ich kann dich lieben
ach so sehr,
wenn ich’s nicht zeig,
fällt glauben schwer.

du kannst mich lieben,
noch viel mehr,
wenn ich’s nicht glaub,
fällt’s beiden schwer.

die liebe ist nicht
einfach oft,
sie fordert viel
von einem paar.

die liebe ist zwar
sehr gewollt,
doch so gelebt,
sehr schwer, weil zwar

meist beide wollen,
jeder tut,
und jeder fühlt,
was er grad kann.

das deckt sich oft nicht
wirklich gut,
so dass am schluss
zwei menschen steh’n,

die lieben zwar
ein jeder sehr,
nur keiner fühlt
den andern mehr.

so wirklich lieben
kann wohl nur,
wer sich auch erst
mal selber liebt.

dann geht er hin und
liebt noch mehr
den anderen
grad ach so sehr.

da dieser nun
sich selber liebt,
glaubt er nun schlicht,
dass dieses geht.

nur so liebst du und
liebt auch er
und beide fühlen:
es ist gut!

©Sandra Matteotti

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Wie sagte Johann Wolfgang von Goethe so schön: Man sollte jeden Tag ein Gedicht lesen. Ich stimme ihm hier zu und möchte euch heute eines schenken – vom Meister selber.

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe (Klärchens Lied, aus Egmont, 3. Aufzug, 2. Szene)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man liebt

Es gibt ein Gedicht für jede Lebenslage, es gibt ein Gedicht für jede Gefühlslage. Ich bin der Überzeugung, dass Lyrik helfen kann, weil sie Raum gibt, weil sie Worte findet, weil sie Sinn über die Worte hinaus vermittelt. Darum auch mein Projekt „Lyrische Helfer“.

 

Ich bin nicht sehr gross,
gefühlt sogar klein,
ich bin nicht perfekt,
ich kann es nicht sein.
Ich tu, was ich kann,
das reicht manchmal nicht,
ich täte gern mehr,
fühl mich in der Pflicht.
Ich wär gern perfekt.
und wär’s nur für dich,
ich wär gern die Welt,
die du bist für mich.
©Sandra Matteotti

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Lass ab von diesem Zweifeln
Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
Vor dem das Beste selbst zerfällt,
Und wahre dir den vollen Glauben
An diese Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
Das lächelnd auf den Säugling blickt,
Und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
Was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
Sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
Ist nur der eigne Wiederschein.
(1895)
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Projekt „Lyrische Helfer“  – Weil es für jede Lebenslage ein Gedicht gibt. Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man zweifelt

Ich wollte dir ein Haus erbauen
ich riss es schliesslich ein.
Ich wollte doch so sehr vertrauen,
es sollt’ auf ewig sein.

Ich wollte mit dir Pferde stehlen,
ich ritt auf ihnen weg.
Ich kann dabei gar nicht verhehlen,
dass mich das selbst bewegt.

Ich steh mir manchmal selbst im Lichte,
und glaube nicht an dich.
Ich mach’ mir alles das zunichte,
was teuer ist für mich.

Ich habe Angst und fliehe dann,
von wo ich doch am liebsten bin.
Ich fürchte mich, dass ich nicht kann,
was eigentlich in meinem Sinn.

Ich möcht’ mit dir mein Leben teilen,
und fürchte alles, was uns trennt,
und statt dann glücklich zu verweilen,
bin ich es, der’s verbrennt.

Ich möchte dir ein Haus erbauen,
ich lass es fortan steh’n,
komm lass uns beide drauf vertrauen,
und mutig in die Zukunft seh’n.

©Sandra Matteotti

Am Tag, an dem das Licht ausgeht,
die Seele schlicht am Boden liegt.
Am Tag, der dir den Atem nimmt,
und Dunkelheit das Hell besiegt.
Am Tag, an dem das Herz sich leert,
der Magen sich zum Klumpen staut.
Am Tag, an dem du nicht mehr magst,
sich hoch am Himmel Unheil braut.
An diesem Tag weisst du genau,
du nimmst dein Hab und gehst dahin,
an diesem Tag spürst du den Tod
und nirgends scheint ein Neubeginn.

Ich hab mein Glück auf Sand gebaut
nun ist es arg am Wanken.
Es fehlen Pfeiler, Fundament,
und die sichern Planken.

Mit dir schien alles mir vertraut,
ich wollt dem Himmel für dich danken.
Nun fiel dein Stern vom Firmament,
mir kreisen die Gedanken.

Ich hab mal sehr an uns geglaubt,
das alles ist am Kranken.
Es fehlen Glaube und auch Halt,
weil plötzlich Zweifel ranken.

©Sandra Matteotti