Thich Nhat Hanh: Mein Leben ist meine Lehre

Gelehrt wird nicht nur mit Worten. gelehrt wird durch die Art, wie man sein Leben lebt. Mein Leben ist meine Lehre. Mein Leben ist meine Botschaft.

ThichNhatHanhLeben
Das vorliegende Buch ist das wohl persönlichste von Thich Nhat Hanh. Er nimmt uns mit auf eine Reise durch sein Leben, erzählt von verschiedenen Stationen wie der Kindheit in Vietnam, dem Eintritt ins Kloster, dem Leben im Exil und vielem mehr. In vielen kleinen Episoden zeichnet er so eine Lebensgeschichte. Jedem Teil der Geschichte liegt eine Botschaft zugrunde, eine Lehre aus dem Leben fürs Leben.

Der Schwerpunkt bei allem liegt immer in einem achtsam gelebten Leben. Nur wenn wir im Hier und Jetzt leben, können wir das Leben überhaupt wahrnehmen, leben wir. Alles andere sind Verstrickungen, Illusionen, nicht gelebtes Leben. Immer wieder sind achtsames Gehen und achtsames Atmen Thema. Es geht nicht darum, sich aus dem Leben zurückzuziehen, sondern im Gegenteil: Das Leben will aktiv gelebt werden. Die Achtsamkeit kann aber immer stattfinden, beim Essen, Abwaschen, Putzen – im Leben.

Achtsamkeit muss engagiert sein. Sobald wir erkennen, dass etwas getan werden muss, müssen wir handeln. Sehen und Erkennen müssen zusammengehen. Was ist sonst der Sinn des Erkennens?

Indem wir Achtsamkeit praktizieren, lernen, unseren Körper und Geist wahrzunehmen, damit umzugehen und positive energien wie Mitgefühl und Liebe zu entwickeln, finden wir zu Ruhe und Frieden. Diese strahlen wir in die Welt hinaus. Das ist die Überzeugung von Thich Nhat Hanh, über die er in vielen kleinen Beispielen erzählt.

Fazit
Ein persönliches Buch, ein stilles und lehrreiches Buch, eines der Bücher, die man liest und viel für sich mitnimmt. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Thich Nhat Hanh
Thich Nhat Hanh, 1926 in Vietnam geboren, gehört als sozial engagierter buddhistischer Mönch und Zen-Meister zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Die schmerzhaften Erfahrungen des Vietnamkriegs haben sein Bewusstsein dafür gestärkt, wie die buddhistische Lehre und insbesondere die Entwicklung von Achtsamkeit dazu beitragen können, Konflikte zu lösen oder erst gar nicht entstehen zu lassen. Thich Nhat Hanh lebt im Exil, seit ihm anlässlich einer Reise in die Vereinigten Staaten 1966 die Regierung von Südvietnam die Rückkehr in seine Heimat verweigerte. Er ist Autor zahlreicher Bücher und engagiert sich in der Friedensarbeit und Flüchtlingsbetreuung.

Angaben zum Buch:
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: O. W. Barth Verlag (2. Oktober 2017)
Übersetzung: Ursula Richard
ISBN: 978-3426292778
Preis: EUR: 18 ; CHF 29.90

Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Time to say goodbye

Max Bachmann (5. 6. 1933 – 10. 5. 2018)

Memento

Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
Und laß mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr;
– Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muß man leben.

Mascha Kaleko

Wenn ein wunderbarer Mensch geht, bleibt die Dankbarkeit, ihn gekannt zu haben.

In Gedenken an einen wunderbaren Ehemann, Vater (den besten für mich) und Grossvater.

 

Dalai Lama, Desmond Tutu: Das Buch der Freude

Nicht düsteres Schicksal bestimmt unsere Zukunft – wir bestimmen sie selbst. Tag für Tag, in jedem Augenblick können wir nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch die Lebensqualität anderer Menschen auf unserem Planeten formen und erneuern. Wir verfügen über diese Macht.

41HR9WsIoGL._SX311_BO1,204,203,200_Dalai Lama und Desmond Tutu trafen sich anlässlich des 80. Geburtstags des Dalai Lama in dessen Exilheimat Indien und sprachen eine Woche lang über die Freude. Begleitet wurden sie dabei vom Journalisten Douglas Abrams, der die Gespräche schlussendlich zu diesem fertigen Text zusammentrug und das Thema mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie wie durch persönliche Beobachtungen aus seinem Leben sowie aus dem Zusammentreffen der beiden alten Freunde anreicherte.

Wie kann man in Anbetracht auf das viele Leid auf dieser Welt Freude bewahren? Diese Frage stand immer wieder im Zentrum. Es ist eine Frage, die man auch dem Dalai Lama immer wieder stellt, welcher als Kind schon Verantwortung übernehmen musste und schlussendlich aus seiner Heimat vertrieben wurde, so dass er seit 50 Jahren im Exil lebt. Auch Desmond Tutu blickt auf turbulente Zeiten zurück, wenn man bedenkt, welchen Kampf er gegen das ehemalige Apartheid-Regime in Südafrika führte. Und strahlen beide Männer eine tiefe Freude und Gutmütigkeit aus. Züge der Verbitterung oder Worte des Hasses sucht man vergebens.

Freude und Glück lassen sich nicht erlangen, indem man eigenen Zielen und Erfolgen nachläuft […] sondern nur im Geist und Herz des Menschen, und wir hoffen, dass jeder dort Freude und Glück findet.

Worauf also gründet die Freude? Wir begegnen in diesem Buch den acht Säulen der Freude:

  1. Blickwinkel: Es gibt verschiedene Sichtweisen
  2. Bescheidenheit
  3. Humor
  4. Akzeptanz
  5. Vergebung
  6. Dankbarkeit
  7. Mitgefühl
  8. Grosszügigkeit

Jede dieser Säulen wird näher erläutert und es werden Übungen genannt, wie man sie aufbauen kann, so dass sie tragend werden.

„Das Buch der Freude“ ist ein inspirierendes Buch, ein lehrreiches Buch, ein Buch, das zum Nachdenken anregt und Freude macht beim Lesen. Durch die Beschreibungen der Hintergründe des Treffens ist es auch ein Buch, das Einblicke in das Wesen einer Freundschaft gibt. Fast hat man ab und an das Gefühl, dabei zu sitzen, den beiden beeindruckenden Männern zuzuschauen und mit ihnen eine Tasse Tee zu trinken.

Fazit
Ein wunderbares Buch: inspirierend, lehrreich, zum Nachdanken anregend – ein Buch, das zeigt, was Freude ist, wie man sie erlangen kann, und das beim Lesen Freude macht. Prädikat: Absolut empfehlenswert.

Über die Autoren
31HEYd66JuL._UX250_Tenzin Gyatso, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama, bezeichnet sich selbst als einfachen buddhistischen Mönch. Geboren 1935, floh er nach der Besetzung Tibets 1959 nach Indien, wo er seitdem im Exil lebt. Das geistliche und (bis zu seinem freiwilligen Rückzug 2011) weltliche Oberhaupt der Tibeter wurde 1989 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Seine spirituelle Arbeit, seine Bemühungen um die politische, religiöse und kulturelle Identität Tibets sowie sein Einsatz für den Weltfrieden finden Anerkennung in der ganzen Welt.

21rkvg0J7cL._UX250_Desmond Mpilo Tutu, geboren 1931, ist emeritierter Erzbischof der Anglikanischen Kirche in Südafrika. Als wichtigste Symbolfigur neben Nelson Mandela im Kampf gegen die Apartheid erhielt er 1984 den Friedensnobelpreis. Ab 1995 war er Vorsitzender der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika, die nach den Prinzipien von Mahatma Gandhi arbeitete. Seine Politik der Vergebung und Aussöhnung wurde zum leuchtenden Beispiel für gewaltfreie Konfliktlösung. Auch im Alter von 84 Jahren setzt sich Bischof Tutu unermüdlich weltweit für Frieden und Menschlichkeit ein.

Douglas Abrams ist Lektor, Autor mehrerer erfolgreicher Romane und Sachbücher und seit mehr als zehn Jahren Koautor von Desmond Tutu. Als Gründer der Literaturagentur Idea Architects engagiert er sich besonders für Projekte, die das Ziel verfolgen, mehr Weisheit, Gesundheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen.

Angaben zum Buch:
Gebundene Ausgabe: 384 Seiten
Verlag: Lotos Verlag, Auflage 9 (26. September 2016)
Übersetzung: Helmut Dierlamm, Friedrich Pflüger
ISBN: 978-3778782651
Preis: EUR: 22.99 ; CHF 38.90
Zu kaufen in jeder Buchhandlung vor Ort oder online u. a. bei AMAZON.DE und BOOKS.CH

Erkenntnisse

Merke:

  • wenn dich die Menschen fragen, wie es dir geht und noch vor deiner Antwort meinen, sie wüssten es genau,
  • wenn andere fragen, was du brauchst, und dir dann sagen, was es sein soll,
  • wenn andere Menschen dir Kraft wünschen, und sie dann für sich beanspruchen,

ist die Zeit grad übel und der Umgang der falsche…

Zweites lernt man meist in ersteren.

Schöne neue Online-Welt

In einer Welt,
die durch Klicks nur regiert,
zählt nicht mehr der Mensch,
zählt nur noch sein Schein.

Zurück bleiben Wesen,
nach Norm geformt,
die sich


likeswirksam

in Szene nur setzen
und propagier’n,
dass dies sei das Leben.

Zurück bleiben die,
welche ihr ganzes Sein
daran dann messen und
sich degradiern.

Leben in den sozialen Medien

Ich war eine lange Zeit sehr aktiv in den sozialen Medien unterwegs. Vor allem auf Facebook. Das tat nicht immer gut. Ich bin ein Mensch, der hinschaut, tief geht. Das ist nicht immer gewünscht. Ich bin ein Mensch, dem alles sehr nahe geht, der sich Dinge zu Herzen nimmt. Darunter litt ich sehr. Ich durfte nicht einfach sagen, was ich fühle, ich musste es filtern, da es taxiert wurde. Und verurteilt. Ich merkte oft: Man sucht fast nach Fehlern bei andern und drückt den Daumen rein. Und: Mir gingen all die Schicksale nah, die ich las. Ich nahm Anteil. Und merkte: Viele produzieren sogar ihr so genanntes Leid medienwirksam. Es geht nicht um ein Miteinander, um Mitgefühl, es geht um Likes.

Ich habe mir dann eine Auszeit genommen bei Facebook. Das war für mich das grösste Haifischbecken. Instagram ist viel Schein, aber selten Angriff. Twitter ist kurz und knapp, man kann alles mit der Zeichenzahl begründen oder entschuldigen. Facebook ist gnadenlos. Da leben sie sich aus. Ich mochte Facebook lange. Aber ich merkte, es tat mir nicht gut. Drum diese Nachricht:

Ich war eine Woche raus aus FB. Man glaubt es kaum. Es ging gut. Und es fiel wohl gar nicht vielen auf. Das ist gut. Ich gehe nicht ganz raus aus FB, aber ich werde kürzer treten. Und: Da ich hier freiwillig und zum Spass bin, lösche ich in Zukunft alles, was mir nicht gut tut. Wer nun was von Filterbubble babbeln will, darf sich gerne löschen. Ich mag kontroverse Diskussionen, aber keine Oberlehrer (ich habe zum Glück einen Schulabschluss und meiner reicht mir). Ich mag Kunst, aber es ist nicht alles Kunst, was sich solche schimpft und die Freiheit hat da wie überall eine Grenze, nämlich die, wenn die Freiheit anderer begrenzt wird. Ich mag keine Rassisten, keine Diskriminierer, keine Menschenverachter und keine ach so Lustigen, die auf alles einen doofen Kommentar haben. Ich suche hier keinen Mann, keiner muss sich fragen, wo ich die Zeit für das hernehme, das zu tun, was ich tue, ich werde auch nicht offenlegen, was ich dabei verdiene und wieso.

Ach ja: Den Witz, ob ich aus meinen Yogastellungen wieder raus komme, den hörte ich schon einige Male. Er ist weder originell noch lustig. Ich steh nicht so auf Dummheit und plakative Witze. Wenn jemand meint, sagen zu müssen, dass das schmerzen müsse, muss ich gestehen, dass ich wohl im Leben vieles tat, das schmerzte, wie wohl jeder Mensch. Für ein Foto in den sozialen Medien würde ich keine Schmerzen eingehen. Wozu? Einige verbiegen sich, um die Erwartungen anderer oder des täglichen Lebens zu erfüllen, ich tue es auf der Matte. Ich könnte das andere nicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich es nicht muss.

Wer sich nun fragt, wieso ich das alles schreibe? Es hat klar Gründe. Wie sagte schon Heidegger in seiner Schrift „Der Satz vom Grund“:

„Nichts ist ohne Grund“

Ich werde mir kein dickeres Fell zulegen (wurde mir oft geraten), ich stehe zu meinen Schwächen und Problemen (ich bin kein Einhorn, ich bin ein Mensch), ich muss mich hier nicht anpissen lassen – wozu? Dazu gibt es das Leben, das tut es schon gut. Man sollte sich daneben Räume schaffen, die gut tun.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen. Aber: Sie sind eigentlich nicht wichtig. Menschen, die an mir als Menschen interessiert sind, die möchte ich nicht verlieren. Davon gibt es einige auf Facebook. Und: Sie mag sie als Menschen und nehme Anteil. Und das möchte ich weiter tun können. Der Rest hat sicher genug Plattformen, sich zu produzieren. Vermutlich geht es bei den sozialen Medien im Grunde darum. Ich suche Menschen. Und Menschlichkeit. Ich habe wenige Mittel, etwas in der Welt zu verändern. Ich kann nur im Kleinen anfangen.

Steh hin!

Ich wurde kürzlich gefragt, wieso ich mich enerviere, wenn ich von Farid Bang lese. Ich wurde gefragt, wieso ich mich so einsetze, schreibe, mich aufrege, zum Hinschauen anrege. Es hat Gründe:

Ich habe viele Jahre damit zugebracht, Unrecht philosophisch und historisch zu erforschen. Und ich bin auf viel gestossen, von dem ich sagen möchte: Das darf nicht sein, das soll nicht sein, das dürfte nie mehr möglich sein. Wenn ich nun sehe, dass Texte, die genau solches Unrecht verherrlichen, ausgezeichnet werden, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf. Dann kann ich nicht schweigen. Dann muss ich was sagen. Und das werde ich tun. Auf allen mir möglichen Wegen. Ich werde nicht schweigen, wenn Rechte mit Füssen getreten werden. Ich werde nicht schweigen, wenn Gewalt verherrlicht wird. Das muss man nicht verstehen. Das ist mein Weg. Und den gehe ich.

Wer schweigt, macht mit. Er denkt zwar, er sei aussen vor, aber dem ist nicht so. All die Schweiger sind die Masse, die trägt. Ich sage nicht, dass jeder in die Opposition gehen muss. Ich sage auch nicht, dass damals alle das hätten tun müssen. Die eigene Sicherheit ist immer wichtig. Denn: Wenn man nicht mehr ist, kann man nicht mehr hinstehen. Und es braucht Menschen, die hinstehen. Einige können es offensiver, andere verdeckt. Aber ignorieren und nur schweigen? Das geht nicht.

Wie seht ihr das? Und ach ja… Auslöser war dieses nette Video von Farid Bang:

„Frauen sind auch Lebewesen. Frauen sind auch Menschen. Und: Sie essen und trinken auch… genau… Wir müssen akzeptieren, dass wir mit denen zusammenleben…“

Sagt alles, oder? Mehr zu ihm und zu dieser ach so ehrvollen Echoverleihung HIER und HIER

Er hätte Talent. Schade, lenkt er es nicht in eine gute Richtung. Das finde ich wirklich schade. Aber das… ne, da schweige ich nicht. Witzig dazu:

Echo für antisemitische und frauenfeindliche Parolen

Ich habe HIER im Vorfeld der Echoverleihung über die Nominierung von Farid Bang und Kollegah geschrieben. Nun ist die Echoverleihung über die Bühne gegangen. Als Campino geehrt wurde, zog ich den Hut vor seiner Rede. Er hat alles auf den Punkt gebracht. Danke dafür:

Campinos Rede

Damit war leider noch nicht alles vorbei, es kam danach in der Tat zu einer Auszeichnung des Rapper-Duos. Kollegah liess es sich natürlich nicht nehmen, gegen Campino zurückzuschiessen – keiner pinkelt ungestraft einem Kollegah ans Bein. Kann man legitim finden, im Stil von: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Die Reaktion des Publikums zeigte deutlich, auf wessen Seite es stand. Hier der Link dazu:

Kollegahs Antwort an Campino

Ich habe die Diskussion mit jemandem aus der Rapper-Szene gehabt. Er meinte, wir verstünden Battle Rap nicht. Es gehe nicht um die Inhalte, es gehe drum, der Grösste zu sein. Die krassen Argumente seien also nicht so gemeint, sondern Stilmittel, die zur Darstellung der eigenen Grösse dienten – innerhalb der Szene. Es sei – wie es auch heisst – ein Battle, ein Kampf mit bestimmten Mitteln. (So habe ich es verstanden, ich lasse mich aber gerne korrigieren, Kommentare sind immer willkommen).

Ich kann das nachvollziehen, frage mich dann aber doch: Wenn der Inhalt nicht wirklich zählt, könnte man ja auch andere Inhalte nehmen. Sie dürfen ja kriegerisch sein, sie dürfen auch derb sein, müssen sie aber Menschenrechte verletzen? Klar tun sie das nur verbal, aber befördern Worte nicht immer auch Haltungen? Wird so nicht etwas angeheizt, das jetzt schon bedenklich aktuell ist in unserer Gesellschaft?

Ich bleibe dabei, dass ich es bedenklich finde, dass ein solches Gedankengut ausgezeichnet wird. Ich finde es bedenklich, dass eine Ethikkommission so etwas durchwinkt, dass man Worte als so beliebig anschaut, dass ihr Inhalt offensichtlich nicht ausreicht, die Handbremse zu ziehen.

Buddha sagte mal:

Was du heute denkst, wirst du morgen sein.

Aus Worten werden Taten und Taten formen unsere Welt. In was für einer Welt also wollen wir leben?

„Freiheit“ hat ihre Grenzen…

Ich finde Rap grundsätzlich gut (Sprachgefühl, Lyrik, Rhythmus, Prägnanz). Ich finde künstlerische Freiheit wichtig. Und richtig. Aber darum geht es hier nicht. Wir haben hier zwei Individuen, die darüber Sprechgesang abliefern, oft mit Bildern markig untermalt, dass Frauen unterworfen werden sollen. Sie labern davon, von welchen Seiten man gegen jeglichen Willen vorgehen sollte, sie drohen, spotten, verhöhnen. Und wie sie es mit den Frauen tun, so verfahren sie auch mit anderem. Antisemitismus, Terrorismus, Hass gegen Minderheiten – alles da, alles wird glorifiziert.

Das also will man nun ehren? Es ist nicht schlimmer, dass es in Deutschland passiert, es wäre in jedem Land eine Schande. Ich finde, wir sollten dringend mal davon weg kommen, dass D eh nicht dürfe – KEINER darf. Keiner sollte dürfen können. Es hinnehmen ist schon schlimm genug, es noch auszeichnen? Ich hoffe, das wird nicht passieren. Das hat nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun. Das ist schlicht KEINE OPTION und eine SCHANDE!

Hier mal ein „nettes“ Beispiel:

Artikel zur Verleihung des Echo HIER
Und wenn wir schon dabei sind: Die beiden sollen im Mai in Schaffhausen auftreten. Man fühlt sich „geehrt“, dass man sie dazu bewegen konnte…
Wir finden also toll, dass solches Gedankengut hochgehoben wird:
«Dein Chick ist ne Broke-Ass-Bitch, denn ich f**k sie, bis ihr Steissbein bricht»
Man könnte nun einwenden, wenn es schon keine Kunst sei, so doch Meinungsäusserungsfreiheit. Nur: Das hier Beschriebene stellt einen Straftatbestand dar, wenn denn die „Broke-Ass-Bitch“ nicht sagte, er solle doch bitte machen, bis alles bricht. Ich möchte das hier nun nicht mehr weiter ausführen, ich hoffe noch immer, dass genügend gesunder Menschenverstand durch die Welt fliegt, solchen Exemplaren nicht noch mehr Bühne zu geben.