Bürokratie lässt grüssen

Ich las von Aktionen. Heute haben die einen Hashtag. Das ist ein Wort mit einem Gartenzaun davor: #hashtag. Soll Menschen im Social-Media-Bereich helfen, Gleichgesinnte zu finden. Früher ging man in den Turn- oder Feuerwehrverein. Dann wusste man: Da sind welche, die wollen dasselbe wie ich. Heute hat man Hashtags.

Unter dem Hashtag #yarnbomb findet man Bilder von Objekten, die umhäkelt oder umstrickt wurden. Laternenmasten, Bäume, Brücken, Räder – alles wurde mit Garn umwickelt und mit Hashtag versehen. In den USA ein grosser Trend, in anderen Ländern kommt es auch. Ich fand die Idee toll, da ich ziemlich verliebt in meine Häkelnadeln bin. Und noch mehr: Ich sah darin ein Projekt, sah Bilder, Bücher und Botschaften drin. Rundherum hiess es: Mach, klingt toll, super Aktion.

Da ich keine 20 mehr bin, zudem ein Kind habe, mit dem man gewisse Bürokratiehürden überstand, dachte ich: Kann das so einfach sein in der Schweiz? Ich denke nicht! Ich fragte auf Twitter bei der Stadtpolizei Zürich nach. Und erhielt sofort Antwort mit Telefonnummer. Super Dienstleistung. Das muss mal gesagt sein und das meine ich ernst! Ich rief am nächsten Morgen an. Ein sehr netter Herr am Telefon, der sofort wusste, worum es geht. Auch das: Eine tolle Leistung, für eine – wie ich finde – Banalität. Wer hier Spott oder Häme reinliest, liegt falsch. Ich schätze diese Dienste.

Ich schilderte mein Anliegen. Der nette Herr (er hatte eine wirklich sehr schöne Stimme) erklärte mir, wo im Netz ich das nötige Formular finden würde, das ich ausfüllen sollte. Denn: Einfach so einhäkeln gehe nicht. Das hatte ich mir eigentlich gedacht, entgegen all der Stimmen „mach nur“. Das Formular umfasste 5 Seiten. Ziel, Zweck, Inhalt, Auswirkungen, Dauer, Intentionen und vieles mehr sollte ausführlich geschildert werden. Das war aber nicht alles. Das ausgefüllte Formular käme dann vor ein Gremium. Es gibt eine Abteilung namens „Kunst im öffentlichen Raum“, welche in einer Frist von 6 Wochen entscheiden wird, ob das wirklich Kunst ist und durchgewinkt wird, oder ob das nicht geht.

Gesetzt den Fall, man käme durch, wäre das nicht das Ende. Nun müssten die Elektrizitätswerke gefragt werden, ob ihre Laternenmasten umhäkelt werden dürfen. (Ich wollte übrigens nur eine Binde von 10cm häkeln). Mein kurzer Einwand, ich könne auch Bäume nehmen, wurde gleich abgeschmettert: Bäume gehen gar nie, da kriege ich nie eine Erlaubnis.

Fazit: Ich häkle wieder Decken, Kissen und Tierchen. Die Botschaft, die mir vorschwebte, „Herz statt Gewalt“, werde ich weiter leben, beschreiben und in meine eigenen Projekte legen. Und ab und an beneide ich ein wenig meine Häkelfreunde in den USA, die einfach Dinge einhäkeln und damit die Welt ein wenig bunter machen.

2 Gedanken zu “Bürokratie lässt grüssen

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