Ich wollte dir ein Haus erbauen
ich riss es schliesslich ein.
Ich wollte doch so sehr vertrauen,
es sollt’ auf ewig sein.

Ich wollte mit dir Pferde stehlen,
ich ritt auf ihnen weg.
Ich kann dabei gar nicht verhehlen,
dass mich das selbst bewegt.

Ich steh mir manchmal selbst im Lichte,
und glaube nicht an dich.
Ich mach’ mir alles das zunichte,
was teuer ist für mich.

Ich habe Angst und fliehe dann,
von wo ich doch am liebsten bin.
Ich fürchte mich, dass ich nicht kann,
was eigentlich in meinem Sinn.

Ich möcht’ mit dir mein Leben teilen,
und fürchte alles, was uns trennt,
und statt dann glücklich zu verweilen,
bin ich es, der’s verbrennt.

Ich möchte dir ein Haus erbauen,
ich lass es fortan steh’n,
komm lass uns beide drauf vertrauen,
und mutig in die Zukunft seh’n.

©Sandra Matteotti

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ (Hermann Hesse)

Wir Menschen streben nach Liebe. Von klein an sind wir auf Liebe angewiesen, ungeliebte Kinder verkümmern – und ebenso tun es Erwachsene. Oft schränken wir Liebe zu sehr ein, denken nur an eine Partnerschaft, wenn wir an Liebe denken und sehen uns als leidend, weil wir keine Liebe erfahrung durch den fehlenden Partner.

Liebe geht viel weiter. Liebe ist nicht auf ein Objekt beschränkt, sondern eine Grundhaltung, die aus einem offenen und mitfühlenden Herzen entspringt und auf das Leben und die lebenden Wesen bezieht – eingeschlossen uns selber.

Stell dir am Ende eines Tages mal die Frage: Bin ich heute lieb mit mir umgegangen? Und lasse den Tag Revue passieren. Wie oft warst du unzufrieden mit dir? Wie oft hast du dich innerlich kritisiert, hast geschimpft und gehadert? Oft schon wegen Kleinigkeiten.

Wir können keinen Partner herbeizaubern, aber wir können uns selber liebevoll behandeln. Und wenn uns das gelingt, können wir aus diesem liebenden Herz heraus unsere Liebe auf andere Wesen ausdehnen. Und wenn dieses ganze Herz von Liebe erfüllt ist, wird sich das Glück einstellen. Wie von selber.

Schon Aristoteles sagte, dass Glückseligkeit das höchste Gut des Menschen sei. In seiner Nikomaschischen Ethik versucht er aufzuzeigen, wie man ein guter Mensch ist und ein glückliches Leben führt. Leben heisst nach Aristoteles immer auch handeln. Indem wir handeln, leben wir. Und wir handeln, um etwas zu erreichen, ein Gut – und da wären wir wieder am Anfangspunkt:

Das Höchste all dieser Güter ist die Glückseligkeit.

Allem Handeln um unterschiediche Güter liegt immer etwas zugrunde:

Wir wollen glücklich sein.

Nur: Was ist Glück? Bücher darüber gibt es viele, Ratgeber, wie wir es erreichen, ebenso. Noch scheint keines wirklich der Erfolgsgarant zu sein, denn es entstehen immer neue. Vermutlich liegt ein Grund dafür, dass es mit dem Lesen der Bücher nicht getan ist, man auch gewisse Einsichten anwenden müsste – eben handeln. Und das anders, als man es bislang tat, denn offensichtlich erreichta man auf die althergebrachte Weise das Glück nicht. Und hier wird es ungemütlich. Wir lebten schon eine Weile so, verhielten uns auf eine gewohnte Weise – irgendwie war das unser Ich, wie wir es kannten. Nur:

If you do what you did, you’ll get what you got.

Sprich: Es ändert sich nichts und das Glück – sofern du nicht schon jetzt glückselig lächelnd da sitzt und dies liest– wird nicht einfach an die Tür klopfen und sich häuslich niederlassen.

tatsächlich tun wir jeden Tag ganz viel, in der Hoffnung, glücklich zu werden. Wir erfüllen uns Wünsche, wir strengen uns an, um anderen zu gefallen, Ziele zu erreichen. Wir gönnen uns was – Schokolade, Urlaub, ein neues Auto. Und doch: Nichts will so wirklich wirken. Und wenn etwas nicht klappt, sind wir nicht nur nicht glücklich, dann leiden wir. Und noch schlimmer: Wir tun tagtäglich Dinge, die uns nicht gut tun, die uns mehr schaden als nützen – und doch tun wir sie immer wieder. Würden wir nur diese Dinge loslassen, wären wir dem eigenen Glück schon ein ganzes Stück näher.

10 Dinge, die wir loslassen können, um dem Glück ein bisschen näher zu kommen:

  1. Vergleiche

Wie oft schauen wir, was andere haben oder nicht haben, und sind dann mit uns selber nicht mehr zufrieden? Warten wir eben noch zufrieden, sehen wir bei jemand anderem mehr… Neid macht sich bemerkbar, zumindest aber Unzufriedenheit mit dem, was wir haben. Das muss nicht sein. Der andere ist ein anderer, ich bin ich. Das zu geniessen und sich daran zu freuen, was man hat, ist ein ganz grosser Schritt hin zum eigenen Glück.

  1. Es allen recht machen wollen

Wie oft nehmen wir uns zurück, um es anderen recht zu machen? Nicht selten danken es diese uns kaum, im Gegenteil, sie merken es unter Umständen gar nicht. Und wir sitzen dann da und grummeln innerlich – darüber, dass unsere Bedürfnisse auf der Strecke blieben, und darüber, dass nicht einmal Dankbarkeit dafür geäussert wurde. Es geht nicht darum, keinem mehr einen Gefallen zu machen, aber es tut weder einem selber noch der Beziehung gut, wenn einer sich immer zurücknimmt – und oft dann den anderen seinen Frust darüber merken lässt.

  1. „Das kann ich nicht!“

Wie oft stehen wir vor einer Aufgabe und sagen uns als erstes: Das kann ich nicht. Wie viel verpassen wir, weil wir es nicht mal probieren? Wie viel entgeht uns, weil wir uns zu wenig zutrauen?

  1. „Was denken wohl die anderen?“

Auch hier steht uns die Angst, das Gesicht zu verlieren, im Wege. Der Gedanke, andere können uns auslachen, etwas schlechtes von uns denken oder uns nicht mögen, lässt uns oft erstarren. Wir meiden Dinge, die uns eigentlich Freude machen würden, nur um ein Bild zu wahren.

  1. Sich zu ernst nehmen

Wenn mal etwas in die Hose geht, geht die Welt nicht unter. Einfach mal über die eigenen Fehler lachen, die eigenen Unsicherheiten zugeben, fünf gerade sein lassen. Das Leben ist nicht nur ernst und wenn man es mit Humor und ein bisschen Nachsicht (mit sich selber) nimmt, geht vieles leichter von der Hand.

  1. Alles persönlich nehmen

Nicht alles, was passiert, hat wirklich mit einem selber zu tun. Wenn jemand einen grimmig anschaut, muss das nicht heissen, dass wir etwas falsch gemacht haben (vor allem dann, wenn er uns gar nicht kennt und nichts vorgefallen ist). Vielleicht hat er einfach einen schlechten Tag? Viele Reaktionen anderer sagen zu einem grossen Teil mehr darüber aus, was in den anderen Menschen vorgeht, als es mit uns zu tun hat.

  1. Sich aufopfern

Oft schauen wir, dass es allen gut geht, vergessen uns selber dabei selber. Wieso messen wir uns selber so wenig Wert zu?

  1. Geliebt werden wollen um jeden Preis

Was tun wir alles, um geliebt zu werden? Wir passen uns an, interessieren uns für Dinge, die uns vorher egal waren, versuchen so zu sein, wie wir denken, dass der andere uns haben will, nur weil wir denken, dass er uns so, wie wir sind, nicht lieben kann. Wen aber liebt er, wenn wir gar nicht mehr sind, wer wir wirklich sind? Und was passiert mit unserem wahren Sein? Halten wir das Versteckspiel ewig durch oder platzt irgendwann die Bombe? Ist es das wirklich wert? Liebe sollte nie aufgrund irgendwelcher Anpassungen und äusserer Merkmale erarbeitet werden müssen. Wirkliche Liebe geht tiefer.

  1. Wenn ich nur erst….

Oft denken wir, glücklich zu sein, wenn wir nur erst etwas erreicht haben. Mehr Geld, weniger Kilos, einen neuen Job, einen neuen Mann. Wir definieren unser heutiges Leben und damit unser heutiges Unglück damit, dass wir noch nicht haben, was wir dringend brauchen, und streben dann händeringend und mit Scheuklappen für anderes danach, dieses zu erreichen. Die Ernüchterung kommt meist dann, wenn das eine erreicht ist, das Glück (nach vielleicht kurzem Aufflackern) aber nicht von Dauer ist, weil wieder etwas fehlt. Glück hängt nicht am Erreichen von Dingen, sondern ist eine innere Einstellung zu dem, was ist.

  1. Ich bin nicht gut genug

Für wen oder was? Und wieso? Jeder Mensch ist gut genug. Das heisst nicht, dass man keine Ziele mehr haben darf oder an sich arbeiten soll, im Gegenteil, aber: Das, was heute ist, ist für heute gut genug. Gäbe es das heutige Ich nicht, hätten wir gar keine Basis. Was heute ist, ist alles, was wir haben, und dafür sollten wir dankbar sein.

„Glück ist Selbstgenügsamkeit.“ Aristoteles

Erich Fromm sagte mal, dass nur der eine Beziehung führen kann, der allein sein kann. Nur wer sich selber eine gute Gesellschaft ist, kann eine Beziehung auf Augenhöhe führen. Wenn ich mir selber nicht genug bin, brauche ich den anderen, um die Lücken zu stopfen. Ich trete mit Erwartungen an ihn auf und degradiere ihn zum Erfüller.

Es kann nur einen geben, der mich ganz macht: Mich selber.

„Das Glück gehört denen, die sich selber genügen.“ (Aristoteles)

Was wollen wir nicht alles haben im Leben, und vergessen dabei oft, was wir schon alles haben. Und verpassen damit das Glück, das in der Zufriedenheit liegt. Das ist umso bedauerlicher, da sich Glück selten einstellt (zumindest nicht dauerhaft), wenn wir erreichen, was wir so dringend gewollt hatten. Denn dann stellt sich viel eher der nächste Wunsch ein.

Zu allen Zeiten wurde es als höchstes Gut, als erstrebenswertes Ziel genannt: Das Glück. Schon Aristoteles propagierte es in seiner Nikomachischen Ethik, die heutige Ratgeberliteratur bestätigt es weiter. Wenn man das weiss, würde man denken, dass wir Menschen alles dafür tun, das Glück zu finden und es in unser Leben zu integrieren.

Was genau ist Glück? Es ist ein Gefühl. Es stellt sich ein, wenn wir ganz in einer Sache aufgehen, wir diese um ihrer selbst willen machen, uns dabei vergessen. Ein Kind, das auf einer Schaukel sitzt, schwingt, den Wind in den Haaren spürt, ist glücklich. Auch ein Kind, das am Teich die Enten füttert, ist glücklich. Ein Mensch, der sich für etwas begeistern kann und darin aufgeht, ist glücklich. Diese Begeisterung am eigenen Tun löst das Glück aus, indem das Hirn die entsprechenden Hormone ausschütten. Wir versuchen das Hirn im Alltag zu überlisten, indem wir mit Ausgleichshandlungen wie Schuhe kaufen oder Alkohol trinken ähnliche Ausschüttungen herbeiführen. Die halten zwar kurz an, sind dann aber weg – ohne weitere Wirkung auf uns. Wirkliches Glück bleibt im Hirn als Erfahrung gespeichert, so dass nächste Erfahrungen immer auf älteren aufbauen, sich zusammenschliessen, unser Leben und uns selber beeinflussen.

Eigentlich einfach? Die Frage ist, wieso wir alles dazu tun, uns genau das auszutreiben. Wir fangen schon bei kleinen Kindern an, indem wir ihnen sagen, wie sie zu sein hätten. Schon früh müssen sie Leistung zeigen, denn wer keine Leistung zeigt, aus dem wird nichts. Wir lehren sie, dass sie Erfolg im Leben haben müssen und Erfolg ist dadurch definiert, über andere zu siegen. Zuoberst zu stehen. Dafür müssen sie als Kleinkinder Sprachen lernen, weil man es ja dann so einfach lernt, später nicht mehr (man weiss aus der Hirnforschung, dass das nicht zwangsläufig richtig ist), müssen gute Noten bringen und alles dafür einsetzen. Dinge, die sie begeistern, müssen hintenanstehen, denn wir haben Prioritäten und die gilt es, zu erfüllen.

Das zieht sich ins Erwachsenenalter hinein. Wir kämpfen gegeneinander, stehen im Wettbewerb, wollen besser sein, höher hinaus, wir wollen Erfolg haben. Ein Miteinander geht so schwer, denn jeder trachtet danach, die anderen zu überrunden. Das Miteinander ist höchstens noch Mittel zum Zweck, nicht das, was man anstrebt.

Wenn wir schauen, was die Grundbedürfnisse eines Menschen sind, die er im Leben erfüllt haben möchte, kristallisieren sich zwei heraus: Verbundenheit und Freiheit. Er will einerseits dazugehören zu einer Gruppe, will akzeptier sein, mit all seinen Fähigkeiten, Schwächen und Stärken angenommen. Er will gleichzeitig frei sein, sich zu entwickeln, zu wachsen, seinen Teil beizutragen. Das geht nur, wenn man in der Gruppe, in der Gemeinschaft darauf setzt – nicht auf Erfolg um jeden Preis. Denn: Meist ist der Preis dafür die Ausmerzung der Begeisterung – und damit töten wir das Glück ab.

Wieso also nicht wieder mal hinsehen, wofür wir uns begeistern? Wieso nicht einfach sich mal Zeit nehmen, etwas zu tun, weil es Spass macht, gut tut, Begeisterung auslöst? Und dann das Glück spüren. Und wenn wir so Glücksmomente sammeln, Glücksgefühle ins Leben bringen, dann wird das Leben bunter, das Wohlgefühl steigt – seelisch und körperlich.

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

Möcht’ in der Sonne lachen
ein Strahlen im Blick,
verrückt tolle Sachen machen
und singen vor Glück.

Spüre das pralle Leben
und spüre ganz mich
fühle mein Herz erbeben,
und das nur durch dich.

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

©Sandra Matteotti

Glück als Geisteshaltung

RicardGlückWas Glück ist und wie man es finden kann, darüber haben die Menschen über Jahrtausende nachgedacht, Thesen aufgestellt, Definitionen verfasst. Dass die Fragen nach dem Glück nicht leicht zu beantworten seien, glaubt man darin zu sehen, dass die Literatur ganze Regale füllt und doch nicht alle Menschen glücklich sind. Die Anleitungen scheinen also nicht zu fruchten – oder die Menschen halten sich nicht an die Anleitungen.

Auch Matthieu Ricard beschäftigt sich im vorliegenden Buch mit dem Glück. Aus buddhistischer Sicht versucht er darzulegen, was Glück ist und wie man es nach buddhistischer Auffassung erlangt. Das Fazit ist eigentlich ein einfaches:

Glück ist in uns allen angelegt, wir erlangen es nicht, indem wir den Dingen im Aussen nachrennen.

Glück ist ein Zustand innerer Erfüllung, nicht die Befriedigung des unerschöpflichen Verlangens nach äusseren Dingen.

Will man sich also auf die Suche nach dem Glück machen, gilt es, die Sicht von aussen nach innen zu verlagern und den eigenen Geist zu schulen. Wir müssen erkennen, wie der Geist funktioniert und vor allem, was uns gut tut und was nicht. Das klingt einfach, ist aber eine langwierige Angelegenheit.

Eine Lebensweise zu pflegen, durch die man dauerhaftes Glück erreicht, ist eine Kunst. Es erfordert ständiges Bemühen, eine unablässige Schulung des Geistes und die Entwicklung einer Reihe von menschlichen Qualitäten wie etwa Geistesruhe, Achtsamkeit und selbstlose Liebe.

Ricard greift bei seinen Darlegungen auf ein immenses Wissen westlicher und östlicher Philosophie zurück, er zitiert die neue wissenschaftliche Forschung und legt die buddhistische Sicht dar, die sich in vielen Punkten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen deckt. Dabei bleibt er nicht in der trockenen Theorie, sondern erläutert diese mit anschaulichen persönlichen Erlebnissen.

Neben den theoretischen Erklärungen finden sich auch Anleitungen für die eigene Meditation zu Hause, so dass man sich gleich hier und jetzt auf den Weg zum eigenen Glück machen kann. Ricard versteht es, ein grosses Thema auf eine verständliche, tiefgründige und gut lesbare Art zu vermitteln. Ein wahrlich wunderbares Buch, das in keinem Regal fehlen sollte!

Fazit
Ein wunderbares, reiches und inspirierendes Buch, das ich nur ans Herz legen kann. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Matthieu Ricard
Matthieu Ricard arbeitete als Forscher auf dem Gebiet der Molekularbiologie, ehe er seine Berufung zum Buddhismus erkannte. Seit 25 Jahren lebt er als buddhistischer Mönch in den tibetischen Klöstern des Himalaya. Er übersetzt Werke aus dem Tibetischen und ist der offizielle Französischübersetzer des Dalai Lama.

 
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Knaur MensSana TB (1. Februar 2009)
ISBN-Nr.: 978-3426874134
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, danach du frugst,
In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
In den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
Denn nun ist sie dein.

Hermann Hesse schrieb dieses Gedicht im April 1918. Im Herbst 1917 hatte er in nur drei Wochen den Roman Demian geschrieben, die Zeit davor war hart gewesen durch den Tod seines Vaters, eine schwere Erkrankung seines Sohnes und die bröckelnde Ehe mit Maria Bernoulli. Zudem war der einstige Kriegsenthusiast zum Kriegsgegner geworden und überlegte gar, mit allem zu brechen, was sein aktuelles Leben ausmachte, und in die Schweiz zu ziehen. Vor diesem Hintergrund entstand das Gedicht, das so wie eine Erkenntnis aus der Not gelesen werden kann, aber auch für sich stehend eine Wahrheit und Lebensweisheit verkündet.

Der Mensch ist auf der ständigen Suche nach dem Glück. Was er denn zum Glücke brauche, darüber erhofft er Auskunft von aussen, unter anderem aus Büchern. Doch er kann noch so viel lesen, das Glück ist nicht in den Büchern zu finden. Es gibt keine Anleitung, was man tun muss, um glücklich zu sein. Die Bücher werfen einen insgeheim nur immer wieder auf einen selber zurück.

Alles, was man zum zum glücklich Sein braucht, ist schon da, es liegt in einem. Auf sich selber zurückgeworfen, wenn man hinsieht, wird man das erkennen. Wir tragen das ganze Universum in uns, Sonne, Sterne und den Mond. Wir tragen damit das Licht in uns, wenn wir es erkannt haben und leuchten lassen, das man in östlichen Philosophien Erleuchtung nennt. Man kann – mit dem Wissen in sich, mit dem Universum in sich – das erhellen, was man verdeckt und verborgen glaubte, man muss nur den Zugang finden.

Und so schliesst denn Hesse damit, dass die Weisheit und das Glück, die man lange in den Büchern suchte, aber nicht fand, plötzlich aus jedem Blatt, von jeder Seite leuchte, weil sie, hat man mal das innere Licht entdeckt, schon immer da waren und nun beleuchtet werden – von innen heraus.

Ich bin nicht gut genug. Ich pack das nicht. Ich kann das nicht. Ich bin eh zu doof. Ich Pfeife, wieso probiere ich überhaupt, ich werde eh scheitern.

So oder so ähnlich reden wir so oft mit uns. Und nein, das ist noch nicht genug, es geht noch weiter:

Mich erträgt eh keiner. Ich bin so schwierig. Wer will es mit mir bloss aushalten. Ich muss mich anpassen, sonst laufen alle davon. Ich bin übel und die anderen werden es alle bald merken – also: Ball flach halten.

Und so gehen wir durchs Leben und machen es allen recht. Wir versuchen es zumindest und rechnen es uns hoch an. Dass wir damit ständig scheitern, weil es nie allen recht ist, stellen wir uns selber in Rechnung.

Wir haben nicht genügt.

Wir versuchen härter, nehmen uns mehr zurück. Wir wickeln Kinder, hoffahren Ehemänner, schmeicheln Chefs und schreiben auf Twitter und Facebook von unserem ach so tollen Leben, auf Instagram folgt noch das Bild dazu. Wenn genug Likes kommen, haben wir gesiegt, ansonsten geht die Litanei neu los:

Wir haben nicht genügt.

Wie wäre es, wenn wir nur einem genügen wollten: Uns selber? Wie wäre es, wenn wir mal hinhören würden, was wir eigentlich wollen. Wissen wir es überhaupt? Oder ist alles eigene Wollen schon lange begraben von den Wünschen und Bedürfnissen anderer? Und ja, wir kriegen von aussen die Bestätigung für das Begraben:

Mutter opfere dich auf. Es ist dein Kind, es ist deine Verantwortung.

Wir kriegen von aussen die Bestätigung:

Geh arbeiten, leiste was.

Wir kriegen von aussen die Bestätigung:

Verdiene viel, sonst bist du nix.

Wir kriegen von aussen die Bestätigung:

Du bist in einer Beziehung. Da musst du zurückstecken.

Ich propagiere nicht den Egoismus, der über Leichen geht. Ich bin auch dafür, dass Kompromisse sein müssen und ein Miteinander gefunden werden muss. ABER:

Gehen wir wirklich Kompromisse ein oder geben wir uns auf? Welchen Wert hat das eigene Glück und dürfen wir es anstreben? Wie hoch ist der Preis dafür und sind wir bereit, ihn zu zahlen? Wo bleibt man selber, wo hat man sich verloren?

Es gibt so Tage, da zweifelt man. Zweifelt an sich, am Leben. Es liegt nahe, sich dann mit anderen zu vergleichen. Da die Tage grad eher schwierig sind, fallen diese Vergleiche selten positiv aus:

Ich bin nicht reich, es gibt viele, die mehr haben als ich. Ich bin nicht schön, es gibt viele, die schöner sind als ich. Ich bin nicht klug, wie viele sind klüger als ich, haben mehr erreicht. Ich bin nicht glücklich, weil so viele schöner, klüger, reicher und erfolgreicher sind als ich.

Und dann denkt man:

Ich möchte doch nur glücklich sein.

Das möchte wohl jeder Mensch. Und dann malt man sich aus, was es denn bräuchte, um glücklich zu sein. Und man findet ganz viel, das zum Glück beitragen könnte:

Wie glücklich wäre ich, hätte ich mehr, dann könnte ich mir mehr leisten. Wie glücklich wäre ich, hätte ich nur erst Erfolg, dann hätte ich auch mehr Geld und die Menschen fänden mich gut, ich wäre akzeptiert, vielleicht gar angesehen. Wie glücklich könnte ich sein, wäre ich klüger, wüsste ich all das, was ich nicht weiss, mich ab und an schäme dafür. Und wenn ich nur erst den perfekten Mann, ein paar Kilos weniger, schönere Haare hätte, wenn ich mir das teure Kleid, den Urlaub in Italien und die Ausbildung in den USA leisten könnte.

In all dem Streben nach Glück und der Mittel, die wir denken, dafür zu benötigen, übersehen wir oft, was wir alles schon haben. Wir übersehen, dass wir, während wir das denken, überhaupt frei denken dürfen, dass wir das, was wir schon wissen, in einer Schule gelernt haben und die Ausbildung für uns normal war. Wir übersehen, dass wir einen Computer zu Hause haben und Zugang zum Internet, wo wir noch mehr Wissen anzapfen können. Das Handy ist zur Norm und Fernsehen, Zeitungen, Essen, ein Dach über dem Kopf, Kleider, die zur Jahreszeit passen, selbstverständlich geworden. Wir können uns solche Gedanken, solche Sehnsüchte leisten, da die elementaren Bedürfnisse gedeckt sind. Wir vergessen bei all dem zusätzlich, dass es viele Menschen gibt, die uns genau so lieben, achten und schätzen, wie wir sind, egal, ob wir Erfolg haben oder nicht, reich, schön, klug oder sonst wie privilegiert sind.

Vielleicht könnten wir längst glücklich sein. Vielleicht wäre bereits alles da, was uns glücklich macht, wenn wir es nur sehen könnten und ein wenig dankbar dafür wären? Vielleicht wäre die Dankbarkeit für das, was ist, der Schlüssel zum Glück? Was hilft es, wenn das Glück immer eine Nasenlänge voraus ist, wir es aber im Hier und Jetzt nie greifen können? Was ist Glück, wenn es immer an irgendwelche Dinge geknüpft sein soll, die a) nicht in unserer Hand, b) sehr vergänglich und c) schlicht nicht vorhanden sind?

Das Leben ist selten perfekt und alles hat man nie. Gewisse Dinge haben ihre Zeit, andere brauchen einen bestimmten Raum und ganz viele passen einfach nicht in unser Leben, weil dieses an einem anderen Ort und mit anderen Parametern stattfindet. So lange wir unser Leben und uns selber nicht so annehmen, wie wir sind, nicht mit Dankbarkeit sehen, was alles schon gut ist, so lange werden wir dem Glück vergeblich nachrennen. Und während wir das tun, verpassen wir all das, was glücklich machen könnte, weil es schon da ist.