Engel auf Erden

Vor zwei Monaten starb meine über alles geliebte Katze. Die Trauer schon während seines Leidens war enorm, nach seinem Tod taten sich ganze Trauertäler, Schluchten gar auf. Das Weinen wollte kein Ende nehmen, an Essen war nicht zu denken, Schlaf fand ich keinen mehr. Langsam kam der Alltag wieder näher, die sonst üblichen Dinge gingen wieder. Nur ab und an kamen Einbrüche, Wasser floss, in Bächen. Versiegten, bis sie wieder kamen.

Es gibt den Spruch „Das Leben geht weiter.“ Im ersten Moment nervt er, man denkt: Was wissen die denn, die solchen Mist erzählen? Dass das Leben weiter geht, ist klar, aber wie… das ist die Frage. Und dann heisst es „Die Zeit heilt alle Wunden“. Und man denkt wieder: Was wollen die mir erzählen, schweigen sollen sie, haben keine Ahnung. Und irgendwann sitzt man da, die Tränen sind getrocknet, der Alltag ist wieder normal. Man sieht den fehlenden Teil des Lebens nicht mehr auf jedem Stuhl, auf jedem Sofa. Denkt nicht mehr bei jeder Handlung, was gerade passiert wäre, wäre der Abwesende noch da.

Plötzlich kommt der Gedanke: Tue ich ihm unrecht? Habe ich zu schnell vergessen, was war? Trauere ich zu wenig nach so kurzer Zeit schon? Müsste ich ihn mehr präsent halten? Klar ist er immer präsent, der Name fällt sicher täglich mal. Und doch – es ist so weit weg alles. Jetzt schon. Ist das fair? Dieser Kater hat mich getragen durch 8 Jahre, die alles andere als einfach waren. Er hat mich aufgefangen im Leid, hat mir Kraft gegeben im Schmerz, hat getröstet bei Trauer. Und nun ist einfach Alltag ohne ihn. Darf das sein?

Was wäre die Alternative? Tägliche Tränen, Trauer? Nie mehr zum Alltag zurückfinden? Was wäre der angemessene Trauerrahmen? Wie trauert man richtig? Was muss man tun? Bin ich herzlos? Ich habe keine Antwort. Es ist in meinem Leben der zweite Todesfall, der mir wirklich nah ging. Der erste war eine grosse Liebe. Mein Kater war eine ebensolche. Mensch, Tier… die Nähe ist es wohl, die zählt und näher als mein Kater war mir kaum jemand in den letzten Jahren.  Wer uns kannte, uns erlebte, sah das, wusste das. Wer es nicht verstand, war eh nicht in der Lage, mich zu verstehen, er kannte mich nicht und das war wohl auch gut so.

Aus meinem Umfeld habe ich oft gehört, ich trauere zu heftig, zu lang. Damals habe ich mich hinterfragt, ob sie wohl alle recht haben, ich „falsch trauere“. Ich habe mich gefragt, ob ich übertreibe, nicht normal bin. Ich habe mich gefragt, ob die Trauer endlich fertig sein müsste. Heute habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich vielleicht zu wenig trauerte, ihm damit nicht den Tribut zollte, den er verdient hätte. Und er hätte alles verdient. Er war der Beste!

Gibt es richtig oder falsch bei Gefühlen? Sind sie nicht einfach da und wenn sie sind, wie sie sind, genau richtig, weil echt? Kann man Gefühle an ihrer Dauer, ihrer Intensität auf Richtigkeit prüfen? Gibt es Skalen für Gefühle, die anzeigen, ob es reicht oder nicht? Wohl nicht. Deswegen ist es wohl auch nicht statthaft, anderen zu sagen, wie sie trauern sollen. Man kann Gefühle nicht von aussen messen, man weiss nur von innen, ob sie echt sind. Und jeder hat eine andere Art, damit umzugehen. Keiner kann aus seiner Haut.

Ab und an kommt mir ein Gedanke. Ich denke, dass Pascha – mein Kater – vielleicht zu mir kam, um mich durch die schweren Jahre meines Lebens zu begleiten. Durch eine Trennung, Gewalt, Scheidung, Schmerz, Todesdiagnose, Verlust einer Liebe, Enttäuschungen, Verletzungen. Und als mein Leben in die richtigen Bahnen zu kommen schien, konnte er gehen. War das seine Aufgabe bei mir? War er mein Engel? Und ist es noch als Schutzengel irgendwo über dem Regenbogen?

Der Gedanke tröstet und er macht traurig. Und wenn ich ihn habe, bin ich dankbar und die Tränen fliessen wieder. Er fehlt halt doch. Auch wenn der Alltag wieder Einzug hielt. Immer mal. Und ab und an kommt Angst hoch: was, wenn wieder eine schwere Zeit kommt? Das Leben hat viele solche bereit. Was ist dann?

Neonazis wollen aufs Rütli

Neonazis planen, am 5. August auf dem Rütli eine Grosskundgebung mit dem Namen „Patriotische Feier der nationalen Bewegung“ durchzuführen. Neonazis aus dem Umfeld der PNOS (Partei national orientierter Schweizer) riefen dazu auf. Da politische Anlässe auf dem Rütli nicht gestattet werden, verzichten sie auf ein Bewilligungsgesuch. Die Polizei ist informiert, es bleibt zu hoffen, dass der Spuk ein Ende hat, bevor er richtig anfängt.

Die Grosskundgebung friedlich durchzuführen wäre sicher ein kleineres Übel als eine gewaltsame Durchführung. Als Erfolg liesse sich auch das nicht verbuchen, da es ein Übel bliebe. Neonazis eine öffentliche Plattform zu bieten, auf welcher sie ihre Ideologien verkünden und verbreiten können, ist nicht zu verantworten. Eine solche Kundgebung verstiesse ganz klar gegen  Antirassismus-Strafrechtsnorm Art. 261bis StGB und ist damit tunlichst zu verhindern. 

Quelle: http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/07/15/Schweiz/Neonazis-zieht-es-wieder-aufs-Ruetli

Die Grauzone – Wie weit würdest du gehen, um zu überleben?

Auschwitz-Birkenau 1944. Das Konzentrationslager ist perfekt organisiert, die Häftlinge sind hierarchisch sortiert. Die ganz Unbrauchbaren kommen direkt nach der Ankunft (und nachdem alles von ihnen genommen wurde, was noch irgendwie Wert oder Verwertung hätte) in die Gaskammern, die anderen werden in die verschiedenen Unterkünfte verteilt. Eine besonders privilegierte Gruppe arbeitet als sogenanntes Sonderkommando (es gab insgesamt 13 davon in der Geschichte von Auschwitz-Birkenau). Sie nehmen die Häftlinge in Empfang und geleiten sie in die Gaskammern. Dieses Handeln verschafft ihnen neben den Privilegien und Erleichterungen etwas Aufschub. Irgendwannn werden auch sie umgebracht in diesem perfide ausgeklügelten System der Mordmaschinerie.

Das zwölfte Sonderkommando plant einen Aufstand. Zu schwer ist die Last der Mittäterschaft beim gleichzeitigen Wissen um die eigene Ermordung. Es ist der einzige Aufstand in der Geschichte von Auschwitz – und er misslingt.

Ein Film, der die Grausamkeit der Geschichte von Auschwitz hautnah zeigt. Ein Film, der die moralische Frage von Täter und Opfer neu aufkommen lässt und die Antworten offen lässt. Antworten, die es so wohl gar nicht gibt. Keiner war nur böse, keiner nur gut. Und doch kam es zu diesem dunklen Punkt in der Geschichte, der alles veränderte, der Moral als zeitlich und kulturell erschaffenes Gedankengut und nicht als universale Grundvoraussetzung offenlegte.

Geschrieben und gesagt wurde viel über die Shoah. Die Juden wurden als zu brav dargestellt, die Sonderkommandos als Mittäter verschrien. Die Deutschen waren die Bösen. Wäre die Welt so einfach zu erklären, das Leben so klar strukturiert, wäre das Dritte Reich nie möglich gewesen. Aus dem weichen und sicheren Sofa lässt es sich leicht richten.

Fazit: 

Ein Film, der berührt, aufrüttelt, mitnimmt. Ein Film, der in die Tiefe geht – in die der Geschichte und in die der eigenen Seele. Absolut sehenswert, aber nichts für schwache Nerven.

Kritik:

Am Schluss hört man die Stimme eines Mädchens (des Mädchens, das am Schluss des Films erschossen wird). Es spricht in der Ich-Form davon, wie die Asche der kremierten Häftlinge sich in die Winde verteilt, sich auf die Lungen der arbeitenden Häftlinge setzt. Es spricht davon, wie es selber verbrannt wurde, wie es brannte.

Diese Schlussszene hat in meinen Augen ein Tabu gebrochen, das nicht hätte gebrochen werden sollen. Von Auschwitz erzählen können nur die, welche überlebt haben. Es gibt immer noch das, was nicht erzählbar ist, es nie sein wird, da niemand, der es erfuhr, es überlebt hat, um davon Zeugnis ablegen zu können. Keiner ging durch den Ofen und überlebte das Feuer. Was im und nach dem Feuer passierte, ist in Schleier gehüllt und soll da bleiben. Des reinen Effekts willen sollte diese Schwelle nicht überschritten werden. Und das ist hier getan worden.

Angaben zum Film:

Titel: The Grey Zone / Die Grauzone

Produktion: USA 2001

Länge: 104 Min.

Regie/Drehbuch: Tim Blake Nelson

ISBN: 4260090981627

Deutschland: Datenbank über Neonazis

Deutschland will eine Datenbank über Neonazis einrichten. Durch diese Datenbank sollen künftig die Voraussetzungen für die Bekämpfung von Rechtsextremismus verbessert werden. Erfasst werden sollen vor allem bundesweit „gewaltbezogene Rechtsextremisten“ sowie deren Hintermänner und Drahtzieher.

Ein guter Schritt in die richtige Richtung. Ich hoffe, es folgen mehr. Es kann und darf nicht sein, dass Menschen mit rechtsextremistischer Gesinnung ihre Ideologien verbreiten und ausleben, ohne dabei irgendwie gehindert zu werden. 

Quelle: http://www.suedostschweiz.ch/node/2430861?prev=ausland

Neonazis in Augsburg

War der Stadt Augsburg doch bekannt, worum die Demo der NPD drehte? Der Artikel der Augsburger Allgemeinen klingt eher so. Man wollte der Rechtsradikalen wenig Aufmerksamkeit verschaffen, hätte es darum verheimlicht, heisst es da. 

Dass diese Demonstration gerade vor den jüngsten Problemen mit Neonazis eine Affront ist und unverständlich, liegt auf der Hand. 

Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Protest-wegen-Demo-der-Neonazis-id21134806.html

Demo der NPD in Augsburg

In Augsburg kam es am Samstag Nachmittag in der Annastrasse zu einem Aufmarsch einer Gruppe von ca. 20 Neonazis. Mit Parolen wie „Unser Volk stirbt aus“ liefen sie durch die Strassen. Dazu kommen konnte es nur, weil die Demonstration unter falschem Thema angemeldet worden war. Die Stadt ging davon aus, dass gegen die Macht der Finanzwelt demonstriert, nicht rechtsgerichtete Parolen propagiert würden.

Bedauerlich, dass es so weit kommen konnte. Wen trifft die Schuld? Was könnte man tun, solche Vorkommnisse in Zukunft zu vermeiden? Ist es zulässig, Menschen, die sich in irgendeiner Weise mit der rechtsradikalen Szene in Verbindung zeigen, zu erfassen, um bei Anfragen vorsichtiger agieren zu können? Hinkt man damit nicht so oder so immer einen Schritt hinterher? Ist man diesem Gedankengut einfach hilflos ausgeliefert, weil man mit jeglichen Massnahmen immer erst dann eingreifen kann, wenn etwas passiert ist? 

Ausser den Parolen ist nichts passiert. Es liesse sich natürlich auch fragen: Wem schadet das? Ist ja nichts passiert. Bloss verfährt man dabei besser dem Motto „wehret den Anfängen“, denn, was mit Worten anfängt, setzt sich tief und tiefer fest und führt zu Taten, die durch Worte gebildeten Ideologien durchzusetzen. Und dann fängt es an, gefährlich zu werden. Für alle, die den ausgebildeten Ideologien nicht entsprechen. 

Quelle: http://www.daz-augsburg.de/?p=27190

Neonazis in Chile

In Chile treibt eine Gruppe Neonazis unbehelligt ihr Unwesen. Sie bilden sich militärisch aus, posieren mit Hitlergruss und greifen jüdische Gräber an. Auch Schwule sind ihnen ein Dorn im Auge, Fälle von Folterungen mit Todesfolge sowie gezielter Mord sind bekannt. Die Neonazigruppe FON (Nationale Ordnungsfront) existiert seit Jahren unbehelligt, sieht sich selber als unschuldig und eher als Opfer denn als Täter. Sie sprechen von ideologischem Training und körperlicher Ausbildung, stärken sich gegenseitig mit Hassparolen gegen die ihnen ungenehmen Zeitgenossen wie Juden und Schwule. 

Die Frage, die sich stellt ist: Wieso passiert nichts? Wie kann es angehen, dass eine so ausgerichtete Gruppe unbehelligt existiert und ihr Unwesen treibt? Wieso ist es kein Anliegen von höchster Dringlichkeit, solches Tun zu unterbinden und die, welche dadurch bedroht sind, zu schützen? 

Quelle: http://www.jungewelt.de/2012/07-21/032.php

Jüdischer Arzt zum Thema Beschneidung

Aufgrund der jüngsten Diskussion über die Beschneidung jüdischer Jungen machte sich auch ein jüdischer Arzt, Gil Yaron, seine Gedanken. Ein Artikel der FAZ zeigt eindrücklich das Resultat dieser Gedanken. 

 

Wieso beschneiden Juden ihre männlichen Kinder am 8. Tag nach der Geburt? Das ausschlaggebende Argument ist wohl immer die Tradition und das dadurch vermittelte Zusammengehörigkeitsgefühl. Die religiösen Gründe sind vielen nicht bekannt und wenn, gibt es mehrere, die nicht wirklich kongruent sind. 

Reicht der Grund, das Kind könnte sonst in der jüdischen Gemeinde nicht akzeptiert sein, ausgelacht werden aus, um ein Kind zu beschneiden? Die Prozedur scheint doch für einige traumatisch zu sein, wenn man das nun liest. Zwar lässt die Grausamkeit nach und der Stolz, es gemacht zu haben nimmt überhand, doch gründet dieser auch auf traditionellen Begründungen. 

Selber wurde Yaron das erste Mal mit der Frage konfrontiert, als seine Schwester sich gegen die Stimmen der ganzen Familie entschied, ihren Sohn nicht beschneiden zu lassen. Das zweite Mal, als er selber in der Situation war, Vater eines Jungen zu werden. Trotzdem er kein wirkliches Argument für eine Beschneidung fand, merkte er, wie schwer es fällt, darauf zu verzichten.

Die Angst, dass mit dem Ende der Beschneidung das letzte Stück Judentum von den Menschen abfalle, blieb bestehen. Auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, das man als Juden untereinander doch hat, welches nicht zuletzt auf Traditionen gründet, selbst wenn sie noch so unerklärbar sind rational, schien ihm wert, nicht einfach mit diesen Traditionen zu brechen. Und doch – wenn nichts dafür spricht, wieso es hochhalten? Was wären die Alternativen? Für sich fand er die, seinem Sohn einst die Entscheidung selber zu überlassen, ob er beschnitten werden will oder nicht, sich selber aber anstatt der Beschneidung seines Sohnes das versprechen zu geben, den Sohn in einer jüdischen Gesinnung aufzuziehen, ihn so zu einem Mitglied dieser Gemeinschaft zu machen. 

 

Wie mir scheint ein sehr guter Weg, welcher die Traditionen schlussendlich viel besser weiter gibt, weil dieses versprechen die jüdischen Glaubensinhalte hochhält und weitergibt, statt es bei einer Beschneidung als äusserem Zeichen, welchem möglicherweise wenig weitere folgen im Innern, belassen zu lassen. Glaube kann auch ohne diese frühe körperliche Beschneidung (im wahrsten Sinne – körperlich ein Stück Haut, rechtlich die Unversehrtheit) gelebt werden, Traditionen und Feste dienen dem Zusammengehörigkeitsgefühl wohl mehr. 

Yaron ruft die jüdische Gemeinschaft dazu auf, das zu tun, was dem jüdischen Menschen entspricht: nachzudenken und zu diskutieren. Ich denke, diese Zeit sollte gegeben sein. Nach wie vor gefällt mir der Gedanke nicht, dass man von aussen an eine Region herantritt und ihr befielt, wie sie zu leben hat, ihr verbietet, ihre Religion auszuleben. Schön wäre, wenn von innen eine der heutigen zeit angepasstere Lösung gefunden werden könnte.

Das meine ich nicht nur in Bezug auf dieses Thema und schon gar nicht beschränkt auf das Judentum, sondern das sollte bei allen Religionen so sein. Die Zeiten ändern, Glaubensinhalte wie auch Praktiken verlieren ihre Rechtfertigung oder sollten überdacht werden. Nicht, um den Glauben, die Religion zu schwächen, sondern um sie auch in neuen Zeiten lebbar zu machen. ich denke, das würde den einzelnen Religionen mehr bringen – auch an Anhängern. Wenn der Spagat zwischen dem Leben im Heute und der Religion immer grösser wird, können ihn viele Menschen nicht mehr machen und entscheiden sich dann dafür, das eine oder andere aufzugeben – meist die Religion und damit die Gesellschaft. 

 

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/beschneidungsdebatte-unsere-seltsame-tradition-11827726.html

Mussolinis Schweizer Ehrendoktortitel – ein Skandal?

In letzter Zeit geisterte die Meldung des Ehrendoktortitels von Benito Mussolini durch die Medien, welcher diesem von der Uni Lausanne im Jahr 1937 verliehen wurde. Hans Wollner, Dozent am Münchner Institut für Zeitgeschichte und momentan an der Erstellung einer Biographie Mussolinis, findet es einen Skandal, dass diesem der Titel nicht nachträglich aberkannt wird. Begründung? Er nennt die Aufarbeitung der Umstände sowie deren Offenlegung „ehrenwert“, findet aber das Festhalten an dem Titel politisch kurzsichtig und untragbar. Mussolini werde so verharmlost, konstatiert er, und fährt fort, dass dieses Verhalten Rechtsradikalen in die Hände spielen könnte, welche durch das Festhalten am Titel argumentieren könnten, der Faschismus und Mussolini seien nicht so schlimm gewesen, wenn diesem sogar ein Titel verliehen und nicht wieder aberkannt worden sei. 

Mit seinem Ansinnen ging Wollner nicht zur Unileitung direkt, sondern wandte sich direkt an die Presse. Begründet hat er dieses Vorgehen damit, dass die Unileitung bislang kein Interesse an einer Aufhebung gezeigt hätte, so dass er einen Vorstoss vor Ort als obsolet erachtete. Leider stiess er auch bei der Presse nicht auf offene Ohren. Die NZZ weigerte sich, den Artikel zu drucken, die BZ druckte schliesslich ein Interview ab. Leider lässt dieses wirkliche Argumente vermissen, die Wiederholung das Verhalten der Uni Lausanne sei ein „no brainer“ macht die Argumentation für eine Aberkennung nicht schlüssig und zeigt schon gar keinen Handlungsbedarf auf. 

Wollner stützt sich bei seiner Aussage auf einen Artikel der jüdischen Zeitschrift Tacheles. Dieser zeigt detailliert auf, wie es zu dem Doktortitel kam. Er erklärt auch, dass weder damals noch heute die jüdische Gemeinschaft ein irgendwie geartetes Problem mit dem Umstand dieser Ehrenwürde gehabt hätte oder hat. Auch ein Wunsch nach Aberkennung sei nicht vorhanden, so dass man davon absähe, sich irgendwie zu engagieren oder Schritte einzuleiten. 

Mussolini wurde 1937 der Titel Dr. h.c. von der Universität Lausanne verliehen, sie ernannten ihn zum „Docteur des sciences soziales et politiques honoris causa“ mit der Erklärung, dass er in Italien eine soziale Bewegung geschaffen hätte, die in schwierigen Zeiten für mehr sozialen wie wirtschaftlichen Zusammenhalt innerhalb der italienischen Bevölkerung sorge. Dass die Verleihung des Titels schon damals nicht mit ausschliesslich guten Gefühlen erfolgte, ist ebenso aufgearbeitet wie die politischen Zwänge, die sich weiter ergaben. Eine plötzliche Weigerung der Übergabe hätte sich auf die politische Lage der Schweiz sicher nicht positiv ausgewikt. 

Wem ist gedient, wenn Mussolini posthum der Titel aberkannt wird? Was ändert das an der Geschichte selber? Die Geschichte passierte damals genau so, wie sie es tat. Man ging daran, dies aufzuarbeiten, offenzulegen. Das ist, wozu Geschichtswissenschaft da ist: Die Erforschung der Vergangenheit, ihrer Motive, ihrer Ursachen, ihrer Vorkommnisse. Die Geschichte nachträglich korrigieren zu wollen, indem man damals passierte Ereignisse nachträglich negiert, ist in meinen Augen ein nicht zulässiger Umgang mit der Vergangenheit. Statthaft wäre das wohl nur, wenn die vergangene Verfehlung eine schwerwiegende und bis heute geltende Wirkung hätte, die man durch die Korrektur abwenden könnte. Das ist in diesem Fall nicht gegeben, da sich niemand an diesem Titel stört. Das Argument, dass man Neonazis damit Munition für ihre verfehlten Kreuzzüge liefert, qualifiziert nicht als ausreichend in meinen Augen, zumal die Aberkennung wohl mehr Wellen schlagen würde als eine saubere, wissenschaftliche Abhandlung über den tatsächlichen Hergang des Geschehens. 

Habe ich die Wahl?

In der Nähe meines Hauses prangt in  grossen Lettern ein Zitat von Max Frisch an der Wand:

Die Würde des Menschen besteht in der Wahl. 

Der Satz bringt zwei Grössen in Beziehung: Menschliche Würde und die menschliche Fähigkeit zu wählen.

Würde ist verwandt mit Wert. Nach Kant kann dieser Wert nur von innen kommen und die Würde des Menschen kommt diesem zu aufgrund seines Menschseins, seiner Vernunft, welche ihn vom Tier abhebt. Es ist also die Fähigkeit des vernünftigen – und auch moralischen – Handelns, die dem Menschen die Würde gibt, welche ihm eben dadurch auch zusteht als Ansehen bei den anderen. Die gegenseitige Achtung der Menschenwürde trägt massgeblich zu einer friedlichen Koexistenz von Menschen bei, weil sie sich ihrer Fähigkeit bewusst moralisch verhalten.

Schiller, welcher mit Kant nicht immer einer Meinung war, was Ethik und Ästhetik betrifft (Kallias-Briefe), sieht als menschliche Fähigkeit, welche diesen vom Tier abhebe, den freien Willen. Schiller sieht die Würde dann gegeben, wenn sich der Mensch über seine Naturtriebe erhebt und an ihrer statt die Moral hochhalte. Schon hier findet sich also der Konnex von Wahl/Willen und Würde. Es liessen sich noch einige dichterische und denkerische Grössen zitieren, welche in ein ähnliches Horn blasen. Ob wohl etwas dran ist?

Wir kommen auf die Welt, klein und unselbständig. Oft fühlen wir uns rechtlos, ausgeliefert. So viel ist zu lernen, so wenig wissen wir, vor allem: so wenig können wir bestimmen. Immer sind da die Eltern, welche sagen, wo es  lang geht, lang gehen muss, weil die grosse Welt von einem irgendwann erwartet, zu wissen, wie der Hase läuft. Und genau auf diese Hasenspur werden wir angesetzt. Wie sehr wünschen wir, endlich auch erwachsen zu sein, endlich auch sagen zu dürfen, wo wir stehen, gehen, sein wollen. Wir sehen diese Entscheidungsfreiheit als Erfüllung.

Dann werden wir älter und sehen: die Zwänge werden nicht weniger, an die Stelle der Eltern treten Arbeitgeber, wirtschaftliche Zwänge, Partner, die Gesellschaft. Irgendwer sagt immer, was er von uns will und wir haben meist zwei Möglichkeiten: es tun oder es lassen – wobei das Lassen oft seinen Preis hat. Dann stehen wir da und hadern. Hadern mit der grausamen Welt, die uns vor solche Entscheidungen stellt. Hadern mit dem Leben, das auch erwachsen nicht viel einfacher ist als als Kind. Damals waren es liebende Eltern, die nur unser Bestes wollten (wie wir heute sehen, früher hätten wir das natürlich abgestritten und ihnen alles Böse unterstellt – ausser in ganz hellen und dadurch seltenen Momenten, in denen wir es einsahen). Heute sind es Aussenstehende und nicht immer sind wir sicher, ob sie wirklich unser Bestes wollen und nicht eher ihr eigenes.

In solchen Situationen überkommt uns schnell das Gefühl, keine Wahl zu haben. „Ich muss ja, was soll ich sonst?“, denken wir und fügen uns in unser Schicksal. Und mit jedem „Ich muss“ wächst das Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins. Und damit auch das Gefühl des eigenen Wertes, der eigenen Würde.

Je kleiner wir uns fühlen, desto anfälliger werden wir für Hilfsversprechen. Was den Anschein macht, uns wachsen zu lassen, wird dankbar angenommen, als Strohhalm. Seien es Religionen, die Halt durch den allwissenden und alles mit Sinn versehenden Gott versprechen, seien es Heilversprechen von irgendwelchen selbsternannten Heilanden und Scharlatanen (böse Zungen sehen zwischen den Optionen keinen Unterschied) oder seien es Aufschwungparolen von Diktatoren, die dem Volk die Befreiung von allem Übel versprechen, dabei nur die eigene Macht im Sinn haben. Dass man damit den letzten Zacken Würde mitverliert, weil fortan keine Möglichkeit der Wahl mehr besteht, sondern nur noch das erlaubt ist, was diktiert wird, fällt dann meist zu spät oder gar nie auf.

Haben wir eine Wahl? Natürlich. Wir könnten uns gegen die vermeintlichen Zwänge entscheiden. Wenn wir bereit sind, den dafür geforderten Preis zu zahlen. Wir müssen nicht treu sein, wenn wir das gemachte Nest aufs Spiel setzen wollen. Wir müssen nicht arbeiten, wenn wir die soziale Ächtung nicht scheuen. Wir müssen nicht moralisch handeln, wenn wir den Gesellschaftsausschluss nicht fürchten. Wir müssen unsere Kinder nicht aufziehen, wenn sie unsere Grenzen sprengen, wir können sie in Heime geben. Sofort. Wir haben die Wahl. Eine Wahl besteht immer. Doch wir haben auch innere Werte, Wünsche, Handlungsmaximen. Die Gelehrten streiten noch, ob die naturgegeben sind oder kulturell bedingt. Vermutlich eine zufällig gute Mischung von beidem. Auf alle Fälle erkennen wir als vernünftige Menschen, dass nicht alle von aussen erstellten Maximen und Regeln schlecht sind, sondern sie uns auch dienen. Und insofern wollen wir sie haben. Und verhalten uns so, dass sie auch auf uns selber angewendet werden. Aber wir haben so gewählt. Wir können nicht dahin gehen und uns als arme Opfer des Systems sehen, das uns unterdrückt. Wir wollten den Preis nicht zahlen, den es gekostet hätte, anders zu wählen. Vielleicht auch, weil wir es als unter unserer Würde ansehen würden, entgegen den Vorstellungen unserer Vernunft zu handeln. Wir haben selber einen Massstab in uns, der uns steuert. Auch der ist vielfältig zusammengesetzt – Kultur, Eltern, eigene Anteile und Gedanken. Aber prägend und leitend.

Wir sind also grundsätzlich frei, zu wählen. Wir können immer entscheiden, was wir wollen und danach handeln. Goethe sagte in diesem Zusammenhang:

Die grösste Freiheit ist es, das zu wollen, was man muss.

Es gibt Zwänge im Leben, die von aussen gegeben sind. Doch auch dann hat man die Möglichkeit, sich dagegen zu entscheiden. Wenn man aber mit der eigenen Vernunft erkennt, dass diese Zwänge, dieses Muss einen Sinn ergibt, für das Individuum sowie das Kollektiv (und damit wieder für das Individuum), kommt man an den Punkt, zu sagen, dass man das auch will. Und der Zwang, in dem man steckt, für eine gute Sache ist. Und vielleicht ist dann nicht mehr so viel Ohnmacht da, sondern auch das Wissen: ich könnte anders entscheiden, aber ich entscheide selber genau so, wie ich es tue. Den Preis muss man immer zahlen, wichtig ist, dass man sich bewusst ist, dass man ihn freiwillig zahlt – so oder so. Sei es durch Verzicht auf etwas, das gerade verlockend erscheint, sei es durch das Durchsetzen des eigenen Wollens gegen alle Widerstände, was wiederum vielleicht mangelnde Akzeptanz zur Folge haben könnte. Die Frage ist, ob die, welche nicht akzeptieren wollen, wirklich Wert sind, auf sie Rücksicht zu nehmen. Und wenn ja, vielleicht zu fragen, wieso man so sehr will, was man will. Und aufgrund dieses Hinterfragens vielleicht auch etwas über sich selber lernt, das einem hilft, die richtige Wahl zu treffen, sie sich selber Wert zu sein. Die eigene Würde hochhaltend.

Und was sie will…

Wenn man es genau nimmt, war ich von Anfang an allein erziehend. Der Mann erst rund um die Uhr arbeitend, abwesend, dann im Ausland, dann ganz weg. Ich tat, was ich konnte, fing auf, was ich konnte, lebte mein Leben, wie so viele. Studium, Arbeit, Kind, alles musste irgendwie rein. Und ab und an kam die Frage: Wo bleibe ich? Die Antwort fand ich selten, zappelte wie der Frosch im Milchtopf, in der Hoffnung, es würde Butter, damit ich nicht untergehe. Doch untergehen war keine Option. Dazu war ich zu stark.

Von aussen hörte ich Dinge wie „du bist so stark“, „ich bewundere dich, wie packst du das?“. Das war wohl lieb gemeint, doch: Hatte ich eine Wahl? Nein, hatte ich nie. Ich hatte ein Kind. Das brauchte mich. Das konnte nichts dafür, auf dieser Welt zu sein, auf diese Welt hatte ich es gebracht und nun lag es an mir, dieses Kind durch diese immer härter werdende Welt zu führen.

Auch meine Kräfte waren begrenzt, klar. Doch diese Grenzen konnte ich nicht beachten, ich hatte eine Aufgabe. Und ab und an beneidete ich die glücklichen Familienmütter, die sich ganz und ohne Druck ihren Kindern widmen konnten. Dann und wann beneidete ich die Karrierefrauen, die sich ganz ihren Zielen widmen konnten. Und dann und wann beneidete ich die Künstler und Selbstverwirklicher, die einfach ihre Wege gingen, ohne auf jemanden Rücksicht zu nehmen.

Und so sass ich da und schaute nach links und nach rechts und alle hatten sie was, das ich wollte. Familie, Freiheit, Selbstverwirklichung, Zielverfolgung. Und ich sass da, in einem Haufen von Anforderungen, wünschte ab und an, einfach mal zusammenzubrechen und meine Ruhe zu haben. Tat es nie, weil ich nicht der Typ dazu bin. Hörte mir die ständigen netten Sprüche von wegen „du bist so stark“ an und hätte sie dem Aussprechenden am liebsten um die Ohren gehauen. Und machte weiter.

Armes Ich. Ist das so? Schauen wir genau hin. Was gäbe ich auf? Auf was wollte ich verzichten? Das Kind? Nie. Das Studium? Das war mein Halt. Leider weg, aber doch immer da, in mir, mit mir, durch mich. Die Jobs? Nein, sie zeigten mir, was ich will – und was nicht. Vielleicht war doch alles gut. Und richtig. Mein Weg. Nicht leicht. Steinig. Anstrengend. Aber genau so, wie ich es halt wollte. Musste, weil ich war, wie ich war, bin, wie ich bin. Eigentlich. Denn hätte man mich zu verschiedenen Zeiten im Leben gefragt, wo ich hin will, wäre die Antwort immer mal ne andere gewesen. Mal sah ich mich in Indien, mal in einem Verlag, dann als rasende Reporterin, dann als Tierverhaltensforscherin in Serengeti. Wieso auch immer. Wohl meist, weil ich mir selber nicht traute. Und „sinnvollere“ Wege suchte. Und irgendwie bin ich heute genau da, wo ich sein will. Ich muss es nur noch sehen. Und glauben. Dass es hält. Statt weiter zu strampeln und nach links und rechts zu schauen, zu Menschen, die sind, wie sie sind und so glücklich sind – die aber nicht ich sind. Sondern eben sie. Und ich bin ich… und wie ich bin. Und das ist eigentlich gut so.

Wer entscheidet über richtig oder falsch?

Die Frage nach der Legitimität von ritueller Beschneidung bei Jungen spaltet die Meinungen. Ist es der Religionsfreiheit geschuldet, den Anhängern bestimmter Religionen freie Hand bei der Ausübung ihrer rituellen Handlungen zu geben oder gelten auch hier die staatsinternen Grundrechte in ihrer Hierarchie? Wer bestimmt über die Hierarchie und wer sagt, was richtig ist, was falsch?

 

Ist die Beschneidung eines jüdischen Knaben Körperverletzung und damit zu verurteilen oder aber eine rituelle Handlung, wie sie seit Jahrtausenden vorgenommen wird? Darf ein Christ diese Tradition unterbinden und seine eigenen Wertmassstäbe aufsetzen? Wieso schreit niemand auf, wenn kleinen Mädchen Ohrlöcher geschossen werden? Gibt es dafür nicht viel weniger Argumente als für eine Beschneidung, welche seit Jahrtausenden durchgeführt wird und in den seltensten Fällen Probleme zeigt? Wäre es ein Problem, wären die jüdischen Männer nicht selber auf die Barrikaden gegangen, hätten ihre Rituale angepasst? Dass nun ein paar kommen und meinen, traumatisiert zu sein, zeugt nicht wirklich von der Grausamkeit der Prozedur, sondern eher davon, den Zug zu nutzen und aufzuspringen. 

Wer darf hier richten? Wer ist in der Lage, Schiedsrichter zu spielen? Kann ein christliches Gericht beurteilen, was Juden in ihrer Religion tun dürfen und was nicht? Doch wo ist die Grenze? Was, wenn Anhänger einer Religion mit Menschenopfern in der Schweiz sich niederlassen? Dürften sie ihre Religion ausüben? Oder griffe hier das christliche „du sollst nicht töten“? Wer bestimmt die Grenzen? Wer setzt die Moral? Und wem folgt das Recht?

 

Der deutsche Bundestag kam heute zum Punkt, dass es in Deutschland schnell ein Gesetz geben müsse, das die rituelle Beschneidung erlaube. Deutschland ist ein gebranntes Kind und noch nach bald 70 Jahren in der Situation, sich nach aussen korrekt zu verhalten, da sie sich sonst immer mit der Nazivergangenheit konfrontiert sehen. Am selben Tag dieses Entscheids erscheint in den Schweizer Medien ein Artikel, dass die Kinderklinik in Zürich die Beschneidungen vorübergehend einstellt, um zu überlegen, was richtig ist. Wer soll es ihnen sagen? Auf welcher Basis? 

Religiöse Beschneidung von Jungen auch in der Schweiz Thema

Das Urteil des Landgerichts Köln hat auch und er Schweiz Folgen. Das Kinderspital Zürich will auf rituelle Beschneidungen verzichten. Der Verzicht soll vorläufig sein, bis man zu einer Entscheidung findet, wie man weiter vorgehen will. 

Interessant dabei ist die Formulierung, dass man es bei Kindern nicht mehr machen will, die noch zu klein sind, ihr Einverständnis zu geben. Die Frage, die sich da stellt, ist, wo die Altersgrenze liegt. Ein Kind ist meist den Eltern gegenüber loyal und wird sich deren Forderung nach einer Beschneidung – zumal diese argumentieren können, dass alle gleichaltrigen Kinder ihres Glaubens das auch machen – nicht widersetzen. Es bliebe also nur noch der Aufschub ins Erwachsenenalter. 

Grundsätzlich scheint seit dem Urteil der Tenor in die Richtung zu gehen, dass die körperliche Unversehrtheit den höchsten Stellenwert innerhalb der Menschenrechte hat, zumal es sich bei der Beschneidung auch nicht um ein Ritual am Körper des Ausübenden handelt, sondern an einem Dritten, Schutzbefohlenen. 

 

Quelle: http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/stadt_region/zuercher-kinderspital-stoppt-religioese-beschneidungen-1.17377860

Immerdar

Ein Blick, ein Text, es sprach mich an.

Ein Text, an mich, berührte mich.

Ein zweiter, dritter, flossen schnell.

Hin und her, von Anfang an.

Das Band gewebt, ward stark und stärker.

Kein Zögern war, kein Bangen gar.

Die Nacht war kurz, die Worte füllten.

Sehen musst ich, was ich fühlte.

 

Ich flog zu dir, am nächsten Tag.

Halb zitternd noch, halb sehnend schon.

Du kamst entgegen, gross und kühl.

Ich zitterte,  wollte gar  flieh’n,

konnte nicht, es hielt mich da.

Das Weitre gab sich, Schritt für Schritt,

für andre schnell, für uns grad recht.

 

Das Band war da, es wurde stark.,

Wurde zu Stahl und es zerbrach.

Nie wieder, schwor ich mir,

bis dass ich dich dann wieder sah.

Darnieder  sank, wie schon zuvor,

nicht traute  und nun floh, bloss weg,

Nach vorne nur und das gar schnell!!

 

Ich suchte, fand und suchte weiter,

alles nur,  um zu vergessen,

zu verfluchen, neu zu finden,

was nicht ging. Und mich dann stellte,

und erfuhr, dass ich gefunden,

was ich ersehnt. Nicht einfach zwar,

doch unausweichlich, wie mir schien.

 

Liebe sucht nicht, Liebe ist.

Einst gefunden, ist sie da,

sie zu meiden? Nicht mehr möglich,

zu vergessen keine Wahl.

Stell dich ihr und nimm sie hin,

als das, was ist, dein Lebensssin,

und gib dich hin – auf immerdar.

Der NS-Kriegsverbrecher Csatary wurde in Budapest festgenommen

Nachdem Reporter der britischen  „The Sun“ Csatary in Ungarn aufgespürt hatten, wurde dieser nun in Budapest festgenommen. Dieser wurde in Abwesenheit 1948 von einem ungarischen Gericht zu Tode verurteilt, konnte aber fliehen. Seit da lebte er in Kanada, bis er da aufgespürt wurde und wieder floh. Nun ist auch dieses Versteck zu Ende und mit nun 97 Jahren sitzt er in Haft.

Besser spät als nie? Wie konnte ein so langes Versteckspiel gelingen? Hatte er Helfer? Man darf gespannt sein, was noch ans Licht kommt und ob überhaupt etwas ans Licht kommt. Des Weiteren dürfte auch das weitere Vorgehen interessant werden: Was passiert nun mit ihm? Wird das Urteil vollzogen? Gibt es einen neuen Prozess? Wird er ihn noch erleben?

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/budapest-mutmasslicher-ns-kriegsverbrecher-csatary-festgenommen-a-845058.html