vogelfrei

auf weiten schwingen
vom himmel getragen
dem elend entflogen
kein zwang und kein ziel

bin aus den zwingen
muss nichts mehr ertragen
werd nie mehr enttäuschen
bin nie mehr zuviel

kein blick mehr bestraft mich
und auch keine klagen
kein mich auslachen –
von dir nun nie mehr

nichts davon dacht ich
als du vor mir lagest
den mund fest verschlossen
die augen glanzleer.

@Sandra von Siebenthal

Else Lasker-Schüler: Ein Liebeslied

(Else Lasker-Schüler, 1869-1945)

Komm zu mir in der Nacht – wir schlafen engverschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.

Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen
Und färben sich mit deiner Augen Immortellen…

Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
Und Liebe eingehüllt spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.

Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebensruhen
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.

Das vorliegende Gedicht entstammt Else Lasker-Schülers letztem Gedichtzyklus «Mein blaues Klavier», welcher 1943, 1,5 Jahre vor ihrem Tod, im Exil in Jerusalem veröffentlich wurde.

Eine Frau liegt nach einsam durchwachter Nacht noch im Bett, die plagenden Träume hallen noch nach. Draussen singt ein fremder Vogel, was sie sich wünscht, ist noch unvertraut, mehr Wunsch als Realität. Und doch: Die nächste Nacht soll schöner sein. Mit dem Geliebten.

Sie sieht die Schönheit der Natur, sieht die Blumen an den Quellen, und sieht in ihnen den Geliebten auch – nur soll der, Immortellen gleich – unsterblich sein. Sie kleidet die Vorstellung der nächsten Nacht in märchenhafte Zauberbilder. Eilen soll er, doch nicht mit polterndem Schritt in schnellen Stiefeln, sondern auf Siebensternenschuhen. Es soll eine Liebe nicht von dieser Welt sein, eine, wie sie für die normalen Menschen nicht erreichbar ist – nur sie beide, diese beiden seltenen Tiere, die sich in der nächsten Nacht finden, umarmen und festhalten, sollen sie erleben.

Die Einsamkeit der Nacht dringt nicht nur aus den Worten, sie zeigt sich auch im Reim, ist einsam doch auf weiter Flur allein ohne einen solchen. Das verstärkt die Einsamkeit noch, lässt sie als zentrales Thema dieses Gedichts aufleuchten. Diese ganze Sehnsucht, dieser ganze Wunsch nach dem Geliebten entspringt dieser Einsamkeit, die als einziges Glied in einer Kette kein Gegenüber hat.

So muss sich auch Else Lasker-Schüler gefühlt haben in Jerusalem. Wie lange hatte sie Jerusalem als einzig wahre Heimat gepriesen, ein Sehnsuchtsort war es, den sie hochlobte. Als sie dann – verscheucht durch ein unmenschliches Regime im Krieg – nach Jerusalem kam, war sie nur eine Fremde. Und sie fühlte sich nicht zu Hause. Was hätte sie wohl darum gegeben, von einem Prinzen in Sternenschuhen gerettet zu werden, durch die Liebe vor der Welt und der Zeit verborgen zu sein und nicht mehr allein? Und sie denkt zurück, erinnert sich an Zeiten, wo sie zumindest freundschaftlich verbunden und nicht allein war, mit Franz Marc, welcher in seinen Bildern seltene Tiere erschuf. Daraus spricht die Sehnsucht danach, in der Einsamkeit, als Fremder unter anderen einen Gleichgesinnten zu haben. Einen, mit dem zusammen man in dieser eigenen Welt nicht mehr einsam sein müsste.  

Paul Celan (23. November 1920 – 20. April 1970)

Paul Celan wird am 23. November 1920 in Czernowitz, Grossrumänien als Paul Antschel geboren. Celan lernt schon als Kind Gedichte auswendig, er liebt die deutsche Literatur, allen voran Hölderlin, Heine und Kafka. Es dauert nicht lange, dass eigene Gedichte aus seiner Feder fliessen.

Nach seiner Schulzeit studiert er zuerst Medizin, später Romanistik, was er aber wegen der Massnahmen des Nazi-Regimes abbrechen muss. 1941 wird Czernowitz von den Deutschen besetzt, die jüdische Bevölkerung wird in Ghettos gezwungen, von wo Paul Celans Eltern deportiert werden. Kurz nach der Deportation stirbt sein Vater an Typhus und seine Mutter wird erschossen. Daraus entsteht für Paul Celan ein Schmerz, der ihn nie mehr loslässt. Zudem quält ihn die Überlebensschuld, wie sie viele Überlebende des Zweiten Weltkriegs fühlen. Paul Celan verarbeitet dies immer wieder in seinen Gedichten.

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau“
(aus der Todesfuge)

1944 kann Celan sein Studium wieder aufnehmen, für den Lebensunterhalt arbeitet er als Lektor und Übersetzer. 1947 verlässt er seine Heimat und reist über Wien schliesslich 1948 nach Paris (er erhält 1950 die französische Staatsbürgerschaft). 1948 lernt Paul Celan Ingeborg Bachmann kennen, mit der ihn eine tiefe Liebe verbindet, die dreimal kurz gelebt werden kann, ansonsten nur in Briefen stattfindet. Das Band der beiden ist tief, gegenseitige Bezüge durchziehen beider Werk.

Dieses Gedicht widmet Paul Celan Ingeborg Bachmann im Mai 1948:

Ägypten

Du sollst zum Aug der Fremden sagen: Sei das Wasser.
Du sollst, die du im Wasser weißt, im Aug der Fremden suchen. 
Du sollst sie rufen aus dem Wasser: Ruth! Noemi! Mirjam!
Du sollst sie schmücken, wenn du bei der Fremden liegst. 
Du sollst sie schmücken mit dem Wolkenhaar der Fremden.
Du sollst zu Ruth und Mirjam und Noemi sagen: 
Seht, ich schlaf bei ihr!
Du sollst die Fremde neben dir am schönsten schmücken.
Du sollst sie schmücken mit dem Schmerz um Ruth, um Mirjam und Noemi.

Du sollst zur Fremden sagen: 
Sieh, ich schlief bei diesen!“ 

1951 lernt er Gisèle Lestrange kennen, die er ein Jahr später auch heiratet, 1955 kommt der gemeinsame Sohn Eric zur Welt. 1952 kann Paul Celan durch die Vermittlung von Ingeborg Bachmann bei der Tagung der Gruppe 47 lesen, was allerdings kein Erfolg wird, da die Art von Celans Vortrag bei den Anwesenden auf wenig Verständnis stösst, was diesen wiederum verletzt. Zwar hält sich der Kontakt zu einigen der Mitglieder, doch es fehlt ihm das wirkliche Vertrauen zu ihnen mehrheitlich.

Nicht leicht zu verstehen ist sicher Celans Interesse an und seine freundschaftliche Beziehung zu Martin Heidegger, den in der Tat herausragenden und tiefgründigen Denker mit NS-Vergangenheit. An Ingeborg Bachmann schreibt Paul Celan, dass er der Letzte sei, welcher über die «Freiburger Rektoratsrede und einiges andere hinwegsehen» könne. Trotzdem bevorzuge er einen, welcher «an seinen Verfehlungen würgt» als «patentierte Antinazis». Heideggers Würgen scheint allerdings sehr versteckt zu sein, da er sich nie von seinen Aussagen distanziert .

Ausschlaggebend für diese Beziehung ist für Celan wohl Heideggers Hochachtung der Dichtung, welche in seinem philosophischen Werk einen hohen Stellenwert hat. Zudem steht Heidegger neben Jünger, Hölderlin, Rilke und anderen für einen Ausdruck des Deutschen im Guten (als Gegensatz zur Tätersprache), welcher sich Celan verbunden und wodurch er eine Art Geistesverwandtschaft fühlt. Mit dem Land Deutschland und den Deutschen sonst gelingt ihm das nie, er fühlt sich nie wohl oder zuhause da.

Die dramatischen Erlebnisse durch den Krieg haben Paul Celans psychische Stabilität schon früh angegriffen, eine innere Zerrissenheit macht ihm zeitlebens zu schaffen. In den 60er-Jahren kommen mehrfache Depressionsschübe dazu, die oft auch von aggressiven Ausbrüchen begleitet sind. Dies führt zu mehreren Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken. Am 20. April 1970 nimmt sich Paul Celan das Leben, indem er sich am Pont Mirabeau in Paris in die Seine stürzt. Zwar findet sich nie ein Abschiedsbrief, doch Celan war ein guter Schwimmer, so dass ein Unfall fast auszuschliessen ist. Auf seinem Schreibtisch findet sich zudem eine aufgeschlagene Hölderlin-Biografie mit folgender unterstrichener Stelle:

«Manchmal wird dieser Genius dunkel und versinkt in den bitteren Brunnen seines Herzens.»

Werk
Paul Celans Werk zeigt eine deutliche Entwicklung von den frühen zu den späten Gedichten. Während die frühen noch eher traditionell erscheinen, verändert sich die Sprache immer stärker. Er steht damit nicht alleine, da viele Autoren der Nachkriegsliteratur damit befasst waren, die durch das Unrechtsregime und die damit einhergehenden Gräueltaten korrumpierte deutsche Sprache zu verlassen und eine neue Form zu finden. Paul Celans Weg war der, dass er die Worte zwar verwendete, sie aber in einer Weise setzte, dass sie sich dem Leser quasi wieder entziehen durch ihre kryptische Verwendung. So klingen die Verse zwar beim Lesen, verschliessen sich aber dem einfach zu erfassenden Sinn. Damit will Celan den Wörtern ihre Gewalt nehmen, die dadurch entsteht, dass sie den Leser durch den Akt des Verstehens unterwerfen. Daraus resultiert aber keine dem Sinn enthobene Sprache, denn dieser erschliesst sich durchaus beim näheren Betrachten, dies allerdings erst durch die eigene Auseinandersetzung mit den Wörtern, was den Leser zu einem Eroberer macht.

Eines der bekanntesten Gedichte Paul Celans ist wohl die Todesfuge:

Todesfuge

Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete

er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland
dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith

wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr anderen spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen

Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus  Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus
Deutschland  
 
dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith

Quo vadis?

Wenn Freiheit nur
Alleinsein heisst,
wenn ein «ich muss»
das «Kann» bescheisst,

wenn Menschen nur
sich selber seh’n
gefühllos durch
die Welt noch geh’n,

dann ist es Zeit,
mal hinzuschau’n,
dann sollt’ man auf
Gefühle bau’n.

Die sagen, dass es
so nicht geht.
Die brauchen,
dass man nun hinsteht

Wenn Not allein,
das Leben prägt,
dann suche was,
das endlich trägt.

Drum schau gut hin,
was dir nun fehlt,
und bau ins Sein,
was dich beseelt.

Erst wenn du in
Dir selber ruhst,
kommt gut, was du
auch immer tust.

©Sandra von Siebenthal

Kleine Deutungen – Robert Frost: The Road Not Taken

Robert Frost (26. März 1874 – 29. Januar 1963)

The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair,
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that, the passing there
Had worn them really about the same.

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I-
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Eines der wohl bekanntesten Gedichte von Robert Frost, fast möchte ich sagen, der englischsprachigen Dichtung. Im Spiel mit dem Bild eines Weges, der für den Lebensweg stehen kann, trifft der Gehende auf eine Weggabelung. Welchen Weg soll er beschreiten? Was verspricht der eine, was der andere? Was werden sie beide halten? Vor dem Gehen wird man es nicht wissen, man kann nur Abwägungen machen, die Wege von aussen betrachten, Vorstellungen zu Hilfe ziehen – und dann wird man eine Entscheidung treffen müssen.

Das Ich im Gedicht schaut sich die Wege an, schaut dem einen nach, bis er sich der Sicht entzieht, begutachtet den anderen. Vieles deutet darauf hin, dass beide etwa gleich viel begangen worden sind, und doch gibt es Spuren für das Gegenteil. Beide Wege liegen gleich vor ihm an diesem Morgen. Und so entscheidet sich das Ich für einen, behält sich den anderen für später vor, im Wissen, dass ein Weg oft in einen anderen führt, die Chance also gross ist, dass es nie mehr an den Punkt von heute zurück kehren wird.

Oft im Leben stehen wir vor Entscheidungen und überlegen nach allen Seiten, welche die für uns beste sei. Wir wägen ab, stellen uns Konsequenzen vor und wissen, dass jede Entscheidung für etwas, auch eine gegen etwas anderes sein wird. Nur: Wir können nicht alles haben, wir müssen eine Wahl treffen. Und: Vieles im Leben kommt nicht wieder.

Bemerkenswert ist der letzte Vers. In der ersten Zeile heisst es da, dass das ich dies mit einem Seufzen sagen werde. Das Ich sagt es nicht mal jetzt, sondern erst irgendwann und irgendwo, dann, wenn der Weg gegangen ist und es sehen wird, wohin er geführt hat. Was aber bedeutet das? Ein Seufzen ist keine eindeutige Angelegenheit. Je nachdem, wie man seufz, kann es Erleichterung oder Bedauern ausdrücken. Wir wissen nicht, welche Art des Seufzen es hier sein wird.

Und dann wird alles nochmals zusammengefasst: Wir haben die klare Ausgangslage der zwei Strassen, die sich trennen in einem Wald. Und dann folgt die Entscheidung: Das Ich nimmt den Weg, der weniger begangen ist. Und das macht den ganzen Unterschied. Was nun so klar daliegt, ist allerdings alles andere als klar. Wir wissen nicht, welchen Unterschied das macht, ob dieser positiv oder negativ ist für das Ich, das den Weg gegangen ist. Und vermutlich ist das gar nicht wichtig. Nur schon das Treffen einer Entscheidung hat einen Unterschied gemacht, indem ich nämlich weiter gehe im Leben und nicht stehen bleibe. Einmal getroffen, gilt es, den Weg zu gehen. Bis sich wieder neue Weggabelungen zeigen.

Ich konzentriere mich in meinem Blog und auch in meinem Lesen allgemein mehrheitlich auf deutschsprachige Literatur, doch gibt es so ein paar Lieblinge aus anderen Ländern, die ich nicht missen möchte. Robert Frost ist einer davon. Die Schwierigkeit, die sich dabei zeigt, ist die des Übersetzens – gerade in der Lyrik (sie ist aber auch in der Prosa ein grösseres Thema, als landläufig angenommen wird, da ein falscher Sprachduktus in der übersetzten Sprache das ganze Buch komplett verändern kann und viel vom Charme wegfällt, welchen das Original hatte). Zwar verstehe ich Englisch durchaus ziemlich gut, was bei anderen Sprachen leider nicht mehr der Fall ist, ich habe mich bei diesem Gedicht aber doch um Übersetzungen bemüht, vor allem auch, weil ich das Gedicht so liebe und es auch Menschen zugänglich machen möchte, welche im Englischen nicht so bewandert sind.

Gestossen bin ich auf verschiedene Übersetzungen, die mir liebste ist die folgende von Lars Vollert, welcher einen zweisprachigen, wunderbaren Gedichtband von Robert Frost herausgebracht hat.

Ein Weg ward zwei im gelben Wald.
Betrübt, dass ich nicht beide gehen
Und Einer sein kann, macht’ ich Halt
und sah dem einen nach, der bald
im Dickicht war nicht mehr zu sehn.

Ich nahm darauf den andern dann.
Sein gutes Recht gewährt’ ich ihm:
Das Gras stand dort schon wieder lang,
obgleich er durch der Leute gang
genauso ausgetreten schien.

Auf beiden an dem Morgen lag
das Laub von Tritten nicht zerdrückt.
Dem ersten blieb ein nächster Tag!
Weil eins zum andern führen mag,
ahnt’ ich, ich käm wohl nicht zurück.

Ich sag mit einem Seufzen sicherlich,
wenn viele Jahre ich verbracht:
Ein Weg ward zwei in einem Wald, und ich –
ich nahm den einsamen für mich,
das hat den Unterschied gemacht.

Hier haben wir die Konzentration auf den Reim und den Rhythmus, die Worte sind freier gewählt, wenn auch der Sinn da ist. Eine, wie ich finde, sehr schöne Lösung. Lars Vollert bietet noch eine zweite Übersetzung an:

Zwei Wege trennten sich im gelben Wald,
und weil ich leider nicht auf beiden gehen
und Einer bleiben konnte, szand ich lang
und sah, so weit es ging, dem einen nach
bis dort, wo in der Dickung er verschwand.

Ich nahm den andern dann, auch der war schön
und hatte wohl noch eher Anspruch drauf:
Er war voll Gras und wollt begangen sein.
Was das betraf, so schien’s, dass beide schon
vom Wandern ähnlich ausgetreten waren,

und beide lagen an dem Morgen gleich
in Laub, das noch nicht schwarz von Tritten war.
Ich liess den ersten für ein andermal!
Wiewohl: Ein Weg führt in den nächsten Weg;
ich hatte Zweifel, je zurückzukehren.

Mit Seufzen sprech ich sicher einst davon
nach langer, langer Zeit und irgendwo:
Zwei Wege trennten sich im Wals, und ich –
ich nahm den Weg, der kaum begangen war,
das hat den ganzen Unterschied gemacht.

Man sieht, dass hier das Seufzen weggefallen ist. Sehr schade, da in diesem ein Teil des Zwiespalts liegt. Auch Reim und Rhythmus mussten weichen, dafür ist die Übersetzung eine wörtlichere. Für mich ist dabei zu viel vom eigentlichen Gedicht weggefallen. Gerade bei Frost mit seinem Gefühl für Sprache, mit seiner bewussten Setzung von Wörtern und deren lautmalerischen Verbindungen in einem fast schon wie Musik anmutenden Rhythmus, fehlt da zu viel.

Paul Celan hat sich dem Gedicht auch angenommen und er hat sich auf den Rhythmus und die Stimmung im Gedicht konzentriert, dafür den Reim geopfert. Mir fehlt nicht so sehr der Reim als die Tonverbindungen, mit denen Frost immer wieder arbeitet und deretwegen ich ihn auch sehr liebe. Aber im Grossen und Ganzen eine sehr gelungene Version:

In einem gelben Wald, da lief die Straße auseinander,
und ich, betrübt, daß ich, ein Wandrer bleibend, nicht
die beiden Wege gehen konnte, stand
und sah dem einen nach so weit es ging:
bis dorthin, wo er sich im Unterholz verlor.

Und schlug den andern ein, nicht minder schön als jener,
und schritt damit auf dem vielleicht, der höher galt,
denn er war grasig und er wollt begangen sein,
obgleich, was dies betraf, die dort zu gehen pflegten,
sie beide, den und jenen, gleich begangen hatten.

Und beide lagen sie an jenem Morgen gleicherweise
voll Laubes, das kein Schritt noch schwarzgetreten hatte.
Oh, für ein andermal hob ich mir jenen ersten auf!
Doch wissend, wie’s mit Wegen ist, wie Weg zu Weg führt,
erschien mir zweifelhaft, daß ich je wiederkommen würde.

Dies alles sage ich, mit einem Ach darin, dereinst
und irgendwo nach Jahr und Jahr und Jahr:
Im Wald, da war ein Weg, der Weg lief auseinander,
und ich – ich schlug den einen ein, den weniger begangnen,
und dieses war der ganze Unterschied.

Und zu guter Letzt noch eine Übertragung von Eric Boerner. Auch bei ihm fällt der Reim weg und den Titel finde ich falsch gewählt: Die verpasste Strasse. Damit nimmt Boerne dem Gedicht die Gleichwertigkeit der beiden Wege, die durchaus immer wieder präsent ist.

Zwei Straßen gingen ab im gelben Wald,
Und leider konnte ich nicht beide reisen,
Da ich nur einer war; ich stand noch lang
Und sah noch nach, so weit es ging, der einen
Bis sie im Unterholz verschwand;

Und nahm die andre, grad so schön gelegen,
Die vielleicht einen bessern Weg versprach,
Denn grasbewachsen kam sie mir entgegen;
Jedoch, so weit es den Verkehr betraf,
So schienen beide gleichsam ausgetreten,

An jenem Morgen lagen beide da
Mit frischen Blättern, noch nicht schwarz getreten.
Hob mir die eine auf für’n andern Tag!
Doch wusste ich, wie’s meist so geht mit Wegen,
Ob ich je wiederkäm, war zweifelhaft.

Es könnte sein, dass ich dies seufzend sag,
Wenn Jahre und Jahrzehnte fortgeschritten:
Zwei Straßen gingen ab im Wald, und da –
Wählt‘ ich jene, die nicht oft beschritten,
Und das hat allen Unterschied gemacht.

Literaturhinweis:
Robert Frost: Promises to keep. Poems Gedichte, Übersetzung und Nachwort von Lars Vollert, C. H. Beck textura, 9. Auflage, München 2016.

Kleine Deutungen – Erich Fried: Nachtgedicht

Erich Fried (1921 – 1988)

Dich bedecken
nicht mit Küssen
nur einfach
mit deiner Decke
(die dir von der Schulter geglitten ist)
dass du im Schlaf nicht frierst.

Später
wenn du erwacht bist
das Fenster zumachen
und dich umarmen
und dich bedecken
mit Küssen
und dich entdecken.*

Wenn man an Erich Fried denkt, fällt einem wohl zuerst seine politische Lyrik ein, welche im Einklang steht mit seinem politischen Engagement. Er war kein einfacher Zeitgenosse, er sagte seine Meinung und er tat dies klar und pointiert. Dass man ihn – vor allem in rechten und konservativen Kreisen – auch gerne als «Stören-Fried» bezeichnete, zollt dem Rechnung. Doch dies ist nur eine der vielen Seiten von Erich Fried.

Fried war auch ein Sprachakrobat, er wusste, die Sprache einzusetzen, damit zu spielen. Mit dieser Fähigkeit gelang es ihm, die Werke Shakespeare in einer diesen gebührenden Weise zu übersetzen, etwas, das vor ihm so noch keinem gelungen ist. Auch andere Dichter hatten das Glück, im deutschen Sprachraum durch seine Feder bekannt zu werden: Sylvia Plath, T. S. Eliot, Dylan Thomas, um nur einige zu nennen.

Und nicht zuletzt schrieb er Liebesgedichte. Er tat dies in der ihm eigenen Art:

Was ist Liebe? Ganze Regale könnten gefüllt werden mit Romanen und Abhandlungen zu dem Thema, es beschäftigt die Menschen wohl seit es sie gibt. Erich Fried braucht in diesem Gedicht nicht viele Worte, und doch ist alles da.

Liebe ist ein Ich, das ein Du hat. Sie ist ein Zusammensein, das Teilen von Tisch und Bett.

Liebe ist das Hinschauen, wie es dem anderen geht und das Hineinfühlen, was er braucht, was ihm gut tut. Liebe ist die Sorge um den anderen, der Wunsch, es möge ihm gut gehen. Und sie ist der Wunsch, das Mögliche dazu beizutragen.

Liebe ist, dem anderen den Raum zu geben, den er braucht, und doch dazusein. Liebe ist die Nähe, die man den anderen immer wieder spüren lässt, und ihm damit zu zeigen, er ist nicht allein.

Liebe ist Zärtlichkeit, sind die lieben Worte und Gesten, in welchen sie sich ausdrückt.

Liebe ist der immer wieder neue Wunsch, den anderen zu sehen, zu entdecken, ihn kennenzulernen.

Liebe ist die Lust, die sich am anderen entzündet.

Erich Fried gelingt es wie kaum einem anderen, Worte für eigentlich nicht Sagbares zu finden, durch die das Gefühl hindurch scheint. Man liest die Zeilen und findet zwischen ihnen ganze Geschichten. In kurzen Versen erschliesst sich so eine ganze Welt, die über sich hinausweist, die Gefühle sprechen lässt. Und als Leser sitzt man da, liest die Worte, erlebt die Geschichte und fühlt sie tief in sich mit.   

_______
*zit. nach Erich Fried: Liebesgedichte, S. 92, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2016.

When the night comes

Die Sonne neigt
ihr müd’ Gesicht,
sie geht in eine
and’re Welt.

Ich sitze hier,
verneige mich,
bedanke mich,
hat sie erhellt

mein Leben heut,
die Welt um mich.
Mit mir auch dich,
was mir gefällt,

da dies schlicht heisst,
du warst bei mir,
nichts and’res nämlich
wünsch ich mir.

Nun bist du fort,
es wurde Nacht.
Ich sitze hier,
hab mir gedacht,

wie schön es wär,
wär wieder Tag,
die Sonne hier.
Und du bei mir.

Die Stille dringt
durch alle Poren,
Dunkel deckt
die Welt ganz zu.

Ich denk an dich,
ich sehne mich.
Ich stell mir vor –
find keine Ruh.

Und irgendwann,
wird wieder Tag.
Das Dunkel weicht.
Und dann? Und du?

©Sandra von Siebenthal

Aus den Tiefen sein

Der Wind in den Bäumen
er sei himmlisch Kind,
verfolgt mich in Träumen,
die nicht himmlisch sind.

Er treibt mich durch Gassen,
er dringt in mich ein,
ich kann ihn nicht fassen,
sitzt da Markens Bein?

Ich denke in Normen,
die ich lang gelernt,
sie sollten mich formen,
was mich nie erwärmt.

Mich trieben oft Trotz und
auch Neugier schlicht an,
das sei nicht gesund,
so sei schlicht nicht man,

kriegt ich oft zu hören,
ich litt auch dabei,
ich liess mich nicht stören,
brach doch dann entzwei.

Ich suchte zusammen,
was ich von mir fand,
durchlebte manch’ Dramen,
macht’ mir manche Schand’

bei all diesen Jenen,
die nur für den Schein,
das Sein gar verneinen,
ich wählt’ für mich Sein.

Der Weg war kein leichter,
noch heut nag ich dran,
denk: „Wär ich nur seichter,
wär ich halt so „man“,

flöss alles von hier nach
dann da wie es muss,
wär alles gemach, – so
wie es sein muss.

So such ich mir täglich,
den eigenen Fluss,
So geh ich halt täglich,
auf eigenem Fuss.

Und schimpfe und klage,
verliere ich auch…
und danke und sage:
„Ich folg’ meinem Bauch.“

©Sandra von Siebenthal

Zwischen Welten

Mit ganz leisem Klopfen
nur melden sich Tropfen,
verkünden die Botschaft,
die ich nicht versteh.

Der Himmel verhangen
mit tiefgrauen Wolken,
die Bäume im Nebel,
dahinter der See.

Ein Blick in die Ferne,
die mir bleibt verborgen,
ich schaue ins Leere,
verliere mich da.

Es scheinen zwei Welten,
die eine hier drinnen,
die andere draussen,
doch welche ist wahr?

Ich lebe mein Leben,
so zwischen den Stühlen,
Ich kenne mich aus hier,
hier bin ich bei mir.

©Sandra von Siebenthal

Alte Weisheit neu entdeckt

Ach wie so trügerisch
zeigt grad das Wetter sich,
mit Sonnenschein und Himmelsblau,
endlich mal warm, so denkt die Frau.

Vermisst, kaum weg, nichts gar so sehr,
wie von Kleidung ganz viel mehr,
Es fehlen Strümpfe, Socken und – au Backe -,
eine dick gestrickte Woll-Strickjacke.

So steht sie da und zittert hart,
wie eine Frau, sehr fein und zart,
kaum Zittern kann,
so denkt ihr Mann.

Doch er ganz Held und Kavalier,
leiht Hemd und Mantel sogleich ihr,
dass er dann friert, nimmt er in Kauf,
was daraus folgt? Man käm nie drauf!

Erst nur ein Husten, dann ein Nuss,
(bedenk, dass es sich reimen muss),
er liegt da leidend, seucht dahin,
nach nichts mehr steht ihm – ACH – der Sinn.

Er ist gar schwach, wird schwächer noch,
zum jammern reicht die Kraft dann doch,
er nennt sich sterbend, ach so arm,
da wird es ihr ums Herz ganz warm,

dass dieser edle, edle Mann,
auch schwach sich zeigen kann.
und innerlich betet sie leise,
lieber Gott, ach sei bloss weise,

lass ihn bloss leben, lass ihn heil,
ich kann dir sagen, es ist weil,
wer gäb’ mir sonst den letzten Rock,
wenn ich erneut im Kälteschock?

So leben sie auch fortan heiter,
mal hier mal da gar leidend weiter,
im Wissen, dass es einer hört,
den dieses Leiden gar nicht stört.

Im Gegenteil, es ist ein Bund,
dadurch wird beider Sein erst rund,
mal hilft er ihr, dann sie auch ihm,
geteiltes Leid ist halb so schlimm.

________

Für die abc.etüden, Woche 08/09/21: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Wortspende für die Textwoche 08/09/21 kommt von Sabine mit ihrem Blog wortgeflumselkritzelkram

Verwendete Worte für die Etüden Strickjacke, trügerisch, entdecken

Der Originalpost: Schreibeinladung für die Textwoche 08/09/21

Gegensätze ziehen sich an – oder: Zum Valentinstag

Ich hab’ so diesen einen Mann,
nicht weil ich mehr nicht haben kann,
weil einer reicht, es ist genug,
behaupte ich, mit Recht und Fug.

Ich habe also diesen Mann,
der sich nur Reime merken kann,
nicht Zahlen, Namen, Worte so,
es braucht was mehr, so irgendwo.

Da steht er dann, zitiert den Faust,
die Brust weit raus, ganz aufgebauscht,
den Jahrestag, ich wusst es zwar,
der war ihm nicht mehr ganz so klar.

So gehen wir durch diese Zeit,
und tun das gerne auch zu zweit,
im Wissen, wer der andre ist,
den man mit Vorsicht nur bemisst

nach eignem Mass, mit eignem Sinn,
er ist nicht so, wie ich halt bin,
das macht ihn aus, das ist schlicht er,
klagt‘ ich es an, wer wär ich, wer?

Ich merk mir Zahlen, merk mir Zeit,
des Esels Brück’ geht mir zu weit,
bin schlicht ganz klar, bin grad heraus,
liebe aber auch den Faust,

so sind wir beide, wie wir sind,
nicht immer nur das liebe Kind
des andren Wunsch, des andren Sein,
und sagen doch: „Auf immer dein!“

©Sandra von Siebenthal

Lebensseiten

Ich bin nicht immer glücklich,
ich bin nicht immer froh,
man sagt ja auch landläufig,
das sei halt eben so.

Doch find ich dies auch wichtig,
und finde, es tut Not,
als Salz in meiner Suppe,
und Butter auf dem Brot.

Wär’n Menschen immer glücklich
und alles wunderbar,
blieb alles stets beim Alten,
blieb alles, wie es war.

Wir sässen noch wie Affen,
auf Bäumen dumm und satt,
wir lausten uns am Nacken,
und mümmelten ein Blatt.

Nie wären wir entstiegen,
den alten Kinderschuh’n,
wir sähen schlicht den Grund nie,
noch irgendwas zu tun.

Oft brauchen wir das Leiden,
sind wir mal aus dem Lot,
so wachsen und gedeihen
wir aus unsrer Not.

Das Leben hat zwei Seiten,
sonst wären wir nicht hier,
und diese beiden Seiten,
gehören auch zu mir.

©Sandra von Siebenthal

Das Ende eines Liebestaumels

Das Ende eines Liebestaumels

Die Worte sind mir ausgegangen,
ich weiss nicht, wo sie sind,¨.
Ich wollte so viel sagen, doch
in allem fehlt der Sinn.

Ich ringe und ich kämpfe,
ich weine und ich suche,
ich fühle so viel schreien
von ganz tief in mir drin.

Und während ich da stehe
den Abgrund nur noch sehe,
fühle ich auch gar nichts mehr,
nur Leere in mir drin.

Es gibt nicht Form noch Farbe mehr,
kein Zeichen, auch kein Bild,
das mir noch sagen wollt,
wer ich als ich noch bin.

Liebe war, was ich einst suchte,
Liebe war, was ich auch fand,
ein Hafen schien’s, ein sichrer Hort,
ein Heim für mich, ein Heimatort.

Doch merk ich täglich immer mehr,
dass ich hier schlicht nicht hingehör,
dass ich oft falsch, dass ich nicht recht,
dass ich, so wie ich bin, offenbar als Liebe schlecht

in das so passe, was gewünscht.
So bliebe nur, mich anzupassen,
oder aber diese Stätte
schnellstens möglich zu verlassen.

Das wär, was ich nie wollen würde,
das ist das, was eine Bürde,
mir im Leben wär,
doch wär es nicht ganz gar so schwer,

wie wenn ich nur des Steines Anstoss wär,
an dem die Zehen sich der eine stiesse
dem ich doch nur das Beste wollte,
leider ohne, dass ich’s sein sollte.

©Sandra von Siebenthal

ABC-Etüden: Ausbruch und Einkehr

Vor vier Jahren begann alles mit den ABC-Etüden. Damals schrieb ich meistens mit, irgedwann verlor ich das Ganze ein wenig aus den Augen. Pünktlich zum Jubiläum – happy Birthday und danke für die vielen unterhaltsamen Stunden – bin ich zurück und versuche es mal wieder. Ich schrieb schon damals mehrheitlich Gedichte, auch dieses Mal soll es eines sein:

Ausbruch und Einkehr

Mein Herz schlägt orange,
durchdringend als Hämmern,
das grundtief erschüttert
in mir die Welt.

Wie Lautsprecher dröhnt es,
von tief in mir drinnen,
und dringt mir durch Mark
und knochentief rein.

Ich sitze und frage
und weiss keine Antwort,
ich suche und haste
und stehe doch still.

Ich drehe im Kreis meiner
eignen Gedanken,
ich suche den Ausgang
und stecke doch fest.

Ein Beben, ein Schweben,
ein mich nicht erleben,
ein Tosen, ein Schlagen,
tief innen im Herz.

Ich möchte nur Ruhe,
ich lege mich nieder,
ich atme, ich presse,
ich krieg keine Luft.

Ich bin so verloren,
ich gehe mich suchen,
ich lege die Arme
zum Schutz um mich rum.

Und langsam fühl ich mich
tief in mir geborgen,
und finde den Atem und
damit auch mich.

©Sandra von Siebenthal

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Für die abc.etüden, Woche 30.18: 3 Begriffe in maximal 300 Wörtern. Die Wortspende für die Textwoche 3.4.21 kommt von Ulrike mit ihrem Blog Blaupause7

Sie lautet: Lautsprecher, orange, erschüttern

Der Ursprungspost:
https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/01/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-03-04-21-wortspende-von-blaupause7/#like-10948