ausgesaugt

sie rief mich an
sie brauchte was
wieso auch sonst
sonst tat sie’s nie

sie rief mich an
kam gleich zum punkt
ich sollt’ was tun
das musst ich stets

sie rief mich an
und als sie hatte
was gebraucht
da war sie weg

was hätte sie
auch sagen sollen
es ging ja nur
um diese chose

nun sitz ich hier
wie schon zuvor
nur um eine grosse

leere reicher

©Sandra Matteotti

Patricia Duncker: Die Germanistin (Rezension)

Die Liebe zum Werk und zu dessen Autor

Ich schrieb eine Arbeit über moderne französische Geschichte. Das muss ich erzählen, weil es erklärt, warum ich so tief in die Sache hineingeraten bin. Sie war bereits der zentrale Gegenstand meines Interesses oder, wenn man so will, meine intellektuelle Leidenschaft. Was es nicht erklärt, ist, warum ich so persönlich in die Sache verwickelt wurde.

Inhalt
Als Doktorand schreibt der Ich-Erzähler über den (fiktiven) Autor Paul Michel. Eines Tages lernt er eine Frau kennen, verliebt sich in sie: Die Germanistin. Sie ermutigt ihn, sich auf die Reise nach Frankreich zu machen, wo Paul Michel in einer Psychiatrie festgehalten würde. Der Ich-Erzähler macht sich auf die Reise, trifft auf seinen Autor und taucht mit ihm in ein Leben ein, das er so wohl nie für möglich gehalten hätte.

Beurteilung
DunckerGermanistinPatricia Duncker gelingt es im vorliegenden Roman, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und mitzureissen. Immer tiefer taucht man selber in die Welt des Ich-Erzählers, später in die von Paul Michel und vor allem: in die Geschichte der beiden ein.

Die Germanistin ist die in der Retrospektive erzählte Geschichte einer Liebe, einer Leidenschaft, es ist aber auch eine Geschichte über das Schreiben, über die (mögliche oder unmögliche) Trennung von Werk und Autor. Es ist eine Geschichte über Wahnsinn und Leidenschaft, über einen Schriftsteller und dessen Leser.

Rückblickend sehe ich, dass die Sache von mir Besitz ergriffen hatte, dass ich von einer Leidenschaft besessen war, einer Suche, die nicht von mir ausgegangen war, aber zu meiner eigenen geworden war.

Diese Worte kommen vom Ich-Erzähler, aber sie könnten auch vom Leser kommen. Wenn man als Leser die letzten Zeilen des Buches gelesen hat, bleibt eine Trauer zurück. Eine Welt hat geendet, aus der man eigentlich nicht austreten wollte, so tief fühlte man sich darin verwurzelt, so sehr hat die Leidenschaft, das Leben auf einen gewirkt.

Die Wahl des Ich-Erzählers ist brillant gewählt, sie ermöglicht den Blick auf die eigentlich relevanten Figuren, der Erzähler führt einen nur auf sie zu. Er ist denn auch die am wenigsten plastische Figur, man erfährt fast nichts über sein Aussehen, seine Person, erlebt ihn nur durch seine Gedanken; man denkt und handelt quasi mit ihm mit. Auch ist es die einzig mögliche Perspektive, gewisse Geheimnisse bis zum Schluss zu bewahren, wenn auch schon früh gewisse Ahnungen sich melden, die aber zu diffus sind, um sie wirklich festzunageln. So gelingt es Duncker, bis zum Schluss einen Spannungsbogen aufzubauen, der zusätzlich zum stimmigen Plot und zur flüssig erzählten und einnehmenden Geschichte dazu beiträgt, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Fazit:
Ein mitreissendes Buch, das einen als Leser in eine Welt hineinzieht, aus der man nie mehr austreten möchte. Absolute Leseempfehlung

Zur Autorin
Patricia Duncker
Patricia Duncker (*1951 in Kingston, Jamaika) ist eine britische Schriftstellerin und Hochschullehrerin.
Sie siedelte mit 13 nach Großbritannien über, wo sie Englisch am Newnham College der University of Cambridge sowie englische und deutsche Romantik am St Hugh’s College der University of Oxford studierte. Sie lebt abwechselnd in Aberystwyth und Südfrankreich und unterrichtete Literaturwissenschaft an der Aberystwyth University in Wales wie auch Creative Writing an der University of East Anglia. Seit Januar 2007 lehrt sie an der University of Manchester.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 208 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (1. September 2007)
Übersetzung: Karen Nölle-Fischer
ISBN: 978-3423135023
Preis: nur noch antiquarisch zu kaufen, z. B. bei AMAZON.DE

Wer hat die meisten Stühle – Genderfrage als Reise nach Jerusalem?

Maria Furtwängler hat eine Studie durchgeführt, die als Fazit hatte, dass im deutschen Fernsehen Frauen deutlich untervertreten sind. Auf zwei Männer kommt eine Frau. Wenn man in den sozialen Medien als Frau auf diese Studie und vor allem auf ein Interview, das der Moderator Claus Kleber im Rahmen der Nachrichtensendung Heute mit Maria Furtwängler machte, hinweist, dazu noch befindet, dass Herr Kleber die Interviewte mit ihrem Thema eher ins Lächerliche zieht, sind kritische Stimmen gleich da. Hier das Interview:

ZDF: Heute Journal

Ich befürworte den Diskurs und finde es gut, dass sich Menschen überhaupt einer Diskussion stellen. Was ich nicht verstehe ist, wie man allen Ernstes behaupten kann, dass Kleber die Studie Furtwänglers nicht ins Lächerliche zog. Dass er mehrmals die gleiche Frage mit anderen Worten stellte, welche schon beim ersten Mal verneint wurde und welche per se rational nicht positiv beantwortet werden könnte, kann nur zwei Dinge bedeuten:

  • Er findet die Interviewte und ihr Projekt lächerlich
  • Er denkt, das Publikum ist so doof, dass es nicht schon beim ersten Mal begriffen hat.

Ein Argument, das ich oft lesen musste nach all dem war das Quoten-Argument. Man wolle lieber Qualifikation als Kriterium als Geschlecht. Aber genau darum geht es doch. Ich bin auch nicht für Quoten. Wenn man aber mal die Ausbildungsstatistiken anschaut, schliessen immer mehr Frauen Studien ab und das auch noch besser als Männer. In verschiedenen Fächern. Verblöden die nach dem Abschluss? Ich meine, irgendwo muss das Wissen und die Kompetenz ja hin, die verdampft nicht einfach so. Klar kann man nun das Kinder-Argument bringen. Aber he: Männer kriegen die Kinder auch. Irgendwie. Klar geht es ohne mittlerweile – ich denke aber nicht, dass wir die Diskussion nun dahin ausdehnen müssen.

Ich war immer gegen Quoten, da ich es unsinnig finde, Positionen aufgrund des Geschlechts zu besetzen. Wenn man aber erlebt, dass ein Geschlecht wirklich benachteiligt wird bei gewissen Berufen (und das meine ich in beide Richtungen), dann finde ich das schlicht nicht angebracht und das stösst mir sauer auf. Und wenn dann einer dahin geht und ein solches Ansinnen ins Lächerliche zieht, indem er mehrmals dieselbe Frage stellt (die in dieser Form ganz klar zeigte, dass er es dahin zieht, weil das, was er erfragte, unmöglich ist und sie hat es auch mehrfach verneint), dann finde ich das auch nicht angebracht.

Ich habe nie darauf geachtet, ob ein Mann oder eine Frau etwas gemacht hat, mir ging es immer drum, dass es gut ist, mir gefällt. Ich schaue auch bei Literatur kaum auf das Geschlecht des Autors, ich lese wohl mehrheitlich Männer, dies auch aus dem Grund, dass ich viele Klassiker lese und da schlicht mehr Männer sind. Auch in dem Bereich gab es kürzlich einen Aufschrei: Frauen würden zu wenig berücksichtigt im Literaturzirkus. Ich weiss es nicht. Ich nehme da eigentlich mehrheitlich Frauen wahr, die gelobt werden – die Statistik scheint aber ein anderes Bild zu zeichnen. Wie gesagt, Quoten interessieren mich nicht, ABER:
Ich habe Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts selber erlebt und mehrfach beobachtet. Und da finde ich, da sollte man hinschauen und ernst genommen werden dürfen – nein müssen. Ganz vieles, was aber unter dem Namen „Gender“ läuft, geht mir mehr als auf den Senkel und ich denke, mit vielen Aktionen schadet man einem Bestreben der Gleichberechtigung mehr als dass man nützt, da man dann die gerechtfertigten Ansprüche durch die Lächerlichkeit anderer miteinfärbt. Ich bin mir natürlich des Umstands bewusst, dass die Grenze, was angebracht und was überzogen ist, oft subjektiv gezogen wird.

Artikel zum Thema:

Erich Kästner: Fabian (Rezension)

Die Geschichte eines Moralisten

Der Moralist, der nicht im trüben Wasser schwimmen konnte

Der Moralist pflegt seiner Epoche keinen Spiegel, sondern einen Zerrspiegel vorzuhalten. Die Karrikatur, ein legitimes Kunstmittel, ist das Äusserste, was er vermag. […]

Sein angestammter Platz ist und bleibt der verlorene Posten. Ihn füllt er, so gut er kann, aus. Sein Wahlspruch hiess immer und heisst auch jetzt: Dennoch!

Inhalt
Fabian, ein am Leben pessimistischer Moralist hält sich mit verschiedenen Jobs über Wasser, lernt das Leben und die Menschen mit all ihren Facetten kennen und sieht das eigene Land langsam untergehen. An ein eigenes Glück oder Liebe gar glaubt er nicht, bis er eines Tages Cornelia kennenlernt und mit ihr die glücklichste Zeit seines Lebens erlebt. Hatte er bislang doch alles zu schwarz gesehen?

Zusammenfassung
KästnerFabianFabian, Dr. der Germanistik und zweiunddreissig Jahre alt, hält sich finanziell mehr schlecht als recht in abwechselnden Jobs über Wasser. In seiner Freizeit treibt er sich in zweifelhaften Etablissements herum, trinkt mit befreundeten Journalisten eines über den Durst, hat Liebschaften und diskutiert mit seinem Freund Labude über die pessimistischen Aussichten für Deutschland und Europa.
Fabian glaubt nicht an das Glück, er glaubt nicht an die Liebe, bis er Cornelia trifft und sich verliebt. Nach ein paar Tagen glücklichen Daseins verliert er seine Stelle. Einerseits für die eigene Karriere, andererseits, um ihm zu helfen, lässt sich Cornelia mit einem Filmmagnaten ein – einmal mehr ist Fabians Unglück besiegelt.

Nachdem sich auch noch sein bester Freund Labude umgebracht hat – aufgrund eines als Witz getarnten Missverständnisses – sieht Fabian seine Zeit in Berlin beendet. Er geht nach Hause ins Dorf seiner Eltern, lebt eine Weile in bleierner Langeweile, lehnt eine ihm angebotene Stelle bei einem rechten Blatt ab und plant eine Auszeit in den Bergen. So weit soll es nicht mehr kommen:

Plötzlich sah er, dass ein kleiner Junge auf dem steinernen Brückengeländer balancierte. Fabian beschlenigte seine Schritte, Er rannte. Da schwankte der Junge, stiess einen gellenden Schrei aus, sank in die Knie, warf die Arme in die Luft und stürzte vom Geländer hintuner in den Fluss.
[…]
Fabian […]zog die Jacke aus und sprang, das Kind zu retten, hinterher. […] Der kleine Junge schwamm heulend ans Ufer. Fabian ertrank. Er konnte leider nicht schwimmen.

Beurteilung
Fabian. Die Geschichte eines Moralisten ist eine brillante Satire auf die deutsche, speziell die Berliner Gesellschaft der späten Zwanzigerjahre, die Zeit der Wirtschaftskrise. Fabian ist ein scharfer Beobachter des Lebens um ihn herum. Er bewegt sich in den verschiedenen Milieus, oft am Rande der Gesellschaft, und sieht da hinter die Masken der herrschenden Doppelmoral.

Kästner wollte warnen, als er dieses Buch schrieb. Er wollte vor dem Abgrund warnen, auf welchen er Deutschland und Europa zuschreiten sah. Es ist – wie seine in der gleichen Zeit entstandenen Gedichte – der sogenannten „neuen Sachlichkeit“ zuzuschreiben, die Figuren und die einzelnen Szenen sind nicht Abbilder, sie sind Zerrbilder. Sowohl die Laster wie auch die Tugenden werden durch Erhöhungen überzeichnet und so in einer Komik dargestellt, die einerseits zum Schmunzeln anregt, andererseits aber auch genauer hinschauen lässt.

Das schnelle Tempo, die rasch wechselnden Szenen, die einfachen Sätze und der überall vorherrschende Sprachwitz geben dem Roman eine Dynamik, die Schnoddrigkeit, Ironie und Schlagfertigkeit in den einzelnen Dialogen ziehen den Leser in die Geschichte hinein, lassen diese lebendig wirken.

Fazit:
Ein wunderbar tiefgründiges, satirisches, witziges Buch, das durch Lebendigkeit der Sprache, Witz und Ironie besticht. Eine brillante Mischung aus ernstem Anliegen und humorvoller Umsetzung. Eine absolute Leseempfehlung.

Zum Autor
Erich Kästner
Als die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933 Bücher und Bilder unliebsamer Künstler verbrannten, waren auch Werke von Erich Kästner darunter. Seine zeitkritischen und satirischen Texte hatten ihn in Ungnade fallen lassen. Der am 23. Februar 1899 in Dresden geborene Journalist und Schriftsteller lebte und arbeitete weiter in Berlin und publizierte im Ausland. Die Gedichtbände „Herz auf Taille“ und „Lärm im Spiegel“ erschienen 1928 und 1929, ebenso sein bekanntestes Kinderbuch „Emil und die Detektive“. Nach dem Krieg lebte Kästner in München und rechnete als Mitglied der „Schaubude“ sowie in seinen Hörspielen und Liedern mit den Nazis ab. Er starb am 29. Juli 1974 in München.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Atrium Zürich (5. Mai 2017)
ISBN: 978-3038820086
Preis: EUR 12 / CHF 17.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Schattenkrieger

Gestern Nacht kämpfte ich gegen den Schlaf für einen Film gegen Apartheid. Heute schrieb ich gegen Hitler. Dann schrieb ich gegen die katholische Kirche und die Verdeckungspolitik bei Missbrauchsfällen, eingestehend, dass ich grundsätzlich ein Befürworter der Kirchen war, aber solche Misstände nicht mehr decken möchte. Dann schrieb ich zu einem unserer Bundesräte, welcher Steuerflüchtlinge an den Pranger stellte, selber aber die Lücken im Gesetz nutzte. Ja, ich habe ihn gedeckt, denn: Er hat nach geltendem Gesetz gehandelt, wenn auch für das Land nachteilig. Wer würde anders handeln? Würde wirklich jemand da draussen dahingehen und sagen: Ok, ich müsste diese Steuern nicht zahlen, aber ich hau die einfach oben drauf. Weil es so schön wäre für andere?!?

So gehen wir alle durch die Welt und jeder zeigt auf den anderen und findet, er selber wäre grad noch so ok, aber der – DER!!!!! – wäre daneben.

Wann denken wir wirklich an die anderen, wann an uns? Ist es nicht einfacher, an die anderen zu denken, wenn man selber nicht den Preis zahlt? Es ist verdammt einfach, vom bequemen Sofa aus zu politisieren. Da kann man sie alle anklagen, alle handeln daneben. Man selber wüsste es besser. Nur ist man nicht dort. Drum steht man auch nie in der Schusslinie. Man schiesst nur selber mal raus. Ohne Konsequenzen.

Heute hat man es noch einfacher. Früher musste man auf den Marktplatz oder an den Stammtisch. Man musste dem Gegner in die Augen schauen. Heute schriebt man. Hinter dem Bildschirm. Die anderen sehen einen nicht. Man ist viel ungehemmter. Man kann sagen, was gut ist. Man muss es selber nicht leben.

Tagtraum

In der Buddelkiste der Gefühle
herrscht ein eifriges Gewühle,
nach den guten, nach den schönen,
die die Seele so verwöhnen.

Man möchte einfach schwadronieren
und im Sonnenschein flanieren,
möchte flott das Tanzbein schwingen
und aus vollem Herzen singen.

Schön ist es, auf der Welt zu sein,
jubeln alle, gross und klein –

ach, könnt’ es so doch immer sein!

_______

Für die abc.etüden, Woche 29.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche Ulli aus dem Café Weltenall und lauten: Buddelkiste, schwadronieren, Tanzbein.

Der Ursprungspost: HIER

 

Montagsfrage: Buch oder Film?

Ich bin im Netz wieder mal auf eine Aktion gestossen, die mir gefiel: Die Montagsfrage beim Buchfresserchen

Die Frage für diesen Montag lautet:

Wenn du weder Buchverfilmung noch Buch kennst, was würdest du zuerst anschauen/lesen?

Grundsätzlich würde ich, wenn ich ein Buch wirklich lesen will, den Film wohl nicht anschauen, um mir nicht die Spannung des ersten Lesens zu nehmen. Es gibt viele Bücher, die ich mehrmals gelesen habe und das immer wieder mit neuer Freude, aber: Das Nichtwissen um die Wendungen, die eine Geschichte nimmt, um das Ende, das sie ansteuert, das hat man nur beim ersten Mal und das ist eine ganz spezielle Spannung im Leseprozess. Das Vergnügen wäre durch die Vorwegnahme des Films natürlich getrübt.

Verfilmungen von Büchern sind oft schwierig und auch oft enttäuschend. Es gibt aber Verfilmungen, die trotz Kennen des Buches wunderbar waren. Als Beispiele fallen mir nun spontan „Die unendliche Geschichte“, „The Great Gatsby“ und „Jakob der Lügner“ ein.

Dann gibt es aber Bücher, die ich unbedingt lesen möchte, aber schlicht nicht dazu komme – aus verschiedenen Gründen. Dann würde ich den Film schauen – quasi als Ersatz, um wenigstens die Geschichte zu kennen. Ob ich danach das Buch je noch lesen würde? Schwer zu sagen, kam noch nie vor. Natürlich ist mir bewusst, dass der Film nie eins zu eins das Buch wiedergibt, aber meist doch in etwa die Grundzüge.

Als Fazit kann man also wohl sagen: Wenn ich das Buch wirklich lesen will, dann lese ich es vor dem Film, wenn es geht. Da es schlicht viel mehr Bücher gibt, die ich lesen möchte, als ich Zeit habe, das wirklich zu tun, wird es für ein Buch, von dem ich den Film gesehen habe, eher schwer.

Wie sieht das bei euch aus?

Wir dürfen nicht vergessen

Ich hatte schon immer die Tendenz, mich zu Menschen hingezogen zu fühlen, die von der Gesellschaft und der herrschenden Politik an den Rand gedrängt, diskriminiert, fallen gelassen wurden. Ob es dieser Zug war, der mich schlussendlich dahin führte, wo ich heute bin? Ich weiss es nicht.

Als ich mein Studium begann, war das noch sehr unbedarft. Ich las gerne, las viel. Germanistik und Philosophie lagen nahe. Geschichte brauchte ich noch als zweites Nebenfach. Dass ich mich in allen Fächer immer mehr auf die Facetten eines Themas einschoss – war es Zufall? Ich kann es nicht sagen. Schlussendlich waren Themen wie Nationalismus, Gerechtigkeit, Antisemitismus überall präsent. Alle Fächer wurden auf diese Themen hin zugespitzt, in der Promotion wurde es nochmals deutlich gezeigt. Ich habe in den fünf Jahren, die diese Promotion mit all den Anträgen, Verfahren, Recherchen, Finanzierungsnebenprojekten insgesamt dauerte, jede Minute damit verbracht, mich in die Zeit der Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg einzulesen, einzufühlen, darin einzutauchen.

Ich bin oft gefragt worden, was mich treibt. Ich habe keine jüdischen Wurzeln. Ich habe nie auch nur etwas diskriminierendes erlebt – ausser dass mich mein Mittelstufelehrer auslachte, weil ich absolut unsportlich war. Er stellte mich förmlich an den Pranger und ich litt. Es hat mich bis heute nie losgelassen und ich weiss aber trotzdem, dass es nichts ist gegen die Leiden der Menschen damals. Das ist unverständlich für jeden, der es nicht durchmachte. Und die, die es durchmachten, können heute kaum mehr darüber berichten.

Was treibt mich immer wieder? Gerade heute schaute ich einen Film. Es ging um eine Jüdin, die in den Kriegsjahren geflüchtet war und alles zurück liess: Ihre Familie, ihre Heimat, ihr Leben. Sie war die Nichte des wohl bekanntesten Models damals: Klimts goldener Frau. Das Bild ging in Nazihände über und endete in einem österreichischen Museum. Es war ein langer Kampf zum Recht, sie hat ihn gewonnen. Und ich habe geweint. Und der Film hat mich einmal mehr darin bestätigt: Es darf nicht vorbei sein. Es darf nie vergessen werden.

Es gibt noch so viel Unrecht, das aufzudecken wäre. So viele Bilder hängen noch irgendwo, die jemandem gehören. Sie werden nicht zurückgegeben, obwohl sie unrechtmässig in den Besitz des heutigen Besitzers kamen. Und ja, die ehrliche Rückgabe würde die heutige Museenlandschaft wohl ziemlich über den Haufen werfen. Worauf müssen wir Rücksicht nehmen?

Man wird nie an einen guten Punkt kommen, wenn man für den eigenen Profit über Leichen geht. Man gewinnt vielleicht den einen so geführten Kampf, aber man verliert fürs Leben. Die im Film porträtierte Frau hatte dem österreichischen Museum immer wieder angeboten, das Bild da zu belassen, wenn man nur einfach mal anerkenne, dass ein Unrecht geschehen sei. Es fehlte die Bereitschaft. Am Schluss war alles verloren. Sie hat gewonnen. Und alles gespendet. Für gute Zwecke. Es ist nicht Geld, das zählt. Man kann mit Geld unglaublich viel Gutes tun. Wenn man es richtig tut.

Ich hoffe, dass es immer wieder Zeichen gibt, die das bestätigen. Und ich hoffe, dass wir nie vergessen, was war. Und dass es sich nie wiederholt. Ich bin kein Jude. Ich habe keinerlei Beziehungen zu dem Glauben. Aber: Es kann nicht sein, dass Menschen, die Juden sind – ob auf dem Papier oder wirklich so lebend – aufgrund dieses Umstandes in irgend einer Form ausgegrenzt und angegangen werden können.

Und: Man kann nun für „Juden“ jedes x-beliebige Wort einsetzen. Da gilt das genauso. Das ist meine Haltung, so funktioniere ich und dafür stehe ich ein. Immer. Ich hörte oft: Mach das nicht, ist grad gefährlich. Du kannst dann nicht mehr dahin und dorthin reisen. Ja, in die Türkei kann ich schon lange nicht mehr reisen. Ich habe mich in meiner Dissertation explizit gegen die Politik da ausgesprochen. Es kann nicht angehen, dass ein Land nicht zu seinen Vergehen steht. Wobei das aktuell nicht wirklich erstaunt, da der aktuelle Anführer in etwa in dieselbe Richtung marschiert. (hätte ich türkische Verwandte, hätte ich mich das wohl nicht zu schreiben gewagt….).

Aber: Nun kommt das grosse Aber: Protest kann (politisch in einem Land) nur von innen kommen. Wir können nicht von aussen hingehen und sagen: Wir sehen das so, das ist so richtig, drum müsst ihr auch. Wir können damit unten anfangen und Menschen erreichen, die das dann finden und weitergeben, weiterleben. Das führt dann zu was. Und könnte was werden. Was was werden soll, muss von innen wachsen, das stülpt man nicht einfach so drüber. Auch das sieht man bei WW2 – in Israel. Und vielleicht finden mehr Menschen, es wäre besser, wie es ist – wer möchte richten? Die von aussen überstülpen? Keiner hat die Wahrheit gepachtet. Man kann nur für die eigene einstehen. Sollte aber fremde gelten lassen können. Ich glaube, dann wäre eine Basis für Frieden geschaffen.

Freitagsfüller – Klappe, die zweite

Schon wieder eine Woche um, der zweite Freitagsfüller steht an:

  1. Thema Nr. 1  ist aktuel – wer mich kennt, wird denken, ich sei krank – putzen. Irgendwie fühlt es sich grad an, als ob so ein Haushalt ein Fass ohne Boden sei. Gestern und heute bin ich Stunden damit beschäftigt, alles so zu putzen und aufzuräumen, dass es mir gefällt. Es ist ja nicht so, dass ich sonst nie putze, es ist immer sauber und aufgeräumt, aber irgendwas reitet mich die Tage grad. Aber: Es hat sich gelohnt. Und ich glaube, ich bin nun fertig… hoff ich… bis ich das nächste sehe. Aber: Solche Putzphasen kommen dann und wann, sind auch ganz schnell wieder vorbei, drum nutz ich sie, wenn sie da ist.
  1. Auch mal nichts zu tun, keine Pläne zu haben, einfach zu sein, finde ich unbedenklich. Ab und an kommt es mir so vor, als ob alle immer grosse Pläne hätten, Dinge unternehmen. Das fängt schon bei kleinen Kindern an, die jeden Tag ein anderes Programm im Kalender haben, und hört nie mehr auf, wie mir scheint. Ich schaue sogar extra, dass ich genügend freie Zeiten habe, in denen einfach nichts ist, die lass ich mir dann auch nicht nehmen.
  1. Gestern hätte ich fast wie eine Gluckenmutter ein Tränchen verdrückt, als der Sohnemann in die Ferien flog. Ich war wohl aufgeregter als er, habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Als er dann weg war, war es schon sehr ruhig hier plötzlich. Gleich danach startete meine Putzwut… (siehe Punkt 1)
  1. Ich freue mich auf nächste Woche, die einfach frei ist – keine Termine, nichts, dass ich muss, keiner, der etwas von mir will. Ich kriegte den Rat, die Zeit zu nutzen und auch mal wegzufahren, aber ne, das wäre ja schade, denn: So ruhig habe ich die Wohnung nie. Das werde ich geniessen..
  1. Es würde helfen, wenn jeder erst vor seiner Türe kehrte, bevor er auf den Nachbarn zeigt. Die Welt wäre sauberer und friedlicher (ich habe es wirklich mit dem Putzen, scheint mir…).
  1. Ich kaufe viel zu viele Bücher bei Amazon –ist aber auch verlockend, alles nur einen Klick entfernt zu haben.
  1. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen ruhigen Abend mit einem Glas Wein in meiner blitzblanken Wohnung 😉 , morgen habe ich geplant, nur das zu tun, wonach mir ist und Sonntag möchte ich wiederholen !

Danke für die Inspiration an Barbara, die diese tolle Aktion gestartet hat. Ihr Ursprungspost: HIER

Tess Gerritsen: Totenlied (Rezension des Hörbuchs)

Der Walzer des Grauens

Inhalt
GerritsenTotenliedImmer wenn amerikanische Violinistin Julia Ansdell auf ihrer Geige den Walzer Incendio spielt – sie hat ihn von einer Italienreise mitgebracht – verhält sich ihre kleine Tochter merkwürdig. Einmal tötet sie die Katze, dann greift sie Julia an. Keiner hat eine Erklärung, woher die Verhaltensveränderungen der kleinen Lily kommen, weder deren Vater noch herbeigezogene Psychologen. Julias Vermutung, es könnte mit dem Lied zusammenhängen, glaubt aber keiner.

Julia lässt der Gedanke, dass ein Zusammenhang zwischen der Komposition und Lilys Verhalten besteht, nicht los, und sie reist nach Italien, um der Herkunft des Liedes auf die Spur zu kommen. Es ist zugleich eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise in die Zeit des 3. Reiches.

Zum Inhalt
Ein Thriller ist die vorliegende Geschichte meines Erachtens nicht, es fehlen ihr alle für dieses Genre qualifizierenden Eigenschaften. Wer also einen Thriller erwartet, könnte von dem Buch mehr als enttäuscht sein, da es als einzigen Spannungspunkt das aufzudeckende Geheimnis hat, welches aber durch die ganzen Rückblenden in die Geschichte immer wieder an den Rand gedrängt wird.

Zum Hörbuch
Wer kennt Mechthild Grossmann nicht mit ihrer wunderbar sonoren Stimme. Die Aussicht, von ihr ein Hörbuch gelesen zu geniessen, war wunderbar. Wie gross dann die Enttäuschung. In diesem Roman kommen mehrheitlich Frauen, Kinder und junge Männer vor – allesamt haben sie hohe Stimmen, so dass Mechthild Grossman fast permanent nur am Säuseln ist. Die Momente, in denen sie ihre Stimme richtig klingen lassen kann, sind dünn gesät. Das Gesäusel jedoch kann mit der Zeit gehörig auf die Nerven gehen – mir ging es so. Ich musste das Hörbuch abbrechen.

Fazit:
Die Geschichte ist kein wirklicher Thriller, hat aber durchaus Spannungsmomente. Leider passt die Stimme von Mechthild Grossmann – so wunderbar sie ist – nicht zu den Figuren des Romans. Leider eine Enttäuschung auf mehreren Ebenen.

Zur Autorin und weiteren Mitwirkenden
Sie schreibt knallharte Thriller, unter die Haut gehende Krimis und gilt international als Meisterin der Spannung. Dabei hat die in San Diego aufgewachsene Tess Gerritsen gar nicht vorgehabt, Schriftstellerin zu werden. Nach einem Medizinstudium und anschließender Tätigkeit als Internistin in Honolulu, Hawaii, schien ihre Laufbahn festgelegt. Während ihres Mutterschaftsurlaubs schrieb sie dann eine Kurzgeschichte, die sofort prämiert wurde. Damit stellten sich die Weichen ihres Lebens neu. Ihre Karriere als Medizinerin hat sie mittlerweile an den Nagel gehängt und ist „Vollzeitautorin“. Privat liebt sie es eher friedlich: Nach ihren Hobbys befragt, nennt sie Gartenarbeit und Musik. Gerritsen lebt mit ihrem Mann und ihren Söhnen in Camden, Maine.

Mechthild Großmann drehte mit Fassbinder, arbeitete viele Jahre lang am Theater mit Pina Bausch und spielte in zahlreichen TV-Filmen. Seit 2002 begeistert sie mit ihrer unverkennbaren Stimme als Staatsanwältin im Münsteraner Tatort. Totenlied ist ihr achtes Tess-Gerritsen-Hörbuch für Random House Audio.

Angaben zum Buch:
MP3 CD
Verlag: Random House Audio; gekürzte Lesung (25. Juli 2016)
ISBN-Nr.: 978-3837135626
Preis: EUR 11.49 / CHF 23.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Hätte man mal bei Hitler…

Immer wieder lese oder höre ich in Diskussionen:

Hätte man mal unter Hitler… dann….

Man kann hier nun einsetzen, was man will, unterm Strich bleibt immer nur:

Das Argument „Hitler“ macht nicht das, was man sagt, stärker, sondern es relativiert, was unter Hitler passiert ist…

In Diskussionen geht es um konkrete Situationen mit konkreten Umständen. Sind beide schlimm, sucht man – weil wohl die Vergleiche und plakativen Argumente ausgehen – nach Worten… und findet immer nur: Hitler. Schlimmer geht nimmer und drum müsste DAS das totschlagende Argument sein. Und man klopft sich innerlich auf die Schulter, weil man es brachte. Das kann schliesslich keiner verneinen, das war schlimm.

  • Ja, es ist doof, wenn man heute wegschaut. Und es ist doof, wenn man nicht Stellung bezieht, wenn Unrecht geschieht.
  • Und es ist doof, wenn man Demonstrationen in Hamburg ausarten lässt, wenn man Politker machen lässt, wenn sie nicht so entscheiden oder handeln, wie man es möchte.
  • Es ist doof, wenn man nicht wählen geht.
  • Es ist doof, wenn man nicht hin steht und sagt: Was in der Türkei abgeht, ist gefährlich, und nicht hinschaut, was Donald Trump macht.
  • Es ist doof, wenn man Putin nicht hinterfragt und auch doof, wenn man von brennenden Flüchtlingsheimen einfach so liest und zur Tagesordnung übergeht. ABER:

Hitler hat damit nichts, aber auch GAR NICHTS zu tun. Weil:

Das Argument „Hitler“ macht nicht das, was man sagt, stärker, sondern es relativiert, was unter Hitler passiert ist…

Und das darf nicht sein!

Aufforderung an den Dichter

er sagte so
du mach mal was
mit sichelmond*
du reimst so schön
das müsste gehn

nimm halt noch
ein bisschen schmus
so herz und schmerz
und bitte sehr
nicht zu konfus

bleib im takt
ohne zäsur
das wirkt sonst gleich
so hart und nach

nem bruch
das mag ich nicht
das macht mir das
gefühl kaputt

so schreib mal was
ich kann ja dann
noch kontrolliern
ob alles passt

wie ich es möcht

_________

Für die abc.etüden, Woche 25.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von autopict und lauten: Mondsichel, Zäsur, kontrollieren.

*Ich entschuldige mich für die Umdrehung, ich hoffe, das geht so noch so knapp irgendwie….

Der Ursprungspost: HIER

Dirk Ippen (Hrsg.): Des Sommers letzte Rosen (Rezension)

Rangliste der Gedichte

Wer kennt sie nicht, die Gedichte, die man in der Schule mühsam auswendig lernen musste, die Gedichte, die man in allen Gedichtbänden findet, die bei Hochzeiten, Trauerfeiern und auch zwischendurch zitiert werden. Das vorliegende Buch hat sie gesammelt und in die passende Reihenfolge gebracht. Entstanden ist eine Sammlung von 100 Gedichte aus fast 1000 Jahren, die am häufigsten in deutschen Anthologien zu finden sind.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun armes Herz, vergiss die Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Wir starten bei Uhlands Frühlingsglauben, finden später 18 Das Abendlied von Claudius, Nietzsches Vereinsamt, Eichendorffs Abschied, Platens Tristan und schliessen schliesslich mit Trakls Winterabend.

IppenSommersRosenDes Sommers letzte Rosen bringt sicher nicht die neue Erkenntnis in Sachen Gedichten, man findet – vor allem als begeisterter Gedichte-Leser – keine Neuentdeckungen. Auch kann man sich fragen, ob es wirklich nötig ist, Ranglisten aus Gedichten anzulegen – so mutet es ein wenig an. Aber: Es ist ein sehr schön aufgemachtes Buch mit einem ansprechenden Deckblatt, das Layout ist schnörkellos und ganz auf die einzelnen Texte ausgerichtet – ein schönes Geschenk für einen guten Freund, die Mutter oder einen Einsteiger in die Welt der Lyrik.

Müsste man einen Kritikpunkt anbringen, so wäre es, dass die wirkliche Rangliste fehlt. Zwar kann man sich den Gedichten entlanglesen, aber wenn man schon eine Liste erstellt, wäre es schön, die einzelnen Plätze auf einen Blick erfassen zu können, ohne sie abzählen zu müssen.

Fazit:
Die 100 am häufigsten in Anthologien publizierten Gedichte in einem Band, sehr ansprechend gestaltet. Ein wunderbares Geschenk für Lyrik-Liebhaber und solche, die es werden wollen.

Zum Herausgeber
Dirk Ippen, Dr. jur., ist Zeitungsverleger und lebt in München.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: C.H.Beck (16. März 2017)
ISBN-Nr: 978-3406706301
Preis: EUR 14/ CHF 21.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Gute Bücher, schlechte Bücher

Ich betreibe diesen Blog ja schon eine Weile und immer wieder stellte ich mir die Frage: Welche Bücher stelle ich rein. Ich habe irgendwann für mich entschieden, nur die Bücher zu besprechen, die ich (einigermassen) gut fand. Bücher, die ich nicht lesen konnte und abbrach, oder die zu lesen eine Qual waren, liess ich still im Regal verschwinden. Ich habe diese Entscheidung immer mal wieder hinterfragt, bin dann dabei geblieben. Die Gründe dafür waren vielfältig:

  • Respekt vor der Arbeit des Autors: Selbst wenn mir das Buch nicht gefällt, hat sich jemand Mühe gegeben, Zeit investiert, auch Herzblut wohl. Er hat es immerhin geschafft, ein ganzes Buch zu schreiben. Das möchte ich nicht einfach verreissen.
  • Unterschiedliche Geschmäcker: Ein Buch, das mir nicht gefällt, kann einem anderen super gefallen. Das, was mich langweilt, findet der vielleicht genau richtig. Ich möchte von keinem Buch abraten, das jemand anderem gefallen könnte.
  • Ich habe wohl generell eher Mühe, Negatives zu sagen, da ich schlicht keinen verletzen will. Auch Bücher haben eine Seele.

Ich kann hinter dieser Entscheidung nicht mehr stehen. Ich lese viel und ganz viel breche ich ab. Und das hat immer Gründe. Ich lese kein Buch, das mich nicht packt, aus Prinzip zu Ende, dazu ist die Zeit zu knapp und dazu gibt es schlicht zu viele Bücher, die ich noch lesen möchte. Und ich werde nicht mal so alle schaffen, wieso also noch mehr nicht schaffen, nur, weil ich denke, mich durch ein Buch hindurch quälen zu müssen? Wie haltet ihr das mit den Büchern? Lest ihr fertig, was ihr begonnen habt, oder legt ihr auch mal zur Seite?

In Zukunft werde ich also auch Bücher hier besprechen, die ich nicht gut fand. Wenn ich ein Buch abbrach, werde ich offenlegen, wie weit ich gelesen und wieso ich abgebrochen habe. Wenn ich trotz Missfallens fertig las, werde ich erläutern, was mir daran konkret nicht gefiel.

Das ist vielleicht nicht mehr so nett, aber es fühlt sich für mich ehrlicher an. Ein abwertendes Urteil muss ja nicht heissen, dass das Buch keinem gefallen kann, es ist einfach mein Urteil.

In diesem Sinne: Lasst die Spiele beginnen…