Die Grauzone – Wie weit würdest du gehen, um zu überleben?

Auschwitz-Birkenau 1944. Das Konzentrationslager ist perfekt organisiert, die Häftlinge sind hierarchisch sortiert. Die ganz Unbrauchbaren kommen direkt nach der Ankunft (und nachdem alles von ihnen genommen wurde, was noch irgendwie Wert oder Verwertung hätte) in die Gaskammern, die anderen werden in die verschiedenen Unterkünfte verteilt. Eine besonders privilegierte Gruppe arbeitet als sogenanntes Sonderkommando (es gab insgesamt 13 davon in der Geschichte von Auschwitz-Birkenau). Sie nehmen die Häftlinge in Empfang und geleiten sie in die Gaskammern. Dieses Handeln verschafft ihnen neben den Privilegien und Erleichterungen etwas Aufschub. Irgendwannn werden auch sie umgebracht in diesem perfide ausgeklügelten System der Mordmaschinerie.

Das zwölfte Sonderkommando plant einen Aufstand. Zu schwer ist die Last der Mittäterschaft beim gleichzeitigen Wissen um die eigene Ermordung. Es ist der einzige Aufstand in der Geschichte von Auschwitz – und er misslingt.

Ein Film, der die Grausamkeit der Geschichte von Auschwitz hautnah zeigt. Ein Film, der die moralische Frage von Täter und Opfer neu aufkommen lässt und die Antworten offen lässt. Antworten, die es so wohl gar nicht gibt. Keiner war nur böse, keiner nur gut. Und doch kam es zu diesem dunklen Punkt in der Geschichte, der alles veränderte, der Moral als zeitlich und kulturell erschaffenes Gedankengut und nicht als universale Grundvoraussetzung offenlegte.

Geschrieben und gesagt wurde viel über die Shoah. Die Juden wurden als zu brav dargestellt, die Sonderkommandos als Mittäter verschrien. Die Deutschen waren die Bösen. Wäre die Welt so einfach zu erklären, das Leben so klar strukturiert, wäre das Dritte Reich nie möglich gewesen. Aus dem weichen und sicheren Sofa lässt es sich leicht richten.

Fazit: 

Ein Film, der berührt, aufrüttelt, mitnimmt. Ein Film, der in die Tiefe geht – in die der Geschichte und in die der eigenen Seele. Absolut sehenswert, aber nichts für schwache Nerven.

Kritik:

Am Schluss hört man die Stimme eines Mädchens (des Mädchens, das am Schluss des Films erschossen wird). Es spricht in der Ich-Form davon, wie die Asche der kremierten Häftlinge sich in die Winde verteilt, sich auf die Lungen der arbeitenden Häftlinge setzt. Es spricht davon, wie es selber verbrannt wurde, wie es brannte.

Diese Schlussszene hat in meinen Augen ein Tabu gebrochen, das nicht hätte gebrochen werden sollen. Von Auschwitz erzählen können nur die, welche überlebt haben. Es gibt immer noch das, was nicht erzählbar ist, es nie sein wird, da niemand, der es erfuhr, es überlebt hat, um davon Zeugnis ablegen zu können. Keiner ging durch den Ofen und überlebte das Feuer. Was im und nach dem Feuer passierte, ist in Schleier gehüllt und soll da bleiben. Des reinen Effekts willen sollte diese Schwelle nicht überschritten werden. Und das ist hier getan worden.

Angaben zum Film:

Titel: The Grey Zone / Die Grauzone

Produktion: USA 2001

Länge: 104 Min.

Regie/Drehbuch: Tim Blake Nelson

ISBN: 4260090981627

2 Comments

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  1. Hier eine wahre Geschichte zum Aufstand in Auschwitz:

    Roza Robota (21 Jahre alt) war Mitglied der linkszionistischen Pioniergruppe Haschomer Hazair und hatte vor der Liquidierung des Ghettos Ciechanów die jüdische Widerstandsgruppe aufgebaut. 1944 wurde sie zusammen mit ihren Eltern nach Birkenau transportiert. Sie wusste aus ihrer Tätigkeit im Widerstand was ihnen bevorstand. Ihre Eltern wurden mit der grossen Masse der Deportierten gleich umgebracht, Roza und ein paar andere junge Frauen und Männer sollten noch vor ihrem Tod als Arbeitssklaven dienen. Sie wurde der Bekleidungsstelle zugeteilt, die andern mussten zu den Weichsel-Union-Werken, wo Zünder für Granaten hergestellt wurden.

    Der Lageruntergrund nahm schon bald mit Roza Kontakt auf. Sie sollte Sprengstoff für Bomben organisieren. Diese benötigten sie für den geplanten Aufstand. Roza übernahm ohne zu zögern diese Aufgabe und traf sich heimlich mit den andern Frauen aus Ciechanów, damit diese den Sprengstoff in den Nachtschichten aus dem Werk schmuggeln könnten. Die Nachtschichten wurden nicht so streng kontrolliert. 20 jüdische Zwangsarbeiterinnen schmuggelten in den nächsten Tagen Nacht für Nacht winzige Dosen Sprengstoff aus dem Betrieb und übergaben sie Roza. Sie sammelte die Dosen ein und übergab sie weitern Häftlingen, bis sie bei Filatov, einem russischen Kriegsgefangenen und Sprengstoffexperten landeten. Der geplante Aufstand fand aber nicht statt, weil immer entweder was schief lief oder etwas dazwischen kam.

    Das Sonderkommando wurde immer ungeduldiger und verzweifelter. Sie wollten mit dem Aufstand wenigstens versuchen die 400 000 ungarischen Juden zu retten. Als sich die Hoffnung auf einen Aufstand als vergebens erwies beschlossen sie zu handeln. Am 7. Oktober 1944 erhoben sie sich, töteten mehrere SS-Männer und schafften es, wenigstens die vier Krematorien zu sprengen. Sie selber versuchten zu flüchten, wurden aber erschossen.

    Nach dem Anschlag untersuchte die politische Abteilung der Lager-SS die Sprengung. Schnell war ihnen klar, dass dieser aus den Weichsel-Union-Werken stammte. Drei Wochen später wurden mehrere Arbeiterinnen verhaftet. Weshalb man Roza Robota die immer noch in der Bekleidungsstelle arbeitete auch verhaftete, ist nicht bekannt. Esther Wajsblum, Ella Gertner, Regina Saphir und Roza Robota wurden in den berüchtigten Block 11 gebracht (Einzelheiten der Verhöre lasse ich weg.). Der Lageruntergrund befürchtete das Schlimmste und bereitete sich auf weitere Verhaftungen vor. Doch Roza verriet niemanden. Noah Zabludowicz, der Auschwitz überlebte, war der letzte der Roza sah und mir ihr sprechen konnte. Sie erzählte ihm was die SS getan hatte und sagte zum Schluss: „Es ist einfacher zu sterben, wenn man weiss, dass die anderen weitermachen“.

    Am 6. Januar 1945, sechs Tage vor der Befreiung Auschwitz, wurden Esther Wajchblum, Roza Robota Ella Gertner und Regina Saphir auf dem Appellplatz erhängt. Dies waren die letzten Hinrichtungen in Auschwitz, am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager.

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  2. Danke für diese wahre Geschichte. Die Rolle der Frauen in Auschwitz bei diesem Aufstand war auch Thema im Film. Der Film basiert auf der wahren Erzählung des Lagerarztes Mikros Niyszli, welcher Auschwitz überlebt hat.

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