Was bleibt

fragen
immer
fragen

doch die antwort
seh ich nicht

dunkel
immer
dunkel

und was mir fehlt
das ist das licht

suchen
immer suchen

aber finden
kann ich nicht

hoffen
immer
hoffen

aber glauben
trau ich nicht

leben
weiter
leben

denn was andres
bleibt schlicht nicht

©Sandra Matteotti

13 Comments

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  1. Aber sieh es doch nicht nur als Last, es kann im Prinzip auch eine fröhliche und unbeschwerte Suche sein.

    Und mir kommt auch gerade der Gedanke: was wäre denn eigentlich, wenn wir eine Antwort hätten? Muss die gleich für Alle sein? Kann und darf ich eine eigene Antwort nur für mich finden? Was geschieht mit mir, wenn meine Antwort eine andere ist, als sie von meinem Umfeld erwartet wird? Kann und will ich dann mit meiner Antwort leben? Wie fair ist es, wenn ich eine Antwort habe, und die Anderen nicht? Und wie verhalte ich mich Anderen gegenüber, die eine andere Antwort gefunden haben?

    Wie kriege ich den Deckel drauf auf die Büchse der Pandora? Eine Sysiphos-Arbeit/Herkules-Aufgabe.Ob da unsere Zeit überhaupt reicht?

    Ich fürchte, wir werden immer auf der Suche sein.

    Gefällt 2 Personen

    • Spannende Fragen, die bei dir ausgelöst wurden. Schön.
      Es kommt drauf an, welchem philosophischen System man folgt. Bei Platon wären die Antworten wohl schlussendlich gleich, da alles, was ist von vorhandenen Ideen ausgeht, die quasi das Urbild sind, nach dem man strebt. Andere sehen es anders. Bist du frei, deine Antwort zu suchen, oder doch durch. Vorgaben determiniert (äusserlich wie innerlich)? Die, welche nicht suchen, werden selten finden, vielleicht fragen sie nicht mal. Ist das schlecht? Wenn sie zufrieden sind, vordergründig nicht. Philosophisch wird man halt angetrieben, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und es macht auch Spass, vor allem, wenn jemand mitfragt. Danke!

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Sandra,
    Die Philosophie hat ja wohl den Ansatz, eine allgemein gültige Erklärung/Lösung anzubieten.

    Die Religion – ja auch eine Philosophie – geht noch einen Schritt weiter: sie erklärt deshalb ihren Ansatz für verbindlich und allein selig machend und hat den Anspruch, für alle Menschen gleichermaßen zu gelten. Bleibt aber einen Beweis schuldig, den sie meint, nicht geben zu müssen. Was aber nicht durchweg Gefallen findet.

    Viele suchen aber wohl „nur“ nach einer individuellen Lösung, die genau ihre Fragen beantwortet. Ohne allerdings zu wissen, wie weit sie eigentlich gehen können oder müssen: Lösung nur für das sog. „jetzige“ Leben? Ohne zu wissen, ob die Lösung vielleicht außerhalb des uns vertrauten Lebens liegt?

    Das ist schon eine besondere Tragik und bereitet manchmal Schmerzen. Aber es bleibt ja die Hoffnung (ohne Beweis allerdings, dass sie uns nützen oder enttäuschen wird).

    Solange wir mögliche Bilder im Kopf haben, solange nicht klart ist, ob wir eine Seele haben, so lange werden wir wohl weitersuchen müssen. Und da sind Impulse von außen immer wieder anregend und spannend, weil sie weiter die Hoffnung nähren, sich doch vielleicht irgendwann dem „Ziel“ zu nähern im Laufrad der Geschichte.

    Herzliche Grüße in die Schweiz!
    Werner

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    • Lieber Werner
      Spannende Antwort, ich danke dir dafür.

      Ich denke, DIE Philosophie an sich gibt es nicht, es gibt verschiedene Ansätze. Am Anfang allen Philosophierens steht doch immer die Frage. Auf die sucht man Antworten. Philosophie als ständige Suche nach der Wahrheit. Alles, was man auf dieser Suche findet, sind Annäherungen, Ideen, die man versucht, zu begründen. Liest man verschiedene Philosophien, von Anfang bis zum Ende des Schaffens, sieht man ganz oft, dass auch sie keine allgemeingültigen Antworten auf Zeit finden, oft sogar die früheren Antworten gegen Ende des Lebens revidieren, neue Sichtweisen zeigen – die sie natürlich wieder belegen.

      Ich würde Philosophie also nicht als Antwortenlieferanten sehen, sondern eher als eine Methode, die Wahrheit zu suchen, zu hinterfragen – immer wieder neu. Darin unterscheidet sie sich vielleicht von der Religion, wie sie oft gelehrt wird.

      Es gibt sicher dogmatischere und weniger dogmatische Philosophen. Mir liegen vor allem die, welche Philosophie als Lebenspraxis sehen, nicht als Theoriekonstrukt.

      Liebe Grüsse
      Sandra

      Gefällt 1 Person

      • Liebe Sandra,
        Danke für Deine Antwort.
        Ich folge Dir, aber ich tue mich schon immer schwer mit dem Begriff „Wahrheit“. (Und heutzutage im „täglichen Leben“ im Zeichen der offensichtlichen „Fake-News“ noch schwerer).

        Hierzu passt vielleicht der folgende Text, den ich Douglas R. Hofstadters Buch GÖDEL, ESCHER, BACH; Kapitel VII – Aussagenlogik entnommen habe:

        „Diese kleine Debatte zeigt, wie schwierig es ist, Logik und folgerichtiges Denken sich selbst verteidigen zu lassen. Zu einem bestimmten Augenblick hat man den absolut tiefsten Punkt erreicht und dagegen gibt es keine Verteidigung – ausgenommen den lauten Schrei: „Ich weiß, daß ich recht habe“. Wiederum sehen wir uns dem Problem gegenüber, das Lewis Carroll so scharf in seinem Dialog* herausgearbeitet hat: Man kann seine Muster folgerichtigen Denkens nicht ewig verteidigen. Es kommt ein Punkt, an dem der Glaube die Zügel übernimmt.
        Ein System folgerichtigen Denkens läßt sich mit einem Ei vergleichen. Ein Ei hat eine Schale, die das Innere schützt. Wenn man es aber irgendwo hinschicken will, verläßt man sich nicht auf die Schale –man verpackt es in einen Behälter, den man danach auswählt, wie rauh man die Reise des Eis einschätzt. Will man besonders vorsichtig sein, legt man das Ei vielleicht in mehrere ineinander gebettete Schachteln. Aber in wieviel Schachteln man das Ei auch verpackt – man kann sich immer eine Katastrophe denken, die es zerbrechen könnte. Das heißt aber nicht, daß man es nie riskiert, ein Ei zu transportieren. In ähnlicher Weise kann man niemals einen endgültig absoluten Beweis antreten, daß ein Beweis in einem System korrekt ist. Natürlich kann man einen Beweis des Beweises, oder des Beweises eines Beweises eines Beweises geben – aber die Gültigkeit des äußeren Systems bleibt immer eine unbewiesene Annahme, die man in gutem Glauben akzeptiert. …“

        [* Anmerkung: gemeint ist Folgendes: Im Jahr 1895 ließ Lewis Carroll Achilles und die Schildkröte auftreten, um anhand von ihnen seine eigene neue Unendlichkeitsparadoxie zu illustrieren. Titel: „Was die Schildkröte zu Achilles sagte“.]

        Wenn wir also jemals ahnen sollten, was den Sinn dieser Welt und des Lebens ausmacht: ist das dann die WAHRHEIT? Was haben wir dann eigentlich erkannt?

        Ich denke, dass wird uns noch lange beschäftigen.
        Gruß aus Hessen
        Werner

        Gefällt 1 Person

        • Wäre Wahrheit ein einfacher Begriff, hätte die Philosophie ausgedient, man hätte sie gefunden. Dass dem nicht so ist und wohl nie sein wird, geht die Suche weiter. Und das ist das Schöne.

          Gefällt 1 Person

  3. Dieses Gedicht wirkt auf mich sehr bedrückend und eher hoffnungslos!
    Ich glaube nach dem Glück zu suchen ist aussichtslos, weil das Glück Dich findet, wenn Du bereit dazu und empfänglich dafür bist!
    Vielleicht es es auch der intensive Wunsch, bewusst oder auch unbewusst, der das Glück herbeiruft. Aufjedenfall ist es eine innere Einstellung, die Signale sendet. Wie auch immer sich das Glück dann zeigt, es kommt ZU DIR.

    Liebe Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

  4. Das Licht ist kein Begriff,
    den halte man im Griff ;
    Das Licht ist deine Seele,
    für den Verstand- die Leere.
    Du suchst und hoffst und bangst,
    und spürst zu oft die Angst,
    dass mit dem Tod des Leibes,
    des Mannes und des Weibes,
    das alles ist vergangen.
    Für ein „jemand“ gibt`nur Zeit,
    Raum, als auch „nah“ und „weit“.
    Ein „jemand“ ist vergänglich,
    die Essenz doch unvergänglich.

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