14. April

„Gestatte dir daher keine Abneigung gegen alles, was nicht in unserer Macht ist, und laß sie nur gegen das walten, was der Natur der in unserer Macht stehenden Dinge zuwider ist.“ (Epiktet)

Stell dir vor, du bist unterwegs, plötzlich steht vor dir eine ganze Kolonne an Autos, du weißt, dass du die nächsten Minuten, wenn nicht Stunden im Stau stehen wirst. Und du wirst innerlich unruhig, fängst innerlich an zu schimpfen, schimpfst immer intensiver, wippst mit dem Fuss, haderst mit dem Schicksal.

Stell dir vor, du bist zu einer Party eingeladen, es stinkt dir grausam, du hättest lieber mal einen ruhigen Abend zu Hause, weißt, du bräuchtest ihn auch, weil die Woche anstrengend war. Doch du kannst das dem Organisator nicht sagen und es dir selber nicht zugestehen. Du merkst, wie innerlich Unruhe aufsteigt, du wütend wirst, schimpfst auf die Party und auf dich.
Im ersten Fall ist es, wie es ist. Du hast nichts in deiner Hand. Unfälle passieren, Staus kommen vor. Das einzige, was du in der Hand hast, ist, wie du drauf reagierst. Du kannst wütend, ungeduldig, ärgerlich werden und dir die Zeit noch mehr versauen, oder aber du nimmst das Unabwendbare an und geniesst die Zeit für dich, in der niemand etwas von dir wollen kann, du mal die Musik auf Hochtouren laufen lassen kannst und sogar noch lauthals mitsingen, ohne dass jemand es hört. Und wer weiss: Vielleicht kommst du schlussendlich als glücklicher und zufriedener Mensch am Ziel an, weil die Auszeit nur für dich schlicht nur gut tat, so wie du sie genutzt hast.

Im zweiten Fall hast du es in der Hand. Willst du deine Bedürfnisse nach Ruhe ernst nehmen? Dann steh dazu und erkläre es dem Gastgeber entsprechend, eventuell auch mit dem Vorschlag für eine Entschädigung. Willst du fremde Erwartungen erfüllen, dann versöhne dich damit und schau auf das Positive, das durchaus an dieser Party kommen wird – wenn der Energiehaushalt es wirklich zulässt. Zu oft ignorieren wir den nämlich und lasten uns immer noch mehr auf, ignorieren körperliche Symptome im Anspruch auf „ich schaffe alles“.

Wir haben nicht alles in der Hand. Es bringt nichts, mit dem zu hadern, was ausserhalb unserer Kontrolle liegt. Wir haben schon mehr als genug damit zu tun, was wir in der Hand haben – hätten, wenn wir hinschauen würden.

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