eingesogen
weggezogen
hochgeworfen
tiefer Fall

hohe Wellen
dunkle Wogen
tiefe Wasser
Untergang

losgelassen
ungetragen
haltverloren
und allein

ohne Sonne
nirgends Lichter
eingenommen
und in Angst

ausgeworfen
auferstanden
Mut gewonnen
weiter geht’s

©Sandra Matteotti

ein schleier sich hebt
und sacht offen legt
was oft noch erhofft
doch kaum mehr geglaubt

ein Lichtstrahl sich zeigt
und sachte aufsteigt
den Himmel erhellt
das Tal sanft belebt

wenn also schlicht das
was gut einmal war
dann höllentief schien
zum Himmel nun strebt

dann kommt endlich gut
was kaum mehr geglaubt
nur tief drin erhofft
die seele bewegt

dann wird endlich ganz
was bruchstück noch war,
dann wird endlich heil
was tieftraurig war

©Sandra Matteotti

Rainer Maria Rilke: Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.



Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

Nicht zu selten hadern wir dann. So hatten wir uns das Leben nicht vorgestellt. Die dunklen Seiten wollen wir nicht, wir suchen das Licht. Nur ist es erstens eine Illusion, zu glauben, ein Leben könnte nur aus lichtvollen Momenten bestehen. Zweitens ist nicht mal sicher, ob es wirklich wünschenswert wäre.

Wer hat nicht schon mal aus einer nicht vorhergesehenen, nicht mal nicht gewünschten Situation plötzlich etwas erkannt, was ihm vorher so nicht klar war? Sind es nicht oft die problematischen Situationen, an denen wir wachsen?

Es gibt den Ausdruck „Licht ins Dunkel bringen“. Er bedeutet, dass etwas, das vorher nicht gesehen wurde, augenschaulich wird – dies auch im übertragenen Sinne. Nur: Damit Licht kommen kann, muss erst Dunkelheit herrschen. Und vielleicht ist das Licht in der Tat sogar schon da, nur sieht man es im Licht nicht, es geht unter. Wir schauen vielleicht auch nicht genau hin, strengen uns erst an, wenn es dunkel ist.

Vielleicht sind dunkle Stunden Chancen und Möglichkeiten. Wir mögen es nicht auf den ersten Blick erkennen, aber vielleicht hilft der Gedanke daran, dass es so sein könnte, sie besser zu überstehen. Und vielleicht kommen wir besser ins Licht, wenn wir daran glauben, dass es sich im Dunkel zeigen kann – wenn wir nur genau hinschauen.

Lächeln
Mein Grundbedürfnis geht nach Liebe.
Ich wünschte sehr, daß man mich liebt
Und daß mein Lächeln leben bliebe,
Wenn es mich einmal nicht mehr gibt.

Das Höchste, was man hat, ist Bindung
Durch Liebe. Ich ertrage nicht
Die mir verweigerte Empfindung.
Ich öffne allen mein Gesicht

Mit einem Lächeln. Magisch scheinen
In mich die anderen hinein.
Und ich kann sie in mir vereinen,
Und sie vervielfachen mein Sein.
Eva Strittmatter

Wenn ich Bus oder Zug fahre, fallen mir immer wieder die vielen unzufriedenen Gesichter auf. Mit starrem Blick und runtergezogenen Mundwinkeln starren sie entweder in die Luft oder aber auf den Bildschirm eines Handys. Es werden selten Blicke getauscht, geschweige denn kommen Menschen ins Gespräch. Und: Kaum ein Lächeln zeigt sich. Eigentlich traurig, denn ein Lächeln kann so viel bewirken. Bei sich und bei anderen.

Lächle einen Menschen an und er fühlt sich wahrgenommen, auf eine positive Weise. Stell dir nur mal vor, wie dich jemand anlächelt. Kommt nicht gleich ein warmes Gefühl ums Herz auf? Und spüre mal in dein Gesicht, hat sich dein Mund nicht auch gleich zu einem Lächeln bewegt nur schon beim Gedanken an ein Lächeln?

Ein Lächeln kann die Welt eines Menschen für einen Moment erhellen – und oft bleibt es dann weiter hell. Lächeln bringt Liebe ins Leben. Liebe, die wir alle so sehr brauchen. Wieso nicht einfach den Menschen um uns ein Lächeln schenken? Und wieso nicht mal in den Spiegel schauen und uns selber anlächeln? Gerade dann, wenn uns vielleicht nicht so sehr zum lachen zumute ist?

des nachts in den strassen
im dunkel ein licht
aus fenstern geschienen
das dunkel durchbricht

ein jedes ein leben
geschichte für sich
doch keines der fenster
steht für sich allein

sie bilden hoch reihen
und bilden sie quer
und jedes der fenster
gebiert eine Welt

ein jedes allein
verwoben im netz
in reih und in glied
scheint jedes am platz

vermeintlich selbst ganz
und doch nur ein teil
vermeintlich selbst ganz
und doch schlicht allein

©Sandra Matteotti

Du bist mir Farbe,
bist mir Licht,
du bist mir Ton
und ein Gedicht.

Du bist die Kunst,
die Lieben heisst,
du bist mir Sinn,
der Leben bringt.

Ich lach mit dir,
ich wein mit dir,
ich bin mit dir,
so wer ich bin.

Wenn Liebe
einen Namen hätt’,
so hiesse sie
wie du.

Wenn Fühlen
sich in Formen göss’,
ergäbe sie
dein Bild.

Wenn Spüren
dann in Noten flöss’,
es wäre ein
Gesang.

Es bleibt bei mir
die Dankbarkeit
für das was ist
und das was bleibt.

Ich liebe dich,
ich brauche dich,
sonst fehlte schlicht:
der Sinn.

©Sandra Matteotti