Fleisch oder kein Fleisch – das ist die Frage

Ernährung ist die neue Religion. Die einen schiessen gegen die anderen. Diese sind die Ignoranten. Veganer argumentieren mit armen Tieren, Augenrollen und ethischen Motiven, Fleischfresser mit Biologie, Ironie und Tradition. Meine Meinung?

Jeder, der sich vegetarisch oder vegan ernähren will, soll das tun. Ich würde ihn nie verurteilen (wie könnte ich, ich lebte selber insgesamt 16 Jahre vegetarisch, teilweise wohl fast vegan, ohne den Ausdruck damals zu kennen) – so lange er nicht andere damit missionieren will. Er darf seine Welt zeigen, andere teilhaben lassen, aber: Entscheiden soll jeder selber können. Wer nun einwenden will, Kühe können auch nicht entscheiden, ob sie gemolken oder geschlachtet werden wollen, dem sei gesagt: Tomaten können das auch nicht. Wo setzen wir die Grenze? Man weiss (!) heute, dass auch Pflanzen Gefühle haben. Nur können sich das die meisten weniger vorstellen als bei Tieren. Kühe schauen einen aus tiefbraunen Augen an und man hat den Jö-Effekt – der fehlt bei der Tomate. Vielleicht blüht die auch lieber unter freiem Himmel als im Treibhaus? Vielleicht möchte sie auch nicht in Tonnen Gleicher quer über den Erdball geflogen werden?

Damit will ich nicht den Tierschutz lächerlich machen, im Gegenteil. Ich wünsche mir einen bewussten Umgang mit allem. Kein Verdammen. Ich wünsche mir einen Weg zurück zur Natur. Für alle. Klar können wir Menschen denken. Und abstrahieren. Bei den anderen wissen wir es nicht. Vor kurzem dachten wir, Gemüse fühlt nicht. Davor dachte man, Tiere fühlen nicht. Beides ist widerlegt. Wir wissen nicht, was kommt. Drum wäre es für mich an der Zeit, der Natur entsprechend zu handeln. Da sind wir Menschen Allesfresser. Aber: Wir müssen dazu keine anderen Lebewesen ausnutzen. Wir könnten ihnen ein gutes Leben angedeihen lassen. Weil wir es können.

Der Löwe kann die Antilope nicht aufziehen. Er jagt sie, erlegt sie, frisst sie. Das nennen wir natürlichen Gang. Die meisten Kühe würden kaum leben, würden sie nicht gehalten. Aber: In diesem Leben sollen sie gut leben. Sie sollen sich am Leben freuen können.

Und ja, irgendwann sterben sie. Wie die Antilope. Wie der Grashalm. Wie wir selber. Das ist für mich der Kreislauf des Lebens. Und daran glaube ich. Danach versuche ich, zu leben. Ich esse keine Erdbeeren im Winter, ich importiere keine Avocados. Ich esse keine chemisch produzierten Fleischersatzteile. Ich esse wenig Fleisch, aber wenn, dann aus einer als tiergerecht deklarierten Haltung.

Absolute und missionierende Haltungen waren nie förderlich. Keinem. Es gilt ein machbares, für möglichst viele lebbares Miteinander zu finden.

5 Comments

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  1. Sehr interessanter Beitrag mit vielen verschiedenen Gedankengängen.
    Was ich mich jedoch immer wieder frage ist: Warum darf nicht „missioniert“ werden? Was ist falsch daran?
    Denn in der Haltung des „Missionierens“ geht es ja primär um das Hinweisen auf gewisse Sachverhalte, meist gewisse Missstände. Soll man also lieber seinen Mund halten, weil das manch einem den Appetit verderben könnte?
    Und wo zieht man die Grenze, wenn man mit Begriffen wie Missonieren um sich wirft? Ist auf Kinderarbeit hinzuweisen, dann zum Beispiel auch Missionieren? Soll der EInzelne, dann nicht in seiner Freiheit beschnitten werden Modelabels zu unterstützen, die Kinderarbeit betreiben, sonst würde derjenige ja „missioniert“? Oder gilt dieser Begriff hier plötzlich nicht mehr? Weil Fleischessen als persönlicher empfunden wird als das Kaufen diverser Kleidungsstücke?

    Entweder ist der Hinweis auf Misstände grundsätzlich als Missionieren zu betrachten oder nicht. Zumindest sehe ich das so.

    Hm, und Pflanzen haben auch Gefühle?
    Tut mir leid, aber ich kann dieses Argument, wenn wir von einer sachlichen Gesprächsgrundlage sprechen, nicht ernst nehmen. Es sei denn es ist philosophisch gemeint. Und von philosphischen Betrachtungen distanziere ich mich.

    Ich sehe die Sache ehrlich gesagt für mich persönlich recht strikt. Niemand würde ein glückliches Tier zum Schlachter bringen. Warum sollte das „glückliche Leben eines Nutztieres“ dann also ein Argument sein?

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    • Dass Pflanzen Gefühle haben, ist mittlerweile nachweisbar. Ob und wie man dieses Wissen in eine Argumentation einbezieht, muss man wohl selber entscheiden.

      Ich persönlich unterscheide zwischen informieren und missionieren.

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      • Auf welche Quellen nimmst du dann Bezug, dass Pflanzen Gefühle haben?

        Sicher gibt es einen Unterschied in der Art und Weise wie Informationen an einen anderen herangetragen werden. Doch der Sachverhalt, in diesem Falle das Hinweisen auf Dinge, die verbesserungswürdig sind, bleibt derselbe. Insofern muss man hier differenzieren was man genau mit missionieren meint.

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          • Ich habe mich selbst mit dem Thema auseinander gesetzt und Google allein ist kein fundierter Quellenbezug.
            Schade, ich dachte, wenn du schon ein solches Argument anbringst, seist du auch in der Lage auf entsprechende Quellen (Studien oder Bücher) hinzuweisen.

            Dir auch einen schönen Sonntag.

            Gefällt 1 Person

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