Ennetbaden – Weg mit Ausblick

 

IMG_4086Frei nach dem Motto „Warum denn in die Ferne schweifen“ führte mich mein heutiger Weg nach Ennetbaden. Zuerst durch Wohnquartiere, dann den Terrassenweg entlang, später auf dem Höhenweg stieg ich höher. Rechts von mir Wald, links Reben, immer weiter, alles um mich grün. Unter mir erstreckte sich Baden, vor mir schlängelte sich der Weg, bald in den Wald hinein, was bei den sehr warmfeuchten Temperaturen willkommen war. Bei der Aussichtsplattform angekommen genoss ich den Rundblick über Ennetbaden und Baden und in die Ferne.

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IMG_4077Es war keine weite Wanderung, eher ein Spaziergang, trotzdem tat mir mein Ausflug gut, er hielt mir die Schönheit der Natur vor Augen, die ich in vielen bunten Blumenbildern einfing. Dass auch meine Gedanken nicht still standen, versteht sich von selber, immer wieder erstaunlich, wie viel sich klären kann beim gehen – als ob sich mit der Sicht über die Welt auch die innere Sicht klärt.

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IMG_4091Manchmal müssen es keine Höchstleistungen sein, es reicht, zu geniessen, was ist. Schon kleine Dinge wie eine Blume oder ein moosbewachsener Stamm kann schön sein, kann Freude bereiten, wenn man nicht blind an ihnen vorbeirast. Auch im Leben muss es nicht immer das beste, tollste oder neuste sein, ab und an hat man so viel, man müsste es nur im richtigen Licht betrachten und es zu schätzen wissen. Wie oft streben wir Neuem zu, sehen ihm den Reiz, das, was uns fehlt im Jetzt. Wir glorifizieren, achten das Alte gering und tun alles, das Neue zu kriegen. Dabei vergessen wir, dass auch jetzt Neues irgendwann alt ist.
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Auch sein Reiz verflüchtigt sich irgendwann und nirgends hat man alles. Abstriche gehören wohl zum Leben – und das ist irgendwie auch gut, denn ein Leben, das in allen Bereichen stets perfekt wäre, wäre wohl eher langweilig. Zudem: Was könnte in diesem Leben noch besser werden? Es könnte fast nur schlechter werden – oder still stehen. Dazu käme, dass es bedingte, dass man selber stehen bliebe, seine Sicht der Dinge nie änderte, sich selber nie weiter entwickelte, denn sonst wäre vielleicht plötzlich etwas nicht mehr perfekt und die Welt in Trümmern, die ja nur eine gute wäre in der absoluten Perfektion. So geniesse ich, was ist – und es ist viel -, halte im Blick, wo ich gerne hin möchte, und versuche, den Weg dahin zu finden und zu gehen.

 

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Buchbranche heute – wie man sich selber in den Abgrund treibt

Die Buchbranche weint. Sie weint um ihr Privileg, das sie seit Gutenberg ihr Eigen nennt. Sie weint um ihren Platz bei der Vermittlung von Texten. Sie hadert und schimpft, hält sich hoch, stampft E-Books in den Boden. Sie plädiert für Wert und Qualität, für Qualität. Von andern wird sie ab und an dem Untergang geweiht gesehen, wieder andere sehen sie noch lange lebendig. So oder so, die Buchbranche ist das grosse Opfer im Spiel der Zeit. Will sie überleben, muss sie sich was einfallen lassen.

Sie hat sich – wie es scheint – schon lange etwas einfallen lassen, um zu überleben. Unterm Strich zählt der Gewinn, dem wird alles untergeordnet. Will man viel Gewinn haben, muss man mehr einnehmen, als ausgeben. So einfach das klingt, so schwierig ist es oft. Der Markt ist nicht uneingeschränkt gross, die Verkäufe nehmen nicht zu, die Gefahren sind gross, dass sie sogar abnehmen. Was also tun? Die Kosten müssen gesenkt werden. Wie tut man das? Man spart. Am einfachsten bei Gehältern. Man setzt auf mies bis gar nicht bezahlte Praktikanten, die man in Jahresfrist auswechselt. Innerhalb des Jahres verspricht man ihnen Einblick in die Verlagswelt, was ihnen unglaublich viel bringt bei ihrer Zukunft im Verlagswesen. Die armen Geisteswissenschaftler – die sind es nämlich meistens – haben keine andere Wahl, als von der Hoffnung und dem Hungerlohn zu leben. Immerhin ein Jahr halbwegs gesichert.

Das könnte angehen, wäre so ein Praktikum wirklich ein Einblick in die Berufswelt, nach dem dann die Festanstellung wartet – im selben Verlag oder anderswo. Doch weit gefehlt. Auf Praktikum 1 folgt Praktikum 2 – die Reihe geht weiter. In Inseraten zu solchen Praktikumsstellen steht schon bei den Anforderungen, dass der Bewerber bevorzugt neben Hochstulabschluss, diesen und jenen Kenntnissen einer Eier legenden Wollmilchsau auch Praktikumserfahrung in anderen namhaften Verlagen vorweisen können sollte. Dann wäre man gewillt, die gute Person mal genauer anzuschauen, ob sie denn geeignet wäre, sie ein Jahr lang auszupressen, um sie dann zurück auf den Arbeitsmarkt zu werfen, wo sie nach einem neuen Praktikum Ausschau halten kann.

Ethik geht anders. Nun kann man sagen, dass Ethik leider brotlos ist, die Verlage überleben wollen. Die Frage wäre noch: Wozu? Um Bücher zu produzieren, die man durch E-Books ersetzen könnte, was man aber nicht tun möchte, weil Papierbücher wunderbar nostalgisch sind und für Wert und Qualität stehen?

Man verstehe mich nicht falsch. Ich liebe Bücher und zwar die aus Papier. Sie bevölkern mein Wohnzimmer, meine Essecke, mein Büro, mein Schlafzimmer, meine Küche und sogar das Kinderzimmer des nicht lesenden Kindes. Ich kann kein neues Buch lesen, ohne zuerst in ihm gerochen zu haben. Ich liebe es, die Seiten umzublättern, das Papier zu spüren. Der haptische Effekt beim Lesen gehört dazu. Ich mag es, mit dem Bleistift über die Seiten zu fahren, Notizen zu hinterlassen, meine Spuren des Lesens, des Analysierens. Nur: Wert und Qualität sieht anders aus. Nicht nur haben auch arbeitende Menschen ihren Wert, auch das Produkt sollte noch diesen aufweisen und sich nicht nur aus Nostalgie mit dem Prädikat „Wert“ versehen wollen. Lektoratspraktikanten für einen Hungerlohn mögen günstig sein, allerdings spricht das zu lesende Produkt in vielen Verlagen Bände. Die Argumente fürs Buch sind langsam überholt, da die Verlage sie selber zerstören in ihrem Sparwahn. Was bleibt also? Pure Nostalgie? Die wird nicht ewig halten. Qualität setzt sich durch, aber sie muss auch wirklich da sein, nicht nur propagiert. Sie nur als Argument gegen die bösen Anderen aufzurufen, wird nicht langfristig Erfolg bringen.

Ein Nein ist kein Nein

„Die Vornahme sexueller Handlungen allein gegen den Willen einer Person hat der Gesetzgeber nicht unter Strafe gestellt.“

Man liest den Satz, stockt, denkt, sich verlesen zu haben, liest nochmals. Man liest dasselbe, denkt, sich nicht zweimal verlesen zu können, so dass wohl wirklich da steht, was man las: Keine Strafe für Vergewaltigung. Zumindest nicht, wenn nicht gewisse Kriterien erfüllt sind. Wenn jemand gegen meinen Willen eine sexuelle Handlung mit mir vornimmt (hach, was ist das für ein schönes Deutsch, man könnte – müsste man es nicht schon des Inhalts wegen – kotzen ab der Form), darf er das ungestraft tun. Ein Nein gilt nichts, er darf – von Gesetzes wegen. Ich bitte ihn, aufzuhören? Wen kümmert das? Ihn muss es nicht kümmern, das Gesetz kümmert sich auch nicht drum. Ich sage energisch nein (manchmal kommen Bitten ja nicht an, werden überhört, als nicht dringlich genug eingestuft) – auch kein Grund, mit der Vornahme der sexuellen Handlung (wenn ich nicht aufpasse, bleibt mir das Wort noch und könnte zu schwerwiegenden Störungen in ebensolchen Bereichen führen) aufzuhören. Mann darf tun, was Mann will, ungeachtet irgendwelcher verbaler Einwände seitens der Frau (nun wollte ich auch mal geschwollen daherreden – ist mir gelungen, nicht?).

Frau hat nur eine Chance: Sie muss sich wehren. Sich nicht zu wehren, weil einem der Tod versprochen wird im Falle der Gegenwehr, gilt nicht als legitime Entschuldigung. Sich nicht zu wehren wird als stillschweigendes (ein Nein ist quasi Schweigen, man hört es ja kaum und wenn, darf man es überhören, so dass es quasi ungesagt ist) Einverständnis gewertet. Klar, was soll so ein popeliges Nein auch aussagen? Doch wohl nicht wirklich Nein, doch nicht wirklich, dass Frau nicht will?! Die Torenbuben, die sich solche Gesetze ausdenken, gehen sicher davon aus, dass ein Nein auch ein Vielleicht sein könnte und ab und an gar als Ja durchgehen dürfte. Sie denken frei nach dem Motto: „Du willst es doch auch, du traust dich nur nicht, dazu zu stehen.“ Dann steht der Vornahme einer sexuellen Handlung ja nichts mehr im Wege.

Noch besser ist es, wenn die Frau schläft. Dann hat sie nicht mal etwas dagegen gesagt. Woher hätte der Mann wissen sollen, dass sie nicht wollte? Das kann ja kein Vergehen sein. Auch die Schockstarre oder jedwede traumatisierte Blockade wird von den netten Gesetzeshütern nicht als ausreichender Grund für ein ausbleibendes Wehren anerkannt, um trotzdem noch eine Strafe für den ungewollten Penetranten zu erlangen. Schliesslich muss alles seine Ordnung haben und wer sich nicht tatkräftig wehrt, der hat es gewollt.

Artikel 1 der Grundgesetze nennt die Würde des Menschen unantastbar. Wo aber bleibt die Würde, wenn die körperliche Unversehrtheit nicht mehr mit einem Nein verteidigt werden darf und dieses Nein ausreicht? Wo bleibt diese, wenn ein anderer ungefragt, sogar im Schlaf unbemerkt, mit mir tun darf, was er will, dies vom Gesetz, das dazu da wäre, meine Sicherheit als Bürger zu schützen, geduldet wird?

Man sitzt da und wundert sich – und versteht ein klein wenig die Welt nicht mehr (oder gerade noch besser in ihrem Leiden, wenn man solchen Irrsinn sieht?). Wer weiss, was eine Vergewaltigung mit einer Frau macht, was sie an Schäden, langfristigen, anrichten kann, der kann diese Handhabung nicht verstehen. Wie es sein kann, dass ein Mensch sich über das Nein eines anderen hinwegsetzen darf, wenn es um dessen Körper, dessen Integrität geht, ist ausserhalb jeglichen Verständnisses. Da hilft das Verstecken hinter Paragraphen und Artikeln nicht mehr, wie es Juristen oft gerne tun, da helfen allgemeine Sprüche nicht mehr, da fasst man sich nur noch an den Kopf und fragt sich, wo die Menschlichkeit und der gesunde Menschenverstand geblieben sind. Es bleibt zu hoffen, dass bald ein Umdenken passiert.

Artikel zum Thema:

http://taz.de/Konvention-gegen-Gewalt-gegen-Frauen/!143720/

 

 

 

Beruf: Prinzessin

Ich habe für mich beschlossen, Prinzessin zu sein. Ich finde, das steht mir zu. So eine, wie ich sie mir vorstelle. Mit einem Prinzen, der mich auf Händen trägt. Einer, der mich liebt, wie ich bin, der für mich da ist, für mich sorgt, schaut, dass es mir gut geht. So ein Siegfried, der den Drachen tötet, der die Gefahren bannt, die das Leben bietet, der mich hegt wie seinen Augapfel.

Dass der gute Mann dabei stark genug sein muss, auch die Launen einer Frau zu ertragen, ihr (vermeintliches?) Wissen, wie die Welt läuft, und sich dabei nichts sagen lässt, zu tolerieren, sie um Gottes Willen nicht klein reden soll, sondern sie in höchsten Tönen loben und es auch so meinen muss, versteht sich von selber. Ich bin ja schliesslich Prinzessin und nicht zu erziehen.

Das klingt nicht emanzipiert? Und wie es das ist. Wer Emanzipation noch immer so versteht, dass Frau etwas tun muss, was sie früher nicht konnte, das man nun aber in jahrelangem Kampf geändert hat, damit sie es nun kann, hat ganz viel ganz und gar nicht verstanden. Frau muss können, was sie will und damit die Freiheit haben, zu entscheiden, was sie tut (das muss Mann übrigens genauso, aber ich kann schlecht für den sprechen, das soll er bitteschön mal selber tun). Leider ist es darum noch schlecht bestellt, wird man doch gerne in irgendwelche ach so modernen Rollenmuster hineindiskutiert und mit den nicht entsprechenden degradiert.

Ich aber habe mich ganz frei und bei all meinen Sinnen entschieden: Ich bin Prinzessin. Wenn nun ein Mann meint, wieso ich denke, mir das Recht herausnehmen zu können, das zu sein, kann ich ihm nur sagen: Weil ich es will. Und wenn ein Mann findet, das gehe gar nicht, er mich nicht so haben will, dann kann er es (es steht ihm frei – siehe oben) auch lassen. Was ich denn biete? Na: Mich. Und ich bin toll. Eine wahre Prinzessin eben. Liebreiz, Intelligenz, Schönheit auf einem Haufen. Und ganz viele Ecken und Kanten mit dazu. Also ich finde das prima. Du nicht? Dann bist du nicht mein Prinz.

Das musste mal gesagt sein. Und nun wurstel ich wieder in meinem Leben rum, dies bevorzugt alleine, bis denn der Prinz erscheint, der genau das ist, was ich mir erträume und der mich genauso behandelt, wie ich finde, es verdient zu haben. Und ich denke, er wird das nicht bereuen. Dass es Prinzen im Leben nicht gar so schlecht haben, versteht sich von selber. Schlussendlich sollen sie ihr Leben und ihre Wünsche genauso definieren, wie das die Prinzessinnen tun. Aber das müssen sie schon selber tun, und wer weiss: Vielleicht passt plötzlich ein Prinz zu einer Prinzessin und vice versa und sie leben glücklich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann beglücken sie sich noch heute. Oder so.

Moral der Geschicht? Wisse was du willst und verbieg’ dich nicht.

Hoch die Gläser oder: Niemand sagte, es sei leicht

Ich sollte am Silvester zur Welt kommen. Ich habe mich standhaft geweigert, sass noch eine ganze Woche länger in Geborgenheit, weit ab von allem, was kalt, grausam, schrecklich, schwierig sein könnte. Ich fühlte mich vielleicht ein wenig beengt langsam, aber das machte mir offensichtlich nicht so viel aus. Irgendwann war es doch so weit, ich wurde in diese Welt hineingepresst. Gefragt, ob ich das will, hat mich keiner, es wurde für mich entschieden. Und da sass ich nun. Mit fünf Jahren befand ich, dass es des Älterwerdens nun genug sei, das Leben so genau perfekt wäre, ich so bleiben möchte. Auch da wurde nicht auf mich gehört. Das Leben nahm seinen Lauf.

Es blieb also nicht aus, dass ich ein paar Jahre älter wurde, dass ich die eine oder andere Erfahrung machte – auf einige davon hätte ich gut und gerne verzichten mögen, aber – ganz richtig – ich wurde nicht gefragt. Es war kein schlechtes Leben, es hatte viele ganz tolle Momente, viele Möglichkeiten, immer mal wieder Glück, Sonnenschein, Jubeltrubelheiterkeit. Neben dem Himmelhochjauchzenden fand sich auch das Zutodebetrübte. Die Medaille hat immer zwei Seiten, das erst macht sie ganz.

Nun sitz ich hier (ich armer Tor, um es mit Goethe zu sagen) und frage mich: Was nun? Ist das Leben nun gut? Ist es schlecht? Ist es leicht? Ist es schwer? Habe ich es in der Hand oder es mich? Wie gehe ich damit um? Habe ich wenigstens das in der Hand? Denke ich nur zuviel?

Das Leben ist, wie es ist und wir selber sind, wie wir sind. Damit treffen zwei Variablen aufeinander, die zwar nie statisch sind, allerdings auch nicht in unserer Hand liegen. Wir können immer wieder schauen, wo einer von beiden grad ist und wie wir damit umgehen, allerdings ist nie alles so, wie wir es gerne hätten. Nun kann man daran verzweifeln und finden, man hätte alles gerne anders, wäre gerne anders, als man ist und befände sich im Leben an einer anderen Stelle, als man aktuell steht. Kann man machen, bringt aber wohl wenig ausser Frust, Verdruss und ab und an gar Überdruss.

Man kann auch akzeptieren, dass das Leben nicht nur dazu da ist, einem die ach so sehnlich erwünschten Dinge auf dem Silbertablett zu servieren. Gewisses kriegt man serviert, um dann zu merken, dass es doch nicht so toll ist, anderes muss man sich erkämpfen – im besten Fall ist es dann wirklich toll, im schlechtesten ein Flop. Und manchmal fliegt einem der Jackpot ins Haus. Man erkennt ihn nicht mal immer, lässt ihn manchmal sogar verfliegen, um ihm danach nachzuweinen.

Was also tun? Schimpfen, dass dieses verdammte Life eine Bitch ist, sich dabei ins Komma saufen und sich dabei voll im Recht fühlen? Ja, das darf durchaus mal sein und tut sogar gut. Wenn man es mit dem eher günstigen Wein macht, den guten für den Tag drauf aufhebt, an dem man beschliesst, das Leben wieder in die Hand zu nehmen und auch die schönen Dinge zu sehen, sie mit Lust anzugehen, hat man doppelt gewonnen.

Prosit!

Märchenwelten

DSC_0029Was ist eigentlich mit diesen Märchen los. Die spülen einem romantische Phantasien ins Hirn von Prinzessinnen und selbige rettenden Prinzen, Rittern und Helden. Sie versprechen Happy Ends so lange, bis man sie nicht mehr als Phantasie, sondern als Möglichkeit erachtet, sich diese gar wünscht, sich vorstellt – bildlich, plastisch, bunt und wunderbar -, wie es wäre, genau so ein Märchen zu erleben. Man sieht sich im Damensitz auf dem Pferd sitzend, während der rettende Prinz dem edlen Tier die Sporen gibt, hinter einem sitzend, seine starken Arme um einen.

Im realen Leben sind schon die Prinzen rar. Wenn es sie denn gibt, haben sie kein Pferd oder der Gaul klappert oder scheut. Das wäre – vom schmerzhaften Sturz abgesehen – nicht wirklich tragisch, man könnte wieder aufsteigen, Krone richten, weiter reiten. Die modernen Prinzen finden aber zudem, man solle gefälligst selber reiten, man lebe ja schliesslich in der Zeit der emanzipierten Prinzessinnen. He, ich wollte nicht in diese Zeit hineingeboren werden. Ich wollte nicht mal in diese sogenannt realistische Welt hineingeboren werden. Mir hätte es wunderbar gefallen in der Grimmschen Welt. Ich hätte den Frosch geküsst oder den Zwergen die Betten gemacht, hätte auch 100 Jahre geschlafen, wenn er dann nur gekommen wäre. Aber eben – ich sitze hier in dieser realen Welt, Prinzen gibt es nicht und ich bin keine Prinzessin.

Fazit? Shit happens.

Karussell

Ich sitze hier
und frage mich,
wälze Gedanken,
vor und zurück,
hebe sie hoch,
lasse sie sinken,
dreh sie im Kreis
und wieder zurück,
stehe an
und sitze fest,
drehe weiter,
verlier den Mut
– und find ihn wieder.

Denke in Sprüngen
und um Ecken,
geradeaus
und im Quadrat.
Verliere mich
und geh mich suchen,
möchte oft
mich gar verfluchen,
ob der Windmühlen,
die ich bekämpf,
des Karussells,
das ständig dreht,
– und dreh es weiter.

Tugenden, die ich nicht habe

Es gibt so Tugenden, bei deren Verteilung wurde ich grossräumig umfahren. Die wohl offensichtlichste ist Geduld. Kenn ich nicht, hab ich nicht. Ich arbeite zwar dran, denke ab und an sogar, es ist ein bisschen besser geworden mit der Ungeduld, allerdings auch nur bei Dingen, die mir nun nicht sooo wichtig sind. Dinge, die ich will, will ich sofort und ganz. Alles Halbe und Aufgeschobene mag ich nicht. Es macht mich wütend. Sogar sehr wütend. Ungemein wütend. So wütend, dass ich die Wut am liebsten rausbrüllen würde, mir Luft verschaffen, schimpfen, wettern, fluchen.

Womit wir bei der zweiten Tugend wären, die ich nicht besitze: Gelassenheit. Ich habe viel drüber gelesen, viel daran rumstudiert. Mich auf den Yoga- und Buddhismusweg begeben, viele klugen Sprüche gehört und für wahr befunden, dabei fast so andächtig genickt wie ein ach so Intellektueller vor einem völlig unverständlich aber hoch dotierten Kunstwerk. Auch mal innerlich Om gesungen, vermutlich teilweise so verzweifelt wie der Münchner im Himmel sein Halleluja schmetterte:

Geduld ist also eine Tugend. Ich sage: Wenn ich etwas will und mir sicher bin, dass ich es will, dann gibt es KEINEN Grund, es aufzuschieben. Und wenn ich es doch aufschiebe, dann bin ich mir nicht sicher. Keine Frage, nichts klappt einfach so von heute auf morgen. Manchmal brauchen Dinge Zeit. Die soll man ihnen geben, weil alles andere erzwungen wäre und uns sich Dinge nicht über Gebühr erzwingen lassen. Aber: Sie passieren auch nicht einfach so. Man muss was tun dafür. Und wenn man nix tut, dann ist es nix wert, denn wenn man was will, dann muss man gefälligst in die Gänge kommen und nicht Geduldsproben spinnen.

So! Genau so sehe ich das. Mit „mal sehen“ und „mal warten“ und dann „nochmals sehen“ habe ich es nicht so. Das ist nicht mein Naturell, das entspricht mir nicht. Wenn wer warten und sehen und nochmals sehen will, dann soll er das tun. Und sich einen Geduldsorden verdienen. Aber dann sollte er nicht sagen, dass er was haben will. Dann will er höchstens mal sehen, was denn so käme, wenn es denn käme und täte sich gütlich an dem, was grad wäre, ohne was tun zu müssen weil was zu tun ja hiesse, sich zu entscheiden, was er zwar meint, getan zu haben, aber nur so weit, wie es eben nichts Veränderndes mit sich brächte, sondern alles beim Alten bliebe. Ich persönlich lasse es dann lieber. Da ich Konjunktiv nicht mag (was als Deutschlehrerin eine gewagte Aussage ist, ich aber wohl bewiesen habe, dass ich ihn durchaus beherrsche), weiss man das wohl auch schon.

Ich beneide ja alle geduldigen Gelassenheitstierchen. Sie haben mir sicher was voraus, da sie nicht viel Energie in Toben, Grummeln, Wüten, Schimpfen, Fluchen verlieren, sondern einfach da sitzen, selig lächeln, das Leben toll finden – vor allem, wenn es genau so läuft, wie sie es wollen. Ich bin nicht so weit und werde es nie sein. Und so wüte ich weiter, schimpfe, fluche (nicht ganz ladylike, aber: who cares) – und werde mit demselben Gesicht wieder zufrieden. Irgendwann. Und überlege nochmals, ob es nicht doch was für sich hätte mit der Geduld. Und der Gelassenheit. Bis zum nächsten Mal.

Nein hat Macht

Wer nein sagt, ist am längeren Hebel, denn er bestimmt. Das war vielleicht nicht immer so, es gibt sicher auch heute noch Situationen, in denen ein Nein überhört, übergangen wird, doch das sind die, welche man lieber nicht erlebt, welche man selten gutheisst, welche meist nicht angebracht sind. Im Normalfall hat der, der nein sagt, die Macht, die Dinge so zu gestalten, wie er das will.

Klaus und Klara sind verheiratet. Alles liefe gut, wenn nur Klara nicht ständig Migräne hätte, jeder Vorstoss von Klaus, ihr näher zu kommen, im Keime erstickt würde. Sex? Pustekuchen.

Bettina und Paul haben Sex. Allerdings nicht mehr als das. Bettina hätte gerne eine Beziehung mit Paul, doch der will nicht, findet alles gut, wie es ist.

Das Nein bestimmt, das Ja schaut in die Röhre.

Ist das fair? Die Frage stellt sich nicht, da die Alternative keine wäre. Wenn Klaus sich Sex einfach nähme und Paul durch Tricks in eine Beziehung gelockt würde, hätte unterm Strich keiner gewonnen, schon gar nicht die Fairness. Bleiben also Bettina und Klaus die Opfer im Spiel, während Klara und Paul die Fäden in der Hand haben?

Wenn das Nein wirkliche Gründe hat und nicht Teil eines Machtspieles ist, würde ich nicht von Opfer und Täter sprechen wollen. Trotzdem ändert das nichts daran, dass der, der will, das Gewollte nicht kriegt, weil der andere es ihm versagt. Das kann man ein Stück weit verschmerzen, das Leben ist kein Ponyhof. Nimmt das Nein jedoch überhand und immer derselbe ist der Verweigerer und der andere schaut in die Röhre, wird es schwieriger. Trotzdem gibt es auch dann nicht Opfer und Täter. Der Zurückgewiesene hat durchaus eine Wahl, denn er kann sich überlegen, wie er mit dem ständigen Nein umgehen will und wo seine Grenzen sind. Dann kann auch er der sein, welcher mal nein sagt, und sei es im Extremfall dazu, weiter ein Nein hören zu wollen.

Wenn Klaus nicht zum Abstinenzler werden will, Klara ihn aber durch stetiges Nein dazu bringt, liegt es ihm frei, zu gehen. Ihm dann vorzuwerfen, er hätte sie verlassen, wäre zu kurz gegriffen, hat Klara ihn – zumindest auf der körperlichen Ebene – doch schon lange verlassen. Keiner muss ewig auf ein Ja warten, wenn nur ein Nein kommt. Manchmal passen Bedürfnisse einfach nicht zusammen und dann ist es besser, man erkennt das und geht, statt sich gegenseitig erziehen oder durch machtvolle Neins am langen Arm verhungern lassen zu wollen. Kleine Veränderungen passieren, niemand steht still, die Grundzüge bleiben wohl aber bestehen und keiner hat das Recht, jemanden nach eigenem Bild zu formen.

Als Fazit für den Wollenden gelten also die Fragen: Ist, was ist, gut für mich und will ich damit leben? Wenn nicht, sehe ich die Chance, dass es sich ändert? Wenn ja, kann ich so lange warten? Wenn nein: Wieso nicht und was wäre die Alternative? Das Fazit für den Neinsager? Steh zu deinem Nein, so lange es das ist, was du wirklich für dich willst und brauchst, und lebe mit den Konsequenzen, die es bringen kann. Das Leben ist in keinem Fall ein Ponyhof, trotzdem hat man eine Wahl (wenn sie auch nicht immer voll und ganz dazu führt, was man im Hier und Jetzt gerne hätte).

Das Ich und die Welt

Ich bin Geisteswissenschaftler. Mit Leib und Seele. Ich liebte mein Studium, liebte Bücher, Schöngeisterei, all das wunderbar Poetische, Künstlerische, in dem ich mich wiederfand. Biografien von Künstlern offenbarten mir einen Aha-Effekt, zeigten mir: Du bist nicht allein. Ich las mich in neue Welten und zerpflückte sie, um sie in allen Facetten zu verstehen.

Nun leben wir in einer Welt, in der Künste meist brotlos sind, was bitteschön, soll denn das drüber sinnieren sein? Soll ein über die Kunst Nachdenkender besser leben als einer, der Kunst schafft? Das wäre in meinen Augen ein Paradoxon sondergleichen – und doch geschieht es dann und wann. Der Paradoxa sind viele in diesem Leben, Logik sucht man vergebens, da sie ausgehebelt wurde. Gewinn heisst das Zauberwort und ihm wird alles unterworfen. So funktioniert die Welt, will man in ihr leben, sollte man sich dem Prinzip verschreiben.

Das fällt nicht leicht, Ethiker schreiben, wieso es unmenschlich wäre (handeln aber gegen ihr Geschriebenes), Sozialwissenschaftler erfinden Statistiken, Wirtschaftswissenschaftler diametral verschiedene, Juristen klagen mit Präzedenzfällen und Historiker belegen, dass das alles nicht neu ist. Und jeder sieht sich im Recht und jeder hat dafür Belege. Und irgendwo, ganz klein und leise, versucht ein Idealist auf Werte zu pochen, Ideologien mag er nicht mehr nennen, werden ob solcher auch Kriege geführt.

Was also bleibt? Wohl nur der Gedanke, dass nichts absolut ist, man nur die eigene Welt beeinflussen kann und versuchen, darin ein Leben zu führen, das den eigenen Werten genügt, andern nicht schadet. Man wird die Weltmechanismen nicht ändern können, man kann sich ihnen nicht mal ganz entziehen. Alles, was bleibt, ist, sein Leben so einzurichten, dass man mit möglichst wenig Selbstaufgabe, möglichst viel Positives erreichen kann – für sich und seine Nächsten. Ständig die ganze Welt retten zu wollen ist in meinen Augen nicht nur ein Ding der Unmöglichkeit, sondern einen Flucht in das Unmögliche. Damit bewahrt man sich nämlich davor, im Kleinen etwas zu tun, weil man am Grossen verzweifelt.

Globale Gerechtigkeit gibt es nicht. Nicht da, wo Menschen wirken. Es gibt Gerechtigkeit generell nicht, da dies ein Kunstbegriff ist – geschaffen von Menschen, die die Variable Mensch ausblenden wollten und so ein Produkt schufen, das unerreichbar ist. Alles, was bleibt, ist ein kleines Leben. Für das grosse Ganze ist das unbedeutend, für das eigene Selbst und die Nächsten kann es die ganze Welt bedeuten. Und die gilt es zu bewahren.

Und vielleicht breitet sich das Kleine aus.
Wird grösser und umspannt.
Mehr und mehr.
Die Welt.

Vom Üetliberg über die Albiskette

image-1Da der beste Wanderbegleiter von allen lädiert von einer früheren Wanderung ist, fallen schwierige Touren momentan flach. Nichts desto trotz wollten wir ein wenig die Beine bewegen und entschieden uns für eine Wanderung vom Üetliberg über die Albiskette bis zum Albis. Positiv an der Route war, dass sie direkt vor der Haustüre ist und die meiste Zeit im Wald verläuft.

Mit Tram und anschliessend SZU fahren wir bis zur Endstation Üetliberg, von wo wir loswandern. Wir sind nicht die einzigen mit der Idee, die Bahn ist gut gefüllt, die Mitläufer auch nicht wenige. Von der Üetlibergplattform aus hat man eine wunderbare Sicht über Zürich, den Zürichsee bis hin in die Glarner Alpen. Vrenelis Gärtli und Glärnisch stechen weit hinten noch schneebedeckt in den Himmel.

image-2Vom Schnee merken wir wenig, haben wir doch 31 Grad zu verzeichnen. Umso willkommener ist der Abstieg in den Wald. Zuerst führt eine Gittertreppe hinunter, was für den Hund nicht ideal ist, so dass ich ihn tragen muss (geht bei meiner Miniaturausgabe von Hund gut, ein grösseres Kaliber, das Gitter meidet könnte problematisch werden). Das Stück ist zum Glück nur kurz, danach führt ein schöner, leicht zu gehender Weg weiter durch den Wald.

Je weiter weg wir vom Üetlibergrestaurant kommen, desto weniger Menschen treffen wir auf dem Weg.

Die Ruhe des Waldes hat mir schon immer gefallen. Das tiefe Grün, durch das dann und wann Sonnenstrahlen kommen, einen treffen, Lichtspiele auf den Boden werfen. Ich lasse im gleichmässigen Schritt die Gedanken fliessen, darüber, wie privilegiert ich bin so zu wohnen, dass gleich vor der Haustüre so viel wunderbare Natur anzutreffen ist. Darüber, wie schön es ist, diese Wege nicht alleine gehen zu müssen, sondern jemanden an der Seite zu haben, mit dem man sich auch mal schweigend versteht – über weite Strecken. Kein krampfhaftes nach Worten Suchen, kein totgequasselt Werden über Stunden, sondern einfach ein einträchtiges Gehen durch die Natur.

image-5Der Wald lichtet sich, weite Felder erstrecken sich bis zur nächsten Waldgrenze. Wir gehen weiter, der Felsenegg zu, wo wir einkehren. Ein wunderbarer Wurst-Käse-Salat sorgt für die nötige Stärkung, der Ausblick von der Gartenterrasse ist überwältigend. Ober- und Zürichsee erstrecken sich weit ins Gelände, gesäumt von Häuserflecken, Hügeln, Berge im Hintergrund, noch schneebedeckt. Danach führt unser Weg wieder weiter durch den Wald, kommt an der Buchenegg, später am Chnuschperhüsli vorbei, welche wir aber nicht besuchen, sondern weiter gehen.

image-4Ein Wegweiser stellt uns vor die Entscheidung, ob wir weiter zum Albis gehen, wie ursprünglich geplant, um dann das Postauto runter zum Zug zu nehmen, oder aber ob wir gleich nach Langnau runter laufen. Wir entscheiden uns für die zweite Variante und folgen dem gut ausgebauten, meist breiten, nicht allzu steilen, dafür aber stetig abfallenden Weg nach unten. Auch hier sind wir meistens im Wald, was immer noch warm genug, immerhin nicht so heiss wie ohne kühlendes Grün um uns ist.

image-3Nach einer knappen Stunde sind wir am Bahnhof Langnau, wo wir den Zug besteigen und wieder zurück nach Zürich fahren. Insgesamt sind wir wohl an die 4 Stunden gewandert, es war nicht anspruchsvoll, aber wunderschön und genau richtig für den Tag. Und hier sitze ich nun bei einem gespritzten Weissen, schreibe diesen Bericht, lasse dabei den Tag und die Route Revue passieren. Mein Dank geht an den besten Wanderbegleiter überhaupt, mein Lob an den kleinen Wuschelhund, der die Tour meisterhaft überstanden hat.

Eine Unpolitische äussert sich zum Nahen Osten

Wer ist schuld, wenn sich Israel und Palästina die Köpfe einschlagen? Jeder will es wissen und bemüht dazu die Geschichte. Bunte Karten werden gemalt, die alles erklären sollen, um gleich von anderen, noch bunteren, abgelöst zu werden, welche die vormaligen ad absurdum führen und die wirkliche Wahrheit ans Licht bringen. Schlussendlich bringen sie alle nichts, die Bomben fliegen weiter, die Menschen sterben weiter.

Wer ist schuld im Nahen Osten? Schuld ist wichtig, denn wenn man einen Schuldigen hat, glaubt man zu verstehen. Ab und an ist es gar nicht so einfach. Israel sei einfach von aussen an diesen Ort gepflanzt worden, die Araber haben schon damals gesagt, dass das nie akzeptiert würde. Das ist Fakt. Nun kommt Israel und meint, noch viel frühere Rechte proklamieren zu müssen. Was nun?

Seien wir mal ehrlich: Der Mohammed und der Ephraim von heute kämpfen nicht wegen Dingen, die vor einigen 1000 Jahren mal passiert sind. Die kämpfen, weil sie in diese Frontengeschichte hineingeboren und hinein erzogen wurden. Sie böse, wir gut. So kriegen die das mit der Muttermilch mit. Klar liefert man die (vermeintlichen) Fakten hinterher, um die Muttermilch schmackhafter zu machen. Schliesslich und endlich werden einfach Fronten zementiert.

Helfen tun diese Fronten niemandem. Genauso wenig helfen die Fronten, die man von ausserhalb mitbauen hilft, indem man sich auf eine der beiden Seiten schlägt und kräftig ins gleiche Horn bläst. Die Geschichte ist nicht das Problem. Die ist passiert und lässt sich nicht ändern. Was nun zuerst da war, wo nun der erste Fehler passiert ist, lässt sich kaum eruieren, da jeder einen noch früheren zu finden erpicht ist. Leben tun wir heute. Kriegen auch. Und der Krieg heute geschieht aus dem heutigen Gefühl, dass es ein Wir und ein Ihr gibt und das jeweils andere eine Gefahr darstellt. Was irgendwann mal war, wird nur als rationale Legitimation des heutigen Tuns verwendet. Keiner zündet heute die Rakete, weil vor 2000 Jahren irgendwas passiert sein soll.

Wer also ist schuld an der Auseinandersetzung im Nahen Osten? Keiner oder beide. Da ist so etwas wie ein Gewohnheitskrieg entstanden. Beide Seiten kämpfen mit unschönen Methoden und oft nicht nachvollziehbaren Massnahmen. Die einzige Rettung wäre nur ein Schnitt im Heute und eine komplette Neuausrichtung beider. Ob das je geschehen wird? Ich persönlich traue politischen Mächten nicht so viel selbstlose Grösse zu. Ich würde trotz allem gerne eines Besseren belehrt.

Kritisieren und unken kann jeder, Lösungen bringen ist schwerer. Ich masse mir nicht an, die Lösung zu kennen. Wenn ich eine hätte, wäre sie blosses Theoriekonstrukt, das wohl – wie so viele – an der Variable Mensch scheitern würden. Meine Idee wäre die folgende: Es gab in der Vergangenheit viele Staaten, die nach unrechtmässigen Regimes Wahrheitskommissionen einsetzten, um eine „Transition to Democracy“ einzuleiten. Berühmtes Beispiel ist sicher Südafrika mit seiner „Truth and Reconciliation Commission“. Südafrika ist auch heute noch weit von einer Rechtssicherheit entfernt, die Apartheid konnte aber immerhin überwunden werden. Ich denke, im Nahen Osten wäre eine ähnliche Vorgehensweise heilsam. Das Aufarbeiten der Vergangenheit und das Suchen einer einvernehmlichen Zukunft mit gleichen Rechten für alle. Dazu müssten aber beide Seiten bereit sein. Das wäre nicht nur eine Zustimmung für eine oberflächliche Waffenruhe, sondern die Bereitschaft, ein friedliches Nebeneinander in dem umkämpften Gebiet zu erreichen.