Andere Meinung? Weg damit!

Ich lese immer wieder auf Facebook, dass Menschen aufräumen. Damit meinen sie nicht ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz, nein, sie sprechen von den Freundschaftslisten. Sie räumen also Menschen auf – oder aus, eliminieren sie aus dem Blickfeld. Grad heute las ich noch den Endkommentar nach einer solchen Aktion: Nun ist es wieder sauber. Man hat also eine Säuberungsaktion durchgeführt. Alle die, welche nicht gleich denken, welche eine andere politische Meinung vertreten, wurden eliminiert.

Ich verstehe den Impuls. Man hat eine Überzeugung und steht dafür ein. Gerade wenn die andere Meinung einem grundsätzlich – und nicht nur ein bisschen – falsch vorkommt, kann es schwer sein, sich damit auseinanderzusetzen. Nur: Wo soll das hinführen? Demokratie lebt doch davon, dass verschiedene Meinungen diskutiert werden und man eine Lösung sucht, für welche die Mehrheit einstehen kann. Wenn jeder nur noch in seinem Kreis diskutiert, die anderen von Ferne aburteilt und ausschaltet, verkommen Diskussionen zum gegenseitigen Schulterklopfen und es findet kein Austausch mehr statt.

Die politische Stimmung der letzten Zeit hat in den meisten westlichen Ländern Unruhe heraufgebracht. Die Länder stimmen immer mehr rechtsgerichtet, die linken Kreise fühlen sich an die Vergangenheit erinnert und schlagen Alarm. Reden wollen sie nicht miteinander. Für die rechten Wähler sind die linken Idealisten, Gutmenschen und blauäugige Idioten, die linken schimpfen die rechten als Nazis, fremdenfeindlich und dumm. Alle, welche gewisse Parteien wählen, kippt man aus der Liste. Alle, welche Flüchtlinge willkommen heissen, beschimpft man und gibt ihnen Mitschuld an allem Bösen, was passiert auf der Welt, seien es Morde, Terroranschläge oder anderes Angsteinflössendes.

Es wird über Mauern diskutiert, welche um die Länder gebaut werden sollen, und man merkt nicht, dass man sie schon im Land selber errichtet hat. Ich befürchte, dass wir genau damit mehr anrichten als zum Guten wenden. Früher hatte man den Dorfplatz. Da wurde politisiert. Die Menschen trafen sich und diskutierten. Klar gab es auch damals unterschiedliche Meinungen und nicht jeder war dem anderen genehm – nicht als Mensch und nicht mit seiner Ausrichtung. Und doch schaute man sich in die Augen und diskutierte. Je kleiner der Ort, desto direkter die Auseinandersetzung – und auch die Notwendigkeit, eine Lösung zu finden, wie man gemeinsam weitermachen kann, denn gerade in kleinen Orten ist man voneinander abhängig – war es zumindest früher noch mehr als wohl heute.

Die Städte sind grösser worden, die Politik anonymer. Social Media setzt dem eine Stufe drauf. Dorfplätze werden kaum mehr genutzt, man tippt in die Tasten, schickt ab und löscht, was nicht passt. Menschen und Meinungen. Wir müssten wieder lernen, miteinander zu reden. Wir müssten lernen, miteinander zu streiten und gemeinsam Wege zu finden. Ja, nicht alle passen allen. Aber so lange wir uns nicht die Mühe machen, den anderen mit seiner Meinung zu verstehen, fehlt uns ganz viel in der Diskussion. Wir müssen nachher seine Meinung nicht teilen, aber wir kennen seine Gründe dafür. Und vielleicht ergibt sich aus den Gründen ein Weg. Vielleicht sieht man auch Verbindendes statt nur Trennendes.

Schlussendlich sitzen wir alle im selben Boot. Was passiert auf dieser Welt, betrifft uns alle. Und es kann uns mehr und mehr auch noch viel unmittelbarer treffen. Das macht Angst und mit Ängsten gehen Menschen unterschiedlich um. Wäre es da nicht besser, wir würden uns gemeinsam diesen Ängsten stellen, statt Mauern zu bauen und dann hinter der Mauer sitzend gegen die ausserhalb der eigenen Mauer zu schiessen? Ist das nicht genau das, was wir eigentlich nicht wollen?

Who’s done it?

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Als ich kürzlich heimkam, hing am Anschlagbrett im Eingang unseres Hauses ein Zettel. Ein benutztes Kondom läge auf der Garagenmauer, welche den Garten von Nachbars säumt. Der Besitzer desselben solle doch bitte so gut sein, es zu entfernen. Des Weiteren beschwerte sich Nachbar über die Unverschämtheit, nach dem freudigen Nümmerchen den Freudenergussauffänger einfach aus dem Fenster zu werfen.

Mein durch viele Krimis detektivisch geschultes Hirn lief gleich auf Hochtouren. Zuerst lief ich raus und überzeugte mich selber von der Wahrheit des hier dargestellten Tatbestands. Und wirklich: Das Corpus Delicti lag gut sichtbar da. Ich blickte am Haus entlang nach oben und erstellte eine Liste der infrage kommenden Parteien – viele waren es ja nicht.

Ich stellte mir vor, was passiert sein musste, bevor das gute Teil da gelandet war, spulte allerdings ganz schnell vor zum Moment des Abschusses (also des Kondoms aus dem Fenster), da ich die Bilder im Kopf sonst nie mehr losgeworden wäre. Dann stellte ich mir vor, wie der noch nicht gefundene Sünder pflichtbewusst zur Garagenmauer lief, das gute Teil entfernte und dabei Gefahr lief, nun ertappt zu werden. Das erschien mir nicht wirklich realistisch.

Als ich heute heimkam, hing der Zettel nicht mehr. Wohl ein weiterer ungelöster Fall. Und: Vermutlich werde ich meine Nachbarn künftig mit ganz anderen Augen ansehen und im Kopf die Frage haben: Who’s done it?

Rezension: Martha Grimes: Ein Mord macht noch keinen Sommer

Das gefährliche Verlagswesen

grimesmordsommerCindy Stella sitzt ihr ehemaliger Agent im Nacken, weil er für ein Roman Provision will, mit dem er eigentlich nichts zu tun hatte. Das will die junge Autorin nicht auf sich sitzen lassen. Zu Hilfe kommen zwei skurrile Auftragskiller, welche das Problem lösen sollen.

Nachdem ich einen Krimi im üblichen Stil von Martha Grimes erwartet hatte, war ich doch eher erstaunt – und enttäuscht. Das Ganze sollte wohl eine Persiflage sein, allein ich bin mit dem Stil nicht warm geworden. Es ging mir zu sehr hin und her, ich vermisste den roten Faden.

Vermutlich liegt die Enttäuschung aber an meinen Erwartungen, denn: Der Roman war als Roman und nicht als Thriller bezeichnet, ich habe mich wohl vom Namen der Autorin in die Irre leiten lassen.

Wenn man das beachtet und man solche Persiflagen mag, welche durch verschrobene Figuren, witzige Dialoge und durchaus einen durchdachten Plot glänzen, wird man sicher auf seine Kosten kommen beim Lesen. Auch schafft es die Autorin, die einzelnen Charaktere in ihrer Eigenart und Sprechweise authentisch wirken zu lassen.

Fazit:
Eine Persiflage, welche durch skurrile und plastische Charaktere glänzt.

Zum Autor
Martha Grimes zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen unserer Zeit. Lange Zeit unterrichtete sie kreatives Schreiben an der Johns-Hopkins-University. Durch ihre Serien um Inspektor Richard Jury und die 12-jährige Ermittlerin Emma Graham wurde sie weltbekannt. Die „Mystery Writers of America“ kürten sie 2012 für ihr Lebenswerk zum „Grand Master“, und ihre Inspektor-Jury-Reihe wurde nun auch fürs deutsche Fernsehen entdeckt und erfolgreich verfilmt. Martha Grimes lebt heute abwechselnd in Washington, D.C., und in Santa Fe, New Mexico.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. September 2016)
ISBN-Nr.: 978-3442484546
Preis: EUR 14.99 / CHF 22.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

 

So ein Frust

Wir kennen sie alle. Die Frustrationen des Alltags. Jemand reagiert, wie man es nie gedacht hätte. Die Dinge laufen ungünstig. Das Kind gehorcht nicht. Der Vater ist krank. Der Boss ein Idiot. An der Kasse drängelt einer vor. Im Bus stinkt der Sitznachbar. Ein Freund versetzt einen. Und man ist da. Und denkt:

Wieso ich? Wieso jetzt? Auch noch?

Und man steigert sich so rein und sieht sich als arme Wurst und das Leben als Schlachtplatte. Und man leidet. Und es gibt ein Wort dafür: Frust.

Doch: Was nun? Und wie kam es dazu? Meist hatten wir Vorstellungen, Erwartungen, Ansprüche. Die wurden nicht erfüllt. Daraus entstand der unliebsame Gast: Frust. Wir sehen uns um unsere Hoffnungen gebracht. Sehen uns in einer Lage, in der wir nicht sein wollten, weil wir uns idealerweise eine andere ausgemalt hatten. In bunten Farben, blumigen Formen, süssen Worten. Und nun war alles anders. Wir möchten schreien:

So geht das nicht, du Leben, du!!

Nur, es scheint zu gehen. Wir erleben es grad.

Nun erwartet man wohl die Lösung. Das, was all die wunderbaren Lebensratgeber bringen, die es auf dem Markt gibt. Ganze Regale füllen sie und werden gekauft. Alle versprechen, das Glück zu bringen. Man verkneift sich die böse Frage, wieso es so viele gibt, wenn einer schon glücklich machen will. Ich muss gestehen:

Ich habe die Lösung nicht!

Ich behaupte: Es gibt sie nicht. Das Leben ist, wie es ist. Es wird nie sein, wie wir es gerne hätten. Es hat seine Tiefen, seine Schwierigkeiten. Es hat Schlaglöcher auf dem Weg und Berge, die wir erklimmen müssen. Und ab und an kommt ein Sonnenstrahl durch das Nebeldicht. Und wir denken:

HA! Geht doch. Weiter so.

Wir denken dann, eine Strategie zu haben, wie wir alles ändern, nur: Das nächste Schlagloch kommt. Soll man nun verzweifeln? Bin ich Pessimist? Ich denke nicht. Ich sehe mich relativ realistisch. Ich glaube nicht an Alles-ist-möglich-Versprechen. Ich glaube auch nicht an DU-kannst-alles-haben-wenn-du-nur-genug-willst. Ich glaube an Das-Leben-ist-verdammt-hart-und-du-musst-damit-klar-kommen.

Kann man das? Klar kommen? Ja, offensichtlich. Tun ja viele. Einige immer glücksstrahlend. Andere kämpfend. Dritte hadernd. Aber klar kommen sie, sie leben. Das ist schon mal was. Und ganz viele tun das besser als ganz viele andere, die noch schlimmer dran sind. Ich möchte nicht allen hier sagen, sie sollen dankbar sein, weil es ganz vielen auf dieser Welt noch viel schlimmer geht – die Welt ist vielerorts im Elend, im Krieg. Es könnte schlimmer sein. Aber auch das Hier und Jetzt ist dann und wann schlimm. Wie damit umgehen?

Ich zeichne und schreibe dagegen an. Je düsterer die Tage, desto fröhlicher die Zeichnungen. Und ab und an sind sie auch düster, aber sie machen Freude, weil sie kreativ sind. Das ist nicht die Welt. Aber es sind meine Oasen im Alltag. Sie helfen, Kraft zu tanken. Für die anderen Zeiten. Das Leben mag hart sein. Aber es gibt Zeiten, wo wir grad nichts tun können. Wo nichts auf uns einprallt, wo nichts von uns verlangt wird. Wieso dann all das Leid, das sonst herrscht, wiederkauen? Wieso nicht dann den Moment nutzen? Und ihn geniessen? Und ihn als Kraftort sehen?

Der Rest kommt früh genug wieder, wieso nicht den Moment nutzen? Um mal zu vergessen? Zu geniessen? Zu sein? Hier? Jetzt? Und dann weitergehen – mit neuer Kraft.

Kritik zur Serie: The Blacklist

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Quelle: http://www.filmfutter.com

Raymond Reddington ist einer der meistgesuchten Verbrecher, alles tappten im Dunkeln, wo er ist, nie kam man ihm auf die Spur, bis er sich eines Tages selber im FBI-Hauptgebäude stellt. Er bietet dem FBI den Deal an, bei der Ergreifung von hochrangigen Verbrechern zu helfen – einzige Bedingung: Er will nur mit FBI-Agentin Elizabeth Keen sprechen.

The Blacklist - Season 4
Quelle: NBC

In der Folge bleibt kein Stein auf dem anderen. Neben immer wieder neuen spektakulären Fällen spinnt sich langsam ein Netz zwischen Reddington und Keen. Es muss eine Verbidung geben zwischen dem zynischen und grausam erscheinenden Verbrecher und der Agentin, die seit ihrem 4. Lebensjahr Waise ist – sie verlor ihre Eltern bei einem Feuer.

Wer ist Elizabeth Keen wirklich und in welcher Beziehung steht sie zu Reddington? Und sind all die anderen Menschen in ihrem Umfeld die, welche sie vorgeben zu sein, oder lauern Gefahren, von denen sie nie zu träumen wagte?

The Blacklist
Quelle: NBC

Eine Serie mit Suchtcharakter. In rasantem Tempo und mit unglaublicher Spannung erlebt man Fälle, die immer vielschichtig sind und auf eine tiefer internationale Vernetzung hindeuten. Irgendwie hängt alles zusammen und alles führt immer wieder zu Reddington. Dieser wächst einem durch die Serie hindurch mehr und mehr ans Herz, man sieht immer wieder, dass da doch Gefühle hinter der kalten Fassade sind – oder man denkt es zumindest. Ganz sicher, wer nun gut und wer böse, was echt und was nur Spiel ist, ist man nie. Ein weiterer Punkt für die Anziehungskraft dieser Serie.

Fazit
Eine packende Mischung aus Spannung, Tempo, einnehmenden Charakteren und Geheimnissen, denen man auf den Grund gehen will.

Informationen:

Deutscher Titel The Blacklist
Originaltitel The Blacklist
Prouktionsjahr ab 2013
Umfang 4 Staffeln mit über 75 Folgen
Besetzung:
Raymond Reddington James Spader
Elizabeth Keen Megan Boone
Donald Ressler Diego Klattenhoff
Tom Keen Ryan Eggold
Harold Cooper Harry J. Lennix

Trailer

Wer ist „ICH“?

Ich habe in den letzten Tagen viel erlebt. Und mich immer wieder gefragt: Was soll das? Woher kommt es? Was soll es bringen? Ich ertappe mich dabei, dass ich mich hilflos fühle, wenn ich Dinge nicht verstehe. Denn: Ich will verstehen. Ich möchte erkennen, was hinter den Dingen steckt und wenn ich es nicht sehe, ist da ein Loch. Dann bleibt ein „ich verstehe das nicht“ und das kann ich so nicht stehen lassen.

Ist es Besessenheit? Nein. Ich möchte schlicht die Welt um mich herum verstehen. Ich denke nicht, dass man es ganz kann. Nicht bis in den letzten Winkel hinein. Aber ich möchte soweit gehen, wie ich es kann. Und das treibt mich an. Vielleicht ab und an über Gebühr.

Ab und an denke ich, es wäre schön, den Drang, zu verstehen, nicht zu haben. Das Leben wäre wohl einfacher. Man könnte in den Tag hineinleben ohne zu hinterfragen. Ich kann es nicht. Und vermutlich will ich es auch nicht. Ich gehe davon aus, dass alles Gründe hat. Die Welt ist kausal. In einer Weise. Zumindest ist es das Tun. Unser Tun.

Wir stehen in dieser Welt. Dass wir hier sind, hat Gründe. Da waren zwei Menschen, die taten, was sie taten, das legte unseren Grundstein. Ihr weiteres Verhalten prägte uns weiter. Ob sie da waren oder nicht. Ob sie etwas taten oder nichts. In uns waren Anlagen, die bestimmten, wie wir auf all das reagierten. Daraus entstanden wir. Und wir dachten uns. Indem wir interpretierten, was wir wussten und für uns erklärten, was wir in uns spürten. Wir erzählten uns selber unsere Geschichte.

Und so stehen wir heute da und tun, was wir tun. Und wir erklären uns unser Tun anhand unserer Geschichte, die wir uns selber erzählen. Daraus entsteht ein Ich. Und das Ich behauptet sich. Es sieht sich als existent. Und irgendwo ist es das auch.

Ich bin ich, weil war, was war. Oder bin ich ich, weil ich will, dass ich ich bin – egal, was war? Ist das „egal, was war“ nicht auch ein „weil was war“, weil alles, was „trotzdem“ ist, auch „gerade weil“ ist? Geschichte prägt. Positiv wie negativ. Wir gehen konform oder stellen uns dagegen. Beides ist geprägt. Gibt es einen dritten Weg? Wenn das Ich geht, weil das Ich gehen will. Dahin, wo es hingeht. Doch woher kommt das Wollen, wenn nicht aus dem was war?

Schliesst sich der Kreis immer wieder an einem Ort? So dass wir wirklich das Leben in Kreisen leben, die sich immer wieder um die Dinge ziehen. Wir gehen von einem zum anderen, um am Schluss wieder zurückzukommen. Irgendwie. Irgendwo. Bis sich alles schliesst.

Rezension: Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen

Vom Lesen und Schreiben

Es wird Zeit, alles zu überdenken. Alles. Was es bedeutet, zu schreiben, was es bedeutet, für ein Publikum zu schreiben – und für welches Publikum. Was verspreche ich mir vom Schreiben?

Tim Parks ist wohl wie kein anderer dazu in der Lage, über das Schreiben und Geschriebenes zu reflektieren. Selber Autor von literarischen Werken, Artikeln, Essays und Übersetzungen, schreibt er nicht nur selber viel in verschiedenen Bereichen und für ein unterschiedliches Publikum, er setzt sich auch mit Geschriebenem auseinander, wenn er es übersetzen will oder seine Studenten anleitet, wie Übersetzungen funktionieren.

Was bedeutete es, zu lesen? Möchte ich lesen, was die anderen lesen, damit ich mich mit ihnen unterhalten kann? Welche anderen sind das? Warum will ich mich überhaupt mit ihnen unterhalten?

Alles, was geschrieben wird, trifft – so hofft der Schreibende – auf einen Leser. Doch wieso liest er? Und wie muss Literatur beschaffen sein, dass sie Leser hat? Was macht Literatur zu guter Literatur, vielleicht zu preisgekrönter? Tim Parks nimmt auch den ganzen Literaturbetrieb unter die Lupe, angefangen von den Lektoren über die Verlage bis hin zu den Jurys bekannter Preise im Literaturbereich.

Ein weiteres Thema ist immer wieder die Welt, in der wir leben. Sie prägt sowohl das Schreiben wie auch das Lesen – ein Umstand, der beim Thema Literatur nicht ausser Acht gelassen werden darf. Der Einfluss einer globalisierten Welt auf nationale Literatur, die Ausrichtung der Literatur am eigenen Kulturkreis oder aber deren Öffnung hin zu einer Weltliteratur bestimmen soswohl die Sprache als auch die Inhalte literarischer Werke.

Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen ist ein trotz seiner Fundiertheit gut lesbares Buch über Bücher, welches Einblicke gewährt, die auf einer umfassenden Kenntnis der Branche und der Materie gründen.

Fazit:
Ein sehr informatives und auch inspirierendes Buch über Bücher, über die Literatur und ihre Autoren und Leser. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Tim Parks, geboren 1954 in Manchester, wuchs in London auf und lebt seit 1981 in Italien. Seine Romane und seine erzählenden Sachbücher wurden von der Kritik hochgelobt und sind in viele Sprachen übersetzt. Er hat das Werk von Italo Calvino, Roberto Calasso, Alberto Moravia und Machiavelli ins Englische übersetzt und unterrichtet Literarisches Übersetzen an der Universität Mailand.

Angaben zum Buch:
parksbucherGebundene Ausgabe: 240 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann GmbH (24. August 2016)
ISBN-Nr.: 978-3956141300
Preis: EUR 20 / CHF 28.90
Zu kaufen in Ihrer Buchhandlung vor Ort oder online u.a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

 

Kritik zur Serie: Grace & Frankie

grace-and-frankie-netflix-original-castRobert und Sol führen seit vielen Jahren eine gemeinsame Anwaltspraxis. Beide sind seit über 40 Jahren verheiratet, Sol mit Frankie, Robert mit Grace. Während Grace eher überkandidelte Anwaltsgattin ist, verwirklicht sich Frankie alternativ mit Yoga und Spiritualität. Dass sich die beiden nicht wirklich leiden können, liegt auf der Hand.

graciefrankies2frontBei einem gemeinsamen Abendessen eröffnen Robert und Sol, dass sie sich scheiden lassen wollen, weil sie sich seit 20 Jahren lieben und nun endlich heiraten wollen. Für die Frauen ein Schlag ins Gesicht. Das Schicksal will es, dass die beiden in einem Haus, die beiden Herren im anderen Haus landen und wohnen. Als wäre das Chaos nicht perfekt, mischen auch noch die jeweils zwei (mittlerweile erwachsenen) Kinder fleissig mit.

gfEine witzige, spritzige Komödie, die trotz allem Humor auch immer wieder tiefe und nachdenkliche Momente hat, ohne aber je plakativ oder psychologisierend zu wirken. Obwohl einige schwerwiegende Probleme menschlicher Beziehungen angesprochen werden, gelingt es der Serie, diese auf eine sehr schöne, mit Witz garnierte Form zu packen, ohne in Klamauk auszuarten.

Tolle Schauspieler und Charaktere, Witz, Tiefgang und eine gute Geschichte tragen diese Serie.

Fazit
Witz und Tiefgang in einer schönen Mischung. Sehr empfehlenswert!

Informationen:

Deutscher Titel Grace & Frankie
Originaltitel Grace & Frankie
Prouktionsjahr 2015
Umfang 2 Staffeln (je 13 Folgen)
Besetzung:
Grace Hanson Jane Fonda
Frankie Bergstein Lily Tomlin
Sol Bergstein Sam Waterston
Robert Hanson Martin Sheen
Mallory (geb. Hanson) Brooklyn Decker
Brianna Hanson June Diane Raphael
Coyote Bernstein Ethan Embry
Nwabudike („Bud“) Bergstein Baron Vaughn

Trailer

Rezension: Catherine Shepherd: Krähenmutter

Einmal nicht aufgepasst…

„Guten Tag, mein Name ist Baby. Mama hat mich behalten.“
Mama kümmerte sich immer nur um die anderen Kinder. Vor allem die ganz Kleinen liebte sie über alles. Er war froh, dass sie ihn nicht, wie sll die anderen, weggeben hatte. Trotzdem fand er es unfair, dass sie ihm am wenigsten Aufmerksamkeit widmete.

Der kleine Henri Nussbaum wird bei einer Einkaufstour seiner Mutter mitsamt Kinderwagen entführt. Da seine Eltern vermögend sind, geht man von einer Erpressung aus, doch die Lösegeldforderung bleibt lange aus – als sie dann kommt, missglückt die Übergabe. Laure Kern, erfolgreiche Ermittlerin des Landeskriminalamts Berlin, und ihr Kollege Max tappen im Dunkeln. Dann wird ein zweites Baby entführt – im selben Supermarkt. Allerdings scheint der Täter dieses Mal ein anderer gewesen zu sein. Wie passt das zusammen?

Laura war wieder gefangen. Dicke Taue schlangen sich um ihre Knöchel und zogen sie unbarmherzig in die Tiefe. Ihre Lungen brannten und sie musste ihre gesamte Kraft aufbringen, um die Luft weiter anzuhalten. […] Der Druck in Lauras Oberkörper schwoll zu einem unerträglichen Schmerz an… Laura schreckte hoch und riss die Augen auf.

Laura lässt der Fall nicht mehr los, er erinnert sie auch an ihre eigene Vergangenheit, die in Alpträumen immer wieder hochkommt. Mit Max kann sie all das selten besprechen, da der durch seine familiäre Situation zu sehr eingespannt ist. Zum Glück kriegen die beiden Verstärkung von Taylor Field, der eigentlich mit einem Mordfall beschäftigt ist. Vor allem Laura ist froh um die Unterstützung.

Catherine Shepherd ist mit Krähenmutter ein Thriller gelungen, der einen von der ersten Seite an packt und nicht mehr loslässt. Die Charaktere sind plastisch, der Plot ist stimmig und baut eine Spannung auf, die einen packt. Immer wieder wechselt man zwischen Baby, einem 10jährigen Jungen, und Laura, der Ermittlerin hin und her, sieht zwei Stränge einer Geschichte langsam zusammenlaufen. Tappen die Ermittlungen lange im Dunkeln, hilft irgendwann Kollege Zufall tatkräftig mit. Man könnte – möchte man etwas Negatives sagen, anmerken, dass es teilweise ein wenig viel Zufall ist. Trotzdem tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Krähenmutter verzichtet weitgehend auf Gewalt, auch die üblichen Spannungsmittel wie Verfolgungen, Wettlauf mit der Zeit oder ähnliche fehlen. Trotzdem packt der Thriller und lässt nicht mehr los – auf eine ganz subtile, fast schon stille Weise. Schlaflose Nächte, um ihn fertig zu lesen, sind garantiert.

Fazit
Stimmiger Plot, überzeugende Charaktere und vor allem: Spannung pur von der ersten bis zur letzten Seite. Absolut empfehlenswert!

Zum Autor:
Catherine Shepherd, geboren 1972, stammt ursprünglich aus Berlin und lebt heute mit ihrer Familie in Zons am Rhein. Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend bei einer großen Bank. Doch ihre Leidenschaft für Kreativität und Phantasie trat immer stärker hervor, bis sie eines Tages zum Stift griff und ihren ersten Thriller schrieb. Seitdem hat sie schon eine Million Leser mit ihren Büchern begeistert.

Angaben zum Buch:
shepherdkrahenmutterTaschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (4. Oktober 2016)
ISBN: 978-3492309653
Preis: EUR: 9.99 ; CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Ich bin ich

Ich bin ich. So wie ich bin. Doch ab und an hadere ich. Und denke, was ich alles nicht kann. Dann frage ich mich, wieso andere können, was ich nicht kann und werte mich ab. Weil ich es nicht kann. Ich vergesse dabei, dass ich es nicht muss.

Ich bin ich. So wie ich bin. Doch ab und an hadere ich. Und denke, wer mich wohl nicht mag. Dann frage ich mich, wieso mich nicht alle mögen und was ich tun kann, wie mich ändern. Weil ich gefallen will. Ich vergesse dabei, dass ich es nicht muss.

Ich bin ich. So wie ich bin. Doch ab und an hadere ich. Und denke, wieso ich Menschen nicht mag. Dann frage ich mich, wo ich das Recht hernehme, was ich tun kann, es zu ändern. Weil jeder liebenswert ist. Ich vergesse dabei, dass das nicht für jeden so ist.

Ich bin ich. So wie ich bin. Doch ab und an hadere ich. Ich denke und setze Massstäbe danach. Dann frage ich mich, wer denen genügen könnte. Und merke nur, dass keiner es kann. Und während ich andern verzeihe, martere ich mich. Ich vergesse dabei, dass ich ich bin. Und bleibe.