Puccini: La Fanciulla del West in Zürich

Gestern war ich in der Oper. La Fanciulla del West von Puccini. Vor vielen Jahren (Zahlen lassen wir hier mal sein) kürte ich Puccini zu meinem Lieblingskomponisten – was Opern anbelangt. Diese war mir bis dato unbekannt. Dazu gekommen bin ich wie die Jungfrau zu Kinde. Ich wollte den Gratis-Rigoletto auf dem Sächsilüte-Platz in Zürich schauen, doch die Sonne brannte und der designierte Mitschauer warf eine Oper nach Wahl im sonnengeschützten Opernhaus in die Waagschale. Und es lief nur die – zu Zeiten, die mir passten.

Da im Schrank schon lange ein Kleid wartete, das getragen werden wollte, sagte ich zu und war gespannt. Ich wurde nicht enttäuscht. Eine Goldgräbergeschichte mit allem, was dazugehört. Whiskey, Kartenspiel, Heimweh, Liebe – alles war dabei. Dazu die glockenklare Stimme der Minnie und der enorm stimmgewaltige Mr. Johnson – der gar nicht derselbe war, sondern ein gesuchter Verbrecher. Die Melodien waren wunderbar, die Emotionen gross.

Ich hätte die Oper nie gewählt, wären mehrere zur Auswahl gestanden, ich bin froh, tat ich es. Es war ganz grosse Musik, die Qualität der Aufführung überzeugte sehr, die Literarizität der Geschichte ist schön, der Plot ist nicht gar zu durchsichtig, sondern lässt ein wenig Spannung offen. Absolut empfehlenswert. Wer es schafft, in Zürich ist, soll vorbei gehen.

Und als Fazit lässt sich sagen: Manchmal verhelfen einem ungeplante Situationen zu ganz tollen Erlebnissen. Man sollte nicht nur immer dem Bekannten nachjagen, sondern auch mal Neues erkunden.

FotoMein Dank geht an meine Begleitung, die nicht nur (meinem Wunsch nach gekleidet) umwerfend aussah, sondern mir einen Abend bescherte, wie ich ihn mir kaum schöner hätte wünschen können. Das war bestimmt nicht mein letzter Besuch im Opernhaus. Mein Plan, mich noch mehr mit den verschiedenen Kulturangeboten der Stadt Zürich auseinanderzusetzen, hat ganz stark an Boden gewonnen.

 

Hier kann man die Oper online schauen:

Mehr Informationen zur Oper: La Fanciulla del West

Wer ich bin und was ich will

Ich bin von Grund auf ein nachdenklicher Mensch. Hinterfrage viel, das Leben und vor allem mich selber. Immer wieder lege ich auf den Prüfstand, was sich einfach so bietet im Leben, höre dabei oft, ich denke zu viel.  Ich kann nicht aus meiner Haut.

Als  mein Mann und ich uns trennten, verlor ich nicht nur meine Familie, wie ich sie mir vorstellte, sondern auch die ganze an meinem Mann hängende Familie. Irgendwie gehörte die nicht mehr zu mir, zumal schon eine neue Frau an meines Mannes Seite stand, die nun eben da rein gehörte. Der Kontakt wurde weniger, wenn überhaupt, bestand er nur noch über meinen Sohn, der noch immer in dieser Familie zu Hause war. Seine Grosseltern waren ihm nahe und sollten es bleiben.

Mein Schwiegervater wurde krank. Ich erfuhr davon von Ferne, blieb aber in eben dieser, da ich nicht in etwas hinein wollte, das nicht mehr meines war. Die Krankheit wurde schlimmer, sie führte zu einem Punkt, an dem klar war, dass es nicht mehr gut, sondern langsam aber sicher dem Ende zu gehen wird. Da konnte ich nicht mehr fern bleiben, ich ging zu ihm. Ich sah, was ich ihm (immer noch) bedeutete und spürte, was er mir bedeutete. Ich bin froh, habe ich den Schritt gemacht, auch wenn es nun sehr schmerzhaft ist, ihn gehen zu sehen.

Das Ganze lässt mich nicht kalt, es hat viel bewirkt. Ich bin noch nachdenklicher geworden. Hinterfrage mich und mein Leben, wie es war. Frage mich, was kommt und was ich von diesem Rest des Lebens haben möchte. Es ist endlich. Das ist mir bewusst. Ich habe keine Angst vor meinem eigenen Tod. Lange fürchtete ich ihn, weil ich ein Kind habe. Dieses wird nun selbständiger, es käme klar. Insofern: Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Nicht, dass ich es mir wünschte, aber es ist kein Drama für mich, dass es so sein könnte.

Was habe ich gelernt? Ganz vieles, dies nur ein Teil davon:

  • Das Leben ist endlich – man muss es leben, wenn es da ist
  •  Man sollte sich dann für die Menschen Zeit nehmen, die einem wichtig sind, wenn sie da sind – es könnte zu spät sein sonst
  • Dinge immer nur aufzuschieben, weil ja alles Zeit hat, könnte ein Aufschub für immer sein –zudem verschenkt man schlicht Zeit damit
  • Man sollte mit seinen Gefühlen nicht hinterm  Zaum halten, es könnte sein, dass sie erwidert werden, ohne dass man es weiss
  • Das Leben ist zu kurz für Spiele
  • Das Leben ist zu kurz für faule Kompromisse
  • Selbst wenn alles traurig ist, es gibt immer etwas Schönes, Wichtiges, Lehrreiches in allem
  • Finde heraus, was du wirklich willst und geh den Weg

Habe ich was vergessen? Vermutlich ganz viel. Ich sehe einiges klarer heute, bereue gewisse Entscheidungen, Handlungen, Versäumnisse, werde sie nicht rückgängig machen können. Alles hat mich an den Punkt gebracht, an dem ich heute bin. Was bleibt ist, ehrlich zu mir selber zu sein, hinzuschauen, wo Fehler passierten, die mir selber einzugestehen (wenn möglich und nötig auch anderen gegenüber) und die Zukunft anzugehen. Ehrlich, mutig, authentisch.

Eigentlich

Eigentlich wäre ja alles anders geplant gewesen. Ich hätte studiert, den perfekten Mann gefunden, ein Kind gekriegt, ein Haus gebaut, wäre glückliche Hausfrau gewesen, hätte meine Projekte gemacht und ansonsten den Garten bewässert, den Haushalt geschmissen, das Kind erzogen, den Mann beglückt. Das war mein Traum. Eigentlich.

Nun mag man einwenden, dass dies ein eher veraltetes Ansinnen sei, dass man, wollte man das tun, auch gar nicht studieren müsste, sondern gleich die Schürze umbinden könnte. Trotzdem war es mein Traum und bei aller Unlogik und Antiquiertheit war er genau so! Und da gehörte all das zu diesem Traum dazu. Eigentlich.

Ich habe gut begonnen, das Studium habe ich gemacht, den Mann kennengelernt. Er war nun nicht wirklich perfekt. Ich auch nicht. Das Kind kam. Also wieder auf Kurs. Doch dann war der Mann weg – oder ich – vermutlich beide. Aus dem Haus wurde nix, die Projekte starben an täglichen Notwendigkeiten. Haushalt machte ich nie gerne und das blieb bis heute so. Und der grüne Daumen hat sich auch noch nicht gebildet, was mangels Garten aber kein Problem ist, die Zimmerpflanzen gehen bei uns ein und aus. So gesehen: eigentlich alles falsch. Eigentlich.

Eigentlich könnte man nun sagen, das war’s, gescheitert. An den Träumen, in der Realität. Allerdings ging das Leben weiter und es hatte gute Zeiten. Auch andere, die gehören aber wohl dazu. Die wären auch im Traumleben so gewesen, da ein zur Realität gewordener Traum immer den lebendigen Herausforderungen ausgesetzt ist. Und eigentlich ist es auch gut so. Klar, ich träume noch heute ab und an vom Familien-Haus-Garten-Leben mit Projekten und Kuchenduft in der Küche, blicke auch mal wehmütig zurück und frage mich, wo die Abzweigung falsch war, was gewesen wäre, wenn ich dann oder wann anderes gewesen wäre, anders gehandelt und entschieden hätte. Und schaue dann wieder nach vorne und gehe weiter.

Eigentlich war also alles anders gedacht gewesen. Und nun sitze ich hier und alles ist so, wie es ist und damit anders, als ich es gewollt hatte. Und ich werde wohl nie mehr dahin kommen, wo ich hin wollte. Weil das Leben kein Traum, sondern eben Realität ist. Das muss aber auch gar nicht schlecht sein, denn wären meine Träume in Erfüllung gegangen, wäre mir ganz viel in meinem Leben nicht passiert, auf das ich nicht verzichten wollen würde. Ich wäre Menschen nicht begegnet, die mir viel bedeutet haben, und auch denen nicht, die mir heute was bedeuten, weil ich ganz andere Wege gegangen wäre. Ich hätte viele Erfahrungen nicht gemacht, die mich im Leben weiter gebracht haben, dahin, wo ich heute bin. Nicht alle waren schön, nicht alle waren erträumt, einige waren sogar ziemlich übel, traurig, schrecklich. Und doch haben sie alle etwas in meinen Rucksack gepackt, den ich tagtäglich durchs Leben trage, auf den ich zurückgreifen kann, wenn ich auf Situationen stosse und etwas davon brauche.

Eigentlich ist also alles gut. Eigentlich.

 

 

Lufträume

Wenn man sich ständig zurück nimmt, um anderen Raum zu geben, nimmt man sich irgendwann selber die Luft zum Atmen.

Eigentlich sollte er da fertig sein. Doch dann drängte sich was dazu:

…während diese sich wohlig ausbreiten und zufrieden seufzen.

Zusammen ergab das:

Wenn man sich ständig zurück nimmt, um anderen Raum zu geben, nimmt man sich irgendwann selber die Luft zum Atmen, während diese sich wohlig ausbreiten und zufrieden seufzen.

Ich wollte den zweiten Teil wieder löschen, weil Aphorismen kurz und bündig besser sind als lang und ausschweifend. Man müsste sie dann fast in noch mehr Worte packen und daraus Artikel schmieden. Danach war mir nicht. Es war nur der eine Satz, der zählte:

Wenn man sich ständig zurück nimmt, um anderen Raum zu geben, nimmt man sich irgendwann selber die Luft zum Atmen.

Er kam so über mich, er musste raus. Und doch, der Nachtrag blieb hartnäckig. Irgendwie gehörte er dazu:

…während diese sich wohlig ausbreiten und zufrieden seufzen.

Und so steht am Schluss doch:

Wenn man sich ständig zurück nimmt, um anderen Raum zu geben, nimmt man sich irgendwann selber die Luft zum Atmen, während diese sich wohlig ausbreiten und zufrieden seufzen.

Alltagsmensch – Unterdrückte Eigenheiten

Ich bin ein Alltagsmensch. Drum gehe ich auch nicht gerne in den Urlaub. Urlaub ist für mich nicht Erholung wie für andere Menschen, Urlaub ist für mich Stress. Er reisst mich nicht nur aus meinem Alltag heraus, er reisst mich- wenn ich weggehe – auch aus meiner Umgebung. Ich habe die Dinge, die mein Leben begleiten, nicht mehr um mich und damit geht für mich ein Stück meines Lebens, meiner Sicherheit, verloren. Ich fühle mich haltlos, weil ich nicht mehr einfach auf meine Dinge zurückgreifen kann. Ich fühle mich unsicher, weil ich nicht einfach meine Wege gehen und die Dinge tun kann, die ich tue, wenn ich mich danach fühle, sie zu tun. Dies, weil sie entweder nicht da sind oder aber einfach die Umstände so sind, dass es nicht geht. Ich fühle mich unbeholfen, weil ich nicht mehr weiss, was ich nun wann, wie machen soll und kann und darf. Und selbst wenn es heisst, ich dürfe alles, wie zuhause, ist es nicht so wie zuhause. Mein Zuhause ist meine Burg, mein sicherer Hafen. Und ich brauche ihn.

Das scheint für andere Menschen schwer verständlich zu sein. „Geniesse den Abstand“, „Geniesse, das Nichtstun“, „Geniesse die Ferien“ – alles Tips, die man kriegt. Den ungläubigen Blick und die Verständnislosigkeit in der Stimme gibt es gratis obendrauf. Wie kann man nur nicht gerne im Urlaub und auf Reisen sein? Ich bin gerne auf Reisen, wenn ich ständig irgendwie beschäftigt bin, Neues sehe, Programm habe, das mich möglichst nicht nachdenken lässt. Sobald die Beschäftigung aufhört, kommt die Leere, die ich zu Hause nicht kenne. Dann kommt das Gefühl, irgendwo verloren zu sein. Ich kann das zwar unterdrücken und mich mit Büchern und Computern, notfalls mit dem Fernseher beschäftigen. Das klappt aber nicht ewig und in mir macht sich eine grosse Trauer, Frustration, Hilflosigkeit breit. Und Heimweh.

Bin ich komisch? Mag sein. Bin ich unnormal? Auch das kann durchaus sein. Aber ich bin nun mal, wie ich bin und muss mit diesem Zug zurecht kommen. Ich habe mich immer schlecht gefühlt, weil ich bin, wie ich bin, mich verurteilt dafür, mit mir geschimpft, weil man so ja nicht sein kann. Und ich fühlte mich in dieser Selbstverurteilung im Recht, wurde sie mir doch von aussen als richtig bestätigt, was sich im Unverständnis anderer Menschen deutlich ausdrückte.

Das Problem ist jedoch: Es kann noch so unnormal sein, es ist, wie es ist. Indem ich es unterdrücke, mache ich es nicht besser, ich werde dadurch keine andere, ich leide einfach. Und das Leiden wird grösser. Und es erdrückt. Teilweise körperlich spürbar. Was man unterdrückt ist ja nicht einfach weg, es ist noch immer da und es hat noch immer die Eigenart, die es hat. Das Unterdrücken hält nur den Deckel drauf, kann aber nicht auf Dauer funktionieren. Langsam fängt das Unterdrückte gegen den Deckel zu drücken an, es wird stärker, will raus, versucht, den Deckel zu heben. Der Druck des Zuhaltens fördert den Gegendruck des Ausbrechenwollens. Bis irgendwann der eine nachgibt. Im besten Fall der Deckel, dann kommt es zu einer Explosion. Im schlimmsten Fall die eigene Seele– dann kommt es zu einem zerbrochenen Menschen. Ob das nicht ein zu grosser Preis dafür ist, normal sein zu wollen und von anderen so gesehen zu werden, muss jeder für sich selber entscheiden.

Alltagsmenschen

Ich bin ein Alltagsmensch. Daneben gibt es Abenteuermenschen, Menschen, die Neues erleben wollen, müssen, es gar suchen. Sie sind die coolen. Ich bin ein Alltagsmensch. Ich mag die Dinge absehbar. Mag es, zu wissen, was kommt, wie es kommt, wann es kommt. Damit ich mich einstellen kann.

Alltagsmenschen sind langweilig. Sie sollten was wagen. Sich dem Leben hingeben, dahin treiben, sich gehen lassen. Man wisse eh nie, was komme, das Leben gehe seine eigenen Wege. Heisst es. Aber ich kann das nicht. Ich will mein Leben absehbar haben. Das gibt mir Halt. Ich muss nicht wissen, was genau kommt. Ich weiss, dass ich das nicht kann. Aber gar nichts zu wissen, das macht mich unruhig. Unruhe ist das schlimmste Gefühl für mich. Unruhe bringt Ängste hoch, bringt Unsicherheiten mit sich. Unruhe lässt mich nicht schlafen, nicht arbeiten, nicht klar denken. Sie reibt mich auf.

Ich bin ein Alltagsmensch. So einer, der gerne seinen Trott hat und ihn durchzieht. Einer, der in neuen Gegebenheiten schnell einen neuen Trott sucht. Um sich wieder heimisch zu fühlen. Einer, der das Neue zuerst ablehnt, weil es neu ist, der sich mit Neuem erst anfreunden muss. Der sich dann doch drauf einlässt, vor allem, wenn es eigentlich gewünscht ist. Und dann auf dem schmalen Grat balanciert zwischen Wunsch, Wohlgefühl und Nachhaltsuchen.

Ab und an schelte ich mich, weil ich weiss, dass Neues zum Leben gehört. Und ich zähle mir selber die vielen Momente auf, in denen das Neue toll war, ich im Nachhinein sagen musste, dass ich mir umsonst Gedanken gemacht hatte. Dann nehme ich mir vor, mich Neuem gegenüber offener zu zeigen, das Leben dahin plätschern zu lassen. Und stosse an meine Grenzen. Weil ich bin, wie ich bin. Ein Mensch, der sein Zuhause, seinen Hafen, seinen Halt braucht. Den sicheren, von dem aus er ausschwärmen kann. Im Wissen, der Hafen ist da, er ist die Basis, das, was trägt. Zu viel Neues, zu viel Unruhe, zu viel Nichtwissen untergräbt. Weil ich eben Alltagsmensch bin. Kein Abenteurer. Nicht cool. Einfach ich.

Schule in Zürich – der ganz normale Wahnsinn

Kind brachte heute eine Deutschprüfung heim. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, mich nicht mehr zu wundern (schon gar nicht aufzuregen). Zweiteres klappt einigermassen, am Wundern arbeite ich noch. Was ist passiert? Thema der Prüfung waren die Fälle. Aufgabe 2 lautete: Ersatzprobe. Nun kennt man die von früher, man kann, um einen Fall zu ermitteln, das entsprechende Wort durch das Fragewort wer, wen, wem oder wessen ersetzen und weiss dann, ob das Wort im Nominativ, Akkusativ, Dativ oder Genitiv steht.

Kindes Lehrerin war das zu banal. Die Ersatzprobe sollte in dieser Prüfung nicht durch das entsprechende Fragewort passieren, sondern durch der, den, dem oder des Esel(s).

Beispiel gefällig?

Das glückliche Schwein erhält einen neuen Stall.

________________ erhält ______________ .

 

Man ahnt wohl schon Böses. Von den Kindern wurde in der Tat gefordert, die Lücken hier folgendermassen zu füllen:

Der Esel erhält den Esel.

Noch ein Beispiel?

Bestimmt kommt Sandro morgen mit uns ins Schwimmbad

Bestimmt kommt _______ morgen mit _______ ins Schwimmbad.

Lösung: Bestimmt kommt der Esel morgen mit dem Esel ins Schwimmbad.

Das Kind konnte bei den Sätzen wenig Sinn ermitteln und hat mit wer, wen, wem und wessen ersetzt. Das wurde ihm falsch angerechnet, was nun die Note ziemlich runterzog. Irgendwie bin ich doch stolz auf meinen Sohn, hat er sich nicht gedankenlos diesem sprachlichen Unsinn gebeugt. Verstanden hat er alles und darauf kommt es (mir in diesem Fall) an. Ich hoffe, das nächste Jahr, das doch ein wichtiges sein wird (notenmässig), wird etwas vernünftiger, zumindest wechselt dann der Lehrer. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Dankbarkeit

Oft gehen wir durchs Leben, hadern mit diesem und jenem, meist Kleinigkeiten, an denen wir uns aufhängen, und sehen nicht, was alles gut ist, wofür wir eigentlich dankbar sein könnten. Dankbarkeit ist so etwas, das unglaublich gut tut, auch ein wenig demütig macht, wenn man erkennt, was alles ist, weil man sieht, dass man zu vielem keinen Beitrag leistete, vieles als selbstverständlich annahm, ohne es zu schätzen. Genau hingeschaut zeigt sich grosses Glück – Glück, für das viele froh wären, während wir es hinnehmen und uns dem Hadern hingeben. Drum hier meine (unvollständige) Liste der Gründe, dankbar zu sein:

  • Ich bin geliebt und liebe
  • Ich habe Menschen um mich, die mir viel bedeuten und auf die ich bauen kann
  • ich bin gesund
  • ich habe ein Dach über dem Kopf
  • mir geht es so gut, dass ich diesen Text am Computer schreiben kann (ich habe also einen Computer, kann schreiben, kann meine Gedanken in Worte fassen, habe Internet, alles zu publizieren und es funktioniert sogar)
  • Ich habe einen gesunden Sohn
  • Ich habe Eltern, die sich um mich kümmerten, so dass ich auf eine heile Kindheit zurück blicken kann
  • Ich hatte die freie Wahl, welchen Bildungsweg ich einschlug
  • ich lebe in einem freien Land
  • ich lebe in einem wunderschönen Land
  • ich kann wählen, was ich esse (und sogar drüber diskutieren, was nun vertretbar sei und was nicht)
  • ich kann tun, was ich liebe
  • ich kenne Momente, in denen ich die ganze Welt umarmen möchte
  • ich kann manchmal sogar den gegenteiligen Momenten etwas Positives abgewinnen
  • ich lerne jeden Tag etwas dazu
  • ich bin gut so, wie ich bin (wer das nicht so sieht, soll sich wo anders aufhalten)
  • ich kann noch viel lernen (es wäre ja langweilig sonst – allerdings gebe ich das selten so zu)
  • es geht mir verdammt gut
  • ich habe die Möglichkeit, Genussmensch zu sein
  • ich bin, wie ich bin, werde dafür weder verbrannt, gesteinigt oder sonst irgendwie malträtiert
  • und selbst wenn ich nicht jedermanns Geschmack bin, darf ich so bleiben
  • Die Natur hat es verdammt gut mit mir gemeint
  • …..

Ich bin übrigens dankbar für jede Ergänzung, die euch in den Sinn kommt. Ich hoffe, dass Menschen das lesen und merken, dass es so viel gibt auf dieser Welt, für das man dankbar sein kann. Vielleicht relativiert das ein wenig das, womit man hadert. Und wenn es nur für einen Bruchteil einer Sekunde ist.

Offener Brief an die Zürcher Bildungsbehörde

Sehr geehrte Damen und Herren

In Zürich dürfen Kinder nicht von ihren Eltern unterrichtet werden, wenn diese kein pädagogisches Diplom haben. Zumindest nicht länger als ein Jahr und das nur mit Gesuch, welches bewilligt werden muss. Nun geht mein Sohn in eine Zürcher Schule. Als wir her zogen, kriegte die Klasse eine neue Lehrerin, die frisch ab Presse schon bald vom Beruf überfordert war. In der Klasse herrschte Unruhe – Gewalt, Rassismus, Mobbing waren an der Tagesordnung. Ein neuer Lehrer kam, es wurde nicht besser, der Lehrer ging auch bald wieder. Zurück blieb eine aufgewühlte Klasse ohne Lehrer, Vertretungen gaben sich die Klinke in die Hand.

Das Gewaltproblem kriegte man in den Griff, das Lehrerproblem nicht. Es kamen nach etlichen Vertretungen statt einer gar zwei Lehrerinnen. Eine für Französisch, hatte die Klasse doch einen enormen Rückstand zum Lehrplan, die andere für den Rest. Lehrerin eins hat ein Jahr Lehrerausbildung von dreien hinter sich, spricht Deutsch mit stark ausgeprägtem, französischem Einschlag. Lehrerin zwei hat zwei Jahre Ausbildung von dreien hinter sich, spricht zwar breiten Dialekt, schriftlich ist ihr Deutsch auch eher mangelhaft. Das allein wäre zwar bedenklich,  könnte aber noch akzeptiert werden. Die Frage, wieso solche Menschen ohne Abschluss ganze Klassen unterrichten dürfen, Eltern mit abgeschlossenem Studium und Zusatzausbildung ihr eigenes Kind aber nicht, lassen wir mal aussen vor, auch wenn sie brennt.

Es kommt – als wäre alles nicht genug – noch was dazu: Die Hauptlehrerin ist ständig krank. Zurück bleibt eine fünfte Klasse, die nun aufgeteilt und in andere Klassen gesteckt wird. Mein Sohn sitzt mittlerweile Woche für Woche in der ersten Klasse. Lehrerin zwei ist ab und an da, dann hat die Klasse Französisch, denn mehr unterrichtet diese nicht. Dass in der letzten Deutschprüfung nur drei Schüler genügend waren, spricht eine klare Sprache. Wie die nächste besser werden soll, ist mir ein Rätsel.

Anfragen an die Schulleitung werden abgeschmettert, es heisst, man hätte alles im Griff, täte das Beste. Einwände und konkrete Beispiele von Fehlern werden beleidigt abgetan, passieren tut nichts. Dass einige Schüler die Klasse schon verliessen, weil die Eltern die Zukunftsaussichten gefährdet sahen, spricht für sich, allerdings kann es nicht angehen, dass man Kinder in Privatschulen stecken muss, nur weil eine staatliche Schule dermassen versagt und sich allen Kritiken, Anfragen, sogar Hilfsangeboten verschliesst. Die sechste Klasse steht vor der Tür, eine Tür, die gleichzeitig den Weg öffnet in die Zukunft. Wo soll das hinführen?  Muss man wirklich wegziehen, wenn man das eigene Kind nicht in seiner Schullaufbahn behindert sehen will?

Man kann nun einwenden, das sei ein Einzelbeispiel, allerdings hörte ich schon von ähnlich gelagerten Fällen. Die Schulpsychologin sprach von „nicht gravierenden Abweichungen von anderen Klassen“. Meine Erfahrung nach einigen Umzügen, wodurch ich auch Einblick in diverse Klassen in den Kantonen Bern und Aargau gewann, sprechen eine andere Sprache: Ich habe noch nie eine dermassen aus dem Ruder laufende Schulsituation erlebt, sah mich noch nie mit so unfähigem Schulpersonal konfrontiert.  Fehler passieren, Schwierigkeiten und Engpässe kann es geben. Lehrermangel ist ein bekanntes Problem und man kann keine Lehrer aus dem Ärmel schütteln, trotzdem muss eine Lösung her und zwar schnell. Es besteht ein Grundrecht auf Bildung und das sehe ich in dem Fall stark beeinträchtigt. Fünftklässler, die in ersten Klassen sitzen, werden nicht gefördert, nicht gefordert, sondern abgestellt. Dafür zahle ich keine Steuern und das ist nicht das, was ich mir für mein Kind wünsche.

Die Frage bleibt: Wohin geht der Weg?

Mit freundlichen Grüssen

Eine besorgte Mutter

Zeit

Sie fliesst. Ruhig und stetig. Immer gleich. Und doch erscheint sie lange, wenn wir warten, kurz, wenn wir geniessen, möchten wir sie anhalten, wenn der Augenblick ein schöner ist, möchten wir sie vorwärts treiben, wenn wir etwas ersehnen. Wir verschwenden sie teilweise, sie wird uns gestohlen, sie ist mal reif, mal noch nicht. Wir denken an gute alte Zeiten oder hoffen auf bessere. Wir denken, dass mit der Zeit auch Rat kommt und sie alle Wunden heilt. Wir lassen uns Zeit oder haben keine, brauchen mehr davon, weil sie uns davon rennt. Manche sind ihrer Zeit weit voraus, andere hinken ihr hinterher. Zeit ist in aller Munde, wird gedehnt, gekürzt – und fliesst doch eigentlich gemächlich dahin – so es sie denn wirklich gibt, wenn sie nicht eigentlich nur ein Konstrukt des Menschen ist, der die Kontinuität seines Lebens in ein Mass pressen will, damit er sie sieht, erfassen und (vermeintlich) verstehen kann.

Neben dem absoluten Zeitbegriff, der in Sekunden, Minuten, Stunden, Tagen, und so weiter sich ergiesst, gibt es also einen relativen, einen, den wir empfinden, mit dem wir uns auseinandersetzen. Das allein ist nicht wirklich schlimm, es ist menschlich, schwierig wird es da, wo zwei Menschen aufeinander treffen und ihre Vorstellung von Zeit mitbringen. Dann will der eine sich plötzlich Zeit lassen, während dem anderen die Zeit davon rennt, der eine denkt, die Zeit sei reif, während der anderen findet, alles hätte noch ganz viel Zeit. Und so streiten die beiden über die Zeit, wollen sie mal anhalten, mal antreiben, finden, es sei genug Zeit vergangen oder eben viel zu wenig.

Und während sie so hadern und um Zeit und Worte und Verständnis ringen, vergehen Sekunden, Minuten, Stunden, im schlimmsten Fall Tage, Wochen, Monate, in denen sie das Miteinander hätten geniessen können. Und wer weiss: Vielleicht wäre mit der Zeit Rat gekommen. Ganz von selbst.