Demokratie und das Gejammere der Nation

Wir haben gewählt. Also ein Bruchteil von uns hat gewählt. Die Mehrheit dieses Bruchteils war der Meinung, dass die Schweiz dringend gen rechts wandern solle. SVP und FDP kriegten den Zuschlag, die netten Linken schauten in die Röhre (ok, nicht ganz, aber so ein bisschen). Da wir eine Demokratie sind, noch dazu eine direkte, war das der Wille des Volkes und damit alles klar. Könnte man denken.

Es geht erst richtig los. Nun heisst es nämlich: Das war niemals der Wille der Mehrheit. Die Schweiz will das nicht. Wir Schweizer wollen das nicht. Das geht gar nicht. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Gewisse Stimmen gehen so weit, die Demokratie in Frage zu stellen und von einer Diktatur der Mehrheit zu sprechen.

Nun: Eine Demokratie heisst, dass die Mehrheit gewinnt. In der Schweiz wird dieses Prinzip noch mit ein paar Zusatzbedingungen wie dem Ständemehr und anderem angereichert, aber grundsätzlich gilt das Prinzip. Da die Wahlbeteiligung nicht sehr hoch war, kann man schon sagen, dass dieses Wahlergebnis nicht die Mehrheit der Schweiz widerspiegelt. Aber es spiegelt die Mehrheit derer wider, die sich überhaupt die Mühe machten, das Recht zur Wahl wahrzunehmen. Die ganz grosse Mehrheit der Schweizer tat dies nämlich nicht. Die sass zu Hause, politisierte vielleicht am Familientisch, auf Facebook, Twitter oder am Stammtisch. An der Urne taten sie es nicht.

Leider helfen grosse Reden wenig, schon gar nicht, wenn es darum geht, Demokratie zu leben. Es gibt für dieses Wahlergebnis verschiedene Erklärungen:

  • Das Wahlresultat spiegelt wirklich die Mehrheitsmeinung wider. Zwar war die Wahlbeteiligung gering, allerdings würde diese Stichprobe durchaus reichen in der Feldforschung, um ein repräsentatives Ergebnis zu generieren.
  • Das Wahlresultat spiegelt nicht die Mehrheitsmeinung wider, sondern nur die Mehrheit derer, die wählen gingen. Die Frage stellt sich dann: Wieso gingen die anderen nicht wählen? Was hielt sie davon ab?

Im ersten Fall müsste man – sofern man die Demokratie weiterhin als gewünschte politische Form ansieht – das Resultat akzeptieren. Das heisst nicht, dass man es gut finden oder gar seine Meinung ändern und plötzlich SVP-Anhänger werden muss. Man kann sich überlegen, ob man etwas tun kann, konstruktiv, fundiert und mit einer Strategie. Einfach nur jammern hilft wenig.

Im zweiten Fall müsste man sich schlicht an der eigenen Nase fassen, zumindest dann, wenn man selber nicht an die Urne ging. Und wer nun Gründe aufführt, wieso er nicht gehen konnte, dem sei gesagt:

 Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege.

Wo was raus soll, muss was rein

Vor einiger Zeit kam ich zum zweifelhaften Glück, dass in meinem Keller, welcher gleichzeitig Luftschutzkeller ist, 40 Notbetten untergebracht und zwei Trockenklos installiert wurden. Der gute Mann, der das ganze Zeugs anschleppte, teilte meine Meinung, dass dies höchst fragwürdig sei und eh nie gebraucht würde. Nun denn: Es ist Gesetz und alles muss seine Richtigkeit haben.

Die Abnahme der Klos durch den netten Beamten der Stadt dauerte knapp 5 Sekunden. Auf meine Frage, ob ich den Keller nun verkaufen dürfe, da er ja über genügend Schlafmöglichkeiten und sogar zwei eigene Klos verfüge, erntete ich einen kurzen Blick und ein schnell unterdrücktes Lachen (auch er teilte wohl meine Ansicht über die Unsinnigkeit des Unterfangens).

Als ich so über meinen Keller nachdachte, stellte sich mir aber eine dringende Frage: Wenn die Notwendigkeit eines Luftschutzkellers gesetzlich verankert ist, sieht man ja grundsätzlich einen Sinn darin und auch die Möglichkeit, dass dieser benutzt wird. Ich würde also mit 39 anderen Nasen in meinem Keller sitzen, wir hätten je ein Bett und zusammen zwei Klos. Nur: Was soll in die Klos? Müsste mich der Kanton nicht auch mit Essensvorräten oder zumindest Geld, solche zu besorgen, ausstatten? Ob ich mal nachfragen sollte? Oder gebe ich diesem Luftschutzkeller doch zuviel Sinn, den er doch nicht hat?

Rezension: Lotta Sjöberg – Family Living

Die ungeschönte Wahrheit

Familienleben – eine Idylle der anderen Art

Hätte ich meine Zeit mit Putzen verbracht, wäre dieses Buch nie zustande gekommen.

Sjöberg1Mit diesen Worten wird das Buch Family Living eingeleitet. Der Satz ist bezeichnend für das ganze Buch: Es könnte so schön sein mit dem Familienleben, wenn einen nur nicht die Realität einholen würde. Lotta Sjöberg erzählt aus dem ganz alltäglichen Familienirrsinn. Alles fängt damit an, dass mit den Kindern die ach so tolle Stadtwohnung zu klein und unpraktisch wird. Mehr Platz ist dringend nötig. Umzug und andere Strapazen bleiben nicht aus. Aber auch im Traumhaus ist nicht alles einfach. Kinder werden krank, der Spagat zwischen Beruf und Familie fordert seinen Tribut und auch das Leben als Paar hat so seine Tücken. Doch trotz all den täglichen Gewissenbissen, Hürden und Notlösungen ist es doch wunderbar, das Familienleben. Irgendwie.

Sjöberg2Lotta Sjöberg erzählt mit viel Humor und Sinn für die Alltäglichkeiten aus dem ganz normalen Familienleben. Illustriert hat sie das Buch mit herrlichen Zeichnungen, welche die Erzählung stützen und mit viel Liebe zum Detail weiterentwickeln, mit neuen Facetten würzen. Entstanden ist ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch. Family Living ist ein Buch, das mit Illusionen aufräumt, einem zeigt: Man ist nicht allein in diesem Wahnsinn, andern geht es genauso.

Fazit:
Ein witziges, unterhaltsames und ehrliches Buch mit wunderbaren Illustrationen. Absolut empfehlenswert.

Die Autorin
Lotta Sjöberg
Lotta Sjöberg *1971, arbeitet als Zeichnerin und lebt mit ihren drei Töchtern, ihrem Mann und einem Hund in Stockholm.

Zum Buch gibt es auch eine Facebookseite: Family living the true story

Angaben zum Buch:
SjöbergFamilyGebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Edition Moderne (1. Oktober 2015)
Übersetzung: Ulrike Samuelsson
ISBN-Nr: 978-3037311431
Preis: EUR 19.80 / CHF 29.90

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http://www.books.ch/shop/home/suchartikel/family_living/lotta_sjoeberg/EAN9783037311431/ID42374358.html?jumpId=31307229&suchId=9ffc1b1d-36c2-483c-9e40-96905cae1c85

Illustratoren vorgestellt: Vitali Konstantinov

VK_portrait01Vitali Konstantinov wurde bei Odessa (damals UdSSR, heute Ukraine). Nach dem Studium der Architektur, Grafik, Malerei und Kunstgeschichte in der UdSSR und in Deutschland arbeitet er heute als freier Illustrator in den Bereichen Belletristik für Kinder und Erwachsene, Sachillustration und Editorial für deutsche und internationale Verlage. Er hat in dieser Zeit zahlreiche Bilderbücher und Illustrationen in vielen Ländern realisiert sowie auch klassische Texte bebildert. Mehrfach nahm er auch an internationalen Illustrations-Ausstellungen teil (Belgrad, Bologna, Bratislava, New York, Tokyo) und gewann einige Auszeichnungen: Premio Stepan Zavrel (Italien), Buchmesse Bologna (Italien), Stiftung Buchkunst »die schönsten deutschen Bücher«, 3X3 Children’s Book Show (USA), Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011, The White Ravens 2012. Neben der freien Illustrationstätigkeit unterrichtete Vitali Konstantinov am Institut für Bildende Kunst der Universität Marburg (2012-2013), an der Bauhaus-Universität Weimar (2011), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (2009-2010) und leitet zahlreiche Sommerkurse und Workshops für Illustration und Comic in Deutschland, Italien, Spanien, Schweiz.

Vitali_DasFestWaren Sie das Kind, das immer und überall mit Zeichenstiften bewaffnet auftrat?

 Angeblich war ich nicht mal 1 Jahr alt, als ich meine ersten bewussten Linien gezogen habe und dabei von enormer Begeisterung meiner Mutter (ihres Zeichens Bildhauerin (sic) und Kunsthistorikerin (also!) ) überschüttet wurde. Da kleine Kinder zumeist wie Äffchen von den Einflüssen der Aussenwelt gesteuert und geformt werden, hat diese zu frühe und zu positive Verstärkung wohl den weiteren Weg bestimmt. Seitdem ist das Zeichnen mein Instrument auf der Suche nach Zuneigung, Bestätigung und Bewunderung ;-).

Wie sah Ihr Weg in die Illustration aus?

 Zufällig… Oder doch vorbestimmt… Im Elternhaus gab es sehr viele Bücher, Kunstbücher, Bilderbücher, auch Kunstwerke etc. Als Kind habe ich obsessiv gezeichnet, (zu) viel gelesen und mich natürlich auch beim Illustrieren der Lieblingsbücher versucht. Ich war etwa 14, als meine erste „editorial-Arbeit“ in einer lokalen Zeitung erschien und meine Illustrationen zu Voltaire’s „Candide“ im professionellen Kontext ausgestellt wurden. Studiert habe ich dann aber doch Architektur, immerhin wurde man dabei fünf Jahre lang exzessiv in realistischem Zeichnen und Malen gedrillt. Als „russischer Architekt“ in Deutschland gelandet, durfte ich meinen Beruf erstmal nicht ausüben, studierte Kunst, freundete mich per Zufall mit einer Design-Firma an, für die ich ein paar Motive zeichnete. Diese Motive wurden in Bologna (wichtigste jurierte Illustratoren-Ausstellung und Buchmesse) gezeigt. Gleich darauf kamen Verlagsanfragen aus USA, Brasilien, Taiwan und danach die ersten Veröffentlichungen. Ich war begeistert. Hätte ich bloß damals gewusst, …

RodariIst eine Ausbildung zum Illustratoren unabdingbar oder lernt man Illustration eher im Stil von learning by doing? Oder anders gefragt: Alles Talent oder kann man es überhaupt lernen?

Das fragen Sie denjenigen, der Illustration nie studiert hat und trotzdem über 100 Bücher in 35 Ländern veröffentlichen konnte und an deutschen Hochschulen Illustration und Comic unterrichten durfte? ;-]

Was macht einen guten Illustratoren aus?

 Er muss den Text lesen und ihm danach folgen können (möglichst auf der Überholspur ;-). „Gute Illustration“ hat nicht viel bzw. gar keinen Platz für künstlerische Selbstsucht, in erster Linie ist sie die Kunst der Interpretation und des (Mit)Erzählens.

main_alch_coverIst Illustration Kunst oder Handwerk?

 Weiss jemand überhaupt, wo das Handwerk aufhört und die Kunst beginnt? …

Haben die elektronischen Medien den Beruf schwerer gemacht oder beflügelt?

 Die „Medien“ sind selbstverständlicher Bestandteil des heutigen Lebens – wie beheiztes Wasserklosett o.ä. Darauf würden wir jetzt auch ungern verzichten und trotzdem sind wir nicht bei jedem Klobesuch maßlos „beflügelt“, oder? 😉

Was zeichnet Ihren Stil aus?

 Habe ich etwa einen „Stil“? „Stil“ wäre etwas Angekünsteltes, Bemühtes. Ich kann bloß meine natürliche Motorik und Sehgewohnheit vorweisen. Nix Stil da.

main_alch_MendelejewHaben Sie Lieblingsmedien (welche?) oder passen Sie diese immer dem jeweiligen Thema/Auftrag an?

 Mein allerliebstes Medium ist eigentlich meine Ukulele.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Etwa wie bei Fjodor Mischailowitsch Dostojewski, mit dem Unterschied: Ich rauche nicht und mache stattdessen viel Sport 😉

Können Sie Ihren Weg von der ersten Idee bis hin zur fertigen Illustration beschreiben?

 Vorfreude – Ahnungslosigkeit – Angst zu versagen – Verzweifeln – zufälliger Einfall – Stolz auf Entstehendes – Enttäuschung. Und alles von vorn.

Wie ist das Klima zwischen Illustratoren? Ist jeder ein potentieller Konkurrent, den man meidet, oder ein Kollege im selben Arbeitsumfeld, mit dem man netzwerkt?

 Die Atmosphäre unter Illustratoren ist von Sympathie, Austausch und Anerkennung geprägt – und das wirklich international über alle Grenzen und Sprachen hinweg. Man kennt sich, man gehört schliesslich zu einer seltenen und stets bedrohten Gattung. Ausserdem ist jeder Künstler so fest von seiner eigenen Individualität und Unaustauschbarkeit überzeugt, dass ein Konkurrenz-Gedanke als absoluter Nonsens erscheint.

Was raten Sie jemandem, der Illustrator werden will?

 Das nochmal zu überdenken und eventuell einen anderen – anständigen und Geld bringenden – Beruf zu lernen. Es sei denn, er taugt für nichts anderes und kann sich das Leben ohne Illustrieren nicht vorstellen. Dann soll er Visitenkarten drucken, die ihn als Illustrator/in ausweisen, und loslegen. Easy.

Welchen Illustrator soll ich hier noch vorstellen?

 Hm… nur eine/n? und ausschliesslich deutschsprachige/n? … Ich will keine/n vorziehen. Es gibt sehr viele, die ich bewundere, persönlich mag etc. Soll ich eine Liste zusammenstellen?

Ich bedanke mich sehr herzlich für diese humorvollen Antworten, für diesen Einblick in den Illustratorenalltag, und freue mich schon auf die Liste.

Homepage von Vitali Konstantinov: pittore.de

Lügen und andere Wahrheiten

Heute las ich auf Facebook einen Spruch:

 Lüge keinen an, der dir vertraut.
Vertraue keinem, der dich belügt.

Er traf bei mir ins Schwarze, denn es gibt nichts, das ich mehr verabscheue als Lügen. Und ich mache wenig Unterscheidungen, worum es geht, Lüge ist Lüge. Es gibt Menschen, die zwischen weissen und schwarzen Lügen unterscheiden. Es gibt Menschen, die finden, ein körperlicher Betrug und die Lüge wiege mehr als einer auf anderen Ebenen. Ich sage nein. Denn in meinen Augen ist das Schlimme an Lügen nicht mal die Lüge an sich (wäre es so, wäre ihr Gegenstand ausschlaggebend), sondern das, was sie für die Beziehung zwischen zwei Menschen bedeutet.

Wenn einer lügt, gesteht er dem anderen das Recht nicht zu, mit der Wahrheit umzugehen. Dies entweder, weil er es ihm nicht zutraut, oder aber, weil er dessen Reaktion fürchtet. Was eine Beziehung in beiden Fällen wert ist, liegt auf der Hand: Nichts. Auf der anderen Seite steht der andere, welcher glaubt, was er hört. Irgendwann muss er merken: Es war alles eine Lüge (vielleicht auch nur ein Teil, wer weiss es so genau?). Einerseits sieht er sich beschissen vom andern, andererseits kommen nun die Selbstzweifel auf. Was erkenne ich überhaupt? Bin ich so naiv? So leicht zu täuschen?

Es gibt Aussagen, dass jeder Mensch täglich lügt. Mehrfach. So kleine Dinge wie „Die Spaghetti sind lecker!“, „Das Kleid steht dir toll!“, „Ich bin nur müde…..“ Ist das so? Ist die Wahrheit wirklich tödlich? Schnitzlers Traumnovelle verheisst nichts Gutes, denn als das Ehepaar wirklich ehrlich miteinander ist, driftet es ins Aus. Andererseits sagte bereits Thomas Mann:

 Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.

Ich halte es mehr mit Thomas Mann (auch wenn ich Schnitzler sehr liebe und schätze, alles von ihm gelesen habe – von Thomas Mann übrigens auch). Ich mag keine Lügen. Der Gegenstand ist egal. Lüge ist Lüge. Ich kann nicht garantieren, dass ich gelassen reagiere auf die Wahrheit, die mir nicht gefällt, im Gegenteil. Ich bin sehr impulsiv und die Chance, dass das Temperament Purzelbäume schlägt, ist gross. Aber: Sollte ich die Lüge aufdecken, sind es keine Purzelbäume mehr, dann ist die Welt in Trümmern.

Wo fängt eine Lüge an? Gibt es verzeihbare Lügen? Ist Lügen nicht Respektlosigkeit dem andern gegenüber? Ist Lügen Feigheit? So oder so: Es verunmöglicht eine Beziehung auf Augenhöhe – eine andere ist in meinen Augen nicht erstrebenswert.

Worte als Vorboten der Totengräber

Eigentlich wollte ich etwas über Akif Pirincci schreiben, der unlängst an einer Pegida-Kundgebung bedauerte, dass die KZ aktuell ausser Betrieb sind. (Artikel im Spiegel). Ich wollte einen Artikel zum jüngsten Urteil in Strassburg schreiben, in welchem die Schweiz gerügt wird, weil sie einen Leugner des Völkermords an den Armeniern verurteilt hat (Artikel in der NZZ). Ich wollte das Argument, hier gehe es um Meinungsäusserungsfreiheit, widerlegen, da hier keine Meinungen verbreitet werden, sondern Stimmungsmache betrieben wird und Lügen geschützt werden.

Es werden Menschen aufgehetzt und Bedauern wird geäussert, dass kein Völkermord mehr im Gange ist. Das Bedauern könnte man als (wenn auch sehr bedenkliche) Meinung gelten lassen, aber: Völkermord ist ein Verbrechen an der Menschheit und an der Menschlichkeit, es ist ein Verbrechen, für das es keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung und schon gar keinen Grund gibt. Die Meinung, er müsste eigentlich weitergehen – was man dem Bedauern über ruhiggelegte KZ entnehmen könnte –, ist der erste Schritt zur Forderung, wieder Zustände ins Leben zu rufen, die keiner wirklich wollen kann, der einigermassen bei Sinnen ist.

Ja, ich wollte über all das schreiben, weil ich mit Schrecken sehe, dass die Welt sich aktuell in der Situation zu gefallen scheint, alles und jedes unter den Grundsatz der Meinungsäusserungsfreiheit zu stellen. Dabei kümmert es nicht, ob überhaupt Meinungen vertreten oder aber erste Gruben für ein Massengrab geschaufelt werden. Irgendwie bleiben mir dabei die Worte im Hals stecken.

Rezension: Doris Lecher – Spiegel, das Kätzchen

Nach einer Novelle von Gottfried Keller

Der Pakt mit dem Hexenmeister

Vor mehreren hundert Jahren wohnte in Seldwyla eine ältliche Person allein mit einem schönen, putzmunteren und aussergewöhnlich klugen Kätzchen namens Spiegel. […] Das vergnügte, zufriedene zusammenleben nahm aber plötzlich ein trauriges Ende, als Spiegels Herrin unversehens an Altersschwäche starb.

Damit nimmt Spiegels Schicksal seinen Lauf. Ohne Zuhause magert er ab, vor lauter Hunger verliert er fast den Verstand. Nur so ist es zu erklären, dass er sich auf den Hexenmeister Pineiss einlässt und einen fatalen Vertrag eingeht. Nun hilft ihm nur noch eine geschickte Fügung – oder aber der wiederkehrende Verstand, aus dieser Lage wieder herauszukommen.

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“Spiegel, das Kätzchen” @ NordSüd Verlag

Nach einer Novelle von Gottfried Keller hat Doris Lecher die Geschichte um Spiegel, das Kätzchen neu erzählt (dabei etwas gekürzt) und mit wunderbaren Bildern illustriert. Um dem Stoff gerecht zu werden, hat sie auf ihre sonst bevorzugte Technik, das Aquarellieren, verzichtet und sich für den Kupferdruck entschieden. Eine gute Wahl, denn entstanden ist ein wunderbares Buch für Kinder und Erwachsene.

Doris Lecher ist es gelungen, mit ihren Bildern die Stimmung der Geschichte einzufangen. Durch ihre liebevollen Zeichnungen, die mit vielen Details und wunderbaren Farben aufwarten, wird aus Gottfried Kellers Novelle ein Lesevergnügen mit viel Freude beim Anschauen, Staunen und immer wieder Neues entdecken.

Fazit:
Ein wunderbar illustriertes Buch für Kinder und Erwachsene. Absolut empfehlenswert.

Das Interview mit der Illustratorin findet sich hier

Zum Buch gibt es auch einen wunderbaren Buchtrailer

Autor/Illustrator
Doris Lecher

Doris Lecher, geboren 1962 in Zürich, hat Illustration an der Parsons School of Design in New York studiert. Seither schreibt und malt sie für Kinder. Mit Ich will Wurst gewann sie 1997 dem Schweizer Bilderbuchpreis. Ihre Schneckengeschichte ein neues Haus für Charlie hat als Longseller schon viele Kinderherzen erobert. Doris Lecher liebt Kinder, Katzen, Eulen, Kellers Novellen – und vieles mehr.

Gottfried Keller
Gottfried Keller wurde am 19. Juli 1819 in Zürich geboren. Nachdem er sich an der Kunstakademie in München zum Maler ausbilden liess, reiste er zurück nach Zürich und fing wegen dem ausbleibenden Erfolg als Maler zu schreiben an. Er schrieb Werke wie Der grosse Heinrich und die Novellensammlung Die Leute aus Seldwyla, Teil welcher Spiegel das Kätzchen ist. Gottfried Keller starb am 15. Juli 1890 in Zürich.

Angaben zum Buch:
LecherSpiegelGebundene Ausgabe: 40 Seiten
Verlag: NordSüd Verlag (1. Mai 2015)
ISBN-Nr: 978-3314102875
Preis: EUR 16.90 / CHF 23.90

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Rezension: Tony Husband: Mach’s gut, mein Sohn!

Die Geschichte meines Vaters und seiner Demenz

Wenn langsam die Erinnerung verblasst…

Hallo, Dad, können wir mal miteinander reden? Weißt du noch, wie das angefangen hat mit deiner Demenz?

Wie soll sich Ron Husband daran erinnern, wie sein Vergessen anfing? Er findet die Frage witzig, denkt aber doch nach. Er erinnert sich an den Tod seiner Frau, die Neugestaltung seines Lebens, neue Hobbies, seinen Hund Lossie. Er erinnert sich, wie aktiv er war. Und er erinnert sich an eine langsame Veränderung, an das Vergessen, welches ein anderes Vergessen war als das, welches jedem mal passiert.

 Einfach so, ich habe alles Mögliche vergessen. Das Datum, Namen, Termine… Unwichtige Sachen, wichtige Sachen. […] Manchmal war’s richtig peinlich.

Der bekannte englische Cartoonist Tony Husband lässt seinen Vater Ron erzählen, wie er die Demenz erlebt, wie sich sein Leben damit verändert. Tony Husband selber stellt Fragen, hilft mit Erinnerungen, unterstützt das Erzählen seines Vaters. Auf diese Weise ist ein teilweise heiterer, teilweise melancholischer Dialog entstanden, der tief menschlich, wunderbar gefühlvoll, bei all seiner Traurigkeit doch nicht niederschmetternd ist.

Mach’s gut, mein Sohn! ist ein Buch über den Verlust – den Verlust von Erinnerungen, den Verlust von Selbständigkeit und auch den Verlust von Beziehungen. Es ist ein Buch, das Fragen aufwirft, tief geht, berührt. Tony Husband hat dieses sehr persönliche Buch mit liebevollen Zeichnungen illustriert.

Trotzdem das Buch sehr persönlich ist, greift es zentrale Punkte einer Demenz auf, zeigt den Verlauf einer solchen Erkrankung, erzählt vom langsamen Auseinanderdriften der Welten, vom Abschied auf Raten bei allen Beteiligten. Angehörige von Demenzerkrankten finden zudem auf der letzten Seite Anschriften von Vereinigungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist wichtig zu wissen, dass es Hilfe gibt, dass es Begleitung und Unterstützung gibt – auch für die Angehörigen. (Ein Buch zu diesem Thema: Pauline Boss: Da und doch so fern)

Fazit:
Ein liebevoll illustriertes Buch, welches das Thema Demenz auf sehr gefühlvolle, persönliche, tiefgründige und schöne Art aufgreift. Sehr empfehlenswert.

Der Autor
Tony Husband arbeitet seit 1984 hauptberuflich als erfolgreicher Zeichner. Seine Cartoons erschienen in verschiedenen Zeitschriften, Zeitungen, Büchern und auf diversen Websites, in Fernseh- und Bühnenproduktionen. Er wurde mit mehr als 15 bedeutenden Preisen ausgezeichnet. Tony Husband ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in Hyde.

Angaben zum Buch:
HusbandBroschiert: 64 Seiten
Text und Illustration: Tony Husband
Übersetzung: Carola Fischer
Verlag: Knaur Verlag (1. September 2015)
ISBN-Nr.: 978-3426653722
Preis: EUR 12 / CHF 17.90

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Ich habe einen Fehler gemacht

Wir gehen durchs Leben und treffen Entscheidungen. Nicht alle führen uns an den Punkt, an den wir wollen. Das nennen wir dann Fehler. Wir denken, die Entscheidung, die wir fällten, wäre ein Fehler gewesen, da sie uns nicht dahin führte, wo wir hin wollten.

Stimmt das? Ich denke nicht, denn: Wir gehen bei dieser Bewertung davon aus, dass der Weg, den wir nicht wählten, genau dahin geführt hätte, wo wir hin wollten. Wir sind also, so denken wir, nur da angelangt, wo wir nicht hin wollten, weil wir wählten, was wir wählten, und eben nicht die Alternative. Nur dachten wir ja, dass genau der Weg an unser Wunschziel führe, drum wählten wir ihn. Können wir also sicher sein, dass der nicht gewählte Weg dahin geführt hätte?

Und: Wenn schon die Wege so unsicher sind, was ist mit den Zielen? Sind die Ziele wirklich das, was wir wirklich wollen oder malen wir es uns nur aus? Da gewesen sind wir ja nicht, sonst müssten wir es nicht anstreben. Wir denken, da gäbe es etwas, das besser wäre als das, was wir haben, und wir wollen es haben. Drum suchen wir den Weg.

Nur: Gab es nicht auch schon Dinge, die wir unbedingt haben wollten und dann merkten, dass sie eigentlich gar nicht so toll sind? Der Traummann hatte Fehler, der Hund war im kalten Regenwetter nicht wirklich toll und auch der teure Wein gab Kopfweh (zumindest wenn das letzte Glas das eine zu viel war).

Was also tun? Keine Ziele mehr haben? Sich nicht mehr entscheiden? Die „Ist-eh-alles-egal-und-ich-habe-keinen-Bock-auf-nix“-Stimmung einnehmen? Nichts von alledem! Das Leben bringt uns immer wieder an neue Kreuzungen und wir müssen uns entscheiden. Wir tun das nach dem Wissen, das wir halt eben haben. Nur weil wir nicht da landeten, wo wir hin wollten, heisst es nicht, dass die Entscheidung per se ein Fehler war, es heisst auch nicht, dass der Weg, für den wir uns entschieden haben, falsch war. Zwar führte er nicht dahin, wo wir hin wollten, aber wer weiss heute schon, wozu das gut ist?

Irgendwann werden wir an einem Punkt stehen und denken: Es ist alles prima, wie es ist. Und wir werden uns sagen: Ja, alles, was ich tat, auch das, was ich eigentlich anders geplant hatte, hat mich genau hier hin geführt. Ich will nicht verschweigen, dass es dazwischen auch ganz viele Momente gibt, in denen wir jammern, heulen, mit den Füssen stampfen und den Fäusten auf den Tisch hauen und finden, dass alles absolut doof und das Leben ebenso sei. Aber: Die andern Momente kommen. Ganz bestimmt. Und dann werden wir wissen: Alles ist gut. Alles musste genau so sein. Weil wir es uns so erklären. Denn:

 Verstehen kann man das Leben nur rückwärts. Leben muss man es vorwärts.

Das sagte schon Herr Kierkegaard. Was er damit meint, ist nicht, dass wir dann alles verstehen – so wirklich -, sondern dass wir es uns zurecht legen. Das macht uns das Leben erklärbar. Und damit ertragbar. Und irgendwie hat es auch was. Denn: Schlussendlich ist wohl alles immer gut – irgendwie. Man muss dabei nur das Gute sehen und den Rest einfach mitnehmen, weil er schlicht mit dazu gehört.

Drum: Entscheidungen sind nicht Fehler. Sie sind Lebensnotwendigkeiten, da sonst das Leben still stünde. Man kommt nicht immer dahin, wo man hin will, aber man kommt immer weiter. Und dann gilt es, das Beste aus allem zu machen.

Patchwork

Früher hatte man ja nix. Man musste also Dinge wiederverwenden. Drum nähte man neue Decken aus alten Stoffen. Bettlaken, Duvets und vieles mehr kam zu neuen Ehren. Heute muss man das nicht mehr. Dank armen Kindern irgendwo in Neu Delhi kann man eine Decke schon für Spottpreise kaufen. Das ist günstiger, als sich eine Nähmaschine zu kaufen, mit der man alte Stoffen zu neuem Ruhm führen könnte. Was man mit Stoff nicht mehr kann, macht man mit Menschen.

Waren früher Ehen (oft der Umstände wegen) für die Ewigkeit geschlossen, sind es heute zumeist Interimszustände. Schwierig daran ist meist, dass das Auseinanderdriften durch im Interim produzierten Nachwuchs erschwert wird. Nicht nur streiten sich die nicht mehr miteinander Wollenden oder Könnenden um die Modalitäten, es treten über kurz oder lang neue Menschen in ihr Leben, die selber auch ihre Altlasten mit sich tragen. So fügt man dann zusammen, was schon mal gebraucht war, um es neu zu vernähen.

Und man denkt es sich schön und hat im Kopf auch alles schön geordnet, bis einen der Alltag einholt. Der Alltag bringt es so mit sich, dass Termine von 2 Menschen schon oft schwer zu vereinbaren sind. Hat man noch Kinder, kommen die dazu – eigene Interessen, Schulaufgaben, Freunde, Schulausflüge, keine Lust, doch mal Lust, etc. Kommen noch Elternteile ausserhalb des neuen Patchworkgebildes hinzu, wird die Organisation vergleichbar mit der eines mittelgrossen Unternehmens. Erschwerend kommen dann noch die Emotionen der einzelnen Beteiligten hinzu und schon ist die – ich wollte schon sagen „Kacke am dampfen“, aber das sagt man natürlich nicht – Sache kompliziert.

Ich kauf mir mal ne Nähmaschine… Stoff erscheint mir irgendwie einfacher zu verarbeiten als Menschen. Wenn das meine Handarbeitslehrerin liest, kriegt sie einen Lachkrampf… (die erste Decke stelle ich dann bei Instagram rein J )

Facebook – Make New Friends

Ich war vor vielen Jahren einen Monat lang in Chicago, da in Unikreisen. Die Redewendung, die mir am meisten auffiel, war: Make new friends. Auf jedem Aushang stand es, jeder, der dich traf und dich zu irgendwas einladen wollte, sagte es. „Make new friends“ schien sowas wie das oberste Gebot, das, was man machen soll, will und wozu man ganz viele Gelegenheiten geboten kriegt.

Ich bin schon lange zurück in der beschaulichen Schweiz, der Schweizer hat es eher nicht so mit neuen Freunden, er ist skeptisch, zurückhalten, wenig outgoing und schon gar nicht aufgeschlossen Fremden gegenüber (was ich oft bedaure). Aber: Zum Glück gibt es Facebook. Da kann man viele neue Freunde finden und die nicht nur vor der Haustür, sondern auf der ganzen Welt. Da ich vielseitig interessiert und sehr kommunikativ bin, bleibt es nicht aus, dass ich doch einige Freunde auf Facebook habe. Täglich kommen auch neue Anfragen hinzu, die ich mehrheitlich annehme, ausser….

Immer wieder kriege ich Anfragen von Menschen, die meine Sprache nicht sprechen. Da ich fast ausschliesslich auf Deutsch schreibe, frage ich mich, was die bei mir gefunden haben, ausser die Aussicht auf eine Nummer mehr in der Freundesliste. Wenn sie sogar nur mit Zeichen schreiben, die ich nicht mal lesen kann, vermehren sich die Fragezeichen in meinem Kopf.

Was mich aber auch immer wieder erstaunt, ist, mit welcher Ignoranz sogenannte Freunde für ihre Seiten werben. Wenn mich jemand für eine Seite begeistern will, die Fleischesser an den Pranger stellt, hat er sich wohl noch nie damit beschäftigt, wer ich wirklich bin und was ich mag (ein Blick in meine Fotos würde ausreichen). Auch interessiert mich Ortspolitik in Ostdeutschland nicht und der Immobilienmarkt irgendwo in der deutschen Pampa ist auch nicht meins.

Bin ich zu fordernd, wenn ich denke, Facebook sei eine Kommunikationsplattform? Von einer solchen erwarte ich, dass man miteinander spricht. Und ich tue das nach bestem Wissen und Gewissen (und klar den zeitlichen Möglichkeiten). Klar kennt man nicht alles von allen, aber so ein bisschen? Ist Facebook nur ein Spiegel der Gesellschaft, in der sich auch kaum mehr wer interessiert, wer du wirklich bist, sondern nur, wozu er dich brauchen kann? Der moderne Strich in der Bettkante quasi?

Vom Buddha und netten Nachbarn

Es war einmal ein Buddha. Der wohnte im Garten einer Wohnung inmitten von Zürich. Eines Tages dachte die Bewohnerin der Wohnung, wie schön es wäre, wenn sie den Buddha täglich im Blick hätte von ihrem Atelierfenster aus. Die Bewohnerin hatte Glück, da just vor ihrem Fenster nur ein dünner Streifen Rasen lag, dahinter erhob sich eine Mauer, die den Garten vom Garagenabstieg trennte. Die Mauer hatte exakt die richtige Höhe, so dass sie den Buddha draufstellen konnte und ihn fortan über ihren Bildschirm hinweg immer im Blick hatte.

So lebten sie glücklich weiter – bis…….das Unheil seinen Lauf nahm. Einem netten Nachbarn gefiel es wohl nicht, dass auf der quasi öffentlichen Garagenabstiegsmauer ein privater Buddha sass. Schnell stieg er in den Garten (von der anderen Seite kam man nicht daran), nahm den Buddha von der Mauer und stellte ihn unters Fenster der Wohnungsbewohnerin. Sollte doch alles seine Ordnung haben und das ging ja gar nicht: Das war eine unerlaubte und unziemliche Mauerzweckentfremdung.

BuddhaDie Wohnungsbewohnerin sah bald, wie ihr geschehen war. Das konnte und wollte sie so nicht hinnehmen. Damit auch wirklich kein netter Nachbar mehr in seinen Ordnungsgefühlen verletzt sei, dachte sie sich etwas aus: Aus den Beinen des Grills, dem Grillrost und einem umgestülpten Blumentopf baute sie ein Podest und stellte den Buddha drauf. Ein schnelles Probesitzen zeigte: Buddha wieder im Blick.

Der Unterbau ist zwar nicht schön, doch sieht sie den hinter dem Bildschirm zum Glück nicht. Den sieht nur noch der nette Nachbar, wenn er aus dem Haus geht.

Nackte Zahlen und Statistiken – ein Fluch

100 Flüchtlinge haben bei Zalando gewildert. Sie haben auf Rechnung bestellt und nie bezahlt. Gross prangt die Schlagzeile in der ach so gerne plakativ schreibenden Zeitung der Nation. Über ein Jahr lang habe Zalando Waren für über 100’000 Euro geliefert, ohne dass je eine Rechnung beglichen wurde.

Das ist natürlich Öl ins Feuer aller Flüchtlingsgegner. Da haben sie den Beweis: Flüchtlinge sind Schmarotzer, sind kriminell, sind einfach nur schlimm. Super. Beweis erbracht. Schauen wir alles mal genauer an. 100 Flüchtlinge sind es, die so handelten. Wären 100 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, wäre wohl kaum die Rede von einer Flüchtlingskrise. Die Rede war von 6-stelligen Zahlen an Flüchtlingen, die teilweise nur mal übers Wochenende nach München kamen. In welcher Relation als stehen da 100 Flüchtlinge?

Ich will nicht in Abrede stellen, dass nicht nur die ehrlichen, lieben, tollen, wunderbaren Menschen hierher fliehen. Alle, die irgendwie können (und wollen), werden versuchen, dem Schrecken zu entkommen, den sie in ihrem Heimatland aktuell erdulden müssen. Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass solche mit mehr Ellenbogen etwas eher fliehen, weil sie mehr Mittel und Wege finden (das nur eine Annahme, mit keiner Statistik belegt) etwas grösser, im Grundsatz wird aber die Verteilung von gut und böse etwa gleich sein wie in unserer Gesellschaft hier vor Ort auch. Ich hätte gerne die Zahl derer, die hier leben und ihre Rechnung bei Zalando auch nicht zahlen. Und dann wüsste ich gerne, wieso Zalando an eine Adresse liefert – ein Jahr lang – , von der noch nie eine Rechnung bezahlt wurde.

Zalando ist mir relativ egal, was mich immer wieder nervt, sind nackte Zahlen und es sind auch Statistiken. Ich mag sie nicht. Statistiken gaukeln Objektivität vor, sind aber nur ein Resultat einer (oft) willkürlich gewählten Selektion. Klar, es gibt Parameter, die eine Statistik als aussagekräftig qualifizieren. Nur: Was hilft es mir, wenn ich an Krebs sterbe, obwohl die Statistik sagt, 75% überleben meine Art von Krebs? Ich hatte vielleicht vorher ein bisschen mehr Hoffnung, als wenn die Aussicht auf Überleben bei 25% gewesen wäre. Nur… dann hätte ich ja nun doppelt verloren.

Ich gehe noch viel weiter: Statistiken helfen, Menschen zu manipulieren. Egal, was man sagen will: Man kann es mit einer Statistik belegen. Wenn man diese auch noch geschickt auswertet, hat man quasi gewonnen. Das Rezept? Man stelle die Frage auf eine Weise, dass das Ergebnis so rauskommt, das es den eigenen Zwecken dient. Dann packe man das Resultat so in Sprache, dass es bei den Lesern die Punkte trifft, die man treffen will, um die Reaktion auszulösen, die einem dient.

Nackte Zahlen sind etwa gleich. Man wirft sie in den Raum und sie sind relativ (!!) hoch. Man rechnet damit, dass Leser direkt auf die Grösse der Zahl anspringen und gar nicht die Relation dahinter prüfen. Und oft klappt das ganz gut.

Drum: 100 Flüchtlinge betrogen Zalando… das klingt nach viel, das lässt Blut kochen, das lässt Wut aufkommen und Widerstand gross werden. Würde man sich schnell besinnen, sich dann an Onkel Einstein erinnern, dann wüsste man: Alles ist relativ. Das gilt auch für statistische Daten und nackte Zahlen.

Nachgefragt – bei mir

Kürzlich kam es zu einem Rollentausch – ich war die Befragte. Sabine Ibing (sie war unlängst meine Interviewpartnerin und hat Einblicke in ihren Autorenalltag gewährt) stellte mir Fragen und ich stand Red und Antwort – ab und an ein wenig sehr ausschweifend.

Interview mit Sandra Matteotti (von Sabine Ibing)

Sandra, ich würde dich der Einfachheit halber als Allrounder und Lebenskünstlerin vorstellen. Du bist Dr. der Philosophie, hast einen Master in Germanistik, arbeitest als freie Journalistin und Lektorin, führst einen Blog namens Denkzeiten: Philosophie, Literatur und das ganz normale Leben. Dort berichtest du über Bücher, Schriftsteller und gibst uns mit deinen täglichen philosophischen Gedanken manch Nachdenkliches auf. Du hast zu zeichnen begonnen und neu häkelst du auch noch. War das dein Ziel, als du damals dein Studium begonnen hast?

Ein konkretes Ziel hatte ich sicher nicht, zumindest dachte ich nicht, dass ich dann irgendwann mal gerne häkeln werde, als ich mich für ein Studium an der philosophischen Fakultät entschied (nachdem ich mich zuerst für Medizin eingeschrieben hatte, dann aber wegen der vielen Chemie mit Juristerei begann und nach der absolvierten Zwischenprüfung beschloss, dass ich lieber etwas Schöngeistiges hätte statt trockener Paragraphen). Die Juristerei streifte ich dann im Rahmen meiner Dissertation nochmals und befand sie dann als gar nicht mehr so trocken, im Gegenteil. Ich habe mir das Studium mit Deutsch- und EDV-Unterricht verdient, war als freischaffende Journalistin auf der Piste, arbeitete als Datenbankentwicklerin in einer Privatbank und als Paralegal Tax in einer Wirtschaftskanzlei. Ich bin wohl vom Naturell her einfach sehr neugierig und interessiert. Den Rest erspar ich hier mal, da ich wohl eh schon weit abgeschweift bin (eine Schwäche…).

Kurze Antwort: Ja und nein… irgendwie 😉

Sag ich doch, Allrounder, Lebenskünstler …

Du rezensierst Bücher. Bei dir finde ich glücklicherweise gute Literatur, solche Bücher sind in der Bloggerwelt heute nicht so einfach aufzuspüren. Vor Kurzem hast du mit dem Malen begonnen und sehr viel Häme erhalten, als du die Erstlingswerke präsentiert hast. Ich fand es sehr mutig, die Gehversuche ins Netz zu stellen. Selfpublisher stellen oft ihre unlektorierten, fehlerhaften Bücher ins Netz. Kann man das vergleichen?

Ich denke nicht, aus verschiedenen Gründen. Beim Malen gibt es nicht grundsätzlich richtig oder falsch (klar gibt es Techniken, die man lernen kann und bei denen man Dinge dann richtig oder falsch machen kann). Es gibt ganz viele verschiedene Stile, es kommt immer drauf an, was man will. Ich will kein realistischer Maler sein, dazu fotografiere ich zu gut und zu gerne. Ich mag Illustrationen, mag es, Dinge zu vereinfachen. Vor allem mag ich es, Dinge schnell zu Papier zu bringen. Wer dann meint, er müsse irgendwelche Perspektiven beanstanden, die in seinen Augen nicht da sind, dann zeigt der eher seine Natur als dass er meine Zeichnung disqualifiziert. Ich kann alle Perspektivenarten zeichnen – einwandfrei, habe das lange genug geübt. Das ist aber schlicht nicht mein Anspruch in einem „quick sketch“. Und nein, ich bin nicht perfekt, es ist ein weiter Weg dahin, wo ICH hinwill. Wer mich wo anders haben will, soll am besten ganz weit weg von mir. 😉

Nun aber zu den Büchern: Grammatik ist leider nicht so frei wie die Malerei, hier gibt es richtig oder falsch. Beim Aufbau einer Geschichte gibt es zwar grundsätzlich viel mehr Offenheit, aber auch da gibt es etwas, das eine Geschichte haben muss: Sie muss packen – und zwar den Leser. Ich habe mal ein Buch fürs Lektorat erhalten, das strotzte vor Fehlern. Ich schrieb dem Autoren, dass er doch wenigstens einmal drüber lesen solle, denn da seien plötzlich Figuren im Zimmer, die nie reingekommen sind, Menschen wechseln ihre Namen, etc. Der gute Mann meinte, das sei sein Stil, der müsse UNBEDINGT so bleiben. Ich habe das Lektorat abgelehnt. Denn: Das ist vielleicht Stil, aber ganz schlechter.

Heute wird wenig Wert auf Lektorat und Korrektorat gelegt. Jeder denkt, er könne ja schreiben (und ja, grundsätzlich klappt das gut, einfach Buchstaben aneinanderreihen), das reiche schon. Wer einen möge, der lese sicher gütig über die Fehler hinweg. Das mag bei Orthographie stimmen, da viele Leser die auch nicht beherrschen, bei grammatischen Fehler wird es schwieriger und beim Aufbau der Geschichte, der Wahl der Konflikte, deren Auflösung, etc…. da wird es ganz eng. Und da trotz allem immer Herzblut in einem Buch steckt, finde ich es halt sehr schade, wenn Bücher durch die Maschen fallen, weil sie grundlegende (und korrigierbare) Dinge vernachlässigen.

Schwierig ist halt auch, einen Lektoren zu finden, der wirklich weiß, was er tut. Irgendwie scheint es heute so zu sein, dass jeder, der gerne liest, denkt, er wäre deswegen auch ein guter Lektor. Das führt oft zu Frustrationen bei den Autoren und sie denken sich (verständlicherweise), dass sie so das Geld auch sparen könnten.

Auch wichtig zu wissen: Ein Lektorat ist noch kein Korrektorat. Auch da gibt es gerne Vermischungen. Ich korrigiere zwar Fehler auch während des Lektorats, wenn sie mir auffallen, allerdings fallen sie mir beim Lektorat viel weniger auf, als wenn ich einfach normal ein Buch lese – da sticht mir jeder Fehler ins Auge. Wieso? Weil ich mich beim Lektorat auf ganz andere Dinge konzentriere. Dabei werde ich ein wenig betriebsblind (wie man es auch bei eigenen Texten oft wird).

Nach welchen Kriterien suchst du Bücher aus? Welche Romane interessieren dich? Du bekommst auch Verlagsbücher zugesandt, liest du sie alle?

Ich suche Bücher nach ihren Themen aus. Wenn mich ein Thema, das behandelt wird, anspricht, kommt das Buch in meine Auswahl. Ganz selten reicht schon ein Autor, der mich in der Vergangenheit überzeugte. Die Bücher, die ich von Verlagen kriege, lese ich alle an. Wenn sie mich nicht packen, leg ich sie weg.

Wie viel Seiten gibst du einem Buch? Brichst du Bücher ab? Wenn ja, warum? Und bewertest du auch angelesene Bücher?

Mir die Zeit erstens zu schade, sie mit nicht lesbaren Büchern zu verschwenden, zweitens würde daraus sowieso keine positive Rezension, insofern ist der Verlag wohl fast besser dran, wenn ich es weglege. Ich habe mal begonnen, Rezensionen von nicht fertig gelesenen Büchern zu schreiben. Ich denke ja nicht grundsätzlich, dass diese Bücher keinem gefallen, oft ist es auch Geschmacksache, aber ich habe es dann doch gelassen. Zu schreiben, aus welchen Gründen mir ein Buch nicht gefällt, hilft einem Leser wohl auch nicht wirklich weiter, da soll er besser ganz frei an das Buch herangehen.

Es hat noch nie so viele Bücher wie heute gegeben. Der Massendruck hat zur Verflachung des Buchmarkts geführt, meine Meinung. Und deine? Wie findet man gute Bücher?

Sehe ich genauso. Ich frage mich bei vielen Büchern, was ein Lektor darin gesehen hat, als er sie durchwinkte und damit in den Verlag aufnahm. Schreiben ist ein bisschen zu einem Jekami geworden. Das macht die Büchersuche um einiges schwieriger als sie früher war. Online Romane zu kaufen finde ich grundsätzlich immer schwieriger, es sei denn, man hat eine Rezension gesehen, die einen wirklich überzeugte. In der Buchhandlung kann man wenigstens in Bücher reinlesen – das hilft ab und an doch, da ich einige Bücher schon nach den ersten Seiten weglege… Es gibt Romane, da weiß ich schon beim ersten Satz, dass das mit uns nichts wird. Ein wenig mehr Zeit gebe ich dem Buch. Aber meistens bestätigt sich der Eindruck.

Leider sprechen mich immer weniger Bücher an. Ob das an mir liegt oder daran, dass es immer mehr nichtssagende und verwirrende Bücher gibt, weiß ich nicht. Oft habe ich das Gefühl, Autoren bemühen sich heute, so zu schreiben, dass man gar nicht mehr weiß, was einem da überhaupt erzählt werden soll. Ich frage mich dann immer, wieso man nicht einfach erzählt, was man erzählen will, sondern es in unglaublich bemühende Strukturen packt. Das ist vielleicht so ein neumodischer Trend, weil man immer wieder denkt, das Rad neu erfinden zu müssen. Ich persönlich mag runde Räder.

Was würdest du einem Selfpublisher empfehlen, zu tun, bevor er dir sein Buch zur Kritik freigibt?

Er soll mich erst mal fragen, ob ich es überhaupt haben will. Und er muss mir auch nicht erzählen, dass ich sein Buch sicher lieben werde und überhaupt etwas verpassen würde, wenn ich es nicht lesen würde. Und er soll mir das Buch nicht in einem Massenmail anbieten, ich werde – wenn schon – gerne selber angeschrieben. Sonst klingt es etwas unglaubwürdig, dass das Buch exakt meinen Geschmack trifft…E-Books muss man mir gar nicht anbieten, die lese ich schlicht nicht. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun, ich lese einfach sehr ungern am Bildschirm.

Du bist Lektorin, eine ziemlich gute, wie ich finde. Das ist ein Job und der Autor ist dein Kunde. Man muss nicht mögen, was man liest. Ist es schwer etwas zu lektorieren, zu dem man keinen Bezug findet? Erzähl mir ein wenig über kauzige und uneinsichtige Autoren, du musst keine Namen nennen.

Danke für die Blumen! Ein Beispiel brachte ich oben. Ich habe einmal eine Kindergeschichte lektoriert, mit deren Inhalt ich wenig anfangen konnte. Trotzdem fand ich den Aufbau grundsätzlich gut, es war alles drin, was eine Geschichte braucht, es war kindgerecht. Ergo: Der Autor hat alles richtig gemacht. Wir haben das Buch durch das Lektorat noch klarer gemacht, die Geschichte hat dadurch gewonnen. Das ist ein schönes Erlebnis, wenn der Autor nachher sagt: Jetzt gefällt es mir wirklich, so ist es super, genau das wollte ich. Deswegen liebe ich diese Arbeit.

Es gibt in der Tat Genres, die ich nicht lese. Ob ich sie lektorieren würde? Ich tendiere zu nein, denn ich bin mit den Strukturen da nicht so vertraut, wie ich es für meine Arbeit und meine Ansprüche erwarte. Klar kenne ich die theoretischen Aufbaumaximen, aber ich sehe Lektorat nicht als mechanisches Abarbeiten von Theorien. Bücher müssen leben, sie verdienen ein Lektorat, das alles aus ihnen herausholt, was in ihnen steckt. Ich bleibe da lieber in meinen vertrauten und geliebten Gewässern und überlasse andere anderen. Ich denke aber, man merkt es einem Buch an, ob ein Lektor hinter dem Text und dem Genre steht oder nicht.

Hast du es schon einmal abgelehnt, ein Buch zu lektorieren und warum?

Ja, schon mehrfach. Ich lehne dann ab, wenn ich meinen Namen nicht unter ein Buch setzen möchte, weil es mir vom Inhalt her nicht passt (Gründe dafür können vielfältig sein). Unterbezahlt arbeite ich auch nicht, ich überlasse Lektoren mit Hungerlohnpreisen gerne dieses Feld, um das sie mit immer noch tieferen Preisen buhlen, und nutze die Zeit selber für etwas anderes. Das Argument, das Autoren gerne ins Feld führen, dass sie leben müssen und drum nicht mehr zahlen können, gebe ich gerne so zurück: Ich habe auch meine Rechnungen zu zahlen.

Nun hätte ich es fast vergessen! Herzlichen Glückwunsch! Die Schweizer Wirtschaftszeitung hat dich auf Platz 13 bewertet, von den Menschen, die am präsentesten, bzw. bekanntesten in der Social Media in der Schweiz agieren. Du bist eine Berühmtheit! Ist es dir wichtig, dich mitzuteilen, in der Öffentlichkeit zu stehen?

Mich mitzuteilen ist mir ein Bedürfnis, ja. Ich habe viele Ideen, ich interagiere gerne, ich diskutiere gerne. In der Öffentlichkeit will und muss ich nicht stehen, das liegt mir nicht wirklich und war auch nie ein Anliegen von mir. Meine Internetpräsenz wuchs eigentlich aus der Lage heraus, dass ich als alleinerziehende Mutter mit einem SNF-Projekt für meine Dissertation mehrheitlich allein zu Hause saß und das Internet die einzige Möglichkeit für einen Austausch war. Am Anfang tobte ich mich in Elternforen aus, dann kam Facebook irgendwann – und meine Blogs natürlich. Ich muss schreiben, ich kann nicht ohne. Und mittlerweile gilt das auch fürs Zeichnen und Häkeln. Das Leben ist bunt, das Leben ist schön. Eine Statistik macht das nicht aus, es sind mehr die Inhalte, die man dem Leben selber gibt.

Welche drei Bücher haben dich in den letzten drei Jahren so richtig begeistert? Welchen druckfrischen Roman würdest mir raten zu lesen und von welchem soll ich lieber die Finger lassen?

Huff – ich habe ein Spatzenhirn – oder ein Nudelsieb anstelle des Gehirns. Ich kann dir wohl kaum Titel nennen…. da mich immer wieder neue Bücher begeistern oder eben auch frustrieren. Aber ich geh mal in meinen Blog und suche 😉

Bin mal schnell weg – Wieder da:

Die Liste ist sehr willkürlich und absolut nicht die Realität wiederspiegelnd, da selektiv und aus dem Bauch heraus hier und heute entschieden 😉

Finger weg? Die habe ich sowieso vergessen, da gleich weggelegt. Nur einer ist mir noch im Kopf: Ein neues Buch über die Familie von Thomas Mann. Ich habe mich freudig draufgestürzt, da ich alles über Thomas Mann lese (und alles von ihm gelesen habe), nur: Es war eine herbe Enttäuschung. Plätscherte so dahin, streifte kleine, nichtssagende Geschichtchen und hatte gar nichts vom Charakter, vom Flair Thomas Manns und dessen Familie.

Ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.

Sehr gerne!

Bär Bruno rettet den Honig

BrunoBärBär Bruno war traurig. Nicht genug, dass er lila war, er hatte auch noch lange Ohren. Alle Bärenfreunde lachten ihn aus, äfften Rotkäppchen nach und fragten:

„Bruno, wieso hast du so grosse Ohren?“

Eines Nachts, das ganze Dorf schlief, griff eine wütende Horde Bienen das Dorf an, um den gelagerten Honig zu stehlen. Das wäre auch geglückt, wäre da nicht Bruno gewesen. Dank seiner grossen Ohren hörte er die Bienen schon von weitem.

Schnell weckte er seine Eltern und die alarmierten das ganze Dorf. Gemeinsam konnten sie den Angriff abwenden und den Honig sichern.

Nie wieder lachte jemand über Brunos Ohren. Es gab sogar viele, die sich das Fell auch lila färbten, weil sie sein wollten wie Bruno.