Ich kann die Sprache der Sterne,
Die Sprache der Rosen verstehn,
Ich habe mein Täubchen so gerne,
Ich weiss nicht, wie mir geschehn?
Was mir aus jedem Wölkchen lacht,
Zu schön, als dass ichs beschriebe –
Was mich so froh, so selig macht,
Sie sagen: es wäre die Liebe!

Ein einfaches kleines Gedicht, das die Dinge aus dem inneren Gefühl, das es beschreibt, heraus verklärt. Die Sterne sprechen, die Rose ebenfalls und man versteht sie.

Die Taube ist bekannt als Symbol für den heiligen Geist, steht aber auch für Liebe, Treue, Unschuld – hier ist damit wohl die Geliebte gemeint. Er liebt sie so sehr, dass er nicht mehr weiss, wo ihm der Kopf steht, wie ihm geschieht – er ist quasi von Sinnen.

Wolken, die sonst eher Unheil und Dunkles bedeuten, werden zu Wölkchen und es lacht aus ihnen – so schön gar, dass er keine Worte findet dafür. Er ist es denn auch nicht selber, der weiss, was das alles zu bedeuten hat, die anderen müssen es ihm sagen.

Sie sagen: es wäre die Liebe!

Allerdings kann er das wohl nicht ganz glauben, denn er benutzt den Konjunktiv II. Wäre er überzeugt, stünde „es ist“; „es sei“ wäre aufgrund indirekter Rede noch möglich, aber Konjunktiv II bringt ein Element des Unglaubens, des nicht Fassbaren mit sich. Es scheint also, der hier Sprechende versteht die Sprache von allem um sich, alles ist schön und wunderbar, nur ihm selber hat es die Sprache verschlagen. So konnte das Gedicht natürlich nicht länger werden.

Auch wenn es vielleicht nicht das tiefgründigste Gedicht ist, so erinnert es doch an schöne Gefühle. Wer kennt es nicht: Frisch verliebt erscheint die Welt heller, man ist den Dingen und Menschen zugetan, liebt alles und jeden und fühlt sich ebenso geliebt. Man lacht in die Welt und sie lacht zurück, was noch zuträgt zum Glück.

Wieso nicht einfach so mal in die Welt lachen, die Dinge annehmen, wie sie sind, sich an ihnen freuen? Man stelle sich bloss den Bus zur Arbeit am Morgen vor, wenn alle fröhlich lächelnd ins Gespräch vertieft wären? Käme da nicht ein gutes Gefühl auf? Und ja, vielleicht würde man sich neu verlieben: ins Leben.

Es ist wieder mal Zeit für die abc.etüden, wir sind schon bei Woche 21, ich freue mich, wieder dabei zu sein – von mir wieder ein Gedicht:

Die Zeit
Wir lassen sie fliegen,
in alle Winde,
Schirme der Pusteblume.

Wir teilen sie auf
scheibenweise
mit dem Käsehobel.

Wir versteigern, verschenken,
verschwenden sie,
als ob sie unendlich wäre.

Dann klagen wir,
dass sie zerränne
fliessend durchs Sandglas.

©Sandra Matteotti

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2017_21-17_3_dreiFür die abc.etüden, Woche 21.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von von Andrea aus Bremen und lauten: Pusteblume, Käsehobel, versteigern.

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meeres
rauschen im ohr
blut im kreis
lauf des menschen
der vorwärts geht
über sich hinaus
wächst
und tief drin
kind bleibt

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Für die abc.etüden, Woche 19.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Jaecki Lindenau aus Berlin und lauten: Meer, Mensch, Kind.

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