„Im Bewusstsein des Leides, das durch unachtsame Rede und durch die Unfähigkeit, anderen zuzuhören, entsteht, gelobe ich, liebevolles Sprechen und aufmerksames, mitfühlendes Zuhören zu entwickeln, um meinen Mitmenschen Freude und Glück zu bereiten und ihre Sorgen lindern zu helfen.“ (Thich Nhat Hanh)

Ich habe mich selber schon dabei ertappt, dass ich bereits Antworten suchte, bevor mein Gegenüber fertig gesprochen hat. Natürlich kriegte ich noch mit einem Ohr mit, was er mir sagte, aber wirklich präsent war ich doch nicht mehr. Und bestimmt ist mir auch schon das eine oder andere unachtsame Wort über die Lippen, das zu harsch klang, zu impulsiv und auch verletzend. Wenn mir das im Nachhinein bewusst wird, wünschte ich, ich hätte meine Worte zuerst durch die drei Siebe des Sokrates gelassen:

Ist es wahr? Bin ich wirklich sicher, dass es so ist, wie ich sage, oder ist es nur eine Meinung oder gar Hören-Sagen?
Ist es gut? Ist das, was ich sage, gut, sind es meine Absichten?
Ist es notwendig? Muss ich das wirklich sagen oder könnte ich auch genauso gut schweigen?

So manches bliebe da wohl ungesagt und das wäre vielleicht auch besser. Worte können Waffen sein, sie können aber auch Freude bereiten. Schön wäre, wir würden mehr Worte der zweiten Sorte finden.

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir unsere Welt.“ (Buddha)

Wieso habe ich mich so blöd verhalten? Wieso ist mir bloss dieser Fehler unterlaufen? Was bin ich doch für ein Idiot? Keiner wird mich mögen, wenn ich mich so anstelle…. Die Reihe liesse sich beliebig erweitern und wohl kaum jemand, der nicht schon mal so von sich gedacht hat.

Den ganzen Tag schiessen Gedanken durch unseren Kopf. Die meisten davon nehmen wir nicht mal bewusst wahr, sie kommen, gehen und sind weg. Doch: Ganz weg sind sie nicht, sie haben eine Spur hinterlassen, eine, die wir nicht sehen, nicht direkt fühlen, die wir aber irgendwann wahrnehmen, weil wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten – und teilweise nicht wissen, wieso wir das so tun.

Wenn wir uns die Zeit nehmen, mal genau hinzuschauen, wenn wir uns unserer Gedanken bewusst werden, sehen wir, was wir uns den ganzen Tag erzählen – und: Die Botschaften sind nicht immer nett, oft sind sie auch abwertend, verurteilend, destruktiv. Wenn diese negativen Selbstbewertungen unbewusst bleiben, nagen sie nur tief in uns, wir können kaum etwas dagegen oder damit anfangen. Erst wenn wir uns ihrer bewusst werden, können wir lernen, besser damit umzugehen. Aber: Es wäre falsch, uns für negative Gedanken zu verurteilen, damit täten wir das Gleiche nochmals. Stattdessen sollten wir besser versuchen, liebevolle und mitfühlende Gedanken für uns selber aufzubringen, um so Positives zu säen.

Je öfter wir uns bewusst werden, was wir tun und versuchen, uns liebevoll zu behandeln, desto mehr positive Spuren legen wir in uns an, die sich vertiefen, verfestigen, zu neuen Denkgewohnheiten werden und sich schliesslich ganz in unserem Sein niederlassen.

Am Tag, an dem das Licht ausgeht,
die Seele schlicht am Boden liegt.
Am Tag, der dir den Atem nimmt,
und Dunkelheit das Hell besiegt.
Am Tag, an dem das Herz sich leert,
der Magen sich zum Klumpen staut.
Am Tag, an dem du nicht mehr magst,
sich hoch am Himmel Unheil braut.
An diesem Tag weisst du genau,
du nimmst dein Hab und gehst dahin,
an diesem Tag spürst du den Tod
und nirgends scheint ein Neubeginn.

„Vorstellungen sind mentale Muster, die nicht auf real existierenden Objekten beruhen.“ (Patanjalis Yoga Sutras, 1.9)

„Das kann ich nicht! Das schaffe ich nie!“

Ich erinnere mich an eine Motorradtour, bei der ich zum ersten Mal einen Beifahrer auf dem Motorrad hatte. Obwohl ich ein guter und sicherer Motorradfahrer bin, traute ich mir das zusätzliche Gewicht nicht zu und fand xxx Gründe, wieso das nicht gehen, wo ich Probleme haben oder anstehen könnte. Diese Gründe erzählte ich natürlich auch allen, die sie hören oder nicht hören wollten…

Kennst du das auch? Eine schwierige Aufgabe steht an, eine Prüfung, auf die du zwar geübt hast, aber trotzdem nicht an ein gutes Ergebnis glaubst – und schon sind die Gedanken da. Oder da ist da dieser nette Nachbar, den du dich trotz seines netten Lächelns nicht anzusprechen traust, zu überzeugt bist du, einen Korb zu bekommen. Nur: Wieso denkst du so?

Oft stellen wir uns vor, wie die Dinge misslingen, weil wir nicht an uns selber glauben. Wir trauen uns die Dinge nicht zu und werten uns schon im Vorfeld ab. Zudem: Wenn wir dann wirklich versagen, können wir uns immerhin darauf berufen, es ja gewusst zu haben. Zudem: Wie würde es andersrum auch aussehen, wenn wir dahin gingen und stolz verkündeten, die nächste Prüfung mit Bravour zu bestehen, Herausforderungen mit links meistern zu können? Wären wir dann nicht Aufschneider? Gehört es nicht zum guten Ton, etwas tiefzustapeln? Erhoffen wir uns dadurch nicht auch Sympathien. Unser Gegenüber wird sich hüten, uns im Negativen zu bestätigen, sondern gleich Gegensteuer geben und uns aufbauen. Uns quasi eine positive Haltung uns gegenüber zeigen.

Wozu wir in der Lage sind, zeigt sich immer erst dann, wenn eine Situation eintritt. Leider erfüllen sich Prophezeiungen oft und unsere Unkenrufe werden wahr. Wir haben zu wenig an uns geglaubt und dann auch zu wenig investiert. Es ist, als ruhten wir uns auf unserem eigens bereiteten Bett aus und wunderten uns dann, dass wir wirklich einschlafen.

Wirklich bringen tut uns das wohl alles nichts. Die durch die eigene Abwertung bekommene Zuwendung gilt nicht uns und unserem wirklichen Können, es ist eher eine der Situation geschuldete Spontanreaktion. Zudem ist Tiefstapeln nicht wirklich Bescheidenheit, sondern oft nur mangelndes Selbstwertgefühl, Angst oder gar ein Vorwand, nicht zu viel investieren zu müssen, da ein Erfolg sowieso aussichtslos erscheint – statt es einfach zu probieren (und eventuell sogar zu reüssieren…)

Wenn ich mir das nächste Mal also einrede, etwas nicht zu können oder zu schaffen, wieso schiebe ich dann nicht diese Gedanken zur Seite und tue es einfach?

(Die Fahrt mit meinem Sozius verlief übrigens problemlos, ich hätte mir viel ersparen können vorher, wenn ich einfach an mich geglaubt hätte).

„Mitgefühl und Wohltätigkeit befreien uns aus dem Gefängnis der Selbstbezogenheit und geben uns das Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein.“ (Thupten Jinpa)

Wenn wir nur mit uns selber beschäftigt sind, sehen wir uns oft als Nabel der Welt – und leiden entsprechend. Denn: Sobald etwas nicht läuft, wie wir das wollen, sehen wir uns als Opfer, denken, wir wären alleine damit und nur uns träfen solche Missstände.

Wir sind nicht allein. Alle Menschen erfahren Leiden. Alle Menschen wünschen sich Glück. Im Wissen darum erfahren wir, dass wir alle in einem Boot sitzen. Aus diesem Wissen kann sich Mitgefühl entwickeln. Das Überschreiten der eigenen Grenzen, das Gefühl der Verbundenheit lassen uns besser mit dem eigenen Leid umgehen. Wir treten hinaus aus den selbst gebauten Mauern und fühlen uns plötzlich als Teil eines Ganzen, nicht mehr als Einzelwesen, dem allein alles Leid zufällt.

Wenn wir aus diesem Mitgefühl heraus auch Gutes tun, Leidenden helfen, ihr Leid zu mindern, erfahren wir unsere Selbstwirksamkeit. Aus dieser speist sich wiederum ein gutes Gefühl auch in und für uns selber.

Niemand ist eine Insel. Die gegenseitige Anteilnahme und das gegenseitige Mitgefühl helfen, als Mensch unter Menschen in einer menschlichen Welt zu leben.

„Wie reich und mächtig wir auch sein mögen, ohne Mitgefühl erfahren wir keinen inneren Frieden.“ (Dalai Lama)

Wir leben in einer leistungsorientierten Welt, in der viele tagaus tagein damit beschäftigt sind, möglichst viel Geld und Ruhm anzuhäufen. Was dabei auffällt ist, dass es nie genug zu sein scheint. Im Gegenteil: Je mehr man vom beiden hat, desto mehr scheint der Ehrgeiz angestachelt, noch mehr zu haben.

Und so rasen ganz viele Menschen durchs Leben auf der Jagd nach mehr, in der Hoffnung, das Gefühl der Unzufriedenheit würde dadurch kleiner. Leider ist oft das Gegenteil der Fall. Innere Zufriedenheit und inneren Frieden werden wir nie durch das Erreichen äusserer Mittel erreichen. Sie stellen sich nur ein, wenn wir die Werte in uns pflegen und leben. Allen voran das Mitgefühl.