Liebe(slieder) für die Welt

Wieder stiess ich über sieben Ecken (aka Blogs) auf eine wunderbare Aktion, bei der ich gerne mitmachen möchte. Ein Aufruf: Die Welt braucht mehr Liebe – Blogger spielen Liebeslieder (Link zum Ursprungsartikel: HIER)

Musik spielte in meinem Leben immer eine wichtige Rolle, ich erinnere mich an Lieder, die ich als unglücklich verliebter Teenager in Endlosschleife hörte und das Kissen vollweinte, ich erinnere mich an schöne Momente und die Musik, die damals lief – und beim Wiederhören kommt die Erinnerung wieder hoch. Ich erinnere mich an Lieder, die ich geschenkt erhielt, an Lieder, die auf Ausflügen liefen und dadurch eine Bedeutung kriegten. Ich erinnere mich an Lieder, die mich zum tanzen brachten, solche, die mich zum träumen brachten – und bringen.

Was ist das schönste Liebeslied? Das ist schwer, denn es gibt so viele wunderbare Liebeslieder, ich entscheide mich für dieses:

Udo Jürgens ist einer der Künstler, die mich über Jahre begleitet haben. Ich war an jedem Konzert in Zürich, teilweise zweimal pro Tour – ich war auch am Konzert im Video. Dieses Lied ist für mich wundervoll sowohl vom Text, von den Stimmen, von der Melodie – es schraubt sich hoch und ich fühle, was sie singen. Es spricht die Wünsche und Sehnsüchte an, die man in einer Liebe hat, es ist voller Zuversicht.

Einkaufsgeschichten

Sandra war einkaufen, kehrte zurück – zum wiederholten Mal – und hatte eines vergessen: Abfallsäcke. Die noch vorhandenen waren nicht nur an einer Hand, sogar an einem Finger abzählbar, es wurde eng. So zog Sandra nochmals los. Abfallsäcke kaufen. Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss.

Als Ort des Geschehens wählte sie ein Einkaufszentrum, das noch so dies und das hat. Wenn man schon ein zweites Mal loszieht, kann man ja auch ein wenig durchs Angebot streifen. Nur so zum Schauen.

Die erste Station war die Papeterie. Noch nie hatte Sandra einen so schönen, rosaroten Minenbleistift gesehen. Den musste sie haben. Und da man eh nie genug Bleistifte haben kann, gleich noch ein Vorteilspack althergebrachter eingepackt. Da man die spitzen muss, müssen auch noch zwei Spitzer mit – man kann nie genug davon haben, auch für unterwegs oder sonst wo. Dass es auch eine grosse Auswahl an Notizbüchern gibt, ist wunderbar, denn auch von denen kann man nie genug haben, zumal eines so schnell voll ist.

Sandra wollte schon weiter, da sah sie sie: Die kleine Eule, ein Plüschmagnet. Sie hatte einen Namen, den hatte sie vergessen. Was sie nicht vergessen hat, war, die kleine Eule in den Einkaufskorb zu legen. Als Eulensammlerin (schon ihre Oma sammelte Eulen, Eulen sind toll) konnte sie sie nicht einfach in diesem grausam grellen Einkaufszentrum darben lassen. Weil sie so klein war, fragte sie bei Mitarbeitenden, ob es aus der gleichen Reihe noch grössere gäbe. Die meinten, dass dem nicht so sei, es aber vielleicht bei den Plüschtieren (ganz oben, in der obersten Etage) mehr Eulen gäbe.

Sandra stieg in die Kinderabteilung hoch, hatte das eine oder andere in der Hand – Beissringe, Einschlafmusikdosen, Rasseln. Aber: Sie war stark, sie nahm nichts davon mit, auch wenn alles süss war. Stattdessen stieg sie wieder hinunter. Und noch weiter hinunter als vorher. Quasi in den Untergrund, wo die wahren Dekoverführungen lauerten.

Schon lange wollte sie das Bad umgestalten. So in ihrem Sinne. Als sie dann die wunderbar rosanen Badetücher sah, war es um sie geschehen. Da es draussen so trüb war, musste auch gleich ein passend-fröhlicher Badevorhang her.

Das war’s. Ok – sie gestand es ein, sie hatte noch so ein Häng-Teil in rosa, Würfelform, auf dem stand „Tussi on the road“, das man ins Auto hängen kann, eingesteckt. Sie fand es so… abartig… sie musste es haben. Um es reinzuhängen. Denn: Mit dem am Spiegel konnte man sich alles erlauben. Wenn jemand motzte? Einfach mit unschuldigem Lächeln winken und auf die Würfel zeigen… ☺

Sie ging also zur Kasse, bezahlte (huff) und rannte schnell raus, wartete mit wippenden Zehen und tippenden Fingern auf den Bus (soll bloss kommen, bevor noch eine Verführung lockt) und fuhr heim. Da merkte Sandra: Sie hatte die Abfallsäcke vergessen……

Ich schaue bestürzt in die Türkei

In sogenannt freien Ländern ist die Abstimmung selten so knapp wie in der Türkei aktuell. Sogar bei der aktuellen Abstimmung wurde die Angst vor Ort geschürt. Und trotzdem standen viele hin und stimmten – gegen das herrschende und Angst machende System.

Sie stimmten gegen das, was nun kommen wird – und war. Was würde deutlicher den Missstand zeigen, der in dem Land herrscht? Da ist keine Regierung an der Macht, die man will. Da ist eine , die genügend Angst produziert, um zu bleiben. Und sogar die Angst (eines der mächtigsten Gefühle im Menschen) ist bei vielen weniger dominierend als bei anderen (so hier zu Lande) die Faulheit, am Sonntag aufzustehen, um den Stimmzettel einzuwerfen.

Meine Gedanken sind bei all den Türken, die den Mut hatten, ihre wirkliche Stimme abzugeben. Ich verstehe all die, welche Angst hatten. Man hat Verantwortung. Und wägt ab. Leider gewinnen genau dadurch Menschen wie Erdogan. Und andere vor ihm. Nur: Es ist leicht, vom sicheren Sofasessel zu urteilen. Besser wäre es, Wege zu finden, dass es nie mehr so weit kommt.

Der Mensch lernt nicht aus der Geschichte. Erdogan hat auch nur Macht, weil er schon so weit ist. Irgendwie kam er dahin. Vielleicht müsste man mal das durchleuchten. Die Mechanismen, die Ellbogenmenschen befördert. Bis sie nicht mehr aufzuhalten sind.

Und nein, ich reise nie mehr in die Türkei. Ich hörte vielfach, es sei schön da. Ich schrieb schon gegen die Haltung gegen den Völkermord gegen die Armenier. Ich schreibe weiter. Gegen eine Haltung gegen freiheitliches Denken. Gegen Demokratie. Gegen Diktatur und Unterdrückung. Meine Gedanken gehen an das Volk. Ich möchte nicht in der Haut stecken.

Ostern und die Frauenfrage

Ich stand heute um 7 auf, putzte, kochte, wusch, putzte wieder, goss im Garten, führte den Hund aus, räumte das Katzenklo, kochte wieder, redete aufs Kind ein, putzte wieder. Dann las ich auf Twitter dieses:

Wie schändlich, dass alle frei haben und keiner weiss, wieso, wo die biblischen Ursprünge sind.

Die Bibel ist eines der grössten literarischen Werke (für mich nicht mehr, aber das bestimmt). Nur: Wie muss ich als Frau das verstehen, wenn man meint, ich hätte heute frei? Die Schreibende ist sonst sehr emanzipiert unterwegs. So selbst-deklarativ. Auf meine Anmerkung, dass es der Rolle der Frau durchaus dienlich wäre, man würde die Arbeit zu Hause auch mal als solche anerkennen, kam: Jaja, so war das ja nicht gemeint.

Genau da schwächelt das Ganze aber ja: Wer kümmert sich immer noch mehrheitlich um Kinder? Um kranke Eltern? Um bedürftige Angehörige? Wer steckt zurück – mehrheitlich? Es sind Frauen. Einige machen es gern und freiwillig, andere haben keine andere Wahl. So oder so wäre vor allem der Frau, aber auch der Gesellschaft gedient, wenn Arbeit endlich als solche anerkannt würde. Wenn die Arbeit zu Hause nicht als Nebenher gesehen würde und die sie Ausübenden nicht als minderwertig gegenüber ihren so genannt arbeitstätigen Geschlechtsgenossinnen.

Wer mich kennt, weiss: Ich bin alles andere als Gender-Fan. Ich mag keine Quoten, mag keine Frauen-an-die-Macht-Posts. Ich möchte nur, dass Arbeit anerkannt wird. Egal, was sie privatwirtschaftlich einbringt. Wenn sich aber selbst Frauen gegenseitig gering schätzen, wie wollen sie dann Männer angehen, die das tun?

Fleisch oder kein Fleisch – das ist die Frage

Ernährung ist die neue Religion. Die einen schiessen gegen die anderen. Diese sind die Ignoranten. Veganer argumentieren mit armen Tieren, Augenrollen und ethischen Motiven, Fleischfresser mit Biologie, Ironie und Tradition. Meine Meinung?

Jeder, der sich vegetarisch oder vegan ernähren will, soll das tun. Ich würde ihn nie verurteilen (wie könnte ich, ich lebte selber insgesamt 16 Jahre vegetarisch, teilweise wohl fast vegan, ohne den Ausdruck damals zu kennen) – so lange er nicht andere damit missionieren will. Er darf seine Welt zeigen, andere teilhaben lassen, aber: Entscheiden soll jeder selber können. Wer nun einwenden will, Kühe können auch nicht entscheiden, ob sie gemolken oder geschlachtet werden wollen, dem sei gesagt: Tomaten können das auch nicht. Wo setzen wir die Grenze? Man weiss (!) heute, dass auch Pflanzen Gefühle haben. Nur können sich das die meisten weniger vorstellen als bei Tieren. Kühe schauen einen aus tiefbraunen Augen an und man hat den Jö-Effekt – der fehlt bei der Tomate. Vielleicht blüht die auch lieber unter freiem Himmel als im Treibhaus? Vielleicht möchte sie auch nicht in Tonnen Gleicher quer über den Erdball geflogen werden?

Damit will ich nicht den Tierschutz lächerlich machen, im Gegenteil. Ich wünsche mir einen bewussten Umgang mit allem. Kein Verdammen. Ich wünsche mir einen Weg zurück zur Natur. Für alle. Klar können wir Menschen denken. Und abstrahieren. Bei den anderen wissen wir es nicht. Vor kurzem dachten wir, Gemüse fühlt nicht. Davor dachte man, Tiere fühlen nicht. Beides ist widerlegt. Wir wissen nicht, was kommt. Drum wäre es für mich an der Zeit, der Natur entsprechend zu handeln. Da sind wir Menschen Allesfresser. Aber: Wir müssen dazu keine anderen Lebewesen ausnutzen. Wir könnten ihnen ein gutes Leben angedeihen lassen. Weil wir es können.

Der Löwe kann die Antilope nicht aufziehen. Er jagt sie, erlegt sie, frisst sie. Das nennen wir natürlichen Gang. Die meisten Kühe würden kaum leben, würden sie nicht gehalten. Aber: In diesem Leben sollen sie gut leben. Sie sollen sich am Leben freuen können.

Und ja, irgendwann sterben sie. Wie die Antilope. Wie der Grashalm. Wie wir selber. Das ist für mich der Kreislauf des Lebens. Und daran glaube ich. Danach versuche ich, zu leben. Ich esse keine Erdbeeren im Winter, ich importiere keine Avocados. Ich esse keine chemisch produzierten Fleischersatzteile. Ich esse wenig Fleisch, aber wenn, dann aus einer als tiergerecht deklarierten Haltung.

Absolute und missionierende Haltungen waren nie förderlich. Keinem. Es gilt ein machbares, für möglichst viele lebbares Miteinander zu finden.

Leb wohl, Gerri

17884476_10155322283442834_2581290942762795018_nIch weiss nicht, wieso wir ins Gespräch kamen, es war auf Twitter oder Facebook, wir trafen uns schnell real. Danach trafen wir uns wöchentlich. Du trankst immer Apfelschorle mit Zitrone. Ich meist Wasser oder Tee. Wir sprachen über Gott und die Welt. Mehrheitlich sprachst du, ich kam kaum zu Wort. Das war nicht schlimm, ich höre gerne zu und ich hatte selten viel zu erzählen – du schon. Deine ganze Lebensgeschichte hast du mir ausgebreitet.

Du sprachst laut. Ich weiss noch, wie ich immer dachte, dass nun alle alles wissen. Ich falle nicht gerne auf. Dir war das egal. DU kamst und warst da. Immer. Präsent. Und authentisch. Du sagtest mir immer, dass du da bist für mich. Ich immer einen Freund hätte in dir. Und ich glaubte dir. Du warst einer der Guten. Als mein Sohn mal ein Interview brauchte mit einem „älteren Menschen“, sprangst du ein, weil wir hier keine Familie hatten. Du stelltest dich allen Fragen. Für dich war mein Sohn danach nur noch der Bonsai. Ich werde ihn nie mehr anschauen können, ohne daran zu denken. Und das ist schön, denn dann denke ich auch an dich.

Das werde ich sowieso oft tun. Ich danke dir für ganz viele Lieder, die ich durch dich kennenlernte. Ich danke dir für einen Schneespaziergang bei Schneewehen, wir sahen die Welt vor Augen nicht, aber es war toll. Ich danke dir für ganz viele Stories, Treffen, Momente. Ich danke dir für deine Freundschaft.

Irgendwann warst du still. Ich erreichte dich nicht mehr. Ich setzte mit Hilfe von Freunden Hebel in Bewegung, wir schafften es, dass du ins Spital kamst. Da fing die Unsicherheit an. Schaffst du es? Können dir die Ärzte helfen? Können wir genug da sein? Immer wieder gab es gute Momente, gab es Hoffnung. Leider ist die mit dir am 21. Februar gestorben. Ich habe kurz davor noch mit dir telefoniert. Du gabst dich positiv, aber es schwang eine leise Ahnung in der Stimme mit – oder hörte ich die nur? Ich habe es heute erfahren, nachdem ich dich mehrfach vergebens zu erreichen versuchte. Wir werden nie mehr zusammen im Migros-Café in Oerlikon sitzen. Wir werden nie mehr in „unserem Café“ am Sternen sitzen und uns über die Menschen um uns amüsieren. Und über uns selber. Wir werden so viele Dinge nicht mehr machen, die wir noch machen wollten.

Ich werde nun das Lied hören, das ich durch dich kennen und lieben lernte – eines der vielen. Und ich werde an dich denken. Und mein Glas zum Himmel heben.

Mach’s gut, Gerri. In meinem Herzen hast du einen grossen Platz, der bleibt.

Facebook: Jeder ein Fernsehstar

Wie schön war FB, als die Leute noch schrieben, was sie dachten. Heute machen sie Livevideos. Früher hiess es also:

„Hallo liebe Leute, ich habe die ultimative Geschäftsidee für euch. Klickt auf den Link und schon seid ihr dabei.“

Heute hört sich das dann so an:

„Hallooooo, ihr Lieben – hallo Ulli, hallo Bianca – ach, der Björn ist auch da, schön, dich zu sehen…. Also hallooooo zusammen. Ich habe ja heute gerade auf FB – hallo Erika – eine Unterhaltung gesehen,“

*naseputzt,

„da ging es um die liebe Arbeit“

*Augenbrauehochziehundernstguck

„Ein schwiiiiiieriges Thema. Und: So wichtig. Nuuuun. Ich habe da – hallo Klaus, hast du es auch noch geschafft? Toll – Ich mag ja diese Livevideos, man ist so nah dran und es ist eine direkte Weise, Menschen zu erreichen. Also. Arbeit. Wir alle haben sie“

*naserümpf

„und lieben sie wohl eher selten. Aber – hier kommt die gute Nachricht“

*indiekamerastrahl

„Ich kann euch helfen. – Hallo Laura. Das Wetter hier ist übrigens toll, seht ihr das?“

*schwenkteinmalumdieeigeneachse

Zu dem Zeitpunkt bin ich eingeschlafen, sorry, ich kann euch nicht sagen, wie es mit dem tollen Video weiterging.

Ich war mal ein Yogi

Ich erinnere mich gut. Ich war im Studium, las mich kreuz und quer, kam über Schopenhauer und andere hin zur östlichen Philosophie und von da zum Yoga. Ich fand das toll: Geist auf den Körper angewandt, alles in einem, ganzheitlich. Das leuchtete mir ein, das spornte mich an: Ich wollte das kennenlernen.

Ich meldete mich aus dem Stand für meine erste Lehrerausbildung an. Ich hatte noch nie einen Fuss auf eine Matte gesetzt. Das änderte sich mit dem ersten Tag im Unterricht. Ich war täglich auf der Matte, atmete ein, was sich mir zeigte. Ich sah, was andere tun, hörte, wie über die geurteilt wurde, die keinen Spagat, Kopf- und Handstand können – und nebenher wurden die ethischen Prinzipien runtergebetet.

Ich hatte nie Mühe, da ich von Natur sehr beweglich bin. Niemand hätte je gedacht, dass ich Yoga noch nie gemacht hatte. Alle Verknotungen schaffte ich mit links, die Muskeln (ich hatte als Sportmuffel keine) baute ich auf. Ehrgeiz war noch nie mein Schwachpunkt. Mir genügte es nie. Ich nahm alle Positionen (ausser dem Handstand, der ist mit einem Trauma behaftet) problemlos ein. Und ich fand Yoga gut. Im Kern. Nie in der Ausübung. Ich war kaum je mehr unter Stress als da. Und ich sah nie mehr verletzte Menschen als in der Zeit. In keiner Ausbildung gab es einen Menschen, der kein Leiden hatte. Alle litten sie an Knie, Schultern, Rücken….

Es war nicht meine Welt. Ich habe irgendwann die Reissleine gezogen für mich. Zumal ich unter chronischen Schmerzen litt, die just nachliessen, wenn ich mit Yoga aufhörte. Ich stieg aus. Stieg aus aus der Ausstiegsgemeinschaft Yoga. Und es war gut.

Eine Klasse behielt ich. Eine Gruppe von Senioren. Ich mache keine haarsträubenden Übungen mit ihnen. Es ist herzlich. Menschlich. Alle haben ihre Gebrechen – wir sind alle nicht jung. Sie sind über 60, teilweise über 80. Wir atmen, wir lachen. Wir schauen, was geht. Wir haben keinen Wettbewerb. Wir nehmen den Tag, wie er kommt.

In der letzten Stunde sagte ich zu „meinen“ Damen: Ich mache kein Yoga mehr, nur noch mit euch. Als die Stunde fertig war, merkte ich, dass das nicht stimmt. Ich machte nie mehr Yoga. An dem Nachmittag setzte ich mich in den Garten und meditierte. Nicht nach Anleitung. Ich könnte dem keinen Namen geben. Für mich war es Meditation. Ich sass und atmete und war. Und ich fühlte mich gut. So ruhig. Und es hallt nach. In mir. Und das ist gut.

Ich habe keinen Namen mehr dafür. Bin ich ein Yogi, bin ich Buddhist? Meditiere ich? Ich bin. Ab und an bewusst im Moment. Das möchte ich wieder öfters tun. Ohne Stempel, ohne Namen. Und ich freue mich auf meine Frauen nach den Ferien. Sie haben mir viel beigebracht. Mehr als alle Ausbildungen je. Und: Zu sehen, dass sie sich auf meine Stunden freuen und diese ihnen gut tun, ist mein Highlight der Woche jeweils.

Es ist immer ein Geben und Nehmen.

PS: Und ja, ab und an mache ich auch Asanas, strecke Beine in die Luft und beuge mich über dieselben. Und es tut gut. Ich mache es nur noch für dieses Gefühl. Ohne anderen Anspruch.

Liebster-Award

AwardIch wurde von Siggi vom Blog Siggispictures für den Liebster Award nominiert, was mich natürlich sehr freut.

Zunächst, die Regeln:

  • Verlinke die Person, die dich nominiert hat.
  • Beantworte 10 Fragen, die dir vom Blogger gestellt wurden, der dich nominiert hat.
  • Nominiere bis zu fünf Blogs
  • Informiere sie über die Nominierung
  • Erstelle 10 eigene Fragen für die Nominierten

Los geht es mit den Fragen:

  1. Was würdest du sagen, ist was sehr interessantes an dir?

Das müsste man wohl andere fragen. Ich selber finde nichts speziell interessant an mir, bin ein ganz normaler Mensch mit Schwächen, Stärken, Interessen, Abneigungen, Widersprüchen.

  1. Was hältst du von der heutigen Gesellschaft?

Das ist schwer zu sagen. Ich kümmere mich eher um Menschen denn um Gesellschaften/Kollektive. Grundsätzlich denke ich, ist die Welt kälter geworden und egoistischer. Man kümmert sich weniger um andere Menschen, ist oft mit sich selber genug beschäftigt, was natürlich auch eine Spirale sein kann, weil Menschen unter der Gesellschaft leiden und dann selber neu dazu beitragen.

  1. Wenn du eine Reise für zwei geschenkt bekommen würdest. Wo gehst du hin?

Ich würde gerne nach New York, denn: Ich war noch niemals in New York *singsingsing – da merk ich: Auf Hawaii war ich auch noch nie 😉 Ich würde aber auch gerne mal an die Nordsee, an die Ostsee, nach Rom und nach Mallorca. Da war ich nämlich überall auch noch nie.

  1. Und mit wem?

Das kommt drauf an, wohin die Reise geht, wie lange sie dauert und auch, wer denn mitkommen wollen würde. Ab und an verreise ich auch durchaus gerne alleine – für den Fall könnte ich dann vielleicht den Hund mitnehmen.

  1. Was ist dein größtes Laster?

Bücher – man hat nie genug.

  1. Was ist dein größter, erfüllbarer Wunsch?

Da fällt mir wirklich nichts ein. Ob etwas erfüllbar ist, zeigt sich erst, wenn man wirklich daran geht – und dann fragt sich natürlich, wieso man ihn bislang nicht erfüllt hat. Und was ist ein grosser Wunsch? Ich möchte nicht sagen, dass ich wunschlos glücklich bin, aber so wirklich materielle Wünsche habe ich keine, die nun in mir drauf drängten, erfüllt zu werden.

  1. Hast du einen Lieblingsfilm? Und wenn ja, wie heißt er?

Der Film, den ich am öftesten gesehen habe, sicher Mamma Mia.

  1. Wein oder Bier?

Wein, immer Wein – ich mag kaum Alkohol ausser Wein, aber den liebe ich sehr.

  1. Liest du zurzeit ein Buch? Wenn ja, erzähl was drüber.

Mehrere Parallel – wie meistens. Jane Austen, Stolz und Vorurteil. Die Geschichte der Elizabeth Bennet, die aus Sicht der Gesellschaft und vor allem ihrer Mutter dringend einen Mann braucht – was sie nicht zwingend so sieht (und schon gar nicht Mr. Darcy, der sie nach anfänglichen Zweifeln doch sehr spannend findet). Ein wunderbares Buch mit Tiefgang, Witz und Gesellschaftsanalyse.

  1. Wie bist du auf meinen Blog aufmerksam geworden?

Ich glaube über Twitter, bin aber nicht ganz sicher.

Wen nominiere ich?

  • Arno Rosen (BLOG) – er hat es getan: HIER
  • Karo-Tina Aldente (BLOG)
  • Robert (BLOG)
  • Arndt (BLOG)
  • Arne (https://arnescomfycouch.com)
  • Ich freue mich natürlich über jeden, der auch noch mitmacht (ich würde ihn dann auch gerne hier verlinken, wenn gewünscht)

Die Fragen für die Nominierten

  1. Wie würdest du dich einem Fremden beschreiben?
  2. Was ist dir wichtig im Leben?
  3. Was ist deine Motivation, deinen Blog zu führen?
  4. Kaffee oder Tee?
  5. Wenn du drei Bücher nennen müsstest, die dich am meisten geprägt, bewegt, gefreut haben, welche wären es?
  6. Du könntest einen Tag nach Wunsch erleben – wie sähe er aus?
  7. Würdest du im Alter auswandern zu wollen? Wenn ja, wieso und wohin? Wenn nein, wieso nicht?
  8. Mit wem würdest du gerne mal Essen gehen und wieso?
  9. Was bedeutet Glück für dich?
  10. Wenn du eine Fähigkeit haben könntest, die du nicht hast, welche würdest du wählen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mitmacht!

Blick zurück

828156801_47085e952f_oKürzlich wurde ich auf Facebook aufgefordert – ich tappte in eine Spielefalle – ein altes Bild von mir zu posten. Von mir gibt es Kinderbilder und (eher selten) aktuelle. Dazwischen nichts. Ich stellte das Bild rein. Ein Bild von mir, als ich etwa 4 war. Silvesterabend, ich stand am Piano. Ich mag sonst diese Erinnerungsschübe nicht, wenn andere beginnen zu erzählen. Ich finde, das Leben spielt hier und jetzt. Und doch. plötzlich packte es mich.

Wir haben Silvester immer im Berner Oberland gefeiert, immer im gleichen Hotel. Der Ort war für mich Heimat, denn wir waren auch sonst alle Ferien da. Die Besitzer des Hotels waren für mich wie Grosseltern. Der Ort vertraut, mit warmen Gefühlen, Freude und Glück besetzt.

Wenn ich das Bild so ansehe, sehe ich es in den Augen. Es sind fröhliche Augen. Das Lächeln passt dazu. Es war eine glückliche Zeit. Ich hatte eine schöne Kindheit. Es war nicht alles rosig. Es war nie nur pink. Ich hatte Eltern, die da waren, kriegte den Rückhalt und fühlte die Werte. Ich hatte eine Welt und konnte meine entwickeln.

Ich bin dankbar. Für all die Gefühle, all die Möglichkeiten. Ich bin dankbar für dieses Leben. Es war sicher nicht das leichteste. Ist es nicht. Ich hatte ganz viele Freiheiten. Ebensoviele Stäbe, die Gefängnisse schlossen. Es ist immer ein Wechselspiel. Dessen bin ich mir heute sicher. Ob das Fazit stimmt, muss jeder für sich entscheiden. Und das wohl auch immer wieder neu.

Wenn ich das Bild anseh, erinnere ich mich. Ich erinnere mich an laue Abende, in denen ich mit Freunden im Heustock rumhüpfte. Ich erinnere mich an Silvesterparties mit Salzstangen und Pommes ebenda. Ich erinnere mich an die nachbarliche Bauerstochter, die mir französische Worte zu Kühen beibrachte, an Katzenbabies noch blind herumtapsend. Ich erinnere mich an Tänze über Felder, an Sonnenuntergänge hinter Bergen.

Es sind Bilder, Gefühle, Eindrücke, die aufblühen. So passend zum Frühling. Alles schon da. Und doch wieder neu. Was aus einem Bild alles entstehen kann.

Autoren heute – husch husch, zack zack?

Ich lese immer wieder in der Timeline von Autoren, dass sie sich entschuldigen, FB etwas vernachlässigen müssen, weil sie sonst nicht drei Romane gleichzeitig schreiben können oder einen Roman nicht in einem Monat geschrieben haben. Es mutet irgendwie nie wie eine Entschuldigung an, sondern eher wie Beifallssuche. Schaut her, ich bin so toll. Thomas Mann schrieb sehr konsequent jeden Tag zur selben Zeit. Er schaffte etwa 1,5 – 3 Seiten. Pro Tag. Wer seine Wälzer kennt, kann nun rechnen. Goethe war nicht viel schneller. Der schrieb nebenher noch fast täglich Gedichte. Aber man könnte FB als das neue Gedichte-Schreiben werten. Nicht vom literarischen Anspruch natürlich, sondern mehr von der absorbierten Zeit.

Was ich mich frage: Ist das wirklich zu bejubeln? Literatur als Massenproduktion? So cool im Multitasking? Im Eilverfahren? Oder ist das der Grund, dass es immer schwerer wird, noch wirklich gute Bücher zu finden? Weil immer mehr immer schneller immer mehr wollen? Ich meine, ich kann auch Rosamunde Pilcher nehmen, ihre Gechichten abschreiben und einfach Zeiten, Orte und Namen ändern. Dann kriegt man das prima hin. Muss das sein? Ist das toll? Ich finde nicht.

Vielleicht bin ich elitär. Ich möchte keine neuen Geschichten, denn: Es ist alles gesagt. Aber: Ich möchte gerne Geschichten, die das, was schon gesagt ist, neu sagen. Ehrlich. Authentisch. Tief. Mit einer Meinung. Und einer Sprache. Die packt, überzeugt, passt. Berührt.

Schafft man das so nebenbei? So husch husch? Ich denke nicht. Klar: Hermann Hesse schrieb den Demian in drei Wochen. Das war aber nicht mit allem so, und: Das Thema arbeitete in ihm. Lange. Die Gedichte der Entstehungszeit zeugen davon. Dies nur zur Güte, die Aussagen auf FB stossen mir trotz dieses Wissens irgendwie sauer auf. Bin ich zu kritisch?

Was lange währt…

Bob Dylan erhielt den Nobelpreis für Literatur. Das könnte eine einfache Nachricht sein, doch es war mehr. Nicht nur regte sich der Literaturzirkus auf, dass ein Musiker reüssierte, er holte den Preis nicht ab. Und man wurde nicht müde, zu schimpfen. Gegen die Wahl, gegen sein Verhalten. (Hier der Artikel, dass er ihn doch abholt: LINK)

Wenn man das Auswahlverfahren für den Nobelpreis mal aussen vor lässt (es wäre bei Murakamis neustem Buch schön nachzulesen), bleibt die Frage: Was ist Literatur? Im Schimpfen gegen diese Wahl wurden viele Literaten genannt, die den Preis so lange verdient, aber nie bekommen haben. Wenn es denn schon ein Musiker sein sollte, man zeigte sich quasi kompromissbereit, wieso er? Wären nicht auch andere wählenswert gewesen?

Zur ersten Frage: Was anderes soll Literatur sein, als ein künstlerischer Text? Ob der gesungen, laut oder leise gelesen wird, kann wohl kaum das Kriterium sein – zumal: Brecht hat viele seiner Texte zu Musik geschrieben, Hölderlin und Zeitgenossen wurden oft vertont. hier nun zu motzen, das sei quasi der Preis vor die Säue geworfen, ist etwas gar neidbesessen.

Nun wird also Bob Dylan auserkoren. In einem alles andere als neutralen Verfahren (ich verweise erneut auf besagtes Buch, schlicht, weil ich alles andere suchen müsste, das hier grad greifbar habe und das Beschriebene für richtig empfand). Muss er nun springen? Und jubilieren? Alles fallen lassen? Wieso sind solche Auszeichnungen so wichtig? Vor allem für die, welche es eh schon geschafft haben? Sehnen sich nicht viel mehr die danach, die eben nicht dort sind? Und erachten dann das Verhalten desjenigen, der es für sich geschafft hat, als Affront, weil sie nie da sein würden?

In der ganzen Debatte um diesen Nobelpreis fällt mir nur immer ein Wort ein: Neidkultur. Es gibt KEIN Kriterium gegen die Wahl. Literarischer Text ist Literatur. Wenn er gut ist, sogar grosse. Ob da dann noch Noten unterlegt werden oder nicht, macht aus dem Text nicht weniger Literatur. Sonst müsste man das Heideröslein – das ich als gesangliches Nichttalent unter Qualen singen musste – zur Nicht-Literatur erklären. Man sollte Herrn Goethe ausbuddeln und schauen, was er dazu sagte.

„Sorry Wolfgang, nachdem nun Töne zum Text kamen, können wir dein Gedicht nicht mehr als Literatur anerkennen.“

Herr Goethe würde wohl laut lachen und sagen:

„Who cares?“

Weil er es konnte. Er tauschte sich ja auch mit Herrn Schiller aus, kritisierte dessen Werk und liess diesen mit seinem ebenso umgehen. Man lebte ein Miteinander und wuchs gegenseitig. Heute gönnt man sich nichts, es könnte ein anderer mehr vom Kuchen bekommen. Mit dieser Haltung verlieren alle. Am meisten man selber.

An dieser Stelle nochmals herzliche Gratulation an Bob Dylan. Der Preis war – ungeachtet der Umstände der Sprechung – mehr als verdient. Und wer das nicht glaubt, soll sich mal an die Analyse der Texte machen. Dann sprechen wir weiter.

Rose-Marie & Rainer Hagen: Bildbefragungen (Rezension)

Bildern auf den Grund gehen

Rose-Marie & Rainer Hagen nehmen uns mit auf eine Reise. Quer durch die Zeit gehen sie 100 berühmten Bildern auf den Grund, beleuchten kleinste Details und erklären diese.

Was sehen wir, wenn wir ein Bild ansehen? Bilder erzählen eine Geschichte auf verschiedenen Ebenen. Zuerst sehen wir das offensichtlich dargestellte – mal konkreter, mal abstrakter. Dieses wirkt. Das Bild hat aber noch tiefere Bedeutungsebenen. Sie liegen in Pflanzen, Symbolen, Kleidern, Haltungen. Und ab und an versteckt sich etwas, so dass es fast übersehen werden könnte. Auch das holen die beiden Autoren ans Licht und lassen den Leser so Stück für Stück ins Bild eintauchen und es erkennen.

Fazit
Ein wunderbar lehrreiches Buch, das nicht nur die einzelnen Bilder in ihren Details entschlüsselt, sondern auch den Blick für weitere Bilder schult.

Über die Autoren
Rose-Marie Hagen, geboren in der Schweiz, studierte Geschichte und Romanistik in Lausanne. Nach längeren Studienaufenthalten in Paris und Florenz übernahm sie verschiedene Lehrtätigkeiten, u. a. an der American University in Washington, D.C. Rainer Hagen, geboren in Hamburg, studierte Literatur- und Theaterwissenschaften in München, arbeitete nach seiner Promotion für Rundfunk und Fernsehen, zuletzt als Redaktionsleiter beim Norddeutschen Rundfunk. Gemeinsam haben beide Autoren im TASCHEN-Verlag mehrere Bücher veröffentlicht, u. a. Meisterwerke im Detail und Monografien über Pieter Bruegel und Francisco de Goya.

Angaben zum Buch:
hagenbildbetrachtungenGebundene Ausgabe: 788 Seiten
Verlag: Taschen Verlag (7. März 2016)
ISBN: 978-3836559232
Preis: EUR 14.99 / CHF 21.90
Erhältlich in einer Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH