Nebelschwaden laden
ihre schweren Massen
in Wogen durchs Land.

Häuserzeilen weilen
hinter grauem Schleier
zu Säulen erstarrt.

Blätterleichen weichen
von den kahlen Ästen
die Bäume wie tot.

Wassertropfen klopfen
ihre letzten Male
dann frieren sie ein.

Jahresenden senden
ihren dunklen Abgesang
in Moll eingehüllt.

©Sandra Matteotti

dankbarkeit für das
was ist und

demut auch weil es
so ist und

wissend dann dass nie
nur das was

man so ist ausreicht
dafür und

prägend ist da man
nur ist wer

man so ist als
produkt von dem

was war und geht
dann weiter

tut halt so das was
man so kann und

will es auch nur
fehlt halt

so dieses eine:
Demut…

©Sandra Matteotti

 

Theodor Storm (1817 – 1888)

Wer je gelebt in Liebesarmen

Wer je gelebt in Liebesarmen,
Der kann im Leben nie verarmen;
Und müsst’ er sterben, fern, allein,
Er fühlte noch die selge Stunde,
Da er gelebt an ihrem Munde,
Und noch im Tode ist sie sein.

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man liebt

mir fehlt ganz schlicht

der eine…
mit dem man einfach
reden kann

der erste
wenn was auf
der Seele brennt

der eine
mit dem man
Schönes teilt

Der mit dem
man gerne
Wein geniesst

der welcher
versteht wie man
so selber denkt

wenn ich es
selber nicht
versteh’

©Sandra Matteotti

Ingeborg Bachmann (1926 – 1973)

Ich*
Sklaverei ertrag ich nicht
Ich bin immer ich
Will mich irgend etwas beugen
Lieber breche ich.

Kommt des Schicksals Härte
oder Menschenmacht
Hier, so bin ich und so bleib ich
Und so bleib ich bis zur letzten Kraft.

Darum bin ich stets nur eines
Ich bin immer ich
Steige ich, so steig ich hoch
Falle ich, so fall ich ganz.

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn das Leben schwierig ist

*zit. nach Ingeborg Bachmann, Sämtliche Gedichte, Piper Verlag.

Friedrich von Schiller (1759 – 1805)

Nänie

Auch das Schöne muss sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,
Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.
Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,
Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.
Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,
Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.
Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,
Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.
Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,
Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.
Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,
Dass das Schöne vergeht, dass das Vollkommene stirbt.
Auch ein Klagelied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;
Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

(1799)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, wenn man traurig ist, wenn jemand gestorben oder etwas vorbei ist

Schiller behandelt die Vergänglichkeit. Goethes Faust wünschte sich, einmal sagen zu können, der Augenblick sei so schön, er möge verweilen. Der Mensch tendiert dazu, Schönes festhalten zu wollen, doch liegt nicht auch in dessen Vergänglichkeit ein Teil der Schönheit? Wäre es nicht schön, würden wir ihm nicht nachweinen, wäre es immer da, achteten wir es gering. Erst der Umstand, dass es nicht da ist, lässt es uns wünschen, dass es wieder geht, lässt es uns schätzen. Alles hat seine Zeit, die Kunst ist wohl, die Dinge dann zu geniessen, wenn sie da sind, um sie dann wieder loszulassen.