Scheidungskinder

Scheidungskinder – das Thema einer TV-Sendung heute. Experten und Betroffene sprechen über das Thema, was mit Kindern passiert, wenn die Eltern sich nicht mehr verstehen und beschliessen, getrennte Wege zu gehen. Wie sieht der richtige Weg aus, was muss sein, was vermieden werden?

Eine Scheidung ist eine Vertragsaufhebung. Es folgt eine neue vertragliche Regelung, wenn Kinder im Spiel sind. Wer sorgt für das Kind, wer zahlt? Wer sieht das Kind wann und wie oft und wer bestimmt über die relevanten Dinge? Was einst natürlich wuchs, soll nun rechtlich geregelt werden (wobei natürlich auch die innerfamiliäre Lage teilweise geregelt ist). Schwarz auf weiss. Problematisch ist nur, dass egal, was steht, das tägliche Umsetzen etwas anderes ist. Die Menschen, die ihre Ehe auflösen, weil sie nicht mehr gemeinsam können, sollen nun gemeinsam weiter gehen – in Bezug auf das Kind. Das ist eine nette Idee, die durchaus ihre Grundlagen hat, da beide Elternteile weiter Elternteile bleiben. Nur  löst man eine Ehe nicht einfach so auf in den meisten Fällen. Meist sind Zerrüttung oder sonstige schwerwiegenden Probleme der ausschlaggebende Punkt. Wo also steht da das Gemeinsame? 

Eltern sollen – so die Befürworter des gemeinsamen Sorgerechtes – die Betreuungszeit besten Falls halbe-halbe ausfüllen. Wieso soll das klappen nach einer Scheidung, wenn es vorher meist nicht ging? Karriere, Hobbies, vieles stand im Weg. Die heutige gesellschaftliche Situation sieht noch immer oft so aus, dass die Hauptbetreuungslast bei den Frauen liegt und nicht bei den Männern. Und selbst engagierte Väter sind oft 100% arbeitstätig, während die Frauen prozentual oder gar nicht (für eine gewisse Zeit) ausser Haus arbeiten. Das lässt sich auch mit netten Worten wie „Qualitätszeit“ nicht negieren. 

Schlussendlich bleibt die traurige Erkenntnis: Getrennte Eltern sind für Kinder nie gut. Und für die Eltern bedeutet es ein Umdenken. Kinder brauchen Stabilität, ein Zuhause und einen Bezugspunkt. Das ständige Hin und Her wäre für sie mehr Zerreissprobe denn Segen. Zerstrittenen Eltern eine gemeinsame Entscheidung gesetzlich aufzuzwingen würde für die Kinder kaum Positives bringen. Die Streitereien, die meist schon vor der Scheidung das Familienleben prägten, wären noch immer präsent, zusätzlich zur Verarbeitung der neuen Umstände. 

Trennungen bedeuten Verlust. Verlust von Rollen, von Mustern, von Menschen und von Nähe. Von den einen will man diese, von den anderen nicht. Wenn man sich für eine Trennung entscheidet, muss man sich bewusst sein, dass man nur das ganze Paket kriegen kann. Das im Kopf könnte man dahin gehen, bewusster mit Beziehungen (gerade, wenn man Eltern eines Kindes ist) umzugehen und sie eben nicht aufs Spiel zu setzen. Das Leben wird nach einer Trennung nicht leichter. Es eröffnen sich neue Probleme. Das Leben wird nicht besser, es wird nur anders. Und für Kinder wird es nie mehr so, wie sie es verdient hätten. 

3 Comments

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  1. In meinem Umfeld gibt es fast nur Befürworter des gemeinsamen Sorgerechts. Mit meiner Ablehnung stehe ich so ziemlich alleine da.

    Wieso sind so viele dafür? Bis heute konnte mir niemand glaubhaft erklären, wieso ein gemeinsames Sorgerecht gut für die Kinder ist. Aus den Argumenten der Leute höre ich vor allem Egoismus sprechen. „Er soll sich auch um die Kinder kümmern“, „Ich zahle doch nicht und habe nichts zu sagen“, das sind zwei der am häufigsten gehörten Argumente.

    Meine Meinung: Wenn geschiedene Eltern über ihren Schatten springen und sich zum Wohl der Kinder einigen können, braucht es kein gemeinsames Sorgerecht. Wenn sie es nicht können, hilft auch das nicht, es gibt nur mehr Gerichtsfälle. Ob gerichtliche Auseinandersetzungen dem Kind oder den Kindern helfen? Da ist es mir lieber, dass es eine klare Verantworltichkeit gibt, damit auch die Kinder wissen, wo es lang geht, was Sache ist.

    Nun, vielleicht kann mich ja noch jemand vom Nutzen des gemeinsames Sorgerechts überzeugen. Aber vom Nutzen für die Kinder.

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    • Danke für deinen Kommentar. Wir sehen das genau gleich, selten, dass ich mit meiner Meinung nicht ganz alleine stehe. Der Nutzen des Kindes sollte im Zentrum stehen. Doch ich sehe den auch nicht realisiert, wenn man über Gerichte Gemeinsamkeiten erzwingt, wo keine sind. Wie du sagst: Wenn die Eltern ihre Verantwortung dem Kind gegenüber wahrnehmen wollen und dies gemeinsam können, brauchen sie keine gerichtlich festgesetzten gemeinsamen Rechte, sie geben sie sich gegenseitig. Wenn sie das nicht wollen oder können, werden diese Zwangsmassnahmen mehr Unfrieden denn Frieden stiften… was sie wirklich bringen für das Kind ist in meinen Augen fraglich.

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  2. Zunächst möchte ich den Satz „Getrennte Eltern sind für Kinder nie gut.“ etwas entkräften.Nicht selten ist die Trennung die einzige letzte Option, dass Eltern und Kinder aus einer Spirale der Unzufriedenheit bis zu fortwährender Unglücklichkeit/Depression herauskommen, ganz zu schweigen von Erfahrung körperlicher oder seelischer Gewalt. Eine Trennung kann dann auch Befreiung sein. Und, was ist schon einfach? Auch eine jahrzehntelange Partnerschaft, das gemeinsame Führen einer Familie ist ein schwieriges Unterfangen. Wir Menschen sind eben geworfene Wesen. Ein gesichertes Konzept gibt es nicht, erst recht nicht mehr in unserer heutigen modernen Welt. Ein Zusammenspiel von Verantwortung, Sehnsüchten, Liebe, notwendiger Selbstverwirklichung,Toleranz, Rücksicht, Leidenschaft, Neugier, Veränderung/Erneuerung, Vergänglichkeit und der kaum zu beantwortenden Sinnfrage schlechthin. Ich möchte eher den Bogen spannen zu Deinen bisherigen Beiträgen (Deine letzten zwei kurzen Blog-Beiträge erstaunen, irritieren mich fast etwas). Die Erkenntnis, letzendlich auch die philosophisch gewonnene, ist doch, nach Möglichkeit einen moderaten Ausgleich zu finden, den Kompromiss zu suchen, in allen Lebenslagen. Freiräume sind auch wichtig, aber komplette Freiheit ist eben eine Utopie wie alles absolute. Nicht, dass ich behaupten würde, dass dieser Pfad leicht zu finden oder zu gehen ist.
    Nochmal konkret zum Umgang getrennter Eltern mit den Kindern. Nichts ist hier wichtiger, als dass die Eltern ihre eigenen Interessen (mag die eigene Seele noch so verletzt sein) hinter das Wohl des Kindes stellen und die Kinder gehört werden, was sie sich im Rahmen der Möglichkeiten nach einer Trennung wünschen. Ein absolut paritätischer Ausgleich ist meist utopisch und wird auch von den Kindern nicht gewünscht und verspricht auch nicht unbedingt die notwendige Orientierung, die Kinder brauchen. Die vollständige Entbehrung eines Elternteils sollte aber nach Möglichkeit auch nicht sein. Idealerweise sollte hier auch die Tür im übertragenen Sinn immer offen stehen, ohne dass allerdings die Kinder dies ausnutzen dürfen und die Eltern gegeneinander ausspielen.
    So erwachsen sollten sich Eltern verhalten können, wenn es um das Wohl des Kindes gut, ohne dass dazu gerichtliche Einflussnahme notwendig ist!
    Wie gesagt, einfach ist nichts!

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