„Ich mache sicher nicht den ersten Schritt – sonst bin ich unterlegen!“

Wer ist nicht schon mit anderen Menschen aneinander gerasselt. So unschön wie es ist, am schlimmsten ist es wohl, wenn das mit dem Menschen passiert, der einem der wichtigste im Leben ist, weil: Der liebste.

So viele positive Eigenschaften man ihm normalerweise zugesteht, im Streitfall treten sie zurück. Im besten Fall weiss man noch, dass sie da sind, im schlimmsten Fall sieht man all das, was grad bedrohlich vor einem ist: Einen bösen Blick, harsche Worte, eine versteinerte Haltung, eine drohende Stimme… und das macht etwas mit einem. Nicht nur sind die liebevoll schauenden Augen, die vielen lieben Worte und Blicke und Zuwendungen verdrängt, Ängste kommen hoch. Einerseits die Verlustangst, andererseits die Angst, manipuliert und degradiert zu werden.

Wie oft denken wir: Wenn ich nachgebe, gebe ich ihm recht. Oder aber ich bin schwächer. Wenn ich die Erste bin, die ihn umarmt aus einem Streit heraus, zeige ich meine Schwäche und mein Liebesbedürfnis. Damit wird er immer über mir stehen. Er wird jede Meinung durchbringen, da er weiss: Irgendwann kommt sie (angekrochen?) und sucht die Nähe. Und dann läuft es so, wie ich es will.

Ich würde nicht mal behaupten, dass diese Haltung(en) bewusst ablaufen. Auf beiden Seiten. Meinungen, die einfach mal geäussert werden, auch im Hinblick auf Streit, scheinen wichtig. Und der, welcher sie verteidigt, ist davon überzeugt. Und es ist ihm wichtig, das zu sagen, immerhin riskiert er einen Streit. Das würde er ja wohl kaum für eine Banalität wagen. Es ist durchaus ein Privileg, alles sagen zu dürfen, was man sagen will, die Frage, die sich stellt, ist nur: MUSS man es tun? Was bringt es wirklich? Mir, den andern, dem Gemeinsamen? Ich mag in dem Fall die drei Siebe des Sokrates sehr:

Ist es wahr?
Ist es gut?
Ist es nötig?

Was ich nur vom Hören-Sagen her kenne, lasse ich vielleicht besser liegen. Wenn ich weiss, dass das, was ich sage, verletzend ist, böse ist, lasse ich es vielleicht auch besser liegen, AUSSER: Es ist nötig. Wenn ich mit der Wahrheit, die zwar schmerzhaft ist, aber mit guten Absichten geäussert, weil sie jemanden vor wirklichem Schaden bewahren kann (und ich weiss, er wird es annehmen, ansonsten ist es eh obsolet), dann ist es durchaus angebracht. Was aber bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass er nachts immer furzt, dass er schielt wie der Löwe aus Daktari? Was bringt es einem Menschen, wenn man ihm sagt, dass sein Hinterteil schlicht so breit wie der Äquator und die Oberweite einem Brotbrett vergleichbar sei? Alles mag stimmen. Aber: Es ist weder gut noch nötig. Würde man gefragt, ob der eng anliegende Rock über dem Hintern für ein erstes Date die beste Wahl ist, sähe das anders aus. Ebenso bei der weit ausgeschnittenen Bluse, welche mangels Füllmaterial bis zum Bachnabel blicken lässt.

Und so sehr wir solche Dinge ja eigentlich kennen und wissen, so oft kommen wir an Punkte, wo es Streit gibt. Ein Wort gibt das andere, tiefgelegte Gefühle brechen auf und bringen Reaktionen, welche kaum durchdacht, sondern instinktiv verheerend sind. Weil sie einen Prozess in Gang bringen. Und den gilt es zu stoppen. Nur: Wie? Klein beigeben? Dann hat man ja gleich verloren. Denkt man so. Und nein, die eigene Meinung war ja durchaus auch was wert. Und nicht einfach so dahin gesagt.

Nur: Dabei gewinnt keiner. Und ja, ab und an ist das Nachgeben eigentlich wirklich keine Schwäche, sondern Stärke, hinzustehen, loszulassen, Nachsicht walten zu lassen. Nicht überheblich. Mit Blick auf die eigenen Anteile und Fehler, die man selber gemacht hat. Aber auch im Wissen, dass einer den Schritt gehen muss. Wieso nicht man selber? Und ja: Sollte das immer so sein, der andere sich damit als Sieger fühlen, dann ist wohl demselben und der Beziehung nicht mehr zu helfen. Die hätte man aber sicher nie gerettet, hätte man ehern auf seinem Platz beharrt. Und vor allem: Man macht sich selber das Leben immer mit schwer. Und leidet. Unter dem Streit. Unter der Distanz dadurch. Unter der Trauer, dass es so ist. Unter der Angst, was draus wird. Und man hat es in der Hand. Man kann es beenden. Und wenn man das selber hinkriegt, dann ist das Stärke, keine Schwäche. Es gibt keinen Sieger oder Verlierer, es gibt nur zwei Menschen, die wieder mit besseren Gefühlen weiter gehen können.

Ich bin so ich
Und oft wohl eigen,
ich fühle halt,
wie ich es tu.

Du fragst dich wohl,
was das nun solle,
bist gar anders,
find’st deins gut.

Das find ich auch,
nur bin ich anders,
und würde gern
als ich geseh’n.

Wir können doch
Auf eig’nen Wegen,
unsern Weg
gemeinsam geh’n.

Indem ich lieb,
was dich so prägt,
und du mich nimmst,
wie ich halt bin.

©Sandra Matteotti

„Beginne damit, dich selbst zu prüfen, und noch mehr, ende damit.“ (Bernhard von Clairvaux)

Menschen sind Beziehungswesen, ohne Beziehungen könnten sie nicht überleben. Das fängt bei der Geburt an, wo die Abhängigkeit von der Mutter körperlich und seelisch überlebensnotwendig ist, hört aber da noch lange nicht auf. Auch später noch sind wir auf Beziehungen, auf Menschen in unserem Umfeld angewiesen. Das Ich braucht ein Du, um als Ich zu überleben. Nur: So sehr wir andere Menschen brauchen, so oft geraten wir auch mit ihnen aneinander. So notwendig Beziehungen sind für unser Leben, so schwer sind sie oft zu leben.

Ein falsches Wort, unterschiedliche Ansichten, verschiedene Bedürfnisse, Missverständnisse – die Liste möglicher Gründe für Konflikte ist noch lange nicht erschöpft. Und wenn einer entsteht, reagieren wir, meist impulsiv, meist so, dass wir unsere Stellung verteidigen:

Du hast gesagt! Du hast getan! Weil du so warst, konnte ich nicht anders.

Wir schieben dem anderen die Schuld in die Schuhe, um selber aus der Schuld zu kommen. Lieber sind wir das Opfer im Konflikt, das nicht anders konnte, als der Täter, der alles verursacht hat. Schliesslich und endlich wissen wir, dass wir sicher nicht streiten wollten, wie kämen wir dazu? Also muss es am anderen liegen.

Nur: Stimmt das wirklich? Machen wir es uns damit nicht zu einfach? Und mittellangfristig eigentlich schwerer? Schlussendlich kamen wir gemeinsam an den Punkt, an dem wir sind. Das hat der andere nicht alleine getan. Konflikte sind immer eine Kette von Aktion und Reaktion. Die Schuldfrage löst dabei nur eine praktisch endlose Rückwärtskette aus, bei der immer der jeweils andere vorher etwas getan hat, was erst zu unserem Tun anstiess. Und während wir diese Kette in die Vergangenheit verfolgen, verstricken wir uns immer mehr in ein Ping Pong der Vorwürfe, drehen in einer Abwärtsspirale der negativen Gefühle und lassen die Situation mehr und mehr eskalieren.

Wem bringt die Schuldfrage etwas? Was genau erreichen wir, wenn wir einen Schuldigen haben? Wir könnten mit dem Finger auf ihn zeigen und wären selber reingewaschen. Stünden quasi auf dem Podest, während der andere bitte demütig Reue bekundet. Und dann? Dann würden wir so weiter leben bis zum nächsten Konflikt, der würde wieder gleich ablaufen, bis irgendwann das Gefälle zwischen Podest und Reue so gross wäre, dass es einem oder beiden verleidet, oder aber wir uns immer wieder von neuem Schmerz und Leid zufügen, ohne etwas daran verändern zu können.

Statt einen Schuldigen zu finden, wäre es vielleicht sinnvoller, wenn wir selber in uns gingen und nachschauten, was genau unser Anteil an dem Konflikt war. Haben wir nicht vielleicht doch falsch reagiert? Die Stimme zu schnell erhoben? Den Ton zu giftig gewählt? Einen Vorwurf ungerechtfertigt platziert? Verletzt reagiert aufgrund einer alten Verletzung statt aufgrund der aktuellen Situation? Zudem könnten wir auch versuchen, Verständnis für das Verhalten des anderen aufzubringen. Nicht nur wir wollen keinen Streit, der andere will ihn sicher genauso wenig. Wieso sonst wären wir in einer Beziehung (wie auch immer sie geartet ist, hier aber als positiv gefühlte gemeint)? Mit der nötigen Selbstreflexion und dem nötigen Verständnis könnte es uns gelingen, statt immer weiter in die Abwärtsspirale zu geraten, uns zu finden in einem verständnisvollen Miteinander. Wir könnten aufeinander zugehen, statt Fronten aufzubauen. Wir könnten hinschauen, was uns an den Punkt gebracht hat, um in einem nächsten Fall vielleicht früher anders reagieren zu können oder solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Alfred Adler sagte, dass in der Liebe das Wir das Ich und Du übersteige, weil nur, wenn das Gemeinsame über dem je Einzelnen stehe, diese wirklich gelebt werde. In Konflikten geht das oft vergessen. Wir sehen nur noch uns selber, kämpfen mit Worten um einen vermeintlichen Sieg. Wir wollen den anderen schlagen mit unseren Argumenten, befinden uns sprichwörtlich in einer Kriegssituation. Wie wäre es, wenn wir stattdessen mit ihm tanzen würden? Wenn wir versuchen würden, uns zurück in den Gleichtakt zu bringen, bei dem wir uns umkreisen, miteinander drehen, statt gegeneinander zu stehen? Dann wäre das Ziel nicht die Schuldigkeit des anderen oder der eigene Sieg, dann wäre das Ziel, gemeinsam in Harmonie und innig umarmt durchs Leben zu tanzen. Im Wissen, dass so ein Tanz nur zu zweien funktioniert.

Wenn wir einem Menschen einen Fehler vorwerfen, haben wir dann noch im Sinn, was er vorher alles richtig gemacht hat? Müssten wir es im Sinn haben? Was zählt im Moment? Für uns wohl oft gerade das, was uns stört. Nur: Was trägt das Miteinander? Was hat uns erst zusammen geführt?

Wie oft hängen wir Menschen an einzelnen Fehlern auf, vernachlässigen aber all das, was uns durch sie Gutes widerfährt? Und wie oft denken wir, dass das Leben viel einfacher wäre, wären sie nur ein wenig anders. Oder es wäre gar wer anders da, welcher das abdeckt, was wir grad vermissen.

Nur: Wieso ist der andere dazu da, uns das zu geben, was wir brauchen? Geben wir ihm alles? Können wir das? Kann überhaupt ein Mensch einem anderen all das geben, was dieser braucht, um glücklich zu sein? Muss er es tun?

Ich gebe zu, ich würde mir wünschen, dass die Menschen um mich glücklich sind, weil ich bin, wie ich bin. Und wenn ich etwas tun kann, was sie glücklich(er) macht, tu ich das gerne. ABER: Wenn dieses Glücklichmachen zu einer Pflicht und Erwartung wird, wenn der andere denkt, ich bin dazu da, ihn glücklich zu machen, und ich den Anspruch habe, das tun zu müssen, dann wird aus dem beabsichtigten Glück ganz schnell ein Unglück. Für beide.

Kant sagte einst, dass kein Mensch Mittel zum Zweck sein darf, jeder Mensch sei Zweck. Also bin ich nicht dafür da, andere glücklich zu machen – in der Funktion wäre ich nur Mittel. Ich selber muss glücklich sein. Wenn ich nun eine Beziehung eingehe, ist es mir natürlich ein Anliegen, dass auch mein Partner glücklich ist – schliesslich liebe ich ihn. Erich Fromm sagte von der Liebe, dass sie danach strebe, den anderen als den anzunehmen, der er ist, und sich dafür zu interessieren, dass er sich seinen Anlagen, seinem Sein gemäss zum bestmöglichen Ich zu entwickeln.

Alfred Adler fand, dass das Wir das Ich und Du übersteigen müsse, dass nicht das jeweils einzelne Glück, sondern das Glück zusammen zuoberst stünde. Ich finde beide Ansätze gut, kann sie beide nachvollziehen und befürworten, vor allem auch aus einem Grund: Das Ich tritt zurück aus seiner Selbstbezogenheit, richtet sich aus an einem Du (durch das es auch zum Wir wird). Nur: Das Ich muss dabei bestehen bleiben. Es gibt kein Wir ohne ein Ich. Und keiner sieht das Du, wenn das Ich verschwindet.

Wenn also unser Partner nicht in jedem Punkt so ist, wie wir ihn gerne hätten, stellt sich die Frage: Wieso wollen wir ihn genau so haben? Weil es für uns einfacher wäre? Weil wir selber uns an etwas stören, das uns selber Probleme bereitet und auf das wir durch ihn gestossen werden? Weil wir unsere eigenen Ansprüche so sehr über die des anderen stellen, dass wir es nicht mehr schaffen, über unseren eigenen Tellerrand hinauszuschauen?

Und ja, manchmal mag das Verhalten des anderen wirklich Grenzen sprengen, die wir mit allem Hinterfragen und aller Grossmut nicht mehr gutheissen können. Und vielleicht auch sollen (wer oder was hier auch immer Massstab sein mag). Wenn wir dann daran denken, was er uns alles Gutes tut, können wir vielleicht angemessener reagieren, als wenn wir ihn nur aufgrund eines für unschön befundenen Verhaltens einfach verurteilen. Und wenn wir uns zudem bewusst sind, dass auch uns durchaus das eine oder andere solche Verhalten passieren kann und wir dann für ein wenig Verständnis und den nötigen Blick aufs grosse Ganze dankbar wären, mag das durchaus helfen, sich anbahnende Konflikte im Keim zu ersticken durch eine angemessene Reaktion.

Manchmal gelingt das nicht beim ersten Schritt, man braucht einen zweiten Anlauf. Rom wurde auch nicht an einem Tag erschaffen. Beziehungen sind schliesslich und endlich Wege, die man geht. Zusammen. Und wenn man einmal auseinander driftet, braucht man Schritte. Aufeinander zu. Es kommt nicht drauf an, wer den ersten Schritt tut. Wichtig ist, dass er gemacht wird. Man stelle sich den sturen Esel vor, der durstig drauf wartet, dass der Brunnen sich ihm nähert. So möchte doch keiner sein, oder?

„Warum uns das Plötzliche oft überrascht? …Weil uns das Allmähliche entging.“ Otto Weiß

Wer hat nicht schon einen guten Freund, dessen Beziehung gerade in Brüche ging, klagen hören, dass er es nicht hätte kommen sehen? Und wer fiel dabei nicht auch schon selber aus allen Wolken und dachte, dass das wirklich nicht abzusehen war? All die kleinen Blicke, die spitzigen Bemerkungen, die leisen Unzufriedenheiten gingen unter. Und aus dem Nichts quasi kommt der Bruch.

Wenn du mit deinem Partner sprichst, hörst du ihm wirklich zu? Wenn ihr das gemeinsame Leben plant, habt ihr wirklich beide eine Stimme? Bist du zufrieden mit deinem Leben? Ist es dein Partner? Was weisst du eigentlich über euch beide? Wann hast du das letzte Mal genau in dich gehört? Und ihm zu?

Veränderungen kommen oft schleichend und werden uns so oft nicht bewusst. Das geschieht einerseits aus unserem Eingespanntsein in die Hektik des Alltags, aber auch, weil wir gar nicht genau hinschauen wollen: Es könnte uns nicht gefallen, was wir sehen, so dass wir lieber in der Illusion verharren, dass alles gut ist. Bis sie sich nicht mehr aufrecht erhalten lässt.

Nur: Früh genug hingeschaut, hätte man noch vielleicht einiges noch in der Hand gehabt, irgendwann ist es zu spät.

Sie legte den Kopf schräge: „Weißt du, was mich brennend interessiert?“

Er: „Hm….“

Sie: „War das nun ein Ja oder ein Nein?“

Er: „Was?“

Sie: „Ich fragte dich, ob du wüsstest, was mich brennend interessiere, heisst „Hm“ ja oder nein?“

Er: „Wieso interessiert dich das?“

Sie: „Na, weil ich sonst ja nicht weiss, ob du es nun weißt oder nicht..:“

Er: „Ich wüsste vor allem mal gerne, was in Köpfen, die sich für solchen Mist interessieren, vorgeht…“

Im Märchen hiesse es nun, dass sie, wenn sie nicht gestorben sind, glücklich weiterleben würden, es ist aber davon auszugehen, dass einer der beiden das nicht überlebt hat.

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Für die abc.etüden, Woche 23.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 23.18 kommt von Gerda Kazakou (gerdakazakou.com)

Sie lautet: Schräge, brennend, köpfen

 Der Ursprungspost: HIER

 

Sie: „Ich habe zugenommen, findest du nicht?“

Er kannte sie schon eine Weile und wusste, dass das dünnes Eis war und er sich hüten sollte, etwas zu sagen, nur wusste er auch, dass er aus der Nummer nicht ohne ein Wort rauskommen würde, da sie keine Ruhe gäbe, bis er ihr geantwortet hätte, nur um dann – egal, was er auch sagte, er konnte nur verlieren – auszuflippen und ihm die Hölle heiss zu machen für die nächsten Tage, zumal sie unglaublich nachtragend sein konnte, was er gar nicht mochte, aber auch nicht sagen durfte, da dies denselben Effekt gehabt hätte wie die nun erwartete Antwort.

Er nuschelte nur etwas, das ganz sicher wie ein Nein, niemals wie ein Ja klang, und wollte sogleich gehen, als Ausrede brachte er – nun ganz verständlich, sie sollte die Dringlichkeit des Weggangs ja verstehen – das Argument vor, heute zeitig bei der Arbeit sein zu müssen. Er hatte die Rechnung ohne den Wirt (hier die Wirtin, denn Genderbewusstsein wurde neustens auch gross geschrieben und er traute sich schon fast nicht mehr, morgens zu fragen, ob sie einen Kaffee ans Bett gebracht haben wollte, tat es noch, weil Heissgetränk wiederum nicht spezifisch genug gewesen wäre) gemacht.

Nicht nur liess sie ihn nicht einfach so gehen, nein, sie atmete hörbar aus, worauf ihr Bauch nach aussen schnellte, einen Knopf von ihrer Bluse löste und diesen wie eine Pistolenkugel in seine Richtung schoss.

Und die Moral von der Geschicht:

Übers Gewicht der Frauen spricht man nicht.

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Für die abc.etüden, Woche 10.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 10.18 kommt Frau M.Mama (im www HIER)

Sie lautet: Knopf, zeitig, hüten.

Der Ursprungspost: HIER

Sie: „Sag mal, kannst du dich nicht mal ordentlich kleiden? Ich mein, das Unterhemd geht ja gar nicht.“

Er: „Ach komm, das ist so knallvergnügt. Das Leben ist schon trist genug. Und schau mal raus, das Wetter ist grau in grau, drückt aufs Gemüt, zieht runter, raubt Kraft und Energie, und das könnte schon fast ein neuer Hip-Hop-Hit sein, ich müsste es noch aufschreiben, und den Beat drunter legen, dann wäre es mitreissend, und Stimmung hebend, im Gegensatz zum Grau draussen, und wer nun noch nicht im Takt mitliest, hat schlicht kein Musikg’hör.“

Sie: „Sprich, du willst auf dieses ach so schreckliche Teil nicht verzichten, und fügst als Argument diesen Sermon an, der weder Rhythmus noch Reim hat?“

Er: „Ja!“

Wir wissen nicht, wie er endete…..

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Für die abc.etüden, Woche 04.18: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für die Textwoche 06.18 kommt von Anna-Lena von visitenkartemyblog.wordpress.com

Sie lautet: Unterhemd, knallvergnügt, verzichten.

Der Ursprungspost: HIER

 

Sie: „Früher hatten Künstler Mäzene, ich habe dich.“

Er: „Hallo? Ich bin dein Mann! Das ist ja wohl was anderes.“

Sie: „Unterstützt du mich etwa nicht mit meiner Kunst?“

Er: „Natürlich tu ich das, das weißt du!“

Sie: „Eben, sag ich doch!“

Er: „Hast ja recht…..“

[eventuell wollte er noch was sagen, aber er kam nicht mehr dazu – wen verwundert es bei der Steilvorlage….]

Sie: „Hab ich das nicht immer?“

[das ist der Punkt, wo er besser nichts mehr sagt… nicken geht noch…]

©Sandra Matteotti

Er: „Was machst du denn so Anstrengendes, dass du schon zum dritten Mal laut stöhnst?“

Sie: „Du weisst doch, dass ich mir ein neues Hobby zulegen wollte, weil ich finde, dass jeder Mensch etwas haben sollte, mit dem er sich vom Alltag erholen kann, mit dem er ein bisschen mehr zu sich selber findet und ausgeglichener ist.“

Er: „Also ich habe nichts solches.“

Sie: „Das merkt man gut, darum bist du so unausgeglichen.“

Er: „Wenn du das sagst – aber was machst du denn nun zur Selbstfindung?“

Sie: „Ich klöpple, muss aber feststellen, dass es extrem langwierig ist, mit diesem Geklöppel eine einigermassen grosse Decke zu bekommen – das ist fast wie wenn ein dünnes Rinnsal durch ein Flussbett strömt und das Meer füllen sollte.“

Er: „Und du willst nun mit Klöppeln das Meer füllen?“

Sie: „Du verstehst mal wieder gar nichts.“

Er: „Du hast vom Meer gesprochen, aber was auch immer du füllen willst, Selbstfindung braucht halt Zeit.“

Er hatte kaum war das letzte Wort ausgesprochen, da wurde er auch schon von einem Klöppelhagel getroffen.

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Für die abc.etüden, Woche 48.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Wortspende für Textwoche 46.17 kommt von Frau Myriade vom Blog la parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée, die Wörter lauten: Flussbett, langwierig, klöppeln.

 Der Ursprungspost: HIER

 

Sie hatten sich schon lange nichts mehr zu sagen.
Und was sie sich sagten, war alles andere als schön.
Oft dachte sie, es wäre Zeit, loszulassen, Zeit, weiterzugehen.
Sie wünschte sich eine Laterne, die den Weg leuchte, eine Laterne, die ihr Licht im Dunkel wäre.
Eine Laterne, die all das Grau wieder herbstfarbenbunt erstrahlen liesse.
Und doch war da nur Dunkel.
Und keiner sagte was.
Und wenn, hätte sie es lieber nicht gehört.
Und sie knipste das Licht aus, damit das Dunkel im Innern dem draussen entspricht.
Und vielleicht träumte sie von einer Welt in allen Farben, von einer Welt voller Licht, einer Welt voller schöner Worte oder aber gemeinsamen Schweigens, von einer Welt, wie sie ihr gefällt, einer Welt, die möglich wäre, liesse sie los und nähme die Laterne, zündete auf den Weg und ginge – aber dann wachte sie auf und blieb.

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Für die abc.etüden, Woche 43.17: 3 Worte, maximal 10 Sätze. Die Worte stammen in dieser Woche von mir und lauten: Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen.

Der Ursprungspost: HIER

„Ist das schon ein Monat her? Die Zeit ist ja wirklich gerast, es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen, aber ich bin so unendlich glücklich, haben wir uns entschlossen den Weg zu gehen, denn ich bin überzeugt, es ist der einzig richtige, selbst wenn es einen gäbe, der auf den ersten Blick einfacher oder geregelter oder schlicht stimmiger erschiene – nicht immer ist das, was man auf den ersten Blick befürwortet dann auch das, was man wirklich gerne hätte, da man nur immer sieht, was offensichtlich ist, nie aber die Konsequenzen, die das Gehen eines Weges mit sich bringt.“

„Wovon sprichst du eigentlich?“

Dass du mich das fragst, finde ich nun ja echt fragwürdig, aber ich will mich gar nicht aufregen, da es ja eh immer dasselbe ist mit dir, da du nie verstehst, was ich meine, und das, obwohl du behauptest, du liebst mich und wir seien füreinander bestimmt, was ich ja eh merkwürdig finde, da ich nicht wüsste, wer das bestimmen hätte sollen und wieso und wozu. Drum, ruhig bleiben, du wirst dich nie ändern, du wirst mich nie verstehen, du wirst immer nachfragen, obwohl alles klar wäre, würdest du nur mal nachdenken und nicht gleich fragen, was aber wohl zu anstrengend wäre, obwohl ich dir ja wirklich alles gesagt habe, was es zu wissen gäbe, würde man nur ein wenig dabei sein, wirklich da sein, ähnlich denken und mich vor allem verstehen. Ich fühle mich so alleine, nein, noch schlimmer, ich muss mich noch ärgern.“

„Wenn ich so schlimm bin, kann ich ja gehen.“

„Das ist ja mal wieder typisch für dich: Kaum habe ich ein Problem und bräuchte Unterstützung, gehst du.“

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Für die abc.etüden, Woche 41.17: 3 Worte, maximal (!!!) 10 Sätze (ich habe extra Endlossätze gemacht… zählen soll ja nicht zu leicht sein). Die Worte stammen in dieser Woche von Red Skies Over Paradise (redskiesoverparadise.wordpress.com) und lauten: Monat, fragwürdig, gehen

Der Ursprungspost: HIER

Kürzlich hörte ich von einer Frau – und es klang lobend und freudig:

Mein Mann hilft im Haushalt.

Sie sagte das als Antwort auf das Jammern ihrer Freundin, welche beklagte, dass sie alles alleine machen muss. Im ersten Moment dachte ich „toll“ und gratulierte der guten Lobenden innerlich. Schliesslich muss man sich den Mann passend aussuchen und man weiss meist, was man kriegt. Doch dann überlegte ich weiter. Und war nicht mehr so begeistert.

Man kommt als Paar zusammen und gründet einen gemeinsamen Haushalt, irgendwo ein gemeinsames Leben. Natürlich sind da Rollen zu verteilen. Dies sollte im besten Fall gemeinsam passieren, so dass jede der beiden Parteien zufrieden ist. Wenn nun aber ein Haushalt gemeinsam ist, hilft dann einer dem anderen, wenn es darum geht, diesen in Schuss zu halten? Oder aber ist es eine gemeinsame Aufgabe, die man im Miteinander löst?

Nun gibt es verschiedene Beziehungsmodelle:

Beide arbeiten gleich viel. Spontan könnte man hier sagen, dass beide gleich viel im Haushalt machen müssten. Nehmen wir an, einer arbeitet 100%, der andere 60%. Müsste nun die Haushaltslast entsprechend angepasst werden? Was, wenn der mit 60% gleich viel verdient, wie der mit 100%? Und: Wohnt dann der, welcher 100% arbeitet, weniger im Haushalt als der andere? (Nicht nur zeitlich, auch gefühlsmässig). Nehmen wir an, eine Hausfrau mit drei (gemeinsamen oder auch durch Heirat mit aufgenommenen) Kindern lebt mit einem zu 100% arbeitenden Mann zusammen. Wer gehört in den Haushalt? Spannend wird es in dem Modell bei den Ferien des so arbeitenden Mannes. Kann er nun übernehmen? Wenn nicht: Wann sind ihre Ferien? (Die Frage kann man auch mit umgekehrten Geschlechtsrollen stellen).

Man merkt wohl, worauf ich hinaus will: Es ist nicht ganz so einfach, schon gar nicht mathematisch. Es mag wohl hinkommen, dass der, welcher mehr zu Hause ist oder seine Arbeit freier einteilen kann, mehr Möglichkeiten hat, Dinge im Haushalt zu erledigen. Das macht diesen aber nicht zu dessen Haushalt, es bleibt ein gemeinsamer. Ergo ist es keine Hilfe, sondern ein Beitrag, wenn der andere was tut.
Reine Wortklauberei? Ich finde nicht. In diesen Worten steckt eine Hierarchie. Der eine muss und der andere macht nur aus gutem Willen mit, muss dafür schon gelobt werden. Es ist nicht selbstverständlich, dass beide dafür sorgen, dass das gemeinsame Heim schön ist, einer will es schön haben, der andere macht. Und ja, nehmen wir das Rollenmodell Hausfrau-100%Arbeiter: Wer nun einwenden will, dass gewisse Männer ach so arm und viel arbeitend sind (vice versa für Frauen im umgekehrten Falle), dem sei gesagt: Sie könnten das in dem von ihnen gewählten Modell auch nicht tun, wenn sie nicht Frauen hätten, die ganz viel abnehmen – zum Beispiel: Drei Kinder zu unterschiedlichen Hobbies fahren, Elterngespräche wahrnehmen, Sorgen abhören und Hausaufgaben überwachen. Essen kochen, Dinge einkaufen, die der Mann nicht essen dürfte wegen seiner Diät und ihn trösten, wenn die Waage nicht will, wie er. Für alle anderen Modelle kann man das anpassen oder das Wort „Hilfe“ per se in die Tonne treten. Und das kann man es auch in diesem Fall.

Letztendlich sind Menschen in Beziehungen Partner. Und als solche schauen sie gemeinsam, dass die Beziehung läuft und das gemeinsame Leben funktioniert. Es hilft nicht einer dem anderen, sondern man ist füreinander da. Gegenseitig. Und macht, was gemacht werden muss. Gemeinsam. Jeder, was er kann, nicht nur, was er gerne möchte – oder grad gut als Hilfe verkaufen kann.