Achte auf das Kleine in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener.“ Carl Hilty

Manchmal reicht eine Blume am Strassenrand, um das Leben bunt zu machen – wenn man sie nur sieht.
Denkzeiten – Philosophie als Lebenskunst
Dr. Sandra von Siebenthal
Achte auf das Kleine in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener.“ Carl Hilty

Manchmal reicht eine Blume am Strassenrand, um das Leben bunt zu machen – wenn man sie nur sieht.
„Wenn man glücklich ist, soll man nicht noch glücklicher sein wollen.“ Theodor Fontane

Schneller, besser, höher – mit dem Anspruch gehen wir durchs Leben. „Das kann noch nicht alles gewesen sein“ ist eine gängige Erwartungshaltung, dass noch mehr kommen muss. Wann ist es genug?
„Nichts wird langsamer vergessen als eine Beleidigung und nichts eher als eine Wohltat.“ Martin Luther

Wieso lenken wir oft so viel Energie auf das Negative, so wenig auf das Positive? Wie viel länger bleiben uns unschöne Erlebnisse im Kopf als schöne? Wie lange tragen wir jemandem etwas nach und wie lange sind wir ihm dankbar?
Das, worauf wir unsere Energie lenken, ist in unserem Leben dominant. Wir haben es in der Hand.
„Es ist schön, den Augen dessen zu begegnen, den man soeben beschenkt hat.“ Jean de La Bruyère

Was gibt es schönere, als die Freude im Blick dessen, den man beschenkt hat? Welches schönere Geschenk könnte man sich selber machen, als sich daran zu freuen?
„Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.“ Berthold Auerbach

Zufriedenheit ist selten eine Frage des Besitzes, sondern meistens eine Frage der inneren Haltung.
„Manchmal ein bisschen träumen
Und immer ein bisschen hoffen –
So blieb zu seligen Räumen
Mir allzeit ein Türlein offen.“ (Ernst Goll)

Wenn das Leben dunkle Seiten zeigt, was könnte mehr Licht bringen als die Hoffnung, dass es wieder besser wird? Wenn eine Tür zuschlägt, wo fände man mehr Trost als im Gedanken, dass dafür ein Fenster aufgeht? Es ist die Hoffnung, die uns weiter an das Gute glauben lässt, es ist die Hoffnung, die hilft, den Mut nicht zu verlieren. Und manchmal ist es auch die Hoffnung, dass Träume wahr werden können, die dabei hilft, eigene Wege zu verfolgen.
Wie dankbar kann also der sein, der noch Hoffnung hat? Wie dankbar der, welcher Träume hat und daraus ein Leben bilden will – in der Hoffnung und im Glauben, dass es gelingen kann?
„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ Francis Bacon

Glück ist nicht, immer noch mehr zu haben, sondern Glück ist, für das, was wir haben, dankbar zu sein.
„Das Glück gehört denen, die sich selber genügen.“ (Aristoteles)
Was wollen wir nicht alles haben im Leben, und vergessen dabei oft, was wir schon alles haben. Und verpassen damit das Glück, das in der Zufriedenheit liegt. Das ist umso bedauerlicher, da sich Glück selten einstellt (zumindest nicht dauerhaft), wenn wir erreichen, was wir so dringend gewollt hatten. Denn dann stellt sich viel eher der nächste Wunsch ein.
„Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.“ Dietrich Bonhoeffer
Als mein Vater starb, war das für mich sehr schwer, da er mir sehr viel bedeutet hat. Wo ich auch war, was ich auch tat, es weckte Erinnerungen – und sei es nur, dass ich dachte, ich könnte ihn anrufen, wie ich es immer tat. Wo anfangs viel Trauer war, wuchs mehr und mehr Dankbarkeit. Eine ganz tiefe Dankbarkeit dafür, ihn in meinem Leben gehabt zu haben, mit ihm so viel erlebt zu haben.
Trennungen sind nicht immer einfach, nur: Sie sind dann schwer, wenn das, was vorher war, schön war. Dafür können wir dankbar sein. Manchmal vielleicht auch erst nach der ersten Trauer, dann aber trägt diese Dankbarkeit durch die Zeit.
„Wir sollten uns immer wieder klar machen, dass die Emotionen, die wir haben, ob negative oder positive, genau das sind, was wir brauchen, um ganz Mensch sein zu können, ganz erwacht und lebendig.“ (Pema Chödrön)
Wir neigen dazu, Gefühle in gute und schlechte einzuteilen. Die einen wollen wir haben, die anderen nicht. Doch: Nichts hat nur eine Seite. Sobald wir einige unserer Gefühle verleugnen oder gar verdammen, negieren wir einen Teil unserer selbst.
Und seien wir mal ehrlich: Würden wir einem Menschen begegnen, der ständig nur grinst wie ein Honigkuchenpferd, der nie nachdenklich, traurig, wütend ist: Würden wir uns nicht fragen, ob dieser Mensch wirklich authentisch ist? Weil wir selber nicht glauben, dass jemand nur gut drauf ist. Wieso also erwarten wir es von uns selber?
„Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.“ Jean-Baptiste Massillon

(Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte)
„Da wird es hell in unserem Leben, wo man für das Kleinste danken lernt.“ Friedrich von Bodelschwingh

Das Leben ist nicht immer nur einfach, auch schwere und düstere Stunden gehören dazu. Uns aber immer wieder vor Augen zu führen, wofür wir trotz allem dankbar sein können, hilft – gerade in dunklen Stunden – Licht ins Leben zu bringen.
„Gesundheit ist Glück, so sagt der Kranke – Reichtum ist Glück, sagt der Arme, Weisheit ist Glück, sagt der Philosoph – und sie haben alle Recht. Unglück aber ist gewiß, das nicht erreichen zu können, was man bedarf.“ Fanny Lewald (1811 – 1889)
Wer kennt noch das Kinderlied vom Hans im Schneckenloch, der alles hat, was er will? Sind wir nicht alle oft wie Hans? Wir sehen, was uns fehlt, statt uns an dem zu freuen, was wir haben. Wie wäre es, wenn wir das heute mal umkehren würden?
„Du sollst dankbar sein für das Geringste, und du wirst würdig sein, Grösseres zu empfangen.“ Thomas von Kempen
Als Kind wollte mein Sohn immer seine Münzen in Noten gewechselt haben. Münzen waren für ihn minderwertig, sie waren zu wenig wert, sie zählten quasi nicht. Ich war immer dankbar um das Kleingeld, konnte ich es doch bei Automaten gut brauchen – und ich zahlte auch an der Kasse damit.
Es gibt den schönen Spruch, dass nur der des Franken wert ist, der auch den Rappen ehrt. Wie oft kommt es vor, dass wir Kleines gering schätzen, weil wir nur nach dem Grossen streben? Dabei sehen wir meist nicht, wozu auch das Kleine gut ist. Und: Ist klein und gross nicht relativ und davon, welchen Wert WIR ihm zumessen?
„Wahre Hingabe hat ihre Wurzeln in einer ehrfurchtsvollen Dankbarkeit, die zugleich klar, geerdet und intelligent ist.“ (Sogyal Rinpoche)

(Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte)