Sologamie – ein neuer Trend

Heute habe ich es beschlossen: Ich heirate mich selber. Man kann das nun, das sei ein Trend. So kann ich mir und der Welt beweisen: Ich liebe mich und das sollen alle wissen. Wir wollen nie mehr auseinander gehen – also ich und ich. Ich habe bei mir also um meine Hand angehalten, habe mich mit Tränen in den Augen angeblinzelt und dann ja gesagt. Und nun tun wir es.

Wobei: Da frage ich mich: Die Scheidungsrate liegt bei 50%. Wieso sollte es mir mit mir selber besser gehen als anderen? Ich meine, ich kenne mich ja schon gut, aber so ab und an gehen mit mir schon die Pferde durch.

Ich schelte mit mir: Was muss ich auch immer alle Romantik kaputt machen, alles hinterfragen, ständig das Haar in der Suppe suchen?

Aber he: Man muss ja zuerst nachdenken, bevor man handelt. Man kann ja nicht einfach so drauflos preschen. Und: Nehmen wir mal an, ich komme zum Schluss, ich kann mit mir nicht mehr länger verheiratet sein, weil wir das Heu schlicht nicht auf derselben Bühne haben: Was dann? Wer zieht aus? Ich oder ich? Und wo gehe ich hin? Und was passiert aus mir? Werde ich dann frei sein? Oder weinen? Brauche ich einen Anwalt oder zwei? Einer könnte ja befangen sein oder parteiisch.

Es ist nicht zum Aushalten. Was eigentlich eine schöne Sache sein sollte, wird nun so zerredet. Wir gehen nun schon so lange zusammen, wir haben uns nie getrennt, 44 Jahre lang nicht. Gut, ab und an waren wir nicht einer Meinung, ab und an hätten wir uns auf den Mond schiessen können. Aber: So im Grossen und Ganzen klappt es doch ganz gut mit uns? Ich bringe die Ratio rein, wenn ich mal wieder in kreativen Idealismen schwebe, ich bringe die Leichtigkeit rein, wenn der Verstand mal wieder alles berechnen und sortieren will. Wir sind ein gutes Team.

Das denken sie aber alle. Die einen schwören auf Gegensätze, die andere auf gleiche Charaktere. Den einen wird es langweilig, die anderen verbrennen sich die Finger. Wer brennt denn und wer gähnt von uns? Ich oder ich?

So ne Ehe sollte gut überlegt sein. Und man muss ja nicht jedem Trend folgen. Ich beschliesse also, weiter in wilder Ehe mit mir zusammenzuleben. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben wir noch morgen so friedlich und fröhlich weiter.

Nur eine Frage hätte ich noch:

 Wenn nicht mich, wen dann??

20 Comments

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  1. ♥ Ja oder Ja!!! ♥
    Gerade neulich habe ich mit einem Schmunzeln auf den Lippen darüber in den Medien gelesen und es für einen echten Scherz gehalten. Merci Sandra, freut mich, dass Du darüber ein BlogPost verfaßt hast.
    Wünsche Dir einen schönen Abend, liebe Grüße bT!NA

    Gefällt 2 Personen

  2. Vielen Dank für den amüsanten Beitrag!

    Ich und ich leben derzeit in einer Fernbeziehung. Manchmal denkt man zwar, dass eine gewisse Distanz zueinander nicht schadet. Aber was bleibt am Ende des Tages, so ohne dem anderen: Die Waage zeigt ein paar Kilos weniger an.

    Nein, es ist schon richtig, dass man sich selbst lieben soll. Sonst macht das Leben einfach keinen Spaß. Ob diese Liebe tatsächlich vor dem Traualtar besiegeln sollte, ist in meinen Augen dann doch unnötiges Bohei und Tamtam, das es nur bedarf, wenn man zu viel Klimbim im Kopf hat.

    Viele Grüße

    Gefällt 2 Personen

    • Ja, so eine Fernbeziehung wünsche ich mir auch ab und an. Und ab und an denke ich, ich habe eine mit mir. Dann seh ich mir so von aussen zu und denke: Nicht, ne, nein… doch? Aber dann geht es wieder weiter (muss ja, man wird sich so schlecht los) und manchmal, da tanzen wir zusammen ums Haus und finden uns wunderbar. So ist das bei uns.

      Liebe Grüsse

      Gefällt 3 Personen

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