Patchwork

Früher hatte man ja nix. Man musste also Dinge wiederverwenden. Drum nähte man neue Decken aus alten Stoffen. Bettlaken, Duvets und vieles mehr kam zu neuen Ehren. Heute muss man das nicht mehr. Dank armen Kindern irgendwo in Neu Delhi kann man eine Decke schon für Spottpreise kaufen. Das ist günstiger, als sich eine Nähmaschine zu kaufen, mit der man alte Stoffen zu neuem Ruhm führen könnte. Was man mit Stoff nicht mehr kann, macht man mit Menschen.

Waren früher Ehen (oft der Umstände wegen) für die Ewigkeit geschlossen, sind es heute zumeist Interimszustände. Schwierig daran ist meist, dass das Auseinanderdriften durch im Interim produzierten Nachwuchs erschwert wird. Nicht nur streiten sich die nicht mehr miteinander Wollenden oder Könnenden um die Modalitäten, es treten über kurz oder lang neue Menschen in ihr Leben, die selber auch ihre Altlasten mit sich tragen. So fügt man dann zusammen, was schon mal gebraucht war, um es neu zu vernähen.

Und man denkt es sich schön und hat im Kopf auch alles schön geordnet, bis einen der Alltag einholt. Der Alltag bringt es so mit sich, dass Termine von 2 Menschen schon oft schwer zu vereinbaren sind. Hat man noch Kinder, kommen die dazu – eigene Interessen, Schulaufgaben, Freunde, Schulausflüge, keine Lust, doch mal Lust, etc. Kommen noch Elternteile ausserhalb des neuen Patchworkgebildes hinzu, wird die Organisation vergleichbar mit der eines mittelgrossen Unternehmens. Erschwerend kommen dann noch die Emotionen der einzelnen Beteiligten hinzu und schon ist die – ich wollte schon sagen „Kacke am dampfen“, aber das sagt man natürlich nicht – Sache kompliziert.

Ich kauf mir mal ne Nähmaschine… Stoff erscheint mir irgendwie einfacher zu verarbeiten als Menschen. Wenn das meine Handarbeitslehrerin liest, kriegt sie einen Lachkrampf… (die erste Decke stelle ich dann bei Instagram rein J )

5 Gedanken zu “Patchwork

  1. Und dann kostet bei uns eine Nähmaschine im Discounter (der eigentlich ja nur Lebensmittel führt) unter 50,- Euro, was natürlich nur funktioniert, wenn die benötigte Arbeitskraft hierfür wiederum mit einem Hungelohn zufrieden ist. Damit kann keiner zufrieden sein, aber erhöht der Produzent den Preis, ziehen die Auftraggeber weiter nach Afrika, um dort herstellen zu lassen. Noch werden täglich mehr Menschen geboren als Arbeitssklaven sterben, aber wie lange kann diese Todesspirale funktionieren, die auf dem Konsumterror der Industriestaaten basiert?

    Der britische Schriftsteller John Ruskin (1819 – 1900) hat es schon vor langer Zeit trefflich formuliert – Ich bin zu arm, um mir Billiges zu kaufen – Hier der Originaltext aus dem dieser Spruch abgeleitet wurde:
    „Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann, um es etwas billiger zu verkaufen. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel zahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie zuwenig zahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld, viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Tun Sie dies, dann haben Sie auch genug Geld, um für Besseres, etwas mehr auszugeben.“

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  2. «Patchwork», ja und irgendeinmal kommt noch die Angst dazu. Bin ich überhaupt fähig in so einem «Betrieb» noch mitzutun? Ist die Katastrophe schon vorprogrammiert? Beziehungsangst? Zum Glück schaltet manchmal die «Liebe» den Verstand aus… und rennt ins neue Glück…, mit welcher Nähmaschine auch immer…

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