Werbung oder: Der Fluch der Adjektive

AuftrittEs war Samstag. Wie jeden Samstag führte mich mein Weg zum Samstagseinkauf. Quer durch die Randgebiete Zürichs hin zum anvisierten Laden. Da der Hund auch Auslauf braucht, fuhr ich nicht, ich ging. Beim Gehen sieht man mehr als beim Fahren. Drum erlaufe ich mir Orte gerne. Sie wirken ganz anders. Es war also Samstag, ich erging meinen üblichen Samstagsweg. Und da sah ich es. Das Plakat. Und ich las, was drauf stand, da ich alles lese, was sich mir in Buchstaben darbietet.

Mit einem persönlichen Auftritt von Michael Flatley.

Zuerst dachte ich mir wenig. Dann stutzte ich. Und ich fragte mich: Wenn er auftritt, dann ist er ja da. So quasi persönlich. Wenn also hier ein „persönlicher Auftritt“ angekündigt ist, wie sähe dann ein unpersönlicher Auftritt auf? Gibt es das? Oder war hier mal wieder ein übereifriger Werbetexter am Werk, der ganz cool alle Adjektive in die Manege warf, die ihm grad in den Sinn kamen?

Ich tendiere, nach reiflicher, ganz tiefgehender, ultimativ substantieller, alles durchdringender Überlegung zur Variante mit dem Werbetexter. Ich find die Werbung aber nicht cool.

11 Kommentare zu „Werbung oder: Der Fluch der Adjektive

  1. Vielleicht ist er eine multiple Persönlichkeit und man weiss nicht imner genau, als wer er auftritt. Diesmal aber ist die Medikamentenabgabe gesichert und darum darf man auf einen persönlichen Auftritt hoffen.

    Oder er lässt sonst Doppelgänger und Hologramme auf die Bühne.

    Aber vermutlich hast du recht, mit dem Werbetexter auf Speed!

    *grmbl*

    😇

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  2. Jetzt finde ich leider den entsprechenden Artikel nicht mehr. „Werben & Verkaufen“ hat vor einem halben Jahr (glaube ich) den eigenartigen Trend zur sinnfreien Verwendung von Adjektiven in der Werbung thematisiert. Dadurch beraubt sie – die Werbung – sich einer großen Stärke. Ich finde Spots und auch Plakatwerbungen leben von Interpretationen. Plakativ (haha…) kann jeder, aber in meinen Augen wirkt etwas deutlich stärker, wenn das eigene Hirn vielleicht die eine oder andere Windung nehmen muss.

    Abgesehen davon hebt sich die eine Werbung von der anderen kaum noch ab, wenn beide mit den üblichen „Keywords“ um sich werfen. Etwa „persönlich“, „nachhaltig“, „sukzessive“, „innovativ“, „vegan“, „vollumfänglich“…

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    1. Ja, es kommt einem so vor, als ob die denken: Je mehr da steht, desto besser klingt es. Und jeder Superlativ macht es dann noch besser (vermeintlich). Die Dinge sind dann nicht mehr ultimativ, sondern am ultimativsten. Und damit ultimativ schlecht. Oder so 😉

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      1. Oh, das nehme ich mal als Steilvorlage für die Behauptung, dass diese Art und Weise, Sachverhalte aufzumöbeln, schon relativ fest im Alltag verwurzelt ist:
        https://dampfbloque.wordpress.com/2015/10/22/alles-ist-so-unendlichst-bombastischst/

        Das macht es natürlich nicht weniger „schlimm“, wenn die Werbung sich dieser Worthülsen bedient, nur um ein Wort verwendet zu haben. So wirkt es nämlich oftmals. „Och, hier noch ein Adjektiv, da noch ein Superlativ…“

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        1. Klar, normal ist nicht mehr gefragt, nicht mal gut ist gut genug. Es muss besser sein. Besser als alles, was je war und das Beste, was man überhaupt zu erreichen denken nur könnte. Mit weniger gibt man sich nicht zufrieden, darf man fast schon nicht mehr, weil man sonst schief angeschaut wird und gefragt: „Was, das ist alls?“

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        2. Ich erwähne gerne mal wieder die Anekdote der „Übertrumpfung:

          In einer Strasse hat es 4 Bäckereien

          – Bäckerei 1 wirbt mit dem Slogan „Beste Bäckerei der Stadt“
          – Bäckerei 2 mit „Beste Bäckerei des Landes“
          – Bäckerei 3 mit „Beste Bäckerei der Welt“

          Was blieb also für Bäckerei 4? Galaxie? Nein:

          „Beste Bäckerei in dieser Strasse“

          Untertrumpfen! 😆

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