Rezension: Gisa Klönne: Die Wahrscheinlichkeit des Glücks

Der Anrufer war nicht ihre Tochter, statt Aline redete eine Männerstimme auf sie ein, eine fremde Stimme mit niederländischem Akzent, die seltsam gebrochen klang und ihre Botschaft viel zu schnell hervorschleuderte, nein schrie, immer wieder dieselben Worte, und noch bevor Frieda irgendetwas verstand, fühlte etwas tief in ihr bereits, welch furchtbarer, grausamer, nicht wiedergutzumachender Fehler ihre gestohlene halbe Stunde gewesen war.

Drei Generationen, eine Geschichte. Henny, Mutter von Frieda, einer Astrophysikerin und Grossmutter von Aline, einer jungen Tänzerin, lebt durch ihre Demenz immer mehr in der Vergangenheit und kämpft mit den Geistern derselben. Sie schenkt ihrer Enkelin zu deren Verlobung eine Schachtel mit geheimnisvollem Inhalt, der die junge Frau so durcheinander bringt, dass sie aufgescheucht auf die Strasse rennt und von einem Auto erfasst wird. Ihr Leben hängt an einem seidenen Faden, es ist an Frieda, Licht ins Dunkel zu bringen und das Geheimnis hinter der Schachtel zu lüften.
Mit der Suche nach der Wahrheit kommt sie auch ihrer eigenen Vergangenheit auf die Spur. Damit gerät die bislang so ordentlich eingerichtete Welt der ehrgeizigen Wissenschaftlerin ins wanken.

Autor
Gisa Klönne, geboren 1964, ist die Autorin von mittlerweile fünf erfolgreichen Kriminalromanen um die Kommissarin Judith Krieger. Daneben legte die unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnete Autorin mit »Das Lied der Stare nach dem Frost« und »Die Wahrscheinlichkeit des Glücks« aber auch zwei Familienromane vor. Gisa Klönnes Romane sind Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Köln.

Fazit
Liebe, Lebenslügen, Geheimnisse und Verrat vor dem Hintergrund historischer Ereignisse in Siebenbürgen/Rumänien geschrieben in einer lesbaren Sprache. Berührend, spannend, tiefgründig. Sehr empfehlenswert!

Angaben zum Buch:
KlönneGlückTaschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (1. März 2016)
ISBN-Nr.: 978-3492308212
Preis: EUR 9.99 / CHF 29.90

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Einmal wieder Jungfrau sein

Ich hatte heute meine Jungfernfahrt mit meinem E-Bike. Sprich: Ich habe mich velotechnisch als Senior eingestuft. Nachdem ich ganz beschwingt losfuhr, merkte ich bald (bei der ersten Steigung, um genau zu sein): „Mist, das geht doch ganz schön in die Beine.“ Ich schaltete den Motor hoch und höher, trat in die Pedale, kam dann doch ganz gut oben an (ich gestehe, ohne wäre das eine Tortur sondergleichen gewesen – wenn überhaupt in Angriff genommen….). Aber: Ein bisschen warm war mir geworden. Irgendwie hatte ich mich vor meinem inneren Auge locker flockig die Hügel rauf und runter sausen sehen… das schien etwas sehr positiv gedacht gewesen zu sein….An jeder Ampel äugte ich in die Autos neben mir und beneidete insgeheim die Fahrer. Die durften sitzen und lenken, während ich trampen (!!!) musste.

Auf dem Rückweg hatte ich gelernt, dass man vielleicht den Gang etwas runterschalten sollte beim hochfahren. Und dass es bergauf keine 30 km/h sein müssen. Das ganze Unterfangen war so schon viel beschwingter. Aber ohne trampen ging noch immer nix. So stand ich dann an einer Ampel. Neben mir ein sehr sportlicher Mountainbiker, vollgespritzt mit Dreck. Er blickte mich an, dann mein Bike, dann wieder mit. Ich lächelte leicht verlegen. Sagte: „Ich weiss, ich schummle.“. Er lächelt zurück. Ich sage: „Dafür radle ich dann bald locker beschwingt an dir vorbei. Aber – ich gestehe: Ohne schummeln käme ich den Hügel kaum hoch.“. Er lächelt und sagt: „Ach was, das ist toll – immer noch besser als ein Auto.“ Ich sage ganz erleichtert: „Das dachte ich eben auch. Und trampen muss ich ja trotzdem.“ Er stimmte mir vollumgänglich zu und lächelte noch breiter.

Wir überholten uns gegenseitig noch einige Male, dann verloren sich unsere Wege. Zurück blieb ein beschwingtes Gefühl, mit dem ich mich nach Hause trampte. Und morgen geht es wieder los. Trampend.

Rezension: François Roux: Die Summe unseres Glücks

So, wie ich aufgrund meines zarten Alters schon den Mai 1968 verpasst hatte, sollte ich auch diesen 10. Mai und jede Menge zukünftige Mairevolutionen verpassen- natürlich immer aus den allerbesten Gründen. Mit der Zeit entwickelte es sich übrigens fast zu einem Charakterzug, dass ich immer abseits der grossen Ereignisse stand, die meine Welt genauso prägen wie die der anderen.

François Mitterand gewinnt die Wahl, Rodolphe und seine Freunde feiern mit ganz Frankreich – die ganze Nation ist in Aufbruchstimmung. Rodolphs Weg führt in die Politik, er lebt den Erfolg, doch der hat seinen Preis – auch seine Freunde bezahlen für ihre Wege einen Preis. War er zu hoch? Mussten sie zu viele Opfer bringen, um ihre Ziele zu erreichen? Wo blieben ihre Träume aus der Jugend? Dies alles sind Themen, als sch die Freunde nach vielen Jahren wieder treffen.

Ein Buch über das Leben, die Lebenswege, den Preis, den man dafür zahlt, aber über Freundschaft und die Frage nach dem Glück.

Zum Autor
François Roux, geboren 1957, ist ein französischer Autor und Regisseur, dessen Filme auf internationalen Festivals mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Sein Roman »Die Summe unseres Glücks« wurde vom französischen Publikum und der Literaturkritik gleichermaßen euphorisch aufgenommen.

Fazit
Sprachlich eleganter und gut lesbarer Generationenroman, der die politische Vergangenheit (und Gegenwart) Frankreichs durch die Lebensgeschichten der Protagonisten erfahrbar macht.

Angaben zum Buch:
RouxGlückGebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: Piper Verlag (5. Oktober 2015)
Übersetzung: Elsbeth Ranke
ISBN-Nr.: 978-3492056939
Preis: EUR 24

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Wie die Mücke zum Elefanten wurde: Handshake

In der Schweiz kocht es mal wieder: Zwei Pubertierende wollen der Lehrerin die Hand nicht geben. Sie kamen damit durch. Die Pubertierenden waren Muslime, argumentiert wurde religiös.

Die Stimmen werden laut:

Unsere Kultur verlangt das Händeschütteln zur Begrüssung. Das geht gar nicht, dass das verweigert wird.

oder:

 Der Koran verbietet das gar nicht, das ist überzogen. Wie kann man nur, was geht da ab?

Ich musste als Kind nie einer Lehrerin die Hand geben. Einem Lehrer übrigens auch nicht (zum Glück, ich gebe nicht jedem gerne die Hand…man weiss nie, was der mit seiner vorher tat 😉 ). Ich weiss nicht, wann das eingeführt wurde und was der Zweck dafür sein soll. Wohl Beziehungsbindung, die man dann mit Einträgen für jedes noch so kleine Vergehen wieder kaputt macht (kannten wir in dem Stil auch nicht).

Was mich in der ganzen Sache etwas nervt ist folgendes: Da wird zwei Teenagern, die grad mit ihren Hirnzellen kämpfen wegen pubertär verursachten Umstrukturierungen ihres Hirns, eine Plattform geboten, die schlicht lächerlich ist. Das Ganze wird dann instrumentalisiert, um generell gegen Ausländer, Muslime im Speziellen, zu stänkern.

Wer nun findet, man müsse früh eingreifen, denn das gehe auf Kosten der Frau, welcher zu wenig Respekt gezollt wird, den möchte ich nur das fragen:

 Fördert ein erzwungener Handschlag den Respekt wirklich?

Andere Kulturen mögen andere Frauenbilder haben. Die gefallen mir nicht, die scheint man (nach aussen – es gibt sie ja auch bei uns, man beachte nur unsere Werbung und mehr….) hier abzulehnen. Diese Frauenbilder werden nicht ändern, weil man Pubertierende massregelt – oder eben durchmarschieren lässt. Die Frauen hierzulande haben es in der Hand, welchen Mann sie wählen, die Männer, welcher Frau sie gefallen wollen. Schlussendlich fängt Respekt im Hirn an, nicht bei der Hand, die eine andere berührt – Wirklicher Respekt kann nie erzwungen werden.

Facebook – da traut man sich was

Kürzlich kam es auf Facebook zu einer Diskussion. Das Thema interessierte mich nicht wirklich, trotzdem habe ich (mein Fehler) irgendwann (mehr beiläufig, denn durchdacht) einen Kommentar dazu gegeben. Die selbsternannten Experten in der Sache schossen sich gleich auf mich ein, drehten mir die Worte im Mund rum, bis ich sagte, die Diskussion sei für mich hier beendet. Dies kam nicht gut an, ich fühlte mich schuldig des Diskussionsabbruchs, schob was nach, um dann zu hören:

Liebe Sandra, ich habe dich hier missbraucht, um etwas zu beweisen.

Erst wollte ich schreiben, dass dies weder logisch noch formal als Beweis qualifiziere, ich liess es, denn: Einem Menschen, der Menschen MISSBRAUCHT, um seine Wahrheiten durchzudrücken, muss ich nicht noch mehr Aufmerksamkeit geben. Besagte Person schoss noch ein paar mal gegen mich, es schien ihr wichtig, ich liess es stehen.

Kurz darauf stellte ich ein Bild einer Yogapose ins Netz. Eine FB-Freundin meinte, mir sagen zu müssen, dass das Bild eklig sei, da ich viel zu dünn sei. Ich solle das sofort löschen. Überhaupt könne man bei dem Anblick nie glauben, dass ich überhaupt je esse, was ich ab und an ins Netz stelle. Früher hätte ich mich gerechtfertigt, von vielen Stunden auf der Matte und anderen Dingen erzählt. Ich habe den Kommentar gelöscht und sie entfreundet.

Es geht mir nicht drum, dass keine Kritik sein darf. Ich kann diskutieren, gerne auch kontrovers. Aber: Ich möchte a) den Respekt gewahrt wissen und b) in den sozialen Medien eigentlich entspannen und mich nicht danach schlecht und schlechter fühlen.

Was ich mich aber frage: Ist das die Welt heute? Jeder pisst dem anderen ans Bein? Weil man es kann, weil man ja seine Meinung haben und sagen darf – egal, was dabei rauskommt, egal, wen man verletzt, egal, was man kaputt macht? Freie Meinung über allem?

Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden: Die Meinungsäusserungsfreiheit ist wichtig und richtig und ein Grundrecht, das für mich unanfechtbar ist. Aber: Kann man damit wirklich alles rechtfertigen? Noch vor diesem Grundrecht steht nämlich:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Die Reihenfolge ist nicht beliebig, sie ist durchaus hierarchisch. Allerdings scheint das keinen mehr zu kümmern im Zeitalter der schnellen Kommentar-Klick-Online-Gesellschaft. Man schiesst munter drauf los. Ist einer verletzt? Sein Problem! Ich lebe die Meinungsäusserungsfreiheit und überhaupt: Was kümmern mich die Gefühle anderer, Hauptsache ich habe meinen Spass und bin cool. Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass man Social Media mit SM abkürzt?

Das Tattoo

Claudia wusste: Nun war es soweit, nun musste eines her. Sie machte nun schon seit vielen Jahren Yoga, in der Szene hatten alle Tattoos. Also viele. Also eigentlich war egal, wer eines hat, sie wollte eines. Zwar sagte sie schon lange, dass sie gerne eines hätte, aber den Schmerz scheue und nicht wisse, was genau und wo, aber so ganz durchringen konnte sie sich nie. Das war nun anders. Sie wusste genau, was es sein sollte. Und sie wusste auch, wo es hin musste:

  • Ein Schriftzug auf den Fussrist
  • Ihr Logo auf den Deltoid (sorry, Fachgesimpel: Schulter-Oberarm)
  • Ein Om-Zeichen auf den Knöchel
  • Ein Schriftzug auf den inneren Oberarm
  • Ein Schriftzug auf den Nacken

Weitere sollten folgen – natürlich eines nach dem anderen, aber begonnen würde mit dem Fuss.

Nachdem das nun mal klar war, ging es darum, den richtigen Tätowierer zu finden. Wer könnte besser helfen als Facebook? Claudia startete also eine Umfrage und erhielt fast so viele Namen wie Antworten kamen. Aber: Ein Name kam mehrfach, den wollte sie. Der Zufall wollte es, dass der auch gleich um die Ecke von ihr war – umso besser. Claudia griff kurz entschlossen zum Hörer (sich innerlich selber über ihre Entschlossenheit freuend).

Nach kurzem klingeln hob Matteo ab. Der gewünschte Tätowierer sei leider in den Ferien, ob auch ein anderer gehe. Claudia verneinte. Matteo wollte in einer Woche wieder anrufen, dann sei der Körperkünstler zurück. Die Zeit verrann, auch der versprochene Termin für den Rückruf. Eines Tages klingelte das Telefon. Matteo. Sie könnten nun einen Termin abmachen. Claudia schluckte leer. Das kam nun doch sehr unvermittelt. Leicht stotternd meinte sie: „Super, machen wir……. wann?“

Matteo: „Morgen?“

Claudia:…..

…. ….. …

…. …. ….

Claudia: „Nein, morgen kann ich unmöglich!“

Matteo: „Ok, Montag in 2 Wochen.“

… … …

Claudia schluckt (wohl laut hörbar) und sagt (leicht zögerlich): „Ok, prima, das passt.“

Matteo: „Gut, dann buch ich dir den Termin bei Raffael, du musst nur eine Vorauszahlung machen – online oder kommst du vorbei?“

Claudia (noch immer mit ganzer Froschfamilie im Hals): „Öhm, also, ich denke, also…wohin müsste ich kommen?“

Matteo: „Na, in die Filiale XYZ.“

Claudia überlegt… Aus ihrer Recherche wusste sie, dass ihr gewünschter Stecher (also mit Tinte) nicht in der Filiale agierte.

Claudia: „Wer ist der Tätowierer?“

Matteo: „Raffael – deiner ist krank, wir wissen nicht, wann er wieder da ist.“

[Regieanweisung: Ein (ganz bestimmt gut hörbarer) Plumps des Steins, der von Claudias Herzen fiel.]

Mit dem Grundton der Überzeugung sagte Claudia resolut: „Nein, einen anderen Künstler lasse ich nicht an meine Haut! Ich wünsche ihm gute Besserung und ruft wieder an, wenn er gesund ist.“

Matteo versprach, das zu tun. Claudia kriegte erstmals seit dem Anfang des Telefonats wieder gut Luft.

Der Weg der Gelassenheit

Kürzlich regte ich mich auf. Aber sowas von. Ich weiss gar nicht mehr, worüber, aber: Das ist meist eh nicht relevant, man regt sich ja über alles auf. Man überlegt dabei selten, was man sich selber damit antut, sondern man ist grad so schön drin in der Aufgeregtheit. Schliesslich hat man ja Grund. Sagt man sich.

Ein Bekannter meinte süffisant: „Macht Yoga nicht gelassen?“ Meine Antwort war klar schlagfertig: „Du kanntest mich vor Yoga nicht.“ Aber es hing nach. Da war in der Tat noch Luft nach oben.

Heute fühlte ich mich in der Theorie bereit für den Weg. Frei nach dem Motto

Du hast ein Problem? Kannst du es lösen? Prima, wieso sorgst du dich? – Du kannst es nicht lösen? Wieso sorgst du dich?“

gehe ich nun den Weg der Gelassenheit. Seit ich ihn gehe, sind doch schon ein paar Stunden vergangen. Ich behaupte nicht, er wird immer gelingen, aber: In der Theorie klappt er schon ganz gut!

Wer bin ich?

Wie oft
hab’ ich mich gefragt,
was andere erwarten?
Wie oft
habe ich gemacht,
was andere forderten?
Oder dacht’ ich nur,
sie fordern es?
Weil ich selber dachte,
es müsste sein?

Woher kamen
die Gedanken?
Aus Erfahrungen,
die ich gemacht?
Von falschen Erwartungen?
Oder gar
von mir?
Hab ich es
in andere
projiziert?

Wer bin ich,
wenn ich nur erfülle?
Müsst’ ich nicht
ich sein?
Um wirklich
zu sein?
Wer bin ich?
Und:
Wer bestimmt’s?

Die Frau – nur Objekt?

Du bist ein toller Mensch. Ich bin gern mit dir zusammen.

Wer hört es nicht gerne. Wer möchte nicht gemocht werden? Der Mensch ist ja grundsätzlich ein soziales Wesen (auch wenn ich bei mir ab und an daran zweifle, da ich sehr gerne allein bin, Zeit für mich brauche, Jubel und Trubel eher meide.

Und doch: Es ist schön, wenn man Menschen um sich hat, mit denen man gerne zusammen ist, gerne spricht, auf einer Welle schwingt. Umso trauriger ist es, wenn diese plötzlich auf Distanz gehen. Nicht, weil man etwas falsch gemacht hätte, nur, weil man eine Frau ist, die keine Beziehung will.

Das schmerzt. War man nicht mal ein toller Mensch? Gilt das nur so lange, wie man als „Objekt“ verfügbar ist? Ich weiss, das ist sehr plakativ und krass ausgedrückt, aber irgendwo stimmt die Reduktion doch. Klar, es kann keiner für seine Gefühle. Klar ist auch, dass es schmerzen kann, mit jemandem zu „verkehren“ (das ist nicht zweideutig gemeint), in den man unerwidert verliebt ist. Nur verliebt sich ja nicht gleich jeder aufs erste Wort. Und es ist mir nun doch schon einige Male passiert.

Sind Frauen per sei einfach mal Beziehungsobjekte? Oder gar doch nur Sexobjekte? Wo bleibt das „Mit dir kann ich gut reden“, „du bist intelligent“ und „ich fühle mich wohl in deiner Gesellschaft“, wenn die Option auf mehr stirbt? Stirbt mit? War nie da und nur Schleimerei?

So oder so: Es bleibt ein schaler Geschmack zurück und ab und an der Gedanke, mich generell zurückzuziehen, da ich darauf einfach keine Lust mehr habe.

Thementorten oder: Wie Knete die Küche eroberte

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http://home.arcor.de/top-torten/Bilder/Thementorten/l11.jpg

Ich seh in letzter Zeit immer wieder diese Thementorten. Dafür werden meist Tortenböden gebacken, diese mit Crememasse geschichtet, dann die Hälfte wieder abgesäbelt, um alles in Form zu bringen. Am Schluss wird in Feinstarbeit von Hand Deko gestaltet. Da wird geknetet, mit Zirkel, Massstab und Stift gemessen und dann zurechtgeschnitten. Am Schluss wird alles angedrückt, festgepresst und noch mit letzten Handgriffen in Form gebracht. Und: Es sieht wunderbar aus.

Damit könnte mein Bericht fertig sein und wäre eine Lobhudelei auf wunderprächtige Thementorten. Dem ist nicht so. Als ich heute bei einem Video zuschaute, stiess mir eines sauer auf: Die Hälfte des Bodens und der Crememasse macht man für die Tonne. Die wird weggesäbelt und weggeworfen. Klar ist es ein wenig pingelig, nun die armen verhungernden Kinder in Afrika ins Boot zu holen als Argument, aber irgendwie fand ich das doch Verschwendung. Wer mir nun sagt, der Bäcker isst das alles selber, dem glaub ich nicht, es sei denn, er zeigt mir all die kugelrunden Konditoren, welche diese Kunstwerke quasi wie vom Fliessband produzieren.

Aber noch viel mehr: Der Gedanke, dass da jemand an meiner Torte rumgedrückt, geknetet, mit was weiss ich gemessen, gezirkelt und geschnitten, dann nochmals gedrückt hat, verdirbt mir schlicht den Appetit. Essen würde ich das nie nie nie wollen. Ich weiss, ich bin sehr heikel, das ist sicher nicht die Norm. Und doch: Kunst schau ich gerne im Museum an, auf dem Teller mag ich Nahrung. Die darf schön angerichtet sein, muss aber dazu nicht betatscht, geklebt und hälftig für die Tonne produziert sein.

Apfelringe – oder: Meine Zähne – oder: Gesund essen

Ich komme ja langsam in ein Alter (hüstel), in dem man schauen muss, was man tut, um gesund zu bleiben. Das war in ganz jungen Jahren (hüstel) noch nicht so wichtig (ok, wäre es auch gewesen, wurde aber erfolgreich ignoriert und dies hatte keine offensichtlichen Auswirkungen), sollte nun aber in Angriff genommen werden. Frau will ja noch ein Weilchen leben und dabei nicht aussehen, als ob sie schon eine ganze Weile gelebt hätte.

Ich kaufte mir also Apfelringe. Die sind quasi wie Pommes Chips (steckt ja sogar Apfel im Nahmen drin), nur in gesund. Dachte ich. So als Knabberspass für zwischendurch also die perfekte Lösung. Davon ging ich aus. Wer hier nun mutwillig ein Aber hineinlesen will, dem sei gesagt, dass er den guten Ringen zu wenig Vertrauen schenkt und vorschnell urteilt, aber: Er hätte recht. Ein bisschen.

Ich steckte einen solchen Ring in den Mund. Es gab sie ja in verschiedenen Geschmacksvarianten, von neutral über Vanille bis hin zu Zimt. Ich wählte alle, probierte zuerst die Zimtvariation. Ich hatte ihn also im Mund, den gesunden Knabberspass mit Zimtgeschmack. Er war wirklich lecker zimtig. Ich wollte zubeissen, doch das ging nicht. Das Teil war irgendwie hartgummig von der Konsistenz. Aber lecker im Geschmack. Ich versuchte es mit lutschen, wäre doch gelacht, wenn ich den Ring nicht weich kriegte. Ich lutschte lange, der Geschmack war mittlerweile weg, wirklich beissbar war das gute Teil noch immer nicht.

Ich gab mir Mühe, mahlte, malmte, biss. Langsam spürte ich eine marginale Verkleinerung. Es waren nun zwei Teile. Mehr Geduld hatte ich nicht mehr. Ich versuchte, diese runter zu würgen. Es kratzte im Hals (also immer noch nicht weich genug), blieb mal kurz stecken, rutschte dann mit einem Schmerz runter.

Ich habe die Natur- und die Vanille-Version gleich mit dem angebrochenen Pack der Zimtäpfel entsorgt und mir das Original von Zweifel geholt. Knack, knack, knack – weg. Und lecker sind sie allemal. Gesund? So gesund kann etwas auch nicht sein, das man a) nicht beissen, b) nicht lutschen und c) nicht ohne Aufreissen der gesamten Speiseröhre schlucken kann.

Autos und die moderne Technik

Heute fuhr ich ins schöne Uster. Ich wohnte mal nahe dran, es war also quasi ein Heimkommen (ok, das ist es nach meiner Umzugfrequenz an eher vielen Orten). Ich parkte auf einem grossen Parkplatz vor dem orangen Riesen, ging einkaufen, kam raus.

Ich wollte die Einkäufe im Kofferraum verstauen. Ging zielstrebig auf mein Auto los. Ich langte in meine Manteltasche und drückte auf den Knopf zum Öffnen der Türen. Nix ging. Ich drückte nochmals. Immer noch nichts.

Mist. Das Teil geht nicht durch den Mantel durch. Ich fummle in der Tasche rum, um den Schlüssel raus zu kriegen, leider sind da zwei Schlüsselbunde drin mit jeweils gleichem Anhänger, so dass die Herausnahme schwierig wird. Aber: Ich schaffe es. Ich drücke nochmals.

Nichts. Ich fluche innerlich. Die Batterie (oder was auch immer in dem Teil drin ist) geht nicht mehr. Eine andere Lösung gibt es nicht, moderne Autos öffnen nur so. Ich hasse Technik. Früher war es einfacher. Das Fenster ging auf, wenn man kurbelte, die Tür, wenn man den Schlüssel ins Schloss steckte und drehte. Und nun? Nix mehr.

Ich schaute verzweifelt auf das Auto und fragte mich, wie ich je nach Hause käme. Da fiel mir auf: Wo ist mein Aufkleber? Keiner da. Das kann nicht mein Auto sein. Ich blicke zu Boden. Das war auch nicht meine Parkplatznummer. Ich blicke nach links. Da steht er. Mein Wagen.

Was ess‘ ich bloss?

Da sitzt man, stellt ganz unbedarft – es ist grad Trend, man macht mal mit – sein Essen online. Nie hätte man gedacht, was ein einfaches Essensfoto auslösen könnte.

Du isst Leichenteile….DU bist Schuld am Leid aller Tiere auf dieser Welt.

Man ist nicht ganz abgebrüht, nimmt sich Kritik zu Herzen. Man schaut all die grausamen (!!!) Videos an, die einem präsentiert werden. Man sieht kleine Küken, die lebendig in Abfallsäcke entsorgt, Schweine, die lebendigen Leibs ins kochende Wasser geworfen werden, Rinder, die kaum Platz zum Stehen haben und Ferkelchen, welche auf Gitterrosten zusammengepfercht dahin vegetieren. Und man denkt sich:

Was bin ich für ein Unmensch!!!

Man entschliesst sich aus vollem Herzen: Ich esse kein Fleisch mehr. Man stellt das nächste Bild online. Denkt: Nun ist alles gut. Weit gefehlt:

Die armen Milchkühe, die armen Kälbchen, die armen Bienen – du bist an ihrer Ausbeutung schuld.

Man merkt: Vegetarier zu sein war kein guter Anfang, das war schlicht nichts, noch immer verantwortet man das Leid weltweit. Man versucht sich noch mit Rechtfertigungen wie:

Das ist Biokäse –  von Biokühen auf Biohöfen -, die fröhlich durchs Gras hüpften…

Hilft nichts. Nur vegan geht. Nicht für mich. Zumindest nicht generell. Aber man stellt mal ein veganes Rezept ein und denkt: Nun ist alles gut. Weit gefehlt. Denn die Antwort ist:

Warte doch mit dem Rezept, bis die Tomaten von selber reif vom Strauch fallen

Ich bin nahe dran, mir ein dickes, fettes Steak in die Pfanne zu hauen und allen eine lange Nase zu zeigen – würde ich mich nicht ganz wohl fühlen mit meiner Ernährung. Was mir aber immer wieder auffällt:

Ernährung ist schlimmer als jede Religion. Nirgends predigen und missionieren so viele Menschen, welche die Wahrheit zu kennen glauben.

Wann?

Wir haben getanzt
Wann ist die Musik verstummt?
Oder hören wir sie nicht mehr?

Wir haben gesungen.
Wann sind die Melodien verklungen?
Oder haben wir keine Stimme mehr?

Wir haben gelacht.
Wann ist der Humor verschwunden?
Oder verstehen wir ihn nicht mehr?

Wir haben geträumt.
Wann sind die Träume geplatzt?
Oder haben wir sie zerstört?

Wir haben geliebt.
Wann sind die Gefühle erkaltet?
Oder trauen wir uns nicht mehr?