Thomas Mann (6. Juni 1875 – 1955)

„Der Mensch soll um der Güte und Liebe willen dem Tode keine Herrschaft einräumen über seine Gedanken.“
(Der Zauberberg)

Heute würde Thomas Mann 143 Jahre alt – für mich ein ganz Grosser.

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IMG_2401.JPGPaul Thomas Mann, wie Thomas Mann eigentlich hiess, wird am 6. Juni 1875 in Lübeck geboren. Seine Familie gehört zur besseren Gesellschaft, der Vater ist Inhaber einer Getreidehandlung, hat später verschiedene Ämter inne, seine Mutter stammt aus einer wohlhabenden deutsch-brasilianischen Kaufmannsfamilie. Neben Thomas hat die Familie noch folgende Kinder: Heinrich (1871), Julia (1877), Carla (1881) und Viktor (1890).

Man kann seine Kindheit wohl eine – der Zeit ensprechend – unbeschwerte nennen, schwieriger wird es in der Schule, wo er eher mässig begabt oder interessiert ist, so dass er verschiedene Klassen mehrfach absolviert und schliesslich 1894 ohne Abitur abgeht. Er ist mit dieser Schulkarriere nicht allein, schon Heinrich ist vor dem Abitur ausgetreten und arbeitet beim Schulaustritt seines Bruders bereits als Volontär beim S. Fischer Verlag in Berlin. Bis zum Schulaustritt lebt Thomas bei verschiedenen Lehrerin in Pension, ist doch seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes, Thomas Manns Vater, und…

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Normkonform

Wenn Dinge nicht so laufen, wie man es gerne hätte, sucht man einen Schuldigen. Den findet man oft schnell – man nimmt den, der sich am besten anbietet. Heute ist das wohl: Die Schule. Missstände, wo man hinschaut. Lehrer, die nichts taugen, Lehrpläne, die dem nicht nachstehen. Man könnte es nicht besser, aber he: Man muss ja auch nicht.

Schule ist landläufig das, wo alles falsch läuft. Dass es so nicht sein kann, liegt auf der Hand, aber doch: Es ist nicht alles nur toll. Kinder werden im Gleichtakt geformt, der Gleichtakt ist genormt, es gibt Listen, aus denen man ablesen kann, wann ein Kind was können muss – kann es das nicht, ist es ausser der Norm, damit eine Gefahr für diese und zu therapieren. Therapie ist generell das Zauberwort. Heute kann man alles therapieren. Egal ob man zu dick, zu dünn, zu klein, zu gross, sexuell aktiv oder nicht ist. Egal, ob man trinkt, nicht trinkt, zu viel trinkt, das falsche trinkt, extrovertiert, nicht extrovertiert genug ist – es gibt eine Therapie.

Geht man dann hin, kann man zusammen mit anderen ebenso vom Weg Abgekommenen  Bäume streicheln, das Miteinander fühlen und malend das eigene Ich wiederfinden. Man nimmt sich an den Händen, tanzt im Kreis, lächelt dabei selig. Es erschliesst sich nicht ganz wozu, aber das muss wohl dieses „Normal“ sein, denn die Anleitende tut es auch. Bloss nicht aus der Reihe tanzen, denn all das hat nur ein Ziel: Zur Norm zurückzukommen.

Wer nicht spurt, der ist ausser der Spur, dem muss man auf diese zurück verhelfen. Man kann sogar aus der Therapie ganz aus der Spur fallen, wenn man sich nicht willig genug zeigt. Wie heisst es so schön: Und bist du nicht willig – oh nein… Gewalt geht gar nicht. Lieber Gruppenkuscheln auf Kommando und ohne Ausweichmöglichkeiten als den leichten Klaps auf den Hinterkopf, der das Denkvermögen anstossen könnte. Denn: Selber denken geht nicht, es könnte die Norm sprengen. Kuscheln geht immer – nur nicht zu viel, es könnte sonst auch wieder Normen verletzen.

Im Zeitalter der politischen Korrektheit und der ach so sensibilisierten Gemüter muss man gleich hinterher sagen, dass man natürlich Klapse für überholt und Gewalt für nicht angebracht hält. Wo kämen wir hin, wenn jeder einfach jeden zum Denken prügeln würde. Wenn jeder jeden dazu anhalten würde – so ganz ohne gesellschaftliches Dafürhalten und obrigkeitlichen Antrieb -, das eigene Hirn zu gebrauchen.

Chaos. Es bräche aus. Keiner wüsste, was der andere tut und die, welche es gerne wissen – und vor allem bestimmen – wollten, sähen ihre Pfründe dahinschwimmen. Drum presst man gerne Kinder in Schemen, so wie diese früher farbige Holzklötzchen durch entsprechende Löcher klopften mit einem kleinen Hämmerchen. Man muss nicht stark hauen, Gewalt verabscheuen wir ja, es muss nur passen. Und was nicht passt, wird passend gemacht.

Ich erinnere mich an dieses Puzzle. Blauer See unter blauem Himmel. Wunderschön anzusehen. Beim zusammensetzen erwiesen sich die Blautöne als sehr schwer auseinander zu halten, das Ganze überforderte bald meine Geduld. Ich ertappte mich beim Gedanken, es passend zu machen durch leichten (und immer etwas schwereren Hieb mit der rechten Handkante). Am Schluss sässe alles – ok, es hätte Luft. Aber es wäre blau. Und ich war froh, nicht mehr Kind zu sein, erinnerte ich mich doch gut an Mütter, die prahlten, dass ihre Kinder schon als Embryos im Bauch Puzzles von unvorstellbarer Grösse mit der Rückseite nach oben zusammengesetzt hätten.

Als heutiges Kind sässe ich wohl beim Therapeuten, nun schreibe ich hier meine Texte.

Das elektronische Zeitalter

Frau M. aus Z. kaufte einen Drucker. Online. Er kam, er funktionierte – 3 Monate. Dann war er tot.

Frau M. dachte: „Das kann es nicht sein?!“

Frau M. schrieb dem Lieferanten eine Mail, dass der Drucker in der Garantiezeit das Zeitliche gesegnet hätte (klar, weniger blumig, man passt sich ja an).

Es kam auch Antwort: „Sehr geehrte Frau M. Folgen sie folgendem Link, füllen Sie alles aus und drucken sie schliesslich den Lieferschein aus. Packen Sie den Drucker dann ein und schicken Sie ihn an die angegebene Adresse.“

Frau M. schluckte leer, las nochmals, schluckte wieder. Sie hub dann in die Tasten.

Sie schrieb: „Sehr geehrte Damen und Herren, da mein Drucker soeben den Dienst verweigerte, bin ich nicht in der Lage, das von Ihnen geforderte Dokument auszudrucken. Zudem sehe ich es nicht ein, dass ich das Gerät auf eigene Kosten einschicken soll.“

Frau M. hatte Glück. Es kam eine Antwort. Natürlich übernehme man die Kosten. Man schicke ihr sofort ein frankiertes Rücksendeetikett zu. Tat man auch. Elektronisch, zum Ausdrucken.

Frau M. dachte, dass es das nun wirklich nicht sein könne. Sie rief also die Hotline an. Sie durfte sich da von einer spöttischen Stimme anhören, dass man im elektronischen Zeitalter sei, wo alles papierlos funktioniere. Frau M. versucht nun, den Drucker ans Mail zu hängen.

Es kommt schon gut

Als mein Vater krank wurde, war sein wohl meist gesagter Satz (er sprach generell nicht sehr viel):

Das kommt schon gut.

Und ja, wir wollten das alle glauben. Die Einen wollten mehr, die anderen glaubten mehr. Und er? Glaubte er? Wollte er es glauben? Wollte er uns überzeugen? Man weiss es nicht so genau. Er war nie ein offenes Buch, eher eines mit sieben Sigeln.

Heute sagt meine Mutter den Satz oft – immer mit dem Nachsatz, dass Papa das immer gesagt hätte. Und ja, wieder glauben wir es und wollen es glauben. Die Frage, die sich ja bei allem immer stellt, ist:

Was ist gut?

Und vor allem:

Wann wissen wir, ob es nun gut ist?

Auf Søren Kierkegaard geht der Ausspruch zurück:

„Verstehen kann man das Leben nur rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“

Menschen sterben, Lieben zerbrechen, Hoffnungen platzen – jeder Mensch durchläuft diese Stadien, meist mehrfach. Und immer geht das Leben weiter, auch wenn man ab und an (anfänglich) denkt, dass es das nun war. Irgendwann blickt man zurück und sieht, dass aus Dingen, die einst als grosses Unglück schienen, auch Gutes entstand oder sie zumindest aus der einen oder anderen Perspektive etwas Gutes in sich trugen: Der Mensch, der starb, hätte unnötig gelitten, mit dem Menschen, der die Liebe aufkündigte, wäre man nicht glücklich geworden, aus den Steinen im Weg konnte man etwas Neues aufbauen.

Es gibt noch so einen schönen Satz:

„Am Ende wird alles gut. Und ist es nicht gut, so ist es nicht das Ende.“

Er gründet wohl auf dem Prinzip Hoffnung. Ich denke, die Hoffnung ist es, die einen immer wieder überleben lässt. Es heisst zwar in der Bibel, dass am Schluss Glaube, Liebe, Hoffnung bleiben, die Liebe das Grösste sei. Ich denke auch, dass die Liebe das Grösste überhaupt ist, aber: Ohne Hoffnung würde man wohl vieles nicht überstehen.

Matthieu Ricard: Glück

Glück als Geisteshaltung

RicardGlückWas Glück ist und wie man es finden kann, darüber haben die Menschen über Jahrtausende nachgedacht, Thesen aufgestellt, Definitionen verfasst. Dass die Fragen nach dem Glück nicht leicht zu beantworten seien, glaubt man darin zu sehen, dass die Literatur ganze Regale füllt und doch nicht alle Menschen glücklich sind. Die Anleitungen scheinen also nicht zu fruchten – oder die Menschen halten sich nicht an die Anleitungen.

Auch Matthieu Ricard beschäftigt sich im vorliegenden Buch mit dem Glück. Aus buddhistischer Sicht versucht er darzulegen, was Glück ist und wie man es nach buddhistischer Auffassung erlangt. Das Fazit ist eigentlich ein einfaches:

Glück ist in uns allen angelegt, wir erlangen es nicht, indem wir den Dingen im Aussen nachrennen.

Glück ist ein Zustand innerer Erfüllung, nicht die Befriedigung des unerschöpflichen Verlangens nach äusseren Dingen.

Will man sich also auf die Suche nach dem Glück machen, gilt es, die Sicht von aussen nach innen zu verlagern und den eigenen Geist zu schulen. Wir müssen erkennen, wie der Geist funktioniert und vor allem, was uns gut tut und was nicht. Das klingt einfach, ist aber eine langwierige Angelegenheit.

Eine Lebensweise zu pflegen, durch die man dauerhaftes Glück erreicht, ist eine Kunst. Es erfordert ständiges Bemühen, eine unablässige Schulung des Geistes und die Entwicklung einer Reihe von menschlichen Qualitäten wie etwa Geistesruhe, Achtsamkeit und selbstlose Liebe.

Ricard greift bei seinen Darlegungen auf ein immenses Wissen westlicher und östlicher Philosophie zurück, er zitiert die neue wissenschaftliche Forschung und legt die buddhistische Sicht dar, die sich in vielen Punkten mit wissenschaftlichen Erkenntnissen deckt. Dabei bleibt er nicht in der trockenen Theorie, sondern erläutert diese mit anschaulichen persönlichen Erlebnissen.

Neben den theoretischen Erklärungen finden sich auch Anleitungen für die eigene Meditation zu Hause, so dass man sich gleich hier und jetzt auf den Weg zum eigenen Glück machen kann. Ricard versteht es, ein grosses Thema auf eine verständliche, tiefgründige und gut lesbare Art zu vermitteln. Ein wahrlich wunderbares Buch, das in keinem Regal fehlen sollte!

Fazit
Ein wunderbares, reiches und inspirierendes Buch, das ich nur ans Herz legen kann. Absolut empfehlenswert.

Zum Autor
Matthieu Ricard
Matthieu Ricard arbeitete als Forscher auf dem Gebiet der Molekularbiologie, ehe er seine Berufung zum Buddhismus erkannte. Seit 25 Jahren lebt er als buddhistischer Mönch in den tibetischen Klöstern des Himalaya. Er übersetzt Werke aus dem Tibetischen und ist der offizielle Französischübersetzer des Dalai Lama.

 
Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Knaur MensSana TB (1. Februar 2009)
ISBN-Nr.: 978-3426874134
Preis: EUR 9.99 / CHF 14.90
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