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„Ein jeder ist dir auf einem Gebiet überlegen und von jedem kannst du etwas lernen.“ (Ralph Waldo Emerson)

Hast du dich auch schon mal beim Gedanken ertappt, dass andere Dinge besser können als du? Und oft passiert dir das bei Dingen, die dir wichtig sind, bei denen du selber gut sein willst. Doch: Mit wem vergleichst du dich?

Hast du dich auch schon mal beim Gedanken ertappt, dass du etwas weisst, dein Gegenüber von dir lernen kann? Nie wäre es dir in den Sinn gekommen, dass auch der andere dir noch was zeigen könnte.

Im Zen Buddhismus gibt es den Begriff des Anfängergeistes. Er ist eines der höchsten Güter. Wir sind dann wirklich fortgeschritten, wenn wir uns jeden Tag als Schüler sehen. Als Menschen, die gerade anfangen. Mit offenem Blick. Mit Neugier. Mit dem Wunsch, zu lernen.

Ein schöner Gedanke. Einfach nochmals anfangen. Die Welt neu sehen. Ohne Schubladen, ohne Kategorien, ohne zu meinen, alles wissen zu müssen. Mit einem frischen Blick. Offen.

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„Der Mensch muss ein ungeheurer Ignorant sein, der auf jede Frage eine Antwort weiss.“ (Voltaire)

Was ist richtig, was falsch? Was ist schön, was hässlich? Wie soll ich sein? Wie darf ich sein? Was muss ich tun? Was sollte ich lassen?

Ich stosse immer wieder auf Fragen und selten liegt die Antwort gleich offen da. Es gibt immer viele Möglichkeiten und am Schluss bleibt oft die Erkenntnis, dass es keine allgemein gültige und für immer richtige Antwort gibt, sondern nur ein Finden einer aktuellen Möglichkeit, die jetzt stimmt für mich.

Es gibt Menschen, die scheinen auf alles eine Antwort zu wissen, sie sind stets da, Ratschläge zu erteilen und zu bestimmen, was richtig ist, wie die Welt zu sein hat, wie die Menschen in ihr zu leben haben. Woher nehmen sie dieses Wissen? Und das Recht? Ich las mal, dass auch Ratschläge Schläge seien. Und irgendwie sehe ich das auch so. Auch ich ertappe mich ab und an dabei, Ratschläge erteilen zu wollen. Weil ich denke, zu wissen, was richtig ist. Nur: Weil es für mich (im Moment) richtig ist (erscheint?), heisst das nicht, dass es für den anderen auch passen muss.

„Jeder Tag ist eine Gelegenheit, wieder neu zu beginnen. Jeder Tag ist unser Geburtstag.“
(Dalai Lama, Desmond Tutu)

Wer hat nicht schon einmal eine falsche Entscheidung getroffen? Wer sich nicht mal auf eine Weise verhalten, die einem am nächsten Tag leid tut? Wer ist nicht schon mal einen Weg gegangen, auf dem er plötzlich merkte, dass dies eigentlich kein passender Weg ist, man lieber einen anderen ginge? Und wer hat nicht schon mal von etwas geträumt, das er gerne verwirklichen würde, hat es aber nicht angepackt?

Und dann sitzt du da mit all diesen Gedanken von „Ach hätte ich doch…“ oder „wieso habe ich bloss…“. Die bringen aber nur etwas, wenn man genau hinschaut, was man besser getan hätte oder eben nicht, was man sich wünschen würde oder eben nicht. Und dann etwas daraus macht. Die Chance dazu bietet sich genau jetzt, denn:

Jeder Tag ist eine neue Chance.

Packen wir sie!

„Wir suchen den Spielraum, der uns verbleibt
Zwischen Gesetzen, die durch uns handeln,
Und suchen das Mächtige, das uns treibt,
In Freiheiten umzuwandeln.

Es läuft auf Unterwerfung hinaus.
Quer dürfen wir uns nicht stellen.
Sonst zerreißt es uns, und die Wege sind kraus.
Es geht nicht zurück zu den Quellen“
(Eva Strittmatter, Auszug aus „Einklang“)

Wie frei bist du wirklich? Wenn du was tust, tust du es, weil du es willst oder weil du denkst, es zu müssen? Wer definiert dein Müssen? Die Forderungen des Alltags? Die Gesellschaft? eine innere Stimme, die eigentlich nicht dir gehört, sondern deinem Vater, deiner Mutter, einem Chef…?

Ab und an ist es sinnvoll, innezuhalten und das eigene Tun zu hinterfragen. Lebe ich wirklich noch mein Leben? Wer setzt die Grenzen? Stimmen sie für mich? Reissen andere meine Grenzen ein oder ignoriere ich sie selber? Lebe ich mein Leben oder erfülle ich nur Erwartungen? Was treibt mich an? Wo will ich hin? Solche Fragen können helfen, wieder zurück zu den Quellen zu kommen. Und dann bewusst er zu leben.

Ich habe kürzlich zum Thema Minimalismus geschrieben (HIER) und gesagt, dass ich das Thema sporadisch weiterverfolgen möchte. Heute habe ich mir Gedanken zu unserer Gesprächskultur gemacht.

Wenn man Gespräche genauer anschaut, merkt man oft, dass es mehr Menschen gibt in ihnen, die reden, als solche, die zuhören. Sagt einer etwas, spielen sich oft folgende Szenarien ab:

  • er wird mitten im Satz unterbrochen
  • Das Gegenüber feilt innerlich schon an der Antwort, bevor der Sprechende überhaupt zum Punkt kam
  • Das Gegenüber wartet ungeduldig ab, dass er Sprechende fertig ist, um dann nicht darauf einzugehen, sondern ein eigenes Thema zu bringen

Es gäbe wohl noch viele weitere Varianten, aber ich denke, mein Punkt wurde verstanden. Statt dem anderen seinen Raum zu lassen, drängen wir uns an ihm vorbei und stellen uns in den Mittelpunkt. Wir haben etwas zu sagen (glauben wir zumindest) und wollen damit gehört werden. Zum Zuhören fehlt da die Zeit, der Wille und die Geduld. Und schlussendlich auch der Respekt.

Nun könnte man sagen: Böse Nicht-Zuhörer, arme Sprechende. Das wäre wohl zu einfach. Eine Teilschuld liegt sicher auch bei den Sprechenden selber. Wie oft sprechen wir, nur damit gesprochen ist? Wir zerreden Banalitäten, die eigentlich keiner Erwähnung wert wären, breiten das sowieso Offensichtliche in allen Breiten und Tiefen aus, obwohl es schon jeder kennt. Wieso? Weil wir es können. Weil wir da was wissen. Und das wollen wir zeigen. Und ja, wir wollen sprechen, denn: Wer nicht spricht, der wird nicht wahrgenommen und wer nicht wahrgenommen wird, der existiert in einer Weise gar nicht. Er wird übersehen, überhört, er ist inexistent.

Wie viel Platz hätten wir für wichtige Themen, wenn die ganzen Offensitlichkeiten wegfielen? Ich sage nicht, dass wir fortan nur noch bierernst durchs Leben gehen müssen und uns nur noch mit den grossen Problemen der Menschheit beschäftigen dürfen, im Gegenteil. Humor und Witz machen das Leben erst lebenswert. Gerade, wenn es schwer ist.

Aber: Das Wetter sieht jeder selber und was in den Zeitungen steht, kann jeder, den es interessiert, nachlesen. Dass es im Sommer heiss ist und bei Regen nass, liegt in der Natur der Sache. All das erzählen wir uns aber gegenseitig. Um ja nicht still zu sein. Stille scheint bedrohlich, denn man könnte in ihr merken, dass man sich nichts zu sagen hat. Nichts zu sagen hat man sich nicht, wenn man sich nichts sagt, sondern dann, wenn man die Stille nicht erträgt und sie mit Unsäglichkeiten vollstopft.

Manchmal ist weniger mehr. Auch beim Sprechen.

Es gab immer mal wieder Zeiten, in denen ich mich mit Minimalismus auseinandersetzte. Der Gedanke, viel zu viel zu haben, das ich nicht brauche, machte dabei meist den Anfang. Beim Minimalismus (wie in diesem Artikel verstanden – das Thema ist aber viel breiter, was aber Thema eines nächsten Artikels sein wird) handelt es sich im weitesten Sinne um einen Lebensstil, bei dem man sich von Unnötigem und Ballast befreit und sich auf das Wesentliche beschränkt. Wenn mich das Thema mal wieder anspringt,  gehe ich durch die Wohnung und miste aus. Ganze Abfallsäcke landen im Auto und gefüllte Autos fahren zur Entsorgung. Trotzdem ist meine Wohnung alles andere als leer. Da ginge wohl mehr. Nur: Wie? Und was?

Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Wir haben alles und das meist im Überfluss. Nie war es zudem so einfach, neue Dinge zu kaufen, sind sie doch nur noch einen Klick im Internet entfernt. Man muss nicht mal mehr die gute Stube verlassen, um diese mit Möbeln, Büchern, Dekoartikeln auszustatten. Essen kriegt man frei Haus, meist bestellt man ein wenig mehr, um die Liefergebühren zu senken – ein Teil davon wird oft schlecht und landet im Abfall. So haben wir mehr und mehr Dinge, wohin wir schauen, und weniger und weniger Bewusstsein dafür, was wir wirklich brauchen und wozu. Dafür wächst eines ständig: Der Wunsch, mehr und mehr zu haben. Leider geht das selten einher mit mehr Zufriedenheit.

Es bleibt auch nicht beim Haben-Wollen, oft folgt dem ein Zeigen-Wollen. Früher zeigte man guten Freunden die Wohnung oder am Stammtisch Fotos in der Art „mein Haus, mein Auto, mein Boot“, heute stellt man die Bilder online und lässt sich auf der ganzen Welt bewundern. Und: Man bewundert die anderen und findet immer ganz viel, was man auch noch haben sollte.

Doch damit soll nun Schluss sein. Ich las den Tipp, ich solle durch die Wohnung gehen und alles in die Hand nehmen, mich fragen, ob es mich glücklich macht. Wenn die Antwort nein sei, könne ich es wegwerfen. Nun: Mein Geschirr macht mich nicht glücklich, die Töpfe auch nicht – aber: Ohne wird essen etwas schwer. So war das wohl aber auch nicht gedacht.

Ich möchte mir in nächster Zeit vermehrt Gedanken zu dem Thema machen. Es auch einerseits in mein praktisches Leben integrieren und dieses daran ausrichten, mich andererseits auch auf anderen Wegen damit auseinandersetzen. Ich bin gespannt, wohin mich der Weg führt, ob sich was verändert, wie es sich anfühlt. Ich bin gespannt, wovon ich mich trennen werde, was mehr Gewicht kriegt, wo mehr Raum entsteht – und wofür.

Müsste ich ein Ziel definieren, wäre es dieses: Ich möchte mich mehr auf das Wesentliche konzentrieren. Ich möchte die Essenz finden, statt in Massen zu wühlen. Ich möchte hinschauen, was mir Wert ist und was nur Ballast ist. Ich möchte mehr Achtsamkeit dafür entwickeln, was ich wieso konsumiere, sammle, wünsche. Ich werde sicher kein Asket und Generalverzichtler werden, aber weniger (dafür das richtige) wäre durchaus mehr – davon bin ich überzeugt.

 

„Like the time I ran away, turned around and you were standing close to me.“ (Yes)*

Wie oft ziehen wir es vor, wegzulaufen, statt uns unangenehmen Dingen zu stellen? Wie oft verdrängen wir, statt zu verarbeiten? Nur: Wir nehmen alles immer mit. So schnell wir auch gehen mögen, es ist immer direkt bei uns. Bis wir es anschauen, annehmen, loslassen. Und dann in Ruhe weitergehen. Im Wissen, dass es ein Teil von uns bleibt, aber uns nicht mehr verfolgt.

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*Ich rannte weg (so schnell) wie die Zeit, drehte mich um und du standest dicht bei mir.“