Conrad Ferdinand Meyer: Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

Conrad Meyer (1825 – 1898) hat dieses Gedicht 1882 verfasst. Sonst eher für seine melancholischen Gedichte bekannt, stimmt er hier eine positive Grundstimmung an. Das Gedicht gehört durch seine idealisierten Züge zur Epoche des Symbolismus.

Man sieht es vor sich, das kleine Segelschiff mit den zwei Segeln. Es tanzt auf den Wellen, Wind kommt auf, bläst eines der Segel auf und das zweite geht mit. In schneller Fahrt gleitet das Schiff nun dahin, die beiden Segel ziehen es zusammen in die gleiche Richtung, bestimmen zusammen das Tempo. Würde eines in eine andere Richtung ziehen, bestünde für das Schiff die Gefahr, zu kentern.

Das Gedicht nimmt den Inhalt in die Form auf. Es ist in einem regelmässigen Rhythmus geschrieben, drei Strophen mit je vier Versen, alle zweihebig mit Auftakt, nur der letzte Vers verzichtet auf denselben, wechselt den Rhythmus, so dass das Gedicht, das vorher den Segelschiffen gleich dahinglitt, auch formal zum Stehen kommt.

Das ist die eine, bildhafte Ebene, das, was dasteht. Darunter liegt aber natürlich eine zweite, eine, für welche die bildhafte Ebene als Metapher steht.

Wenn wir mit einem Menschen zusammen sein wollen, gilt es, sich diesen Segeln ähnlich zu verhalten. Nur wenn man in die gleiche Richtung schaut, das gleiche Ziel ansteuert, ergibt sich ein gemeinsamer Weg. Nur wenn einer auf den anderen Rücksicht nimmt, sich vom anderen berühren und mitziehen lässt, befindet man sich auf gemeinsamer Fahrt.

Vielleicht würde man gewisse Dinge alleine anders angehen, hätte auch mal andere Ziele, ist nicht immer einer Meinung – es hilft nichts: Wenn zwei auf Dauer in entgegengesetzte Richtungen steuern, verliert man das gemeinsame Ziel aus den Augen. So verlangt ein Miteinander immer mal wieder, nachzugeben, Kompromisse einzugehen. Es heisst, sich anzupassen, auch mal den Wind des anderen aufzunehmen und am gleichen Strick zu ziehen. Alles andere wäre ein Kräftezehren, ein ständiger Kampf und Wettbewerb, die schlussendlich das Beziehungsschiff zum Kentern bringen, weil sie das Ende der ruhigen Fahrt bedeuten würden.

Das heisst nicht, dass man sich selber aufgeben sollte. Jedes Segel steht trotz allem für sich und jedes Segel ist mal am Zug, die Richtung anzugeben, je nachdem, woher der Wind kommt. Das Schiff bewegt sich nur gut auf dem Wasser, wenn beide Segel für sich intakt sind, beide ihren Dienst fürs Ganze tun.

Thomas Mann (6. Juni 1875 – 1955)

IMG_2401.JPGPaul Thomas Mann, wie Thomas Mann eigentlich hiess, wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Seine Familie gehört zur besseren Gesellschaft, der Vater ist Inhaber einer Getreidehandlung, hat später verschiedene Ämter inne, seine Mutter stammt aus einer wohlhabenden deutsch-brasilianischen Kaufmannsfamilie. Neben Thomas hat die Familie noch folgende Kinder: Heinrich (1871), Julia (1877), Carla (1881) und Viktor (1890).

Man kann seine Kindheit wohl eine – der Zeit ensprechend – unbeschwerte nennen, schwieriger wird es in der Schule, wo er eher mässig begabt oder interessiert ist, so dass er verschiedene Klassen mehrfach absolviert und schliesslich 1894 ohne Abitur abgeht. Er ist mit dieser Schulkarriere nicht allein, schon Heinrich ist vor dem Abitur ausgetreten und arbeitet beim Schulaustritt seines Bruders bereits als Volontär beim S. Fischer Verlag in Berlin. Bis zum Schulaustritt lebt Thomas bei verschiedenen Lehrern in Pension, ist doch seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes, Thomas Manns Vater, und dem testamentarisch verfügten Verkauf der Getreidefirma, mit den drei Jüngsten Kindern nach München gezogen, wohin Thomas Mann 1894 folgt.

IMG_2400.JPGSchon während seiner Schulzeit hat Thomas Mann geschrieben, allerdings keine langen Romane wie später im Leben, sondern – eher schwülstige, von leidenschaftlicher Verliebtheit (zu einem Mitschüler) geprägte – Gedichte (Eine Erinnerung daran findet sich wohl im Tonio Kröger und der Bleistiftszene wieder.). Ein kurzer Ausflug in die Arbeitswelt – Thomas Mann hat eine Stelle als Volontär bei einer Feuerversicherung angenommen und schnell wieder gekündigt – kündigt sich in ihm wohl der Entschluss an, Schriftsteller werden zu wollen. Eine erste Erzählung mit dem Titel Gefallen wird auch sofort in einer Zeitschrift veröffentlicht, es folgen Besuche von Vorlesungen in Literaturgeschichte, Geschichte, Mythologie und mehr als Gasthörer an der Technischen Hochschule sowie weitere literarische Versuche, welche aber von weniger Erfolg gekrönt sind. Trotzdem hatte sein Ersterfolg Thomas Mann die Türen zur Literaturszene Münchens geöffnet.

1895 reist Thomas Mann mit seinem Bruder Heinrich für einige Monate nach Italien. Im Jahr 1896 folgt ein längerer Aufenthalt ebenda, die beiden Brüder bleiben bis im April 1898 und Thomas Mann verfasst mehrere kleinere Arbeiten und beginnt 1897 mit den Buddenbrooks. Zurück in München arbeitet er als Lektor, arbeitet daneben weiter am Verfall der Familie Buddenbrook, bis er diese im August 1900 an Samuel Fischer schickt, welcher den Druck beschliesst.   War bislang Heinrich der erfolgreichere Schreiber, überholt ihn Thomas mit seinem Erstling. Dieser Umstand sowie die für den Bonvivant Heinrich zu bürgerliche Existenz von Thomas führt wohl zu einem angespannten Verhältnis zwischen den Brüdern, das sich lange nicht mehr erholen soll.

1903 lernt Thomas Mann Katia Pringsheim kennen, welche er am 11. Februar 1905 heiratet. Schlag auf Schlag folgen vier Kinder: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909) und Monika (1910), später dann noch Elisabeth (1918) und Michael (1919). (Mehr zu Thomas Mann als Vater findet sich HIER)

Die Jahre von 1905 bis 1914 sind für Thomas Mann gute Jahre (ausser dem Selbstmord seiner Schwester Carla 1910). Er hat Erfolg, der Familie geht es gut. Unterbrochen wird das eigentlich ruhige Leben nur durch einen Kuraufenthalt Katja Manns in Davos, wo Thomas Mann sie besucht und dadurch auf die Idee zum Zauberbergt kommt. Die ersten Kapitel entstehen noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (Der Zauberberg erscheint Ende 1924). Anfänglich bejubelt Thomas Mann den Kriegsausbruch, womit er in guter Gesellschaft ist, allerdings ist er nicht diensttauglich. Er steuert schriftliche Gedanken zum Geschehen bei, lebt ansonsten wie vor dem Krieg weiter, ausser dass ihn häufige Krankheiten plagen. Zwischen den Kriegen passiert wenig Erwähnenswertes, das Leben nimmt seinen Lauf. Auch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ändert daran nicht viel.

Thomas Mann ist gerade in Arosa, als er von diversen Verhaftungen in München erfährt und beschliesst, nicht gleich nach Hause zu reisen. Es kommt in der Zeit zur Denunziation Manns in München, die Aufmerksamkeit der Polizei liegt nun auf ihm, was zu einer Hausdurchsuchung führt. Wäre Thomas Mann jetzt heimgekehrt, wäre er in der Tat verhaftet worden. Thomas Mann schlägt seine Zelte in Küsnacht in der Schweiz auf. Unterzwischen ist sein Haus in München beschlagnahmt worden. 1936 verliert Thomas Mann die deutsche Staatsbürgerschaft und wird tschechoslowakischer Bürger. Bis dahin schreibt er fleissig weiter, immer öfter auch antifaschistische Stellungnahmen. In der Zeit arbeitet er auch an seinen Joseph-Büchern.

Es folgen Reisen nach Amerika, 1938 bleibt er schliesslich ganz. 1939 unternimmt Thomas Mann eine grosse Europareise, der Kriegsausbruch erschwert schliesslich die Rückkehr, aber er schafft es zurück über den grossen Teich. In Amerika unterrichtet er in Princeton als „Lecturer in the Humanities“ bis 1940. Daneben ist er ein mehr als fleissiger Schreiber. Noch immer schreibt er an seinen Joseph-Romanen.

1941 folgt der Umzug der Familie Mann nach Pacific Palisades in Kalifornien, 1943 beginnt Thomas Mann mit dem Doktor Faustus. Durch diese Arbeit findet er auch den Kontakt zu Theodor W. Adorno, welcher ein wichtiger Berater für den Roman wird.

Am 7 .Mai 1945 kapituliert Deutschland, kurz darauf geht Klaus Mann als amerikanischer Soldat nach München und berichtet seinem Vater von den Zuständen vor Ort. Thomas Mann will von einer Reise nach Deutschland nichts wissen. Er arbeitet weiter am Faustus, welcher 1947 erscheint. Im selben Jahr reist er auch zum ersten Mal wieder nach Europa – allerdings nicht nach Deutschland. 1948 beginnt die Arbeit an Der Erwählte, im Goethejahr 1949 folgt der erste Besuch in Deutschland.

1950 stirbt Thomas Manns Bruder Heinrich. Im selben Jahr reist Mann in die Schweiz nach Zürich. Seine Schaffenskraft ist noch immer ungebrochen: Er fängt mit Felix Krull an, engagiert sich für politische Gefangene in der Sowietzone und unternimmt weitere Reisen. 1952 kommt es zum (ursprünglich nicht geplanten) Umzug nach Erlenbach am Zürichsee, dem einer 1954 nach Kilchberg folgt, wo 1955 noch die Goldene Hochzeit gefeiert wird. Kurz darauf stirbt Thomas Mann, nachdem er schon länger öfters krank war, am 12. August 1955 im Krankenhaus in Zürich.

Ausgewählte Werke

Romane

  • Buddenbrooks (1901)
  • Königliche Hoheit (1909)
  • Der Zauberberg (1924)
  • Joseph und seine Brüder (1933 – 1943)
  • Lotte in Weimar (1939)
  • Doktor Faustus (1947)
  • Der Erwählte (1951)
  • Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954)

Erzählungen und Novellen

  • Gefallen (1894)
  • Der Wille zum Glück (1896)
  • Tonio Kröger (1903)
  • Tod in Venedig (1911)
  • Unordnung und frühes Leid (1926)
  • Mario und der Zauberer (1930)
  • Die Betrogene (1953)

Essays

  • Berachtungen eines Unpolitischen (1918)
  • Theodor Fontane (1928)
  • Bruder Hitler (1938)
  • Deutschland und die Deutschen (1947)
  • Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung (1947)

Bücher zu Thomas Mann

Weitere Artikel zu Thomas Mann:

Trotzdem

Bis hier und nun weiter,
geh’n wir nach aussen
fröhlich und heiter,
tief drinnen verstummt.

Bis hier und nun weiter,
heisst es von allen.
die nichts weiter wissen,
als nutzlosen Rat.

Bis hier und nicht weiter,
denke ich oft und
plane den Ausstieg,
den’s für mich nicht gibt.

Bis hier und nun weiter,
denn weiter geht’s immer,
sagen sie alle
und wissen von nichts.

Bis hier und NICHT weiter,
das sage ich ihnen,
und bin ganz entschlossen!
– und gehe dann doch.

@Sandra Matteotti

 

Fjodor Dostojewski: Der Spieler

Inhalt

Eine Gruppe von Menschen, alle irgendwie mit finanziellen Wünschen oder Nöten bestückt, wartet im Kurort Roulettenburg auf den Tod und damit das Erbe einer alten Dame. Mit ihrem Auftritt sterben die Hoffnungen der anderen und das erwünschte Erbe wird durch die Besitzerin selber aufs Spiel gesetzt – sie verliert es beim Roulette. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen.

Ein hochverschuldeter russischer General hält sich im Kreise von Verwandten, Bekannten und Gefolgschaft in Roulettenburg auf. Erzählt wird die Geschichte von Aleksej Iwanowitch, seines Zeichens Hauslehrer, selber verliebt in die Nichte des Generals, in Polina. Diese jedoch wird auch vom Franzosen de Grieux verehrt, welcher aufgrund seiner besseren finanziellen Stellung die besseren Karten hat. Dass Polinas Onkel seine Schulden beim windigen Franzosen hat, macht die Geschichte noch ein wenig verstrickter – und beeinflusst Aleksejs Haltung gegen diesen nicht positiv.

Der General wiederum liebt die vermögende Mademoiselle Blanche, welche mit ihrer Mutter ebenfalls vor Ort ist und einer Verbindung nur zustimmt, wenn der General zu Geld kommt. Für diesen Geldsegen gibt es eine einzige Hoffnung: Der Tod der alten Erbtante Antonida Wassiljewna Taradewitschewa. So gehen denn auch einige Telegramme nach Russland, um nach dem möglichen Ableben derselben anzufragen.

Dann kommt der Tod. Allerdings stirbt nicht die Erbtante, sondern die Hoffnung, denn die alte Dame erscheint wie sie leibt und lebt in Roulettenburg. Für die schon vor Ort Sitzenden hat sie nur Spott und Häme übrig, weiss sie doch nur zu gut über all die Verstrickungen und Hoffnungen bescheid. Die Situation wird nicht besser dadurch, dass sie gleich klar sagt, dass der General kein Geld von ihr zu erhoffen braucht, auch dass sie schnell Gefallen am Roulette findet, wo sie Unsummen verliert, trägt nicht zur guten Laune des Neffen bei.

Die alte Dame reist ab, zurück bleibt ein verzweifelter General. Polina besinnt sich indessen auf ihre Gefühle zu Aleksej und bittet diesen um Hilfe für ihre eigenen finanziellen Probleme. Statt die so lange erhoffte Liebe zu geniessen, zieht dieser nun an den Roulettetisch und verfällt einem fieberhaften Spiel. Polina flüchtet sich zu Mr. Astley, einem stillen Engländer, Mademoiselle Blanche wendet sich Aleksej zu und die beiden gehen nach Paris, wo über kurz oder lang das ganze Geld verprasst wird. Schliesslich heiratet Blanche doch den General – so ein Titel hat doch seinen Reiz – und Aleksej geht verarmt nach Homburger, wo er sich als Gelenheitsarbeiter durchschlägt. Seine Spielsucht hat ihn fest im Griff, nicht mal die Nachricht, dass Polina ihn immer noch liebt, kann ihn retten.

Entstehung

Die Entstehungsgeschichte zu „Der Spieler“ liest sich fast selber wie ein Roman. Fast möchte man sie als Dostojewskis Pakt mit dem Teufel, als seine persönliche Faust-Tragödie beschreiben.

Wir schreiben das Jahr 1866. Dostojewskis Bruder ist kurz vorher verstorben und hatte dem Schriftseller neben seiner Witze und deren vier Kindern auch noch einen Schuldenberg hinterlassen. Dostojewski selber ist gerade daran, seinen Roman Schuld und Sühne zu schreiben, welcher über mehrere Monate im Feuilleton einer Zeitung erscheint, als er von diesem finanziellen Desaster getroffen wird. In seiner Not erbittet er von einem Verleger einen Vorschuss von 3000 Rubel auf einen in kurzer Frist zu schreibenden Roman. Sollte dies nicht gelingen, gingen alle Rechte an allen bisherigen Romanen sowie am in Entstehung befindlichen an den Verleger über.
Die Rettung kommt in Form der Stenografin Anna Snitkina und seiner eigenen Spielsucht. Diese beiden Zutaten plus noch eine Inspiration durch Alexander Puschkins Pique Dame führen dazu, dass Dostojewski das fast Unmögliche möglich macht: Tagsüber diktiert Dostojewski Anna das, was er sich in der vorhergehenden Nacht ausgedacht hat, überarbeitet dann die getippten Entwürfe tags darauf und diktiert weiter. Nach 26 Tagen steht der Roman schwarz auf weiss da und kann dem gnadenlosen Verleger am 1. November 1866, zwei Stunden vor Ablauf der Frist, übergeben werden.

Was hier so einfach klingt nach dieser schreiberischen Meisterleistung, hat aber auch noch seine Tücken: Der Verleger (Stellowski hiess der Mann) sah seine Felle wohl schon davon schwimmen und verliess St. Petersburg am 31. Oktober, um die Übergabe – sollte sie denn stattfinden wollen – zu verunmöglichen. Er hat die Rechnung ohne Anna Snitkina gemacht, welche das Manuskript einem Notar aushändigt, welcher daraufhin die fristgerechte Ablieferung belegen kann.

Dostojewski und Anna heiraten übrigens kurz darauf.

Zum Werk

Der Spieler ist ein eher schmales Werk im Vergleich zu Dostojewskis übrigen Romanen, dabei aber nicht minder brillant. Die Geschichte wird vom Ich-Erzähler Aleksej Iwanowitch erzählt, welcher das ganze Geschehen stets mit eine Hauch Komik versieht und das Groteske daran offenlegt. Im Sprachduktus folgt der Roman dem Inhalt, er hat etwas Getriebenes an sich, nimmt das Spielfieber des Süchtigen auf.

Trotz des sehr engen Zeitrahmens der Entstehung zeigt sich im Spieler das literarische Können und Kalkül Dostojewskis, zeichnet er doch einen Spannungsbogen, welcher seinesgleichen sucht. Acht Kapitel lang plätschert alles dahin, sieht man sich als Leser endlosen Gesprächen und Scharmützeln ausgesetzt, bis im neunten Kapitel alles auf den Höhepunkt zusteuert: Der Auftritt der alten Dame. Mit diesem Auftritt lösen sich alle Hoffnungen und Absichten auf, der langsame und stete Fall aller Beteiligten nimmt seinen Lauf.

Der Spieler ist nicht nur eine Anlehnung an Puschkins Pique Dame (diese wird vor allem ersichtlich, wenn man sich nur auf die drei Figuren Aleksej, Polina und Antonida konzentriert), er ist auch eine Abhandlung über die eigene Spielsucht, welcher Dostojewski durch die finanzielle Misere verfallen war.

Eckdaten zum Buch

DostojewskiSpieler

Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (14. Oktober 2016)
Übersetzung: Alexander Nitzberg
ISBN-Nr.: 978-3423280976
Preis: EUR 22 / CHF 28.90

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J. M. Coetzee: Die jungen Jahre (Rezension)

Der Dichter, der nicht zu schreiben beginnt

Wann wird er endlich kein Kind mehr sein? Was wird ihn davon befreien, ihn zum Mann machen?
Befreien wird ihn, wenn es soweit ist, die Liebe. Wenn er auch nicht an Gott glaubt, an die Liebe und die Macht der Liebe glaubt er.

coetzeeJungenJahreJohn wächst im politisch immer schwierigeren Südafrika, in Kapstadt, auf und studiert Mathematik. Er ist sich sicher, dass er zum Dichter berufen ist, nur gelingt das mit dem Schreiben nicht ganz, da die Umstände nicht stimmen. Er wähnt sich am falschen Ort und vor allem von der Muse – der richtigen Frau, die für ihn bestimmt ist und die in ihm die Kreativität entzünden wird – ungeküsst.

Um beides zu ändern bricht John nach London auf, wo er eine Stelle als Programmierer bei IBM annimmt. Neben der Arbeit sucht er nach Frauen und nach literarischen Vorbildern, an denen er sich festhalten und wachsen könnte – beides klappt nicht wie gewünscht und auch der Arbeitsalltag setzt ihm mehr und mehr zu.

Unter dem schattenlosen Neonlicht fühlt er sich im Innersten bedroht. Dem Gebäude, ein charakterloser Würfel aus Beton und Glas, entströmt offenbar ein Gas, geruchlos, farblos, das in sein Blut gelangt und ihn betäubt. IBM, das kann er beschwören, ist dabei, ihn umzubringen, ihn in einen Zombie zu verwandeln.

John ist ein Suchender – er sucht seinen Platz im Leben und den Weg dahin, seiner Bestimmung zu folgen und Künstler zu sein. Dabei ist er verblüffend passiv, hofft grundsätzlich, dass die Entscheidungen von anderen getroffen werden und wenn dem so ist, fügt er sich auch ohne besseres Wissen oder rechte Überzeugung hinein. So hält er Beziehungen zu Frauen aufrecht, die ihm nichts bedeuten, ihn im Gegenteil bedrücken. Er fängt nicht zu schreiben an, trotzdem er überzeugt ist, Dichter zu sein, da er auch dazu erst jemanden braucht, der ihm die Initialzündung gibt. Dass er auf diese Weise immer unglücklicher wird, liegt auf der Hand, er analysiert diesen Zug denn auch selber:

Im richtigen Leben, so scheint es, kann er nur eins richtig: unglücklich sein. Im Unglücklichsein ist er immer noch Klassenbester. Für das Unglück, das er auf sich ziehen und ertragen kann, scheint es keine Grenzen zu geben.

und findet darin etwas Gutes (frei nach dem Motto „ich erkläre mir meine Welt, wie sie mir am besten passt“:

Unglück ist sein Element. […] Wenn das Unglück abgeschafft werden würde, wüsste er nicht, was er mit sich anfangen sollte. […] Unglück ist eine Schule für die Seele.

Zudem kann ein Dichter nur unglücklich sein, nur aus dem Unglück entspringt gute Kunst – dessen ist sich John sicher. Bei allem Unglück driftet John nie ins Selbstmitleid ab, der Stil des Romans bleibt schonungslos offen, das Leben wird auf einer sehr rationalen Ebene durchdacht, gelebt und abgehandelt.

M. Coetzee ist mit Die jungen Jahren ein wunderbarer Roman gelungen, der autobiographische Züge trägt, Künstlerroman und Zeitzeugnis gleichermassen ist. Aus der Sicht des Protagonisten erfährt der Leser mehr über die Zustände in Afrika in den 1960er Jahren, erfährt, was es heisst, als Ausländer im vom Klassendenken beherrschten London Fuss fassen zu wollen. Er ist Zeuge der vielen Fragen und Überlegungen, die im Kopf des Protagonisten herumwirbeln und sein eigenes Leben und (Nicht-)Schreiben sowie auch die Welt um sich sehr klar und differenziert analysieren. Das Ganze verpackt Coetzee in eine wunderbar poetische, fliessende Sprache.

Fazit:
Erzählkunst auf ganz hohem Niveau. Coetzee entführt den Leser in die Welt eines Künstlers und lässt Zeitgeschichte lebendig werden. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor und zur Übersetzerin
M. Coetzee, der 1940 in Kapstadt geboren ist und von 1972 bis 2002 als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt lehrte, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Er wurde für seine Romane und sein umfangreiches essayistisches Werk mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. zweimal mit dem Booker Prize, 1983 für ›Leben und Zeit des Michael K.‹ und 1999 für ›Schande‹. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Coetzee lebt seit 2002 in Adelaide, Australien.

Literaturpreise:
u.a.:
Lannan Literary Award 1998, Booker Prize 1983 (für ›Leben und Zeit des Michael K.‹), Booker Prize 1999 (für ›Schande‹), Commonwealth Writers Prize 1999 (für ›Schande‹), ›Königreich von Redonda-Preis‹ 2001, Literaturnobelpreis 2003

Reinhild Böhnke wurde 1944 in Bautzen geboren und ist als literarische Übersetzerin in Leipzig tätig. Sie ist Mitbegründerin des sächsischen Übersetzervereins. Seit 1998 überträgt sie die Werke J. M. Coetzees ins Deutsche, weiter hat sie u. a. Werke von Margaret Atwood, Nuruddin Farah, D.H. Lawrence und Mark Twain ins Deutsche übertragen.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch:224 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag (1. August 2004)
Übersetzung: Reinhild Böhnke
ISBN-Nr.: 978-3596155842
Preis: EUR 9.90 / CHF 15.90

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Karl-Isidor Beck: Sie sagen: Es wäre Liebe!

Ich kann die Sprache der Sterne,
Die Sprache der Rosen verstehn,
Ich habe mein Täubchen so gerne,
Ich weiss nicht, wie mir geschehn?
Was mir aus jedem Wölkchen lacht,
Zu schön, als dass ichs beschriebe –
Was mich so froh, so selig macht,
Sie sagen: es wäre die Liebe!

Ein einfaches kleines Gedicht, das die Dinge aus dem inneren Gefühl, das es beschreibt, heraus verklärt. Die Sterne sprechen, die Rose ebenfalls und man versteht sie.

Die Taube ist bekannt als Symbol für den heiligen Geist, steht aber auch für Liebe, Treue, Unschuld – hier ist damit wohl die Geliebte gemeint. Er liebt sie so sehr, dass er nicht mehr weiss, wo ihm der Kopf steht, wie ihm geschieht – er ist quasi von Sinnen.

Wolken, die sonst eher Unheil und Dunkles bedeuten, werden zu Wölkchen und es lacht aus ihnen – so schön gar, dass er keine Worte findet dafür. Er ist es denn auch nicht selber, der weiss, was das alles zu bedeuten hat, die anderen müssen es ihm sagen.

Sie sagen: es wäre die Liebe!

Allerdings kann er das wohl nicht ganz glauben, denn er benutzt den Konjunktiv II. Wäre er überzeugt, stünde „es ist“; „es sei“ wäre aufgrund indirekter Rede noch möglich, aber Konjunktiv II bringt ein Element des Unglaubens, des nicht Fassbaren mit sich. Es scheint also, der hier Sprechende versteht die Sprache von allem um sich, alles ist schön und wunderbar, nur ihm selber hat es die Sprache verschlagen. So konnte das Gedicht natürlich nicht länger werden.

Auch wenn es vielleicht nicht das tiefgründigste Gedicht ist, so erinnert es doch an schöne Gefühle. Wer kennt es nicht: Frisch verliebt erscheint die Welt heller, man ist den Dingen und Menschen zugetan, liebt alles und jeden und fühlt sich ebenso geliebt. Man lacht in die Welt und sie lacht zurück, was noch zuträgt zum Glück.

Wieso nicht einfach so mal in die Welt lachen, die Dinge annehmen, wie sie sind, sich an ihnen freuen? Man stelle sich bloss den Bus zur Arbeit am Morgen vor, wenn alle fröhlich lächelnd ins Gespräch vertieft wären? Käme da nicht ein gutes Gefühl auf? Und ja, vielleicht würde man sich neu verlieben: ins Leben.

Die Zeit

Es ist wieder mal Zeit für die abc.etüden, wir sind schon bei Woche 21, ich freue mich, wieder dabei zu sein – von mir wieder ein Gedicht:

Die Zeit
Wir lassen sie fliegen,
in alle Winde,
Schirme der Pusteblume.

Wir teilen sie auf
scheibenweise
mit dem Käsehobel.

Wir versteigern, verschenken,
verschwenden sie,
als ob sie unendlich wäre.

Dann klagen wir,
dass sie zerränne
fliessend durchs Sandglas.

©Sandra Matteotti

______________________

2017_21-17_3_dreiFür die abc.etüden, Woche 21.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von von Andrea aus Bremen und lauten: Pusteblume, Käsehobel, versteigern.

Der Ursprungspost: HIER

 

Jane Austen: Stolz und Vorurteil (Rezension)

Liebeswirren und Spiegel der Gesellschaft

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf.

AustenStolzDieser erste Satz beschreibt gut das Denken der Zeit, in welcher Elizabeth Bennet aufwächst. Er beschreibt vor allem die Haltung von Elizabeths Mutter, die kaum einen anderen Lebensinhalt hat, als ihre fünf Töchter gut zu verheiratet. Ihre Chance sieht sie gekommen, als in der Nachbarschaft ein alleinstehender und reicher Mann einzieht: Charles Bingley. Die älteste Bennet-Tochter verliebt sich denn auch in den von ihrer Mutter so gewünschten Schwiegersohn, eine Liebe, die auf Gegenseitigkeit beruht.

Schwieriger sieht es bei Elizabeth aus. Selber sehr belesen, schlagfertig, von sich überzeugt, hat sie nichts weniger im Sinn, als sich einfach mit einem reichen Mann zu verheiraten. Der letzte, der als Ehegatte in Frage käme, ist Charles Bingleys Freund Mr. Darcy, den sie höchst unsympathisch findet – eine Sicht, die sich aufgrund verschiedener Missverständnisse noch verstärkt.

Jane Austen war erst 21, als sie die erste Fassung von Stolz und Vorteil (unter dem Titel First Impressions) geschrieben hat, allerdings wurde diese von den Verlagen abgelehnt. Über ein Jahrzehnt später nahm sie die Arbeit an der Erstfassung wieder auf und fand schliesslich 1813 auch einen Verlag, der das Buch veröffentlichte.

Stolz und Vorurteil thematisiert auf eine zeitlose Art das Thema Liebe durch Schwierigkeiten, Missverständnisse, Hoffnungen und auch Glück hindurch. Auch entbehrt der Roman nicht einer gewissen Komik und einer wunderbaren Ironie, mit welcher einzelne Figuren und Situationen dargestellt werden.

Der Roman ist aber auch mehr als eine blosse Liebesgeschichte, er ist ein gesellschaftskritisches Zeugnis einer Zeit, in welcher Frauen als höchstes Ziel die Ehe mit einem Mann haben durften. Auch werden die verschiedenen Gesellschaftsschichten und die (eher negative )Bedeutung von Arbeit darin blossgelegt.

Bei der dtv Verlagsgesellschaft wurde der wunderbare Roman (wie übrigens viele weitere Klassiker) in einer bezaubernden Geschenkausgabe publiziert. Für Liebhaber schöner Bücher fast ein Muss

Fazit:
Eine humorvolle, ironische, wunderbar lesbare Liebesgeschichte, die darüber hinaus auch die Gesellschaft des angehenden 19. Jahrhunderts unter die Lupe nimmt. Absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Jane Austen
In Jane Austens Romanen spiegeln sich die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit in einzigartiger Klarheit. Eine Frau – ob adelig oder nicht – hatte nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, sich in Beruf oder gesellschaftlichem Engagement zu entfalten. Nur durch die Heirat mit einem reichen und weltoffenen Ehemann konnte sie eine gewisse Freiheit erlangen. In diese Zeit wurde Jane Austen am 16. Dezember 1775 geboren als siebtes von insgesamt acht Kindern eines englischen Pfarrers. Es war eine belesene und gebildete Familie, zwei ihrer Brüder brachten es gar zum Admiral. Ihr selbst hingegen gelang das Kunststück, ihre Verlobung einen Tag später wieder zu lösen und trotz schwerer Krankheit ein relativ unabhängiges Leben als unverheiratete Frau zu führen. Nach außen hin führte sie ein ereignisloses Leben im elterlichen Pfarrhaus. Ihre Romane jedoch – neben ›Mansfield Park‹ (1814) sind dies vor allem ›Verstand und Gefühl‹ (1811), ›Stolz und Vorurteil‹ (1813), ›Emma‹ (1816), ›Northanger Abbey‹ (1817) und ›Anne Elliot oder Die Kraft der Überredung‹ (1817) – erfreuen sich heute weltweit einer millionenfachen Leserschaft. Fast alle sind mehrfach erfolgreich verfilmt worden.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 456 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. Oktober 2012)
Übersetzung: Helga Schulz
ISBN: 978-3423141604
Preis: EUR 9.95 / CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Lebenskreis

meeres
rauschen im ohr
blut im kreis
lauf des menschen
der vorwärts geht
über sich hinaus
wächst
und tief drin
kind bleibt

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Für die abc.etüden, Woche 19.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jaecki Lindenau aus Berlin und lauten: Meer, Mensch, Kind.

Der Ursprungspost: HIER

Erich Fried: Heimweg von Delphi

Das Gedicht musste leider gelöscht werden, da der Verlag mit rechtlichen Schritten drohte bei einer Publikation hier. Es kann nachgelesen werden in „Erich Fried: Warngedichte“

Im vorliegenden Gedicht haben wir ein lyrisches Ich, das seine Grösse daran erkennt, dass es die eigene Kleinheit sieht, seine Stärke daran, dass es sich die eigene Schwäche einsieht. Seine Klugheit aber zeigt sich daran, zu vergessen, dass es eben klein, schwach, dumm und vergesslich ist. Aufgrund seiner Ratio, seiner Vernunft neigt das lyrische Ich zu einer Selbstüberschätzung, die das Ich blind werden lässt gegenüber den eigenen Schwächen und Fehlern.

Der Titel weist auf das Orakel von Delphi hin. Die Inschrift am Apollotempel von Delphi lautet „Erkenne dich selbst“ (griech.: gnothi seauton, Γνῶθι σεαυτόν). Ursprünglich gemeint war damit, dass der Mensch seine eigene Begrenztheit erkennen solle (im Gegensatz zu den Göttern). Ziel dieser Erkenntnis sollte sein, nicht zu Selbstüberschätzung zu neigen, sondern bescheiden zu bleiben. Die Forderung zur Selbsterkenntnis wurde von verschiedenen Philosophen aufgenommen. Während die Philosophen vor Platon eher zur Bescheidenheit und zum Akzeptieren des eigenen Platzes in der Welt rieten, sah Platon nur noch den Körper als beschränkt, in ihm aber eine unsterbliche, gottähnliche Seele wohnend.

Das Orakel von Delphi hatte einst Sokrates als weisesten Mann Athens bezeichnet, was dieser nicht verstehen konnte und sich auf die Suche nach jemandem machte, der weiser als er selber wäre – er fand keinen. Im Zusammenhang damit entstand das wohl bekannteste Diktum von Sokrates, dass er wisse, was er nicht wisse. Da er immerhin dieses wisse, könne er vielleicht doch als weiser Mann gelten, so seine Schlussfolgerung – wir kennen sie nur aus Platons Überlieferungen.[1]

Erich Fried hat sich in verschiedenen Gedichten und Texten mit Sokrates beschäftigt. Dabei fällt immer wieder seine Skepsis gegenüber der Vernunft auf. Fried spricht ihr die Fähigkeit ab, die wirkliche, „letzte Wahrheit“ über das Sein zu erkennen. Das zeigt sich auch in diesem Gedicht deutlich: Während die erste Strophe die eigentliche Selbsterkenntnis zeigt, wie sie das Orakel von Delphi mit seinem „Erkenne dich selbst“ fordert, kehrt das lyrische Ich zurück zu seinem Verstand und verschliesst sich gegenüber jeglicher Selbsterkenntnis.

Frieds Aussage: Wir, die wir uns für so klug halten, sehen eigentlich das Wesentliche nicht. Wir verschliessen unsere Augen vor der wirklichen Wahrheit, indem wir uns aufgrund unserer Ration eine zurechtbasteln. Analytisch, kompromisslos, deutlich – ein echter Fried halt!

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[1] Platon: Apologie des Sokrates (21d): Denn es mag wohl eben keiner von uns beiden etwas Tüchtiges oder Sonderliches wissen; allein dieser doch meint zu wissen, da er nicht weiß, ich aber, wie ich eben nicht weiß, so meine ich es auch nicht. Ich scheine also um dieses wenige doch weiser zu sein als er, daß ich, was ich nicht weiß, auch nicht glaube zu wissen.