Kunst und Social Media

Kunst ist schwierig. Sie ist schwer fassbar, meist nicht genehm, wenn sie bestehen will, Landläufigem verquer, da dieses zu bequem scheint. In Zeiten des Social Media hat das Ganze noch an Dimensionen gewonnen. Nun erlebt man (selbsternannte) Künstler, die das potentielle Publikum fragen, ob dieses das, was sie zu schaffen gedenken, gut finden, sehen wollen, bejubeln wollen (denn: kritische Gedanken will man nicht hören!).

Die Frage ist eher rhetorisch. Wenn man fragt, ob jemand was sehen will, hat man was, das man dringend zeigen will. Man traut sich vielleicht nicht so aus sich heraus, es könnte ja vermessen wirken, drum fragt man an und: Kriegt man nur ein (einziges) Ja, kann man mögliche kritische Stimmen dem in die Schuhe schieben. Sollte jemand kritisieren, kann man anmerken: Ich war noch nicht fertig, aber DER wollte sehen.

Pendelte Kunst früher zwischen Können und Kommerz, kommen heute noch die sozialen Medien und das damit zusammenhängende Marketing dazu. Da findet man dann Künstler, die fragen:

Publikum, was hättet ihr denn gerne?

Der Künstler möchte ja gesehen und gekauft werden, ergo muss er ja gefallen. Nur: Schon Hannah Arendt sagte:

Wenn ich schreibe, bin ich an Wirkung nicht interessiert.

Ich behaupte mal ganz keck: Wer auf Wirkung zielt, ist kein Künstler, sondern Werbefachmann. Das ist nicht per se schlecht, es ist schlicht was komplett anderes. Ganz viel, das heute als Kunst produziert wird, wäre besser als Werbung deklariert. Es soll Gefallen geliefert werden, drum orientiert man sich an den Kundenbedürfnissen. Kunst jedoch will einen Inhalt portieren, will etwas aussagen, wecken, auslösen. Da kann man nicht vorher fragen:

Wie hättet ihr es denn gern?

Und genau da tut sich auch die Schere auf zwischen U und E. Das eine will unterhalten, gefallen. Das ist nicht per se schlecht, es ist wunderbar, wenn Menschen für eine Zeit Freude haben. Wer das auslösen kann, hat ganz viel geschafft. Anderes hat vielleicht einen anderen Anspruch. Es zielt nicht so sehr darauf ab, was kurz gefühlt wird beim Genuss, sondern darauf, was gesagt werden will/muss – um dann etwas auszulösen. Längerfristig.

Damit ist nicht das eine besser (grundsätzlich) als das andere, es sind nur zwei verschiedene Dinge. Und sollte ein U-Könner beklagen, vom E-Könner unterschieden zu werden, könnte man ihm sagen:

Aus einem Apfel wird nie ne Birne.

Und das muss auch nicht sein!

3 Comments

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s