Tagesgedanken: Mein eigenes Gericht

Draussen rauscht das Meer, unruhig schlägt es an die Felsen. Ich merke diese Unruhe auch in mir, dieses Getriebensein, eine Form von Unrast, die auf dem Gefühl gründet, dass alles nicht schnell genug geht, ich nicht vorwärts komme mit meinen Projekten, ich meinen Ansprüchen nicht genüge. Und während ich das schreibe, fällt mir auf, wie grausam das eigentlich ist, da ich die einzige Person bin, die Ansprüche an mich stellen kann, welche ich nicht hinterfrage oder gar mit Empörung zurückweise. Käme ein anderer und würde mir sagen:

„He, das reicht alles nicht, du bist nicht gut genug!“

wäre ich verletzt, aber ich ginge in die Verteidigung. Ich würde aufzählen, was ich alles tue, würde zeigen, woran ich dran bin und argumentieren, dass alles seine Zeit braucht. Ich würde um meine Achtung kämpfen, an der meine Würde hängt. Aber mir selber glaube ich es. Hängt Würde nicht immer auch mit Selbstachtung zusammen? Sie ist wohl an einem kleinen Ort zu Hause. Was bedeutet das für mein Leben?

Was bedeutet das generell, in Würde zu leben? Der erste Artikel des Grundgesetzes besagt, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Was aber meint man, wenn man von Würde spricht? Und: Wann wird diese angetastet? Kann ich sie vor diesem Antasten schützen? Können oder müssen das andere tun? Wie müssen wir miteinander und jeder für sich leben, dass wir unsere Würde bewahren und die des anderen nicht antasten?

Diesen Fragen geht der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther in seinem Buch „Würde. Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft“ nach und erläutert anhand von Beispielen aus der Biologie, wie die Vorstellung der Würde beim Menschen überhaupt entstanden ist, weswegen wir eine solche Vorstellung brauchen und wie ein Bewusstsein für die eigene Würde entsteht. Ziel ist es, die Menschen wieder für den Begriff der Würde zu sensibilisieren und sie damit in die Lage zu versetzen, ein würdevolles Leben zu leben – für sich und miteinander.

„Wir alle wollen in Würde sterben, aber sollten wir nicht erst einmal in Würde leben?“

Vielleicht ist es ein guter Anfang, mir selber gegenüber mehr Gelassenheit und Freundlichkeit aufzubringen?

Tagesgedanken: Zweifel und Hoffnung

Die neue Woche hat uns wieder, das ist der Moment, an dem alles wieder neu anfängt und man sich voller Elan reinstürzen könnte. Leider geht mir der Elan gerade ab, es fühlt sich alles eher an wie ein mühseliger Kampf. In mir schreit es laut „ich will nicht“, „ich mag nicht“, und ich zwinge mich, es doch zu tun – liegen bleiben ist ja auch keine Option. Ich weiss jeweils nicht, was zuerst da ist: Diese grosse innere Müdigkeit, die dann Zweifel und Unsicherheiten in mir auslöst, oder aber die Zweifel und Unsicherheiten, die mich müde werden lassen. Auf alle Fälle kommen in solchen Momenten die grossen Fragen auf: „Was mach ich da eigentlich?“ „Wozu das Ganze?“ „Bin ich genug?“ „Werde ich je gut genug sein?“ „Für wen?“

Und dann schaue ich in die Welt hinaus. Und was ich sehe, ist auch nicht wirklich erfreulich. Und ich frage mich, was das mit mir zu tun hat. Haben mich die letzten zwei Jahre mit Corona doch mehr betroffen als ich wahrhaben wollte? Trifft mich der Krieg doch tiefer, als ich es zulassen will? Wird das alles auch mal wieder gut? Besser? Und was heisst das überhaupt, gut oder besser?

Ich sehe an so vielen Orten Leid und Elend, und wenn ich es anspreche und Lösungen finden will, kriege ich ganz schnell zu hören: Ach, das werden wir nie lösen, es wird immer Arme geben (925 Millionen Unterernährte, 884 Millionen ohne frisches Trinkwasser, 2 Milliarden ohne ausreichende Medikamente, jeden Tag sterben 50’000 Menschen aus Armut, davon sind 22’000 Kinder). Ein Zweiundvierzigstel der Konsumausgaben reicher Länder würde das alles beheben (alle Zahlen finden sich in Thomas Pogges Buch „Weltarmut und Menschenrechte“).

Und wenn ich die Zahlen so hinschreibe, merke ich: Ich kann das nicht einfach ruhen lassen. Ich muss weiterschreiben. Und ich muss weiter hoffen. Caroline Emcke hat das alles mal schön und für mich so passend in Worte gefasst:

„Am Anfang ist immer der Zweifel.
Manchmal wünsche ich, ich könnte ihn abstellen.
Aber damit wäre das schreibende Ich nicht mehr Ich.
Schreibend findet und erfindet es sich.“

Tagesgedanken: Das gute Leben

Was ist ein gutes Leben? Wohl eines, in dem wir als Menschen in Frieden zusammenleben können. Was so einfach klingt, scheint etwas vom Schwersten zu sein, schaut man in die Welt. Bringt es überhaupt, sich die Frage nach einem guten Leben zu stellen? Wir tun das als Menschen seit Jahrtausenden und scheinen doch nicht weiterzukommen in unserem Tun. Krieg, Rassismus, Sexismus – Unterdrückung wo man hinschaut. Diese Tatsachen können wir nicht negieren, und doch wäre es ein zu negatives Bild, wenn wir wirklich glaubten, wir hätten nichts erreicht. Wir sind durchaus an einem anderen Punkt, als wir noch im Mittelalter waren, wir haben durchaus eine gerechtere Gesellschaft mit weniger Ausschlüssen, als es damals noch der Fall war. Unsere Welt ist nicht perfekt, aber sie wurde über die Jahrhunderte doch eine bessere, wie ich finde. Aber es ist noch Luft nach oben und darum stellt sich auch die Frage nach dem guten Leben immer wieder, frei nach Aristoteles:

„Der ignorante Mann verkündet, der weise Mann hinterfragt und reflektiert.“

Martha Nussbaum hat sich die Frage nach dem guten Leben auch gestellt und sie kommt zum Schluss, dass wir ein gutes Lebe nur bestimmen können, wenn wir wissen, was der Mensch ist, was er braucht, um sein Menschsein zu leben: Was sind seine grundlegenden Bedürfnisse und Ansprüche? Was brauchen Menschen, um als Menschen mit Menschen zusammenleben zu können? Nussbaum kommt zum Schluss, dass es nicht reicht, ein ausreichendes Auskommen zu haben, sondern man dieses auch umsetzen können müsse, sprich: Wir müssen als Menschen die Möglichkeit haben, unsere Fähigkeiten in Tätigkeit umzusetzen, damit wir unser Leben gestalten und uns in die Gemeinschaft einbringen können. Dazu ist es wichtig, dass wir als Gleichberechtigte und Gleichwertige anerkannt sind, Ungleichbehandlungen aufgrund von Geschlecht, Rasse, Aussehen, etc. nehmen dem Menschen einen grundlegenden Teil seines Menschseins.

Nun ist Martha Nussbaum aber nicht so naiv zu glauben, dass solche Veränderungen einfach eintreten, weil sie für uns alle besser wären und schon gar nicht, weil sie für die (in unserem System machtlosen) anderenMenschen besser wären. Um eine Veränderung bewirken zu können, braucht es einen bewussten Einsatz und eine Organisation von Menschen, die gemeinsam erkennen, dass sie mit dieser Veränderung auch die eigenen Interessen schützen und das eigene Leben befördern. Dafür ist es wichtig, das Augenmerk mehr auf unsere Gemeinsamkeiten als auf das uns Trennende zu richten.

Zentral bei all dem ist es, zu erkennen, dass unsere Rollenmuster und Zuschreibungen soziale Konstruktionen sind und nicht natürlich gewachsen oder gar essentiell dem Menschsein inhärent. Unsere Gefühle werden in einer Gesellschaft, einer Kultur, bewertet nach da gültigen Massstäben.

„Die Gesellshaft gibt den Gefühlen eine bestimmte Bedeutung und Färbung.“ (Martha Nussbaum)

Emotionen werden geprägt von Überzeugungen. Wir müssen also hinschauen, worauf unsere Gefühle gründen, woher wir unsere Zuschreibungen nehmen, aufgrund derer wir unsere Gesellschaften mit allen ihren Strukturen aufbauen. So sind zum Beispiel Mütter nicht von Natur dazu geschaffen, mit ihren Kindern zu Hause zu bleiben, den Grossteil der Hausarbeit und Betreuung unentgeltlich zu übernehmen. Männer sind auch nicht per se die starken Kämpfer, die in den Krieg ziehen oder sich in Grosskonzernen um des Profits und finanziellen Wachstums Willen ausbeuten zu lassen. Nicht jede Frau ist fürsorglich und nicht jeder Mann rational. Wir formen unsere Welt durch unsere (oft eingeprägten, festgesetzten, darum aber nicht richtigen) Vorstellungen, was einen grossen Vorteil hat: Wir können diese ändern – und damit auch unsere gesellschaftlichen Strukturen.

Immer wieder stützt sich Nussbaum auf Aristoteles bei ihren Ausführungen und zeigt uns damit: Eigentlich wüssten wir alles seit langer Zeit, nun müssten wir es nur noch umsetzen. Das ist fast wie im wirklichen Leben: Wir wüssten, was für uns gut wäre, und doch… Wie sagte schon Aristoteles:

“Die Intelligenz besteht nicht nur im Wissen, sondern auch in der Fähigkeit, das Wissen anzuwenden.”

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Buchtipp: Martha C. Nussbaum: Gerechtigkeit oder Das gute Leben, edition Suhrkamp, 7. Auflage, Frankfurt am Main 2012.

Tagesgedanken: Freiheit des Tuns

Carolin Emcke schrieb in ihrem Buch „Journal“ den wunderbaren Satz, in dem ich mich so gut wiederfinde:

„Ohne die Sprache, ohne das Schreiben, fühle ich mich wie ein Obdachloser ohne Heimat.“

So fühlte es sich an, als ich von einem Tag auf den anderen meine Sprache und mein Lesen verloren hatte. Ich stand zwischen all meinen Büchern und fand keinen Zugang mehr. Ich war wie ausgeschlossen aus einer Welt, die so eigentlich die meine war, doch sie blieb mir verschlossen. Jeder Versuch, hineinzukommen, scheiterte. Ich begann zu malen. Es klingt ein wenig wie ein Klischee und vermutlich entspricht es genau dem. Frau, mittleren Alters auf der Suche nach sich selbst.

Es war der verzweifelte Versuch, eine neue Heimat zu finden. Ich malte wie besessen, jeden Tag, für Stunden. Ich wollte „es richtig machen“, es sollte nicht einfach ein kleines Hobby am Rand sein, sondern ein neues Zuhause werden, mein neues Ich. Und da es sich nicht so anfühlte, war ich unsicher und interpretierte jede Äusserung von aussen als Abwertung meines Tuns und Seins. Und vermutlich war ich die einzige, die beides abgewertet hat innerlich. Weil ich zweifelte. Am Tun. An mir. An allem. Es fühlte sich nichts richtig an, es fühlte sich nichts richtig gut an.

Vieles gelang, vieles machte auch Freude. Einmal sagte mir jemand, ich müsse meine Sprache finden. Die Antwort war sofort klar: Ich habe keine Bildsprache, meine Sprache sind die Worte, doch die sind mir ausgegangen. Ich habe viele Sprachen ausprobiert, mich in vielen auch ein wenig wohl gefühlt für eine kurze Zeit, doch nie auf Dauer und nie so ganz. Und immer fehlte etwas, immer war da eine innere Unruhe, ein inneres Ziehen, ein Suchen, eine Unsicherheit in und mit mir.

Das alles war mir nicht so bewusst damals, ich erkenne es im Rückblick. Seit einiger Zeit bin ich endlich wieder zurück in meiner Heimat. Ich merke, wie ich in mir mit meinem Tun sicherer bin und mich darum nicht mehr so schnell in Frage gestellt fühle. Ich zweifle sicher noch immer ab und zu an mir, aber das eher situativ als in einem mich im Ganzen erschütternden Mass. Dafür bin ich dankbar.

Ich bin aber auch dankbar für den (Um-?)Weg. Er hat mich viel gelehrt. Und es sind einige Bilder entstanden, die mir sehr am Herzen liegen, auf die ich stolz bin, die mir viel Freude gemacht haben und weiter machen. Auch hat mir dieser Weg eine Zuflucht gewährt in einer Zeit, in der ich sie so sehr brauchte und suchte, in der so viel Unsicherheit und Haltlosigkeit lag. Ab und zu denke ich, damals war ich irgendwie freier, weil das Malen nicht so tief in mir war wie das Schreiben. Es hing nie so viel daran, es war nicht so eminent wichtig. Ich konnte auch mal nicht malen. Beim Schreiben ist das schwerer. Es ist ab und zu ein regelrechter Kampf, mich dazu zu entscheiden, mit Schreiben Lesen zu pausieren und mich anderem zu widmen. Aber vielleicht ist genau das die grösste Freiheit: Tun zu können, was einem so sehr Bedürfnis ist.

Verantwortung für mich und andere

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust…“, so klagte Faust. Jeder hat das wohl schon erlebt, dass in ihm verschiedene Stimmen im Konflikt lagen, oft ist es eine Auseinandersetzung zwischen dem, was man will und dem, was man soll (oder zu sollen glaubt). Das ist unproblematisch bei Dingen wie der Entscheidung für oder gegen ein drittes Eis (es schmeckt, ist aber ungesund). Geht es darum, ob man lieber authentisch bleibt und damit vielleicht aneckt, oder aber sich dem Umfeld anpasst auf Kosten des eigenen Seins, wird es schwieriger, zumal dieses eigene Sein ja auch nicht in Stein gemeisselt ist und man auf die Gemeinschaft angewiesen ist.

Wer bin ich? Wie werde ich der, welcher ich sein will? Bin ich schon wer, wenn ich auf die Welt komme oder werde ich erst dazu? Bin ich noch die gleiche wie vor zwanzig Jahren? Der Wunsch, ganz ich zu sein oder zu werden, ist ein tiefer. Mascha Kaleko hat ihn in einem wunderschönen Gedicht „Kurzes Gebet“ geäussert:

„Herr, lass mich werden, der ich bin
In jedem Augenblick.
Und gib, dass ich von Anbeginn
Mich schick in mein Geschick…“

Sartre übergibt das Ich-Sein keinem Gott, er nimmt sich selbst in die Pflicht:

„…der Mensch ist nichts anderes als das, wozu er sich macht.“

Wer also will ich sein? Simone de Beauvoir wusste nur soviel: Sie wollte frei sein und sie wollte alles vom Leben. Auf unsere Frage nach dem eigenen Sein angewendet, bedeutet das: Ich-Sein und doch Teil der Gemeinschaft sein als dieses Ich. Dazu bedarf es der Toleranz. Toleranz für andere, für das Anderssein, für einem fremde Lebensentwürfe. Diese Toleranz wünschen wir uns für uns selber, wir möchten die sein können, die wir sind und sein wollen, und wir wünschen uns, dass die anderen uns so sehen und akzeptieren und annehmen.

Wenn wir uns aber eine Welt wünschen, in der wir in unserem Sein Anerkennung erfahren, was bedeutet das für uns selber? Erfüllen wir diesen Anspruch der Anerkennung des Andersseins ebenfalls? Wenn wir jemanden sehen, der unseren Vorstellungen nicht entspricht, der einen uns fernen Lebensentwurf, eine fremdartige Erscheinung, ein keinen gängigen Rollenmustern entsprechendes Auftreten hat – was geht in uns vor? Ist da eine wirkliche Akzeptanz des Andersseins, müssen wir uns diese zuerst zurechtlegen oder spüren wir doch eine Irritation oder schlimmer noch: eine innere Abwehr? Ist unsere Reaktion die, welche wir uns auch für uns wünschen würden?

Oft wissen wir sehr genau, was wir uns wünschen, wir wissen, wie eine Welt aussehen müsste, in welcher wir uns wohl fühlen, und wir können definieren, was es in dieser Welt brauchen würde. Was wir gerne vergessen ist, dass auch wir Pflichten haben, diese Welt zu gestalten, dass unsere Wünsche nicht nur eingleisig in die Welt gestellt, sondern auch selber erfüllt werden sollten. Das meinte wohl auch Gandhi, wenn er sagte:

„Sei die Veränderung, die du in der Welt gerne sehen würdest.“

Wir haben eine Verantwortung uns selber gegenüber, indem wir sind, wie wir sein wollen, was wohl sicher auch heisst, dass wir dem entsprechen wollen, was wir von anderen erwarten. Wir haben aber auch eine Verantwortung anderen Menschen gegenüber, dass wir dazu beitragen, dass auch sie in einer Welt leben können, in der sie auf Resonanz stossen, in welcher sie sich zuhause und anerkannt fühlen können.

Das gute Leben

Wenn wir am Abend auf den Tag zurückschauen, bewerten wir diesen oft und denken „das war ein guter Tag“ oder „das war ein schlechter Tag“. Was bestimmt darüber, ob ein Tag, eine Woche, ein Monat, ein Leben gut sind? Was macht das gute Leben aus? Diese Frage beschäftigt nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch die Philosophie seit Jahrhunderten (viele halten ja die Philosophie für dem Leben fern, doch ich würde sie gerne wieder ins Leben holen, denn da gehört sie hin). Schaut man in die Geschichte der Philosophie, gibt es deswegen viele Antworten:

Aristoteles erachtete die Glückseligkeit als höchstes Ziel, das es für die Eudaimonia, das gute Leben, brauche. Diese ist das Ziel allen Handelns des Menschen. Bei Platon findet sich die Idee des tugendhaften Lebens, welches ein gutes sei. Er sieht die Erfüllung des Menschen darin, nach dem Guten und Gerechten zu streben, welches als vollkommen Gutes nur als Idee existiert, an welche sich der Mensch anzunähern versucht. Dieses wirke sich dann wiederum auch auf die Gesellschaft aus. Epikur wich ab vom Gedanken, dass es etwas von aussen zu bestimmendes Gutes gibt, für ihn war das Gute nichts Objektives, sondern etwas, das jeder für sich selber bestimmen müsse. Schon in der Stoa drehte der Wind wieder und das Gute wurde objektiv: Alles steht mit allem harmonisch im Zusammenhang, was nicht passt, ist nicht gut. Der Mensch führt also ein gutes Leben, wenn er sich in diesen harmonischen Zusammenhang eingliedert. Die Skeptiker wiederum verneinten eine Einteilung in gut und schlecht, da man schlicht nicht gesichert wissen könne, was nun wahr sei.

Später äusserten sich dann die Kirchen und Kirchenanhänger zu dem Thema, in der frühen Neuzeit kamen wieder die Philosophen ins Spiel. Es dominierte die Sicht, dass es kein objektiv Gutes gäbe, dieses sei immer subjektiv gesetzt. Spinoza befand in diesem Sinne, es werde nichts angestrebt, weil es gut sei, sondern es sei gut, weil man es erstrebe. Sprich, der Mensch bewertet ein Ding als gut und will es dann haben, das Ding an sich ist nicht objektiv gut. Noch weiter ging Leibnitz, welcher die Welt als eine der besten betrachtete, so das die Wirklichkeit das Gute darstelle, während alle Theorien dahinter zurück blieben. Locke machte das Gute am Glück fest, indem alles gut sei, was Glück bringe.

Für Hume war das alles zu viel Vernunft, denn er war der Überzeugung, dass man das Gute nur fühlen könne, der Verstand hätte keinen Einfluss diesbezüglich. Damit kam er dem rationalen Kant gerade recht: Für diesen waren solche Gefühlsduseleien nichts, er sprach das Gute dem Willen zu, welcher gut sei, insofern er aus vernünftigen Beweggründen heraus moralisch handeln wolle. Nicht das Gute bestimmt also die Moral, sondern diese das Gute. Auch das war nicht der Weisheit letzter Schluss: Hegel war das zu abstrakt, er befand, man könne die Wirklichkeit und das Richtige, Natur und Moral, nicht trennen. Das Gute finde man in der Wirklichkeit einer sittlichen Gesellschaft, in die der Einzelne eingebunden sei.

Schopenhauer gähnte ob all dem, befand es als trivial, da gut nach ihm das ist, was dem entspricht, was man will – jeder bastelt sich also sein Gutes selber zusammen. Nietzsche ging noch weiter und befand den guten Menschen im Sinne von Sitten und Moral als dekadent, da diese Haltung lebensverneinend sei. Später kamen noch Vertreter des Glücks und der Freude dazu, welche für ein gutes Leben ausschlaggebend seien – langer Rede, kurzer Sinn: Was denn nun? Was also ist der Sinn des Lebens? Natürlich kann hier keine abschliessende und absolut gültige Antwort auf die Frage gegeben werden. Das Folgende ist der Versuch einer Antwort, die eine Meinung nach aktuell gültigem Stand des persönlichen Nachdenkens darstellt.

Heute hat man oft den Eindruck, dass sich ein gutes Leben über den Konsum bestimmt: Wenn ich alles haben kann, was ich will, ist das Leben gut. Dass dies nur ein flüchtiges Gut ist, blendet man aus, da man den Effekt ja wiederholen kann – und muss. Das alles ist wohl eher ein Ersatz dafür, dass man Wert und Sinn nicht findet oder gar nicht suchen will, da die Frage zu gross und damit zu überfordernd wirkt. Worauf sollte man sich berufen? Nicht mal die alten Philosophen waren sich einig, jeder befand etwas anderes. Was ist wichtig für ein gutes, für ein gelingendes Leben? Es müsste wohl so aussehen, dass wir als Menschen das Gefühl haben: „So ist es gut, so kann es bleiben.“ Es müsste uns also in dem befriedigen, was uns wichtig ist, was für uns stimmig ist, was uns ausfüllt und das Gefühl gibt, als richtiger Mensch am richtigen Ort zu sein. Unser Dasein müsste für uns einen Wert haben, und wir brauchen das Gefühl dass dieser Wert auch anerkannt wird. Nur fühlt es sich sinnvoll an, dieses Leben zu leben. Damit wären wir bei Wert und Sinn angelangt – was bedeuten sie konkret in Bezug auf das gute Leben?

Eine einfache Antwort darauf gibt es wohl nicht, zumindest keine, die man von aussen allgemein äussern könnte. Vielleicht können uns die Existenzialisten weiterhelfen: Sartre erachtete das Leben an sich als sinnlos. Leben sei reine Existenz und die komme vor der Essenz, also vor einer Zuschreibung irgendwelcher Eigenschaften. So gesehen erhält das Leben erst dadurch einen Sinn, dass wir ihm diesen zuschreiben. Das heisst also, wir finden den Sinn in uns selber und versuchen dann, ihn im Leben zu verwirklichen. Er hängt von uns selber ab, davon, wer wir sind oder sein wollen. Dazu Sartre:

„…der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf, er existiert nur in dem Mass, in dem er sich verwirklicht, er ist also nichts anderes als die Gesamtheit seiner Handlungen, nichts anderes als sein Leben.“

Ein Zirkelschluss? Der Mensch bestimm das Leben, welches er zugleich ist? Nein, es stellt eher eine Möglichkeit dar, frei zu sein, weil jeder Mensch sein kann, was und wer er sein will. Wenn er also weiss, was für ein Mensch er sein will, kann er entsprechend handeln und erfüllt so sein Selbstbild, er erschafft sich selber. Auf diese Weise lebt jeder Mensch das, was er für sich als gut und richtig erachtet, er verfolgt die Ziele, welche er für sich als wertvoll festlegt und gibt so seinem Leben Sinn.

Harald Welzer hat die Frage anders formuliert: Wer möchte ich gewesen sein? Dieses Futur II lässt durch den Blick in die Zukunft die Gegenwart gestalten. Indem ich weiss, wie ich mal auf mich zurück blicken möchte, kann ich das Leben gestalten, das dem entspricht. Darin liegt eine grosse Selbstwirksamkeit, das Gefühl, mich und mein Leben nach meinem Sinn gestalten zu können, so dass es ein gutes Leben ist.

Nur: Der Mensch ist keine Insel ist, sondern er lebt immer in einer Gemeinschaft, auf die und deren Anerkennung er angewiesen ist. Aus diesem Grund wird der einzelne Mensch wohl ein Mensch sein wollen, der in seinem sozialen Umfeld eingebettet ist, der sich in diesem entfalten kann und auf gegenseitige Resonanz im Sinne von gelebter Beziehung und einem Miteinander angewiesen ist. Damit er sich selber auf seine Weise gestalten kann, sein Menschsein nach seinen Vorstellungen verwirklichen kann, bedarf es einer Gesellschaft auf Augenhöhe, einer Gesellschaft, in der die Freiheit des Einzelnen gewährleistet ist, weil keiner den anderen beherrscht.

All das berücksichtigt kommen wir zum Schluss, dass das gute Leben das Leben ist, welches für den Einzelnen Sinn ergibt, indem er sich diesen selber gibt durch seine Vorstellung des eigenen Seins, eingebettet in eine Gemeinschaft von ihm Gleichgestellten, die sich gegenseitig die Freiheit lassen, dies zu tun. Sollte die Gesellschaft noch nicht an dem Punkt sein, so können wir diese nicht von heute auf morgen ändern, aber wir können – jeder für sich – bei uns selber anfangen und uns dafür einsetzen, dass dies auch für andere möglich wird.

Daniel Schreiber: Nüchtern

Inhalt

„Das Wissen, dass man zu viel trinkt, ist völlig nutzlos. Man trinkt nicht weniger, weil man weiß, dass man ein Problem hat. Man hört auch nicht damit auf, indem man analysiert, warum man trinkt. Man hört damit auf, indem man aufhört.“

Da Feierabendbier, der Gin mit Freunden, das Glas Rotwein zu Käse und Brot – was für eine Genuss. Was aber, wenn es nicht bei einem Glas bleibt? Was, wenn Alkohol immer mehr zum Leben gehört und sich dieses auch immer mehr um Alkohol dreht? Redet man sich anfangs selber schön, dass man kein Problem hat, weil man ja problemlos Pausen einlegen kann (Tage, Wochen, Monate gar), merkt man irgendwann, dass man dies zwar kann, aber trotzdem eine Schwelle überschritten ist, weil Alkohol vom Genuss zum Thema wurde.

Daniel Schreiber erzählt seine persönliche Geschichte mit dem Alkohol und die Entscheidung, keinen mehr zu trinken. Er liefert zudem Fakten und Zahlen über Alkoholkonsum, gesteigertes Risiko an Krankheiten und gefährliche Auswirkungen auf Zellen und das Gehirn.

Ein wichtiges Buch, das ohne zu moralisieren zum Nachdenken anregt.

Weitere Betrachtungen

„Die Fassaden, die man sich errichtet, sind mächtig. Sie gehören zu einem, man kann selbst gar nicht mehr sagen, wo sie aufhören und wo man selbst beginnt. Sie halten einen aufrecht.“

Die WHO-Aussagen, wie viel Alkohol gesund ist und wo eine Grenze überschritten wird, sind relativ klar und die Menge so klein, dass sie von vielen wohl schnell überschritten ist. Das muss nicht grundsätzlich auf ein Problem hinweisen, aber es kann – ein Problem, das man gerne verdrängt und schon gar nicht gegen aussen preisgibt. Es finden sich viele und gute Argumente, welche die Problematik des eigenen Alkoholkonsums nicht nur verdecken, sondern als nichtig erklären. Das Argument, dass man sofort aufhören könnte, wenn man nur wolle, man auch mal einen Monat ohne Alkohol ohne Probleme schaffe oder wöchentlich alkoholfreie Tage einlege, gehören zum Standardrepertoire. Was aber sagen sie wirklich aus?

„Jede Halbwahrheit, jede Lüge, die man sich selbst und anderen erzählt, geht auf Kosten der inneren Substanz, so lange, bis man irgendwann gar nicht mehr richtig weiß, wer man ist.“

Was man nach aussen vertritt, glaubt man sich auch oft selber. Man hüllt sich in eine (Schein-)Sicherheit und vermeidet, genauer hinter die Fassade des eigens aufgerichteten Lügengebäudes zu schauen. Ein paar alkoholfreie Tage, an welchen man sich schon aufs Wochenende freut und plant, welchen Wein man dann trinken will, mögen zwar weniger Alkohol im Blut bedeuten, nicht aber weniger im Leben. Wenn Anlässe immer automatisch mit Alkohol verbunden sind, dieser sogar einen Teil ausmachen, nimmt dieser einen grossen Raum im Leben ein – einen zu grossen?

„Man versteckt sie nicht bloß vor anderen Menschen, sondern auch und vor allem vor sich selbst. Man kann Scham hinter einer ganzen Reihe von Gefühlen verbergen, ohne dass es einem bewusst ist.“

Zuzugestehen, dass man ein Problem hat, ist mit Scham verbunden. Probleme sind etwas für Schwächlinge, für Verlierer. Gewinner haben Lösungen – oder stehen generell über allem. Sich und anderen einzugestehen, dass vielleicht doch nicht alles so perfekt ist, wie man gerne den Anschein machen möchte, braucht Mut. Das hängt sicher auch mit unserer Gesellschaft zusammen, in welcher Alkohol eine sozial akzeptierte, fast geförderte Droge ist. Trinkt man nichts, wird man gefragt, wieso. Wenn keine Schwangerschaft oder eine Krankheit (Alkoholismus sieht man nicht als solche, sondern als Schwäche) dahinter steckt, weckt das Misstrauen. Eigentlich traurig, dass es einfacher ist, weiterzutrinken, als hinzusehen und etwas zu unternehmen.

Persönlicher Bezug

«Scham wird von der Angst vor dem Verlust von Zuneigung und sozialem Prestige motiviert, von der Angst, aus sozialen Gruppen ausgeschlossen zu werden.»

Das Buch hat mich nachdenklich gemacht. Ich trank sehr lange keinen Alkohol, weil er mir nicht schmeckte, kam dann aber auf den Geschmack von Wein. Ein guter Weisswein zum Apéro, ein schwerer Rotwein zum Essen, ein Cava mit Freunden – ein Genuss. Die Notwendigkeit, aufzuhören, sah ich nicht, zumal all meine Werte vorbildlich sind und ich auch sonst keine gesundheitlichen Probleme habe. Da ich in einem Umfeld lebe, in dem gemeinsame Essen und damit auch immer sehr guter Wein oft vorkommen, war die Vorstellung, nicht zu trinken, schwierig. Die Angst, dann nicht mehr dazu zu gehören, war doch gross und das würde mir wehtun.

Wieso also bin ich trotz fehlendem zwingendem Grund und dieser Angst nachdenklich geworden? Die Selbstverständlichkeit, mit welcher Alkohol, welcher bei Lichte betrachtet keine leichte Droge sondern eigentlich ein Nervengift ist, getrunken wird (auch von mir), gefällt mir nicht. Ich bin zudem durchaus ein Mensch, der nicht ein Glas trinkt. Wenn das Glas da steht, fülle ich gerne nach, in fröhlicher Gesellschaft auch mal mehr. Ich würde trotzdem sagen, dass ich kein Alkoholproblem habe – und doch. Ich habe nach dem Lesen dieses Buches beschlossen, Alkohol mal für eine Weile aus meinem Leben zu streichen. Einfach als persönliches Experiment. Ich bin gespannt, ob sich etwas in meinem Leben, bei mir, verändert, wenn ich keinen mehr trinke.

Ich sage nicht, dass es für immer ist, möglich wäre es. Vielleicht trinke ich nach Ablauf der Frist wieder wie vorher. Vielleicht lasse ich ein paar spezielle Gelegenheiten, an denen ich ein Glas trinke mit Genuss und aus Nostalgie. Vielleicht war das letzte Glas Cava auch das letzte Glas Alkohol überhaupt. Ich bin gespannt. Alles ist möglich. Vielleicht schreibe ich irgendwann über meine Erfahrungen.

Fazit
Ein sehr persönliches, informatives, zum Nachdenken anregendes Buch über ein wichtiges und oft verkanntes Thema: Alkohollismus. Sehr empfehlenswert.

Autor
Daniel Schreiber, geboren 1977, lebt in Berlin. Er arbeitet als freier Autor u. a. für die Zeit, Deutschlandradio Kultur und die taz. 2007 erschien seine Susan-Sontag-Biographie Geist und Glamour.

Angaben zum Buch
Herausgeber: Suhrkamp Verlag; 6. Edition (11. April 2016)
Taschenbuch: 159 Seiten
ISBN-Nr.: 978-3518466711

#abcdeslesens – S wie «Sieh nicht, was andre tun» (Christian Morgenstern)

Sieh nicht, was andre tun,
der andern sind so viel,
du kommst nur in ein Spiel,
das nimmermehr wird ruhn.

Geh einfach Gottes Pfad,
lass nichts sonst Führer sein,
so gehst du recht und grad,
und gingst du ganz allein.

Eine lyrische Analyse wird hier eigentlich überflüssig. Klar könnte man den Klammerrein anmerken, den jambischen, regelmässigen Fluss, aber es erscheint nicht nötig. Wir haben hier ein kleines, feines Gedicht, das viel Lebens-Wahrheit in sich trägt. Kurz gesagt bringt es folgende Botschaft an den Leser:

Sei du selbst und alles ist gut.

Wir neigen oft dazu, uns an anderen auszurichten, sie zum Vorbild zu nehmen. Dann stehen wir da, vergleichen uns und sind mit uns unzufrieden. Wie viel besser wäre es, so zu sein wie der andere. Nur: Selbst wenn wir das hinkriegten, wenn wir so wären, wie der andere, bliebe ein Problem – nein, es bleiben mehrere: Wir wären nicht mehr wir selber, insofern nicht mehr authentisch. Wir hätten eine Rolle übernommen, die wir nun spielen. Und in diesem Spiel werden wir nie zur Ruhe kommen, weil unser Naturell, uns zu vergleichen, uns sicher bald einen Nächsten bringen wird, dem wir noch besser nacheifern würden.

So gehen wir rastlos durch das Leben auf der Suche nach dem besten Ich, welches wir aber nie sind, da wir fremde Massstäbe übernehmen. Erst wenn wir uns auf unser eigenes Sein verlassen, wenn wir unseren eigenen Weg gehen, werden wir zur Ruhe kommen. Dann wird es nicht mehr nur ein Rollenspiel sein, sondern ein Leben aus tiefstem Herzen, ein authentisches und echtes Leben. Unser Leben.

Eduard Mörike: Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen. 

Der Titel «Septembermorgen» trägt die Jahreszeit schon in sich: Es ist früher Herbst. In den ersten beiden Zielen steht zweimal das Wort «noch». Das deutet darauf hin, dass etwas bald nicht mehr sein wird, aber noch ruht die Welt im Nebel, noch träumt die Natur. Die Nacht hängt noch in den Bäumen, bald wird die Sonne den Himmel erhellen und die Nebelschleier zum Verschwinden bringen. Dann zeigt sich das, was ist: Der Herbst mit seinen kräftigen und doch gedämpften Farben, die Sonne, die nicht mehr ganz so hell scheint, sondern einen Goldschimmer trägt, der sich über die Welt legt.

Auch der Herbst trägt den Abschied in sich. Das Jahr geht langsam zu Ende, es kommt die Zeit des Erntens, um dann die Bäume leer zu lassen. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen langsam. Das Leben verschiebt sich mehr und mehr von draussen ins Haus hinein, was für viele auch eine Zeit der grösseren Einsamkeit bedeuten kann. Rilke hat das in seinem Gedicht «Herbsttag» angedeutet, als er schrieb:

«Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben.»

Abschied wird häufig mit negativen Gefühlen verbunden, was aber gar nicht sein muss. In östlichen Philosophien ist Abschied eine Chance für einen Neuanfang. Im Hinduismus gibt es die drei Götter Shiva, Brahma und Vishnu – sie stehen für Zerstörung, Neuaufbau und Erhalt. So lange etwas nicht untergeht, können die anderen beiden nicht wirken. Und nur so ist Leben möglich, das immer auch Bewegung heisst, Neues mit sich bringt.

In meinem Leben gab es immer wieder verschiedene Phasen, in denen ich etwas ganz intensiv machte und dann dachte, das wäre das wirklich Eine, das nun bliebe. Doch jede Phase wurde wieder von einer anderen abgelöst, die der vergangenen an Intensität in nichts nachstand. So floss ich von einem zum nächsten, kam zwar zu allem immer wieder zurück, aber auch nur, um dann wieder weiter zu gehen.

Ich habe diese Art an mir oft verflucht, mir gewünscht, dass ich „eindimensionaler“ wäre, fokussierter, auf eine Sache ausgerichteter und nicht mit diesen vielen Interessen bestückt. Ich habe dann irgendwann gemerkt, dass dies mein Wesen ist, dem ich mich nicht entgegenstellen kann. Und es gab ja durchaus Konstanten: Ich habe immer gelesen und immer geschrieben. Die Inhalte mögen sich verändert haben, aber das Tun blieb das gleiche. Und: Ich habe aus allen Phasen was für die nächste mitgebracht. Vielleicht ist es ja im Leben so, dass alles seine Zeit hat, dass man aus jeder Zeit etwas für die nächste lernt. Und immer muss man auch bereit sein, Altes loszulassen, dass wieder Platz für Neues kommt.