Milena Moser – Nachgefragt

MoserMilena Milena Moser wurde 1963 in Zürich geboren und absolvierte nach dem Besuch der Diplommittelschule eine Buchhändlerlehre, lebte danach in Paris, wo drei unveröffentlichte Romane entstanden. Zurück in der Schweiz schrieb sie für Schweizer Rundfunkanstalten und verfasste Bücher, welche keinen Verlag fanden, so dass sie kurzerhand zusammen mit Freunden den Krösus Verlag gründete, in welchem ihr erstes Buch Gebrochene Herzen sowie Die Putzfraueninsel erschienen, zweiteres wurde zum Bestseller und später verfilmt. 1998 führte Milena Mosers Weg nach San Francisco, wo sie mit ihrer Familie acht Jahre lebte, danach wieder in die Schweiz zurückkehrte. Milena Moser wohnt in Aarau als freie Autorin und führt in ihrem Schreibatelier Menschen in die Welt des Schreibens ein. Des Weiteren begleitet sich Schulklassen beim Verfassen eines gemeinsamen Romans. 2011 folgte, zusammen mit der Musikerin und Freundin Sibylle Aeberli, der Sprung auf die Bühne, Die Unvollendeten war ein voller Erfolg, ein zweites Bühnenprojekt ist in Planung. Von Milena Moser sind unter anderem erschienen Die Putzfraueninsel (1991), Das Schlampenbuch (1992), Artischockenherz (1999), Sofa,Yoga, Mord (2003), Möchtegern (2010), Montagsmenschen (2012), Das wahre Leben (2013).

Milena Moser beantwortete mir Fragen über ihre Schreibanfänge und ihren Schreiballtag; sie will  Mut machen, indem sie zeigt, dass auch ein Profi mal kämpft, mal einen schlechten Tag hat. Wichtig ist, so Milena Moser: weiter schreiben.

Wer sind Sie? Wie würden Sie Ihre Biographie erzählen?

Ich heisse Milena Moser und bin Schriftstellerin. Meine Biographie findet man einfach im Netz, wenn man an Orten und Jahreszahlen interessiert ist.

Wieso schreiben Sie? Wollten Sie schon immer Schriftsteller werden oder gab es einen Auslöser für Ihr Schreiben?

Ich habe angefangen zu schreiben, als ich lesen lernte, oder schon vorher. Mit ungefähr drei soll ich gefragt haben, wie man Preiselbeere buchstabiere. Ich habe Kreise und Striche auf ein Blatt Papier gemalt um die Geschichte einer fleissigen Erdbeere aus einem Kinderbüchlein, die mir nicht gefallen hat, umzuschreiben. Lesen und Schreiben sind bei mir sehr eng miteinander verknüpft.

Es gibt diverse Angebote, kreatives Schreiben zu lernen, sei es an Unis oder bei Schriftstellern. Ist alles Handwerk, kann man alles daran lernen oder sitzt es in einem? Wie haben Sie gelernt zu schreiben?

By doing. Ich hätte mir damals gewünscht, es gäbe für angehende Schriftsteller dasselbe Angebot wie für bildende Künstler.

Wie sieht Ihr Schreibprozess aus? Schreiben Sie einfach drauf los oder recherchieren Sie erst, planen, legen Notizen an, bevor Sie zu schreiben beginnen?

Ich lasse mich von den Figuren leiten, die irgendwann in meinem Kopf auftauchen, sich dort breit und breiter machen bis ich sie nicht mehr ignorieren kann. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo sie mich hinführen, das macht den Prozess für mich so spannend. Natürlich schreibe ich den ersten Entwurf drei bis fünf Mal um.

Wann und wo schreiben Sie?

Wann und wo ich kann. Am liebsten morgens gleich nach dem Aufstehen aber ich richte mir das Leben nicht konsequent genug dafür ein und schreibe deshalb sehr oft im Zug.

Hat ein Schriftsteller je Feierabend oder Ferien? Wie schalten Sie ab?

Haha! Gute Frage. Sie beschäftigt mich seit zwei oder drei Jahren.

Was bedeutet es für Sie, Autor zu sein? Womit kämpfen Sie als Schriftsteller, was sind die Freuden?

Das kann ich nicht so analysieren, das ist einfach mein Leben. Ich bin jemand, der schreibt. Die Hochs und Tiefs meines Lebens sind unauflösbar mit dem Schreiben verbunden – oder umgekehrt.

Wie ist das Verhältnis zu den Verlagen? Hat sich das verändert in den letzten Jahren? Man hört viele kritischen und anklagenden Stimmen, was ist deine Sicht der Dinge?

Ich habe grosses Glück, mich bei Nagel und Kimche endlich gut betreut und zuhause zu fühlen. Allgemein beklage ich mangelnden Mut, mangelnde Risikobereitschaft, mangelnde Freude am Buch. Stattdessen beherrscht die Angst den Betrieb. Man geht den sichersten Weg, den der Lizenzausgaben. Ich würde heute ebensowenig einen Verlag finden wie vor 23 Jahren.

Sie wohnen in der Schweiz, einem kleinen Land mit einer kleinen Literaturszene. Wie sehen Sie Ihre Stellung innerhalb des deutschsprachigen Raums? Sehen Sie sich im Nachteil als Schweizer, gibt es Vorteile oder ist das irrelevant?

Damit beschäftige ich mich überhaupt nicht, mich interessiert das Schreiben an sich, das Gelesenwerden freut mich, aber meine Stellung????

Woher holen Sie die Ideen für Ihr Schreiben? Natürlich erlebt man viel, sieht man viel. Aber wie entsteht plötzlich eine Geschichte daraus? Was inspiriert Sie?

Ich weiss nicht. Mein Kopf ist einfach immer voll.

Goethe sagte, alles Schreiben sei autobiographisch. Das stimmt sicher in Bezug darauf, dass man immer in dem drin steckt in Gedanken, was man schreibt. Wie viel Milena Moser steckt in ihren Geschichten? Stecken Sie auch in Ihren Figuren? Gibt es eine, mit der Sie sich speziell identifizieren?

Ich zitiere die amerikanische Autorin Pam Houston: „Exakt 78%!“

Ihre Bücher handeln oft von Brüchen im Leben. Hauptsächlich Frauen brechen aus der gewohnten Umgebung aus, stellen sich vielleicht auch gegen das gesellschaftlich akzeptierte Leben. Was reizt sie an diesen Lebensumbrüchen?

Gerade, gefreute Leben sind angenehm zu leben, aber schwer zu erzählen.

Sie betreiben einen Blog, schreiben eine Kolumne. Was treibt sie an, sich auf so vielen Kanälen schreibend zu betätigen? Welchen Stellenwert hat der Blog für sie? Öffentliches Tagebuch, Einblick für die Leser in das Leben und Denken Milena Mosers oder die pure Schreiblust, die befriedigt sein will?

Der Blog – der momentan still liegt – war ursprünglich für die Teilnehmer meiner Kurse gedacht. Ich wollte ihnen die Möglichkeit geben, die Entstehung eines Buches von der ersten Idee bis zur letzten Überarbeitung mitzuverfolgen. Damit wollte ich vor allem Mut machen, die Leser sollten sehen: Ach, die hat ja auch ein totales Puff/zuwenig Zeit/das Gefühl, sie schreibe nur Schrott ….. Das ist also kein Grund, alles hinzuschmeissen!

Viele Autoren heute und auch in der Vergangenheit haben sich politisch geäussert. Hat ein Autor einen politischen Auftrag in Ihren Augen?

Nein. Nur der politische Autor. Andererseits ist ja auch das Private politisch.

Was muss ein Buch haben, dass es Sie anspricht?

Es muss mich packen und nicht mehr loslassen.

Gibt es Bücher/Schriftsteller, die Sie speziell mögen, die sie geprägt haben?

In der Jugend waren es vor allem die alten Franzosen, die Surrealisten, die Dadaisten, die Oulipisten und die Pataphysiker. Die machen mir bis heute gute Laune und Mut zum eigenen, zum bisher ungeschriebenen.

Wenn Sie einem angehenden Schriftsteller fünf Tipps geben müssten, welche wären es?

Schreiben, schreiben, schreiben, schreiben, schreiben.

Ich bedanke mich herzlich für dieses Interview.

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