Medien und Moral

Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres, als wenn ein Kind stirbt. Schon die, welche davon Kenntnis haben, kriegen einen Stich, wie es für die Eltern sein muss, kann man sich wohl kaum vorstellen. Man kennt nur die Angst als Mutter oder Vater, es könnte so sein. Und die ist schon gross genug.

Stirbt ein Kind eines sogenannten Promi, wird das Ganze zum Ereignis, zum Happening, über das die nächsten Tage berichtet wird – erst über den Umstand an sich, danach assoziativ. Und wo berichtet wird, fallen Kommentare an. Einige wünschen den Hinterbliebenen Kraft, andere finden das doof und setzen einen Daumen nach unten (was Facebook bis heute nicht schaffte, hat die Kommentarfunktion der plakativsten Zeitung der Schweiz schon lange. Ob es gut ist? In solchen Fällen zweifelt man!). Einige finden, dass so viele Kinder sterben, wieso man so ein Brimborium um diese Promikinder macht, und Dritte haben sonst was zu mosern, wollen ihre Philosophien oder anderen Unverständlichkeiten loswerden.

An diesem Punkt ist das Kind, das nicht mehr lebt, vergessen. Es geht auch nicht mehr um die Eltern und ihr Leid. Wir sind nun schon weiter. Hier bringt sich jeder selber ins Spiel. Die Medien wittern Klickzahlen, die Kommentierenden wollen sich profilieren oder zumindest selber ins Spiel bringen.

Dass nicht über jedes Kind berichtet wird, liegt in der Natur der Sache: Die Medien erfahren selten davon. Würden sie davon erfahren, stellte sich für sie die Frage: Interessiert das die Leser? Tote Kinder sind immer ein Hingucker, da aber täglich sehr viele Kinder sterben, würden Zeitungen zu Büchern voller Berichte vom Tod. Das würde keiner mehr lesen wollen (und ertragen können). Wenn aber ein Promi betroffen ist, dann erfährt man davon und man hat mehrere Punkte, die ziehen: Ein totes Kind, einer, den man kennt und ein Thema, das man ausschlachten kann. Und das tut man dann. So lange und so weit es eben geht.

Kann man es verurteilen? Klar, man kann sagen, das sein reine Sensationshascherei, es sei Profitgier der Medien und ethisch verwerflich. Nur: Wie viele Klicks hätte ein Bericht, der einfach mal vom Leben des Promis berichtet, wie er seinen Sohn wickelt, ihm die Flasche gibt? Da würde man denken: Who cares, alles normal. Wenn nicht noch ein paar Fotos der Wohnung mit dabei wären oder sonstige Intimas: Absolut uninteressant. Stirbt das Kind aber, klickt jeder. Da wird es interessant.

Genau darauf bauen die Medien. Sie rechnen mit unserer menschlichen Neigung, mit unserer tief verwurzelten (wohl animalischen) Neugier. Wir wollen uns suhlen, wir wollen eintauchen, wir wollen im trüben fischen, wollen Abgründe sehen, wollen Emotionen geliefert kriegen. Das alltägliche Leben haben wir selber genug, gefragt sind die Ausbrüche. Und genau damit arbeiten Medien.

Ihnen einen Vorwurf zu machen, wäre eine Doppelmoral sondergleichen. Wir sind und bleiben Tiere. Wir haben Instinkte, wir haben Triebe. Wir können sie hinterfragen, wir können sie moralisch bewerten. Wir können sie zu einem gewissen Grade auch beherrschen, aber: Sie sind da. Von einem Profitunternehmen zu fordern, sie nicht mehr zu bedienen, wäre in der heutigen sehr wirtschaftslastigen Zeit wohl eher blauäugig. Man könnte bei sich selber anfangen und einfach nicht mehr draufklicken. Denn: Wenn keiner mehr klickt, stirbt – wegen mangelndem Interesse – das Interesse der Medien, solche Themen durch den Endloswolf zu drehen.

Rezension: Maria Spassov – Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer

Ich bau mir meine Welt, wie sie mir gefällt

Ich habe in letzter Zeit einige Bücher zu Themen wie Innendekoration, Innenarchitektur und Homedesign gelesen. Ich klickte mich im Internet durch Bilder zu ähnlichen Themen, auch Newsletter von verschiedenen Plattformen zeigten solche. Was mir immer mehr auffällt: Es wird immer weisser. Kaum mehr ein Akzent, alles weiss, alles clean.

Zeiten haben immer Tendenzen: Die 60er waren bunt und wild, die 70er taten es ihnen gleich, die 80er eigentlich auch. Dann wurden die Formen klarer, die Farben nahmen ab. Die 90er waren eher düster, die Jahrtausendwende überschattete irgendwie Farbe und Form – und nun? Was bleibt von heute? Keine Kanten, keine Akzente, alles aalglatt, weiss und unschuldig. Und dies in einer Zeit, die so ganz anders ist – eigentlich.

Ist Mode und auch Innendekoration immer ein Gegengewicht zur Welt draussen? Richtet man sich zu Hause das ein, was man gerne im Leben hätte? Draussen alles düster, die Welt kalt und grausam, wir machen uns ein lichtes, helles Zuhause? Nur ist das ganze Weiss auch sehr kalt. Sehr unpersönlich. Das würde wiederum die Zeit selber widerspiegeln.

Wenn ich so bei mir selber schaue, widerspiegelt mein Zuhause immer mich selber. Und ja, es ist meine Burg, mein Hafen. Ich bin am liebsten Zuhause, wohnen war mir immer wichtig. Ich gehe nicht gern aus, ich gehe nicht gerne in die Ferien. Ich bastle immer an meinen vier Wänden. Wem das auch so geht, dem sei folgendes Buch empfohlen:

Liebe pro m2: Das neue Wohnbuch mit Herz – mit Insidertips der 100 besten Designer. Tipps, Tricks, Inspiration zuhauf, schön aufgemacht, mit Bildern und Zitaten untermalt. Zwar auch sehr clean und aufgeräumt, aber toll. Klar sieht ein belebtes Zuhause nie so aus, denn Kinder, Tiere und auch Männer bringen immer ihre sehr persönliche Note hinein, aber: Das macht ein Zuhause ja auch zum Zuhause.

Was immer wichtig ist: Die eigene Persönlichkeit muss ins Zuhause rein. Und genau das propagiert Maria Spassov. Mit diesem Buch kann man es lernen, hier findet man Inspiration und das Buch macht schlicht Spass!

Wie sieht es bei euch zuhause aus?

Fazit:
Ein inspirierendes und Ideen lieferndes Buch, das – wenn man nicht grad umbauen will – auch einfach Spass macht beim Ansehen. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Maria Spassov
Maria Spassov hat Rechtswissenschaften in Heidelberg und Chicago studiert, bevor sie ihre Leidenschaft zum Beruf machte. Die begeisterte Bloggerin hat mehr als 100 Interviews mit den größten Designern unserer Zeit geführt und ist heute als Autorin, Einrichtungsberaterin und Stylistin für Zeitschriften, Events und im TV tätig. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt Maria Spassov in einem idyllischen Dorf in der Nähe des Rhodopen-Gebirges.

Angaben zum Buch:
SpassovGebundene Ausgabe:192 Seiten
Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt (28. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3421040084
Preis: EUR 29.99 / CHF 42.90

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Rezension: Peng + Hu – Hirameki

Der geniale Klecks + Kritzel-Spass

Mit Linien und Punkten zum fertigen Bild

Ein kleiner Klecks offenbart durch das Hinzufügen weniger Punkte und Striche sein wahres Wesen, im völligen Einklang mit der Phantasie des Betrachters.

Ausmalbücher boomen. Der Ausmalende kann schwarze Linienkonstrukte mit Farbe füllen und es entstehen bunte Bilder. Dieses Buch ist anders. Die Farbe ist schon da – in Klecksen wild über die Seite verteilt. Hier ist man gefordert, durch das Hinzufügen von Strichen und Punkten etwas entstehen zu lassen. Bald schon zieren Tiere, Monster, ganze Welten die Seiten.

Hirameki weckt die eigene Kreativität, lässt einen die eigene Phantasie entfalten. Nichts ist vorgegeben ausser wilden Klecksen, die für sich nichts darstellen. Erst durch das Hinzufügen von Linien entsteht das Bild. Ganz individuell. Eine witzige Idee!

Fazit:
Ein witziges Buch zum Herauskitzeln der eigenen Phantasie und Kreativität. Sehr empfehlenswert.

Zum Autor
Peng & Hu
Die Künstler Peng und Hu entdeckten das phantastische HIRAMEKI-Phänomen irgendwann auf ihren Pinsel-Abwischblättern, auf dem Atelierparkett, an den Wänden und auf ihren Hemden. Daraus entwickelten sie eine geniale Kunstform für Groß und Klein. Diese Meisterleistung wurde mit dem Kaiserlichen Klecks am Band ausgezeichnet und zwei Kritzlibären des Zoos von Zing wurden zur Feier des Tages nach den Künstlern benannt.

Hinter Peng & Hu stecken der Österreicher Günter Mayer und der Niederbayer Rudi Hurzlmeier. Beide sind als komische Künstler tätig, Hurzlmeier unter anderem für die Satirezeitschrift Titanic. Mayer ist als Karikaturist für österreichische Medien bekannt geworden.

Angaben zum Buch:
PengHuHiramekiBroschiert: 192 Seiten
Verlag: Verlag Antje Kunstmann (2. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3956140686
Preis: EUR 14.95 / CHF 21.90

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Ich bin ich

Kürzlich stellte eine junge, intelligente Freundin auf Facebook diese Frage:

 „Ich werde sein“

„Ich will sein“

„Ich könnte sein“

„Ich versuche, zu sein“

„Was davon trifft am meisten auf euch zu?“

Ich las es, war erfreut, dass jemand diese Gedanken überhaupt hat. Ich konnte spontan nicht antworten. Dachte erst, es sei von allem etwas. Dann merkte ich, was mir fehlte:

 „Ich bin“

Wie will ich irgendwohin kommen, wenn ich nicht irgendwo bin? Es gibt kein Ziel ohne Start. Es gibt kein Ankommen ohne Abfahren.

Nun kann man sagen: Ich mag das heute aber nicht, drum will ich ja irgendwohin. Das liegt in der Natur der Sache, hier des Ziels. Man will dahin, weil man nicht da ist. Um dahin zu kommen, muss man nicht wissen, wie es da ist (das weiss man gemeiner Weise nie, man denkt es sich nur), man muss wissen, wo man steht. Nur so lässt sich der Weg überhaupt denken. Selbst Google Maps funktioniert so, da wird es in einem viel komplizierteren Ding wie dem menschlichen Wesen nicht anders sein.

Ich bin also nicht so, wie ich gerne wäre, drum will ich dahin, wo ich gerne sein würde. Es klingt wie ein Schlag ins Gesicht, aber:

Akzeptiere erst, wo du bist und wer du bist!

Das ist der Ausgangspunkt und ohne den wirklich an- und einzunehmen, wird man kein Ziel je erreichen. Man muss es nicht gut finden, man muss keine Jubeltänze vollführen. Aber man muss sich eingestehen: Das bin ich und ich bin gut so. In mir steckt nämlich die Kraft, von hier aufzubrechen und einen neuen Ort anzustreben.

Tut man dies nicht, zappelt man nur im Haltlosen, will irgendwohin, kann sich aber nirgends festhalten, das ist, kann sich nirgends abstossen, das Halt gibt, man weiss nur, wo man hin will, und sieht: Man ist nicht da.

Drum liebe ich das Lied: I am what I am. Das ist man immer. Hier wie dort. Und nur, wenn man sich selber kennt und annimmt, hat man eine Basis. Dann kann man alles (nun gut, vieles) erreichen. Mit all seinen Fehlern, die man sich selber zuspricht (die sind selten objektiv, sondern meist subjektiv empfunden und angeklagt durch eigene und andere Befindlichkeiten). Zuerst muss man aber gut stehen. In sich. Mit sich. Dann geht’s ab!

Power und Kraft? Bullshit!

Ich mag den Ausdruck „Powerfrau“ nicht. Ich mag es auch nicht, wenn mir jemand sagt, ich hätte ja so viel Kraft, sei ja so stark, wie ich alles meistere, was zu meistern ist. Das verwundert? Weil man denkt, das sei ein Lob? Ist es nicht. Es ist die Ignoranz dessen, was wirklich ist.

„Powerfrau“ und „du bist ja so stark“ implizieren immer, dass man das, was man tut, einfach so tut, weil man ja so stark ist oder so viel Power hat. Aber: Ab und an kann man nicht anders. Weil man schlicht keine Wahl hat. Das Leben ist, wie es ist. Oder aber man kann seine Ideale nicht verraten. Man kann zu viel Leid schlicht nicht mitanschauen. Ohne sich selber zu zerfleischen. Weil man denkt, man könnte was tun.

Es ist nicht Power. Es ist eine Entscheidung. Und die gesehene oder gefühlte Not. Beide führen zum Tun, das oft weitergeht, wenn Kraft und Power schon lange aufgebraucht sind. Das hat wenig zu tun mit „starker Frau“ oder „Powerfrau“, es ist eine Haltung.

Quotenschwachsinn

Die Emanzipation hat ja so mache fragwürdige Blüte getrieben. Die Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Leistung ist eine Selbstverständlichkeit, die Forderung danach legitim und nötig. Die Umsetzung klappte bis heute nicht. Dafür hat man andere Dinge umgesetzt. Die Sprachenregelung. Linguistische Grausamkeiten waren die Folge. Ich hatte mich früher nie gefragt, ob ich auch gemeint sei, wenn jemand von Studenten sprach. Genauso wenig wie sich wohl die Tanne diskriminiert fühlt, wenn von „dem Baum“ gesprochen wird.

Neben den sprachlichen Neuorientierungen haben wir auch noch eine weitere Errungenschaft (neben vielen, die ich hier nun ausklammere): Die Quotenregelung. Man bemängelte, dass Frauen benachteiligt seien, weil sie Frauen seien, wo doch Leistung zählen müsse. Und man forderte eine Quote, die in Zukunft die Verteilung regeln soll. Wo genau da die Leistung noch Kriterium ist? Das darf man nicht hinterfragen (den Shitstorm darauf spüre ich schon förmlich…..).

Die Thematik ist aktueller denn je, denn in der Schweiz tritt grad eine Politikerin ab. Sie hat nichts falsch gemacht, sie gehört nur der falschen Partei an. Leider haben wir in der Schweiz diese Zauberformel, die besagt, wie der Bundesrat bestellt sein müsse. Die abtretende Lady war quasi das Bauernopfer dieses alten Zopfes. Und genau hier geht die Diskussion los: Die untervertretene Partei (nach Zauberformel) soll einen neuen Bundesrat stellen. Blöd nur: Sie hat niemanden. Und schon gar keine Frau und so eine müsste es ja sein. Das Argument, dass bei gleich wenig Leistung auch eine Frau gewählt werden könnte, ohne dass es gross einen Unterschied macht, ist dabei ein kleiner Trost.

Znüni-Gate

Wir hatten ja das Znüni-Problem. Das Kind hatte sich erlaubt, quer über den Schulhof zu laufen und am anderen Ende desselben im Supermarkt seine Zwischenverpflegung preiswert und lecker (im Gegensatz zum Mensaznüni, der ungeniessbar und teuer wäre) zu kaufen. Dafür erntete er Nachsitzen und soziale Arbeit. Am Morgen und über Mittag haben die Schüler hier ganz andere Wege zu bewältigen, wir leben in einer Grossstadt. Man kann sagen, die Aufsichtspflicht wäre schwer, dürften die Kinder einfach den Schulplatz verlassen (wobei der Supermarkt wirklich am Rande desselben ist). Über Mittag bleiben aber ein paar in der Schule, sind quasi am Mittagstisch und damit der Aufsicht übergeben. Sie dürfen dann doch gehen. Weil es ja die Mittagspause ist und einige gehen wollen/können/müssen.

Nun schrieb mir die Lehrerin. Erklärte mir, das sei so von wegen Aufsichtspflicht und sei auch mit der Schulleitung abgesprochen. Der Entschluss stehe. Nicht verrückbar. Ich verstehe es (sprachlich schon, rational jedoch) nicht, kenne aber das Schweizer Schulsystem und weiss: Menschenverstand gilt nicht, man liebt Formalismus. Und: Mal Festgesetztes sitzt. Starr. Und: Ich würde mich im Umgang damit nur aufregen und dazu ist mir meine Zeit zu schade. Wenn ich denke, was ich da alles Positives machen könnte? Und das aufgeben für einen Znüni? Für mich war’s abgehakt. Kind geht nicht mehr vom Schulplatz, will nun aber keine Zwischenmahlzeit mehr essen (finde ich nicht sinnvoll, aber nun denn…).

Da kommt von der Lehrerin eine SMS, ich solle mich doch bitte mit dem Schulleiter in Verbindung setzen. Er könne mir dann nochmals ganz genau erklären, wieso der Entschluss so sei, wie er sei. Ich sitze hier, weiss nicht, ob ich nun lachen oder weinen soll. Was genau soll mir das bringen? Doppelt erklärter Unsinn wird nicht besser. Und wenn er unverrückbar ist, verschwende ich meine Zeit sicher nicht damit. Ich hoffe, ich muss nun nicht zum Nachsitzen, weil ich der Aufforderung nicht nachkomme. Wenn ihr nichts mehr lest von mir, tanze ich im Schulhausareal eine Entschuldigung und binde dabei gemeinnützig Bücher ein. Oder so ähnlich.

Vom Erben

Ein Mann – nennen wir ihn Klaus – wandelt durchs Leben. Er häuft Vermögen an, weil man das ja so tut. Er setzt Kinder in die Welt – auch das tut man oft. Und dann irgendwann: Klaus wird alt. Und er denkt, dass auch der Tod mal nahen könne. Was würde dann aus seinem Vermögen? Wer soll was kriegen?

Berta und Kunibert sind die Kinder von Klaus. Sie wissen um das Vermögen von Klaus, aber es ist nicht omnipräsent. Bis zu jenem Tag, an dem Klaus sie wissen lässt, dass er denkt, dass er nicht unsterblich ist. Schon läuft das Kopfkino rund. Sie verteilen qausi schon, was nach dem Ableben von Klaus mal vorhanden sein könnte – so genau weiss man es ja nicht. Und: Bislang betraf es einen nicht, man musste selber schauen.

Jeder schaut nach England und lästert: Die Queen gibt das Zepter nicht ab, Prinz Charles wird älter und älter und schaut in die Röhre. Beim eigenen Vermögen hört das Lästern auf, da sitzt man selber auf dem Topf. Statt dem Nachwuchs in den Jahren unter die Arme zu greifen, in denen dieser es brauchen könnte, lässt man ihn darben, um dann am Leben zu krallen, ab und an mal was vom Erbe zu erwähnen, und doch biblisch weiterzuleben. So hält man sich die Erbengemeinde hörig und lebt selber in Ruhe und Frieden – da schlicht nicht jeder einen Erben hat, der eine Fallvorlage für „Derrick“, „Der Alte“ oder den „Mentalist“ sein könnte.

Und: Die potentiellen Erben machen mit. Sie springen im Dreieck, wenn der Patron ruft, sind brav still, wenn er nix sagt. Man könnte sich ja was verspielen. Wo bleibt da noch Familie? Und Liebe? Und Ehrlichkeit? Egal. Und für alle, die es verspielt haben: Man kann jedes Testament anfechten. Dann geht die Sause erst so richtig los. Und der Sieger ist immer der Anwalt.

Eigentlich müsste mich all das nicht kümmern. Ich werde nichts erben. Ich habe keine Geschwister, mit denen ich streiten könnte. Ich lese und höre es nur immer wieder. Und ich frage mich. Und verstehe es nicht. Ich würde meinen Eltern immer sagen: Lebt euer Leben, geniesst euer Geld, ihr habt es erarbeitet. Und das tun sie, sonst würde ich vielleicht erben. Zu welchem Preis? Sie wären verbiestert. Geizig. Mit sich und wohl dann auch mit mir. Denn: Sie waren immer für mich da. Als ich sie brauchte. Nun bin ich gross. Muss ich heute noch auf ein Erbe hoffen und zählen und drum kämpfen? Was genau hätte ich dann aus meinem Leben gemacht?

Ist es naiv, zu sagen, dass der, welcher sich was erarbeitet, auch darüber entscheiden können soll? Von Gesetzes wegen gibt es einen Pflichtanteil. Den anerkenne ich, wenn kein Testament besteht. Wenn aber jemand sagt: Ich habe mein Geld erarbeitet und ich will entscheiden, wohin es geht, darf dann der Staat sagen, dass das nicht geht, dass er finanzielle Pflichten über seinen Tod hinaus hat? Und: Ist es Familiensinn, diesen Willen anzufechten, weil man findet, man hätte mehr verdient?

Man kann sagen, ich wäre nie in der Situation; das ist grundsätzlich so. Aber: Ich bin  so aufgewachsen. Meine Eltern dachten gleich und entschieden gleich. Sie waren in anderen Umständen, als ich es bin, und haben auf Erbe verzichtet, weil Geschwister plötzlich Testamente anfechten wollten. Ich achte sie dafür hoch. Und ich danke ihnen von Herzen, dass sie mir vorlebten, was wirkliche Werte sind.

Das macht es in dieser Welt nicht immer leicht, da diese Werte nicht mehr populär scheinen. Menschlichkeit, Liebe, Loyalität. Geld hat sie alle entmachtet im Grossen Ganzen. Nicht bei mir. Drum: Erben wäre grundsätzlich etwas Schönes. Es ist ein Weitergeben. Es verkam zu einem Zugewinn. Und dafür geht man sprichwörtlich über Leichen.

Schulmensa – gegessen wird, was es gibt

Das Kind ist nun in der Oberstufe. Also schon gross. Das Kind findet, es sei schon ganz gross, könne alles entscheiden. Für mich ist es mein Kind und wird es wohl immer bleiben – ich kenne meine Gluckenmentalität. Aber zurück zur Oberstufe: Die haben da eine Mensa. Mit Mensakarte, die man online aufladen kann. Man bedeutet: Die Eltern. Das Essen ist überteuert und nicht geniessbar (sagen relevante Quellen). Das Kind sprach von halb gefrorenen Sandwiches und Tiefkühlessen. Ein Schreiben an die Eltern besagte, dass diese gefordert seien, die Karte zu füllen. Als Mindestbetrag standen 100 Franken da. Die Mutter schluckte leer.

Gleich neben dem Schulhaus hat es einen Supermarkt. Mit Frischetheke. Das Kind, preisbewusst, wie es die Mutter es erzogen hat, kaufte sein Essen da. Und kriegte Nachsitzen als Ertrag obendrauf. Es hätte unerlaubt das Schulgelände verlassen. Es gebe Regeln. Die müsse man einhalten. Es gehe um Sicherheit.

Ich finde Regeln grundsätzlich wichtig. Und ja, man muss sie einhalten, wir leben ja in einer Gemeinschaft und Kant, Rawls und Konsorten haben den Gesellschaftsvertrag zur Genüge thematisiert, so dass ich das nun hier nicht nochmals tue. ABER!!!!! Und: Bevor ich mit dem Aber anfange, schreibe ich nichts über den Schulweg, der teilweise mit mehrfachem Umsteigen von einem Verkehrsmittel zum nächsten und einigen vielbefahrenen Strassen obendrauf in einer Grossstadt erfolgt. Ich sage auch nicht, dass ich beim Sicherheitsargument bei einem Gang mal schnell über den Schulhof nur leise schlucke, an Gottfried Kellers Seldwyla und die Schildbürger denke und dann schnell schweige, da ich weiss, dass solche Gedanken nie gut kommen. Drum sag ich nix. Nirgends. Zu KEINEM!

Das Kind muss also überteuertes Essen kaufen, das nicht mal geniessbar ist. Eltern müssen die Karte dafür mit MINDESTENS 100 Franken aufladen (und natürlich nachladen). Preisbewusstsein, das man dem Kind lange eingeimpft hat, muss man ihm nun wieder abtrainieren. Sonst sitzt das Kind nämlich am Mittwoch Nachmittag in der Schule und leistet gemeinnützige Arbeit. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, aber unter gegebenen Umständen fragwürdig.

Was bin ich froh, sitzen wir hier auf Rosen gebettet, laden Kindes goldene Kreditkarte (von der Schule ausgegeben) ständig auf, damit das Kind den Tiefkühlfrass überteuert an der Schule kaufen kann.

Demokratie und das Gejammere der Nation

Wir haben gewählt. Also ein Bruchteil von uns hat gewählt. Die Mehrheit dieses Bruchteils war der Meinung, dass die Schweiz dringend gen rechts wandern solle. SVP und FDP kriegten den Zuschlag, die netten Linken schauten in die Röhre (ok, nicht ganz, aber so ein bisschen). Da wir eine Demokratie sind, noch dazu eine direkte, war das der Wille des Volkes und damit alles klar. Könnte man denken.

Es geht erst richtig los. Nun heisst es nämlich: Das war niemals der Wille der Mehrheit. Die Schweiz will das nicht. Wir Schweizer wollen das nicht. Das geht gar nicht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Gewisse Stimmen gehen so weit, die Demokratie in Frage zu stellen und von einer Diktatur der Mehrheit zu sprechen.

Nun: Eine Demokratie heisst, dass die Mehrheit gewinnt. In der Schweiz wird dieses Prinzip noch mit ein paar Zusatzbedingungen wie dem Ständemehr und anderem angereichert, aber grundsätzlich gilt das Prinzip. Da die Wahlbeteiligung nicht sehr hoch war, kann man schon sagen, dass dieses Wahlergebnis nicht die Mehrheit der Schweiz widerspiegelt. Aber es spiegelt die Mehrheit derer wider, die sich überhaupt die Mühe machten, das Recht zur Wahl wahrzunehmen. Die ganz grosse Mehrheit der Schweizer tat dies nämlich nicht. Die sass zu Hause, politisierte vielleicht am Familientisch, auf Facebook, Twitter oder am Stammtisch. An der Urne taten sie es nicht.

Leider helfen grosse Reden wenig, schon gar nicht, wenn es darum geht, Demokratie zu leben. Es gibt für dieses Wahlergebnis verschiedene Erklärungen:

  • Das Wahlresultat spiegelt wirklich die Mehrheitsmeinung wider. Zwar war die Wahlbeteiligung gering, allerdings würde diese Stichprobe durchaus reichen in der Feldforschung, um ein repräsentatives Ergebnis zu generieren.
  • Das Wahlresultat spiegelt nicht die Mehrheitsmeinung wider, sondern nur die Mehrheit derer, die wählen gingen. Die Frage stellt sich dann: Wieso gingen die anderen nicht wählen? Was hielt sie davon ab?

Im ersten Fall müsste man – sofern man die Demokratie weiterhin als gewünschte politische Form ansieht – das Resultat akzeptieren. Das heisst nicht, dass man es gut finden oder gar seine Meinung ändern und plötzlich SVP-Anhänger werden muss. Man kann sich überlegen, ob man etwas tun kann, konstruktiv, fundiert und mit einer Strategie. Einfach nur jammern hilft wenig.

Im zweiten Fall müsste man sich schlicht an der eigenen Nase fassen, zumindest dann, wenn man selber nicht an die Urne ging. Und wer nun Gründe aufführt, wieso er nicht gehen konnte, dem sei gesagt:

 Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege.

Wo was raus soll, muss was rein

Vor einiger Zeit kam ich zum zweifelhaften Glück, dass in meinem Keller, welcher gleichzeitig Luftschutzkeller ist, 40 Notbetten untergebracht und zwei Trockenklos installiert wurden. Der gute Mann, der das ganze Zeugs anschleppte, teilte meine Meinung, dass dies höchst fragwürdig sei und eh nie gebraucht würde. Nun denn: Es ist Gesetz und alles muss seine Richtigkeit haben.

Die Abnahme der Klos durch den netten Beamten der Stadt dauerte knapp 5 Sekunden. Auf meine Frage, ob ich den Keller nun verkaufen dürfe, da er ja über genügend Schlafmöglichkeiten und sogar zwei eigene Klos verfüge, erntete ich einen kurzen Blick und ein schnell unterdrücktes Lachen (auch er teilte wohl meine Ansicht über die Unsinnigkeit des Unterfangens).

Als ich so über meinen Keller nachdachte, stellte sich mir aber eine dringende Frage: Wenn die Notwendigkeit eines Luftschutzkellers gesetzlich verankert ist, sieht man ja grundsätzlich einen Sinn darin und auch die Möglichkeit, dass dieser benutzt wird. Ich würde also mit 39 anderen Nasen in meinem Keller sitzen, wir hätten je ein Bett und zusammen zwei Klos. Nur: Was soll in die Klos? Müsste mich der Kanton nicht auch mit Essensvorräten oder zumindest Geld, solche zu besorgen, ausstatten? Ob ich mal nachfragen sollte? Oder gebe ich diesem Luftschutzkeller doch zuviel Sinn, den er doch nicht hat?

Rezension: Lotta Sjöberg – Family Living

Die ungeschönte Wahrheit

Familienleben – eine Idylle der anderen Art

Hätte ich meine Zeit mit Putzen verbracht, wäre dieses Buch nie zustande gekommen.

Sjöberg1Mit diesen Worten wird das Buch Family Living eingeleitet. Der Satz ist bezeichnend für das ganze Buch: Es könnte so schön sein mit dem Familienleben, wenn einen nur nicht die Realität einholen würde. Lotta Sjöberg erzählt aus dem ganz alltäglichen Familienirrsinn. Alles fängt damit an, dass mit den Kindern die ach so tolle Stadtwohnung zu klein und unpraktisch wird. Mehr Platz ist dringend nötig. Umzug und andere Strapazen bleiben nicht aus. Aber auch im Traumhaus ist nicht alles einfach. Kinder werden krank, der Spagat zwischen Beruf und Familie fordert seinen Tribut und auch das Leben als Paar hat so seine Tücken. Doch trotz all den täglichen Gewissenbissen, Hürden und Notlösungen ist es doch wunderbar, das Familienleben. Irgendwie.

Sjöberg2Lotta Sjöberg erzählt mit viel Humor und Sinn für die Alltäglichkeiten aus dem ganz normalen Familienleben. Illustriert hat sie das Buch mit herrlichen Zeichnungen, welche die Erzählung stützen und mit viel Liebe zum Detail weiterentwickeln, mit neuen Facetten würzen. Entstanden ist ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch. Family Living ist ein Buch, das mit Illusionen aufräumt, einem zeigt: Man ist nicht allein in diesem Wahnsinn, andern geht es genauso.

Fazit:
Ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch mit wunderbaren Illustrationen. Absolut empfehlenswert.

Die Autorin
Lotta Sjöberg
Lotta Sjöberg *1971, arbeitet als Zeichnerin und lebt mit ihren drei Töchtern, ihrem Mann und einem Hund in Stockholm.

Zum Buch gibt es auch eine Facebookseite: Family living the true story

Angaben zum Buch:
SjöbergFamilyGebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Edition Moderne (1. Oktober 2015)
Übersetzung: Ulrike Samuelsson
ISBN-Nr: 978-3037311431
Preis: EUR 19.80 / CHF 29.90

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http://www.books.ch/shop/home/suchartikel/family_living/lotta_sjoeberg/EAN9783037311431/ID42374358.html?jumpId=31307229&suchId=9ffc1b1d-36c2-483c-9e40-96905cae1c85