Das Leben leben

„Schlussendlich zählen nur drei Dinge: Wie gut wir gelebt haben. Wie gut wir geliebt haben. Wir gut wir gelernt haben, loszulassen.“ (Jack Kornfield)

Was ist ein gutes Leben? Wann können wir auf unser Leben schauen und sagen: Ja, es ist gut, wie es ist? Was brauchen wir dazu? Geld?

Wenn wir unsere Tage anschauen, sind die oft mehrheitlich mit Dingen gefüllt, die dazu dienen, etwas zu erreichen. Wir arbeiten, um Geld zu verdienen, gehen ins Fitnessstudio, um abzunehmen, gehen shoppen, um mehr Kleider zu haben und besser auszusehen, kaufen ein neues Auto, um mit dem Nachbarn mithalten zu können. Dafür schieben wir anderes auf die Seite: Wir besuchen den alten Onkel nicht, den wir immer so liebten, weil schlicht die Zeit fehlt, wir geniessen nicht den Sonnentag, weil wir uns auf dem Stepper abstrampeln müssen, wir spielen nicht mit den Kindern, weil wir Überzeit machen, die gut bezahlt wird.

Und dann ist der Onkel tot, die Kinder sind gross, draussen ist Nebelwetter und den Job verlieren wir wegen Reorganisation. Und nun? Sitzen wir nun da und denken: Aber wenigstens haben wir ein neues Auto und eine Traumfigur? Nein, sehr wahrscheinlich wird in uns Bedauern laut. Wir merken, was wir verpasst haben und klagen uns an. Leider hilft das wenig, im Gegenteil: Wir können die Uhr nicht zurückdrehen. Es gilt also, loszulassen, was war und nach vorne zu schauen. Wir haben einige Chancen verpasst, aber neue warten auf uns. Die sehen wir nur, wenn wir nicht an den verpassten hängen, sondern mit offenem Blick nach vorne schauen, mit dem Lehrstück aus der Vergangenheit im Hinterkopf. Und dann machen wir es besser. Wir haben jeden Tag die Chance, neu anzufangen. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit zu sagen:

Heute beginnt der Rest meines Lebens. Ich will leben und lieben. Und irgendwann lasse ich los im Wissen, dass ich gut gelebt und von Herzen geliebt habe.

was bleibt

wo du wohl bist
so weg von hier?
was du wohl tust
so weit von mir?
was du wohl siehst
am neuen ort?
was er dir ist?
ein neuer hort?

was ich wohl bin
in deiner welt?
ob was du siehst,
dir auch gefällt?
ich sitze hier,
in unsrer welt,
aus der du bist
lang abbestellt.

warst einfach weg,
ein keiner frug.
warst einfach weg,
fast ein betrug.
der mir dich nahm,
so unverhofft,
doch weiss man wohl,
dass dies kommt oft.

ich schaue hoch,
zum Himmelszelt,
ich schaue hoch
in deine welt,
sie scheint so fern,
doch du bist da,
im aussen weg,
im herzen nah.

©Sandra Matteotti

Der Sinn des Lebens

„The meaning of life is just to be alive. It is so plain and so obvious and so simple. And yet, everybody rushes around in a great panic as if it were necessary to achieve something beyond themselves.“ (Alan Watts)*

Wie oft sind wir einfach getrieben? Wie oft denken wir, etwas erreichen zu müssen oder zu wollen, rennen Wünschen und Erwartungen hinterher, ohne zu merken, dass wir immer mehr zu Sklaven ebendieser Wünsche und Erwartungen werden?

Wir reden uns ein, wir wären glücklich, wenn wir nur dies oder jenes erreichten oder hätten. Wir suchen nach dem Sinn des Lebens und versuchen, diesen durch Leistungen zu erreichen. Und dabei vergessen wir oft das, was eigentlich der Sinn des Lebens wäre: Wirklich zu leben.

Auf dem Sterbebett befragt, was man sich im Leben noch gewünscht hätte, antworten die wenigsten, dass sie gerne noch mehr gearbeitet, noch eine Karrierestufe höher gestiegen oder noch einen grösseren Fernseher, ein teureres Auto gehabt hätten. Sie hätten gerne mehr geliebt, mehr gelacht, mehr gelebt.

Wir haben dieses eine Leben: Leben wir es.

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*Der Sinn des Lebens besteht schlicht darin, am Leben zu sein. Es ist so klar, so offensichtlich und so einfach. Und doch hetzt jeder in einer grossen Panik durchs Leben, als ob es nötig wäre, etwas ausserhalb einem selber zu erreichen. (Übersetzung S.M.)

Luftleer

Steh am Rand und blick hinunter
in den Abgrund der Gefühle,
über Klippen ohne Brücken,
über Hänge, schroff und steil.

Suche Weite und verliere
mich alsbald in ihrer Ferne,
durch die Lüfte ohne Boden,
in dem öd und leeren Einerlei.

Steh am Abgrund und ich fühle
wie die Leere aus dem Aussen
in mich eindringt, dann ausfüllend
mich so ganz und gar verschlingt.

Stürze runter und im Fallen
seh ich alles nochmals ziehen,
sehe Schönes, sehe Leiden,
und versöhne mich mit ihm.

©Sandra Matteotti

 

Das Licht nach dem Dunkel

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Wie oft ist es gerade nach den dunkelsten Nächten plötzlich hell, so hell, wie man es sich nicht hätte erhoffen können noch in der Nacht? Könnte man doch in der Nacht das Vertrauen haben und drauf bauen, dass die Sonne immer wieder aufgeht. Das Dunkel wäre leichter zu ertragen. Doch zum Glück: Auch ohne dieses Vertrauen geht sie irgendwann wieder auf.

Danke für all das Licht!

Der Umgang mit den eigenen Ängsten

Der Umgang mit eigenen Ängsten
Gibt es sinnvolle Ängste? Diese Frage las ich kürzlich im Internet. Der Fragesteller verneinte die frage sogleich. Nun sind wir Menschen oft mit Ängsten konfrontiert. Soll das alles sinnlose Zeitverschwendung sein? Ich denke nicht.

Angst ist ein Warnsignal. Sie kann vor akuten Gefahren warnen und somit das Überleben sichern. Sie hier als sinnlos zu bezeichnen, wäre fatal. Sie zu überwinden mitunter tödlich. Es gibt aber auch Ängste vor Dingen oder Situationen, die wir uns nur einbilden. Wir malen uns Situationen aus und stellen uns die für uns negativen Konsequenzen vor. Aus diesen Vorstellungen heraus bilden wir Ängste – und vermeiden dann die Situation, um nicht in Gefahr zu kommen – eine Gefahr, die nur in unserer Vorstellung existiert.

Ist die zweite Angst also sinnlos? Ich würde auch das nicht absolut setzen. Wenn die Angst dazu führt, dass wir alles meiden, das uns aus irgendwelchen Gründen Ängste bereitet, wäre das sicher nicht wünschenswert. Wenn wir uns aber unseren Ängsten stellen, schauen, woher sie rühren und versuchen, damit umzugehen, kann daraus etwas Gutes erwachsen. Und wir lernen viel über uns selber. Wir erkennen unsere Muster, unsere Abwehrmechanismen und lernen, damit umzugehen – bewusst.

Wenn wir also wieder einmal in einer Situation sind, die uns Angst bereitet, hilft es, hinzusehen:

  • Wovor habe ich genau Angst?
  • Woher kommt die Angst?
  • War ich schon früher mal in ähnlichen Situationen? Was habe ich damals gemacht?
    • Wenn es gut ausging: Kann ich es heute wieder ähnlich lösen?
    • Wenn es nicht wie gewünscht ausging: Ist wirklich alles gleich heute?

Wenn ich die Situation so analysiert habe, geht es daran, Wege zu finden, wie mit der heutigen Situation umzugehen. Entweder ich wende die Mittel erneut an, die beim letzten Mal funktioniert haben, oder ich passe sie an die heutige Situation an.

Natürlich gibt es immer Dinge oder Situationen, die nicht zu uns passen, die uns Angst machen, die wir nicht zu meistern glauben. Wenn sich keine Lösung zeigt, stellt sich die Frage: Kann ich die Situation umgehen oder muss ich da durch? Wenn mich etwas eigentlich Freiwilliges heute überfordert, ist vielleicht die Zeit nicht reif. Vielleicht kann ich kleinere Ziele setzen, die im langen Lauf zum Endziel führen. Wenn ich nicht darum herum komme, etwas zu tun, dann kann es helfen, auch da Strategien zu entwickeln:

  • Eigene Stärken nochmals vergegenwärtigen
  • Möglichkeiten sehen, die auch beim Nichterreichen offen bleiben
  • Das Bewusstsein: Das Leben wird nicht daran hängen.
  • Methoden entwickeln, selber ruhig zu bleiben (Atmen, Achtsamkeitsübungen, etc.)

Ist Angst also sinnlos? Ich denke nicht. Wir dürfen uns nur nicht von unseren Ängsten lähmen lassen, sondern sie als Zeichen nehmen, hinzusehen. Wir können unser Bewusstsein schulen und uns immer wieder ein Stück besser kennenlernen.

Kreativität

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„Kreativtität ist die Fähigkeit zu sehen (oder bewusst wahrzunehmen) und zu antworten.“ (Erich Fromm)

Wie oft schauen wir nur und sehen gar nicht wirklich? Wie wollen wir richtig auf etwas reagieren, das wir gar nicht wirklich wahrgenommen haben? Wie oft reagieren wir auf die Dinge, wie sie wirklich sind, wie oft darauf, wie wir denken, dass sie seien?

Dem Leben Sinn geben

„Wer ein Warum hat zu leben, erträgt fast jedes Wie.“ (Friedrich Nietzsche)

Das Leben ist kein Ponyhof. Leider wahr. Und oft müssen wir uns mit Dingen rumschlagen, die wir eigentlich lieber nicht in unserem Leben hätten. Ich zum Beispiel träume insgeheim immer von einem Leben wie in einem Rosamunde-Pilcher-Roman. Was könnte schöner sein? Ein paar absehbare Schwierigkeiten, danach ist alles in Butter. Doch ab und an fühlt sich das Leben an, als ob ich der Frosch im Milchfass wäre, der trotz Strampeln nicht sicher ist, ob da je Butter draus wird.

Das Strampeln mag anstrengend sein, doch wenn ich ein Ziel vor Augen habe, das Strampeln einen Sinn hat für mich, dann nehme ich es doch in Kauf. Was aber, wenn ich strample und im Strampeln keinen Sinn mehr erkenne? Woher nehme ich dann die Motivation? Und die Kraft?

Sinnlosigkeit ist der wohl grösste Krafträuber in unserem Leben. Nun ist Sinn aber nichts, was in den Dingen liegt, Sinn ist etwas, das wir den Dingen zuschreiben. Wir können ihn auch entdecken und dann daraus Motivation gewinnen. Oder aber wir merken, dass etwas für uns durch und durch sinnlos ist. Und ändern es.

Vielleicht lohnt es sich, einfach mal hinzuschauen und zu fragen: Was mache ich den ganzen Tag? Und wieso mache ich es? Ergibt es Sinn für mich? Wenn nein: Was könnte ich ändern?

Was wirklich zählt

„Die grössten Ereignisse – das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden.“ (Friedrich Wilhelm Nietzsche)

Wie oft trachten wir nach dem Grossen, nach dem Lauten, nach dem, was auffällt, was hergibt. Je grösser, desto besser – so lautet die Devise und daran wird man auch landläufig gemessen in einer Gesellschaft, die Wert über Leistung definiert. Und wir? Wir wollen dazugehören. Wollen jemand sein. Wollen Anerkennung, dürsten nach Bestätigung. Und rennen all dem hinterher, oft über unsere Kräfte, entgegen besseres Wissen, ungeachtet dessen, was dabei auf der Strecke bleibt; oft wir selber, nicht selten unsere Beziehungen, ganz oft unsere Gesundheit. Was leider ausbleibt, ist das Glück, das wir uns aus all dem versprechen. Kaum ist etwas Grosses erreicht, muss das nächste her. Es hört nie auf.

Und dann. Ein kleiner Moment. Ein Lächeln, ein liebes Wort, das gemeinsame Sitzen mit einem lieben Menschen auf einer Bank, um den Sonnenuntergang zu bestaunen. Ein Kuss. Ein Blick. Eine Tasse Tee zurück an der Wärme nach einem kalten Tag draussen.

Wie schön wäre es, könnten wir aus solchen Momenten etwas fürs Leben lernen, darüber, was wirklich zählt, was wirklich Wert hat. Und dann das Hamsterrad verlassen.

Ich glaube, es ist möglich. Wir müssen es nur ausprobieren.

Hermann Hesse: Bücher

Bücher

Alle Bücher dieser Welt
Bringen dir kein Glück,
Doch sie weisen dich geheim
In dich selbst zurück.

Dort ist alles, was du brauchst,
Sonne, Stern und Mond,
Denn das Licht, danach du frugst,
In dir selber wohnt.

Weisheit, die du lang gesucht
In den Bücherein,
Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
Denn nun ist sie dein.
(Hermann Hesse, 1918)

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Für das Projekt „Lyrische Helfer“ – Gedichte für glückliche Zeiten oder wenn man das Glück sucht

Wir alle wollen glücklich sein und tun auch sehr viel, das Glück zu finden. Wir denken, wir müssen etwas bestimmtes haben, leisten oder erreichen, damit das Glück in unser Leben kommt, suchen es bei Menschen, in Büchern, gar in Therapien. Wir sind wie der Bauer, der aufbricht, um einen Schatz zu finden und nicht merkt, dass dieser im eigenen Garten schon da gewesen wäre, er hätte ihn nur sehen und giessen müssen.

Wir sind wie ein Garten, in uns ist alles Gute (und auch anderes) angelegt. Wir entscheiden, was davon wir giessen und zum Wachsen bringen. Wenn wir in uns die guten Anlagen wie Liebe, Mitgefühl und Güte giessen, wird sich das Glück von selber einstellen. Glück findet sich nicht im Aussen, wir können es nicht erreichen. Es ist schon da, wir müssen es nur sehen und wachsen lassen.

Dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen

Schon Aristoteles sagte, dass Glückseligkeit das höchste Gut des Menschen sei. In seiner Nikomaschischen Ethik versucht er aufzuzeigen, wie man ein guter Mensch ist und ein glückliches Leben führt. Leben heisst nach Aristoteles immer auch handeln. Indem wir handeln, leben wir. Und wir handeln, um etwas zu erreichen, ein Gut – und da wären wir wieder am Anfangspunkt:

Das Höchste all dieser Güter ist die Glückseligkeit.

Allem Handeln um unterschiediche Güter liegt immer etwas zugrunde:

Wir wollen glücklich sein.

Nur: Was ist Glück? Bücher darüber gibt es viele, Ratgeber, wie wir es erreichen, ebenso. Noch scheint keines wirklich der Erfolgsgarant zu sein, denn es entstehen immer neue. Vermutlich liegt ein Grund dafür, dass es mit dem Lesen der Bücher nicht getan ist, man auch gewisse Einsichten anwenden müsste – eben handeln. Und das anders, als man es bislang tat, denn offensichtlich erreichta man auf die althergebrachte Weise das Glück nicht. Und hier wird es ungemütlich. Wir lebten schon eine Weile so, verhielten uns auf eine gewohnte Weise – irgendwie war das unser Ich, wie wir es kannten. Nur:

If you do what you did, you’ll get what you got.

Sprich: Es ändert sich nichts und das Glück – sofern du nicht schon jetzt glückselig lächelnd da sitzt und dies liest– wird nicht einfach an die Tür klopfen und sich häuslich niederlassen.

tatsächlich tun wir jeden Tag ganz viel, in der Hoffnung, glücklich zu werden. Wir erfüllen uns Wünsche, wir strengen uns an, um anderen zu gefallen, Ziele zu erreichen. Wir gönnen uns was – Schokolade, Urlaub, ein neues Auto. Und doch: Nichts will so wirklich wirken. Und wenn etwas nicht klappt, sind wir nicht nur nicht glücklich, dann leiden wir. Und noch schlimmer: Wir tun tagtäglich Dinge, die uns nicht gut tun, die uns mehr schaden als nützen – und doch tun wir sie immer wieder. Würden wir nur diese Dinge loslassen, wären wir dem eigenen Glück schon ein ganzes Stück näher.

10 Dinge, die wir loslassen können, um dem Glück ein bisschen näher zu kommen:

  1. Vergleiche

Wie oft schauen wir, was andere haben oder nicht haben, und sind dann mit uns selber nicht mehr zufrieden? Warten wir eben noch zufrieden, sehen wir bei jemand anderem mehr… Neid macht sich bemerkbar, zumindest aber Unzufriedenheit mit dem, was wir haben. Das muss nicht sein. Der andere ist ein anderer, ich bin ich. Das zu geniessen und sich daran zu freuen, was man hat, ist ein ganz grosser Schritt hin zum eigenen Glück.

  1. Es allen recht machen wollen

Wie oft nehmen wir uns zurück, um es anderen recht zu machen? Nicht selten danken es diese uns kaum, im Gegenteil, sie merken es unter Umständen gar nicht. Und wir sitzen dann da und grummeln innerlich – darüber, dass unsere Bedürfnisse auf der Strecke blieben, und darüber, dass nicht einmal Dankbarkeit dafür geäussert wurde. Es geht nicht darum, keinem mehr einen Gefallen zu machen, aber es tut weder einem selber noch der Beziehung gut, wenn einer sich immer zurücknimmt – und oft dann den anderen seinen Frust darüber merken lässt.

  1. „Das kann ich nicht!“

Wie oft stehen wir vor einer Aufgabe und sagen uns als erstes: Das kann ich nicht. Wie viel verpassen wir, weil wir es nicht mal probieren? Wie viel entgeht uns, weil wir uns zu wenig zutrauen?

  1. „Was denken wohl die anderen?“

Auch hier steht uns die Angst, das Gesicht zu verlieren, im Wege. Der Gedanke, andere können uns auslachen, etwas schlechtes von uns denken oder uns nicht mögen, lässt uns oft erstarren. Wir meiden Dinge, die uns eigentlich Freude machen würden, nur um ein Bild zu wahren.

  1. Sich zu ernst nehmen

Wenn mal etwas in die Hose geht, geht die Welt nicht unter. Einfach mal über die eigenen Fehler lachen, die eigenen Unsicherheiten zugeben, fünf gerade sein lassen. Das Leben ist nicht nur ernst und wenn man es mit Humor und ein bisschen Nachsicht (mit sich selber) nimmt, geht vieles leichter von der Hand.

  1. Alles persönlich nehmen

Nicht alles, was passiert, hat wirklich mit einem selber zu tun. Wenn jemand einen grimmig anschaut, muss das nicht heissen, dass wir etwas falsch gemacht haben (vor allem dann, wenn er uns gar nicht kennt und nichts vorgefallen ist). Vielleicht hat er einfach einen schlechten Tag? Viele Reaktionen anderer sagen zu einem grossen Teil mehr darüber aus, was in den anderen Menschen vorgeht, als es mit uns zu tun hat.

  1. Sich aufopfern

Oft schauen wir, dass es allen gut geht, vergessen uns selber dabei selber. Wieso messen wir uns selber so wenig Wert zu?

  1. Geliebt werden wollen um jeden Preis

Was tun wir alles, um geliebt zu werden? Wir passen uns an, interessieren uns für Dinge, die uns vorher egal waren, versuchen so zu sein, wie wir denken, dass der andere uns haben will, nur weil wir denken, dass er uns so, wie wir sind, nicht lieben kann. Wen aber liebt er, wenn wir gar nicht mehr sind, wer wir wirklich sind? Und was passiert mit unserem wahren Sein? Halten wir das Versteckspiel ewig durch oder platzt irgendwann die Bombe? Ist es das wirklich wert? Liebe sollte nie aufgrund irgendwelcher Anpassungen und äusserer Merkmale erarbeitet werden müssen. Wirkliche Liebe geht tiefer.

  1. Wenn ich nur erst….

Oft denken wir, glücklich zu sein, wenn wir nur erst etwas erreicht haben. Mehr Geld, weniger Kilos, einen neuen Job, einen neuen Mann. Wir definieren unser heutiges Leben und damit unser heutiges Unglück damit, dass wir noch nicht haben, was wir dringend brauchen, und streben dann händeringend und mit Scheuklappen für anderes danach, dieses zu erreichen. Die Ernüchterung kommt meist dann, wenn das eine erreicht ist, das Glück (nach vielleicht kurzem Aufflackern) aber nicht von Dauer ist, weil wieder etwas fehlt. Glück hängt nicht am Erreichen von Dingen, sondern ist eine innere Einstellung zu dem, was ist.

  1. Ich bin nicht gut genug

Für wen oder was? Und wieso? Jeder Mensch ist gut genug. Das heisst nicht, dass man keine Ziele mehr haben darf oder an sich arbeiten soll, im Gegenteil, aber: Das, was heute ist, ist für heute gut genug. Gäbe es das heutige Ich nicht, hätten wir gar keine Basis. Was heute ist, ist alles, was wir haben, und dafür sollten wir dankbar sein.

Ändere dich

„Wenn du tust, was du schon immer getan hast, bekommst du, was du schon immer bekommen hast.“ (Unbekannt)

Wer hat nicht auch schon mal am Silvester gute Vorsätze gefasst? Und sie dann nicht eingehalten? Voller Elan starten wir ins neue Jahr, sind guten Mutes, dieses Mal unsere Vorsätze umzusetzen. Die ersten Tage gehen auch gut, doch dann wird es langsam harzig. Und schon bald ist alles beim Alten.

Leider ist eine Veränderung nicht damit passiert, diese Veränderung wirklich zu wollen. Um sich wirklich zu verändern, braucht es neben dem Vorsatz

  • den festen Willen, das zu tun, was man will,
  • die Entsagungskraft, das loszulassen, was man nicht mehr will,
  • die Ausdauer, auch in schwierigen Phasen durchzuhalten.

Veränderung ist immer Arbeit und immer Übung. Und: Sie passiert nicht für sich allein. Oft müssen wir unser Denken, Verhalten und Tun rund um den Punkt, der sich verändern soll, auch prüfen und anpassen.

Wenn wir tagtäglich die gleichen Dinge auf die gleiche Weise tun, ist dieses Tun zu einer Gewohnheit geworden, in welcher alles zusammen ein Ganzes gibt. Daraus nur ein einzelnes Teilchen zu lösen und zu verändern, kann schwer fallen, wenn nicht unmöglich sein. Wenn wir also etwas ändern wollen, müssen wir genau hinschauen, wie dieses in unserem Leben verwurzelt ist. Und es dann mitsamt den Wurzeln aus unserem Lebensgarten reissen.

Nun wünschen wir uns Veränderungen oft nicht nur für uns, sondern auch für andere oder gar die Welt. Es ist eine alte Weisheit, dass man andere nicht ändern kann, nur sich selber. Gandhi sagte:

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Oft ist unser erster Gedanke, was das bringen soll. Wenn wir plötzlich lieb und nett sind, bedeutet das nicht, dass der übellaunige Nachbar das auch ist. Das zumindest reden wir uns ein, und wir tun es häufig, weil wir selber vor der Arbeit, die eine Veränderung mit sich bringt, zurückschrecken. Allzu oft ist nämlich genau das, was wir in der Welt ändern wollen, auch in uns angelegt und uns ein wunder (teilweise auch ein blinder) Punkt im Leben.

Bevor wir also hingehen und die Welt ändern wollen, sollten wir zuerst bei uns anfangen und nach Anzeichen dessen suchen, das wir im Aussen ändern wollen. Wenn wir es erkannt haben, gilt es, zu akzeptieren, dass es ein Teil von uns ist. Wir können es von allen Seiten betrachten und schauen, wie es in unserem Sein verwurzelt ist, um es dann mitsamt den Wurzeln aus dem Leben loszulassen.

Oft denken wir, dass wir mit Gewalt gegen Unliebsames vorgehen müssen. Wir stellen uns auf Kämpfe ein, sagen dem Ungewollten den Krieg an, aber damit erzeugen wir nur Druck – und befeuern das, was wir loswerden sogar noch. Viel effizienter ist es, anzuerkennen, dass es ein Teil von uns ist – wie vieles andere auch. Statt das Negative zu bekämpfen, sollten wir das Positive stärken, um diesem mehr Gewicht zu geben. Dann gelingt es irgendwann, das andere loszulassen. Weil wir es nicht mehr brauchen. Weil wir eingesehen haben, dass es in unserem Leben nur Leid bringt und wir das so nicht mehr wollen. All das ohne verbissenen Kampf, sondern mit einem Lächeln im Gesicht. Und dieses schicken wir dann in die Welt hinaus:

„Lächle und die Welt verändert sich.“ (Buddha)

 

Nur kein Neid

„Wir mögen’s keinem gerne gönnen, daß er was kann, was wir nicht können.“ (Wilhelm Busch)

Wohl jeder hat sich wohl schon mal dabei ertappt, dass er neidisch auf einen andern schaute und innerlich grummelte, weil dieser was hatte oder konnte, das auch er gerne gehabt oder gekonnt hätte. Neid ist so ziemlich der Vorreiter unter den negativen Gefühlen. Ebenso ist es einem wohl auch schon so ergangen, dass man förmlich spürte, wie bei anderen der Neid regiert, einfach aus ihren Reaktionen – oder auch Nichtreaktionen.

So menschlich Neid sein mag, so vergiftend wirkt er – und dies hauptsächlich für den, welcher ihn hegt. Wenn ich jemandem etwas neide, hat dieser es immer noch, merkt oft gar nichts von meinen negativen Gefühlen (oder sie können ihm auch egal sein), ich dagegen habe es immer noch nicht. Und: Ich habe zusätzlich noch all die negativen Gefühle, die mir alles andere als gut tun.

Wieso mich nicht einfach freuen, dass jemand etwas hat oder kann? Mich mit ihm freuen? Im Buddhismus heisst das Mudita: Mitfreude. Eine wunderbare Sache, da sie Menschen verbindet. Studien zufolge halten Beziehungen länger, wenn man die Fähigkeit zur Mitfreude hat und lebt. Das Gefühl, dass da jemand ist, der sich mit einem freut, vertieft die Beziehung und verstärkt die eigene Freude. Zudem: Geteilte Freude ist doppelte Freude, da sich nun zwei freuen. Und ist es nicht schöner, mit Freude im Herzen durchs Leben zu gehen als sich von Neid zerfressen lassen.