„Manchmal ein bisschen träumen

Und immer ein bisschen hoffen –

So blieb zu seligen Räumen

Mir allzeit ein Türlein offen.“ (Ernst Goll)

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Wenn das Leben dunkle Seiten zeigt, was könnte mehr Licht bringen als die Hoffnung, dass es wieder besser wird? Wenn eine Tür zuschlägt, wo fände man mehr Trost als im Gedanken, dass dafür ein Fenster aufgeht? Es ist die Hoffnung, die uns weiter an das Gute glauben lässt, es ist die Hoffnung, die hilft, den Mut nicht zu verlieren. Und manchmal ist es auch die Hoffnung, dass Träume wahr werden können, die dabei hilft, eigene Wege zu verfolgen.
Wie dankbar kann also der sein, der noch Hoffnung hat? Wie dankbar der, welcher Träume hat und daraus ein Leben bilden will – in der Hoffnung und im Glauben, dass es gelingen kann?

„Das Glück gehört denen, die sich selber genügen.“ (Aristoteles)

Was wollen wir nicht alles haben im Leben, und vergessen dabei oft, was wir schon alles haben. Und verpassen damit das Glück, das in der Zufriedenheit liegt. Das ist umso bedauerlicher, da sich Glück selten einstellt (zumindest nicht dauerhaft), wenn wir erreichen, was wir so dringend gewollt hatten. Denn dann stellt sich viel eher der nächste Wunsch ein.

„Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.“ Dietrich Bonhoeffer

Als mein Vater starb, war das für mich sehr schwer, da er mir sehr viel bedeutet hat. Wo ich auch war, was ich auch tat, es weckte Erinnerungen – und sei es nur, dass ich dachte, ich könnte ihn anrufen, wie ich es immer tat. Wo anfangs viel Trauer war, wuchs mehr und mehr Dankbarkeit. Eine ganz tiefe Dankbarkeit dafür, ihn in meinem Leben gehabt zu haben, mit ihm so viel erlebt zu haben.

Trennungen sind nicht immer einfach, nur: Sie sind dann schwer, wenn das, was vorher war, schön war. Dafür können wir dankbar sein. Manchmal vielleicht auch erst nach der ersten Trauer, dann aber trägt diese Dankbarkeit durch die Zeit.

„Wir sollten uns immer wieder klar machen, dass die Emotionen, die wir haben, ob negative oder positive, genau das sind, was wir brauchen, um ganz Mensch sein zu können, ganz erwacht und lebendig.“ (Pema Chödrön)

Wir neigen dazu, Gefühle in gute und schlechte einzuteilen. Die einen wollen wir haben, die anderen nicht. Doch: Nichts hat nur eine Seite. Sobald wir einige unserer Gefühle verleugnen oder gar verdammen, negieren wir einen Teil unserer selbst.

Und seien wir mal ehrlich: Würden wir einem Menschen begegnen, der ständig nur grinst wie ein Honigkuchenpferd, der nie nachdenklich, traurig, wütend ist: Würden wir uns nicht fragen, ob dieser Mensch wirklich authentisch ist? Weil wir selber nicht glauben, dass jemand nur gut drauf ist. Wieso also erwarten wir es von uns selber?