Philosophische Praxis

Ich bin nicht gut genug. Der andere ist viel besser als ich.

Wer hat sich das nicht schon mal gesagt? Ich selber habe Jahre, wenn nicht Jahrzehnte damit zugebracht, mir vorzuhalten, wer alles besser ist als ich, schöner ist als ich, und wo ich nicht genüge. Ich fand immer und überall etwas und litt natürlich darunter. Wer ist schon gerne minderwertig? Wer möchte nicht genügen?

Es hat viele Jahre gedauert, mehr Gelassenheit mir selber gegenüber zu gewinnen. Das Alter hat sicher einen Teil dazu beigetragen, Yoga hat dabei aber den grossen Anteil gehabt. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich auf die Yogamatte stand und das Leben war plötzlich wundervoll und ich der Held in meinem eigenen Universum. Es war ein Weg – und er dauert noch an. Auf diesem Weg habe ich eine Wahrheit ganz schmerzhaft erfahren müssen: Ich bin ich und ich kann, was ich kann. Ich kann…

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Kürzlich hörte ich, dass man vorsichtig sein müsse. So mit den sozialen Medien. Wenn man schreibe, dass man in den Ferien sei, locke das Diebe an. Die Polizei warnt. Das ist nicht neu, natürlich wusste ich das. Aber doch. Ich fragte mich. Was mach ich denn nun? So bildtechnisch? Nehme ich hier Bilder auf, die ich dann reinstelle, wenn ich woanders bin, um dann dort Bilder von hier reinzustellen? Bin ich damit so klug, die potentiellen Diebe zu irritieren? Noch besser: Ich mache nur noch Blumenbilder – kein Mensch weiss, wo die Blume steht. Nur bin ich nicht Florist. Vielleicht sollte ich ganz aus den Sozialen Medien raus. Sind ja eh so virtuell und kaum real. Blöderweise habe ich ganz viele wunderbare Kontakte hier, die durchaus real sind. Auch in der Virtualität. Im Zeitalter der Digitalisierung ist die Unterscheidung virtuell – real sowieso ein wenig wie wenn man sagt, dass nur das ganz sauber ist, das man von Hand wäscht, nie die Maschinenwäsche.

Was mach ich denn nun? Klar: Gefahren gibt es, die Polizei warnt. Aber auch wenn mein Haus dunkel bleibt, wenn ich weg bin, sind das Zeichen. So reale. Wenn jemand vor Ort beobachtet, hat er Zeichen. Mehr als virtuell, denn ich bewege mich doch durchaus mehr zu Fuss als über die Tasten – man glaubt es kaum. Sicher ist es nicht ganz geschickt, öffentlich lesbar zu schreiben, dass man an dieser oder jener Adresse wohnt, nun von jetzt bis dann weg ist, um dann irgendwann wiederzukommen. Man könnte das als Einladung lesen als Dieb: Komm doch vorbei, es steht dir alles zur Verfügung, keiner greift ein.
Früher gab es ähnliche Warnungen. Es wurden Alarmanlagen, Lichtzeitschaltuhren, regelmässig vorbeischauende Nachbarn empfohlen, wenn man in die Ferien fuhr. Diebe beobachten Gewohnheiten und reagieren auf sich verändernde. Am besten wäre es, man hätte keine Gewohnheiten, sondern lebte sein Leben so ziemlich unnachvollziehbar – eine regelmässige Arbeit fiele da auch flach. Man hat sich selten an all die Ratschläge gehalten, sondern sein Leben gelebt und gehofft, dass nichts passiert. Und statistisch lag man damit gut. Es wird in weniger Haushalten nicht eingebrochen als eingebrochen wird.
Daran hat sich nichts geändert, allerdings sind halt die Möglichkeiten der Diebe durch die Digitalisierung andere geworden. Und damit änderten sich auch die Ratschläge. Nun würde ich natürlich niemandem zu einem leichtsinnigen Verhalten raten, nur: Wenn wir uns in allem, was wir tun und machen, einschränken, weil jemand das ausnutzen könnte, machen wir uns schon im Vorfeld zum Opfer eines Täters, von dem wir noch nicht mal wissen, ob er einer wird bei uns. Vorsicht ist geboten. Aber: Wenn diese das eigene Leben so einschränkt, dass man es nicht mehr leben kann, ist der Preis eventuell zu hoch.
Klar kann man sich aus den sozialen Medien zurückziehen. Klar kann man alles verschweigen, was das eigene Leben betrifft. Klar kann man zurück zu analog gehen oder aber Lügenkonstrukte aufbauen, um die Welt da draussen zu irritieren. Nur: Wo bleibt dann noch die Authentizität? Wo das eigene freie Leben?
Was man ins Netz stellt, steht da. Man muss sich also sicher klar sein, ob man das da haben will oder nicht. Und wieso. Im Zeitalter der Digitalisierung muss uns aber schlicht bewusst sein: Es ist kaum mehr was versteckt und privat. Wir hinterlassen Spuren und die werden getrackt. Wirklichen Schutz bringt da wohl nur eine abgelegene Alphütte ohne Empfang. Nur: Wollen wir so leben?
Das Leben ist und bleibt ein Risiko. Ich würde nun auch nicht alle Türen offen lassen, vor der Hütte eine Tafel mit der Aufschrift „Immer nur reinkommen und bedienen“ – aber: Ich möchte mein Leben weiter frei leben. Und ich mag meinen Austausch auf menschlicher Ebene im Netz, zumal daraus immer auch ganz wunderbare Beziehungen entstanden sind. In ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Reichend von Schreib- und Herzensverbindungen, hin zu Freundschaften vor Ort bis hin zu Lebensbeziehungen. All das wäre wohl durch verschleiernde Bilder und kryptische Botschaften nicht passiert. Was für ein Verlust.
Drum: Es gilt sicher, achtsam zu sein, was man ins Netz stellt, aber: Die Authentizität darf nicht leiden. Wir müssen uns den neuen Gefahren stellen. Der Weg kann nicht Selbstverleugnung sein, sondern Reaktion auf neue Gefahren. Da sind wir heute gefordert. Wie gehen wir mit den Geistern um, die wir riefen.

Sind zwei Saiten
auf der Geige,
und zwei Tasten
am Klavier.
Sind zwei Schlägel
auf der Trommel,
und so schlagen wir
den gleichen Takt.

Sind die Töne
eines Liedes,
und die Worte
des Gedichts.
Sind zusammen
so ein Ganzes,
das durch die Kunst
der Liebe spricht.

©Sandra Matteotti

Wenn jeder Blick
zum Danke ruft
und jeder Ton
zum Tanz.

Wenn Worte nur mehr
Zeichen sind
und draussen das,
was zählt.

Wenn gestern schon
Geschichte ist,
und morgen noch
nicht da.

Dann lebst du so
im Wirklichen
und weißt, dass dies
nur zählt.

Denn gestern ist
gestorben schon
und morgen noch
nicht da.

Wir haben nur
den Augenblick,
und das ist das,
was zählt.

Drum lebe jetzt,
vergiss den Rest,
er ist Geschichte,
Phantasie

Denn: Was noch kommt,
wer weiss es schon,
geniessen wir,
was ist.

©Sandra Matteotti

Und ich tanzte.
Übers Parkett.
Mit diesem Mann.
So Schritt für Schritt.

Und ich fühlte.
Das Leben atmen.
So soll es sein.
In meinem Sein.

Und wir schwebten.
Durch jeden Takt.
Ganz hindurch.
Durch die Melodie.

Und ja, es war klar.
Das ist der Tanz.
Der durch mein
Leben führt.

©Sandra Matteotti

 

Philosophische Praxis

„Wir machen ihn (den anderen Menschen, S.M.) zum Aufhänger für die vielen Kleider, die wir selber nicht tragen wollen.“[1]

Nichts kritisiert man so leicht wie die Fehler der Anderen. Wir sehen sie und sind schnell mit unserem Urteil dabei. Teilweise denken wir dieses nur für uns, teilweise teilen wir es dem anderen gleich mit. In beiden Fällen aber steckt etwas drin: Ich setze den Massstab und du entsprichst diesem nicht.

Es steckt aber noch mehr drin: Oft sind die Dinge, die uns an anderen stören, die, welche sich auch in uns finden – oft als dunkle Flecke, die wir tunlichst übersehen. Zwar sind sie da, machen uns wohl mitunter das Leben schwer, weil sie sich durchaus nach aussen äussern, für uns aber oft nicht sichtbar und damit nicht veränderbar sind.

Beziehungen zu anderen Menschen können uns helfen, unsere blinden Flecke aufzudecken. Wenn wir hinsehen, was uns an anderen stört…

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Ich hab genug von
nur bierernsten
hinterfragern
selbsternannten
wissensträgern
so gefühlten
grosshirnstemmern

hab genug von
diesen einen
die so wirklich
endlich meinen
es zu wissen
und auch besser
als die andern einen

ich hab genug von
zeigefingern
augenrollern
lehrerminen
grossgekotzten
scheinmaschinen
von allen diesen

ich hab genug
von ihnen

©Sandra Matteotti