Ich bin gross und du bist klein

Ich bin gross und du bist klein,
und wenn wir uns auch noch so ähnlich sind,
jeder bleibt, so wie er ist[…]
du und ich, wir passen nicht,
ich und du, wir sind zwei linke Schuh’;
doch können wir nicht Freunde werden,
so wollen wir doch niemals Feinde sein.

Peter Maffay singt in seinem Musical Tabaluga von der Begegnung eines Salamanders mit dem Drachen Tabaluga. Die beiden mögen sich, doch müssen sie merken, dass sie trotz ihrer Ähnlichkeiten nicht zueinander passen. Zu verschieden sind ihre Lebensumstände, zu verschieden ihre Lebensnotwendigkeiten und Gepflogenheiten. Was hier nur ein Märchen ist, geschrieben für Kinder, trägt wie so oft eine tiefe Wahrheit in sich. Wie oft treffen wir im Leben auf Menschen, die uns anziehen, die auch Gefühle in uns wecken. Anfangs ist alles schön, alles spannend, man fühlt sich vertraut ob der vielen Ähnlichkeiten. Langsam mischen sich Misstöne in den Gleichklang, Disharmonien erklingen.

Man möchte sie nicht hören, man denkt an die Ähnlichkeiten, an das Hochgefühl, den so Ähnlichen gefunden zu haben. Man möchte ihn festhalten, sich an ihm festhalten. Man möchte das Gefühl bewahren und ignoriert die Misstöne. Irgendwann sind sie nicht mehr zu ignorieren, dann nimmt man sie zwar wahr, redet sie aber klein. Das Kleinreden nimmt immer mehr Zeit in Anspruch, die Disharmonien nehmen überhand. Noch immer kämpft man um das zuerst gesehen, will sich den Irrtum nicht eingestehen, weil mit ihm etwas zu sterben droht, was man so gerne am Leben halten würde.

Der Kampf um die wohlklingende Melodie wird härter, anstrengender, er raubt Energie, zu viel Energie. Man kommt an den Punkt, zu sehen, dass die Melodie so nicht mehr gefällt, dass sie wenig gemeint hat mit der, die man anfangs hörte. Man kommt zu dem Punkt, dass man sich lieber die Ohren zuhalten möchte als weiter zu hören, weiss aber nicht, trauert aber noch immer dem Wohlgesang nach.

Tief drin hätte man es schon ganz am Anfang wissen können. Die erste Zeile offenbarte es:

Ich bin gross und du bist klein.

Diese Sicht trägt nie für die Ewigkeit. Keiner mag sich auf Dauer in der Sicht des Kleinen sehen. Schon bei Kindern sieht man ihr Bemühen, als Grosse wahrgenommen zu werden. Schaut man auf Beziehungen unter Erwachsenen, sollte umso mehr die Sicht eine gleich grosse sein. Kommt nur irgendwann das Gefühl auf, einen ganz Grossen vor sich zu haben, sollte man sich fragen, wieso man sich selber als kleiner empfindet. Was ist der Massstab, wer hat ihn gesetzt? Wieso denke ich, einen Grossen zu brauchen und wieso er, dass ich klein sei? Ist er wirklich so gross, wenn er mich klein haben muss?

Ich bin  gross und du bist es auch – lass uns zusammen wachsen.

So könnte es gehen.

Philipp Probst – Nachgefragt

PProbstPhilipp Probst
Philipp Probst ist ein Schweizer Schriftsteller, Buschauffeur, Journalist, LKW-Fahrer – und noch einiges mehr. Bereits früh begann er zu schreiben, die ersten Geschichten entstanden während des Schulunterrichts. Im Alter von 16 und 17 Jahren schrieb er zwei Drehbücher, welcher auf Super-8 gleich selber verfilmte: Den Krimi Der Lebensretter und den Teenagerfilm Hoffnung, welcher zugleich Abschlussarbeit der Rudolf-Steiner-Schule war. Mit diesem Film gewann er in den 80er Jahren den zweiten Preis der Schweizer Jugendfilmtage. Nach einem kurzen Abstecher in den Buchhandel landete Philipp Probst im Journalismus, arbeitete für diverse Redaktionen und Medien und schrieb schliesslich 1994 sein erstes Buch Ich, der Millionenbetrüger Dr. Alder, welches 2009 unter dem Titel Der Fürsorger verfilmt wurde.  Von ihm erschienen sind daneben unter anderem Der Storykiller, Die Boulevard-Ratten und diverse Kurzkrimis .

 
Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Ich bin ein kreativer und tüchtiger Mensch mit Ecken und Kanten – und vielen Schwächen. Die Biographie würde ich als unterhaltenden Roman erzählen, gäbe eine nette Ferienlektüre.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Ich schreibe wegen dem Basler Autor Hans-Peter Hammel, alias –minu. Seine Geschichten in der Zeitung fand ich toll. Zuerst wurde ich allerdings Journalist und Lastwagenfahrer. Auf dem LKW habe ich dann angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Die langen Fahrten auf der Autobahn haben mich inspiriert.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

Schreiben zu lernen ist eine harte Ausbildung. Wichtig ist, einen guten Mentor oder Textchef zu haben. Dann ist es learning by doing. Und aus Fehlern lernen. Kritisch sein. Mutig. Grundsätzlich kann man Schreiben lernen. Talent hilft natürlich, doch das Wichtigste ist die Disziplin.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich schreibe einfach drauf los und versuche, so wenig wie möglich korrigieren zu müssen. Die Phantasie soll arbeiten!

Wann und wo schreiben Sie?

Meistens zu Hause am Esstisch. Aber unterwegs geht auch. Eigentlich völlig egal wo, es geht sogar auf dem Smartphone.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Wenn ich schlafe.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Die Freude ist, den Leserinnen und Lesern Freude zu bereiten. Als Autor zähle ich mich zur Unterhaltungsbranche. Ich stehe also nicht nur im Wettbewerb mit anderen Autoren, sondern auch mit Kino, TV, Internet und Games. Ein Buch zu schreiben macht Spass, es zu verkaufen ist pickelharte Arbeit.

Wie ist das Verhältnis zu den Verlagen? Hat sich das verändert in den letzten Jahren? Man hört viele kritischen und anklagenden Stimmen, was ist deine Sicht der Dinge?

Da die Spielregeln der freien Marktwirtschaft gelten, gibt es wenig zu jammern. Ein Buch ist ein Produkt, das es zu vermarkten gilt. Ende.

Sie wohnen in der Schweiz, schreiben meist über Schweizer Schauplätze. Die Schweiz ist ein kleines Land mit einer kleinen Literaturszene. Wie sehen Sie Ihre Stellung innerhalb des deutschsprachigen Raums? Sehen Sie sich im Nachteil als Schweizer, gibt es Vorteile oder ist das irrelevant?

Kommt darauf an, ob man sich als Autor im Buchmarkt oder in der Literaturszene bewegt. Die Literaturszene hat etwas Elitäres und zählt auf staatliche Förderung. Wer da rein kommt, darf sich „von“ nennen, wird eingeladen und kann sich in den anderen subventionierten Literaturszenen des deutschsprachigen Raums bewegen. Alle anderen Schriftsteller kämpfen im Buchmarkt, also in der freien Marktwirtschaft.

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Die Geschichte entsteht beim Schreiben. Am Anfang ist einfach eine Idee, die man im Leben aufschnappt. Ich lasse meinen Figuren und deren Handlungen grossen Freiraum: Manchmal machen sie das, was ich von ihnen erwarte, ab und zu überlisten sie mich aber auch. Dazu kommen plötzlich ganz neue Ideen, dann kommt die Geschichte halt anders heraus. Das ist aber egal, Hauptsache sie ist spannend und unterhaltend.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel Philipp Probst steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Natürlich bestehen meine Figuren aus mir. Aber nicht nur. Da werden noch andere Menschen drin verpackt. Da die Geschichten für mich realistisch sein müssen, könnte ich sie selbst auch erleben. Viele Szenen in meinen Büchern habe ich auch erlebt. Allerdings ist das kein Verarbeitungsprozess, sondern die Möglichkeit, etwas hautnah zu erzählen. Da werde ich dann wieder zum Reporter.

Wieso schreiben Sie Krimis? Ist es das, was Sie auch am liebsten lesen oder kann man dabei die eigenen bösen Seiten ausleben, die man im realen Leben eher unterdrückt?

Ich fühle mich wohler mit dem Ausdruck Thriller. Nein, es geht nicht darum, das „Böse in mir“ auszuleben. Es geht nur darum, dass in einer Geschichte ja irgendetwas passieren muss. Sonst ist es keine Geschichte oder eben eine langweilige. Wenn ich lese, will ich eine Geschichte erleben. Das gilt auch beim Schreiben. Toll finde ich aber auch Liebesromane.

Ruhm, Ehre, Moral, ethische Prinzipien – deswegen wird in Ihren Krimis gemordet. Strebt (heute?) nicht jeder danach? Steckt in jedem Menschen ein Mörder, der über Leichen ginge, um das ihm höchste Ziel zu erreichen?

Nein. Viele Menschen sind zufrieden, sich im Mittelmass der Gesellschaft zu bewegen. Das bewundere ich.

Sie haben verschiedene interaktive Kurzkrimis realisiert, kürzlich haben Sie einen Fortsetzungskrimi für das Onlinemagazin buchmagazin.ch nach 35 Folgen beendet, bei welchem Sie Inputs von Lesern annehmen und damit die Geschichte weiter gesponnen haben. Was reizt Sie an diesem Vorgehen? Wie kamen Sie auf die Idee, solche Projekte in Angriff zu nehmen?

Das sind äusserst sportliche Projekte, die viel Phantasie und Disziplin abverlangen. Das Tolle daran ist, dass mit den neuen Medien viele neue Möglichkeiten entstanden sind, die im Buchmarkt und noch mehr in der Literaturszene überhaupt keine Anwendung finden. Heute kann man als Kunde beinahe jedes Produkt online mitgestalten – warum sollte man da nicht auch auf seine Lektüre Einfluss nehmen dürfen? Zudem sind solche Projekte Werbung für mich als Autor und meine Bücher. Eines meiner besten Projekte war ein SMS-Roman für eine Freundin. Brutal hart. Aber einfach toll. Hätte ich genügend Interessenten – ich würde einen Roman per SMS/WhatsApp liefern. Jeden Tag ein Stück …

Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäussert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in Ihren Augen?

Nein. Aber er kann und darf und soll seine Meinung äussern. Da er aber heute praktisch gar nicht mehr nach seiner Meinung gefragt wird, muss er sich auch nicht damit beschäftigen. Da Medien ebenfalls nach den Regeln der freien Marktwirtschaft funktionieren, werden Prominente zu allem Möglichen befragt werden. Und falls es ein Schriftsteller zum Bestsellerautor schafft, trifft es automatisch auch ihn. Meistens allerdings zu Themen wie: „Kaufen Sie lieber im Coop oder in der Migros ein?“

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Es muss spannend sein. Jeder Schriftsteller bekommt bei mir die Chance von 50 Seiten. Falls ich dann nicht mitfiebere, bin ich weg!

Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die sie geprägt haben?

Ja, aber das sind so viele … Immerhin war ich mal Buchhändlerlehrling.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

  • Schreibe mal 100 000 Zeichen, die einen Sinn ergeben, innert weniger Tage. Falls du dich schwer tust damit, mache was anderes in deiner Freizeit.
  • Schreibe einem Freund oder einer Freundin einen Monat lang einen Fortsetzungsroman per SMS. Damit testest du deine Phantasie.
  • Treibe Sport oder schaff dir einen Hund an. So lernst du Disziplin.
  • Betrachte die Schreiberei als Hobby. Auch eine Modelleisenbahn ist toll!
  • Werde auf irgendeine Weise TV-Promi. Denn nur wer dich kennt, wird dein Buch kaufen.

Ich bedanke mich herzlich für diese Antworten!

Paul und Pauline

Wenn ich mir so den Paul anschaue, dann hat er alles, was so ein richtiger Mann haben sollte. Er ist intelligent, charmant, sieht gut aus, kümmert sich um mich, buhlt um mich, versteht alles, was ich sage, findet alles gut, was ich mache, versteht nicht, wie das mein Mann nicht machen kann. Ja – mein Mann. Der ist nicht wie Paul. Mein Mann hat Fehler. Und zwar so richtig viele. Von den Socken am Boden angefangen über Chaos wohin man schaut bis hin zu so unangenehmen Angewohnheiten, die ich gar nicht alle aufzählen will, da sie mir sonst nur wieder zu präsent sind und ich mich darüber aufrege. Wieso ich diesen Mann habe und nicht Paul? Paul war grad nicht im Angebot, als ich meinen Mann kennen lernte und zudem war mein Mann auch mal ein Paul.

Was ist geschehen? Wo hörte mein Mann auf, Paul zu sein? Wo ging Paul verloren und mein Mann blieb? Und wieso kommt nun ein neuer Paul, wenn ich doch meinen Mann habe? Ich möchte eigentlich keinen Paul haben, denn der zeigt mir die Schwächen meines Mannes noch viel deutlicher. Und ich möchte keinen Mann haben, denn dann könnte ich Paul haben. Gut, ich könnte meinen Mann verlassen und Paul nehmen, Paul wäre bereit und würde sich freuen, er findet mich ja so gut und er ist ja auch so gut. Aber das macht man nicht. Nicht so einfach. Oder doch?

Allerdings: Wenn mein Mann auch mal Paul war und nun mein Mann ist, was ist, wenn Paul auch plötzlich mein Mann und nicht mehr Paul ist? Was, wenn ich dann wieder einen Paul treffe und wieder dastehe und einen Mann habe statt einem Paul? Was, wenn ich dann wieder von Mann zu Paul wechseln muss und wieder nur warten kann, bis auch aus dem Paul ein „mein Mann“ wird? Ist nicht jeder Paul ein Mann? Und sieht man nicht nur anfangs den Paul und irgendwann nur noch den Mann? Ist das der Lauf des Lebens? Oder aber der Lauf der eigenen Wertigkeiten? Vielleicht ist es auch der Preis der Nähe?

Je näher ein Mensch kommt, je mehr Zeit man mit ihm verbringt, desto mehr kommen alle Seiten zum Tragen. Zeigt man in frühen Phasen des Zusammenseins nur die guten, will man das zwar vielleicht später auch noch – wobei eine gewisse Nachlässigkeit wohl sicherlich normal ist –, aber es lässt sich nicht mehr so einfach durchhalten, weil die Zeiten, die schlechten auszuleben, kleiner werden, während die gemeinsamen Zeiten zunehmen, so dass es nicht ausbleibt, dass man eben die nicht gewollten Seiten öfters mal zu sehen kriegt. Während anfangs die Socken in Pauls Wohnung ungesehen am Boden liegen, tun sie das irgendwann in der gemeinsamen und fallen da ins Auge. Wer weiss, was bei Paul zu Hause alles so rumliegt?

Und irgendwann kommt es hart auf hart. Und Paul sucht das Weite, weil alles so schwierig und alles so kompliziert ist und Paul eigentlich lieber schönes Wetter hat als Regen. Und mein Mann steht da und zückt den Regenschirm. Und ich denke: Was kümmern mich Socken, wenn ich nicht im Regen stehen muss? Was störe ich mich an all den Kleinigkeiten statt die wirklich wichtigen Dinge zu sehen? Wieso bin ich nicht dankbar für das, was ist, statt zu hadern über das, was nicht ist? Natürlich ist nicht alles erlaubt und ein wenig Paul täte jedem Mann gut. Aber ich bin ja auch nicht nur Pauline, sondern ab und an halt auch nur die Frau  mit Jogginghose und schlechter Laune. Ab und an bin auch ich nur die Frau, welche nicht alles am Manne lobt und gut findet und ihn den schönsten und liebsten und besten, und trotzdem erwarte ich, dass er nicht gleich zu einer Pauline springt, die all das tut, weil er das ja durchaus sein kann – und mal war für mich und noch sein könnte, würde ich nicht nur die Socken und Alltäglichkeiten sehen.

Vielleicht sollten wir immer mal wieder den Paul im eigenen Mann sehen und auch ab und an Pauline sein.

Das Leben

Die Zeit rast, manchmal schleicht sie. Alles hat seine Zeit, doch manchmal hat man keine. Die Zeit vergeht, ab und an steht sie auch still. Ab und an wünscht man sich, sie würde stehen bleiben, dann wieder verläuft sie im Sande. Die Zeit muss eine sadistische Natur sein, tut sie doch oft das, was man nicht möchte. Wenn sie vergehen soll, macht sie extra langsam, soll sie bleiben, verfliegt sie wie im Flug.

Und wie sie so vorbei geht, nimmt das Leben seinen Lauf. Manchmal nimmt man es auch in die Hände, packt es an. Das Leben kann pures Überleben sein, aber auch Lebensfreude beinhalten. Es kann eine Last sein oder Leichtigkeit beinhalten in seinem Sein. Niemand sagte, es sei leicht und es ist eines der härtesten und endet immer mit dem Tod.

Vermutlich ist es einfach Schicksal. Es ist vorbestimmt. Manchmal meint es das Schicksal nicht gut mit einem, dann wieder fordert man es heraus. Es gibt Menschen, die vertrauen drauf, andere erachten es als Zufall. Das Schicksal kann einem den liebsten Menschen nehmen oder aber Menschen zusammen führen und sie lieben sich; wenn das Schicksal will bis ans Lebensende.

Liebe ist eine Himmelsmacht. Sie ist das höchste der Gefühle, bringt aber auch den grössten Schmerz. Ohne Liebe ist alles nichts und nichts ist ohne Liebe. In der Liebe ist alles erlaubt, doch gilt im Krieg dasselbe. Liebe und Hass liegen nah beieinander. Man soll seinen Nächsten lieben, doch kann niemand in Frieden leben, wenn es dem Nächsten nicht gefällt. Alte Liebe rostet nicht, aber Liebe ist ein Jungbrunnen. Manches tut man um der Liebe zur Sache willen, doch sollte man Menschen Lieben. Geld oder Liebe?

Geld regiert die Welt. Geld ist Macht. Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Manche verdienen ein Schweinegeld, andere eine Heidengeld. Dinge können ein Vermögen kosten, aber manche Dinge sind nicht käuflich. Manche Dinge kriegt man für einen Appel und ein Ei, andere sind unbezahlbar. Es gibt Leute, die werfen das Geld auf die Strasse, andere nehmen es in die Hand, um es mit vollen Händen auszugeben. Geld stinkt nicht und nichts kostet die Welt. Zeit ist Geld.

Manchmal geht die Zeit aus. Und man hat vor lauter Geld scheffeln vergessen zu lieben, vergessen zu leben. Das wäre nicht Schicksal, denn das hätte man in der Hand.

Die Gesetze des Lebens

Das Leben ist nie eine gerade Linie, es ist wohl nicht mal kausal, so gerne man das glauben möchte. Das Weltbild, dass B aus A erwächst, man mit A den Grundstein für B legt und sich B immer aus A erklären lässt, ist ein beruhigendes für unseren Geist, weswegen der selbständig Kausalketten bildet und dadurch Sinn in die Geschehnisse und Erlebnisse legt. Würde man das Leben als lose Aneinanderreihung von Momenten sehen, würde man sich haltlos fühlen. Man hätte keine Möglichkeit mehr, einzugreifen, sähe sich hilflos den Eventualitäten des Lebens ausgesetzt. Dass es in Tat und Wahrheit eigentlich so ist, ahnt man zwar irgendwo, doch der Mechanismus des Gründe Suchens, des Ketten Knüpfens ist so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir uns dieser oft unbewusst ablaufenden Tätigkeit nicht entziehen. Sie gibt uns das Gefühl, unser Leben im Griff zu haben und sie liefert Erklärungen für das Warum.

 

Im Leben fasst man gerne Ziele. Diese sollen möglichst positiv sein, möglichst viel Glück bringen und Leid vermeiden. Um die Ziele zu erreichen, planen wir Wege, die wir beschreiten wollen. Auch hier sehen wir die Kausalität vor uns. Das Ziel einmal erreicht, wollen wir es nicht mehr loslassen. Je schöner es ist, je besser es sich anfühlt, desto fester wollen wir es halten. Aufgeben, loslassen – keine Option. Schlägt das Schicksal dann doch zu oder schlägt der Zufall böswillig drein, das vormalige Ziel und momentane Gute geht dahin, stehen wir vor den Scherben, hadern mit dem Leben und suchen schnell Gründe, wieso das wohl gut sein könnte, was dazu geführt hat und wie wir daraus etwas machen können.

 

Das Leben hat seine eigenen Gesetze, der Mensch kann diese nicht erfassen. Was immer und überall durchschimmert ist eine Dualität von Polen, von Erschaffung und Zerfall, von gut und böse, von Leid und Glück. Schatten und Licht. Diese gegensätzlichen Pole ziehen sich rund um den Erdball, sie finden sich in allen Philosophien und Religionen, zu allen Zeiten. Das deutet darauf hin, dass dahinter ein universales und allgemeingültiges Prinzip liegt. Man muss es nicht beweisen können, da es ausserhalb unserer Macht und unseres Geistes liegt. Man kann es wohl nicht mal ganz erfassen und beschreiben, es ist da und es ist erlebbar. In vielen tagtäglichen Beispielen und Erlebnissen erfahren wir es. Es hilft nichts, sich auf eine Seite zu stürzen, die andere gehört unweigerlich dazu.

 

Was man einmal bildet, geht auch wieder zu Grunde, um etwas Neuem Platz zu machen. Das macht Angst, denn das Neue ist ungewiss, unbekannt und damit ungeheuer. Das Bekannte kann man erfassen und sich damit arrangieren, beim Neuen muss man erst einen Weg dahin finden. Hat man ihm, möchte man ungern wieder loslassen, um wieder weiter zu gehen. Genau das macht aber das Leben aus. Es ist kein Tag wie der andere, keine Beziehung heute, wie sie morgen sein wird. Kein Mensch ist heute derselbe, wie er gestern war und er hat heute die Chance, sich für morgen neu zu erfinden. So erschreckend der Gedanke sein kann, dass alles im stetigen Fluss ist und immerwährender Veränderung unterliegt, so gross kann die darin liegende Chance sein.

 

Nichts ist ewig. Man kann etwas erschaffen, es geniessen, weiter gehen. Man kann es ausbauen, neu definieren, umstürzen, neue Wege gehen. Man kann daran arbeiten, dass es besser wird, wenn es heute nicht gefällt. Wichtig dabei ist wohl immer, ehrlich zu sich selber zu sein, genau hinzuhören, was man wirklich will und wirklich kann und dann den Weg zu gehen. Und vielleicht führt der Weg nicht zielgerichtet dahin, wohin man will, vielleicht liegen Steine auf dem Weg, tun sich Abgründe auf. Vielleicht muss man auch mal einen Umweg gehen, um den wirklich richtigen Weg zu erkennen. Wirklich planen kann man nie alles. Am Schluss bleibt wohl immer nur das Vertrauen darauf, dass es kommt, wie es kommen muss. Das ist weder gut noch schlecht, es ist, wie es ist. Und vermutlich ist genau das gut daran.

Buchhandlung „Das Labyrinth“, Basel

Alle Bilder © Oliver Borner
Alle Bilder © Oliver Borner

Die Buchhandlung „Das Labyrinth“ wurde 1984 gegründet und am Nadelberg 17 eröffnet.
Die anfänglich angeschlossene Galerie wurde Ende der 90er Jahre zu Gunsten der Bücher aufgelöst. Neben einer Spezialisierung auf diverse Fachgebiete der Geisteswissenschaften (Germanistik, Linguistik, Soziologie, Philosophie, Kunstgeschichte, Geschichte, Theologie, Religionswissenschaften, Politikwissenschaften, Medienwissenschaften, Anglistik, Altertumswissenschaften), welche sich aus der Nähe zur Universität Basel ergibt, führt die Buchhandlung „Das Labyrinth“ ein anspruchsvolles Sortiment an Belletristik und Lyrik und bietet des Weiteren lieferbare und vergriffene Bände der ‚Anderen Bibliothek‘ an, welche im Eichborn-Verlag erscheint.

Neben dem Präsenzangebot werden im Labyrinth auch Bestellungswünsche aller Art gerne erfüllt. Im Jahr 2011 wurde der Verein ‚Pro Labyrinth-Buch‘ gegründet, welcher Die Buchhandlung ideell und finanziell unterstützt.

Rolf Wetzel, der Geschäftsführer der Buchhandlung „Das Labyrinth“ hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu  beantworten.

Wie würden Sie Ihre Buchhandlung beschreiben?

Eine unabhängige Buchhandlung für StudentInnen, Uni-MitarbeiterInnen, Bücher-FreundInnen und alle, welche gerne bei uns vorbeikommen.

Selbstverständlich bestellen wir alle Titel vom Kinderbilder- bis zum Alterssport-Buch.

Wieso wurden Sie Buchhändler, wie sah Ihr Weg dahin aus?

Eine Lehre als Sortiments-Buchhändler hat für mich damals einfach gepasst.

Würden Die den Weg wieder gehen?

In der momentane Situation des Buchhandels nicht mehr, obwohl ich diesen Beruf schätze und ihn sehr gerne ausübe.

Wie haben sich Ihre Buchhandlung und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?

Das Internet und der Computer sowie die fortlaufenden Neuerungen in diesen Bereichen, welche teilweise auch für unsere Arbeiten von Vorteil sind, haben die Buchwelt sehr verändert.

Auch beobachten wir seit längerem eine stete Abwanderung staatlicher Institutionen ins Ausland. (Vor allem Bücherbestellungen in Deutschland zu Konditionen, bei welchen wir beim besten Willen nicht mithalten können.)

Onlinevertriebe wie Amazon.de, books.ch und andere sind bequem und gewinnen immer mehr Kunden. Wie spürbar ist das in Ihrer Buchhandlung? Was tun Sie, um Schritt halten zu können?

Mit Engagement und der Liebe zu den Büchern und unserer Buchhandlung versuchen wir das Optimum für uns und unsere Kunden herauszuholen.

Persönliche Beratung und das Zutragen zum Wohle des Kunden sind unerlässlich.

Der 2011 gegründete Verein ‚Pro Labyrinth-Buch‘ erhält durchwegs viel Beachtung.

Zudem versuchen wir, alle Bestellungen auf dem schnellstmöglichen Weg zu erhalten und informieren unsere Kunden, sobald diese bei uns abholbereit sind.

Institutionen beliefern wir für den Kunden unentgeltlich regelmässig mit einem Chauffeur. Dringende Lieferungen in der Umgebung bringen wir auch gerne zu Fuss oder mit dem Fahrrad vorbei.
Wir bieten ein möglichst ausgewähltes Sortiment an, was aber aus finanziellen Gründen nicht ganz so einfach ist.

Was kann oder muss der Buchhandel in Ihren Augen allgemein tun, um zu überleben?

Das ist teilweise schon unter Punkt 5 beantwortet. Zudem sollte man immer wieder versuchen, neue Kunden-Segmente zu eruieren, wirtschaftlich kalkulieren –wobei dies nicht dem Kunden angerechnet werden darf – und viel Einsatz zeigen!

Welchen Vorteil hat ein Kunde, der ein Buch bei Ihnen kauft, statt es übers Netz zu bestellen?

Im Allgemeinen können wir neben einer fundierten Beratung sehr schnelle Lieferzeiten gewähren und ökologische Aspekte werden ebenso unterstützt.

DSCF6420Unsere Preise sind teilweise tiefer als bei gängigen Online-Geschäften, zusätzlich gewähren wir sowohl Studentinnen und Studenten als auch den Kundenkarten-Inhabern (Kundenkarte: Fr. 40.- pro Jahr) einen Rabatt von 10 Prozent.

Schulen, Bibliotheken und andere Institutionen haben ebenfalls einen Rabattvorteil.

Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?

Bisher hat bei uns noch niemand nach einem E-Book verlangt. Auch vertreten wir die Ansicht, dass ein haptisches Buch einiges mehr zu bieten hat.

Und: Wenn die Elektrizitätswerke aussetzen und man einerseits eine Kerze und Zündholz und andererseits ein Buch zur Hand hat, kann man die Zeit bis zur Wiederherstellung des Stromes in Ruhe überbrücken.

Wie stehen Sie der Auseinandersetzung Verlage – Selfpublisher gegenüber? Hat ein Selfpublisher Chancen, bei Ihnen ausgestellt zu werden?

Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass die Autoren über die Verlage publiziert werden sollen. In einzelnen Fällen nehmen wir aber solche Titel in Kommission und legen sie bei uns aus.

Wenn Sie je einen Wunsch frei hätten von Verlagen, Autoren, Lesern und von der Politik, wie sähen die aus?

Verlage: Inhaltlich und äusserlich (sofern die finanziellen Möglichkeiten bestehen) qualitativ wertige Bücher. Weiterhin sollen alle Segmente für eine breite Leserschaft abgedeckt sein.

Autoren: Interessante Texte und immer neue Ideen.

Leser: Das Buch als festen Wert ansehen und (wieder) neu entdecken.

Politik: Eingreifen in das System der öffentlichen von Steuergeldern finanzierten Institutionen, welche seit einigen Jahren im Euro-Raum bestellen.

Zudem wäre es schön, wenn eine Buchhandlung wie unsere als kulturelle Organisation begriffen würde.

Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, der gerne Buchhändler werden möchte?

Wenn er/sie von diesem Beruf überzeugt ist (nach einem kurzen Schnupper-

Praktikum) und mit einem minimalen Lohn leben kann, soll er/sie versuchen,

diesen Weg zu gehen. Wichtig ist jedoch eine grosse Flexibilität, auch in einem anderen Beruf arbeiten zu können.

Gibt es noch etwas, das noch nicht zur Sprache kam, das Sie wichtig finden?

Die Unterstützung des heimischen Gewerbes und das Bewusstsein, dass die Margen im Buchhandel im Gegensatz zu den meisten Detailhandels-Branchen sehr tief sind.

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Welche andere Buchhandlung würden Sie empfehlen für ein nächstes Porträt hier?

Buchhandlung ‚Vetter‘ an der Spalenvorstadt 3 in 4051 Basel.

Ich bedanke mich herzlich bei Rolf Wetzel für diese Antworten.

DSCF6402Eckdaten
Rolf Wetzel
Buchhandlung „Das Labyrinth“
Nadelberg 17
4051 Basel
Tel: +41 (0)61 261 57 67
Fax: +41 (0)61261 5930
E-Mail: info(at)daslabyrinth.ch
Web: www.daslabyrinth.ch

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag  8.30 – 18.30
Samstag            9.00 – 17.00

Natur und Verstand

Der Mensch sieht sich als Verstandeswesen und denkt, sich durch eben den Verstand vom Tier zu unterscheiden. Er ist stolz darauf und setzt ihn ein, wo immer er kann. Er wägt ab, berechnet, zeigt sich berechnend, verlässt sich auf alles, was der Verstand ihm eingibt, ist es doch das, was menschlich ist und damit am höchsten steht. Schlussendlich steht der Mensch ganz oben in der Hierarchie der Lebewesen, generell von allem – denkt er und verhält sich danach.

Immer wieder suchen Katastrophen die Welt heim. Sie bringen durcheinander, was der Mensch so ordentlich aufgebaut und eingerichtet hat. Der Mensch schreit auf und schimpft die Natur eine Gewalt, merkt nicht, dass er es war, der ihr vorher Gewalt angetan hatte, sie diese nicht mehr tragen konnte und nun – gar nicht berechnend, sondern aus der geschaffenen Situation heraus – zurückschlägt. Die Natur hat nie gesagt, man solle alle Bäume roden, um mehr Platz für teuer zu verkaufende Skipisten zu erhalten. Ist es also ihre Gewalt, die zig Menschenleben in den Tod riss mit der Lawine? Die Natur hiess den Bach nicht in Kanälen zu fliessen, die eigentlich viel zu eng waren. Ist es ihre Gewalt, wenn derselbe Bach nun ganze Häuserfluchten mitriss, weil er dem Kanal entfliehen musste, er keinen Platz mehr in den vom Menschen auferlegten Grenzen fand?

Der Mensch rechnet sich sein Leben, seine Umwelt aus und plant, wie es für ihn am besten passt. Er unterwirft alles dem Diktat des eigenen Profits und missachtet dabei alle natürlichen Gegebenheiten. Selbst wenn er diese mit berücksichtigt auf dem Papier, indem er sie berechnet, ignoriert er die naturgegebenen Kräfte, die jeder Berechnung widersprechen, weil sie nie vorhersehbar sind. Berechnung ist immer nur Wahrscheinlichkeit, darauf baut der Mensch seine Sicherheit und unterwirft dieser alles. Im Grossen wie im Kleinen.

Was nützen alle Berechnungen, alle Bestrebungen nach was für Werten auch immer, wenn man nicht auf die reine Natur hört, auf die Stimme derselben, die immer sagt, ob etwas gut oder schlecht ist? Man läuft auf sogenannt sicheren Schienen, bis die (eigene) Natur zuschlägt und den vorher so sorgfältig ausgerechneten Weg als unbegehbar ausweist. Da steht man nun und sieht sich vor einem Berg, den man nicht sah bei den ach so rationalen Wegberechnungen. Er hatte sich über die Zeit wie von selber aufgebaut, aus allem, was das Herz und das eigene Naturell hergaben. All das, was man vorher als sentimental, irrational, emotional, nicht sicher genug abtat, türmt sich auf – weil man plötzlich fühlt.

Zwar fühlte man schon vorher, allein, man wollte es nicht wahrhaben. Hätte man es mal getan. Man stünde nicht vor Bergen, hätte sie umgehen können.  Irgendwann merkt der Mensch vielleicht, dass er die Natur nicht überlisten kann, sondern Teil davon ist und immer ihren Gesetzen unterworfen. Auch der Verstand ist schlussendlich aus der Natur geboren. Wenn wir ihn gegen sie richten, können wir nur verlieren.

Matthias Engels – Ein Buchhändler erzählt

Matthias Engels
denkerfotoMatthias Engels wurde 1975 in Goch geboren. Nach dem Abitur absolvierte er eine Buchhändlerlehre und ist diesem Beruf seit da treu geblieben. Matthias Engels ist Autor von Romanen und Lyrik, zahlreiche Texte erschienen zudem in Anthologien und Zeitschriften, und er führt als Referent für Erwachsenenbildung Interessierte in die Inhalte der Literaturgeschichte ein.  Matthias Engels lebt mit seiner Familie in der westfälischen Pampa, wie er sich selber ausdrückt. Mehr über sein Tun findet sich unter http://dingfest.wordpress.com.

Matthias Engels hat sich bereit erklärt, mir ein paar Fragen zum Berufsbild des Buchhändlers in der heutigen Zeit und die damit einhergehenden Herausforderungen zu beantworten. Er zeichnet mit seinen ausführlichen Antworten ein realistisches Bild der heutigen Buchhandelslandschaft, schält die schwierigen Punkte heraus und zeigt gangbare Wege  für die Zukunft auf.

 

Wie würden Sie Ihre Buchhandlung beschreiben?

Ich arbeite in Teilzeit in einer großen Universitätsbuchhandlung mit Vollsortiment. Das Geschäft befindet sich in zentraler Lage in Münster/Westfalen und bietet auf 5 Etagen zahlreiche Fachabteilungen.

Wieso wurden Sie Buchhändler, wie sah Ihr Weg dahin aus?

schardtporträt2Ehrlich gesagt ist die Entscheidung im Ausschlußverfahren zustande gekommen. Nach dem Abi und dem Zivildienst habe ich mir überlegt, welche Jobs ich mir NICHT für die nächsten 40 Jahre vorstellen konnte. Bei den Dingen, die mich interessierten, Kunst und Literatur, fielen mir wenig „vernünftige“ Jobs ein, die ein Auskommen versprachen. Ich las gern, Literatur faszinierte mich und insgeheim war auch der Wunsch nach dem eigenen Schreiben da-so kam ich auf den Buchhändler. Sicher ist es Heinrich Böll, Hermann Hesse und Wolfgang Borchert ähnlich gegangen, die ja alle zunächst eine Buchhandels-Lehre begonnen hatten. „Der Junge liest gern- steck` ihn in einen Buchladen.“
Ich lernte den Beruf nach einem anfänglichen Schock schon in meiner Ausbildung lieben. Zuerst sah ich mich als Kafka-Liebhaber vor Kleintier-Ratgebern und Landkarten, die ich verkaufen musste. Als ich mein erstes Schaufenster dekorieren durfte, wählte ich dafür ausschließlich Titel von Suhrkamp und Insel aus, die wir z.T. nur mit einem einzigen Exemplar vorrätig hatten. Die Chefin lächelte und ich merkte bald, dass der Buchhandel so nicht funktioniert. Wirklich schmackhaft wurde mein Beruf durch den Kontakt mit Menschen und die Auseinandersetzung mit dem Sortiment. Ich habe meine Ausbildung und die ersten Berufsjahre in einer kleinen Buchhandlung verbracht, in der ich bald vom Einkauf über das Bestellwesen bis zum Verkauf alles allein gemacht habe. Danach tingelte ich durch verschiedene Antiquariate und bin nun seit der Geburt meiner Kinder vor über 10 Jahren in Teilzeit bei einer großen  Kette beschäftigt, in der ich massgeblich für den Verkauf zuständig bin. Ich kenne also verschiedene Ausprägungen des Buchhandels.

Würden Sie den Weg wieder gehen?

Schwer zu sagen. Mit dem heutigen Wissen um die Schwierigkeiten, in denen der Beruf heute steckt, vielleicht eher nicht. Dennoch halte ich den Buchhändler, wenn er vernünftig ausgebildet ist und für den Beruf brennt, immer noch für den akademischsten aller unakademischen Berufe. In meinen Augen wird er heute zu Unrecht als beinahe überflüssige Bestellmaschine angesehen. Ich habe mittlerweile die für mich perfekte MIschung gefunden: Ich schreibe und veröffentliche selbst Bücher, lese immer noch manisch und kann meine Kenntnisse an einigen Tagen in der Woche durch Beratung und Verkauf an andere Leser weitergeben. Für mich persönlich ist der buchhändlerische Alltag immer noch spannend: der Zugang zu neuer Literatur, neuen Büchern, die unbegrenzte Informations- und Recherchemöglichkeit. Auch die Veränderungen in der Branche empfinde ich als Herausforderung. Was schwierig ist, ist der neu entstandene Druck und das deutlich herabgesetzte Ansehen meines Berufs.

Was fasziniert Sie an Büchern? Woher stammt die Liebe dazu?

Meine Liebe zu Büchern begann, rückblickend, eigentlich schon als Kind. Ich las nicht nur, ich bastelte eigene Bücher, Nachschlagewerke über Dinge, die mich damals interessierten. In Kladden klebte ich Bilder und schrieb dazu; mit etwa 15 kam ich darüber und über das Tagebuch-Schreiben zu kleinen Gedichten, die selbst illustrierte, heftete oder band.

Das Buch -und damit meinte ich die Einheit von Inhalt und Form- ist als Medium perfekt für den Transport unterschiedlichster Informationen. Es wurde schon so oft totgesagt und lebt noch immer, weil es kaum ein vergleichbar vielseitiges Medium gibt. Es kann die gesamte Bandbreite an Leserwünschen erfüllen -von der Unterhaltung bis zur Vermittlung von komplexem Wissen. Es ist mit seinen Bildern, Karten, Skizzen und den unendlichen Möglichkeiten des Satzes unglaublich variabel und war schon interaktiv, bevor es den Begriff überhaupt gab: Durch Unterstreichungen, handschriftliche Einträge und eingeklebte Zettel nimmt der Leser am Text teil und greift in ihn ein. Aus der Massenware Buch wird somit ein individuelles Objekt. Ein Buch kann so klein sein, dass es in der Tasche, eng am Körper, fast wie ein Teil davon transportiert werden kann und es kann so groß sein, dass es eigene Möbelstücke erfordert. Ein und derselbe Text kann in einer kleinen Form genauso funktionieren wie als riesige Ausgabe mit Bildern. Bücher können, wenn die Einheit von Form und Inhalt stimmt, zu einer Art Fetisch werden; einem Objekt, das unheimlich viel mehr in sich trägt als Buchstaben auf Papier.

 Gibt es Bücher, Schriftsteller, die Sie persönlich geprägt haben, die Ihnen wichtig sind?

Das sind unglaublich viele und unterschiedliche. Mein Revier als Buchhhändler ist wohl am ehesten die gehobene Unterhaltung. Ich schätze Bücher, die handwerklich gut gemacht und flüssig zu lesen sind, deren Ambition dennoch höher liegt als nur zu unterhalten. Natürlich schätze ich einige moderne Klassiker und privat auch eine Art Geheim-Kanon, der im Handel praktisch nicht auftaucht. Was für mich gar nicht geht, sind Bücher ohne irgendeine Art von Humor.

 

Wie haben sich Ihre Buchhandlung und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?

Seit dem Auftauchen des Online-Handels wird das Sterben des Buchhandels prognostiziert. Trotzdem lebt er noch, denn mit diesem lediglich anderen Vertriebsweg ließ sich leben. Mit der Verbreitung des Internets in  weiteren Bevölkerungsgruppen als den sowieso schon Technik-Affinen kam aber eine andere Problematik dazu. Der Buchhändler ist nicht mehr alleiniger Hüter der Kataloge und die Bandbreite der Bezugsquellen UND Anbieter von Literatur nahm zu. Früher kam das Buch vom Verlag, der Buchhändler bestellte es dort oder über den Zwischenhändler -weder zu dem einen noch dem anderen hatte der Endkunde wirklich Zugriff. Heute kommt das Buch vielleicht von BOD oder einem kleineren Anbieter dieser Art, von einem Selfpublisher oder oder oder. Für den Käufer ist es ein Leichtes, sich im Internet das gewünschte Buch zu bestellen. Dank dem Internet ist es für jedermann möglich, in seinem Bereich zum Experten zu werden. Der Markt hat darauf reagiert und ist in den letzten Jahren mit einem Feuerwerk neuer Genres explodiert. Ein Buchhändler kann aber, bei aller Liebe, nicht Experte sein für sämtliche Schweden-Krimis, homoerotische Fantasy, Chick-Lit UND lesbische Vampirromane. Oft wird aber genau das vom Kunden erwartet. Während der Kunde selber in der Regel ein oder zwei Interessengebiete hat, über die er im Netz recherchiert, soll der Buchhändler in ALLEN fit sein, denn jeder Kunde hält seinen Geschmack (und das ist durchaus verständlich) für massgeblich und ist enttäuscht, wenn der Buchhändler SEIN Buch nicht kennt.

Onlinevertriebe wie Amazon.de, books.ch und andere sind bequem und gewinnen immer mehr Kunden. Wie spürbar ist das in Ihrer Buchhandlung? Was tun Sie, um Schritt halten zu können?

Unsere Buchhandlung hat als große Kette natürlich schon lange einen Online-Vertrieb, der mit seinen Lieferzeiten, Konditionen etc. Amazon in nichts nachsteht. Wir weisen darauf hin und bieten den kostenlosen Versand nach Hause an. Viel wichtiger ist aber in unserem Konzept die Beratung. Anders als andere Ketten setzen wir auf eine recht hohe personelle Besetzung, die fast ausschließlich aus gelernten Buchhändlern besteht. Weiterhin spezialisieren wir Verkäufer uns auf verschiedene Genres, um gewährleisten zu können, dass in aller Regel für jeden Kunden ein kompetenter Verkäufer anwesend ist. Da wir am gleichen Ort eine weitere Filiale mit etwas anderem Konzept haben, ist es in unserem Fall so, dass die Kunden die Wahl haben, ob sie eine gute Beschilderung zum Selbst-Finden der Ware oder eine persönliche Auskunft und eventuelle Beratung haben möchten. Bei aller selbstverständlichen Anpassung unseres Konzeptes an die neuen Gegebenheiten sind wir also im besten Sinne auch „old-school“ und setzen auf die ehemals geschätzten Qualitäten des Buchhandels: Kompetenz, Beratung und Betreuung.

Was kann oder muss der Buchhandel in Ihren Augen allgemein tun, um zu überleben?

Er muss, ganz vereinfacht gesprochen, den Spagat schaffen, sich einerseitsmit dem Verkauf von Bestsellern zu finanzieren, andererseits aber dennoch Qualität zu bieten. Das gilt übrigens auch für die Verlage. Der Leser, der eben nicht die Massenware möchte, darf nicht das Gefühl bekommen, er sei in einer Buchhandlung fehl am Platz oder unerwünscht. Das Prinzip der Mischkalkulation muss m.E. wieder ernster genommen werden. In unserem Laden bieten wir natürlich Dan Brown und Dora Heldt auf prominenten Plätzen an, führen aber auch Manesse-Bücher, ein großes Lyrik-Regal und Titel  von kleinen und Nischen-Verlagen. Des Weiteren muss der Buchhändler sich wieder das Vertrauen der Leser erarbeiten, wieder zum kompetenten Ratgeber werden, der mehr beherrscht als Algorithmen. Das heißt konkret: er muss auch abseits des Mainstreams bewegen und den Mut haben, diese Titel auch anzubieten, wenn sie in Frage kommen. Nur Bestseller kann auch Amazon empfehlen. Heute muss der Buchhändler weit über den Tellerrand des Vlbs hinausschauen und die vielfältigeren Recherchemöglichkeiten des Internets nutzen. Ein “Das gibt es aber nicht.“ sollte nur nach Ausschöpfen aller möglichen Quellen fallen. Kennt der Kunde Autor und Titel nicht, weiß aber, dass der Autor am Samstag in der Talkshow XY aufgetreten ist, muss der Händler auf der Seite des jeweiligen Senders nachsehen, wer es gewesen sein könnte. Qualitität im Programm und in der Beratung sind gefragt.

 Welchen Vorteil hat ein Kunde, der ein Buch bei Ihnen kauft, statt es übers Netz zu bestellen?

Für den durchschnittlichen Kunden, der einen konkreten Buchwunsch hat, macht es vielleicht keinen Unterschied. Bei uns nennt er Autor und Titel und in aller Regel kann ich ihm das Buch persönlich in die Hand drücken und ihm einen schönen Tag wünschen. Meine Kolleginnen an der Kasse packen es ihm dann gerne als Geschenk ein und schenken ihm ein Lesezeichen oder ähnliches. Allerdings muss er dafür das Haus verlassen und – wenn er einen speziellen Lesegeschmack hat, ist es eher unwahrscheinlich, dass wir das Buch vorrätig haben. Ein solcher Kunde neigt wahrscheinlich direkt zur einfachen Variante des Online-Kaufens. Für den Kunden allerdings, der noch nicht so genau weiß, was er will, bietet unser Konzept einen mächtigen Vorteil, wie ich finde. Oft erlebe ich, dass Kunden nur eine vage Vorstellung haben, was sie gerne lesen würden, aber keine Ahnung, was dem entsprechen könnte. Sie haben vielleicht einen Lieblingsautor, aber alle dessen Bücher bereits gelesen. Die Algorithmen Amazons können da evtl. noch Bücher anzeigen, die von anderen Lesern dieses Autors gekauft wurden. Aber wenn unter diesen sehr unterschiedliche Querbeet-Leser waren, ist das wenig aussagekräftig. Wir können ihm durchaus sagen, wer dem Stil seines Lieblingsautors nahekommt oder wer ähnliche Themen behandelt. Für die allermeisten Titel, so möchte ich behaupten, kenne ich eine gute Ergänzung. Ob sie jetzt ähnlich oder eben komplett anders und daher interessant ist, sei mal dahingestellt. Viele Leser sind froh, wenn sie auf neue Autoren aufmerksam gemacht werden, die sie sonst nicht so schnell entdeckt hätten. Allerdings erfordert dies ein Aufeinander-Einlassen von Buchhändler und Kunde, das m.E. nicht mehr selbstverständlich ist.

Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?

Ein Stück weit gilt hier meine Antwort auf die Frage Nr. 4. Das E-book ist eine Darreichungsform des Textes. Es ist schnell verfügbar, leicht transportabel und hat somit durchaus seine Vorteile. Das gedruckte Buch geht m.E. weit darüber hinaus. Aber auch hier gilt: mit schlecht gemachten, billigen Büchern voller Druckfehler sticht man das ebook nicht aus. Billiger Druck auf billigem Papier und mit billigem Kleber aus China geleimte Bücher rechtfertigen nicht den Nimbus, den das Buch als Objekt einmal hatte. Für mich ist das Lesen eines E-books in etwa so, als schaue ich einen großen Kinofilm auf dem Laptop -ich kenne natürlich hinterher den Film, aber das Erlebnis ist ein anderes.

Wie stehen Sie der Auseinandersetzung Verlage – Selfpublisher gegenüber? Hat ein Selfpublisher Chancen, bei Ihnen ausgestellt zu werden?

Generell versuchen wir alle Bücher, für die Nachfrage besteht, anzubieten. Wenn der Titel eines Selfpublishers für uns interessant sein sollte und er ist auf einem zumutbaren Weg zu besorgen-warum nicht? Allerdings würden wir keinem Titel hinterherjagen, der nirgendwo gelistet oder nur zu für den Laden unzumutbaren Konditionen zu beziehen ist. Ein gewisses Einhalten der Regeln muss gegeben bleiben. Die Fronten in diesem Konflikt haben sich ja sehr verändert. Früher galt der Verlag als Qualitätssicherung und wer keinen fand, konnte folglich nicht gut genug sein. Heute wiederum gilt es schon fast als Qualitätsmerkmal, NICHT in einem Verlag zu erscheinen. Die neuesten Plagiatsfälle rücken diese Euphorie schon wieder etwas gerade. Hier müssen sich die Verlage ein wenig an die Nase fassen und sich fragen, wie es so weit kommen konnte. Es wird zu viel, zu schnell und zu günstig produziert. Lektorate etc. werden ausgelagert und eine umfassende Qualitätssicherung scheint oft nicht mehr gegeben zu sein. Die Profile der Verlage müssen wieder schärfer werden und ratsam wäre es eventuell, einfach mengenmäßig weniger und weniger austauschbare Bücher zu produzieren.

Wenn Sie je einen Wunsch frei hätten von Verlagen, Autoren, Lesern und von der Politik, wie sähen die aus?

Das ist eine komplexe Frage und ich bin mir überhaupt nicht sicher, wer der eigentlich richtige Ansprechpartner wäre. Die einfache Wahrheit: Wer schlechte Arbeit macht, sollte Pleite gehen- greift hier meines Erachtens nicht. Die Größenverhältnisse und finanziellen Mittel innerhalb der Branche sind sehr unterschiedlich. Ein Stück weit fehlt die Aufklärung. Warum ist die Buchpreisbindung in Deutschland wichtig? Wie läuft das überhaupt mit dem Buchhandel und warum sind einige Titel schwierig zu bekommen und andere nur über Amazon? Viele Kunden denken heute noch, dass ich nur zu faul zum holen, bin, wenn ich sage, das Buch könne morgen da sein. Von allen Seiten: den Händlern selbst, den Verlagen, dem Börsenverein wäre ein Schritt hin zu, Kunden ratsam. Amazon und andere Anbieter kopieren zu wollen ist keine Lösung. In nicht allzu ferner Vergangenheit staunte ich bei der Pleite des Schlecker-Konzerns darüber, wie sehr sich Öffentlichkeit und Politik für die sog. Schlecker-Frauen engagierte. Bei einer insolventen Buchhandlung, der die Kunden zum Online-Anbieter weggelaufen sind, sagt man: „Pech gehabt-Trend verschlafen!“ Obwohl momentan eine leichte Dosis Amazon-Bashing Mode ist, gibt es zu viele Kunden, die sich im Laden ausführlich beraten lassen, um dann freudestrahlend zu danken und zu sagen: „Ich bestelle es gleich im Internet!“ Letztlich ist wohl eine Sensibilisierung des Kunden von Nöten, von welcher Seite auch immer.

Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, der gerne Buchhändler werden möchte?

Mach es, es ist ein interessanter Job, der dir die Möglichkeit bietet, dir Wissen zu verschaffen und es weiterzugeben und der sich enorm entwickeln wird. Die nächsten Jahrzehnte werden Veränderungen bringen, an denen man teilnehmen und lernen kann. Such dir ein Spezialgebiet, auf dem du wirklich gut bist, engagiere dich. Erwarte aber keinen sicheren Job, in dem du 8 Stunden absitzen kannst. Lass dich auf Menschen ein und sei Dienstleister. Die ehemals hier und da vorgefundene Haltung, alleiniger Besitzer einer Art Geheimwissen zu sein, ist nicht mehr angemessen!

Gibt es noch etwas, das noch nicht zur Sprache kam, das Sie wichtig finden?

Ich möchte generell von Schwarzweißmalerei abraten. Es gibt, bei Verlage, Selfpublishern, Buchhandlungen und Buchhändlern immer gute und weniger gute. Nicht alles, was in einem Verlag erscheint, ist gut und nicht jeder Selfpublisher verzapft nur Schrott. Andersherum ist auch nicht zwingend jedes selbstverlegte Buch der große Wurf, wie es mittlerweile beinahe dargestellt wird, einfach nur, weil es KEIN Verlag haben wollte. Man kann von der Kleinstadtbuchhandlung nicht das Sortiment einer Uni-Buchhandlung erwarten, wenn man ein hoch spezialisierter Leser ist- wenn man aber eher Mainstream liest, gibt es eigentlich keinen Grund, seine Vorort-Buchhandlung, die vielleicht nur einmal um die Ecke liegt, zugunsten Amazons zu verlassen.

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview!

Gestern, morgen, nur nicht heute

Das Gestern ist nicht mehr, das Morgen noch nicht hier. Alles, was du hast, ist das Heute.

So oder so ähnlich lernt man es in der östlichen Philosophie. Wie manche Yogastunde habe ich eingeleitet mit dem Spruch. Wie viele Meditationen drehten sich um das Hier und Jetzt als einzig lebbare Zeit. Der Sinn ist klar, seine Wahrheit offensichtlich. Ich kann nicht widerrufen, was war, ich kann es auch nicht nochmals leben. Ich kann nicht vorwegnehmen, was noch nicht ist, ich kann es nicht mal wirklich wissen, nur ahnen, spekulieren. Alles, was ich habe, ist das Heute. Nur im Hier und Jetzt kann ich wirklich etwas tun. Klar hat dieses Hier und Jetzt Folgen, die in die Zukunft reichen und sollte drum bedacht sein. Klar erwächst es aus etwas, das mal war, fusst also auf der Vergangenheit. Aber jetzt ist immer nur jetzt, es ist alles, was ich habe.

Gehe ich dann weg von der Yogamatte und hinein ins Leben, sind da plötzlich all die Ziele, all die Wünsche, all die Hoffnungen und all die Prognosen. Ich ertappe mich dabei, zu denken, dass ich glücklich bin, wenn nur erst die Woche um ist. Ich male mir den Freitag Abend, das Wochenende aus. Ich denke, dass alles einfacher wird, wenn nur erst mal etwas nicht mehr ist oder etwas anderes erreicht. In den buntesten Farben erscheint mir das angestrebte Ziel. Der Mensch in unglücklicher Beziehung sehnt sich deren Ende herbei und sieht dann die Zeit für Glück und Freiheit, der einsame Single sieht sich am Ziel seiner Träume, wenn er endlich das passende Gegenüber hat, welches natürlich immer perfekt  und in allen Belangen ideal ausgemalt wird. Bis es soweit ist, darbt man dahin, suhlt sich im Unglück, weil noch nicht ist, was sein sollte. Man macht alles davon abhängig und vergisst das Heute, welches man als Wartegleis definiert. Warten auf bessere Zeiten.

Was, wenn die besseren Zeiten nie kommen? Man hätte das Heute vergebens geopfert. Man hätte all das Gute und Schöne verachtet, weil man nur auf das Eine, das noch nicht ist, ausgerichtet war. Man war so versteift auf diese eine ausschlaggebende Veränderung, die einem ganz spezifischen Bedürfnis erwuchs, dass man alles andere ignorierte und das Bedürfnis selber und dessen Glückstauglichkeit gar nicht in Frage stellte.

Was, wenn es käme und man wäre noch immer nicht glücklich? Was, wenn das Glück beim Erreichen des Gewollten zwar da wäre, aber schnell auch wieder weg? Das Leben auf der Wartebank. Warten auf Godot, welcher hier  synonym für Glück verwendet wird. Es wird nie kommen, wenn man es nicht einfach jetzt packt.

Morgen, morgen, nur nicht heute…

Ein alter Spruch und doch so aktuell. Man bedenkt dabei nie, dass es morgen zu spät sein könnte.

Lillemors Frauenbuchladen, München

laden2Lillemors wurde 1975 als erster deutscher Frauenbuchladen gegründet und ist auf Literatur für Frauen im Allgemeinen, Literatur weiblicher Autoren sowie Sachbücher mit frauenspezifischem Inhalt im Besonderen spezialisiert. Vor allem Bücher von kleinen Verlagen, welche sonst in der Stapelware untergehen, erhalten hier ihren grossen Auftritt. Lillemors Frauenbuchladen ist Buchhandlung und Kommunikationszentrum in einem; ein Treffpunkt für Frauen, wo frauenspezifische Themen lebendig werden, sei es durch die Präsentation der entsprechenden Bücher, welche sowohl vor Ort vorhanden sind und auch unkompliziert bestellt werden können, sei es im gegenseitigen Austausch aktueller Themen und Belange.

laden11987 wurde die Arbeit der Lillemors mit dem Münchner Förderpreis für Frauenforschung und Frauenkultur ausgezeichnet.

Neben all dem stellen bei Lillemors regelmässig Künstlerinnen ihre Werke aus und es werden Lesungen mit Autorinnen für ein kleines aber feines Publikum veranstaltet.

Bücherhund Gina*
Bücherhund Gina*

Porträt 
Wie würden Sie Ihre Buchhandlung beschreiben?

Lillemors Frauenbuchladen ist ein lebendiger Ort für Frauen, die sich für Literatur von Frauen interessieren. Hier finden sie Bücher von Autorinnen zu allen relevanten Themen der heutigen Zeit, also nicht nur „den schönen Roman“.

 Wieso braucht es eine Buchhandlung für Frauen?

Lillemors Frauenbuchladen war und ist eine bewusste Antwort auf das öffentliche Verschweigen weiblicher Lebenswirklichkeiten in Literatur, Kunst und Medien. Frauen sind weltweit die Mehrheit der Bevölkerung. Solange unsere Gleichheit nicht verwirklicht ist braucht es Feministinnen und auch Frauenbuchläden.

 Wieso wurden Sie Buchhändler, wie sah Ihr Weg dahin aus?

Wir sind keine Buchhändler sondern Buchhändlerinnen!

Unser Weg zu Lillemors steht im engen Zusammenhang mit der neuen deutschen Frauenbewegung. Wir wollten und wollen aktiv Frauenpolitik mitgestalten, d.h. für uns, das Denken von Frauen via Buch sichtbar und zugänglich zu machen.

Würden Sie den Weg wieder gehen?

Selbstverständlich JA

  Was fasziniert Sie an Büchern? Woher stammt die Liebe dazu?

Ein Leben ohne Bücher können wir uns nicht vorstellen. Lesen ist Dünger für den Kopf. In unseren Elternhäusern wurde sehr viel gelesen.Daher stammt sicherlich die Liebe zu Büchern. Außerdem sind wir noch die Generation, die fast ohne Fernsehen etc. aufgewachsen ist und das Buch daher der Ausflug in die weite Welt, in die Gedanken anderer Menschen war.

 Gibt es Bücher, Schriftsteller, die Sie persönlich geprägt haben, die Ihnen wichtig sind?

SchriftstellerInnen haben uns am meisten geprägt. U.A. Alice Schwarzer „der kleine Unterschied….“ Und Verena Stefan „Häutungen“ waren solche Schlüsselerlebnisse.

 Wie haben sich Ihre Buchhandlung und ihr Beruf verändert in den letzten Jahren?

Leider ist in den letzten Jahren das Interesse von Frauen an emanzipatorisch-wissenschaftlichen Texten sehr zurückgegangen. Dafür ist die sogenannte „Unterhaltungsliteratur“ in den Vordergrund gerückt. Wir führen nach wie vor feministisch-emazipatorische Bücher aber auch literarisch gute Unterhaltungsliteratur. In unserem online-katalog sind u.a. alle relevanten Feministischen Sachtitel gelistet, die per Warenkorb bestellt werden können.

Onlinevertriebe wie Amazon.de, books.ch und andere sind bequem und gewinnen immer mehr Kunden. Wie spürbar ist das in Ihrer Buchhandlung? Was tun Sie, um Schritt halten zu können?

Spürbar ist das selbstverständlich.
Dieser Tatsache können wir nur durch sehr gute persönliche Beratung, schnellsten Bestellservice sowie gezielte Auswahl unseres Sortiments entgegen treten. Als Bestell- und Versandbuchhandlung mit eigenen Katalog sowie Website im Internet sind wir gut aufgestellt.

Was kann oder muss der Buchhandel in Ihren Augen allgemein tun, um zu überleben?

Sehr gute Präsentation im Internet ist eines. Der Kundschaft besten Service bieten, auch wenn vieles nicht bezahlt wird. KundInnenbindung durch gute Beratung, Aufmerksamkeit, Und vor allem : Geht nicht gibt’s nicht!

Welchen Vorteil hat ein Kunde, der ein Buch bei Ihnen kauft, statt es übers Netz zu bestellen?

Die Kundin und der Kunde sprechen mit einer versierten Buchhändlerin. Das Gespräch ist oft das Wichtigste, um herauszufinden, was gewünscht wird. Bei uns wird Beratung sehr geschätzt und gewünscht.

 Was halten Sie von der Kontroverse Buch – E-Book?

Beides hat in der heutigen Zeit seinen Platz. Wir sehen da keine Kontroverse

Wie stehen Sie der Auseinandersetzung Verlage – Selfpublisher gegenüber? Hat ein Selfpublisher Chancen, bei Ihnen ausgestellt zu werden?

Ja, warum nicht. Das kommt wie immer auf die Inhalte an.

Wenn Sie je einen Wunsch frei hätten von Verlagen, Autoren, Lesern und von der Politik, wie sähen die aus?

Von der Politik erwarten wir, dass sie an der Buchpreisbindung festhält. Verlage könnten etwas großzügiger mit den Rabatten sein. Leserinnen sollen uns die Treue halten. Autorinnen sollen weiter so gute Bücher schreiben.
Unser Wunsch: Lillemors Frauenbuchladen soll noch lange bestehen.

Was würden Sie einem Jugendlichen sagen, der gerne Buchhändler werden möchte?

Ein toller Beruf ist das. Aber ohne gute Ausbildung schwer zu gestalten. Also: lesen und lernen.

Gibt es noch etwas, das noch nicht zur Sprache kam, das Sie wichtig finden?

Ein Aufruf an alle LeserInnen und Leser: Leute, kauft Eure Bücher bei eurer Buchhandlung vor Ort. Redet und fragt, lasst Euch beraten, damit nicht nur der Mainstream eine Chance hat. Bestellen könne Ihr auch bei jeder Buchhandlung und die ist meist schneller als Amazon u.a.

 Welche andere Buchhandlung würden Sie empfehlen für ein nächstes Porträt hier?

Glockenbach Buchhandlung
Petra Schulz
Hans-Sachs-Str. 11
80469 München
www.glockenbachbuchhandlung.de

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview und den Einblick in Lillemors Frauenbuchhandlung.

Schriftzug
@Heike Bogenberger
Andrea Gollbach*
Andrea Gollbach*

Eckdaten:
Lillemors Frauenbuchladen GmbH
Andrea Gollbach
Uschi Neubauer
Barerstrasse 70
80799 München
Tel: +49 (0)89 272 12 05

E-Mail: lillemors@frauenliteratur.de
Web: http://www.frauenliteratur.com

Uschi Neubauer*
Uschi Neubauer*

Öffnungszeiten:
Montag-Freitag: 10.00 – 19.00
Samstag: 10.00 – 14.00

*Bilder ©Heike Bogenberger

Milena Moser – Nachgefragt

MoserMilena Milena Moser wurde 1963 in Zürich geboren und absolvierte nach dem Besuch der Diplommittelschule eine Buchhändlerlehre, lebte danach in Paris, wo drei unveröffentlichte Romane entstanden. Zurück in der Schweiz schrieb sie für Schweizer Rundfunkanstalten und verfasste Bücher, welche keinen Verlag fanden, so dass sie kurzerhand zusammen mit Freunden den Krösus Verlag gründete, in welchem ihr erstes Buch Gebrochene Herzen sowie Die Putzfraueninsel erschienen, zweiteres wurde zum Bestseller und später verfilmt. 1998 führte Milena Mosers Weg nach San Francisco, wo sie mit ihrer Familie acht Jahre lebte, danach wieder in die Schweiz zurückkehrte. Milena Moser wohnt in Aarau als freie Autorin und führt in ihrem Schreibatelier Menschen in die Welt des Schreibens ein. Des Weiteren begleitet sich Schulklassen beim Verfassen eines gemeinsamen Romans. 2011 folgte, zusammen mit der Musikerin und Freundin Sibylle Aeberli, der Sprung auf die Bühne, Die Unvollendeten war ein voller Erfolg, ein zweites Bühnenprojekt ist in Planung. Von Milena Moser sind unter anderem erschienen Die Putzfraueninsel (1991), Das Schlampenbuch (1992), Artischockenherz (1999), Sofa,Yoga, Mord (2003), Möchtegern (2010), Montagsmenschen (2012), Das wahre Leben (2013).

Milena Moser beantwortete mir Fragen über ihre Schreibanfänge und ihren Schreiballtag; sie will  Mut machen, indem sie zeigt, dass auch ein Profi mal kämpft, mal einen schlechten Tag hat. Wichtig ist, so Milena Moser: weiter schreiben.

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Ich heisse Milena Moser und bin Schriftstellerin. Meine Biographie findet man einfach im Netz, wenn man an Orten und Jahreszahlen interessiert ist.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Ich habe angefangen zu schreiben, als ich lesen lernte, oder schon vorher. Mit ungefähr drei soll ich gefragt haben, wie man Preiselbeere buchstabiere. Ich habe Kreise und Striche auf ein Blatt Papier gemalt um die Geschichte einer fleissigen Erdbeere aus einem Kinderbüchlein, die mir nicht gefallen hat, umzuschreiben. Lesen und Schreiben sind bei mir sehr eng miteinander verknüpft.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

By doing. Ich hätte mir damals gewünscht, es gäbe für angehende Schriftsteller dasselbe Angebot wie für bildende Künstler.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich lasse mich von den Figuren leiten, die irgendwann in meinem Kopf auftauchen, sich dort breit und breiter machen bis ich sie nicht mehr ignorieren kann. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo sie mich hinführen, das macht den Prozess für mich so spannend. Natürlich schreibe ich den ersten Entwurf drei bis fünf Mal um.

Wann und wo schreiben Sie?

Wann und wo ich kann. Am liebsten morgens gleich nach dem Aufstehen aber ich richte mir das Leben nicht konsequent genug dafür ein und schreibe deshalb sehr oft im Zug.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Haha! Gute Frage. Sie beschäftigt mich seit zwei oder drei Jahren.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Das kann ich nicht so analysieren, das ist einfach mein Leben. Ich bin jemand, der schreibt. Die Hochs und Tiefs meines Lebens sind unauflösbar mit dem Schreiben verbunden – oder umgekehrt.

Wie ist das Verhältnis zu den Verlagen? Hat sich das verändert in den letzten Jahren? Man hört viele kritischen und anklagenden Stimmen, was ist deine Sicht der Dinge?

Ich habe grosses Glück, mich bei Nagel und Kimche endlich gut betreut und zuhause zu fühlen. Allgemein beklage ich mangelnden Mut, mangelnde Risikobereitschaft, mangelnde Freude am Buch. Stattdessen beherrscht die Angst den Betrieb. Man geht den sichersten Weg, den der Lizenzausgaben. Ich würde heute ebensowenig einen Verlag finden wie vor 23 Jahren.

Sie wohnen in der Schweiz, einem kleinen Land mit einer kleinen Literaturszene. Wie sehen Sie Ihre Stellung innerhalb des deutschsprachigen Raums? Sehen Sie sich im Nachteil als Schweizer, gibt es Vorteile oder ist das irrelevant?

Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht, mich interessiert das Schreiben an sich, das Gelesenwerden freut mich, aber meine Stellung????

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Ich weiss nicht. Mein Kopf ist einfach immer voll.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel Milena Moser steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Ich zitiere die amerikanische Autorin Pam Houston: „Exakt 78%!“

Ihre Bücher handeln oft von Brüchen im Leben. Hauptsächlich Frauen brechen aus der gewohnten Umgebung aus, stellen sich vielleicht auch gegen das gesellschaftlich akzeptierte Leben. Was reizt sie an diesen Lebensumbrüchen?

Gerade, gefreute Leben sind angenehm zu leben, aber schwer zu erzählen.

Sie betreiben einen Blog, schreiben eine Kolumne. Was treibt sie an, sich auf so vielen Kanälen schreibend zu betätigen? Welchen Stellenwert hat der Blog für sie? Öffentliches Tagebuch, Einblick für die Leser in das Leben und Denken Milena Mosers oder die pure Schreiblust, die befriedigt sein will?

Der Blog – der momentan still liegt – war ursprünglich für die Teilnehmer meiner Kurse gedacht. Ich wollte ihnen die Möglichkeit geben, die Entstehung eines Buches von der ersten Idee bis zur letzten Überarbeitung mitzuverfolgen. Damit wollte ich vor allem Mut machen, die Leser sollten sehen: Ach, die hat ja auch ein totales Puff/zuwenig Zeit/das Gefühl, sie schreibe nur Schrott ….. Das ist also kein Grund, alles hinzuschmeissen!

Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäussert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in Ihren Augen?

Nein. Nur der politische Autor. Andererseits ist ja auch das Private politisch.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Es muss mich packen und nicht mehr loslassen.

Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die sie geprägt haben?

In der Jugend waren es vor allem die alten Franzosen, die Surrealisten, die Dadaisten, die Oulipisten und die Pataphysiker. Die machen mir bis heute gute Laune und Mut zum eigenen, zum bisher ungeschriebenen.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

Schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben.

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview.