Worte als Vorboten der Totengräber

Eigentlich wollte ich etwas über Akif Pirincci schreiben, der unlängst an einer Pegida-Kundgebung bedauerte, dass die KZ aktuell ausser Betrieb sind. (Artikel im Spiegel). Ich wollte einen Artikel zum jüngsten Urteil in Strassburg schreiben, in welchem die Schweiz gerügt wird, weil sie einen Leugner des Völkermords an den Armeniern verurteilt hat (Artikel in der NZZ). Ich wollte das Argument, hier gehe es um Meinungsäusserungsfreiheit, widerlegen, da hier keine Meinungen verbreitet werden, sondern Stimmungsmache betrieben wird und Lügen geschützt werden.

Es werden Menschen aufgehetzt und Bedauern wird geäussert, dass kein Völkermord mehr im Gange ist. Das Bedauern könnte man als (wenn auch sehr bedenkliche) Meinung gelten lassen, aber: Völkermord ist ein Verbrechen an der Menschheit und an der Menschlichkeit, es ist ein Verbrechen, für das es keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung und schon gar keinen Grund gibt. Die Meinung, er müsste eigentlich weitergehen – was man dem Bedauern über ruhiggelegte KZ entnehmen könnte –, ist der erste Schritt zur Forderung, wieder Zustände ins Leben zu rufen, die keiner wirklich wollen kann, der einigermassen bei Sinnen ist.

Ja, ich wollte über all das schreiben, weil ich mit Schrecken sehe, dass die Welt sich aktuell in der Situation zu gefallen scheint, alles und jedes unter den Grundsatz der Meinungsäusserungsfreiheit zu stellen. Dabei kümmert es nicht, ob überhaupt Meinungen vertreten oder aber erste Gruben für ein Massengrab geschaufelt werden. Irgendwie bleiben mir dabei die Worte im Hals stecken.

4 Gedanken zu “Worte als Vorboten der Totengräber

  1. Da muss dieses rechtslastige Gesindel wohl vergessen haben, dass es ebenfalls Euthanasie an Kranken, Behinderten, geistig Schwachen und Nichtariern jeder Kategorie gegeben hat. Viele von denen die jetzt nach solchen Zustanden rufen, wären mit die Ersten die es erwischen würde, weil sie ihre Herkunft nicht kennen, eventuell krank sind oder einfach nur im Weg.

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  2. Kleiner Korrekturvorschlag: Es müsste m.E. in der Überschrift nicht „Totengräber“ sondern „Mörder“ heissen. [Totengräber ist schliesslich ein ehrbarer und notwendiger Beruf …] Sonst stimme ich natürlich mit Dir vollkommen überein. Solche Leute erzeugen in mir meist eine solche unbändige Wut, dass ich mir wünschen möchte, sie dürften/müssten das, was sie für andere fordern, am eigenen Leib erleben. Aber dann wären „wir“ vermutlich auch nicht viel besser…

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    • Mörder sind sie nicht, sie machen sich nicht die Hände schmutzig. Sie schaufeln nur das Grab…. das allein ist dreckig genug, wie ich finde. Leider scheint das nicht allgemein so gesehen zu werden. Man gwährt dem Tun freie Fahrt, findet sogar Argumente, beruft sich (welche Farce) auf Menschenrechte….

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