Oasen der Freude

„Es gibt keine Zeit ohne Kummer und Leid. Es gibt aber auch Ecken, wo Freude und Glück sich verstecken.“ (Fred Ammon)

Als die Krankheit meines Vaters voranschritt und klar war, dass unsere gemeinsame Zeit absehbar wird, übermannte mich die Trauer und zog mich förmlich in ein tiefes Loch herab. Alles schien dunkel, alles schien hoffnungslos. In dieser Zeit schenkte mir ein Freund eine Tangostunde. Zwar war mir gar nicht nach Tanzen zumute (obwohl ich immer gerne getanzt hatte), aber ich nahm an. Und siehe da: Ich hatte zwei wundervolle Stunden, spürte meinen Körper und spürte, wie tief drin noch mehr war, als nur diese Trauer.

An dem Tag habe ich beschlossen, das Schöne und Gute des Lebens auch wieder sehen zu wollen – auch und gerade in düsteren Zeiten, denn: Es ist immer da und es gibt Kraft, den Rest zu tragen. Die Situation in meinem Leben hatte sich nicht verändert, aber mein Blick darauf. Ich habe gelernt, immer auch das Glück zu sehen, was half, gestärkt durch die letzten Monate mit meinem Papa zu gehen und Abschied zu nehmen.

Wenn das Dunkel überhand zu nehmen scheint, achte auf das Licht.

Das Leben hören

„Je leiser ich geworden bin, desto mehr konnte ich hören.“ (Ram Dass)

Zu Hause läuft das Radio, unterwegs sind Kopfhörer auf den Ohren. Wir sind dauernd in Bewegung, stehen unter Dauerberieslung und kommen kaum zur Ruhe – lassen Ruhe auch kaum je zu.

Wann hast du das letzte Mal bewusst dem Vogelgezwitscher zugehört? Das Rascheln des Windes in den Blättern eines Baums und das Rauschen eines Baches wahrgenommen? Wann bist du mit deiner Umwelt verschmolzen durch all die Geräusche, die in dich fliessen?

Wie wäre es damit:
Einfach mal sitzen. Nichts tun. Nichts sagen, nichts wollen. Einfach mal still sein und hören, was ist. Die Geräusche kommen lassen, gehen lassen, beobachten, gewahr sein. Einfach mal zur Ruhe kommen. Einfach mal sein.

Glück und Liebe

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ (Hermann Hesse)

Wir Menschen streben nach Liebe. Von klein an sind wir auf Liebe angewiesen, ungeliebte Kinder verkümmern – und ebenso tun es Erwachsene. Oft schränken wir Liebe zu sehr ein, denken nur an eine Partnerschaft, wenn wir an Liebe denken und sehen uns als leidend, weil wir keine Liebe erfahrung durch den fehlenden Partner.

Liebe geht viel weiter. Liebe ist nicht auf ein Objekt beschränkt, sondern eine Grundhaltung, die aus einem offenen und mitfühlenden Herzen entspringt und auf das Leben und die lebenden Wesen bezieht – eingeschlossen uns selber.

Stell dir am Ende eines Tages mal die Frage: Bin ich heute lieb mit mir umgegangen? Und lasse den Tag Revue passieren. Wie oft warst du unzufrieden mit dir? Wie oft hast du dich innerlich kritisiert, hast geschimpft und gehadert? Oft schon wegen Kleinigkeiten.

Wir können keinen Partner herbeizaubern, aber wir können uns selber liebevoll behandeln. Und wenn uns das gelingt, können wir aus diesem liebenden Herz heraus unsere Liebe auf andere Wesen ausdehnen. Und wenn dieses ganze Herz von Liebe erfüllt ist, wird sich das Glück einstellen. Wie von selber.

Schule heute – für morgen? Wann?

Ich habe heute gebildet. Weiter gebildet. So stand es im Programm. Thema war: Philosophieren mit Kindern. Am Morgen waren zwei Vorträge… ich muss gestehen, ich habe sie ausgelassen. Den einen kenne ich gut -logischerweise, da ich mit dem ihn Haltenden zusammenarbeite -, den anderen erachtete ich für mich nicht als relevant, da es um ein Leben nach der Arbeit ging und ich mir nicht vorstellen kann, dass ich mit meinem Tun irgendwann aufhöre – es ist schlicht ein grosser Teil meines Ichs und muss da sein.

Ich ging zum Mittagessen hin und war geschockt. Zwar konnte ich nichts essen, aber das, was ich sah und von essenden Kreisen erfuhr, war, was ich aus jahrelanger Erfahrung an der Uni Zürich kenne: Das Essen nicht geniessbar zu nennen, wäre eine Schmeichelei…Meine Güte… da sitzen Menschen, die sich anstrengen, die studieren. Gönnt denen doch endlich mal Essen, das mehr als nur Überlebensmassnahme ist – ein wenig Genuss tut dem Denken keinen Abbruch.

Dann ging ich zum Ort meines Workshops. Klar, Philosophieren kann man überall, nur: Die Kinder sitzen in dem Raum Tag für Tag. Und wohlfühlen? Das ist da nicht möglich. Und nein, eine Gelddiskussion müssen wir nicht starten. Für wenig kann man was machen. Da waren lieblos quasi ausrangierte Tische und Stühle in liebloser Frontalsituation aufgestellt. Alles alt, nichts schön, nichts persönlich.

Da sitzen kleine Menschen drin. Tag für Tag. Die müssen was lernen. Und das selten auf eine ihnen angepasste Art. Wohl fühlen in dem Raum? Quasi unmöglich. Da sitzen Lehrer. Tag für Tag. Vor Schülern in immer schwierigeren Konstellationen durch immer mehr Durchmischung (die auch Chance sein kann, aber dazu mehr in einem anderen Artikel). Wohlfühlen? Können sie sich da sicher nicht. Sie sind in einem grässlichen Raum, auf sich allein gestellt, mit klaren Vorgaben eines Lehrplans, der alles andere als kindgerecht und zukunftsorientiert ist. Wie bitte sollen Lehrer das gesund überstehen?

Ging doch immer. Haben wir auch so gehabt und gut überstanden? Wer so argumentiert, hatte Glück. Und ja, die gibt es und ich mag es allen gönnen. Aber es gibt auch die anderen. Und wenn man liest, dass immer mehr Kinder leiden, sich immer mehr Kinder gar umbringen. Wenn man liest, dass immer mehr Lehrer abgehen oder krank werden… müsste man mal hinschauen. Wie gehen wir mit Menschen um in dem Bereich? Und ein grosser Teil davon kann nicht selber wählen… die Kinder müssen in diese Schulen. Ein Teil ist schon geprägt, wenn er aus einer rauskommt. Und das für lange. Können wir uns das wirklich leisten?

Sogar, wenn es nicht um das Kindswohl geht, ist die Antwort klar: NEIN. Mit ein wenig mehr MItgefühl schon ohne die finanziellen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Leider werden zu wenig Stimmen laut. Das System ist träge, es befeuert aktuell am liebsten die eigenen Mühlen: Erhalten, was wir haben, erhalten, was uns dient.

Ich weiss von Lehrern, die gerne was bewegen würden. Und oft verzweifeln daran, dass sie zurückgebunden sind. Es sind Lehrer, die gute Leistungen und Ergebnisse erzielen. Trotz System. Auf einer Gratwanderung, die sie fordert und oft auch überfordert, auslaugt. Es gibt Studien, die eine klare Sprache sprechen, nämlich: Das aktuelle System ist nicht zukunftstauglich und schon gar nicht menschengerecht. Wann also setzen wir das alles um? Wann sind uns die Kinder und deren Zukunft so viel Wert, die eigenen Befindlichkeiten in den Hintergrund zu stellen und ein Schulsystem zu schaffen, dass der heranwachsenden Generation hilft, in einer sich immer schneller entwickelnden Zeit sich zurecht zu finden? Wann bilden wir endlich selber denkende Menschen aus und füllen nicht Fässchen ab mit Wissen, das keiner mehr je brauchen wird, es aber aufnehmen muss, um die Schule zu überstehen?

Ich frage mich schlicht: Wann wird der Mensch endlich als Mensch wahrgenommen und als solcher behandelt – damit er sein Menschsein leben kann, es geachtet sieht, sich am richtigen Ort fühlt? Heute und morgen?

Ich bin, wie ich bin

„Es gibt keine Normen. Alle Menschen sind Ausnahmen einer Regel, die es nicht gibt.“ (Fernando Pessoa)

Wer bestimmt, wie wir zu sein haben? Wonach müssen wir uns ausrichten? Wer setzt den Massstab und mit welchem Recht? Ich erinnere mich gut an meine Kindheit, als mein Vater oft zu mir sagte: „Sei mal normal, sei mal wie die anderen, verhalte dich so.“ Und ja, es liess mich ein wenig hilflos und auch traurig zurück, denn so, wie ich war, schien ich nicht richtig zu sein. Und vor allem nicht normal.

Wer oder was ist normal? Wenn es eine solche Norm gäbe, wären dann alle gleich? Eine Welt voller gleich geschalteter Menschen, die das gleiche denken, tun, sagen? Wäre das nicht fürchterlich langweilig?

Kurz bevor mein Vater starb, hatten wir ein schönes Gespräch. Da sagte er mir: „Du warst schon immer anders als andere, hast schon immer dein Ding gemacht und darauf bin ich sehr stolz.“ Wie gut hätte mir das als Kind getan? Aus ihm sprach damals aber wohl die Sorge, wie die Gesellschaft mit mir und ich in der Gesellschaft klar käme. Landläufig haben es Menschen, die sich anpassen, einfacher. Nur: Was ist der Preis? Und bin ich bereit, ihn zu zahlen? Das muss jeder für sich selber entscheiden. Und dann ist jeder Entscheid gut und richtig, denn es war ein eigener.

Das Leben leben

„Schlussendlich zählen nur drei Dinge: Wie gut wir gelebt haben. Wie gut wir geliebt haben. Wir gut wir gelernt haben, loszulassen.“ (Jack Kornfield)

Was ist ein gutes Leben? Wann können wir auf unser Leben schauen und sagen: Ja, es ist gut, wie es ist? Was brauchen wir dazu? Geld?

Wenn wir unsere Tage anschauen, sind die oft mehrheitlich mit Dingen gefüllt, die dazu dienen, etwas zu erreichen. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, gehen ins Fitnessstudio, um abzunehmen, gehen shoppen, um mehr Kleider zu haben und besser auszusehen, kaufen ein neues Auto, um mit dem Nachbarn mithalten zu können. Dafür schieben wir anderes auf die Seite: Wir besuchen den alten Onkel nicht, den wir immer so liebten, weil schlicht die Zeit fehlt, wir geniessen nicht den Sonnentag, weil wir uns auf dem Stepper abstrampeln müssen, wir spielen nicht mit den Kindern, weil wir Überzeit machen, die gut bezahlt wird.

Und dann ist der Onkel tot, die Kinder sind gross, draussen ist Nebelwetter und den Job verlieren wir wegen Reorganisation. Und nun? Sitzen wir nun da und denken: Aber wenigstens haben wir ein neues Auto und eine Traumfigur? Nein, sehr wahrscheinlich wird in uns Bedauern laut. Wir merken, was wir verpasst haben und klagen uns an. Leider hilft das wenig, im Gegenteil: Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Es gilt also, loszulassen, was war und nach vorne zu schauen. Wir haben einige Chancen verpasst, aber neue warten auf uns. Die sehen wir nur, wenn wir nicht an den verpassten hängen, sondern mit offenem Blick nach vorne schauen, mit dem Lehrstück aus der Vergangenheit im Hinterkopf. Und dann machen wir es besser. Wir haben jeden Tag die Chance, neu anzufangen. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit zu sagen:

Heute beginnt der Rest meines Lebens. Ich will leben und lieben. Und irgendwann lasse ich los im Wissen, dass ich gut gelebt und von Herzen geliebt habe.

was bleibt

wo du wohl bist
so weg von hier?
was du wohl tust
so weit von mir?
was du wohl siehst
am neuen ort?
was er dir ist?
ein neuer hort?

was ich wohl bin
in deiner welt?
ob was du siehst,
dir auch gefällt?
ich sitze hier,
in unsrer welt,
aus der du bist
lang abbestellt.

warst einfach weg,
ein keiner frug.
warst einfach weg,
fast ein betrug.
der mir dich nahm,
so unverhofft,
doch weiss man wohl,
dass dies kommt oft.

ich schaue hoch,
zum Himmelszelt,
ich schaue hoch
in deine welt,
sie scheint so fern,
doch du bist da,
im aussen weg,
im herzen nah.

©Sandra Matteotti

Der Sinn des Lebens

„The meaning of life is just to be alive. It is so plain and so obvious and so simple. And yet, everybody rushes around in a great panic as if it were necessary to achieve something beyond themselves.“ (Alan Watts)*

Wie oft sind wir einfach getrieben? Wie oft denken wir, etwas erreichen zu müssen oder zu wollen, rennen Wünschen und Erwartungen hinterher, ohne zu merken, dass wir immer mehr zu Sklaven ebendieser Wünsche und Erwartungen werden?

Wir reden uns ein, wir wären glücklich, wenn wir nur dies oder jenes erreichten oder hätten. Wir suchen nach dem Sinn des Lebens und versuchen, diesen durch Leistungen zu erreichen. Und dabei vergessen wir oft das, was eigentlich der Sinn des Lebens wäre: Wirklich zu leben.

Auf dem Sterbebett befragt, was man sich im Leben noch gewünscht hätte, antworten die wenigsten, dass sie gerne noch mehr gearbeitet, noch eine Karrierestufe höher gestiegen oder noch einen grösseren Fernseher, ein teureres Auto gehabt hätten. Sie hätten gerne mehr geliebt, mehr gelacht, mehr gelebt.

Wir haben dieses eine Leben: Leben wir es.

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*Der Sinn des Lebens besteht schlicht darin, am Leben zu sein. Es ist so klar, so offensichtlich und so einfach. Und doch hetzt jeder in einer grossen Panik durchs Leben, als ob es nötig wäre, etwas ausserhalb einem selber zu erreichen. (Übersetzung S.M.)

Luftleer

Steh am Rand und blick hinunter
in den Abgrund der Gefühle,
über Klippen ohne Brücken,
über Hänge, schroff und steil.

Suche Weite und verliere
mich alsbald in ihrer Ferne,
durch die Lüfte ohne Boden,
in dem öd und leeren Einerlei.

Steh am Abgrund und ich fühle
wie die Leere aus dem Aussen
in mich eindringt, dann ausfüllend
mich so ganz und gar verschlingt.

Stürze runter und im Fallen
seh ich alles nochmals ziehen,
sehe Schönes, sehe Leiden,
und versöhne mich mit ihm.

©Sandra Matteotti

 

Das Licht nach dem Dunkel

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Wie oft ist es gerade nach den dunkelsten Nächten plötzlich hell, so hell, wie man es sich nicht hätte erhoffen können noch in der Nacht? Könnte man doch in der Nacht das Vertrauen haben und drauf bauen, dass die Sonne immer wieder aufgeht. Das Dunkel wäre leichter zu ertragen. Doch zum Glück: Auch ohne dieses Vertrauen geht sie irgendwann wieder auf.

Danke für all das Licht!

Der Umgang mit den eigenen Ängsten

Der Umgang mit eigenen Ängsten
Gibt es sinnvolle Ängste? Diese Frage las ich kürzlich im Internet. Der Fragesteller verneinte die frage sogleich. Nun sind wir Menschen oft mit Ängsten konfrontiert. Soll das alles sinnlose Zeitverschwendung sein? Ich denke nicht.

Angst ist ein Warnsignal. Sie kann vor akuten Gefahren warnen und somit das Überleben sichern. Sie hier als sinnlos zu bezeichnen, wäre fatal. Sie zu überwinden mitunter tödlich. Es gibt aber auch Ängste vor Dingen oder Situationen, die wir uns nur einbilden. Wir malen uns Situationen aus und stellen uns die für uns negativen Konsequenzen vor. Aus diesen Vorstellungen heraus bilden wir Ängste – und vermeiden dann die Situation, um nicht in Gefahr zu kommen – eine Gefahr, die nur in unserer Vorstellung existiert.

Ist die zweite Angst also sinnlos? Ich würde auch das nicht absolut setzen. Wenn die Angst dazu führt, dass wir alles meiden, das uns aus irgendwelchen Gründen Ängste bereitet, wäre das sicher nicht wünschenswert. Wenn wir uns aber unseren Ängsten stellen, schauen, woher sie rühren und versuchen, damit umzugehen, kann daraus etwas Gutes erwachsen. Und wir lernen viel über uns selber. Wir erkennen unsere Muster, unsere Abwehrmechanismen und lernen, damit umzugehen – bewusst.

Wenn wir also wieder einmal in einer Situation sind, die uns Angst bereitet, hilft es, hinzusehen:

  • Wovor habe ich genau Angst?
  • Woher kommt die Angst?
  • War ich schon früher mal in ähnlichen Situationen? Was habe ich damals gemacht?
    • Wenn es gut ausging: Kann ich es heute wieder ähnlich lösen?
    • Wenn es nicht wie gewünscht ausging: Ist wirklich alles gleich heute?

Wenn ich die Situation so analysiert habe, geht es daran, Wege zu finden, wie mit der heutigen Situation umzugehen. Entweder ich wende die Mittel erneut an, die beim letzten Mal funktioniert haben, oder ich passe sie an die heutige Situation an.

Natürlich gibt es immer Dinge oder Situationen, die nicht zu uns passen, die uns Angst machen, die wir nicht zu meistern glauben. Wenn sich keine Lösung zeigt, stellt sich die Frage: Kann ich die Situation umgehen oder muss ich da durch? Wenn mich etwas eigentlich Freiwilliges heute überfordert, ist vielleicht die Zeit nicht reif. Vielleicht kann ich kleinere Ziele setzen, die im langen Lauf zum Endziel führen. Wenn ich nicht darum herum komme, etwas zu tun, dann kann es helfen, auch da Strategien zu entwickeln:

  • Eigene Stärken nochmals vergegenwärtigen
  • Möglichkeiten sehen, die auch beim Nichterreichen offen bleiben
  • Das Bewusstsein: Das Leben wird nicht daran hängen.
  • Methoden entwickeln, selber ruhig zu bleiben (Atmen, Achtsamkeitsübungen, etc.)

Ist Angst also sinnlos? Ich denke nicht. Wir dürfen uns nur nicht von unseren Ängsten lähmen lassen, sondern sie als Zeichen nehmen, hinzusehen. Wir können unser Bewusstsein schulen und uns immer wieder ein Stück besser kennenlernen.

Kreativität

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„Kreativtität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)

Wie oft schauen wir nur und sehen gar nicht wirklich? Wie wollen wir richtig auf etwas reagieren, das wir gar nicht wirklich wahrgenommen haben? Wie oft reagieren wir auf die Dinge, wie sie wirklich sind, wie oft darauf, wie wir denken, dass sie seien?

Dem Leben Sinn geben

„Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie.“ (Friedrich Nietzsche)

Das Leben ist kein Ponyhof. Leider wahr. Und oft müssen wir uns mit Dingen rumschlagen, die wir eigentlich lieber nicht in unserem Leben hätten. Ich zum Beispiel träume insgeheim immer von einem Leben wie in einem Rosamunde-Pilcher-Roman. Was könnte schöner sein? Ein paar absehbare Schwierigkeiten, danach ist alles in Butter. Doch ab und an fühlt sich das Leben an, als ob ich der Frosch im Milchfass wäre, der trotz Strampeln nicht sicher ist, ob da je Butter draus wird.

Das Strampeln mag anstrengend sein, doch wenn ich ein Ziel vor Augen habe, das Strampeln einen Sinn hat für mich, dann nehme ich es doch in Kauf. Was aber, wenn ich strample und im Strampeln keinen Sinn mehr erkenne? Woher nehme ich dann die Motivation? Und die Kraft?

Sinnlosigkeit ist der wohl grösste Krafträuber in unserem Leben. Nun ist Sinn aber nichts, was in den Dingen liegt, Sinn ist etwas, das wir den Dingen zuschreiben. Wir können ihn auch entdecken und dann daraus Motivation gewinnen. Oder aber wir merken, dass etwas für uns durch und durch sinnlos ist. Und ändern es.

Vielleicht lohnt es sich, einfach mal hinzuschauen und zu fragen: Was mache ich den ganzen Tag? Und wieso mache ich es? Ergibt es Sinn für mich? Wenn nein: Was könnte ich ändern?

Was wirklich zählt

„Die grössten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.“ (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Wie oft trachten wir nach dem Grossen, nach dem Lauten, nach dem, was auffällt, was hergibt. Je grösser, desto besser – so lautet die Devise und daran wird man auch landläufig gemessen in einer Gesellschaft, die Wert über Leistung definiert. Und wir? Wir wollen dazugehören. Wollen jemand sein. Wollen Anerkennung, dürsten nach Bestätigung. Und rennen all dem hinterher, oft über unsere Kräfte, entgegen besseres Wissen, ungeachtet dessen, was dabei auf der Strecke bleibt; oft wir selber, nicht selten unsere Beziehungen, ganz oft unsere Gesundheit. Was leider ausbleibt, ist das Glück, das wir uns aus all dem versprechen. Kaum ist etwas Grosses erreicht, muss das nächste her. Es hört nie auf.

Und dann. Ein kleiner Moment. Ein Lächeln, ein liebes Wort, das gemeinsame Sitzen mit einem lieben Menschen auf einer Bank, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Ein Kuss. Ein Blick. Eine Tasse Tee zurück an der Wärme nach einem kalten Tag draussen.

Wie schön wäre es, könnten wir aus solchen Momenten etwas fürs Leben lernen, darüber, was wirklich zählt, was wirklich Wert hat. Und dann das Hamsterrad verlassen.

Ich glaube, es ist möglich. Wir müssen es nur ausprobieren.