Hermann Hesse: Der Steppenwolf – ein Abgesang

Ein Sonderling, gebildet, das Bürgertum verachtend, nicht davon loskommend. Er ist ach so leidend und analysiert sein Sein und sein Leiden am Sein. Über Seiten. Und er dreht im Kreis. Immer wieder definiert er sich. Als Wolf. Und er definiert seine Abneigung gegen das Bürgertum und konstatiert seine Anhänglichkeit an dasselbe. Und dann verzweifelt er wieder. Und hadert mit dem Sein, liebäugelt mit dem Nicht-mehr-Sein, vor dem er sich aber doch fürchtet und plötzlich wieder dem Sein anhängt.

Anfangs fand ich ein paar Stellen, die ich grossartig fand. Dann wurden es weniger. Dann noch weniger. Dann war es bemühend. Dann ödete es mich an. Dann kämpfte ich, weil es ja ein Klassiker ist. Und dann gab ich auf.

So viel Pseudo-Psychologie. So viel Innensicht, die im Kreise dreht. So viele Klischees, die wie ein Steak in der Pfanne gedreht und gewendet werden.

Ich bekenne mich schuldig: Ich kann Hesses Prosa kaum lesen. Ich liebe seine Gedichte, seine Romane sind für mich schlicht psychologisierendes, klischeehaftes, zu Offensichtliches als tiefgründige Erkenntnisse erzählendes Schreiben.

Und ja, nun frage ich mich natürlich: Was ist falsch mit mir? Ich erinnere mich an meine Anfänge im Germanistik-Studium. Ich war jung und traf den einen oder anderen Mann. Man diskutierte und immer kriegte ich erst zu hören:

Ich lese nicht gerne.

Knapp gefolgt von:

Aber Hesse, den las ich gerne.

Ich habe Hesse gemieden, da alle, die nicht gerne lesen, ihn mochten. Das war kindisch. Aber ich war jung. Ich lernte seine Gedichte kennen, ich liebte (und liebe noch immer) sie. Ich las das eine oder andere Werk von ihm, die kurzen gingen grad noch, die langen waren tödlich. Und nun wollte ich einen neuen Anlauf starten. Am Anfang war ich begeistert, es liess schnell nach.

Darf man das sagen? Er ist ja… einer der Grossen. Muss man den mögen? Was ich grosse Literatur? Ich bleibe dabei – für mich: Er ist ein grossartiger Lyriker, in der Kürze trifft er Gefühle, Erfahrungen, Erkenntnisse. Auf den Punkt. Aber in der langen Form schweift er aus. Er packt die selben kurzen Erkenntnisse in Schleifen, Packpapier, Tüll und verziert mit Blumen. Oder er dreht im Kreis. Immer und immer wieder. Und ich würde gerne schreien:

Ich habe es begriffen!!!!

Aber er kann mich nicht mehr hören, es bleibt nur noch:

Buch zu. Ende. Aus.

Annette Droste-Hülshoff: Die Judenbuche (Rezension)

Mörderjagd auf dem Dorfe

Das zweite Jahr dieser unglücklichen Ehe ward mit einem Sohne – man kann nicht sagen – erfreut; denn Margareth soll sehr gewint haben, als man ihr das Kind reichte.

DrosteJudenbucheFriedrich Mergel startet alles andere als gut ins Leben: Der Vater ein Säufer, die Mutter zwar herzensgut, nach dem Tod ihres Mannes aber mit allem überfordert und mausarm, lernt er schon früh die Härte des Lebens kennen. Durch seinen Onkel wird er zudem in unlautere Machenschaften verwickelt. Bei dieser Vorgeschichte ist es kaum verwunderlich, dass der Verdacht auf ihn fällt, als die Leiche des ermordeten Juden Aaron gefunden wird, zumal dieser ihn kurz zuvor auf einer öffentlichen Feier blossgestellt hat.

Die Novelle von Annette von Droste-Hülshoff ist 1842 im Cotta’schen Morgenblatt für gebildete Leser erschienen und porträtiert eindrücklich das Leben auf dem Lande im 19. Jahrhundert.

Unter höchst einfachen und häufig unzulänglichen Gesetzen waren die Begriffe der Einwohner von Recht und Unrecht einigermassen in Verwirrung geraten, oder vielmehr, es hatte sich neben dem gesetzlichen ein zweites Recht gebildet, ein Recht der öffentlichen Meinung, der Gewohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung.

Auf anschauliche Weise erfährt man von den Intrigen und Machenschaften der kleinen Ganoven sowie von den Verurteilungen derer, die den allgemeinen Ansprüchen nach einem guten und richtigen Leben nicht genügen.

Die hier vorliegende Ausgabe aus dem Dörlemann Verlag ist durch ein Nachwort der Autorin Droste-Hülshoff sowie einen kleinen Lebenslauf derselben ergänzt und besticht durch seine liebevolle und hochwertige Gestaltung.

Fazit:
Eine kurzweilige, kriminalistisch anmutende Novelle aus dem 19. Jahrhundert liebevoll neu aufgelegt. Sehr empfehlenswert!

Zum Autor
Annette Droste-Hülshoff
Annette von Droste-Hülshoff wurde 1797 bei Münster geboren und zeigte schon früh literarisches Talent. Neben dem beschaulichen Leben im Münsterland reiste sie gern und viel, nach der Hochzeit ihrer Schwester und deren Wegzug nach Meersburg am Bodensee bevorzugt dahin, so dass sie den Ort bald als zweite Heimat erlebte und 1844 vor Ort auch selber ein Haus erwarb, wo sie ab 1846 ganz wohnen blieb und 1848 starb.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 112 Seiten
Verlag: Dörlemann (15. August 2016)
ISBN: 978-3038200376
Preis: EUR 14 / CHF 22.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort und online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Menschen, die wissen, was geht

Auf Facebook treffe ich sie immer wieder: Menschen, die wissen, was geht und was nicht. Sie definieren Kleidung, Musik und Bücher und stellen es so rein:

Leute, DAS geht gar nicht

Widerworte werden nicht geduldet. Jedes Aber wird abgeschmettert, wagt man ein nächstes, fällt man schon in die Ecke der Total-Ignoranten. Argumentieren geht gar nicht. Nicht, weil man sich über Geschmack nicht streitet, sondern: Sie haben recht. Alles Weitere ist obsolet. Und sie stehen da und glauben dran. So total.

Es gibt dann immer bewundernde Stimmen: Wow, du hast so recht. Wow, du bist so toll. Und der/die so ursprünglich Schreibende suhlt sich im Lobespfuhl und schiesst weiter auf seinem absolutistischen Pfad.

Ich finde es erschreckend. Zumal sich oft die wirklichen Argumente für oder gegen solche Absolutismen widersprechen. Sie kämpfen mit Mitteln gegen Männer, die sie bei Frauen nie gelten liessen, greifen aber Männer an, die bei Frauen genau diese Kriterien anwenden. Sie reden gegen Absolutismen, wenden sie selber an. Sie sind für freie Meinung, lassen sie nicht gelten.

Oft sind halt ganz viele Prinzipien nur Argumente, wenn diese für die eigenen Meinungen eingesetzt werden können. Und nein, ich mag das nicht. Ich habe meine Meinung, aber ich diskutiere diese, ich setze sie nie absolut. Denn:

Die Wahrheit zeigt sich immer nur im Diskurs. Im eigenen Universum dreht man im Kreis.

Menschlichkeit im Alltag

Der Sommer ist da und die Sonne brennt, die Temperaturen bewegen sich gegen 30 Grad und der Schweiss rinnt. Es liegt wohl allen etwas auf der Zunge:

Es ist heiss!

Ich erinnere mich gut an letzten Sommer. Die Temperaturen waren ebenso hoch und es schallte vom Nachbarsbalkon durchs ganze Quartier:

„Hans, es ist heiss!“

Manchmal doppelte die Nachbarin noch nach:

„Hans, eine Hitze ist das, unglaublich.“

Wir wussten dann, dass es heiss ist und wir wussten: Den beiden geht es gut. Das war nicht immer so. An diese Rufe gewohnt, blieben sie im Jahr davor plötzlich aus. Auch sah man die Nachbarin nie mehr auf dem Balkon. Dachten wir kurz noch an Urlaub, machten wir uns bald Sorgen. Da besagte Nachbarin aber im Haus nebenan wohnte, hatten wir keine Ahnung, wie sie heisst und wo wir klingeln müssten oder sonst etwas erfahren könnten. Täglich blickten wir zum Balkon hoch, versuchten, Veränderungen festzustellen und beratschlagten, ob man nicht doch jemanden fragen könnte. Alle, die wir ansprachen, wussten nichts. Irgendwann klang es wieder vom Balkon:

„Hans, alle meine Geranien sind kaputt.“

Es tat uns leid um die Blumen und das offensichtliche Leid der Frau, aber wir waren so froh, ihre Stimme zu hören. Von da an freuten wir uns immer über die Rufe, die im Winter lauteten:

„Hans, es ist kalt!“

oder

„Hans, hier liegt so viel Schnee, unglaublich!“

und im Sommer in Hitzerufe übergingen (oder den Regen bemerkten oder die Blumen lobten).

Diesen Sommer rief sie nicht mehr. Schon im Frühling war es still gewesen, aber sie war noch da, wir sahen sie immer. Irgendwann hörte ich, wie sie einem Nachbarn erzählte, dass ihr Mann im Pflegeheim sei. Er muss schon lange Krebs haben, bislang hatte die Spitex geholfen, nun ging das nicht mehr. Die Frau klagte von einsamen Abenden. Und nun gab es keinen Hans mehr, dem sie ihre Beobachtungen mitteilen konnte.

In der Erinnerung höre ich sie immer noch:

„Hans, es ist heiss!“

Und ich vermisse es. Diese Rufe hatten etwas Vertrautes, sie gaben ein Gefühl von Zuhause und von Nachbarschaft. Ich weiss, dass die Frau immer unseren Hund beobachtet und ihn mag. Einmal dankte sie mir für meine Weihnachtsbeleuchtung, die ihr jeden Abend Freude bereitete. Es ist eine Verbindung, die wohl für beide schön ist. Ich stehe nun immer mal auf den Gartensitzplatz und rede mit ihr von mir unten zu ihr hoch. Und ich höre, wie andere Nachbarn das auch tun. Das finde ich wunderschön. Ein Stück Menschlichkeit im Alltag der Grossstadt.

Heinrich Mann: Professor Unrat

Inhalt

Ein tyrannischer Schulprofessor verspricht jedem ungehorsamen Schüler – und für ihn sind sie alle ungehorsam – den Untergang. Bei diesem Vorhaben stösst er auf die Künstlerin Rosa Fröhlich, setzt für sie alles aufs Spiel, verfolgt mit ihr sein Ziel, die zu Stürzenden zu Fall zu bringen und stürzt nach einer intensiven und machtvollen Phase selber ab.

Da er Raat hiess, nannte die ganze Schule ihn Unrat, Nichts konnte einfacher und natürlicher sein.

Seit 26 Jahren ist der Gymnasiallehrer Raat Lehrer am Gymnasium einer nordischen Kleinstadt, alle ansässigen Bürger kennen ihn und damit auch seinen Übernamen, den er seiner Unbeliebtheit – er ist alles andere als ein zugewandter Lehrer, seine Mittel und Methoden sind tyrannisch, feindselig und schikanös – verdankt: Professor Unrat. Da er dies nicht auf sich sitzen lassen will, sinnt er auf Rache, besonders die drei Schüler Kieselack, von Erztum und Lohmann hat er dabei im Visier.

Als Unrat per Zufall auf ein Gedicht Lohmanns an eine Künstlerin stösst, wittert er seine Chance, weil er ein unsittliches Verhältnis des verhassten Schülers annimmt. Er macht sich auf die Suche nach der Künstlerin Rosa Fröhlich. Schon die Suche läuft wie im Fieberwahn ab. Als er schliesslich in die Gaststätte „Blauer Engel“ kommt, sieht er sich am Ziel. Nicht nur ist der Zuschauersaal gefüllt mit dem ganzen minderwertigen Pöbel, gegen das er grösste Abscheu hegt, auch findet er da die gesuchte Künstlerin und die verfolgten Schüler, welche ihm aber entkommen können.

Unrat verliebt sich in die bunte Künstlerin, geht fortan täglich in das Etablissement – einerseits, um den Schülern doch noch auf die Schliche zu kommen, andererseits, um zu verhindern, dass jemand anders der Künstlerin zu nah kommt. Rosa Fröhlich lässt sich auf Unrat ein, worauf dieser ihr alle Wünsche erfüllt, von teuren Speisen und Kleidern angefangen bis hin zu einer eigenen Wohnung. In ihr sieht er eine Gleichgesinnte, etwas, das er im ganzen Ort nicht kennt und auch im ganzen Leben nie kannte.

Sein Verhältnis mit der Künstlerin macht die Runde im Ort, zuerst wird er zum Gespött und Gemiedenen, dann verliert er die Stelle an der Schule. Rosa und Unrat heiraten, sie leben fortan in der Unratschen Villa vor dem Tor der Stadt. Durch die fehlenden Einkünfte in finanzielle Not gelangt, fängt Unrat auf Anraten Rosas an, privat zu unterrichten, allerdings wird aus dem Unterricht bald ein Festgelage, das sich immer mehr ausweitet und die Bürger der Kleinstadt zu Spiel und Wein in die Unratsche Villa lockt. Indem sich Rosa mit ihnen einlässt, stürzt einer nach dem anderen aus seinem wohleingerichteten Leben, Unrat sieht sich am Ziel, es allen heimzuzahlen, welche ihn je gedemütigt haben. Das Geld fliesst in Strömen, Rosa und Unrat leben in Saus und Braus, doch dann kommt es zu Engpässen, die Schulen häufen sich.

Am Ende tritt Lohmann, welcher zu Schulzeiten Unrats grösstes Feindbild war, erneut in das Leben der beiden. Er bietet Rosa an, alle ihre Schulden zu tilgen, legt ihr seine gefüllte Brieftasche auf den Tisch. Unrat kommt dazu, er tobt vor Eifersucht, geht Rosa körperlich an und flieht dann mit Lohmanns Brieftasche. Das Ehepaar Raat wird verhaftet, womit der Tyrann gestürzt ist und das gemeine – und vorher den Gelagen im Unratschen Haus nicht abgeneigte – Volk wird wieder zu ehrbaren Bürgern,

Entstehung

Professor Unrat erschien 1905, seine Niederschrift hatte nach Heinrich Manns eigenen Aussagen nur wenige Monate gedauert.

Während Heinrich Mann sich in seinen vorherigen, nach 1900 erschienen Romanen mehrheitlich mit der bürgerlichen Gesellschaft der Grossstadt befasst und – als Kritik an der Décadence – deren Verfall analysiert hat, wendet er sich im vorliegenden Roman der Provinz zu. Dass der Roman in Lübeck spielt, ist kein Geheimnis. Die Stadt hat in der wilhelminischen Monarchie einen Sonderstatus im Vergleich mit anderen deutschen Städten, da in ihr eine republikanische Verfassung gilt, so dass sie statt von einem Monarchen von den reichen Kaufmännern und traditionellen Patrizier beherrscht wird. Für die Unterschicht, die einfachen Bürger bedeutet das, dass sie kaum Rechte hat.

Das gesellschaftliche und vor allem schulische Klima ist durchdrungen von sturen Prinzipien und Grundsätzen, es gilt Zucht und Ordnung.

Zum Werk

MannUnratDer Roman lässt sich einerseits als Schulsatire lesen, hat aber eine noch viel tiefere Bedeutung auf einer zweiten Ebene: Es ist eine sozialpathologische Studie, welche den einzelnen Menschen mit seinem durch Leiden und unterdrückte Triebe gesteuerten Handeln, welches sich in Machtanspruch und Tyrannei ausdrückt. Der in seinem Selbstbewusstsein erschütterte Professor Unrat sinnt auf Rache und lebt diese mit einer schon krankhaften Leidenschaft aus. Sein Blick ist von den eigenen Vorstellungen verstellt, die Realität unterliegt diesen.

Der Roman Heinrich Manns ist eine bitterböse Gesellschaftssatire, welche die kleingeistigen Bürger einer nordischen Kleinstadt – welche unschwer als Lübeck zu erkennen ist – in ihrer Doppelmoral blossstellt. Selber auf Sitte und Anstand pochend und Vergehen dagegen verurteilend, erliegen sie alle dem Reiz des anrüchigen Angebots der Unratschen Villa vor dem Tor – es ist durchaus sinnig, dass die Villa nicht innerhalb der Stadtmauern ist – und lassen sich auf unlautere Amouren mit der Künstlerin Fröhlich ein: Sitte und Anstand liegen in Trümmern. Der vorher verspottete Unrat ist nun der sie alle umstürzende Alleinherrscher, bis er selber gestürzt wird und die Kleinstadt sich wieder hinter ihre Fassade von Anständigkeit und Moral zurückziehen kann.

Liest man den Roman nach dem Zweiten Weltkrieg, könnte man Heinrich Mann fast schon eine prophetische Sicht unterstellen mit seinem Sturz des Tyrannen.

Heinrich Mann

Luiz Heinrich Mann wird am 27. März 1871 in Lübeck als Sohn des Lübecker Kaufmanns Thomas Johann Heinrich Mann und dessen Ehefrau Julia da Silva-Bruhns geboren, er hat vier Geschwister, darunter Thomas Mann. Nach dem vorzeitigen Austritt aus dem Gymnasium beginnt er eine Buchhändlerlehre, die er abbricht und danach Volontär im Fischerverlag in Berlin arbeitet. Nebenher besucht er Vorlesungen an der Friedrich-Wilhelms-Universität. 1893 zieht die Familie Mann (der Vater war gerade gestorben) nach München. Heinrich Mann reist in der Folge viel, teilweise zusammen mit seinem Bruder Thomas. 1931 wird Heinrich Mann Präsident der Sektion Dichtkunst der Preussischen Akademie der Künste. 1939 heiratet er die Schauspielerin Nelly Kröger, mit ihr, dem Neffen Golo Mann und dem Ehepaar Werfel flieht er 1940 über Spanien und Portugal in die USA, wo er sich kulturell fremd fühlt und sich finanziell nicht mehr fängt. Er wird deshalb von seinem Bruder Thomas Mann unterstützt. 1944 nimmt sich Nelly Mann das Leben, sie hat schon lange an einem Alkoholproblem gelitten. Eine neue Chance tut sich für Heinrich Mann 1949 auf: Er wird zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin gewählt. Heinrich Mann stirbt aber noch vor seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1950.

50 Fragen an mich

Auf dem Blog Buchstabengewölk

stiess ich auf 50 Fragen, die ursprünglich auf dem Blog Piksyn

gestellt worden waren.

Da mir die Fragen gefallen, mache ich mich auch mal ans Beantworten – vielleicht gefallen sie euch ja auch und ihr macht mit?

1. Zweifelst Du manchmal daran, ob es ein Wort wirklich gibt, z. B. Sprenkel?

Ich zweifle an vielem, so auch an Worten. Wobei: Wenn das Wort dahin passt, wo ich es hinpacke, dann existiert es zumindest für den Augenblick und in dem Kontext. Ich finde das gut so.

2. Was liest Du morgens als Erstes?

Die Zeit auf dem Handy. Und wenn ich das schon in der Hand habe, schaue ich schnell bei Instagram rein. Und dann lese ich ein Gedicht – und stelle es auf Instagram, damit andere auch mitlesen können. Ich finde, den Tag mit einem Gedicht zu starten, gibt dem Tag einen guten Anfang.

3. Träumst Du horizontal oder vertikal?

Im Kreis und um die Ecke, rauf und runter, kreuz und quer.

4. Welches Lied macht für Dich die Welt groß?

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche) – Es gibt nicht das EINE Lied, es gibt Lieder für alle Lebenslagen.

5. Wen schaust Du gerne an?

Meinen Hund

6. Wer sagt, dass Du etwas machen musst?

Ich bilde mir manchmal ein, ich sei es, aber es sind die vielen kleinen Stimmen in mir, die von ganz unterschiedlichen Seiten gespeist werden: Verantwortung, Rücksicht, Pflicht, Ambitionen, Wunschvorstellungen, etc.

7. Welches war die erste Farbe, die Du gesehen hast?

Ich weiss ab und an nicht mal mehr, was ich am Vortag gegessen habe, da ist es eher illusorisch, etwas von vor 44 Jahren noch wissen zu wollen. Die Frage ist wohl nun sehr pragmatisch und wenig kreativ, aber so bin ich ab und an.

8. See oder Meer?

See – mangels Meer glücksbringender

9. Norden oder Süden?

Alles relativ

10. Wenn Du aussteigen würdest, was wäre das Letzte, was Du in Deinem jetzigen Leben tun würdest?

Die Tür hinter mir zuziehen

11. Wenn Du wählen könntest: hättest Du lieber Synästhesie und durchschnittliche Intelligenz oder einen IQ von 160?

Nur 160?

12. Lässt Du andere Menschen von Deinem Brötchen abbeißen? Und wenn es ein Döner ist?

Nein. Und nein. Und auch wenn es sonst was wäre: Nein. Ich würde aber das ganze Brötchen abgeben. Und auch sonst alles.

13. Welches war der erste Kosename, den Du bekommen hast?

Fröschli

14. Findest Du das Floskelgerüst nach Terroranschlägen beruhigend oder macht es Dich verrückt?

Weder noch, ich finde es schlicht bemühend und unnötig. Ich mag aber generell keine Floskeln und sähe ein wenig mehr Substanz – und daneben mehr Ruhe – lieber

15. Weinst Du oft?

Wenn mir danach ist

16. Fenster auf? Fenster zu?

auf – es könnte ja eine Tür zugehen

17. Magst Du mich?

Kommt drauf an, wer fragt

18. Hast Du schon mal aus Liebeskummer einen Rieseneisbecher im Bett gegessen, weil Du in einer Sitcom gesehen hast, dass man das tut, wenn man Liebeskummer hat?

Nein

19. Setzt Du Dich mit Straßenklamotten auf das Bett?

Ja

20. Was ist Dein Lieblingswort?

Caruso – weil mit Freude und Liebe verbunden

21. Wann hast Du das letzte Mal jemanden kennengelernt, mit dem oder der Du befreundet sein willst?

Letzten Donnerstag

22. Kaffee? Tee?

Beides

23. Liebst Du Dein Leben?

Es ist das einzige, das ich habe

24. Was hast Du später gelernt als andere?

Mich selber zu mögen

25. Hast Du eine persönliche Hymne?

Früher war es „I will survive“ – passt immer noch irgendwie

26. Bist Du der, der die Witze macht oder der, der den Kuchen backt?

Ich höre den anderen beim Kuchenessen beim Witze Erzählen zu.

27. Oder beides?

Ab und an auch das

28. Ist Musik für Dich die Zeitmaschine oder Duft?

Zeitmaschine

29. Wie viele Liter Wasser trinkst Du am Tag?

Ich rechne nicht

30. Was ist Deine Verlegenheitsgeste?

Nase rümpfen

31. Wie oft denkst Du, ab sofort lebe ich vegetarisch?

Habe ich schon einige Male gemacht und dann auch getan für eine Zeit

32. Stellst Du manchmal Fragen, die Du hinterher bereust?

Ja

33. Hast Du schon mal „nein“ gesagt, obwohl Du „ja“ meintest?

Ja

34. Wie oft lügst Du am Tag?

Ich versuche, so ehrlich wie möglich zu sein, ohne Menschen grundlos zu verletzen, aber…

35. Sehnst Du Dich nach dem Ende dieses Fragebogens?

Langsam sind es viele Fragen…

36. Wieviel Geld brauchst Du zum Glücklichsein?

Soviel, dass es für ein angenehmes Leben reicht

37. Hast Du manchmal einen Kloß im Hals, wenn Du Fernsehwerbung siehst?

Nein

38. Wenn Du die Zeit zurückdrehen könntest: wohin?

Nirgends – denn dann käme ja all das, was vielleicht nicht gut war und weswegen man die Zeit zurückdrehen wollte, nochmals – so hat man es hinter sich.

39. Schläfst Du mit offenem oder geschlossenem Fenster?

Offen

40. Belehrst Du andere über Rechtschreibung?

Wenn sie mich fragen

41. Hörst Du Farben?

Nein

42. Was würdest Du gerne erfinden?

Eine Gedanken-ausschalt-Maschine

43. Wie oft fehlen Dir die Worte, um jemandem etwas zu sagen?

Selten

44. Wer wärst Du gerne für einen Tag?

Ich – mich kenne ich schon einigermassen

45. Wer für ein Jahr?

Ich – mich kenne ich schon einigermassen

46. Denkst Du, man muss zu allem eine Meinung haben?

Nein

47. Wie oft kaufst Du Dir Blumen?

Selten

48. Warst Du schon einmal in New York?

„Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals auf Hawai, lief nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans….“

49. Was ist spannender: die Reise nach New York oder die Reise zu sich selbst?

Eine Reise zu mir selber auf einem Trip nach New York?

50. Oder beides?

Siehe oben

Anne Bertheau: „Das Mädchen aus der Fremde“: Hannah Arendt und die Dichtung (Rezension)

„Man vergisst mich leicht, wenn man meine Traurigkeit vergisst.“

Die Fremde,
die Dir selber fremd,
sie ist:
Gebirg der Wonne,
Meer des Leids,
die Wüste des Verlangens,
Frühlicht der Ankunft.
[…]

BertheauArendtDie Denkerin Hannah Arendt ist seit langem bekannt, die Dichterin wurde bislang wenig beachtet, obwohl Dichtung für Hannah Arendt zeitlebens sehr wichtig war, Heinrich Blücher bezeichnete die Dichtung sogar als Hannah Arendts Heimat – er bezog dies auf ihre eigene Dichtung.

Anne Bertheau geht dieser Dichtung im vorliegenden Buch auf den Grund. Sie tut dies, indem sie sie in der Zeit und damit in Arendts Biographie verortet, immer auch mit Blick auf die theoretischen Werke, die in derselben Zeit entstanden sind. Von Hannah Arendt sind keine Tagebücher im persönlichen Sinne überliefert. Ihr Denktagebuch (LINK) offenbart wenig von ihrem Seelenleben, es ist mehr Zeugnis ihres täglichen Denkens und Arbeitens. Will man mehr über den Menschen und die inneren Vorgänge Arendts erfahren, sind neben ihren zahlreichen Briefen, die das eine oder andere offenbaren, die Gedichte einziges Zeugnis.

Das Buch umfasst drei Teile:

  • Teil 1 behandelt Hannah Arendts eigene Lektüre von Lyrik, ihre Kontakte zu Dichtern als auch poetische Korrespondenzen.
  • Teil 2 wendet sich Arendts theoretischen Aussagen über Sprache allgemein und Dichtung im Besondern zu. Dabei verfügt Arendt über keine eigentlich eigene Ästhetik, vielmehr sind es Gedanken, die sie im Zuge ihrer theoretischen Werke macht, sei es für Vita Activa, wo Kunst als Oberbegriff des Herstellens fungiert, oder für Vom Leben des Geistes, welche sich mit der Metapher und dem Unsagbaren beschäftigt und diese dem Denken unterstellen.
  • Teil 3 setzt schliesslich Arendts eigene Dichtung und ihre Gedanken zu gelesener Dichtung in Beziehung und analysiert, wie das eine das andere beeinflusst hat.

Hannah Arendt war eine Vielleserin und sie las alles: Philosophie, Dichtung sowie Romane (mehrheitlich der deutschen und französischen Literatur). Neben der eigenen Dichtung verspürte sie schon als Kind den Drang, selber zu erzählen und zu gestalten. Gerade aber das Poetische bereitete schon dem Kind Hannah Freude und sollte ihre Dichtung auch prägen, nennt sie doch selber „das poetische der Kinderzeit als Urquell der Dichtung“ und fügt an:

Unausrottbar ist das Poetische, solange es noch das Wundern gibt, das wir in der Kindheit gelernt haben.

Am Dichten mag Hannah Arendt wohl vor allem eines gefallen haben: Die Klarheit der Worte, war sie doch auch im Denken auf Klarheit aus, wollte verstehen, wollte die Dinge auf den Punkt bringen.

Die Allgemeinheit des Dichterischen ist nur verbindlich, wenn sie aus der letzten und schärfsten Genauigkeit des Wortes entspringt, wenn sie jedes Wort beim Worte nehmen weiss.

Es ist Anne Bertheau gelungen, die Dichtung Hannah Arends einerseits im Leben und Denken derselben zu verorten, sowie auch die Einflüsse anderer Menschen auf diese Dichtung offenzulegen. Sie tut dies auf eine sehr kompetente, umfassende, informative und trotzdem gut lesbare Weise.

Fazit:
Eine sehr umfassende, informative und kompetente Analyse von Hannah Arendts eigenem Dichten und deren Verständnis von Dichtung generell. Absolute Leseempfehlung

Zur Autorin:
Anne Bertheau
Anne Bertheau (Dr. phil.), geb. 1971, verfasste ihre Doktorarbeit zu Hannah Arendt und Dichtung an der Universität Paris IV, Sorbonne. Sie forscht zu Hannah Arendt sowie zu dem Revoltebegriff bei Albert Camus (Postdoc-Stipendium DAAD, Maison des Sciences de l’Homme).

Hannah Arendt
(eigentlich Johanna Arendt)
Geboren am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover als Tochter jüdischer Eltern. Obwohl sie sich keiner religiösen Gemeinschaft anschloss, sah sie sich immer als Jüdin.
Studium bei Martin Heidegger (die Liebschaft ist wohlbekannt) und später Promotion bei Karl Jaspers. 1933 Flucht nach Frankreich, 1940 Internierung im Lager Gurs, aus welchem ihr die Flucht gelang. 1941 Ankunft in New York. Verschiedene Tätigkeiten fürs Überleben und auch aus Überzeugung, daneben Publikation mehrerer Artikel. Später Lehrtätigkeit und mehrere für die Philosophie herausragende Werke (Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Eichmann in Jerusalem, Vita Activa). Sie stirbt am 4. Dezember 1975 in New York.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: transcript; Auflage: 1 (3. Juni 2016)
ISBN-Nr: 978-3837632682
Preis: EUR 44.99; CHF 5.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH sowie beim Verlag selber.

Markus Günther: Weiss (Rezension)

Das Leben eine einzige Lüge?

Inhalt
Die Liebe zwischen zwei Menschen bleibt dem Rest der Welt immer unverständlich.

Hannah, kühl analysierende und rationale Staatsanwältin, und Jo, sensibler, kreativer Architekt, sind seit vielen Jahren glücklich verheiratet. Zwischen ihnen herrscht die Vertrautheit der Zeit, über die Jahre hat man den anderen in seinen Bewegungen, Worten, Eigenarten kennengelernt.

War da überhaupt jemand? Der erste Schrecken warf sie zurück, beinahe so, als suchte sie sich rasch zu verstecken. Doch so weit hatte sie gar nicht gedacht. Es war eine unwillkürliche Reaktion gewesen, ein Zurückweichen wie beim Überqueren einer Strasse, wenn man plötzlich die Gefahr spürt, die von einem herannahenden Fahrzeug ausgeht, das man nicht wahrgenommen hatte und jetzt in letzter Sekunde im Augenwinkel näher kommen sieht.

Als Hannah eines Tages früher als geplant nach Hause kommt, macht sie eine erschütternde Beobachtung, die alles, worauf sie gebaut hat, einstürzen lässt. Fieberhaft drehen die Gedanken, immer wieder versucht sie, das Gesehene mit juristischer Klarheit zu fassen, um dann wieder von den eigenen Emotionen mitgerissen zu werden.

Nur sie allein konnte entscheiden, was jetzt zu tun war.

Beurteilung
GüntherWeissMarkus Günther erzählt seinen Roman aus der Sicht seiner Protagonistin Hannah. So sieht der Leser das Geschehen und die gemeinsame Vergangenheit von Hannah und Jo aus ihrem Blickwinkel und wird mitgerissen in ihre gespaltenen Gefühle, in ihre Versuche, alles einzuordnen und dabei zu scheitern. Es gelingt dem Autor, durch eine atemlos anmutende Sprache, die damit formal den Inhalt widerspiegelt, den Leser ins Buch und durch die Geschichte hindurch zu ziehen. Dass der Text wenige Abschnitte aufweist, verstärkt den Effekt noch.

Der ganze Roman spielt sich im gemeinsamen Haus der beiden Eheleute ab, die aktuelle Handlung umfasst nur ein paar Tage, wobei der ganze behandelte Zeitraum sich auf die ganze Ehe der beiden ausweitet durch die Erinnerungen von Hannah. Insgesamt ist Markus Günther ein stimmiger Plot gelungen, den er mit einer gut lesbaren Sprache aus einer geschickt gewählten Perspektive erzählt.

Fazit:
Ein stimmiger Plot in einer gut lesbaren und in die Geschichte hineinziehenden Sprache erzählt, so dass man – einmal angefangen – das Buch in einem Zug durchlesen möchte. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor:
Markus Günther
Markus Günther, geboren 1965 in Bottrop, studierte Geschichte und Politikwissenschaften, bevor er für verschiedene Zeitungen tätig war. Für seine Texte wurde er vielfach ausgezeichnet. Weiß ist sein Prosa-Debüt. Markus Günther ist Autor der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und lebt in Washington, D.C. Dezember 1975 in New York.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Dörlemann; Auflage: 1 (13. Februar 2017)
ISBN-Nr.: 978-3038200437
Preis: EUR 20; CHF 28.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Conrad Ferdinand Meyer: Zwei Segel

Zwei Segel erhellend
Die tiefblaue Bucht!
Zwei Segel sich schwellend
Zu ruhiger Flucht!

Wie eins in den Winden
Sich wölbt und bewegt,
Wird auch das Empfinden
Des andern erregt.

Begehrt eins zu hasten,
Das andre geht schnell,
verlangt eins zu rasten,
Ruht auch sein Gesell.

Conrad Meyer (1825 – 1898) hat dieses Gedicht 1882 verfasst. Sonst eher für seine melancholischen Gedichte bekannt, stimmt er hier eine positive Grundstimmung an. Das Gedicht gehört durch seine idealisierten Züge zur Epoche des Symbolismus.

Man sieht es vor sich, das kleine Segelschiff mit den zwei Segeln. Es tanzt auf den Wellen, Wind kommt auf, bläst eines der Segel auf und das zweite geht mit. In schneller Fahrt gleitet das Schiff nun dahin, die beiden Segel ziehen es zusammen in die gleiche Richtung, bestimmen zusammen das Tempo. Würde eines in eine andere Richtung ziehen, bestünde für das Schiff die Gefahr, zu kentern.

Das Gedicht nimmt den Inhalt in die Form auf. Es ist in einem regelmässigen Rhythmus geschrieben, drei Strophen mit je vier Versen, alle zweihebig mit Auftakt, nur der letzte Vers verzichtet auf denselben, wechselt den Rhythmus, so dass das Gedicht, das vorher den Segelschiffen gleich dahinglitt, auch formal zum Stehen kommt.

Das ist die eine, bildhafte Ebene, das, was dasteht. Darunter liegt aber natürlich eine zweite, eine, für welche die bildhafte Ebene als Metapher steht.

Wenn wir mit einem Menschen zusammen sein wollen, gilt es, sich diesen Segeln ähnlich zu verhalten. Nur wenn man in die gleiche Richtung schaut, das gleiche Ziel ansteuert, ergibt sich ein gemeinsamer Weg. Nur wenn einer auf den anderen Rücksicht nimmt, sich vom anderen berühren und mitziehen lässt, befindet man sich auf gemeinsamer Fahrt.

Vielleicht würde man gewisse Dinge alleine anders angehen, hätte auch mal andere Ziele, ist nicht immer einer Meinung – es hilft nichts: Wenn zwei auf Dauer in entgegengesetzte Richtungen steuern, verliert man das gemeinsame Ziel aus den Augen. So verlangt ein Miteinander immer mal wieder, nachzugeben, Kompromisse einzugehen. Es heisst, sich anzupassen, auch mal den Wind des anderen aufzunehmen und am gleichen Strick zu ziehen. Alles andere wäre ein Kräftezehren, ein ständiger Kampf und Wettbewerb, die schlussendlich das Beziehungsschiff zum Kentern bringen, weil sie das Ende der ruhigen Fahrt bedeuten würden.

Das heisst nicht, dass man sich selber aufgeben sollte. Jedes Segel steht trotz allem für sich und jedes Segel ist mal am Zug, die Richtung anzugeben, je nachdem, woher der Wind kommt. Das Schiff bewegt sich nur gut auf dem Wasser, wenn beide Segel für sich intakt sind, beide ihren Dienst fürs Ganze tun.

Dolchstoss

Eingeschlagen
mit Feuer und Schwert

gebrandschatzt
in Hof und Keller

DURCHBRUCH
leer und verletzt

Türen geschlossen
hermetisch zu

Mauern gezogen
um mich herum

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2017_23-17_2_zwei

Für die abc.etüden, Woche 23.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von Bernd (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Kellerdurchbruch, hermetisch, brandschatzen.

Der Ursprungspost:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/06/04/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-23-17-wortspende-von-redskiesoverparadise/

Mascha Kaléko (1907 – 1975)

RosenkranzKalekoMascha Kaléko wird am 7. Juni 1907 im galizischen Chrzanów (damals Österreich-Ungarn, heute Polen) als nichteheliches Kind des jüdisch-russischen Kaufmanns Fischel Engel und der österreichisch-jüdischen Rozalia Chaja Reisel Aufen geboren (Die Eltern heiraten 1922 und der Vater adoptiert Mascha).

1914 reist die Mutter mit Mascha und deren Schwester Lea nach Frankfurt, um den Pogromen in ihrer Heimat zu entgehen, Mascha besucht hier die Volksschule. Weil Maschas Vater die russische Staatsbürgerschaft hat, wird er als feindlicher Ausländer verhaftet, kommt aber bald darauf wieder frei. Die Familie zieht 1916 nach Marburg um, 1918 folgt der Umzug nach Berlin. Mascha leidet unter den vielen Umzügen, das Gefühl von Heimat geht ihr verloren. Dieser Verlust wird sie zeitlebens prägen und auch Gegenstand ihrer Gedichte sein.

IMG_2417Mascha hätte gerne studiert, doch ihr Vater fand das für ein Mädchen unnötig, so dass sie 1925 im Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands eine Bürolehre beginnt und nebenbei an der Universität Abendkurse belegt. Nebenher schreibt sie immer schon Gedichte, als Inspiration dient ihr der Brotberuf und das Berliner Grossstadtleben, sie schreibt aus dessen Mitte heraus über die Gefühle der normalen Menschen auf der Strasse. Dafür wird sie geliebt, denn die Menschen erkennen sich wieder, sie sehen in Mascha jemanden, der ihre Sprache spricht, der sie versteht.

Am 31. Juli 1928 heiratet Mascha den Hebräischlehrer Saul Aaron Kaléko. 1929 veröffentlicht Mascha ihr erstes Buch, welches ein Erfolg wird. Lesungen folgen, sie verkehrt im Romanischen Café mit anderen Literaten Berlins. Als Hitler an die Macht kommt, wird das Leben für jüdische Künstler schwieriger. Mascha ist noch nicht betroffen, auch von der Bücherverbrennung wird sie verschont. Erst 1935 stellt das Regime fest, dass Mascha Jüdin ist, ihr Erfolg nimmt ein jähes Ende.

Im selben Jahr lernt sie den Dirigenten und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver kennen und lieben. Die beiden erwrten bald darauf ein Kind, Avitar Alexander Kaléko erblickt im Dezember 1936 das Licht der Welt – denn verheiratet ist Mascha immer noch mit Saul Aaron Kaléko, der als Vater eingetragen ist. Mascha leidet unter der Lebenslüge, die sie wohl 1937 aufdeckt. Kaléko will von einer Scheidung nichts wissen, zu sehr liebt er Mascha. 1938 werden die beiden dann doch rechtsgültig geschieden (im Oktober 1937 waren sie schon religiös geschieden worden) und Mascha und Chemjo können im Juni 1938 heiraten.

Die Ehe ist nicht nur einfach, trotz der grossen Liebe. Chemio scheint sehr impulsiv und aufbrausend zu sein, es kommt oft zu Streit. 1938 verlässt die kleine Familie Berlin und tritt die Emigration in die USA an. Mascha fühlt sich hier nie zu Hause, sie vermisst ihre Sprache, sie vermisst ihre Ausdrucksmöglichkeit. Zudem ordnet sie ihre eigenen Wünsche und Pläne ihrem Mann unter und versucht, ihn in seiner Karriere zu unterstützen. Ihre Familie ist ihr immer das Wichtigste, obwohl sie auch ihre Erfolge als Dichterin vermisst.

Nach dem Krieg können Maschas Gedichte in Deutschland wieder gelesen und neu aufgelegt werden. Eine Reise nach Deutschland kann sie sich aber lange nicht vorstellen. Erst 1955 wird sie die ehemalige Heimat wieder sehen. Sie sieht viel Vertrautes, aber merkt auch, dass es das Berlin, wie sie es kannte, nicht mehr gibt.

1960 wandern Mascha und Chemjo nach Palästina aus – auch dieser Schritt geschieht Chemjo zuliebe. Mascha leidet unter dem erneuten Wechsel und sie fühlt sich in nun noch isolierter als in Amerika, zumal sie die Sprache nicht spricht. Als 1968 ihr Sohn nach einer schweren Krankheit stirbt, zerbricht etwas in Mascha. Sie wird sich von dem Verlust nicht mehr ganz erholen.

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang
Nur vor dem Tod derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?[1]

Sie selber ist auch schon seit längerer Zeit immer wieder krank, auch Chemjo kämpft mit seiner Gesundheit. Eine grosse Müdigkeit lastet auf Mascha. Chemjo stirbt am 16. Dezember 1973.

1974 bricht sie nochmals auf eine ausgedehnte Europareise auf, besucht nochmals Berlin, überlegt sogar, hier eine kleine Zweitwohnung zu nehmen. Dazu soll es nicht mehr kommen. Als sie auf dem Weg zurück nach Jerusalem in Zürich Halt macht, muss sie ins Krankenhaus, wo sie am 21. Januar 1975 stirbt.

Ausgewählte Werke

  • Das lyrische Stenogrammheft (1933)
  • Kleines Lesebuch für Grosse (1935)
  • Verse für Zeitgenossen (1945)
  • Der Papagei, die Mamagei und andere komische Tiere (1961)
  • Verse in Dur und Moll (1967)
  • Das himmelgraue Poesiealbum der Mascha Kaléko (1968)
  • Feine Pflänzchen (Posthum, 1976)
  • In meinen Träumen läutet es Sturm (Posthum, 1977)

Weiteres zu Mascha Kaléko

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[1] Memento, zitiert nach Jutta Rosenkranz, Mascha Kaléko

Thomas Mann (6. Juni 1875 – 1955)

IMG_2401.JPGPaul Thomas Mann, wie Thomas Mann eigentlich hiess, wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Seine Familie gehört zur besseren Gesellschaft, der Vater ist Inhaber einer Getreidehandlung, hat später verschiedene Ämter inne, seine Mutter stammt aus einer wohlhabenden deutsch-brasilianischen Kaufmannsfamilie. Neben Thomas hat die Familie noch folgende Kinder: Heinrich (1871), Julia (1877), Carla (1881) und Viktor (1890).

Man kann seine Kindheit wohl eine – der Zeit ensprechend – unbeschwerte nennen, schwieriger wird es in der Schule, wo er eher mässig begabt oder interessiert ist, so dass er verschiedene Klassen mehrfach absolviert und schliesslich 1894 ohne Abitur abgeht. Er ist mit dieser Schulkarriere nicht allein, schon Heinrich ist vor dem Abitur ausgetreten und arbeitet beim Schulaustritt seines Bruders bereits als Volontär beim S. Fischer Verlag in Berlin. Bis zum Schulaustritt lebt Thomas bei verschiedenen Lehrern in Pension, ist doch seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes, Thomas Manns Vater, und dem testamentarisch verfügten Verkauf der Getreidefirma, mit den drei Jüngsten Kindern nach München gezogen, wohin Thomas Mann 1894 folgt.

IMG_2400.JPGSchon während seiner Schulzeit hat Thomas Mann geschrieben, allerdings keine langen Romane wie später im Leben, sondern – eher schwülstige, von leidenschaftlicher Verliebtheit (zu einem Mitschüler) geprägte – Gedichte (Eine Erinnerung daran findet sich wohl im Tonio Kröger und der Bleistiftszene wieder.). Ein kurzer Ausflug in die Arbeitswelt – Thomas Mann hat eine Stelle als Volontär bei einer Feuerversicherung angenommen und schnell wieder gekündigt – kündigt sich in ihm wohl der Entschluss an, Schriftsteller werden zu wollen. Eine erste Erzählung mit dem Titel Gefallen wird auch sofort in einer Zeitschrift veröffentlicht, es folgen Besuche von Vorlesungen in Literaturgeschichte, Geschichte, Mythologie und mehr als Gasthörer an der Technischen Hochschule sowie weitere literarische Versuche, welche aber von weniger Erfolg gekrönt sind. Trotzdem hatte sein Ersterfolg Thomas Mann die Türen zur Literaturszene Münchens geöffnet.

1895 reist Thomas Mann mit seinem Bruder Heinrich für einige Monate nach Italien. Im Jahr 1896 folgt ein längerer Aufenthalt ebenda, die beiden Brüder bleiben bis im April 1898 und Thomas Mann verfasst mehrere kleinere Arbeiten und beginnt 1897 mit den Buddenbrooks. Zurück in München arbeitet er als Lektor, arbeitet daneben weiter am Verfall der Familie Buddenbrook, bis er diese im August 1900 an Samuel Fischer schickt, welcher den Druck beschliesst.   War bislang Heinrich der erfolgreichere Schreiber, überholt ihn Thomas mit seinem Erstling. Dieser Umstand sowie die für den Bonvivant Heinrich zu bürgerliche Existenz von Thomas führt wohl zu einem angespannten Verhältnis zwischen den Brüdern, das sich lange nicht mehr erholen soll.

1903 lernt Thomas Mann Katia Pringsheim kennen, welche er am 11. Februar 1905 heiratet. Schlag auf Schlag folgen vier Kinder: Erika (1905), Klaus (1906), Golo (1909) und Monika (1910), später dann noch Elisabeth (1918) und Michael (1919). (Mehr zu Thomas Mann als Vater findet sich HIER)

Die Jahre von 1905 bis 1914 sind für Thomas Mann gute Jahre (ausser dem Selbstmord seiner Schwester Carla 1910). Er hat Erfolg, der Familie geht es gut. Unterbrochen wird das eigentlich ruhige Leben nur durch einen Kuraufenthalt Katja Manns in Davos, wo Thomas Mann sie besucht und dadurch auf die Idee zum Zauberbergt kommt. Die ersten Kapitel entstehen noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (Der Zauberberg erscheint Ende 1924). Anfänglich bejubelt Thomas Mann den Kriegsausbruch, womit er in guter Gesellschaft ist, allerdings ist er nicht diensttauglich. Er steuert schriftliche Gedanken zum Geschehen bei, lebt ansonsten wie vor dem Krieg weiter, ausser dass ihn häufige Krankheiten plagen. Zwischen den Kriegen passiert wenig Erwähnenswertes, das Leben nimmt seinen Lauf. Auch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 ändert daran nicht viel.

Thomas Mann ist gerade in Arosa, als er von diversen Verhaftungen in München erfährt und beschliesst, nicht gleich nach Hause zu reisen. Es kommt in der Zeit zur Denunziation Manns in München, die Aufmerksamkeit der Polizei liegt nun auf ihm, was zu einer Hausdurchsuchung führt. Wäre Thomas Mann jetzt heimgekehrt, wäre er in der Tat verhaftet worden. Thomas Mann schlägt seine Zelte in Küsnacht in der Schweiz auf. Unterzwischen ist sein Haus in München beschlagnahmt worden. 1936 verliert Thomas Mann die deutsche Staatsbürgerschaft und wird tschechoslowakischer Bürger. Bis dahin schreibt er fleissig weiter, immer öfter auch antifaschistische Stellungnahmen. In der Zeit arbeitet er auch an seinen Joseph-Büchern.

Es folgen Reisen nach Amerika, 1938 bleibt er schliesslich ganz. 1939 unternimmt Thomas Mann eine grosse Europareise, der Kriegsausbruch erschwert schliesslich die Rückkehr, aber er schafft es zurück über den grossen Teich. In Amerika unterrichtet er in Princeton als „Lecturer in the Humanities“ bis 1940. Daneben ist er ein mehr als fleissiger Schreiber. Noch immer schreibt er an seinen Joseph-Romanen.

1941 folgt der Umzug der Familie Mann nach Pacific Palisades in Kalifornien, 1943 beginnt Thomas Mann mit dem Doktor Faustus. Durch diese Arbeit findet er auch den Kontakt zu Theodor W. Adorno, welcher ein wichtiger Berater für den Roman wird.

Am 7 .Mai 1945 kapituliert Deutschland, kurz darauf geht Klaus Mann als amerikanischer Soldat nach München und berichtet seinem Vater von den Zuständen vor Ort. Thomas Mann will von einer Reise nach Deutschland nichts wissen. Er arbeitet weiter am Faustus, welcher 1947 erscheint. Im selben Jahr reist er auch zum ersten Mal wieder nach Europa – allerdings nicht nach Deutschland. 1948 beginnt die Arbeit an Der Erwählte, im Goethejahr 1949 folgt der erste Besuch in Deutschland.

1950 stirbt Thomas Manns Bruder Heinrich. Im selben Jahr reist Mann in die Schweiz nach Zürich. Seine Schaffenskraft ist noch immer ungebrochen: Er fängt mit Felix Krull an, engagiert sich für politische Gefangene in der Sowietzone und unternimmt weitere Reisen. 1952 kommt es zum (ursprünglich nicht geplanten) Umzug nach Erlenbach am Zürichsee, dem einer 1954 nach Kilchberg folgt, wo 1955 noch die Goldene Hochzeit gefeiert wird. Kurz darauf stirbt Thomas Mann, nachdem er schon länger öfters krank war, am 12. August 1955 im Krankenhaus in Zürich.

Ausgewählte Werke

Romane

  • Buddenbrooks (1901)
  • Königliche Hoheit (1909)
  • Der Zauberberg (1924)
  • Joseph und seine Brüder (1933 – 1943)
  • Lotte in Weimar (1939)
  • Doktor Faustus (1947)
  • Der Erwählte (1951)
  • Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954)

Erzählungen und Novellen

  • Gefallen (1894)
  • Der Wille zum Glück (1896)
  • Tonio Kröger (1903)
  • Tod in Venedig (1911)
  • Unordnung und frühes Leid (1926)
  • Mario und der Zauberer (1930)
  • Die Betrogene (1953)

Essays

  • Berachtungen eines Unpolitischen (1918)
  • Theodor Fontane (1928)
  • Bruder Hitler (1938)
  • Deutschland und die Deutschen (1947)
  • Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung (1947)

Bücher zu Thomas Mann

Weitere Artikel zu Thomas Mann:

Trotzdem

Bis hier und nun weiter,
geh’n wir nach aussen
fröhlich und heiter,
tief drinnen verstummt.

Bis hier und nun weiter,
heisst es von allen.
die nichts weiter wissen,
als nutzlosen Rat.

Bis hier und nicht weiter,
denke ich oft und
plane den Ausstieg,
den’s für mich nicht gibt.

Bis hier und nun weiter,
denn weiter geht’s immer,
sagen sie alle
und wissen von nichts.

Bis hier und NICHT weiter,
das sage ich ihnen,
und bin ganz entschlossen!
– und gehe dann doch.

@Sandra Matteotti

 

Hannah Arendt: Denktagebuch (Rezension)

Denken und Schreiben im Dienste des Verstehens

‚Denken ohne Geländer’, das ist es in der Tat, was ich zu tun versuche.

Hannah Arendt hat 28 dicht beschriebene Schreibhefte hinterlassen, in denen sie ihre täglichen Gedanken, Ideen, Theorien notierte, entwickelte, ausführte. Sie reflektierte darin ihre Lektüre, definierte politische und philosophische Begriffe oder leitete Zusammenhänge im Weltgeschehen her. In ihrem Interview mit Günter Gaus sagte sie zum Grund ihres Schreibens:

Ich muss verstehen. Zu diesem Verstehen gehört bei mir auch das Schreiben. Das Schreiben ist, nicht wahr, Teil in dem Verstehensprozess.

ArendtDenktagebuchDiese 28 Hefte sind in den vorliegenden zwei Bänden enthalten. Sie lassen den Leser teilhaben an den Denkprozessen einer der grössten Denkerinnen. Anhand der Lektüre der Denktagebücher lassen sich Arbeitsprozesse an den grossen Werken nachvollziehen, lässt sich aber auch Einblick in die Persönlichkeit Hannah Arendts gewinnen. Zwar fehlen intime Innenbetrachtungen oder Beschreibungen aus dem eigenen Leben, allerdings sind dann und wann doch kürzere oder längere Gedanken – oft in Form von Gedichten – eingestreut, die den Menschen Hannah Arendt sichtbarer werden lassen.

Die Herausgeberin rundet das Tagebuch mit einem sehr informativen Nachwort ab, indem sie auf die Struktur der Originaldokumente eingeht, deren Funktion erläutert und auch wichtiges Hintergrundwissen liefert. Im Anhang hilft ein thematisches Inhaltsverzeichnis, sich gezielt bestimmte Themen Hannah Arendts aufzufinden, ein Personen- und Sachregister ermöglichst die Begriffsuche. Die ausführlichen Anmerkungen helfen beim Leseverständnis durch wissenswerte Querbezüge oder Erklärungen und ein Wörterverzeichnis greift die in den Tagebüchern verwendeten griechischen Begriffe. Schliesslich sind die von Hannah Arendt häufig zitierten Bücher bibliographisch erfasst, so dass man auf Hannah Arendts Lesespuren wandeln kann.

Die vorliegenden Bücher sind eine Schatzkammer für alle, die sich für Hannah Arendt und ihr Denken interessieren und eine editorische Meisterleistung.

Fazit:
Ein Zeugnis messerscharfen und tiefgründigen Denkens, ein Einblick in die Persönlichkeit der Denkerin Hannah Arendt und eine editorische Meisterleistung. Absolut empfehlenswert.

Zur Autorin:
Hannah Arendt
(eigentlich Johanna Arendt)
Geboren am 14. Oktober 1906 in Linden bei Hannover als Tochter jüdischer Eltern. Obwohl sie sich keiner religiösen Gemeinschaft anschloss, sah sie sich immer als Jüdin.

Studium bei Martin Heidegger (die Liebschaft ist wohlbekannt) und später Promotion bei Karl Jaspers. 1933 Flucht nach Frankreich, 1940 Internierung im Lager Gurs, aus welchem ihr die Flucht gelang. 1941 Ankunft in New York. Verschiedene Tätigkeiten fürs Überleben und auch aus Überzeugung, daneben Publikation mehrerer Artikel. Später Lehrtätigkeit und mehrere für die Philosophie herausragende Werke (Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Eichmann in Jerusalem, Vita Activa). Sie stirbt am 4. Dezember 1975 in New York.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Piper Verlag (6. Auflage 1. Oktober 2006)
ISBN-Nr: 978-3492248235
Preis: EUR 48; CHF 63

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