Vom Buddha und netten Nachbarn

Es war einmal ein Buddha. Der wohnte im Garten einer Wohnung inmitten von Zürich. Eines Tages dachte die Bewohnerin der Wohnung, wie schön es wäre, wenn sie den Buddha täglich im Blick hätte von ihrem Atelierfenster aus. Die Bewohnerin hatte Glück, da just vor ihrem Fenster nur ein dünner Streifen Rasen lag, dahinter erhob sich eine Mauer, die den Garten vom Garagenabstieg trennte. Die Mauer hatte exakt die richtige Höhe, so dass sie den Buddha draufstellen konnte und ihn fortan über ihren Bildschirm hinweg immer im Blick hatte.

So lebten sie glücklich weiter – bis…….das Unheil seinen Lauf nahm. Einem netten Nachbarn gefiel es wohl nicht, dass auf der quasi öffentlichen Garagenabstiegsmauer ein privater Buddha sass. Schnell stieg er in den Garten (von der anderen Seite kam man nicht daran), nahm den Buddha von der Mauer und stellte ihn unters Fenster der Wohnungsbewohnerin. Sollte doch alles seine Ordnung haben und das ging ja gar nicht: Das war eine unerlaubte und unziemliche Mauerzweckentfremdung.

BuddhaDie Wohnungsbewohnerin sah bald, wie ihr geschehen war. Das konnte und wollte sie so nicht hinnehmen. Damit auch wirklich kein netter Nachbar mehr in seinen Ordnungsgefühlen verletzt sei, dachte sie sich etwas aus: Aus den Beinen des Grills, dem Grillrost und einem umgestülpten Blumentopf baute sie ein Podest und stellte den Buddha drauf. Ein schnelles Probesitzen zeigte: Buddha wieder im Blick.

Der Unterbau ist zwar nicht schön, doch sieht sie den hinter dem Bildschirm zum Glück nicht. Den sieht nur noch der nette Nachbar, wenn er aus dem Haus geht.

8 Comments

Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde schön, daß er einen eigenen Sitz hat. Der trohnt so richtig schön! Ein Notbehelfssitzplatz wäre ja nicht angemessen.
    Bei meiner Keramik ist das auch so: Fast jede Keramik braucht einen erhöhten Platz im Garten, ein Podest, einen Wirkungsplatz, eine Präsentationsweise.
    Ich habe mir bei einem Steinmetz zwei Stelen oder Podeste machen lassen. Einer ist schon in Amt und Würden, der zweite harrt noch seines Einsatzes. Man kann auch Keramikstelen machen und das jeweilige Objekt damit verbinden.
    Schön!

    Gefällt 1 Person

  2. Die Mauern entstehen zuerst in den Köpfen, dann werden sie ausgeführt. Mauern sind hart, manchmal hoch. Einige packen auch noch Stacheldraht drauf. Da hat es der friedfertige, lächelnde Buddha schwer. Die Kreativität seiner Hüterin, verhalf ihm zu der Position, die er verdient hat.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s