Das Leben – im Innen und im Aussen

Thomas Mann sagte einmal, dass er, wenn er schreibt, überall auf Dinge und Themen stösst, die mit seinem Schreiben zu tun haben. Das Thema seines Schreibens wiederholt sich im Aussen. Oft erkennen wir im Aussen etwas wieder, das uns im Innern umtreibt. Heute gefunden: ein Lied von Udo Jürgens:

http://www.youtube.com/watch?v=N3r2MBtIUgI

Der Text dazu:
Du sagst, du bist frei
und meinst dabei
du bist alleine.
Du sagt, du bist stark
und meinst, du hast
noch ein paar Träume.
Jeder Blick aus deinen Augen
ist ein stummer Hilfeschrei –
mir geht es genau wie dir,
du kannst ruhig ehrlich sein.

Du sagst, dir geht’s gut,
jedoch das klingt
bei dir so bitter.
Wenn ich dich berühr‘,
ist mir als spür‘
ich, daß du zitterst.
Deine Seele ist voll Narben,
du hast Angst, sie brechen auf.
Vergrab‘ dich in meinem Arm,
ich schütze dich
so gut ich kann.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir die Hoffnung dafür.
Gib‘ mir deine Nacht,
ich geb‘ dir den Morgen dafür.
Solang‘ ich dich nicht verlier‘,
find‘ ich auch einen Weg mit dir.

Schau‘ mir ins Gesicht,
ich suche dich
in deinem Schweigen.
Noch fällt es uns schwer,
das was wir fühlen,
auch zu glauben.
Doch ich will mit dir versinken,
bis uns beide nichts mehr trennt.
Und wenn dich die Kraft verläßt,
vertrau‘ auf mich
und halt‘ dich fest.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir die Hoffnung dafür.
Gib‘ mir deine Nacht,
ich geb‘ dir den Morgen dafür.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir Gewißheit dafür.
Gib‘ mir deinen Traum,
ich geb‘ dir die Wahrheit dafür.
Solang‘ ich dich nicht verlier,
find‘ ich auch einen Weg mit dir.

Gib‘ mir Zuversicht,
die all meine Zweifel besiegt.
Gib‘ mir das Gefühl,
daß es ein Zuhaus für mich gibt.

Gib‘ mir deine Angst,
ich geb‘ dir die Hoffnung dafür.
Gib mir deine Nacht,
ich geb‘ dir den Morgen dafür.

Solang‘ ich dich nicht verlier,
find‘ ich auch einen Weg mit dir
mit dir
mit dir
mit dir

Eigentlich wäre der Blog dazu da, meine eigenen Gedanken niederzuschreiben, allerdings: wenn er es schon so perfekt getan hat? Was soll ich noch? Wiederholen, dass ich oft Angst habe? Meine Freiheit liebe und sie sich doch oft so einsam anfühlt? Von Träumen fasle und doch oft Leere spüre? Nach Halt mich sehne und doch immer stark sein muss? Und überhaupt: wenn ich all das zugäbe, wären da nicht all die, welche sich freuen würden über die Schwäche, über das Versagen? Muss man nicht ständig stark sein, Haltung bewahren, lächeln, sagen: es geht mir gut… Und wenn einem wer ans Bein pinkelt, das zweite Bein hinhalten? Um ihm ja keinen Triumph zu gewähren, sondern Oberhand zu behalten.

Und dann? Kommt man heim. Ist allein. Die Haltung fällt. In sich zusammen. Zurück bleiben Leere, Einsamkeit, Schwäche. Und ein nasses Bein. Wie gut klangen Freiheit, Träume und Haltung.

Und dann möchte man aufspringen, sagen: lasst mich alle in Ruhe, ihr Beinpisser, verpisst euch und entleert euch wo anders. Bleibt mir vom Leib und kommt nie mehr wieder. Und man hofft, durch diesen Rundumschlag zur Ruhe zu kommen. Für sich, im Leben. Man hofft, dass dann Erleichterung eintritt. Und kurz kommt auch ein Triumph auf, man fühlt sich stark, man hat etwas bewegt. Hat sich behauptet. Man war so frei…

Udo singt von einer Seele voller Narben, bei denen man fürchtet, sie brechen auf. Leider tun sie das meist durch die Menschen, die einem nahe gehen. Und genau die sind es ja, in deren Arme man sich vergraben möchte. Und genau die sind es, die einen am tiefsten treffen können. Und damit neue Wunden kreieren, aus denen wieder Narben werden. Und irgendwann wird die Angst so gross, dass man von vornherein mauert, um ja keine Wunden zulassen zu müssen. Und wenn man nur die Möglichkeit einer Wunde sieht, geht man zum Mauerbau über, macht zu. Und verbaut sich wohl damit die Arme…

…ich bin so frei…

Der Sünder und das Opfer – oder: was ist fair?

Manchmal tut man was im Leben, unbedacht vielleicht, aus einer Laune heraus, ohne wirklichen Hintergrund und tritt damit jemandem auf die Füsse. Sobald man es merkt, tut es einem leid, man würde, könnte man die Zeit zurück drehen, es rückgängig machen, hat aber keine Chance, passiert ist passiert.

Nun könnte man es dabei bewenden lassen, sagen, es tut mir leid, sagen, es war keine Absicht, hatte nichts zu bedeuten (je nachdem, was es war, es gibt ganz klar Dinge, die nicht entschuldbar sind, so die richtig grossen). Der andere könnte einsehen, dass es nur eine blöde Laune war. Er kann aber auch all seine Ängste reinlegen, all seine Verschwörungstheorien, kann in die kleine Tat viel grossen Hintergrund, gegen sich gerichtet, interpretieren und sich fortan als armes Opfer fühlen. Und leiden. Und in dem Leiden den anderen als bösen Sünder deklarieren, der nichts mehr tun kann, um Abbitte zu leisten. Jeder Versuch wird im Keim erstickt: Nein, ich leide.

Der Sünder fühlt sich immer schlechter, fühlt sich unverstanden, fühlt sich schuldig, jemanden verletzt zu haben, fühlt sich mehr und mehr auch wütend, weil er gar keine Gelegenheit hat, sich zu rechtfertigen. Er wird abgestempelt ohne Recht an seinem Unrecht, welches so gross gar nicht war meistens, sondern nur instrumentalisiert wird, um Fronten zu schaffen. Um eigenes Drama ausleben zu können. Und selbst wenn man wirklich leidet, so wird das Leiden, das ja selbst geschaffen ist, nicht besser dadurch, in dem man es im eigenen Kopf die Spirale raufklettern lässt.

Aber: Das Opfer sieht das anders. Es ist Opfer – es hat alle Rechte. Der andere ist Sünder und hat damit seine Rechte verspielt. Der soll sich nun schön schuldig fühlen, in seinem Sumpf suhlen und warten, ob und wann die Welt wieder dreht für das Opfer. Wann das Opfer sich gnädig zeigt und grosszügig verzeiht. Natürlich nicht ohne noch viel Dankbarkeit für diese grosszügige Geste zu erwarten, schliesslich springt es ja grad ganz gehörig über seinen Schatten.

Ist das fair? Nun, was ist schon fair. Grundsätzlich wohl, wenn zwei Menschen dieselben Rechte haben und die Möglichkeit, sie auszuleben. Wenn der eine ein Recht auf sein Leiden hat, so sollte dies auch dem andern zugestanden sein. Vor allem sollte jeder das Recht haben, gehört zu werden. Das ist auch die Basis jeglicher Kommunikation und Auseinandersetzung sonst – im Guten wie im Schlechten. Nur wenn beide hinhören, was der andere sagt, denkt, fühlt, meint, kann man wirklich DARAUF antworten. Sonst dreht man sich in der eigenen Spirale von Meinungen und Gedanken, die oft mit dem, worum es geht, wenig zu tun haben. Man legt all seine Muster, seine vergangenen Verletzungen, seine Erfahrungen der Vergangenheit in eine kleine Sache und bläst sie damit auf zu einem allumspannenden Etwas, das zu umgehen kaum mehr möglich ist. Und man setzt sich mitten rein und sieht die Welt in diesem Licht – nicht mehr erstrahlen, sondern man geht darin unter.

Ab und an würde es helfen, einen Schritt hinaus zu treten, hinzusehen, sich zu fragen: Was ist eigentlich wirklich passiert? Was hat der andere wirklich gemacht? Und was habe ich mit Gedanken und Gefühlen hineingelegt? Wenn das mal passiert ist, kann man weiter gehen und den andern fragen (wichtig, denn nur er weiss es), was er sich dabei gedacht hat. Klar sind die eigenen Gedanken nicht mundtot gemacht, sie werden gegen die des andern antreten, diese umzustossen versuchen. Aber: hat der andere nicht doch mehr Ahnung von dem, was er selber tut, als man es selber hat? Und wenn man es nicht mal schafft, ihm seine Motivationen und Hintergründe zu glauben: was bleibt dann noch? Und vor allem: mit welchem Recht schiebt man sich selber alle Wahrheit und dem andern alle Lüge zu? Wie wäre es im umgekehrten Fall? Wie würde ich mich im umgekehrten Fall fühlen, wären die Vorzeichen vertauscht?

Darauf baut Rawls „Gerechtigkeit als Fairness“ auf: unter einem Schleier des Nichtwissens, wenn man nicht weiss, wo man steht in einem Gefüge, muss man entscheiden, was für alle davon Betroffenen fair und gerecht wäre. Denn wenn man nicht weiss, welche Position man einnimmt, wird Gerechtigkeit etwas sein, das für alle da ist, nicht nur für die einen. Es wäre schön, wenn dieser Gedanke auch im Alltag bewusster gelebt würde, man auch mal aus seiner Warte heraustreten könnte und dem andern seinen Raum zugestehen würde.

Ich bin wertvoll

Heute bin ich – natürlich ganz zufällig, da ich nie bewusst Blick lesen würde, ich doch nicht, nein nein nein – über eine Meldung gestossen: John Lennons Backenzahn, kariös ist er noch dazu, wird für 10’000 Pfund versteigert.

Beweis: http://www.blick.ch/people/international/wer-will-fohn-lennonf-fahn-185168

Erste Reaktion: ungläubiges Lachen
Zweite Reaktion: ich lache immer noch
Dritte Reaktion: WTF??

Wer will einen Zahn eines anderen haben? Schon genug, dass man all die Zähne seiner Sprösse aufbewahren muss, will man eine gute und interessierte Mutter sein, aber fremde Zähne? Und dann nicht mal wiederverwendbar, nein, der Zahn ist kariös. Was will ich damit? In der (nicht vorhandenen) Vitrine im Wohnzimmer ausstellen? Dazu wäre er wohl zu wertvoll. Im Glas neben dem Gebiss einlagern, damit niemand Lunte riecht? Ihn trotz Karies einpflanzen und hoffen, dass ein wenig der Genialität des Originalträgers auf mich überschwappt? Vielleicht ist die aber auch durchs kariöse Loch entwichen – oder noch schlimmer: sie war gar nie im Zahn..

Vierte Reaktion: ich habe auch Zähne…

Ob die wer haben will? Pro Backenzahn 10’000 Pfund – ok, weil ich es bin nur 5000 Pfund – macht (Mist, wieso habe ich mir die Weisheitszähne gezogen??? Der Schuft von Zahnarzt, der hat sie wohl nun versteigert und bei mir noch fürs Ziehen abkassiert – schlechte Welt)… bis wohin sind es Backenzähne und ab wo fangen die andern an? Und würden die andern mehr bringen? So ne schöne Frontschaufel ist doch was Nettes.

Nun, ich denke, die will wohl niemand haben, nicht so wie John Lennons. Auch wenn ich trotz all meinen Gedanken noch immer nicht weiss, wozu fremde Zähne gut sein sollen. Aber man muss ja nicht alles verstehen auf dieser Welt.

Du musst eim Schwein sein…

…in dieser Welt. So singen sie in einem bekannten Lied und ab und an scheint es, sie haben recht. Wenn ein anderes Lied behauptet, Männer seien Schweine, die nur das eine wollen, dann könnte man sagen, auch das hat was Wahres, wobei natürlich niemals alle so sind. Aber es soll sie geben, diese Schweine. Die Schwierigkeit dürfte dann wohl darin bestehen, herauszufinden, wer denn nun das Schwein ist und wer es ehrlich meint. Wobei: auch Schweine meinen es wohl ehrlich – für sich selber, nicht für die andern. So oder so: darauf angesprochen wird dir jeder mit grossen Augen und beleidigter Stimme sagen, dass ER ganz bestimmt kein solches sei, dass er tief getroffen sei. Das kehrt den Spiess und man fühlt sich schuldig. Wobei, umkehren tut es den Spiess wohl nicht, denn sonst müssten sich die Schweine auch schuldig fühlen. Das tun sie wohl kaum, im Gegenteil, sie feiern einen Triumph.

Worin nun besteht dieser Triumph? Sie haben gekriegt, was sie wollten, der Zweck heiligt – sagte schon Macchiavelli – die Mittel und ergo: sie haben alles richtig gemacht. Wieso also fühlt man sich als vom Schwein schweinisch behandelter Mensch schlecht? Weil man selber unterlag? Etwas anderes wollte? Jemandem traute, der andere Interessen hatte, als eben die, welche er behauptet hat? Wie fühlt sich wohl so ein Triumph an? Andauern kann er nicht, denn sonst könnte man aufhören mit dem Spiel. Aber man wiederholt es ja – immer und immer wieder, wohl mit abnehmender Befriedigung. Oder fühlt man sich noch besser? Schweinekönig quasi durch steigenden Erfolg?

Und nun? Was macht man damit? Zurück zahlen? Denjenigen, andere auch schweinisch behandeln, selber zum Schwein mutieren? Nein, es gibt eine ganz andere Methode: weiter so leben und ehrlich bleiben, dann wird man im Falle einer Wiedergeburt in der Kette aufsteigen, während die anderen zu Schweinen mutieren – und dann hauen wir die alle in die Pfanne!

Ich habe noch Schweinsgeschnetzeltes im Kühlschrank 🙂 Was kochen wir denn heute???

http://www.youtube.com/watch?v=BWwhz4hPkSk

Der Böse und der Tod

Momentan steht ein Video von Gaddafis letzten Augenblicken im Netz. Man sieht ihn lebend, erst wenig, dann stark Blut überströmt, sieht, wie er von Pistolen bedroht wird und schlussendlich wird er wohl regelrecht hingerichtet. Das Gesicht verzerrt, das Blut überall.

Gaddafi ist tot. Erschossen. Hingerichtet.

Gaddafi war kein Engel, wahrlich nicht, er ist mit seinem Umfeld und vor allem seinen Widersachern hart ins Gericht gegangen, hat ein ganzes Volk unterdrückt und drangsaliert. Das werfen wir ihm vor. Nun hat man mit ihm quasi im Namen der humanitären Hilfe dasselbe gemacht? Ist das legitim? Heiligt der Zweck (welcher war es denn nun genau???) alle Mittel?

Einigen westlichen Machthabern kam Gaddafis Tod sehr gelegen, denn seine Einvernahme vor dem internationalen Gerichtshof hätte einige in ein schlechtes Licht gerückt. Stecken sie hinter der Hinrichtung? Wäre das legitim? Oder eine erweiterte Form von Selbstjustiz? Wer hat Dreck am Stecken, wer wäscht mit Persil? Ich denke, die Wahrheit ist komplizierter als dass er der Böse und seine HInrichter die Guten waren…. Für eine wirkliche Aufklärung wäre eine Gerichtsverhandlung gut gewesen, denn nun wird er in gewissen Kreisen Märtyrer sein, für andere das Böse schlechthin verkörpern. Und beides wird der Sachlage nicht gerecht.

Die Zeitungen sind voll mit Bildern des toten Gaddafi. Das Gesicht verzerrt, Blut überall. Darf man solche Bilder so öffentlich zeigen? Ist das pietätlos? Hätte auch ein Mann vom Format Gaddafis ein wenig Zurückhaltung verdient? Nehmen unsere Kinder Schaden an solchen Bildern? Zeugen sie von Gaddafis Tod und sind wichtig, um den Tod zu glauben? (Mein erster Gedanke: ist er wirklich tot oder ist das nur ein geschickter Schachzug?). Die Meinungen gehen auseinander. Die Bilder zu zeigen ist in meinen Augen nicht das Verbrechen, sie dokumentieren die Abgründe der menschlichen Seele (nicht nur Gaddafis….) – die leider realistisch sind. Klar würden wir unsere Kinder gerne von solchen Bildern fernhalten, sie vor der Grausamkeit der Welt beschützen. Leider ist das im heutigen Zeitalter der allumfassenden Medien kaum möglich. Wir können sie nur tragen auf dem Weg, die Realität zu erfassen mit all ihren Schrecknissen.

Zaudern, zögern und nicht trauen

Oft wagen wir nicht, uns zu öffnen, das zu sagen, was wir denken, fühlen, wollen, aus Angst, zurück gewiesen zu werden, das Gesicht zu verlieren, sich bloss zu stellen. Wir halten hinterm Berg mit dem, was in uns vorgeht, lassen es brodeln, wälzen in Gedanken die Worte, die wir so gern sagen möchten, halten die Hände im Zaum, dass sie das nicht tun, was sie gerne täten, nur um nicht die Blösse einer Abfuhr zu erhalten.

Was, wenn das, was ich denke, fühle, will, nicht erwidert wird? Was, wenn ich ausgelacht werde für das, was in mir vorgeht? Was, wenn ich falsch liege und mich zum Gespött mache? Oder schlimmer noch: was, wenn meine Gefühle ausgenutzt werden? Wenn ich zum Spielball werde und in der Folge leide, weil ich mein innerstes nach aussen gekehrt habe und es gegen mich verwendet wurde?

Die Gefahr besteht wohl immer, aber ein weiser Mensch sagte mir mal: wenn du etwas willst, dann sag es, steh dafür ein, nur so kriegst du es auch. Ich fand das sehr weise, nur fällt es mir immer wieder schwer, weil die Ängste tiefer eingebrannt sind als das Wissen um die Richtigkeit dieser Aussage. Wenn ich dann Lieder wie das:

http://www.youtube.com/watch?v=Vjw1t8xa1Cg&feature=related

oder

http://www.youtube.com/watch?v=XcP-mQdxAr8

höre, dann denke ich wieder: es ist eben doch so. Und selbst wenn ich gegen Mauern rennen würde, selbst wenn es weh tun würde: meine Gefühle waren echt und meine Gedanken die, welche ich hatte. Was daran soll falsch sein? Was ist so falsch daran, zu sich zu stehen? Wieso soll man Zurückhaltung üben, wenn doch alles in einem schreit „gogogo“? Entweder es passt oder es passt nicht, die Zurückhaltung wird es wohl kaum passender machen, ebensowenig das Zeigen unpassender.

Work in progress…

Von Gefühlen und anderen Wahrheiten

„Höre auf deinen Bauch, er wird dir sagen, was richtig ist!“ sagt eine altbekannte Weisheit. Doch: was sagt mein Bauch? Wie sagt er es? Wie höre ich es? Und wie weiss ich, dass es mein Bauch ist, der spricht, dass es nicht die Leber, Niere oder gar eine verinnerlichte Stimme einer Angst, eines andern ist? Was kann ich trauen? Was soll ich folgen?

Und: wenn ich schon solche Probleme habe, mir selber zu trauen, wie kann ich das einem andern? Wie weiss ich, ob er wirklich meint, was er sagt oder nur sagt, was er denkt, dass ich es hören will? Wann ist eine Aussage seine Bauchstimme und wann nur leeres Gerede? Und selbst wenn er sagt, was er fühlt, wer sagt, dass es andauert? Nicht eine Stimme des Moments ist? Was, wenn was heute noch wahr ist, morgen schon Schnee von gestern ist? Eine schöne Erinnerung, etwas, das mal war, nicht mehr ist?

Lebe im Jetzt, schau nicht zurück und nicht nach vorne. Nur das jetzt ist, alles andere ist blosse Illusion. So oder ähnlich sagt es die östliche Philosophie. Das klingt schön und einleuchtend. Ist es die Wahrheit? Oder gilt diese Wahrheit nur im Osten? Vielleicht geboren aus der Not, dass man da aus Gründen von Krieg, Armut, Knappheit an Gütern besser nicht nach vorne schaut, da dieser Blick Unglück verheisst? Oder ist es aber das einzig Richtige, da wir sowieso nur das Jetzt erfahren können, das Morgen nie so sein wird, wie wir es uns ausmalen, da das Ausmalen nur eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, keine wirkliche Prophezeihung ist. Nun ist in der Philosophie alles Wissen Wahrscheinlichkeit, da wirkliches Wissen kaum möglich ist. Selbst in den genausten Wissenschaften wird gestriges Wissen immer wieder überworfen und heute gilt ein anderes. Also war das gestrige Wissen, das, was gestern als wahr und richtig erschien, kein Wissen, sondern eine Annahme mit grösstmöglicher Wahrscheinlichkeit – aufgrund des Standes von damals. Und genau so ist das, was ich heute höre von jemandem, das, was dieser heute denkt, dass es wahr ist – im besten Falle, von Lügen wollen wir ein anderes Mal sprechen. Was aber, wenn morgen eine andere Wahrheit wahr ist? Klar kann ich das nicht ändern, selbst wenn ich heute daran denke, dass es so sein könnte und mir damit schon das Heute kaputt mache. Vielleicht denke ich auch daran, um im glücklichen Heute nicht zu sehr abzuheben – dann wäre der Fall im anderen Morgen nicht so gross. Vielleicht habe ich auch nur Angst? Aufgrund von vergangenen Erfahrungen? Vielleicht hoffe ich so sehr, dass das wahr ist, was ich höre, weil ich will, dass es wahr ist, weil ich das, was ich höre, so gerne hören wollte und nun, da ich es höre, nicht mehr loslassen möchte?

Nun könnten wir den Bogen weiter spannen zur Aussage, dass man alles loslassen soll, weil nur dann das Leiden ein Ende hat und alles Verhaftetsein ins Leiden führe. Das wäre dann eine Yogaphilosophie. Und so fliegen wir von Philosophie zu Philosophie, hören in uns hinein und wieder hinaus in die weite Welt der Philosophien, bilden unsere eigenen Philosophien, um sie wieder zu verwerfen, hören wieder in uns hinein, was wir denn nun denken, glauben, hoffen. Und sind am Schluss wieder da, wo wir vorher waren, weil wissen tun wir nichts – wir können nur warten und hoffen und sehen, was da kommen möge – und wie es sich anfühlt. Und: dann auf unseren Bauch hören, was der dazu sagt. Und vermutlich – oder sehr wahrscheinlich – wird der Kopf auch noch was dazu sagen und schon haben wir sie wieder, die Stimmen, die wild durcheinander sprechen. Allerdings scheine ich nicht alleine damit, diese Stimmen hörten schon andere und haben sie sogar in Gedichte verpackt. Danke Herr Fried, für das wohl wahrste Liebesgedicht, das ich kenne.

Es weihnachtet sehr

Seit ein paar Wochen erhalte ich täglich die korrigierten Weihnachtswunschlisten meines Sohnes. Auf den Hinweis, dass es bis Weihnachten noch eine Weile hin sei und sich die Wünsche noch oft ändern könnten, kommt wenig bis nichts, höchstens ein verächtliches Schnauben ob so viel Unwissenheit und Weltfremdheit einer Mutter. Netterweise räumt der wünschende Bub die veralteten Zettel jeweils selber ab – wohl mehr zum Schutz seiner aktuellen Liste, als aus Ordnugnsbewusstsein und Tischkulturschutz meinereiner. So oder so, ich bin nun im Besitz des Zettels Nummer (gefühlt) 1845, vollgekritzelt (vollgeschrieben würde das Bild nicht treffen) mit irgendwelchen abstrus klingenden StarWars-Artikeln von Lego. Den Ausführungen des Heranwaschsenden, was es mit den StarWars-Figuren und -Schiffen und -Welten auf sich hat, bin ich schon lange nicht mehr gefolgt, ich weiss nur so viel, dass es Gute und Böse gibt und er die Bösen cooler findet. Ich weiss nicht, ob das gut ist. Wohl eher böse? Will ich ein böses Kind? Nein, mein Kind ist gut, das ist wohl der Gegenpol.

So weit so gut, Weihnachten wird kommen – und damit eine Invasion von StarWars-Raumschiffen inklusive böse Männchen (können Legomännchen böse sein? Und wenn ja, was machen sie dann? Mit mir?) Ein paar dieser Objekte haben wir ja schon, ein Schiff in voller Pracht, eines in Einzelteilen, weil das begeisterte Kind in seiner ungestümen Begeisterung drüber stolperte, was das gute (oder böse) Teil nicht verkraftet hat. Wie das Schiff dann im Weltall fliegen soll, wenn es schon solchen Kräften nicht standhält, konnte ich mir verkneifen zu fragen.

Immer noch gut so weit. Doch: wenn seine Weihnachten kommen, dann kommen meine ja auch… was wünsche ich mir denn? Darauf wurde ich gestern so ganz deutlich gestossen, als – Wunder über Wunder – just mein Lieblingslied lief:

http://www.youtube.com/watch?v=yXQViqx6GMY&ob=av2e

Ob ich nun meinem Sohn meinen Weihnachtswunschzettel bringen soll? Ich weiss es nämlich. Ganz genau. Es kam so über mich. Aber Wünsche soll man ja nicht verraten, sonst gehen sie nicht in Erfüllung. Ob das mit Weihnachtswünschen auch so ist? Und irgendwie ist Weihnachten sehr weit weg. So lange warten? Ich glaube, nun haben mein Sohn und ich etwas gemeinsam: wir warten nicht gerne. Weihnachten soll kommen. Jetzt. Sofort. Und wenn nicht? Dann höre ich nochmals das Lied… und nochmals… und nochmals…

Merry Christmas!

Was wäre wenn und hätte ich doch

Was wäre wenn traf auf hätte ich doch und fragte was hätte ich doch, was gewesen wäre, wenn was hätte ich doch getan hätte, was hätte ich doch hatte tun wollen, aber nicht getan hat. Hätte ich doch sagte darauf, dass es nicht wisse, wieso es nicht getan hat, was es hätte tun wollen, doch dass es immer daran denke, dass es hätte tun sollen, was es hatte tun wollen, weil es sich nun immer frage, was nun wäre, wenn es eben getan hätte, was es hätte tun wollen. Und so fragte hätte ich doch was wäre wenn, was denn nun wäre, wenn hätte ich doch getan hätte, was es hätte tun wollen, aber nicht getan hat. Was wäre wenn überlegte und sagte dann, dass es nicht wisse, was wäre, wenn hätte ich doch getan hätte, was hätte ich doch hatte tun wollen, da es nicht wisse, was hätte ich doch überhaupt hätte tun wollen. Zudem war sich was wäre wenn nicht sicher, ob hätte ich doch überhaupt hätte tun können, was hätte ich doch hätte tun wollen, denn schliesslich musste es ja Gründe gehabt haben, dass hätte ich doch getan hat, was es getan hat oder eben nicht getan hat, was hätte ich doch hätte tun wollen. Hätte ich doch wurde nachdenklich und sagte, dass was wäre wenn eigentlich recht hätte, dass man eben nie wissen könne, was wäre wenn, wenn man nicht getan hätte, was man hätte tun wollen, da man nicht mal wisse, ob man hätte tun können, was man hätte tun sollen oder wollen. Insofern sei die Frage, was wäre wenn, eine überflüssige, da da man nie sagen könne, was wäre wenn, hätte man getan. Was wäre wenn und hätte ich doch umarmten sich als überflüssig und lösten sich in Luft auf.

Wer bin ich?

„Das ist cool!“ sagt das Ich.
„Das ist doof!“ sagt das Ich.
„Pass bloss auf, das ist gefährlich!“ sagt das Ich.
„Nun stell dich nicht so an, das ist ganz leicht!“ sagt das Ich.
„Streng dich ein wenig an, so klappt das nie!“ sagt das Ich.

Wer bin ich? Und wer sind die anderen? Wenn ich mich entscheiden soll zwischen all den Stimmen, welches ist dann meine? Und welches ist das Ich, das darüber entscheidet? Und wenn ich entscheide und ich eine Meinung habe und noch andere Meinungen da sind, wo kommen die her? Oder bin ich viele und alles ist Ich – wer sind dann die anderen? Sind das die Geister, die ich rief, um eine ausgereifte Entscheidung treffen zu können? Und nun werde ich sie nicht mehr los, weil sie in meinem Kopf ihre Besenreitstunden vollführen? Sind das die Überbleibsel einer Wissenschaftsanhänglichkeit, die alles zu bedenken auferlegt hatte? Postscientificale Relikte – um es mit einem selbsterfundenen gut klingenden Wort zu benennen, wie es in ebendiesen Kreisen so gerne üblich ist? Klang vor Inhalt, Schein vor Sein. Wie so oft in dieser Welt.

Was ist eigentlich so schlecht am Schein? Kann nicht, was gut scheint, auch gut sein? Dann wäre ja Schein gleich Sein und insofern echt? Und irgendwo scheint ja das Sein immer, da erst durch den Schein das Sein sichtbar, scheinbar gesehen wird. Gäbe es also ohne Schein gar kein Sein? Oder würde es nicht gesehen, trotz seiner Existenz? Denn wenn es kein Sein gäbe, wäre ja nichts. Und auch das Nichts wäre nicht sichtbar. Die Frage, was Nichts wäre, sparen wir auf für einen nächsten Text, da dieser schon zu chaotisch ist. Wer sagt das eigentlich?
„Er ist chaotisch!“ sagt das Ich.
„Er ist kreativ!“ sagt das Ich.
„Er regt zum nachdenken an, also ist er!“ sagt das Ich.
„Er soll gelöscht werden, da er Unsinn ist!“ sagt das Ich.
„Er soll stehen bleiben, da er schon geschrieben ist!“ sagt das Ich.

„RUHE!!“ sage ich

My way

Wenn der Vorhang fällt, möchte man sagen können, seinen Weg gegangen zu sein. Doch wie sieht er aus? Was genau ist „mein Weg“ und wie viele Kompromisse erträgt er? Aus wie vielen verschiedenen Komponenten bildet er sich und wo führt er durch? Wie weiss ich, dass etwas mein Weg ist oder ob es nur ein Weg ist, der durch Gesellschaft, Wünsche, falsche (??) Hoffnungen gepärgt ist? Wir unterliegen so vielen Einflüssen, die Hoffnungen und Bilder prägen: wie stark ist deren Einfluss? Rennen wir nicht oft Bildern hinter her, die nicht wirklich Realität sind, sondern Illusionen und Wunschdenken?

Wer bin ich und wo gehe ich hin? Die wohl wirklich wichtigen Fragen im Leben und die, welche am schwersten zu beantworten sind. Wir verlieren uns in Rollen, sind Vater, Mutter, Arbeiter, Berufler, Mann, Frau – aber sind wir das wirklich? Ist da nicht noch eine tiefer liegende Wahrheit, die hinter all diesen Rollen steckt? Und wie sieht die aus? Und was heisst das für das Leben im Alltag?

Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass der Mensch kein Einzeltierchen ist. Und genau dieser Umstand sorgt wohl auch für die meisten Schwierigkeiten im Leben. Um den Traum des Miteinanders leben zu können, sind wir schnell gewillt, unseren eigenen Weg zu verlassen, anzupassen, um ihn kompatibel zu machen. Nur geben wir uns dabei immer ein Stück weit auf. Ist der andere nicht zu ebensolchen Kompromissen bereit, wird das so schnell zur Selbstaufgabe, weil man komplett auf die andere Seite wechseln muss, um überhaupt die Chance für ein Miteinander zu haben. Und dann? Ist man fern von seinem Weg, auf unsicherem Gelände, auf dem man sich nicht mehr auf seine Intuition verlassen kann, weil diese auf dem eigenen Weg weiter läuft. Man fühlt sich fremd, unsicher, hilflos und torkelt dahin. Hofft, aufgefangen zu werden und fällt jedes Mal, wenn man es nicht wird, noch tiefer.

Irgendwann kommt man zum Schluss, dass es wohl doch der eigene Weg sein soll. Die Erkenntnis allein beseitigt die Trauer und Unsicherheit nicht. Und die Hoffnung bleibt, dass ein Miteinander möglich bleibt – ohne Selbstaufgabe. Irgendwie – irgendwann. Dass es doch einen Weg gibt, der my way ist und our way sein kann. Dies aber nur, wenn auf beiden Seiten Weggabelungen genommen werden, die zueinander hinführen, die den sicheren eigenen Pfad ein wenig verlassen, um später gemeinsam einen Weg gehen zu können.

http://www.youtube.com/watch?v=_4DJMPGNiD0

Würmer und anderes Getier

Wenn einmal der Wurm drin ist, so scheint es, kehrt er immer wieder. Wie ein treuer Hund, der immer wieder zu seinem Meister zurück kehrt, zeigt er sich immer wieder von Neuem, wenn man gerade gedacht hatte, ihn los geworden zu sein. Es scheint gar, er verhält sich wie sein realer Tiergefährte, welcher in zwei Würmern weiter besteht, wenn man ihn mal mordlustig entzweigehauen hat. So dümpelt man durchs Leben von Aufbau, Erhalt und Zerstörung und irgendwie erscheint mir bei diesem Kreislauf die dritte Phase extrem überdominant und langwieriger. Prägender vor allem. Klar heisst es, dass Leid einen weiter bringt, doch so weit wollte ich doch gar nicht kommen.

Man kommt auf diese Welt, naiv, unverdorben, erhofft sich nur das Beste, malt sich das Leben in den buntesten Farben aus und merkt von Jahr zu Wahr, wie Illusionen sterben und das reale Leben sich zeigt in seiner ab und an grausamen, ab und an kaltherzigen, ab und an untragbaren Art. Man glaubt immer wieder an Fenster, die aufgehen, wenn Türen zuschlagen, hält den Kopf oben und die Ohren steif, wie es einem gutmeinende Zeitgenossen raten, findet immer wieder den Ausweg aus dem eigenen Leid – um ins nächste zu geraten. Das scheint der ewige Lauf der Dinge und es hilft wohl nur, diesen zu akzeptieren.
Nun kann dieser Lauf tröstend sein, weil zwingend auf den Abbau wieder ein Aufbau folgt. „Nach em Räge schiint d’Sunne“ – allein: auf die Sonne folgt genau so sicher auch wieder der Regen. Und damit die nächste Traufe, in die man sich legen kann. Legen ist noch die positivste Art, da rein zu geraten, oft stürzt man rein, unvermittelt, ungewollt, ungebremst. Und sieht sich liegend und zappelt oft wie ein Käfer, welcher auf den Rücken gefallen ist oder wie der Frosch im Milchtopf.
Zu düster alles? La vita e bella? Selbst in dem Film sieht man doch, dass alles nur Schein, nur Illusion ist. Das, was dahinter steht ist ungleich düsterer. Und doch gibt es sie natürlich, die kleinen schönen Momente, die einem wieder Hoffnung geben, die einen denken lassen, dass da doch noch was Schönes kommen kann, dass nicht alles nur schwarz ist, sondern viele Farben da sind. Und ab und an erlebt man es, dass man sich in Farbe fühlt und aufgehoben und denkt: doch, so soll es sein, so soll es bleiben.
Das Aber lasse ich beiseite, denn: was bleibt ist Glaube, Liebe, Hoffnung – am stärksten aber ist die Liebe. Nun gut… zu der äussere ich mich mal nicht und setze auf die Hoffnung, auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin: ohne Liebe ist alles nichts.

Zuhause

Was ist Zuhause? Was braucht ein Ort, um Zuhause zu sein? Wie kann man an einem Ort wohnen und Heimweh haben? Was fehlt? Kann ein Ort für sich Zuhause sein oder machen es die Menschen, die da sind? Grundsätzlich würde ich sagen die Menschen sind es, nur kann man sich an Menschen hängen? Sich auf sie verlassen? Wird man nicht zwangsläufig immer und immer wieder verletzt, wenn man das tut? Macht man sich nicht verletzlich? Wie oft erträgt man Verletzungen? Das Aufdecken von Illusionen?

Wo liegt das Glück? In einem selber heisst es. Wozu also bräuchte man dann andere Menschen? Orte würden genügen, man hätte sich dabei. Im Grunde genommen bräuchte man nicht mal die, man wäre selbstgenügsam in seinem Glücklichsein. Losgelöst von allem Aussen.
Das wäre wohl die Erleuchtung – ich bin weit von dem Zustand entfernt und merke nur: Glück ist anders und ich habe Heimweh. Wonach? Das ist nun die Frage…

Bürokratie lässt grüssen – oder: Macht der Formalitäten

Da schreibt man über 3 Jahre hinweg an einer Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde. Oft zweifelt man, oft hadert man, ist nah am Aufgeben, beisst sich wieder durch und vollendet schliesslich das Werk. Geschafft. Denkt man. Wie naiv! Jetzt geht es erst richtig los. Formulare sind gefordert, welche persönlich aufs Büro gebracht werden sollen. Als Kind der technischen Errungenschaften moderner Zeiten versteht Frau das nicht und ruft auf besagtes Büro an, ob es wirklich notwendig ist, persönlich zu kommen, da a) der Weg weit und b) das Kind schulpflichtig ist, beides nicht mit den kargen Öffnungszeiten zusammen passt. Sie sind unerbittlich, einzige Möglichkeit: jemand anders könne für mich aufs Büro kommen und mich anmelden. Vorbei kommen muss jemand, Post geht nicht. Ob ich den Briefträger schicken könnte? Wohl kaum.

So lese ich also die Öffnungszeiten, packe Formulare und Kind ein und fahre in die Grossstadt meiner Alma Mater. Gemeinsam stapfen wir die Treppen hoch (ok, die Formulare werden nach wie vor getragen) und kommen ausser Atem vor der gewünschten Tür an, wo wir lesen: Wir sind umgezogen. Wir machen uns auf, die vielen gerade erklommenen Treppenstufen wieder hinunter zu steigen, um das Haus zu wechseln, da natürlich wieder in den obersten Stock zu laufen (viiiiele Treppen hinauf), wo wir an der Tür lesen dürfen: Unsere Öffnungszeiten haben geändert. Irgendwie lese ich Donnerstag nicht mehr als offenen Nachmittag – just der aktuelle Tag wurde eliminiert. Meine Laune – eh schon im Keller – hat bald Ölbohrniveau. Innerlich grummelnd, leise fluchend klopfe ich an die Tür, welche sich – Wunder über Wunder – auch öffnet und ein bekannter Kopf – Gott sei Dank – schaut raus. Die alten Öffnungszeiten würden noch bedient, meint die nette Dame, allerdings sei die zuständige Frau in der Mittagspause – mit unbekanntem Rückkehrtermin.
Es zeigt sich dann doch noch jemand, der zuständig ist und diese Frau setzt mich an einen Computer, welcher gerade hängt. Kann es ja mal geben. Ich soll meine Daten, die auf allen mitgebrachten Formularen auch stehen, neu eintippen. Gesagt getan. Der Computer hängt schon wieder, meine Daten sind verschwunden. Wenigstens nicht auf ewig, sie tauchen nach kurzem Zittern und Bangen wieder auf. Doch die nächste Hiobsbotschaft taucht schon auf: es fehlt noch ein Gesuch meines Professors für den 2. Referenten. Kann ja nicht angehen, dass eine Professorin einer anderen Uni einfach so, ohne Gesuch, an der hiesigen Uni referiert. Ich habe nun Gesuch an den Professor gestellt, ob er ein Gesuch stellen könnte.
Es scheint, man muss den Doktor hart verdienen. Formalismus heisst die hohe Hürde. Ich hoffe, ich knacke die auch noch.