Läuft ein Lied im Radio.

Sie: „Das ist so schön, da ist schon lange mein Lieblingslied.“

Er: „Wer ist das?“

Sie: „Was kümmert mich, wer das ist? Das Lied ist schön!“

Läuft ein Lied im Radio.

Sie: „Ach, mein Lieblingslied. Schon immer. Und immer, wenn ich es höre, geht für mich die Sonne auf.“

Er: „Weißt du nun, von wem es ist?“

Sie: „Du immer mit deinen Fragen.“

Er zieht los, geht in die Stadt. Geht in den angesagtesten Plattenladen und singt dem Verkäufer vor, was er noch im Kopf hat. Dann lässt er die Sache einpacken und bringt ihr den Sonnenschein nach Hause.

Das muss wohl Liebe sein.

Mal eine Geschichte aus dem Leben. Und: Das Paar ist übrigens über 50 Jahre zusammen heute – und das war das Lied:

In den Sozialen Medien kursiert mal wieder ein neuer #Hashtag.

#metoo

Es geht darum, aufzuzeigen, wie weit verbreitet sexuelle Übergriffe sind auf dieser Welt. Wir geben uns so aufgeklärt, wollen so weit schon sein in Sachen Gleichberechtigung. Und doch gibt es sie. Und das öfter, als man es sich träumen liesse:

Sexuelle Übergriffe

Sie finden statt und sie tun es meist im Verborgenen. Die Gründe, wieso man damit nicht hausieren geht, sind mannigfaltig: Scham, Unterdrückung, mangelnder Selbstwert, Angst und viele mehr.

Ich finde es gut und wichtig, werden diese Themen endlich öffentlich angesprochen. Es ist schwer. Es ist unschön. Es macht Angst. Es geht tief. Und: Man weiss nicht, was nach einer eigenen Äusserung auf einen zu kommt.

Das wusste man schon nicht, als es passierte. man war ausgeliefert. Einer Handlung, die über einen kam, ohne dass man es wollte und oft ohne, dass man sich dagegen hätte wehren können. Und: Wenn man sich wehrte, stiess man auf Fronten. Widerstände.

Bei #metoo geht es nur drum, aufzuzeigen, dass es viele sind, denen es passierte. Es geht um die Demonstration des Ausmasses. Damit soll ein Bewusstsein geweckt werden, wo wir stehen in unserer Welt. Nur: Das verstehen viele nicht. Einige belächeln es, andere wollen es für sich benützen. So finden die einen, dass es nichts brächte, die anderen fordern, man solle ihnen doch bitte einen Artikel liefern, Namen nennen – ganz vertrauensvoll.

Nur haben weder die einen noch die anderen sich die Mühe gemacht, hinzusehen, worum es überhaupt geht. Es sind verdammt viele Menschen in dieser grossen Welt, die sexuell angegangen wurden. Schlicht, weil jemand dachte, in einer Position zu sein, in der er sich das leisten konnte. Er hatte die Macht und jemand brauchte oder wollte etwas.

Was ich hier ganz oft höre:

Wieso hat man sich nicht gleich gemeldet?

Es liegt auf der Hand. Eine Schauspielerin, die den Produzenten angeht nach einem Film, wäre gleich abgestempelt. Sie machte die Beine breit für die Rolle. Alles, was sie beruflich geschaffen hätte, stünde unter einem Hochschlafverdacht. Sie als Mensch wäre käuflich und damit minderwertig. Kaum einer ginge den Produzenten an, der darauf setzte. Wieso? Weil die meisten Menschen in der Rolle der Suchenden und nicht der Gebenden sind. Dass jemand was schaffte, muss Abgründen geschuldet sein, ansonsten müssten wir uns selber hinterfragen. So können wir auf unsere ethischen Werte setzen bei der Begründung eigenen Misserfolges.

Böse? Ja, wohl schon. Aber auch menschlich. Wir versuchen, unser Leben vor uns und nach aussen zu rechtfertigen. Wir greifen dabei auf Muster zurück. Muster sind – liegt in der Natur der Sache – immer von Gestern. Und genauso haften gewisse Verhaltensmaximen in den Köpfen. Drum gehen solche Dinge heute noch.

Wer also meint, solche #hashtag-Aktionen taugen nix: Sie bilden Boden. Auf diesem können Werte wachsen. Werte, die im neuen Boden neu gesät werden. Das passiert nicht von heute auf morgen. Das braucht Zeit. So fing aber alles an. Eine ging studieren. Und eine bewarb sich um ein Amt. Und eine…

Man muss nicht immer Namen nennen. Ab und an reicht es, hinzustehen und zu zeigen, was ist. Damit wächst ein Bewusstsein. Und dann kommt ein Umdenken. Mit der Zeit.

Ganz traurig sind im Ganzen aber Journalisten, die finden, das brächte nix, man würde besser Namen nennen, ihnen persönlich berichten, was war. Dazu sage ich nur soviel: Traurig, dass jemand, der sich Journalist nennt, nicht vorerst recherchiert, worum es in einer Aktion überhaupt geht, sondern nur den eigenen Profit wittert und gerne im Mittelpunkt stünde….sie reihen sich in all die ein, welche verunmöglichen, dass konkrete Fälle geahndet werden: Jeder schaut auf seinen Profit. Da verlieren Opfer meistens.

Sie so: „Du musst einfach lernen, deine Fehler einzugestehen.“

Er so: „Wir müssen beide lernen, dass wir Fehler haben. Auch du hast deine.“

Sie so: „Da hast du recht. Wobei: Wenn ich so nachdenke… eigentlich fällt mir grad keiner ein, ich finde mich ziemlich gut. Eigentlich bin ich fast perfekt.“

Billag-Gebühren auf dem Prüfstand

Immer wieder schlagen unsere Fernsehgebühren Wellen. Immer werden Stimmen laut, die fordern, diese abzuschaffen. Ja, ich fände das auch nett. Zumal mein Budget nicht unendlich und das Leben teuer ist.

Ich schaue selten fern. Schon gar nicht am Fernseher. Der hängt eher so als dekoratives schwarzes Rechteck in der Stube und wird nie benutzt. Wenn ich am Computer schaue, geht die Auswahl des Programms quer durch die Sender, je nach aktuellen Vorlieben. Meist Zattoo und Netflix. Ich käme auch mit Netflix alleine aus. Wieso also Billag? Was hab ich mit dem Schweizer Fernsehen am Hut?

Ich mag vieles auf SRF. Vieles auch nicht. Manches finde ich höchst fragwürdig. Zum Beispiel die Übertragung stundenlanger Imam-Gebete. Am Sonntag Morgen. Ich möchte auch keine anderen Gebete schauen – aber das bin ich, andere sind anders. Die Mischung macht’s und SRF kriegt die gut hin. Ganz viel hat ganz viel Hand und Fuss – man denke an die Sternstunden, die Doks, die Nachrichtenformate.

Krimi und Liebesschnulz halten sich die Waage, die Informationsformate sind (ok, Arena ausgeschlossen) informativ – ja, für Leistung soll man bezahlen. Heute herrscht aber leider eine Mentalität vor: Ich will möglichst viel und ich möchte es gerne gratis. Irgendeiner verkauft sich sicher für lau. Damit erpresst man dann die, welche für ihre Leistung Geld wollen.

Und die, die so handeln, gehen dann dahin und predigen Ethik und Werte. Sie stellen sich hin und fordern eine menschlichere Welt. Wo man sich so gegenseitig schätzt. Anerkennt, was jeder leistet. Da gebe ich ihnen Recht. So soll es sein. Nur: Das hört dann wohl beim eigenen Geldbeutel auf.

Klar kann man hinterfragen, wofür die gezahlten Gelder gebraucht werden. Schlussendlich sollte das Programm einer möglichst breiten Masse entsprechen und es soll diese über das, was in unserer Welt passiert, informieren. Das passiert aktuell eigentlich sehr gut. Darum werde ich weiter zahlen. Nicht gerne, ich zahle nichts gerne. Aber:

Jeder soll kriegen, was er verdient.

In letzter Zeit spülen mir die sozialen Medien immer mehr Artikel in den Gesichtskreis, in denen es um Gleichberechtigung geht, um Zahlen davon, wie viele Frauen wo vorhanden sind. Da wird gezählt. Akribisch. Der Buchpreis: Ein paar Frauen, ganz viele Männer. Die Jury: Ganz viele Männer, kaum eine Frau. Schullektüre: Fast gar keine Frauen, denn mehrheitlich Männer. Bestsellerlisten: Man ahnt es.

Ich merke, das Ganze nervt mich. Meist wird nicht gefragt, wieso es so ist, man zählt nur, was ist. Was, wenn sich gar nicht genügend gemeldet haben? Was, wenn es schlicht einfach mehr Männer gibt? Selbst das kann man natürlich hinterfragen, aber man sollte es tun. Fragen, wieso dem so wäre – wenn dem denn so wäre.

Ich habe mir Gedanken gemacht. Was las ich in der Schule? Und ja, im Deutsch ausschliesslich (tote) Männer. In der Zeit gab es aber auch kaum Frauen. Zumindest wenig „grosse“. Droste-Hüllshoff wäre eine – kam nicht. Ansonsten? Wer wäre? Franziska von Reventlow wird vernachlässigt, Seghers und Aichinger lebten noch, ebenso die Jelinek. Anno dazumal schrieben die wohl in Deutschland einfach nicht?

Im Englisch lasen wir auch nur Männer. Da ist es fragwürdiger, denn da hätte es einige gegeben: Austen, die Brontes, Virginia – Lag es dran, dass der Lehrer männlich war? Das waren der Deutsch- und der Französisch-Lehrer übrigens auch und auch im Französisch lasen wir nur Männer. Ob es da Frauen bei den Klassikern (nur solche lasen wir) gäbe, entzieht sich meiner Kenntnis. Simone de Beauvoir? Aber die wäre vielleicht eher Philosophie und das war Freifach – und da lasen wir Kant… (was ich aber toll fand… müsste ich sie besser finden, weil sie eine Frau ist? So fühlt sich die Zählerei ab und zu an….)

Ich ging in Gedanken weiter zum Studium. Im Verhältnis wenig Frauen gelesen, zumindest in Germanistik, in Anglistik die eine oder andere mehr. Ich müsste aber zählen, wie viele es denn wären im Verhältnis. Muss ich? Ist es relevant? Noch gebe ich nicht auf. Ich gehe weiter und erinnere mich an meine Professoren. In Germanistik hauptsächlich Männer. In Philosophie ebenso, Geschichte auch, Anglistik war die Vorzeige-Professorin, die in aller Munde war, weil sie so jung Professorin geworden war. Ich habe aber quasi nur bei Männern studiert. Guten Männern.

Wenn ich mir heute die Professoren-Listen in meinen Fächern anschaue, ist die Mehrheit noch immer männlich. In meinen Fächern waren Frauen in der Mehrzahl. Wo sind die alle hin? Waren sie wirklich so schlecht? Wollten sie nicht? Wurden sie nicht genommen? Da fängt es langsam an, unangenehm zu werden beim Denken. Ich habe selber Diskriminierung erlebt aufgrund meines Geschlechts. Eine Assistenzstelle kriegte ich nicht, weil ich (explizit so gesagt – übrigens von einer Frau) als Frau und alleinerziehende Mutter nicht in der Lage sei, die Anforderungen erfüllen zu können. Ein Stipendium kriegte ich erst, man wollte es mit der gleichen Begründung nachher absprechen… ich wäre fast vor Gericht gezogen.

Woran liegt es, dass Frauen in der Literaturwelt so untervertreten sind? Muss man das nun zählen und aktiv ändern? Wie sollte das gehen? Quoten? Dann wären Bücher von Frauen nur deshalb in Wettbewerben, weil sie von Frauen stammen. Frauen sässen nur in Jurys, weil sie Frauen sind. Frauen hätten Professuren inne, weil sie Frauen sind.

Man kann nun sagen: Das wäre, der Frau Unrecht getan. Das hiesse, Frauen (und Männer) nicht mehr nach Leistung, sondern nach Geschlecht zu bewerten. Das Argument greift zu kurz. Wer das Argument anführt, geht davon aus, dass es weniger fähige Frauen als Männer gibt. Denn nur dann wäre das Ungleichgewicht gerechtfertigt. Sobald man das negiert, müsste man zum Schluss kommen, dass beide gleich oft vertreten sein müssten. Wenn sie gleiche Chancen hätten.

Und ja, es ist nicht toll, zählen zu müssen. Es ist nicht toll, Quoten durchprügeln zu müssen. Es ist traurig, muss man Zahlen bemühen, um gelten zu lassen:

Alle sind gleich und sie sollen gleiche Chancen haben.

Davon scheinen wir noch weit entfernt zu sein.

Kürzlich las ich im Netz einen Entsetzensschrei:

Frau Merkel trägt seit Jahren dasselbe Hemd zum Wandern.[1]

Ein paar Tage früher hatte man sich über die Farbwahl ihres Kleides lustig gemacht, die Bezeichnungen für die Farbe erstreckten sich auf der ganzen Klaviatur der Kakophonie. Und sind es nicht die Kleider, über die man spottet, so ist es die Frisur, die Handhaltung oder eine andere Äusserlichkeit.

Das erinnert mich an den Auftritt unserer Bundesrätin Leuthard bei der Eröffnung des neuen Basistunnels. Damals war es der Mantel, der die Medienwelt in Fahrt brachte. Er sähe aus wie ein Emmentaler Käse, war noch fast der netteste Kommentar.[2]

Wieso wird eigentlich bei Frauen stets so ein Aufhebens gemacht, Männer marschieren daneben mausgrau und unbehelligt durch? Hat man je einen Kommentar wegen farblich unpassenden Krawatten, falschen Socken, zu kurz geratenen Hosen, schrecklichen Schuhen gelesen? Was ist bei den netten Altherren, welche sich ihre restlichen drei Haare mit Uhu Sekundenkleber dreimal um die Glatze kleben? Muss viel besser sein als Frau Merkels Schnitt, denn auch dieses Highlight an Haarstyling schafft es kaum je in die Medien. Donald Trump stellt wohl die Ausnahme der Regel dar, seine Frisur war wohl in aller Munde – was aber eben nur die Ausnahme, nicht die Regel ist.

Unterm Strich bleibt: Während bei Männern mehrheitlich deren (erbrachte oder ausbleibende) Leistung Thema ist, wird bei Frauen jeder Millimeter abgecheckt. Und dies nicht nur von Männern, Frauen machen da fröhlich mit. Sie gefallen sich oft in der Rolle derer, die auf Frauen in der Öffentlichkeit schiessen aus dem Hinterhalt. Frauensolidarität sucht man vergebens.

Wir Frauen können uns nicht immer als arme Opfer der nicht vorhandenen Gleichberechtigung darstellen. Wenn Frauen wirklich fair behandelt werden wollen, wenn sie aufgrund ihrer Leistung bewertet und nicht wegen Äusserlichkeiten bevorzugt oder diskriminiert werden wollen, wäre ein Schritt auf dem Weg sicher, selber mit gutem Vorbild voran zu gehen. Was kümmert Frau Merkels Frisur, Robe oder Handhaltung? Und schon gar ihr Wanderhemd? Sie soll Politik betreiben, keine Modeschau bestreiten. Messt sie an ihren Taten, da gäbe es wahrlich genug zu schreiben. Oder ist es schlicht einfacher, einen Kalauer über ein Kleid zu machen, als politische Vorgänge vernünftig zu diskutieren?

Wer nun in diesem ganzen Artikel eine Haltung für oder gegen die Politik Angela Merkels gelesen haben sollte, soll bitte nochmals lesen. Es findet sich nichts, da es mir hier rein darum geht, wie Frauen und Männer Männer und Frauen bewerten. Es geht mir um die Haltung Menschen gegenüber. Und die unterscheidet sich im Hinblick aufs Geschlecht noch zu sehr.

___

[1] Hier haben wir das Hemd

[2] Ich hatte das HIER kurz angetönt

Heute las ich den schönen Beitrag zur Tierethik bei Gerda Kazakou (HIER). Sie spricht Themen an, die mich auch schon sehr lange beschäftigen, die ich nie abschliessend beantworten konnte, immer mal wieder neu aufrollte für mich und meine Haltung überprüfte, mein Essverhalten auch.

Tierethik und Vegetarismus – zwei wichtige Themen. Ich frage mich immer wieder, ob es eines ist, tendiere aber dazu, die beiden zu trennen. Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und war immer nahe an Bauernbetrieben dran, weil wir da Ferien machten. Ich habe als Kind Sommer für Sommer im Dorf den Metzger begleitet, wie er das Schwein aus dem Stall holte und wenige Meter davon schlachtete. Vom ersten Schuss bis zur fertigen Wurst haben wir Kinder zugeschaut. Es war für uns natürlich und wir durften das noch frische Brät probieren. Am Tag vorher hatten wir die Schweine noch im Stall gestreichelt.

Ja, ich möchte das heute nicht mehr so machen, gebe ich ehrlich zu, ich könnte es nicht mehr. Trotzdem bin ich der Ansicht, wenn der Fleischkonsum noch so wäre, dass Tiere nur so gehalten und geschlachtet würden, wie es da üblich war, dann wäre das durchaus ein schönes Leben für die Tiere. Ich denke nicht, dass der Konsum per se unethisch ist, es ist eher die Art und Weise, wie er sich entwickelt hat – mit all den Auswüchsen wie Massentierhaltung und Tierquälereien.

Die Haltung ist nur das Eine, weiter geht es mit der Tierproduktion: Es gibt immer weniger Metzger in Dörfern, oft werden die Tiere zuerst über weite Strecken hin in Schlachthöfe transportiert, stehen schon beim Verladen und auf dem Transport Todesängste aus, um dann im schlimmsten Fall erst mal ein Wochenende im Schlachthof auf engstem Raum und unterversorgt ein Wochenende durchzustehen, bis es schliesslich am Montag ans Lebendige geht. Auf diese Weise kann mehr und günstiger produziert werden, damit der Käufer schliesslich sein ordentliches Stück Fleisch zum Kilopreis von 10 Franken auf dem Tisch hat.

Ich hörte gerade heute im Radio, dass ein Dorf das wieder ändern will und einen Metzger anstellen. Sie wollen, dass die Tiere wieder auf dem Hof geschlachtet werden können und das Fleisch soll schliesslich auch da verkauft werden. Schön wäre, wenn auch sogenannte Grossverteiler solche Projekte aufgreifen würden und so auch wenig mobile Stadtmenschen wenigstens die Möglichkeit hätten, mitzuhelfen für eine tiergerechtere Haltung. In einem anderen Fall haben sie das gemacht:

Ein Bauer aus dem Zürcher Oberland wollte nicht mehr mitansehen, dass männliche Küken einfach getötet werden, weil sie keine Eier legen und bei der Aufzucht länger brauchen, bis sie Fleisch ansetzen. Er lässt sie leben, füttert sie doppelt so lange wie ihre weiblichen Geschwister und verkauft sie dann halt entsprechend teurer.

Wenn ich das höre, denke ich doch immer wieder: Es würde gehen, wenn wir alle umdenken würden. Für mich ist eine Tierhaltung, welche dem Tier ein gutes Leben ermöglicht und einen möglichst angst- und schmerzfreien Weg zum Schlachter durchaus ethisch. Möglich ist das alles aber nur, wenn wir nicht nur trieb- und lustgesteuert einkaufen, sondern bewusst unsere Haltung zum Leben (unserem und dem von Tieren) überdenken.

Ich war insgesamt 16 Jahre meines Lebens Vegetarier (mit Unterbrüchen), tendiere immer mal wieder in die Richtung, habe mich nun aber als 95%-Vegetarier eingependelt. Ich habe übrigens gemerkt, dass der Kräuterbutter auch auf grillierten Zucchetti unglaublich lecker schmeckt – kann ich jedem nur empfehlen.

Ich bin Schweizerin. So von Grund auf. So mit Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern, Urur…. ihr ahnt es schon. Und ja, ich bin dankbar, hier geboren worden zu sein. Ich finde nicht alles toll hier, einiges nervt mich, ärgert mich, langweilt mich, aber: Es hätte schlimmer kommen können, viel schlimmer. Dazu beigetragen habe ich nichts. Ich habe mir diesen Geburtsort nicht ausgesucht, es war schlicht und einfach nur Glück.

Gestern hat die Schweiz gefeiert. Wie alt sie nun genau wurde, darüber stritt man sich ein wenig in den sozialen Medien, die einen griffen auf 1291 zurück, die anderen auf 1848 – feiern tut man den 1. August übrigens seit 1891. Auf Facebook quoll meine Timeline über. Schweizer Flaggen, Schweizer Kühe, Schweizer Alphörner, Schweizer Fähnchen, Schweizer Würste, Schweizer Alpen, Schweizer Städte, Schweizer Musik. Lobreden auf die Schweiz zu Hauf, ihre Schönheit wurde in allen Tönen gelobt. Der ganze Schweizer Stolz zeigte sich in Worten und Bildern.

Neben all den Oden an die Schweiz kamen immer wieder in Nebensätzen die kleinen Spitzen mit rein: Der böse Islam müsse raus, der mache die schöne Schweiz kaputt. Die bösen Flüchtlinge sollen bitte dahin, wo sie herkamen, sie machen die schöne Schweiz kaputt. All die, welche nicht im Sinne der so Sprechenden sind und denken, würden auch am besten die Koffer packen und gehen. Damit man als guter Schweizer Bürger schön unter sich ist und die schöne Schweiz fortan ungestört geniessen kann. Schliesslich geht es uns hier gut. Schliesslich haben wir hier alles und haben dafür viel gearbeitet.

Gut, irgendwann holten wie die Italiener rein, damit sie helfen, weil wir ohne nicht mehr klar kamen. Aber he, die Italiener gehören heute quasi dazu. Das sind keine richtigen Ausländer, die haben auch so einen netten Akzent. Die mögen wir. Wir meinen nur die anderen. Dass die Kinder der Italiener damals als „Tschinggen“ verschrien wurden, das haben wir vergessen (oder verdrängen es oder finden, das sei ja nicht böse gemeint gewesen).

Dass viel von unserem Gut-Gehen von nicht immer ganz sauberen Finanzgeschäften abhängt, das will man auch nicht hören. Nazi-Gold? Alte Geschichten! Ich erinnere mich noch gut daran, als Stuart Eizenstat kam und die Schweizer Banken in die Knie zwang. Ich erinnere mich gut an damals, als die Bergier Kommission eingesetzt wurde. Der eine wurde als geldgeiler Anwalt betitelt, die anderen als Nestbeschmutzer. Wer konnte es wagen, an unserer weissen Weste zu kratzen?

Eine weisse Weste haben wir generell immer. Wir sind neutral, wir mischen uns nirgends ein. Dass wir Waffen verkaufen, hat damit nichts zu tun, von irgendwas müssen wir ja leben. Wir würden die ja auch allen verkaufen, die zahlen, insofern spricht das für unsere Neutralität.

All das, was wir also von all denen haben: Von der Mitarbeit der Italiener, von den Geldgeschäften und Waffenverkäufen (und vielen mehr), das möchten wir nun gerne behalten – und nicht teilen. Wir sind ja nicht Mutter Theresa – oder wie Polo Hofer sein halbes Leben lang sang: kein Kiosk. Und genau das haben sie gestern gefeiert. Sichtbar. Lesbar.

Heute feiern sie nicht mehr. Heute bleibt nur noch das Motzen über all jene, welche die arme schöne Schweiz kaputt machen. Und über all die Dummen, die nicht mitmotzen, sondern dieses ganze Gerede von Nationalstolz und Fremdenfeindlichkeit nicht mehr lesen mögen. Und nun erklärt sich auch der Anfang meines Artikels hier: Liebe Leute, denen ich nun auf die Füsse getreten bin,: Ich kann nirgendwohin zurück (wurde mir schon vorgeschlagen bei früheren Artikeln). Ich bin schon da, wo ich herkomme. Und ich bin gerne hier. Und ja, ich finde auch, wir müssen aufpassen, dass es der Schweiz gut geht. Aber ich finde, wir haben auch eine Verantwortung als Menschen. Menschen helfen Menschen. Wo man das kann, soll man das tun. Wenn Menschen in Not sind, sollte man nicht einfach wegschauen, sondern menschenwürdige Lösungen zu finden versuchen. Für alle Beteiligten.

Ich sage nicht, dass es einfach ist, ich sage nicht, dass es Patentlösungen gibt, nur: Schotten dicht und alle anderen verdammen, hat noch nie zu was Gutem geführt.

Während ich das alles schreibe, sitze ich hier an meinem Pult in meinem Arbeitszimmer, das Fenster ist offen und es ist unglaublich still. Ab und an höre ich ein paar Vögel, dann und wann ein paar Kinderstimmen. Die Sonne scheint, alles grünt vor dem Fenster und ich denke für mich: Es ist unglaublich schön hier. Ja, ich bin dankbar, kann ich so leben, dankbar für alles, was ich hier in diesem Land habe und all die Möglichkeiten, die ich in meinem Leben hatte. Dieses Glück haben nicht alle auf dieser Welt. Und ja, es ist schlicht nur Glück, verdient haben wir es alle hier nicht.

Heute habe ich es beschlossen: Ich heirate mich selber. Man kann das nun, das sei ein Trend. So kann ich mir und der Welt beweisen: Ich liebe mich und das sollen alle wissen. Wir wollen nie mehr auseinander gehen – also ich und ich. Ich habe bei mir also um meine Hand angehalten, habe mich mit Tränen in den Augen angeblinzelt und dann ja gesagt. Und nun tun wir es.

Wobei: Da frage ich mich: Die Scheidungsrate liegt bei 50%. Wieso sollte es mir mit mir selber besser gehen als anderen? Ich meine, ich kenne mich ja schon gut, aber so ab und an gehen mit mir schon die Pferde durch.

Ich schelte mit mir: Was muss ich auch immer alle Romantik kaputt machen, alles hinterfragen, ständig das Haar in der Suppe suchen?

Aber he: Man muss ja zuerst nachdenken, bevor man handelt. Man kann ja nicht einfach so drauflos preschen. Und: Nehmen wir mal an, ich komme zum Schluss, ich kann mit mir nicht mehr länger verheiratet sein, weil wir das Heu schlicht nicht auf derselben Bühne haben: Was dann? Wer zieht aus? Ich oder ich? Und wo gehe ich hin? Und was passiert aus mir? Werde ich dann frei sein? Oder weinen? Brauche ich einen Anwalt oder zwei? Einer könnte ja befangen sein oder parteiisch.

Es ist nicht zum Aushalten. Was eigentlich eine schöne Sache sein sollte, wird nun so zerredet. Wir gehen nun schon so lange zusammen, wir haben uns nie getrennt, 44 Jahre lang nicht. Gut, ab und an waren wir nicht einer Meinung, ab und an hätten wir uns auf den Mond schiessen können. Aber: So im Grossen und Ganzen klappt es doch ganz gut mit uns? Ich bringe die Ratio rein, wenn ich mal wieder in kreativen Idealismen schwebe, ich bringe die Leichtigkeit rein, wenn der Verstand mal wieder alles berechnen und sortieren will. Wir sind ein gutes Team.

Das denken sie aber alle. Die einen schwören auf Gegensätze, die andere auf gleiche Charaktere. Den einen wird es langweilig, die anderen verbrennen sich die Finger. Wer brennt denn und wer gähnt von uns? Ich oder ich?

So ne Ehe sollte gut überlegt sein. Und man muss ja nicht jedem Trend folgen. Ich beschliesse also, weiter in wilder Ehe mit mir zusammenzuleben. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch morgen so friedlich und fröhlich weiter.

Nur eine Frage hätte ich noch:

 Wenn nicht mich, wen dann??

Gestern Nacht kämpfte ich gegen den Schlaf für einen Film gegen Apartheid. Heute schrieb ich gegen Hitler. Dann schrieb ich gegen die katholische Kirche und die Verdeckungspolitik bei Missbrauchsfällen, eingestehend, dass ich grundsätzlich ein Befürworter der Kirchen war, aber solche Misstände nicht mehr decken möchte. Dann schrieb ich zu einem unserer Bundesräte, welcher Steuerflüchtlinge an den Pranger stellte, selber aber die Lücken im Gesetz nutzte. Ja, ich habe ihn gedeckt, denn: Er hat nach geltendem Gesetz gehandelt, wenn auch für das Land nachteilig. Wer würde anders handeln? Würde wirklich jemand da draussen dahingehen und sagen: Ok, ich müsste diese Steuern nicht zahlen, aber ich hau die einfach oben drauf. Weil es so schön wäre für andere?!?

So gehen wir alle durch die Welt und jeder zeigt auf den anderen und findet, er selber wäre grad noch so ok, aber der – DER!!!!! – wäre daneben.

Wann denken wir wirklich an die anderen, wann an uns? Ist es nicht einfacher, an die anderen zu denken, wenn man selber nicht den Preis zahlt? Es ist verdammt einfach, vom bequemen Sofa aus zu politisieren. Da kann man sie alle anklagen, alle handeln daneben. Man selber wüsste es besser. Nur ist man nicht dort. Drum steht man auch nie in der Schusslinie. Man schiesst nur selber mal raus. Ohne Konsequenzen.

Heute hat man es noch einfacher. Früher musste man auf den Marktplatz oder an den Stammtisch. Man musste dem Gegner in die Augen schauen. Heute schriebt man. Hinter dem Bildschirm. Die anderen sehen einen nicht. Man ist viel ungehemmter. Man kann sagen, was gut ist. Man muss es selber nicht leben.

Da wollte ich mal eine Spielesendung im Schweizer Fernsehen schauen. Der Moderator redete wie ein Buch, ein Gassenhauer folgte dem anderen. Toni war der Gastspieler. Er sagte weniger. Plötzlich sagt doch der Moderator:

Ich muss nun Distanz gewinnen, ich bin schliesslich der Gastgeber, der Moderator, der, der entscheidet.

Ich sitze so da und denke mir so:

What the fuck!!!!!????!!!!

Gut, eigentlich mag ich keine Anglizismen, ich mag es so deutsch. Ich dachte also eher:

WAS SOLL DAS DENN??

Doch irgendwie trifft es das nicht ganz, es war eher so:

SO EIN SCHEISS!!!!

Nur: Scheiss sagt man nicht, das gehört sich nicht. Das mach ich nicht.

Ich ändere in:

Das geht ja gar nicht?!?!?!

Das ist zu flach. Es fehlen grad die Worte, ich glaube, ich habe die Lösung:

Ich schalte um!

Passt. Ich denke:

Super. Geht doch!

Ein Bahnhof in Zürich. Heimreisependler stehen sich die Füsse platt. Es ist heiss, alle schwitzen, alle sind müde. Alle drehen in ihrem Universum. Sie lesen Gratiszeitungen, tippen auf dem Handy, hören Musik. Und mitten drin liegt ein Mann. Einfach so am Boden. Der Kopf ist hochrot, Schweissperlen auf der Stirn. Aber das sehen die anderen nicht. Ihr Blick ist gebannt. Und wenn sie es sehen, dann nur aus den Augenwinkeln, genauer hinzuschauen, erlaubt sich keiner, denn: Würde man sehen, dass er was gesehen hätte, müsste er helfen. Und das scheint keiner zu wollen.

Ein Mann steht auf dem Perron. Auf einem anderen. Er sieht den Liegenden und all die Menschen in ihren eigenen Universen. Er läuft unter den Gleisen durch, kommt zum liegenden Mann. Noch immer liegt er alleine da. Noch immer kümmert sich niemand. Noch immer schaut keiner hin. Schauen alle bemüht weg.

Der Helfer kühlt mit dem vorhandenen Wasser das Gesicht des Liegenden, lagert ihn entsprechend, dann kommt endlich die Bahnpolizei, kurz darauf dann auch der alarmierte Notarzt.

Nun schauen alle hin. Sie verändern sogar die Position, um besser sehen zu können. Schliesslich hat man dann später was zu erzählen. Man war dabei, man war Zeuge. Man wird spannend und kann sich mit einer Situation brüsten. Beim gepflegten Weisswein in der angesagten Gartenbeiz.

So funktioniert das Leben in der heutigen Zeit: Ein Dummer findet sich immer, der rennt, der Rest knüpft sich die Federn ans Hemd.

Für all die, welche keine Federn wollen, sondern als Dumme rennen (ist auch gut für die eigene Fitness):

Sonnenstich: Erste-Hilfe auf einen Blick

  • Wenn der Betroffene noch beweglich ist: an einen kühlen, schattigen Ort bringen
  • Mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper lagern
  • kalte Umschläge auf Kopf, und Nacken – notfalls auch sachte Wasser an die Stellen giessen
  • Nicht allein lassen und beruhigen
  • Wenn kein Brechreiz besteht, langsam Flüssigkeit zuführen