Vasella, das System und die Menschlichkeit

Herr Vasella ist der Buhmann der Tage. Er hat zu viel verdient, hat überhaupt zu viel Geld, hat sich sein Konkurrenzverbot vergolden lassen und lebt nun „arbeitslos“ weiter in Saus und Braus. Was hat er gebracht? So wirklich? Kann überhaupt jemand so viel bringen, dass er so viel verdient – im Sinne des Wortes? Die Kommentare beim jüngsten Blickartikel häufen sich, die Buhrufe damit. Auf Twitter regnet es Spott und Häme,  kein gutes Haar bleibt dran am guten Mann.

Zuallererst muss ich mal sagen: Ich kenne ihn nicht. Ich habe Herrn Vasella nie getroffen, nie mit ihm gesprochen. Alles, was ich weiss, sind ein paar Nachrichten aus Zeitungen, nicht sehr viele, da ich die selten gelesen habe, und ein paar eher an den Stammtisch als an eine fundierte Diskussion erinnernde Argumente gegen ihn.

Ich darf es wohl kaum sagen, aber ich empfinde ihn in dem oben verlinkten Interview sympathisch und intelligent. Klar lässt er sich nicht tief in die Karten blicken, aber das Interview enthält ein paar Punkte, die ich nicht wirklich verwerflich finde:

  • Ihm liegt an seiner Familie und am Wohl seiner Kinder, denen er eine Zukunft ermöglichen will ohne Geldsorgen. Er kann es und er tut es – ich finde den Zug schön. Wer möchte diese Zukunft nicht selber gerne gehabt haben? Und klar kann man idealistischer Weise sagen, man hätte sich lieber alles selber erarbeitet als es in den Hintern geschoben gekriegt zu bekommen als Vatersohn/Vatertochter, wenn man nie in der Lage war – man hätte es sicher nicht ausgeschlagen, wäre es der Fall gewesen… (dass ich hier Protest als unglaubwürdig empfinde, entspringt meiner persönlichen Meinung und nicht einer empirischen Studie, die es nicht geben kann – und doch, ich habe alles im Leben selber erarbeitet.)
  • Er spendete und will das weiter tun. Klar kann man sagen, dass das das Mindeste wäre, was er tun könnte – nur: Er tat es. Viele haben mehr, als sie eigentlich bräuchten und tun es nicht. Klar gibt es immer einen, der mehr hat und es noch mehr müsste. Aber es gibt verdammt viele, die gar nichts haben und die Spenden brauchen könnten.
  • Er hat schon früh erlebt, was Krankheit und Tod bedeuten können. Er hat ein Medizinstudium auf sich genommen, sich seine Sporen als Assistenzarzt abverdient, was damals noch viel magerer und arbeitsreicher ausfiel als heute – und noch heute jammern viele. Er verfügt über die Erfahrung mit Krankheit und dem daraus resultierenden Leid und über die Kraft, den Ehrgeiz und den Einsatz, etwas dagegen tun zu wollen. Klar kann man sagen, wäre er mal Arzt, am Besten idealistischer Landarzt mit Schulden, einem offenen Ohr für die Mittellosen und Eiern als Lohn geworden statt Unternehmer. Nur: Besser geht immer, schlechter auch.
  • etc…

Ich denke nicht, dass sein Lohn angemessen war. Auch die Abfindung empfinde ich als überrissen und der heutigen wie überhaupt generell einer Wirtschaftslage angepasst. Wo er aber in meinen Augen recht hat: Wer würde das Geld nicht nehmen, kriegte er es angeboten? Es ist leicht, vom Stuhl dessen her zu verurteilen, der weiss, dass er nie in seinem Stuhl sitzen wird und nie so viel Geld erhalten wird. Es ist leicht zu sagen, nimm nur die Hälfte, wenn man selber nicht mal einen 10. dessen am Jahresende in der Steuererklärung stehen hat, was er im Monat verdient.

Gerecht ist das alles sicher nicht. Aber es ist real und entspricht dem Gang der Wirtschaft heute. Es entspricht dem unendlichen Profitstreben von Unternehmen, die nach Innen sparen, um vierteljährlich noch mehr Gewinn verzeichnen zu können. Es entspricht dem unmenschlichen Kampf auf dem freien Markt, der an sich sicher nicht per se schlecht ist, der aber Auswüchse zeigt, die auf Kosten des Menschen und der Menschlichkeit gehen. Herr Vasella hatte das Glück, auf der positiven Seite des Systems zu stehen. Das kann man ihm in meinen Augen nicht verübeln, da ich das Naturell des Menschen so einschätze, dass keiner gesagt hätte, er wolle freiwillig auf die negative wechseln, hätte er die Wahl gehabt. Wieso sich also an Individuen aufregen und sie zu Feindbildern stilisieren, wenn das System krankt? Da sehe ich als Motivation nur Neid, keine Argumente. Die können – in meinen Augen – nur in Bezug auf das System fallen.

Nun höre ich das Argument laut: Er hat sich bereichert. Er hat sich selber diesen Lohn gegeben, weil er die Position hatte, das zu entscheiden. Das mag moralisch fragwürdig sein. Wie viele KMU-Chefs tun das auch? Und oft noch nach Aussen kleiner, als nach Innen effektiv erhalten? Beispiele hörte man oft bei Alimenten- oder Steuerberechnungen.

Die Aufschreie mögen gross sein und ich hätte sicher mehr Freunde, täte ich auf den Herrn Vasella einschlagen und alles ganz gemein finden. Nur denke ich halt, dass das zu kurz greift. Moral kann nicht vom Menschen, wie er sein sollte, ausgehen, sondern vom Menschen, wie er ist. Und der Mensch nimmt, was er kriegen kann. Das schliesst nicht aus, dass er auch für andere sorgt, für andere da ist, einen guten und weichen Kern hat – individuell sind diese Kerne verschieden gross und verschieden ausgerichtet. Trotzdem würde kaum einer sich selber auf die negative Seite eines Systems schlagen. Kann man es also einem anderen vorwerfen, der das Glück hatte (und sicher auch das eine oder andere dafür getan hat), auf der positiven zu stehen?

Hinsehen ist wichtig, Lehren ziehen auch. Feindbilder nützen niemandem. Wieso nicht ihm gönnen, was er ehrlich (da unser System ist, wie es ist) gewonnen hat und zusehen, dass das System langsam aber sicher in eine Richtung ändert, die die Schere zwischen arm und reich wieder kleiner werden lässt und unverdienten Profit auf Kosten von Menschlichkeit verunmöglicht?

Findungen und anderes

Es gibt Tage, da verliere ich mich förmlich aus den Augen. Ich höre und schaue nach aussen, schnappe alles auf, versuche, darauf zu reagieren, finde, es klingt alles gut, halte es hoch, lobe es, stelle es über mich. Ich will danach handeln, denn ich denke, dass der, der es sagt, es wissen muss. Sicher besser wissen muss als ich es tue. 

Und irgendwann stehe ich da in all dem Erfüllenwollen und merke, es passt nicht. Merke, da stimmt etwas nicht. Sei es, dass der eine sich widerspricht, sei es, dass ich mehrere Wissende finde, die alle etwas anderes sagen und ich mich mitten drin sehe. Ich blicke wohl verwirrt und die Frage kommt: Was willst denn du? Was interessiert dich? 

Und da stehe ich dann und weiss es nicht. Vor lauter Hören, was andere gut finden und wollen, blieb das eigene Wollen irgendwo stehen und wurde ignoriert. Ich mass ihm weniger Wert zu als dem Wollen anderer, sah in deren Wollen mehr Sinn und Grund und Zweck, in meinem blosses Wunschdenken und Sinnlosigkeit. Mass den Wert, den ich ihnen statt mir zuteilte auch dem von ihnen Gewollten zu und wertete meines ab, erklärte es für nichtig.

Ich fange an zu suchen. Frage mich, wer ich bin und frage mich, wie ich so weit kommen konnte. Ich frage mich nach meinem Wollen und durchforste alles, was dahin führen könnte. Stosse überall auf Leere, jede Schublade, die ich öffne, jedes Buch – alles angefüllt mit Bedeutungslosigkeit, die ich einmal hineinlegte. Sie lacht mir förmlich entgegen und ich könnte weinen bei dem Anblick. Und ich tue es sogar. 

Ich verfluche mich, dass ich so doof war, verfluche meinen Hang zur Selbstzerstörung, schimpfe auf alles und jeden, suche Hilfe und stosse Anteilnahme zurück. Weise alle ab und fühle mich alleine. Und bin dann dankbar, wenn doch was kommt. Und langsam setzt sich alles wieder und ich sehe meine Fehler. 

Vielleicht wollten mich andere zu etwas überreden, das ich nicht war. Vielleicht wollten sie mir Dinge aufzwängen, die ich nicht wollte. Vielleicht wurde ich getäuscht, wurde ich manipuliert. Vielleicht auch allein gelassen. Vielleicht kleideten sie wenig in glänzende Hüllen, die überstrahlten, was ich so profan selber gedacht hatte. Aber ich liess es zu. Ich selber mass mir diesen geringen Wert zu und empfand alle als über mir stehend. Ich selber dachte, anderen etwas beweisen zu müssen und versuchte, mich zu verbiegen, bis ich nicht mehr ich war, sondern nur noch ein auf Erfüllung anderer Ansprüche getrimmtes Wesen. Ich selber verlor mich aus den Augen, indem ich andere im Blick hielt. 

Das hatte sicher Gründe, nichts ist ohne Grund. Und sicher habe ich es nicht bewusst und absichtlich gemacht, das wäre mehr als doof und selbst wenn ich ab und an sage und auch denke, dass ich es bin, so glaube ich doch, es nicht vollkommen zu sein, sondern nur ab und an ein wenig verblendet und zu unsicher in Bezug auf mich selber.

Während andere Wasser predigen und Wein trinken, rate ich allen immer, ihrem Herzen zu folgen, zu sich zu stehen, zu sehen, wie wunderbar sie sind und daran zu glauben, dass das reicht, es nicht mehr braucht. Und ich glaube das und die Ratschläge kommen aus ganzem Herzen, weil ich es so meine. In Bezug auf die anderen. In Bezug auf mich selber hapert es dann bei der Umsetzung. 

Und da ich das nun erkannt habe, gehe ich in mich, versuche, meine Ungeduld zu zügeln, lasse setzen, was war und warte, bis sich mein Ich wieder in Ruhe und klar zeigt. Einige Ahnungen habe ich, die werde ich vertiefen, anderes ist noch schwammiger. Irgendwann lichtet sich der Nebel und die Sonne des Frühlings wird wieder leuchten, in der Neues erblüht – Meines. Und das werde ich packen und nicht mehr loslassen. Loslassen muss ich nur die Verklärung anderer, die ich auf Sockel hebe und mein Licht unter selben stelle. 

Es gibt so Tage…

Heute hatte ich meinen Papa am Telefon. Er wagt wieder erste Schritte, es gehe aufwärts, meinte er. Eigentlich eine tolle Botschaft, eine, die so sehnlich erwartet war. Er klingt müde, schwach. Aber er klingt. 

Und ich merke, wie sehr er mir fehlt. Der Mann, der so stark war, voller Energie. Der Mann, zu dem ich gehen konnte, wenn was war. Grad jetzt würde ich ihn brauchen. Aber ich kann nichts sagen. Er soll gesund werden. Ich möchte für ihn da sein. Er soll sich nicht sorgen. 

Und irgendwie sind alle beschäftigt mit sich. Und überall bin ich da und rate, stütze, helfe. Und überall denke ich, dass Meines keinen Platz hat, denn überall ist es schon voll. Das Gefühl der Einsamkeit macht sich breit. Ich, die ich so gerne alleine bin, fühle mich grad erschlagen von dem Nichts, das um mich ist. Könnte toben, wüten, alles kurz und klein schlagen und einfach weinen. Und niemand ist da, der mich auffängt. Ich möchte wieder klein sein, nur für einen Moment, bis die Beine nicht mehr schwanken. Aber ich bleibe gross. Und an mir klebt all die Last der Verantwortung, die ich so ernst nehme.

„Du bist so stark“ – wie oft hörte ich das. Blieb mir je eine Wahl? Ich wurde gegen Wände geknallt, verbal zu Kleinholz geschlagen, mir wurden Gerechtigkeit und Fairness versagt. Ich war meist allein mit allem und suchte mir meinen Weg. Fand ihn immer, aber einfach war das nicht. Das kümmerte niemanden. Entweder kämpfte ich gegen Vorurteile, Dinge nicht hinkriegen zu können, oder aber ich war mit dem Stempel der ach so Starken versehen, da war Jammern eh nicht angebracht. 

Das macht einsam. Verdammt einsam. Ich suchte nach Halt, nach Geborgenheit – und war immer wieder neu am Kämpfen. Und vermutlich sollte man solche Blogs nicht schreiben. Und ich werde mich ohrfeigen dafür. Doch wie viele Menschen sitzen da draussen und niemand schaut hin? Niemand kümmert es, wie es ihnen wirklich geht, da sie ihr Bild schon gemacht haben? Wie viele trauen sich nicht, zu sagen, was ist, weil das neue Unwort vom „Opfer-Abo“ kursiert. Und wer will schon Opfer sein? Damit hat man gleich doppelt die Arschkarte gezogen.

Ups, pardon, ein Unwort. Das sagt man nicht. Man drückt sich gewählt aus. Das kann ich auch, keine Frage. So gewählt, dass keiner mehr versteht, was gemeint ist. Das macht man heute so. Blosser Schein, wohin man schaut. 

Ich mein‘ ja nur…

Mit Meinungen ist das so eine Sache. Jeder hat eine eigene und steht dahinter. Dabei sollte man die des anderen akzeptieren und gelten lassen. Das ist ein guter Ansatz und in der Meinungsäusserungsfreiheit steckt drin, dass auch jeder seine ganz frei äussern können muss. Prima. 

Nur: was gelten Meinungen, wenn jeder eine andere hat? Und jeder sagt dem andere, deine ist ganz prima, find‘ ich toll, dass du die hast. Und jeder denkt sich, dass die eigene aber besser ist. Das liegt in der Natur der Sache, sonst hätte er sie ja nicht. Nur sagen kann er es nicht, sonst wäre er ja intolerant und das geht ja gar nicht. Man übt sich in Toleranz und Offenheit, hört mit hochgezogener Augenbraue zu, nimmt den Finger nachdenkend an den Mund, schaut prüfend, sagt zögerlich „ja“ und dass das interessant klinge – und bleibt bei seiner Meinung. 

Das ist auch gut und recht, denn was wäre eine Meinung, würde sie jede Minute ändern, wie ein Fähnchen im Wind schwanken? Man würde verlacht, verachtet, man wäre der ohne eigene Meinung, der sich immer nach der gerade vorherrschenden richtete. Und das will man ja nicht. Man will ja wer sein und was gelten und eine Meinung haben. Und dazu stehen. Aber nie auf Kosten anderer. Nach aussen, im Innern denkt man natürlich, dass die alle mal einsehen könnten, dass die eigene eigentlich die wahre ist. Die einzig wahre Meinung. Eigentlich meint man nicht mehr, man weiss schon. Und sagt das auch dann und wann. Mit Feuer und mit Argumenten. Schliesslich hat man sie nicht nur einfach so, man hat sie erarbeitet. Man kämpft für sie und bringt sie dar, auf allen Wegen und mit allen Mitteln. Und besinnt sich dann an die Tugend des gelten Lassens, lenkt nach aussen ein. Bleibt nach innen stur. 

Manchmal geht man dann nach Hause und denkt nochmals nach und merkt, dass vielleicht doch was dran war an der anderen Meinung. Und denkt, dass man vielleicht doch was übersehen haben könnte. Nur mal so theoretisch, wäre ja möglich. Aber das kann man nicht zugeben, denn schliesslich ist da ein Gesicht und das will man nicht verlieren. Was dächten die anderen sonst. Wo man so vehement die eigene Meinung vertrat oder aber sicher durchschimmern liess. Man hat ja einen Ruf zu verlieren. Und selbst wenn nicht, man mag nun nicht hingehen und sagen, dass man sich täuschte. Und selbst wenn: was ist denn nun mit dieser eigenen Meinung? Was zählt die noch, wenn die ständig fällt und sich entwickelt? Wo kommen wir da hin und woran halten wir uns noch? 

Es gibt nur eine Welt

Spannender Artikel zum Thema Menschen mit Behinderung:

Süddeutsche Zeitung: Schluss mit getrennten Welten

Behinderte Menschen werden in Deutschland immer noch benachteiligt. Dagegen hilft nach Ansicht von Experten Teilhabe am ganz normalen Leben. Doch gerade jene Altersgruppe, von der das künftig am meisten abhängt, hegt Zweifel.

Blogartikel zu dem Thema:

Die Rechte als Mensch

Der Mensch hat Rechte. Diese stehen im zu aufgrund seines Menschseins. Das Menschsein hört nicht auf, wenn der Mensch krank oder beeinträchtigt ist. Krank und beeinträchtigt kann er auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenem Ausmass sein. Geistig, körperlich, von Geburt an, durch Unfall oder einfach auch durchs Alter. Wann hat der Mensch eine Stimme? Wann ist er voll zählendes Mitglied der Gesellschaft? Ist ein Mensch mit Beeinträchtigungen wirklich weniger wert als ein “normaler”? Hat er weniger Rechte und ist dem guten Willen der anderen ausgeliefert? Fair ist das nicht. Und menschenwürdig schon gar nicht. Wer Menschen mit Beeinträchtigung gering schätzt verkennt die Tatsache, dass schon morgen er selber in ihren Schuhen gehen könnte. Die Zeit nagt an jedem, wer heute gesund lebt, kann morgen krank oder beeinträchtigt sein und damit auf andere angewiesen.

Eigentlich wäre es so einfach…

Das Leben könnte so einfach sein, merkte man, wie sehr man jemanden liebt, wenn er da ist, schätzte man, was er tut, so lange er es tut, lobte man, was gut ist, so lange es noch gut ist und wäre dankbar für das, was ist, so lange es ist, statt zu zürnen, was nicht ist. 

Irgendwann ist der nicht mehr, den man gering achtete, tut er nicht mehr, was einem gut tat, ist nicht mehr gut, was mal war und ist überhaupt alles ganz anders. Und man denkt plötzlich zurück und sieht, was man eigentlich hatte, aber zu wenig schätzte. Und man bedauert, nicht früher hingeschaut zu haben, denn oft ist es zu spät, es gibt keine zweite Chance. 

Das Leben ist kein Ponyhof und selten kriegt man alles, was man sich so sehr wünschen würde. Man sieht es immer deutlicher vor sich, denkt, wie schön es wäre, es zu haben. Man malt sich aus, wie das Leben wäre, wenn die Umstände rosiger, das Licht heller, der Erfolg grösser wäre. Man sieht die vielen positiven Aspekte des so sehr gewünschten und sehnlichst vermissten Abwesenden. Wie klein wirkt dagegen das, was da ist, wie langweilig, profan.

Und man fängt an zu zürnen, zu hadern, schimpft auf das, was ist, weil man es als Grund dafür sieht, nicht zu haben, was sein könnte. Man misst das Sein am Sollen und sieht es gleichzeitig als Hindernis hin zu diesem. Und verstrickt sich so selber in den Netzen der unendlichen Unzufriedenheit. Auf Dauer helfen da auch Zigaretten, Alkohol und Essen nicht mehr, der Schmerz des Nichterreichten nagt. 

Und plötzlich ist alles anders. Man hat sich vom Hindernis getrennt oder aber es fiel einfach weg. Und mit ihm das alte Leben. Alles neu. Alles frisch. Man fühlt sich frei, man fühlt sich… leer. Das vorher Gewünschte ist noch immer nicht da, das gering geschätzte aber weg. Und plötzlich merkt man, was es alles war. Viel mehr als man gesehen hatte. Viel mehr, als man in Worte fassen konnte. Es war nicht nur öde Langweiligkeit und fader Alltag. Es war das eigene Leben. All die kleinen Dinge, all die Puzzleteile des funktionierenden Lebens – sie sind weg. Und nun fehlt viel mehr als das, was man so erstrebenswert fand, weil es Luxus bedeutete. Nun fehlt die Basis. Das, auf dem das Leben fusste, das, aus dem man Kraft schöpfte. 

Zu spät….

Es ist nie zu spät. Nie zu spät, hinzuschauen, was ist, was man wirklich braucht im Leben, was wirklich zählt im Leben. Es ist nie zu spät, zu schätzen, was gut ist und gut tut. Und es zu sagen. Es ist nie zu spät für Dankbarkeit. Und jeder, der hier denkt, das sei gar kitschig und abgehoben, darf sich fragen, wieso er das so sieht. Und ja, vielleicht ist es auch klitschig, aber es ist, was momentan grad wahr und wichtig scheint. Manchmal ist Loslassen wichtig. Weil man sonst das wirklich Wichtige verpasst. Manchmal verkennt man das Wichtige, weil man vielen Kleinigkeiten nachtrauert. 

Bewusstsein ist das Zauberwort. Für das, was war, ist und sein soll. Aus diesem Grund habe ich das Wochenfazit eingeführt. Was war gut die Woche, was schlecht, was wünsche ich mir für die nächste. Und selbst wenn es keine hochtrabenden Dinge sind, sie lassen mich hinschauen zu den Wünschen, Träumen und Dankbarkeiten sie lassen mich hinsehen, was ich denke, fühle, will.

Mein Fazit für heute?

Schlecht war ein Abschied.

Gut ist das Wissen, dass Liebe existiert und so unendlich tief und schön ist, dass es fast weh tut – nein, dass es weh tut.

Wünschen tue ich mir nur, dass ich immer weiter schätzen kann, was ich habe und mich nicht in den Unendlichkeiten der eigentlich nichtigen Wünschen verliere. 

 

Scheidungskinder

Scheidungskinder – das Thema einer TV-Sendung heute. Experten und Betroffene sprechen über das Thema, was mit Kindern passiert, wenn die Eltern sich nicht mehr verstehen und beschliessen, getrennte Wege zu gehen. Wie sieht der richtige Weg aus, was muss sein, was vermieden werden?

Eine Scheidung ist eine Vertragsaufhebung. Es folgt eine neue vertragliche Regelung, wenn Kinder im Spiel sind. Wer sorgt für das Kind, wer zahlt? Wer sieht das Kind wann und wie oft und wer bestimmt über die relevanten Dinge? Was einst natürlich wuchs, soll nun rechtlich geregelt werden (wobei natürlich auch die innerfamiliäre Lage teilweise geregelt ist). Schwarz auf weiss. Problematisch ist nur, dass egal, was steht, das tägliche Umsetzen etwas anderes ist. Die Menschen, die ihre Ehe auflösen, weil sie nicht mehr gemeinsam können, sollen nun gemeinsam weiter gehen – in Bezug auf das Kind. Das ist eine nette Idee, die durchaus ihre Grundlagen hat, da beide Elternteile weiter Elternteile bleiben. Nur  löst man eine Ehe nicht einfach so auf in den meisten Fällen. Meist sind Zerrüttung oder sonstige schwerwiegenden Probleme der ausschlaggebende Punkt. Wo also steht da das Gemeinsame? 

Eltern sollen – so die Befürworter des gemeinsamen Sorgerechtes – die Betreuungszeit besten Falls halbe-halbe ausfüllen. Wieso soll das klappen nach einer Scheidung, wenn es vorher meist nicht ging? Karriere, Hobbies, vieles stand im Weg. Die heutige gesellschaftliche Situation sieht noch immer oft so aus, dass die Hauptbetreuungslast bei den Frauen liegt und nicht bei den Männern. Und selbst engagierte Väter sind oft 100% arbeitstätig, während die Frauen prozentual oder gar nicht (für eine gewisse Zeit) ausser Haus arbeiten. Das lässt sich auch mit netten Worten wie „Qualitätszeit“ nicht negieren. 

Schlussendlich bleibt die traurige Erkenntnis: Getrennte Eltern sind für Kinder nie gut. Und für die Eltern bedeutet es ein Umdenken. Kinder brauchen Stabilität, ein Zuhause und einen Bezugspunkt. Das ständige Hin und Her wäre für sie mehr Zerreissprobe denn Segen. Zerstrittenen Eltern eine gemeinsame Entscheidung gesetzlich aufzuzwingen würde für die Kinder kaum Positives bringen. Die Streitereien, die meist schon vor der Scheidung das Familienleben prägten, wären noch immer präsent, zusätzlich zur Verarbeitung der neuen Umstände. 

Trennungen bedeuten Verlust. Verlust von Rollen, von Mustern, von Menschen und von Nähe. Von den einen will man diese, von den anderen nicht. Wenn man sich für eine Trennung entscheidet, muss man sich bewusst sein, dass man nur das ganze Paket kriegen kann. Das im Kopf könnte man dahin gehen, bewusster mit Beziehungen (gerade, wenn man Eltern eines Kindes ist) umzugehen und sie eben nicht aufs Spiel zu setzen. Das Leben wird nach einer Trennung nicht leichter. Es eröffnen sich neue Probleme. Das Leben wird nicht besser, es wird nur anders. Und für Kinder wird es nie mehr so, wie sie es verdient hätten. 

Gleiche Rechte, unabhängig vom Geschlecht?

In Anlehnung an den Spiegel-Titel Nr. 1 diesen Jahres (Oh, Mann, Das starke Geschlecht sucht seine neue Rolle), möchte ich ein Brainstorming und eine Diskussion starten, die die Ursachen des auf uns zurollenden enormen Wandels der Geschlechterrollen hinterfragt. Dieser Wandel, der sich mit erstaunlichen Zahlen bereits in der US-amerikanischen Gesellschaft dokumentiert (in fast 40% verdienen Frauen in amerikanischen Ehen mehr als der Mann, siehe auch Hanna Rosin, The End of Men) wird sich bald, in Folge der auch hierzulande überwiegend durch Frauen erworbenen Hochschulabschlüsse, sehr deutlich auch bei uns bemerkbar machen. Die Kernfrage ist für mich weniger der Wandel, den ich nicht als gefährlich erachte, sondern vielmehr die philosophische Frage der Identitätsfindung, die schon immer für jeden einzelnen Menschen wesentlich war und ist. Wer man ist, was man sein möchte und was möglich ist.

Das ist der einleitende Absatz eines Blogartikels des Zeitspiegels. Der ganze Blogartikel ist unter Männer? – Frauen? nachzulesen. Ich möchte hier meine Sicht der Dinge in der Debatte der Geschlechterdiskussion anfügen. Ich habe dieses Thema lange gemieden, war teilweise genervt, wenn auch oft betroffen, was in der Natur der Sache liegt. In den letzten Jahren haben sich Vorfälle gehäuft, die mich selber persönlich an die Wichtigkeit des Themas erinnerten, in den letzten Monaten kam ich über verschiedene Kanäle und in verschiedenen eigenen Forschungsthemen auf dieses Thema zurück.

Liest man den Artikel des Zeitspiegels schnell durch, liest er sich wie der steile Erfolgsflug der Frauen auf Kosten der Männer. Zwar stellt Zeitspiegel diese Entwicklung nicht per se in Frage, trotzdem fügt er die so klingenden Informationen an und leitet daraus eine Identitätsfindungsproblematik ab. Ich möchte diese Informationen etwas beleuchten und dann auf die global noch immer vorherrschende tatsächliche Situation eingehen. Dabei geht es mir wenig um Hormonausschüttungen und biologische Kriterien (welche aber durchaus in gewissen Themen wie der Fortpflanzung und der damit verbundenen Folgen gesellschaftliche Folgen haben).

Im Artikel ist zu lesen, dass in knapp 40% der amerikanischen Ehen Frauen mehr Einkommen haben als Männer. Das klingt fast nach einem Vorwurf. Bei Lichte betrachtet haben so aber in über 60% der Ehen Männer mehr Einkommen als Frauen. Will man wirklich in den Wettbewerb eintreten, wer nun mehr verdient und daraus irgendwie geartete Schlüsse ziehen, so sind noch immer 2/3 der Männer im Vergleich mit ihren Ehefrauen besser gestellt. Was aber bringt der innereheliche Vergleich? Grundsätzlich besagt er gesamtgesellschaftlich nichts, denn relevant ist die erbrachte Leistung und der dafür erhaltene Lohn. Da stehen Frauen global noch immer hinter den Männern zurück. In der Schweiz stösst der Vorstoss, Firmen müssten ihre Lohnpolitik offen legen, auf Widerstand – zu gross wären die Aufwände, müsste man diese Unterschiede ausgleichen (es sei denn, man holte den Männerlohn so weit runter, wie der Frauenlohn raufgesetzt werden müsste – was wiederum zu Widerstand bei den Männern führen würde, da ihre Leistung plötzlich weniger honoriert würde und sie schlussendlich auch mit einem Budget ihren Lebensbedarf berechnet hatten).

Noch immer sind weltweit Frauen benachteiligt, wenn es darum geht, Zugang zu Bildung, freier Meinungsäusserung und gesundheitsförderlichen Massnahmen zu erhalten. Selbst in Ländern, die diese Freiheiten in den Gesetzen haben, ist im tagtäglichen Leben Frauen die tatsächliche Wahrnehmung dieser Rechte unmöglich, da sie innerfamiliäre Sanktionen fürchten müssten, in einigen Ländern bis hin zum Tod.

Eine weitere Ungleichheit, die global ist, ist die Betreuung von abhängigen Menschen. Seien das Kinder, Alte, Behinderte. Diese Arbeiten liegen meist in Frauenhand. Die einseitige Verteilung beraubt die Frau einerseits der Zeit, andere Ziele zu verfolgen, eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten auszuschöpfen, und stellt sie vor der Gesellschaft dadurch als untätig bloss, weil sie eben kein wirtschaftliches Einkommen erzielen oder sich weiterbilden. Auch hier ist es noch ein weiter Weg hin zu einer Gleichstellung.

Frauen haben mittlerweile in einigen westlichen Ländern einen Status erreicht, der ihnen die Türen zu gleicher Bildung und gleichen Arbeitsmöglichkeiten geöffnet hat. Der Weg dahin war lang und schwer und das Jammern der Männer, die sich nun dadurch in Gefahr und das eigene Bild am Schwanken sehen, ist laut. Betrachtet man das Jammern aber ehrlich und hinterfragt es mal, muss man einsehen, dass das Jammern eigentlich nur eine Ursache hat: Der Thron ist gestürzt, die Gleichberechtigung ist nicht das, was sie wollen. Wenn sich jemand beklagt, weil ein anderer plötzlich gleiche Rechte hat und er deswegen sein Selbstbild in Gefahr sieht, muss er sich mal fragen, worauf dieses Selbstbild überhaupt gründete. Und sich vielleicht an der eigenen Nase nehmen.

Der Feminismus hat mitunter traurige Früchte gebracht. Es gab in der Tat Frauen, die für alle Rechte der Frauen kämpften, den Männern gerne keine mehr lassen wollten. Die Schere Mann = böse, Frau = gut wurde weit und weiter gespreizt und dem Mann kein Stück heile Erde mehr gelassen. Gerechtfertigt wurden solche Vorstösse mit der Aussage, dass man krasse Forderungen stellen müsse, um danach minimale Erfolge zu erreichen. Dass diese krassen Vorstösse der Sache ideell mehr schaden als nützen, sollte auf der Hand liegen, da sie nur Defensive herausfordern. Dass vor solchen Forderungen Ängste geschürt werden können, dass sich Männer damit nicht wohl fühlen, sich irgendwann fragen, wo sie noch stehen, wenn all das durchgesetzt werden würde, liegt auf der Hand. Das schmälert aber nicht die gerechtfertigten Ansprüche der Frau auf gleiche Chancen und Möglichkeiten im Leben.

Wir haben heute Mittel wie Frauenquoten eingeführt, um gewisse Ungleichheiten zu eliminieren. Ich bin kein Freund von Quoten, da ich denke, Leistung solle generell gewertet werden und auf keine Seite geschlechterspezifisch. Ich sehe nicht ein, wieso im Zweifelsfall die Frau eine Stelle kriegen sollte, wenn ein Mann genauso qualifiziert wäre. Da in den Köpfen aber der Mann noch so verankert ist als bevorzugtere Arbeitskraft, scheint das die einzige Möglichkeit zu sein, dagegen vorzugehen. Ich denke, dieses Mittel zur Problemlösung setzt falsche Zeichen, es macht angreifbar und schürt Ängste.

Diskriminierungen aufgrund von Rasse, Religion oder anderweitiger Zugehörigkeiten wird heute aufs Gröbste verurteilt und mit vielen Mitteln bekämpft. Die Diskriminierung aufgrund der Geschlechterzugehörigkeit gilt noch immer als quasi Kavaliersdelikt, die Aufwände, sie wirklich anzugehen, werden gescheut. Es ist besser geworden, aber es ist noch immer ein weiter Weg. So lange diese Missstände noch so gravierend sind, so lange sehe ich das Jammern um eine gefallene Identität des Mannes als Thema, das noch warten kann. Dieser Mann sollte sich zuerst mal fragen, was er genau beklagt und was so schlimm daran wäre, wenn die Frau auf gleicher Stufe stehen dürfte wie er auch. Wichtig wäre, wirklich umzudenken, wirklich auf die Leistung zu schauen, die Menschen als Menschen und nicht als Mann und Frau zu betrachten.

 

Dieser Artikel erschien in leicht abgewandelter Form auch im Ein Achtel Lorbeerblatt

Die Rechte als Mensch

Glaubt man vielen führenden politischen Philosophen, so ist die Legitimation des Staates auf einem Vertrag gleicher Menschen begründet. Die Vertragspartner zeichnen sich aus durch gleiche Fähigkeiten, gleiche Ansprüche, gleiche Macht. Mit diesem Fundament zeichnen sie sich als rationale Menschen aus und damit fähig, einer gerechten Basis eines Staates zuzustimmen, dessen Bürger sie danach sind. Einige hilfreiche Tricks bringen noch moralische Einlagen wie Unparteilichkeit und ab und an sogar Fürsorge mit ins Spiel, das reicht, so sind sie sich einig, um eine umfassende Gerechtigkeitstheorie aufzustellen. Sie merken zwar an, dass gewisse Fälle aussen vor bleiben, so zum Beispiel Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, welche durch mangelnde soziale Einrichtungen in ihrem Leben behindert werden. Eine Lösung für dieses Problem bleiben sie schuldig. (Es geht nicht drum, den Wert der Theorien der  hier gemeinten Philosophen in Frage zu stellen. Sie haben das Nachdenken über Gerechtigkeit, das Hochhalten dieses Werts und die Legitimation von staatlichen Institutionen in den letzten Jahren angeregt und geprägt. Sie haben gute Anstösse gebracht und hervorragende Gedankengänge einer Öffentlichkeit präsentiert, um diese mitzuprägen.)

Dass man für diese Probleme aber eine Lösung finden muss, steht fest. In der Vertragstheorie sieht man für sie (zumindest bei Rawls) nachträgliche Leistungen vor, die das Leben der Betroffenen lebenswerter machen sollen. Das ist ein netter Versuch. Die Bürger und Mitbestimmenden des Staates gehen also dahin und bestimmen, wie sie das Leben der auf sie Angewiesenen besser gestalten können. Dies natürlich nur, wenn die Kosten nicht zu hoch und der Nutzen dem Aufwand angemessen ist. Vielfach bleibt es bei einem halbpatzigen Versuch, doch selbst wenn er ganz erfolgte, bliebe ein schales Gefühl.

In diesem nachträglichen Eingreifen liegt eine Degradierung der Menschen mit einer Beeinträchtigung. Sie sind dadurch de facto vom Bürgerstand ausgeschlossen und zu Anhängseln der Gesellschaft degradiert, welchen man zwar hilft, die aber nicht wirklich Teil dieser Gesellschaft sind. Alle Worte von Integration und dergleichen sind so blosse Worte. Ausgeführt werden Taten, die eine andere Sprache sprechen: Ich bin ein Bürger, ich habe das Sagen. Ich kümmere mich um dich, weil du es brauchst. Das ist zwar ein netter Zug, doch nimmt es dem dieser Fürsorge Anhängigen die Möglichkeit, sich selber in seiner Möglichkeit zu kümmern. Es nimmt ihm die Stimme und es nimmt ihm das aktive Selbstbestimmungsrecht. Er hat dann nur noch das Recht, dass ihm geholfen werden sollte, nicht aber ein Recht, dazu beizutragen, selber eine Stimme zu haben. Er ist in die Passivität verdammt.

Nun kann man anfügen, dass es Formen von geistiger Beeinträchtigung gibt, die eigenes (rationales) Handeln ausschliessen. Das mag sein. Doch ist das davon betroffene Wesen kein Mensch mehr? Ihm wird oft grössere Nähe zu Tieren zugesprochen denn zu Menschen. Nun kann man sagen, dass das allein kein Drama wäre, da der Mensch selber nur eine Tierart mit bestimmten Fähigkeiten ist. Da wir aber dazu neigen, Tiere zu unterdrücken, fallen die Menschen mit Beeinträchtigung auch in diese Kategorie. Es entsteht eine klare Machtstruktur mit einem Oben und Unten, einem Herrscher und einem Beherrschten.

Das Argument, dass Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung nicht in der Lage sind, mitzuentscheiden und darum aussen vor gelassen werden müssen, liegt weit vorne. Schweden zeigt, dass  es anders möglich wäre. (Auch andere Länder haben sich solchen Lösungsansätzen angeschlossen.) In Schweden gibt es eine Mentorschaft. Der Mentor vertritt die Bedürfnisse und Interessen des Behinderten. Damit wird dieser nicht übergangen, sondern erhält eine Stimme. Sollte er dazu gar nicht in der Lage sein, erhält er einen Vertreter, der seine Stimme wahrnimmt. Natürlich kann dieses System ausgenutzt werden durch böswillige Verwalter, Beispiele für bösartige Vormunde sind gerade in der jüngsten Aufarbeitung der Schweizer Verdingkindergeschichte ans Tageslicht gekommen. Man sollte aber ein System nicht von vornherein verurteilen, nur weil es ausgenutzt werden könnte. Die Gefahr besteht immer, wichtig ist, sie zu kennen und Mittel und Wege zu finden, dem entgegen zu wirken, um eine eigentlich gute Idee zu fördern.

Unterm Strich bleibt: Der Mensch hat Rechte. Diese stehen im zu aufgrund seines Menschseins. Das Menschsein hört nicht auf, wenn der Mensch krank oder beeinträchtigt ist. Krank und beeinträchtigt kann er auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenem Ausmass sein. Geistig, körperlich, von Geburt an, durch Unfall oder einfach auch durchs Alter. Wann hat der Mensch eine Stimme? Wann ist er voll zählendes Mitglied der Gesellschaft? Ist ein Mensch mit Beeinträchtigungen wirklich weniger wert als ein „normaler“? Hat er weniger Rechte und ist dem guten Willen der anderen ausgeliefert? Fair ist das nicht. Und menschenwürdig schon gar nicht. Wer Menschen mit Beeinträchtigung gering schätzt verkennt die Tatsache, dass schon morgen er selber in ihren Schuhen gehen könnte. Die Zeit nagt an jedem, wer heute gesund lebt, kann morgen krank oder beeinträchtigt sein und damit auf andere angewiesen.

Wenn man sich dessen bewusst ist, merkt man vielleicht, dass es an der Zeit wäre, jedem Tier (menschlich wie nichtmenschlich) die ihm angemessene Wertschätzung entgegen zu bringen, denn schon morgen könnte man an dessen Stelle stehen und froh sein, die anderen hätten diese Lektion schon gelernt.

Status Quo

Jahresrückblicke hatten wir viele, ebenso  Vorsätze fürs neue Jahr oder aber Bilanzen des letzten. Es wird hier weder das eine noch das andere folgen, einfach ein paar Gedanken, die mir in letzter Zeit kamen. Alles willkürlich, alles hatte Auslöser und Gründe, nichts ist weltbewegend, trotzdem lag es mir im Sinn:

– Ich bin 40. Damit bin ich alt. Ich habe gestern den deutschen Bachelor gesehen und die Frauen da könnten teilweise meine Töchter sein. Erschreckend. 

– Ich dachte immer, ich kann nicht singen. Ich vermied zu singen aus eben diesem Grund. Nachdem ich gestern das Casting zu DSDS schaute, muss ich zwar nicht mein Urteil revidieren, dazu stehe ich noch immer, aber ich kann beruhigt singen, denn es gibt welche, die singen effektiv schlechter und tun das noch öffentlich. 

– Ich schaue zu viele schlechten Sendungen. Das sind alles Formate, die man tunlichst vermeiden sollte, wenn man etwas auf sich und seinen kulturellen Bildungsstand hält. Selbst wenn man diesen aussen vor liesse, fänden sich genügend ethische, moralische und  anderweitige Gründe, es nicht tun zu dürfen. Ich muss gestehen: Ich mag die. Sie unterhalten mich besser als ein Krimi, bei dem ich von Anfang an den Täter kenne oder eine Liebessülze, deren Ausgang genauso vorhersehbar ist (inklusive zwischenzeitliche Verstrickungen). 

– Eigentlich bin ich noch ganz gut in Schuss. Da ich heute schnell heim wollte, rannte ich den ganzen Weg zurück mit dem Hund. Andere würden das joggen nennen. Dazu bin ich zu faul. Ich nenne es effizientes Heimkommen. Und das klappte doch ganz gut. So alt ist 40 also doch nicht. Mir fällt grad ein Stein vom Herzen. Ob ich den mit übrig gebliebenen Weihnachtskeksen auffüllen darf?

– Ich bin verfressen. Ich denke an Weihnachtskekse im Januar. Und ich will entgegen aller Empfehlungen aus Hausarztwartezimmerzeitschriften keine Januardiät machen. Das geht gar nicht. Damit degradiere ich mich zum Einzelkämpfer. Ich bin wohl asozial. 

– Ich bin gar nicht so, wie die mich sehen, die mich gar nicht kennen. Letztes Jahr regte ich mich noch drüber auf. Dieses Jahr schmunzel ich schon. Wenn das so weiter geht, kriegen die bald den Schweizer Comedy Award, weil selten wer so gelacht hat. 

– Das Singleleben ist toll. Gerade erzählte mir mein guter Freund, dass er das ganze Wochenende lesen würde. Meine Meute würde mir was  husten, täte ich das tun wollen, was ich eigentlich auch tun wollte, täte ich es denn tun können. Leider tu ich es nicht tun können, tu schon nicht mal davon träumen aus Gründen der Nichttubarkeit. Aber tun können täten täte ich es gerne. Ok, wenn ich Glück habe, werde ich bekocht. Da greift dann der Punkt von vorher. Und alles kann man wohl nicht haben… wobei: ich könnte lesen, während ich bekocht werde. Und vorher müssten die Zutaten eingekauft werden, sprich: noch mehr Lesezeit. Irgendwie klingt mein Wochenende grad sehr gut. 

– Das Leben ist eigentlich ganz in Ordnung. Zwar auferlegt es einem immer mal wieder Prüfungen, man hadert, zaudert, zürnt. Doch bringt es einem doch immer auch so viele positive Dinge, dass man unterm Strich sagen kann: Eigentlich geht es uns gut. Klar kann man nun einwenden, dass ich nicht weiss, wie es denen geht, die das grad lesen, doch zeugt nur schon der Umstand des Lesens davon, dass sie lesen können, einen Computer besitzen, Zugang zum WWW haben und wohl momentan wohlgenährt in der warmen Stube sitzen, was sie zu den Privilegierten dieser Welt zählen lässt. Insofern: Es geht uns gut. 

– Zu guter Letzt: ich sollte früher schlafen gehen. Jeden Morgen kämpfe ich mit der Gravitation, überlege mir, wieso ich genau diesen Morgen liegen bleiben könnte, müsste, dürfte, um mich dann ächzend und stöhnend (und nein, das hat nichts, aber auch gar nichts mit Punkt eins dieser Liste zu tun) aus den Laken zu schälen und mit zugekniffenen Augen den täglichen Pflichten zu stellen. Wenn ich es mir so richtig überlegen würde, käme hier der Punkt mit dem Singleleben wieder ins Spiel: Ich müsste gar nicht aufstehen… andererseits müsste ich nun noch mit dem Hund raus, statt einfach ins Bett zu purzeln (wieder mal zu spät). 

Irgendwas scheint immer zu sein, aber grundsätzlich ist alles gut. Also eigentlich. Ausser… aber  eben….

Locker, cool und alles easy

Wenn sie über die Büroflure deinen Namen rufen, fühlst du dich willkommen. Wenn sie dich loben für deine Taten, deine Dienste, fühlst du dich wertvoll. Wenn sie dir versichern, wie sehr sie dich brauchen, fühlst du dich nützlich. Wenn sie dir versichern, dass sie immer für dich da sind bei Problemen, fühlst du dich aufgehoben. Wenn sie dich enttäuschen, weil sie die Firmenpolitik über Werte wie Gerechtigkeit, Fairness, Loyalität stellen, den eigenen Nutzen über moralischen Handlungsgrundsätzen stehend werten, fühlst du dich verdammt alleine und betrogen.

Firmen haben Ziele. Diese sind meist dem firmeneigenen Profit geschuldet. Firmen verfolgen diese Ziele, streben Optimierung an, die immer den firmenpolitischen Vorteil im Auge hat, nicht Werte wie Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Fairness. Das nennt sich wohl Kapitalismus, wäre es anders, wäre es Humanismus. Es wäre eine einfache Sache, den Kapitalismus als bösen Bruder des Humanismus zu sehen. Es wäre leicht, ihn zu verdammen und ihm alle bösen Absichten wie ausnutzen, ausbeuten und Menschenwürde verletzen zu unterstellen. Es wäre wohl zu einfach. Der Kapitalismus hat durchaus positive Entwicklungen gebracht. Wo aber liegt das Problem? Der, welcher gestern noch freudig deinen Namen rief, verrät dich heute kaltblütig, wenn er sich dadurch einen Vorteil verschaffen kann. Und oft unterliegt er Zwängen, die von weiter oben kommen, weil da wieder einer sitzt, der sonst ihn über die Klinge springen lässt, wenn er sein Soll nicht erfüllt. Leider ist dieses Soll selten auf der menschlichen Seite, sondern auf der wirtschaftlichen zu suchen.

Profit ist nicht per se schlecht. Rentabilität kann durchaus angestrebt sein. Die Frage des Masses ist die eine, die der Mittel, die zum Zwecke gewählt werden, die andere. Die Tendenz momentan geht dahin, Menschen förmlich zu verheizen, indem man sie unendlichem Druck aussetzt, sie mit Versprechen ködert, die dann wegen wirtschaftlich schlechten Zeiten nicht eingehalten werden, um dann in der Quartalsbilanz einen Rekordgewinn zu verzeichnen. Man stellt die Wirtschaftlichkeit nach aussen über alles. Und ignoriert dabei, dass man die eigenen Ressourcen verheizt. Die fallen weg durch Burnout oder Depression. Kein Problem, es warten 100 andere, die ihre Chance im Job packen wollen, weil sie an anderen Orten wegrationalisiert wurden. Die Chance erweist sich oft als Schritt vom Regen in die Traufe, man kuscht und strampelt oder fällt um und sinkt. Ob man den Weg des Frosches von der Milch hin zum Butter oder aber den vom sterbenden Schwan geht, ist eine Frage von Glück und vor allem eine Gratwanderung zwischen Resignation, Anpassung und genug Schnauf und Standfestigkeit, den Übeln der Zeit zu trotzen.

Diese Gedanken sind wohl schwarz und düster. Man mag mich einen Pessimisten schimpfen und mir zu viel Nachdenklichkeit unterstellen. Man mag mich fragen, wo die Lösung läge. Schliesslich ist kritisieren einfach, besser machen schon schwerer. Ich bin zu wenig naiv, an eine Kehrtwende zu glauben. Ich bin zu pessimistisch, zu denken, dass der Mensch einsieht, was er tut, um dann im Sauseschritt die Missstände zu beheben. Menschlichkeit statt eigener Vorteil. Das wäre die ideale Parole. Im Herzen ist sie da, in der realen Wirtschaftswelt ist die Schwelle (zu?) hoch. Vielleicht hilft es schon, sich ab und an bewusst zu werden, dass alle die, welche in den Bürofluren ein und aus gehen, Menschen sind. Menschen mit Wünschen, Bedürfnissen. Menschen, die Familien zu ernähren haben, gerne stolz auf sich, ihren Betrieb und das gemeinsam erreichte wären. Und vielleicht hilft das ein wenig mit, statt der Arbeitskraft um des Firmenprofites Willen auch den Menschen mit seinen (berechtigten) Ansprüchen zu sehen. Ich denke, langfristig wird das der einzige Weg sein, dieses immer fragiler werdende Konstrukt der globalen Wirtschaft zu stützen. Schlussendlich ist alles nur so stark wie das schwächste Glied. Wenn man die Arbeitskraft, den Maurer, in den Boden stampft, wird das Haus über kurz oder lang einstürzen. Das täte es aber erst, nachdem viele Maurer unter den fallenden Backsteinen begraben wurden. Ist der Preis nicht zu hoch für einen kurzzeitigen Erfolg nach aussen?

Und bis es soweit ist, rufen sich die netten Leute in den Firmen erfreut die Namen zu, wenn sie sich sehen, loben sich über den grünen Klee und sägen hinterrücks gegenseitig an den Stühlen.

Wozu eigentlich? – Massstäbe des Lebens

Ab und an überkommt mich das Gefühl, dass das, was ich tue, zu  nichts nützlich ist. Ich frage mich dann, wieso ich mich tagtäglich damit abmühe, während ich doch genauso gut gleich nix tun könnte. Ich könnte die Beine hoch legen, wenn das Kind versorgt ist, könnte in den Tag hinein leben, das Leben geniessen, wie es sich grad anbietet. Der Fernseher gäbe bestimmt die eine oder andere Unterhaltung her, wenn ich mich gar zu schlecht fühlte, fände sich eine Realitysoap bei RTL, die mir zeigen würde, dass es noch schlimmere Fälle gäbe – das Leben könnte einfach sein. Trotzdem ich eigentlich von Natur aus eher faul bin, weigere ich mich, diesen Weg zu gehen. 

Ich stürze mich in Projekte, vertiefe mich in Theorien, spinne Gedanken, denke neue Welten, hinterfrage die existierende. Ich wälze Bücher und Ideen, zermürbe mich, vergrabe mich, schnappe nach Luft, bin hin und weg und zugleich explosiv und präsent. Sehe Notwendigkeiten und Denkanstösse, fühle Bedürfnisse und suche Lösungen. Und komme irgendwann wieder an den Punkt, dass es doch gar nix bringt. Wen kümmert, was mein Hirn sich ausdenkt? Wen kümmern all die Gedanken, die Theorien? Wieso sollte ich eine Lösung für Probleme finden, an denen sich so viele die Zähne ausbeissen? Und wieso sollte ich überhaupt ernst genommen werden? Das Bruttosozialprodukt unseres Landes merkt kaum, dass es mich gibt. Moderne wirtschaftliche Wertschätzungsmassstäbe orientieren sich an ebendiesem. Ergo der Beweis: Ich bin marginal und vernachlässigbar. Und alles, was ich so vor mich hindenke damit.

Die heutigen gesellschaftspolitischen Theorien stützen sich noch immer vornehmlich auf den gegenseitigen Vorteil und dieser wird in ökonomischen Grössen gemessen. Wer nichts dazu beiträgt, steht aussen vor. Rawls, Locke und Hobbes dachten es vor, es setzte sich fest und sitzt da beharrlich. Schlagworte wie Gleichberechtigung, Integration sind schön klingend, aber weit von der Realität entfernt. Noch immer werden die meisten Frontdienste (Kinderaufzucht, Altenpflege, Pflege körperlich und geistig beeinträchtigter Menschen) von Frauen erledigt und als ebensolche Dienste gering bis gar nicht geachtet. Das alles sitzt in den Köpfen fest. Die Muster sind verteilt. Muster durchbrechen langsam. Es braucht viel Zeit, Geduld, Einsicht und Stimmen. Und wenn jede Stimme denkt, sie zähle nichts, wird das Muster die Generationen überleben, zwar in Frage gestellt, aber nicht vom Sockel gestürzt. Deswegen zählt jede Stimme. Und auch die meine. Und so denke ich weiter. Sage meine Meinung. Stehe dazu. 

Wer sagt, was wichtig ist und was nicht? Wer setzt den Massstab für die Hierarchien im Leben und in der Gesellschaft? Wem muss man genügen und was soll man erreichen? Was ist erstrebenswert und was nur blosse Pflichterfüllung (wobei nicht geklärt ist, woher die Pflicht rührt und ob sie legitim ist). 

Die Welt steckt in der Krise. So das Schlagwort der Zeit. Man müsse umdenken, alles umstossen. Neue Werte finden. Alles möglichst radikal, alles möglichst neu. Das klingt gut, klingt markig, führen wird es nirgendwohin. Die Methode des viel Forderns, um wenig zu kriegen hat sich langsam selber überholt. Langsam wäre es wohl sinnvoller, gezielte und realistische Ziele zu setzen, um dann eine höheres Mass an Gerechtigkeit, an Miteinander, an individueller Befriedigung zu erreichen. Dabei kann jeder bei sich selber anfangen: Was kann ich, was will ich, was ist mir möglich? Was schulde ich anderen, wo kann ich helfen, wer hilft mir? Das Ich ist wichtig, das Du ebenso. Im Wissen, dass es ohne das Du kein Ich gibt, sollte man selbstverständlich den anderen nie aussen vor lassen bei der eigenen Zielsetzung. Aber diese sollte für einen stimmen und nicht einer wie auch immer gearteten Anspruchshaltung eines längst überholten Systems geschuldet sein. 

Dankbarkeit

Die Ferien sind vorbei. Ich erinnere mich gut, als sie bevor standen. Sie waren so lang, so gross, so erschreckend anders als der Alltag. Ich bin ein Mensch, der seinen gewohnten Ablauf schätzt, die Freiräume, die Engpässe, die geregelten Strukturen. Man weiss, was kommt, man ist es gewohnt, läuft in den vorgespurten Pfaden. Manche mögen das langweilig finden, ich mag es – brauche es ein Stück weit.

Mein Alltag ist eher einsam. Ich wurstel mich so durch den Tag, vermeide es, zu viele Menschen zu sehen, geniesse meine Ruhe. Für diese Ferien hatte ich Programm geplant. Das macht man so. Vor allem an Festtagen. Besuche quer durch die Schweiz, Familie hier, Familie dort. Je näher die Tage kamen, desto grösser wurde der Schrecken des Vorgenommenen. Nicht nur sollten wir ständig unterwegs sein (ich mag keine Reisen), wir würden überall unter Menschen, teilweise vielen Menschen, sein.

Nun gut, es war nicht aufzuhalten, die Zeit nahm ihren Lauf, die Ferien kamen – und alles wurde noch viel schwieriger als geplant. Pläne wurden umgestossen, ganze Gruben taten sich auf. Dass alles noch viel Schlimmer wurde, als je ausgemalt, hatte sehr traurige Gründe. Diese Ferien haben mich aber Vieles gelehrt und in mir eine sehr grosse Dankbarkeit zurück gelassen. 

Ich habe einmal mehr gelernt, was wirklich zählt im Leben. Gemerkt, worauf man bauen kann, was blosse Hülsen sind. Ich habe gesehen, wie viel Wertvolles ich im Leben habe und worauf ich meinen Schwerpunkt setzen sollte, statt meine Zeit mit unnützen Dingen zu vertun. Prioritäten setzen heisst es so schön. Man weiss es und tut es so selten. Wieso nicht? Was bringt einem der ganze Rest? Hofft man auf Anerkennung? Von wem? Sind es die wert, die man so „erobern“ muss? Handelt man aus Pflichtgefühl? Tut man wirklich Gutes, wenn man es nicht aus freiem Herzen, sondern reiner Pflichterfüllung tut? Will man dazu gehören? Wozu eigentlich, wenn es einem gar nicht entspricht? 

Ich bin unendlich dankbar für die Menschen, die da waren in dieser Zeit. Menschen, die Halt gaben, Zuspruch und Liebe. Ich bin dankbar für die Hilfe, das Mitgefühl und die positiven Gedanken und Worte, die ich erfahren durfte. Und ich bin dankbar für das Gefühl, nicht alleine zu sein, auf Menschen bauen zu können. 

Ich habe in diesen Ferien:

– viel erhalten

– etwas geschaffen und mich dabei toll gefühlt

– die ganze Bandbreite an Gefühlen durchlebt

– viel gelernt

– Pläne umgestossen und gemerkt, es geht

Ich denke nicht, dass ich mich grundlegend geändert habe. Der Alltag kommt nun wieder; da der Wechsel von den Ferien hin zum Alltag wieder ein Wechsel ist, liegt er mir auf dem Magen. Aber ich bin guter Dinge, denn ich weiss: ich bin nie allein. Und dafür bin ich sehr sehr dankbar.