedicht die Ruhe, keine Hektik ist zu spüren, kein Lärm, alles ist langsam, leise, sanft. Es wird gewartet, sich geneigt, sich gezeigt, gelächelt. Zwei Becken liegen übereinander, aus dem einen neigt sich das eine leise und redet ebenso, das andere wartet und schweigt. Im Brunnen spiegelt sich ruhig sich ausbreitend der Himmel, fast verborgen. Er gehört da hin, denn er verspürt kein Heimweh, ist also nicht am falschen Ort – anders als Rilke in Rom. Und wohl auch anders als Rilke im Leben, war er doch ohne eigentliches Heim, immer auf der Durchreise und wohl doch mit einer Sehnsucht nach Heimat im Herzen.

Aus dem ganzen Gedicht dringt die Stille, derer Rilke so sehr bedurfte in dem hektischen Rom. Damit tut er schreibend das, wozu Gedichte beim Lesen so oft dienen können: Er schafft mit dem Gedicht einen wohltuenden Ort inmitten eines Raumes, in welchem er sich unwohl fühlt.

Zum Autor
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Glücklich kann man seine Kindheit wahrlich nicht nennen. Erst wollte die Mutter ihn eigentlich als Mädchen sehen, steckte ihn in entsprechende Kleider, später sollte er eine Militärlaufbahn anstreben, was gar nicht seinem Naturell entsprach und ihn entsprechend unglücklich machte. Nach sechs Jahren konnte er krankheitsbedingt abbrechen. Der nachfolgende Besuch der Handelsakademie wurde auch abgebrochen, dies wegen einer unstatthaften Beziehung zu einem Kindermädchen. Es folgte ein Studienbesuch und dann kam es zu der Begegnung, die wohl sein Leben am massgeblichsten geprägt hat: Lou Andreas-Salomé trat in sein Leben und änderte gleich mal seinen Namen hin zum (wie sie fand) männlicheren Rainer.

Rilke ist ein Nomade, wohnt an keinem Ort lange, hält es mit keiner Frau lange aus, mag Beziehungen eher auf Distanz als in der Nähe. Seine einzige und wirkliche Liebe scheint der Dichtung zu gehören. Immer wieder um seine Gesundheit kämpfend wurde 1926 bei Rainer Maria Rilke Leukämie diagnostiziert. Er stirbt am 29. Dezember 1926 in der Nähe von Montreux und wird am 2. Januar darauf im Bergdorf Raron beigesetzt, nahe seines letzten Wohnortes. Den Spruch für seinen Grabstein hat er selber verfasst:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

#abcdeslesens – Q wie «Quai du Rosaire » (Rainer Maria Rilke)


Brügge

Die Gassen haben einen sachten Gang
(wie manchmal Menschen gehen im Genesen
nachdenkend: was ist früher hier gewesen?)
und an die Plätze kommen, warten lang

auf eine andre, die mit einem Schritt
über das abendklare Wasser tritt,
darin, je mehr sich rings die Dinge mildern,
die eingehängte Welt von Spiegelbildern
so wirklich wird wie diese Dinge nie.

Verging nicht diese Stadt? Nun siehst du, wie
(nach einem unbegreiflichen Gesetz)
sie wach und deutlich wird im Umgestellten,
als wäre dort das Leben nicht so selten;
dort hängen jetzt die Gärten gross und gelten,
dort dreht sich plötzlich hinter schnell erhellten
Fenstern der Tanz in den Estaminets.

Und oben blieb? – – Die Stille nur, ich glaube,
und kostet langsam und von nichts gedrängt
Beere um Beere aus der süssen Traube
des Glockenspiels, das in den Himmeln hängt.

Ein Gedicht voller Bilder, ein Gedicht, das anschaulich macht, was nur zu fühlen ist beim Gang durch die Stadt. Brügge sei es, steht oben. Das ist verwunderlich, als im Gedicht vorkommt, die Stadt sei vergangen, was mit Brügge nie passiert ist, blieb diese doch verschont im Krieg. Ob das Vergehen der Zeit gemeint ist, der Wandel durch die Zeiten hindurch? War Brügge früher Handelszentrum, nahm die wirtschaftliche Stellung in der Neuzeit ab, die Industrialisierung hat sie nicht mehr mitgemacht. Ob das Erbe der alten Zeiten noch in den Gassen hängt?

Es ist Abend, die Kanäle rund um die Stadt haben klares Wasser, in welchen sich die Häuser spiegeln. Ein Spiegel ist nie das, was wirklich ist, es ist ein Abbild. Von diesem Abbild erzählt das Gedicht, welches wiederum ein neues Abbild schafft, indem es Gefühle und Stimmungen in Worten ausdrückt und sie so erfahrbar macht. Als Leser sind wir nun mit einer Wirklichkeit betraut, welche es eigentlich nicht gibt, die aber doch durch die Worte hindurchschimmert als Ahnung dessen, was sein könnte.

Während das Hier und heute schnell und hell und gross erscheint und als Leben in den Kneipen tanzt, bleibt leise die Ahnung dessen, was war, in den Gassen, die in der Abendstille daliegen. Und diese Stille ist es, die Rilke als die wahre Schönheit, als süsse Traube des Himmels, sieht.

Ein Gedicht voller bildsprachlicher Schönheit, das dazu aufruft, hinzuschauen, nicht einfach blind durch die Gassen und Strassen zu gehen, sondern offen zu sein für die Schönheiten, die sich zeigen, für die Geschichten, die versteckt lauern, für die Gefühle, die sich einstellen können, wenn man offen bleibt.

Zum Autor
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Glücklich kann man seine Kindheit wahrlich nicht nennen. Erst wollte die Mutter ihn eigentlich als Mädchen sehen, steckte ihn in entsprechende Kleider, später sollte er eine Militärlaufbahn anstreben, was gar nicht seinem Naturell entsprach und ihn entsprechend unglücklich machte. Nach sechs Jahren konnte er krankheitsbedingt abbrechen. Der nachfolgende Besuch der Handelsakademie wurde auch abgebrochen, dies wegen einer unstatthaften Beziehung zu einem Kindermädchen. Es folgte ein Studienbesuch und dann kam es zu der Begegnung, die wohl sein Leben am massgeblichsten geprägt hat: Lou Andreas-Salomé trat in sein Leben und änderte gleich mal seinen Namen hin zum (wie sie fand) männlicheren Rainer.

Rilke ist ein Nomade, wohnt an keinem Ort lange, hält es mit keiner Frau lange aus, mag Beziehungen eher auf Distanz als in der Nähe. Seine einzige und wirkliche Liebe scheint der Dichtung zu gehören. Immer wieder um seine Gesundheit kämpfend wurde 1926 bei Rainer Maria Rilke Leukämie diagnostiziert. Er stirbt am 29. Dezember 1926 in der Nähe von Montreux und wird am 2. Januar darauf im Bergdorf Raron beigesetzt, nahe seines letzten Wohnortes. Den Spruch für seinen Grabstein hat er selber verfasst:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

#abcdeslesens – P wie „Der Panther“ (Rainer Maria Rilke

Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

Der Panther ist wohl eines der bekanntesten Dinggedichte Rilkes. Bei Dingggedichten werden leblose oder lebendige Objekte zum Sujet des Gedichts, sie tragen die Botschaft. Rilke gilt als Schöpfer der Dinggedichte, sie sind bei ihm vor allem in den Neuen Gedichten (1907/08) zu finden.

Der Panther hat drei Strophen mit je vier Versen, die als Reimschema jeweils den Kreuzreim aufweisen. Auffällig ist auch der Binnenreim in der dritten Zeile, des Weiteren die Häufung des Umlauts ä, welche dem Gedicht einen eigenen Klang geben. Der Rhythmus mit dem stets gleich bleibenden jambischen Metrum nimmt den Inhalt auf, er wirkt träge. Indem man das Gedicht laut liest, spürt man die Bewegung des Panthers förmlich. Man sieht und hört, wie er hinter Stäben hin und her geht, wie er ganz auf sich zurückgeworfen ist, weil da ausser tausend Stäben keine Welt mehr zu sein scheint.

Indem Rilke den Panther von aussen beschreibt, in der ersten Strophe den Blick, dann den Gang, schliesslich das Auge, von wo er im Herzen landet, legt er gleichzeitig die Innensicht des Panthers offen. Wie der Blick scheint auch der Panther müde, er läuft nur in dem ewig gleichen Rhythmus hin und her. Zwar sieht man noch die Kraft, die in ihm steckte, allein sie ist betäubt – wie es auch sein Wille ist.

Und doch gibt es Momente, da wird er wach, da sieht er ein Stück Welt, die ihm ins Herz dringt, wo alles wieder endet. Danach könnte das Gedicht wieder von vorne beginnen.

Der Erfolg des Gedichts kommt wohl unter anderem daher, dass man sich selbst erkennt in diesem Panther. Auch als Mensch ist man oft müde von all den Alltäglichkeiten des Seins, von (von aussen und innen gebildeten) Gefängnissen und Einschränkungen. Man folgt ewig gleichen Pfaden über Tage Wochen, Jahre, glaubt kaum mehr, dass es irgendwann anders sein könnte – ausser vielleicht dann, wenn ein kleiner Hoffnungsschimmer ins Herz sticht, ausgelöst durch ein Bild, ein Wort, einen Gedanken.

Danach nimmt das Leben wieder seinen Lauf. Und man geht ihn mit, Schritt für Schritt in all den Schranken, die um einen sind.

Zum Autor
René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag, welches damals zu Österreich-Ungarn gehörte, geboren. Glücklich kann man seine Kindheit wahrlich nicht nennen. Erst wollte die Mutter ihn eigentlich als Mädchen sehen, steckte ihn in entsprechende Kleider, später sollte er eine Militärlaufbahn anstreben, was gar nicht seinem Naturell entsprach und ihn entsprechend unglücklich machte. Nach sechs Jahren konnte er krankheitsbedingt abbrechen. Der nachfolgende Besuch der Handelsakademie wurde auch abgebrochen, dies wegen einer unstatthaften Beziehung zu einem Kindermädchen. Es folgte ein Studienbesuch und dann kam es zu der Begegnung, die wohl sein Leben am massgeblichsten geprägt hat: Lou Andreas-Salomé trat in sein Leben und änderte gleich mal seinen Namen hin zum (wie sie fand) männlicheren Rainer.

Rilke ist ein Nomade, wohnt an keinem Ort lange, hält es mit keiner Frau lange aus, mag Beziehungen eher auf Distanz als in der Nähe. Seine einzige und wirkliche Liebe scheint der Dichtung zu gehören. Immer wieder um seine Gesundheit kämpfend wurde 1926 bei Rainer Maria Rilke Leukämie diagnostiziert. Er stirbt am 29. Dezember 1926 in der Nähe von Montreux und wird am 2. Januar darauf im Bergdorf Raron beigesetzt, nahe seines letzten Wohnortes. Den Spruch für seinen Grabstein hat er selber verfasst:

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

#abcdeslesens – O wie „Oh Mensch! Gib Acht! (Friedrich Nietzsche, Zarathustras Rundgesang)

Eins!
Oh Mensch! Gib acht!
Zwei!
Was spricht die tiefe Mitternacht?
Drei!
«Ich schlief, ich schlief – ,
Vier!
«Aus tiefem Traum bin ich erwacht:-
Fünf!
«Die Welt ist tief,
Sechs!
«Und tiefer als der Tag gedacht.
Sieben!
Tief ist ihr Weh -,
Acht!
«Lust – tiefer noch als Herzeleid:
Neun!
«Weh spricht: Vergeh!
Zehn!
Doch alle Lust will Ewigkeit -,
Elf!
«- will tiefe, tiefe Ewigkeit!
Zwölf!

In diesem Gedicht treffen sich Poesie und Musik. Das 1884 geschriebene Gedicht, es ist zentral als Zarathustras Rundgesang in Nietzsches Werk «Also Sprach Zarathustra», wurde 1895 von Gustav Mahler vertont. Damit treffen ein musikalischer Philosoph und ein philosophischer Komponist aufeinander und kreieren quasi ein gemeinsames Kunstwerk.  

Zwölf Glockenschläge dauert das Gedicht. In ihnen ist die Vergänglichkeit des Lebens symbolisiert. Zugleich spricht er das Leid und die Lust des Lebens an, zwei Prinzipien, die bei Nietzsche in Bezug auf das Leben immer wieder zum Tragen kommen.

Nietzsche spricht den Menschen direkt an: Er soll achtgeben. Wovor? Dazu muss man wohl tiefer in den «Zarathustra» eintauchen, sehen, wie er das Leiden, die Schwere der Zeit beleuchtet und immer wieder nach Leichtigkeit, nach dem Tänzerischen im Leben sucht. Was also passte besser als ein Lied, später gar vertont?

Der Tag ist tief, viel tiefer als man denkt. Und in allem steckt das Weh. Es wird nur von einem noch übertroffen: Von der Lust. Während man nun das Leid zum Verschwinden bringen möchte, erhofft man sich von der Lust Ewigkeit – möge sie immer anhalten, möge der Tanz nie enden.

Doch dann kommt der zwölfte Glockenschlag. Und danach ist Schweigen. Wir wissen nicht, was sein wird, es bleibt also nur, zu geniessen, was ist.

Ilse Aichinger (1. November 1921 –  11. November 2016)

Geboren am 1. November 1921 erlebte Ilse Aichinger eine glückliche Kindheit. Sie selber bezeichnete diese immer als ihre glücklichste Zeit. Umso mehr traf sie der Verlust derselben, als ihr Jüdischsein zum Stigma wurde im Nazideutschland. 

„Ich habe unter keinem Verlust so gelitten wie unter dem Verlust der Kindheit. Er ist das Gemeinste an der Entwicklung der Menschen. Dagegen ist Altern gar nichts. Man verliert nicht mehr so viel.“

Es gab noch eine weitere glückliche Zeit in ihrem Leben: die Ehe mit Günter Eich, welchen sie 1951 bei einer Tagung der Gruppe 47 kennengelernt hatte. Leider war den beiden kein langes Glück beschert, da Günter Eich 1972 im Alter von nur 65 Jahren starb. Durch ihn sei sie kritischer und engagierter geworden, sagte Aichinger. Es war unter anderem auch ein Engagement der Sprache, ein Anschreiben gegen den Sprachverlust, gegen den Sprachmissbrauch. Das klingt in einer Rede (Rede an die Jugend) nochmals an, welche sie 1988 im Zuge einer Preisverleihung hielt: 

„Und nicht nur die Tage, auch die Worte müssen neu erkämpft werden, gerade in einer Zeit, die geneigt ist, sie über die Welt zu streuen und unbrauchbar zu machen, die sie in den Ohren dröhnen und nicht zu sich kommen lässt.“

Wie aktuell dies auch heute noch ist. Aus derselben Rede stammt auch die folgende, Mut machende und hoffnungsvolle Passage:

„Immer wieder wird es notwendig sein, die Träume aus dem Schlaf zu holen, sie der Ernüchterung auszusetzen und sich ihnen doch anzuvertrauen. Immer wird es ein Grat sein, der zu begehen ist. Die empfindlichen Instrumente des Gleichgewichts und der Unterscheidung müssen eingesetzt, Sein und Denken müssen aufeinander abgestimmt werden, massgeblich für alles, was kommt.“

Ilse Aichinger schrieb einen Roman, Essays und Erzählungen, doch ihre grosse Liebe galt immer der Lyrik. Mit ihren Texten wurde sie zur Gruppe 47 eingeladen, gewann 1952 deren Preis. Es sollten noch viele weitere Preise folgen, verdient, da ihre Texte von einer eigentümlichen Schönheit und Tiefe sind. Leider wird Ilse Aichinger als Schriftstellerin mit ihren Texten viel zu wenig beachtet. Der grosse Erfolg beim grossen Publikum blieb aus, vielleicht, weil der Umgang mit ihren Texten nicht nur einfach ist, weil man sich wirklich auf diese einlassen muss, um sie zu verstehen und in ihrer Wohldurchdachtheit bis ins letzte Wort erkennen will. 

Ab 1985 veröffentlicht Ilse Aichinger immer weniger, teilweise beschränken sich ihre Texte auf einzelne prägnante Sätze. Gefragt, was sie als ihre grösste Begabung ansähe, antwortete Ilse Aichinger anlässlich ihres 75. Geburtstags:

«Aber die grösste Begabung ist doch die, auf der Welt sein zu können. Es auszuhalten, mit einem gewissen Frohsinn.»

1998 kommt es zu einem grossen Schicksalsschlag für Ilse Aichinger, als ihr Sohn Clemens bei einem Autounfall ums Leben kommt. Zwei Jahre später beendet sie ihre Schreibpause und beginnt, für die österreichische Tageszeitung «Der Standard» Texte zu schreiben, welche mehrheitlich autobiographischer Natur waren.

Ilse Aichinger stirbt am 11. November 2016 in Wien.

#abcdeslesens – N wie „Nicht artig“ (Wilhelm Busch)

Man ist ja von Natur kein Engel,
Vielmehr ein Welt- und Menschenkind,
Und rings umher ist ein Gedrängel
Von solchen, die dasselbe sind.

In diesem Reich geborner Flegel,
Wer könnte sich des Lebens freun,
Würd es versäumt, schon früh die Regel
Der Rücksicht kräftig einzubläun.

Es saust der Stock, es schwirrt die Rute.
Du darfst nicht zeigen, was du bist.
Wie schad, o Mensch, dass dir das Gute
Im Grunde so zuwider ist.

Das Gedicht kommt ganz locker daher, spricht vom Menschen und seinen wenig lobenswerten Eigenschaften, spricht von der Zucht und Ordnung, die es braucht, den Menschen zu einem mit anderen kompatiblen Wesen zu machen, zählt die Mittel auf, die dazu verwendet werden und zieht schlussendlich den Schluss, wie der Mensch sei, nämlich: Von Natur schlecht.

Und man liest als Leser fröhlich mit, freut sich an den witzigen Wendungen und sitzt am Schluss da und fragt sich, ob das alles gewesen ist. Was natürlich nicht der Fall ist. Es gibt durchaus eine «Moral der Geschicht», die aber zum Glück nicht moralinsauer daherkommt, sondern in den witzigen Versen quasi zwischen den Zeilen versteckt ist. Gehen wir sie suchen.

Schon in der ersten Zeile steckt eine Andeutung: «Man ist ja von Natur kein Engel». Busch stellt diese Hypothese in den Raum und legt als quasi Begründung hinterher, dass man ja ein Mensch sei, was – so muss man schliessen – das Engel-Sein per se aussschliesst. Nun ist man natürlich nicht alleine so, rundherum sind ebensolche, das Flegeltum ist angeboren.  Was wäre das für ein trauriges Zusammensein, so die logische Schlussfolgerung aus dem Gedicht, würde man die aufeinander loslassen. Es geht ein Zusammenleben nur, wenn alle lernen, Rücksicht zu haben. Dazu sind harte Mittel erforderlich.

In der nächsten Zeile steckt eine deutliche Nachdenklichkeit: «Du darfst nicht zeigen, was du bist.» Vordergründig natürlich auf die Flegelnatur bezogen, lässt es sich aber auch tiefer lesen: Werden wir nicht von Kindesbeinen an so erzogen, dass wir lernen, auf eine gewisse Weise sein zu müssen, um in diese Gesellschaft mit ihren Anforderungen zu passen? Ist diese Gesellschaft nicht so ausgelegt, dass die in ihr vorherrschenden Regeln und Massstäbe allgemein verbindlich und deswegen ab dem Kindesalter zu vermitteln sind?

Busch schliesst mit der sich aus dem ganzen Argumentationsgerüst vorher ergebenden Schlussfolgerung: Der Mensch ist schlecht, das Gute muss man also förmlich in ihn hineinprügeln. Dass dem nicht so ist, man das nicht so sehen will, zeigt sich wohl am deutlichsten beim Lesen des Satzes. Die Frage, ob das wirklich so sei, schwingt schon beim letzten Wort mit und wird dann lauter. Es bleibt nun noch, über das Gedicht zu lachen und es abzutun, oder aber hinzusehen und zu hinterfragen: Was machen wir eigentlich in unserer Gesellschaft? Wieso sehen wir den Menschen von Natur aus als falsch an, so dass wir das Gefühl haben, wir müssen ihn zuerst passend machen, sprich erziehen, damit er ein passendes Element unseres Miteinanders wird? Wieso haben wir so wenig Vertrauen in die Natur des Menschen, dass wir ihn nicht sich selber sein lassen und ihn in diesem Sein fördern?

#abcdeslesens – M wie „Mondnacht“ (Joseph von Eichendorff

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Es ist eine Mondnacht, doch kommt der Mond nur im Titel vor, im Gedicht fehlt er gänzlich, und doch deutet er auf das Thema das Gedichts hin: Die Sehnsucht, das zentrale Thema der romantischen Lyrik. Wonach aber wird sich hier gesehnt?

Das Gedicht beginnt mit einem Kuss des Himmels zur Erde, welche im Blütenschimmer daliegt und vom Himmel träumt. Darin ist das Bild des nachweltlichen Paradieses ersichtlich, es zielt auf ein Leben nach dem Tod, welches so schön ist, dass man schon auf Erden davon träumt.

Die zweite Strophe lädt und in eine Idylle ein. Wogende Ähren, rauschende Wälder, Luft zieht durch die Felder – oder auch der Atem der Welt, der Lebensatem. Am Himmel sieht man die Sterne stehen, der Mond wird dabei sein und die Welt beleuchten.

Aus dieser Idylle heraus spannt die Seele ihre Flügel auf und fliegt durch das nachtstille Land, sie verabschiedet sich von diesem und geht dem Himmel zu – der Mensch stirbt. In diesem Gedicht erscheint der Tod nicht als bedrohlich, nicht mal als Ende. Er leitet ein Heimkommen dahin ein, wo die Seele hingehört. Die Seele tritt in diesem Bild in die Ewigkeit ein, in ein Leben nach dem Tod, wo sie nach Hause kommt, wo sie an ihrem Platz ist.

Es ist ein tröstliches Bild, eines, das Hoffnung weckt im Angesicht des Todes: Es ist nichts verloren, es ist nichts zu Ende. Der Tod ist ein Übertritt in eine bessere Welt, wohin diese eine Seele vorausgegangen ist. Irgendwann werden wir ihr alle folgen.