Schweigemauern

Ein liebes Wort,
Gefühl gezeigt,
fällt häufig schwer –
wie oft man schweigt.

Viel leichter gehen
Tadelworte,
Unmutsgesten,
Wutgeschrei.

Da ist man stark,
da ist man gross,
da zeigt man drauf,
und nicht sich auch.

Dort steckt die Angst,
da zögert man,
was mal gezeigt,
das sieht man dann.

Drum mauern wir
mit Stein und Sand,
und bauen höher
jede Wand.

Auf dass sie schütze,
was uns eigen,
doch der Preis
ist häufig Schweigen,

das verdammt
in Einsamkeit,
das damit nimmt
Gemeinsamkeit.

©Sandra von Siebenthal

seelenhalt

ein schleier liegt auf meiner seele
legt sich über freud und leid
nun liegt sie da in ihrer leere
und wirkt gar erdenschwer

es fehlen worte, fehlt gefühl
es fehlt der halt und wer ich bin
es weint das kind von ganz tief drin
ich fühl mich klein und ohne sinn

ich träume leis von bunten wiesen
sehne mich nach sternenmeer
ich möchte singen, möchte lachen
doch es fliessen tränen mehr

so leg ich mich dann auf den boden
schling die Arme eng um mich
als ob mich jemand ganz fest hielte
und im herzen dieser stich

eine kleine stimme flüstert
dass auch dann wenn alles fällt
die hoffnung bleibt auf neues licht
und bis dahin halt ich mich

©Sandra von Siebenthal

Herbstnebel

Unter tausend Blicken
Ohne Schutz
Die Seele nackt
Verletzlich schwer

Am Himmel dunkle
Wolken ziehen
Und unten drückt
Das kalte Grau

Durch dichten Nebel
Leer die Sicht
Such ich den Weg
Ich ahne bloss

Es ist als ob es
Nie mehr Licht
Mehr würde und
Der Abgrund nah

©Sandra von Siebenthal

Loslassen

Der Morgen dampft,
Ein Schleier liegt,
Im kühlen Frost
Ein Blatt sich wiegt.

Es neigt sich leis
Das Jahr zum End,
Wenn ich dir diese
Botschaft send.

Es war sehr gross,
Es war so viel,
Was wir erlebt,
Ganz ohne Ziel,

Nur mit dem Wunsch
Auf Glück zu zweit,
So gingen wir
Durch diese Zeit.

Wir nahmen mit,
Was sich uns bot,
Genossen sehr
Und ohne Not.

Und wenn es auch
Mal schwierig war,
Es ging uns gut,
Wir warn’s gewahr.

So lassen wir
Das Jahr nun zieh’n,
Und schau’n nach vorn,
Mit dem im Sinn:

Das Leben hält
Noch viel bereit,
Es wartet auf uns
Neue Zeit.

©Sandra von Siebenthal

Getragen wachsen

Und manches Mal
bin ich ein Pilz
so vor Glück strotzend,
wie man’s will.

Und manches Mal
Verlierer gar,
ich weiss schlicht nicht
wie mir geschah

Das Leben geht
oft eigne Wege,
und ich geh mit
und schaue hin.

Ich seh oft Berge
und auch Täler,
sehe Gründe,
abgrundtief.

Erst steh ich da
und bin dagegen,
seh dann hin
und traue mich

Und oft passiert es,
dass ich merke,
grad die Hürde
bringt mir was.

Ich wachse weiter,
nehm das Neue,
füg es ein in
mein So-Sein.

Doch was mir Kraft gibt,
ist der Glaube,
mir sind Menschen,
wohlgesinnt.

Es gibt Menschen
Die mich nehmen,
und mich lieben,
wie ich bin.

Dafür danke ich
schlicht diesem Leben,
und vor allem
dank ich dir!

Du bist der Stern
an meinem Himmel,
Du bist mir Halt
und Lebenszier.

Lebenswege

Ich sitze so hier und
blick vor mich hin,
ich schaue aufs Meer und
frag nach dem Sinn.

Was wird aus mir werden,
wer möchte ich sein?
Was kann ich gestalten,
wo fliess ich schlicht rein?

Ich habe noch Träume,
doch Pflicht gibt es auch,
wer soll da entscheiden,
Verstand oder Bauch?

Das Meer rauscht ganz leise
und still vor sich hin,
es zeigt sich darin mir
ein tieferer Sinn.

Wir können das Leben
gar selten versteh’n.
Ein jeder muss seinen
ganz eig’nen Weg geh’n.

Wir sind wie die Wellen,
getrieben vom Wind,
wir sind wie die Wellen,
und Windes Kind.

Mal Welle, mal Woge,
mal auch ganzes Meer,
so geh’n wir durchs Leben,
so werden wir mehr.

Wir leben das Leben,
wir wachsen daran,
wir trotzen den Stürmen,
wir kommen voran.

Und wirft uns ein Wind mal,
nen Schritt auch zurück,
der nächste treibt weiter,
wir nennen es Glück.

Doch das ist es nur,
wenn hin zu nem Ziel,
und da kommt das Ich nun
ganz deutlich ins Spiel:

Nicht jedes Ziel ist so
für jeden gemacht,
drum wähle ich meines
bewusst, mit Bedacht.

©Sandra Matteotti

liebesmühlen

liebesmühlen

und immer wieder
ein sich streiten
und verlieren
sich dann suchen
mühsam finden
und sich schwören
so nie wieder
und dann doch
sich neu verlieren
und im suchen
schon so wissen
dass das suchen
auch ein wollen
und die angst nie
mehr zu finden
diesen kleinen
tod so
mit sich bringt

und immer wieder
ein sich fragen
und dann hadern
und dann weinen
bitter trauern
und sich sagen
so nie wieder
und dann doch sich
neu bemühen
und neu suchen
schon im wissen
dass das leben
auch ein wollen
und die angst
nicht zu bewahren
schlicht den sinn
dem leben nimmt.

und immer wieder
ein sich finden
und sich halten
sich dann schwören
innig fühlend
und sich schwören
so nie wieder
und dann doch sich
sicher sein und
neu verlieren
und dann suchen
um zu wissen
dass das suchen
schlicht dem wollen
und der angst
nicht mehr zu finden

wasser

auf die mühlen trägt.

Der goldene Käfig

Du fragtest mich, wie es mir geht,
was war dein Wunsch, was war das Ziel?
Du sagtest mir, dir geht es gut,
war das real, war das nur Spiel?

Was ist gemeint, was nur gesagt?
Wo liegt das Herz, wo nur Benimm?
Was ist noch echt, was darf so sein,
wo ist die Box, wo muss ich rein?

Wo Menschen sind, da gibt es Regeln,
nur manche töten schlicht das Sein.
Was wirklich gilt, das ist Gebot,
was man nicht will, sagt das Verbot.

So laufen wir in strammen Rastern,
geh’n im Schritt, sind gar genehm.
Und wo’s nicht passt, da greifen Strafen,
gesetzlich klar, privat bequem.

Man lässt so durch, was einem passt,
der Rest, der ist gar liederlich,
man nimmt so hin, was ganz entspricht,
den Rest verstösst man, weg damit.

Wir leben so in einer Box,
Die jemand anders definiert,
wir woll’n gefallen, dies die Krux,
es sind wir selber, die verlier’n.

©Sandra Matteotti

Der Liebe geschuldet

Liebst du mich?
Das frag ich mich,
und gäbe viel,
dass du es tust.

Bin ich so gut?
Müsst’ ich was tun?
Was willst du denn,
wo reich ich nicht?

Ein Wort von dir,
ein Blick danach,
schon fühl ich mich
in meiner Pflicht.

Es wög wohl schwer,
wär ich noch mehr,
doch das, was ist,
scheint schlicht mir Mist.

Ich würde gern
in Normen passen,
wäre gern so
ein Gewinn.

Ich würde gern
die Welt bespassen,
bin doch aber
manchmal ernst.

Ich wär so gern der,
den man mag,
doch bleib ich schliesslich
doch nur ich.

Ich würd so vieles
tun für dich, doch
bleiben muss ich
letztlich ich.

©Sandra Matteotti

Bett aus Rosen

Wie eine Rose
aus Knospen erblüht,
die Liebe so zärtlich,
sie hat mich berührt.

In zart rosa Farben,
mit Engelsmusik,
das Leben als Traum fast,
versprach ach so viel.

Ein Fels in der Brandung,
ein Netz vor dem Fall,
ein Herz voller Tiefe,
ich gab mich ihm hin.

Ich fühlt’ mich geborgen,
ich fühlt’ mich zuhaus…
doch dann wankt der Boden,
es flutet das Meer.

Erst fehlt nur der Halt, doch
dann fehlt noch mehr.
Da ist nirgends Wärme,
es ist nur noch kalt.

Ich stehe am Abgrund,
ich blicke hinab.
Ich sehe ins Dunkel,
es ist wie ein Bett.

Es ruft mich leis zu sich,
es wirkt sanft und still,
es wirkt wie ein Heim mir,
es scheint, was ich will.

©Sandra Matteotti

Wolkenbruch

Bedrohlich erst, noch sehr subtil,
brach es dann aus, so voll und ganz,
in Strömen kamen, Wellen gleich,
in Flüssen strömten, Wogen reich.

So über mich, in vollen Zügen,
unter mir, ganz weggefegt,
kein Boden mehr, wie Scheine trügen,
kein Himmel mehr, die Sicht belegt.

Ich sitze hier, ich bin allein,
ich fühle mich, gar hilflos klein,
ich sitze hier, ich weiss nicht aus,
und ein schon gar, wo könnt es sein?

So heimatlos und eingeklemmt,
in käfiggleichen Stabstrukturen,
seh ich kaum Welt, krieg ich kaum Luft,
und sehne mich nur nach dem Du.

Ich merk sogleich, es wird nicht sein,
ich bin hier schlicht so ganz allein,
es gibt nur eins, das mir noch bleibt,
ich nehm den Strom, ich geb mich rein.

©Sandra Matteotti

Dichterstubengedicht

Der Mann, der schaut fern,
der Hund nagt grad hart,
nur ich sitze hier,
und kämpf Wort um Wort

so durch das Gedicht,
mein Fuss scharrt im Takt,
ergreift dann den Reim –
ist das wohl schon Sport?

Ich ring um Gefühl,
und kämpf mit dem Stil,
ich tanz mit den Vers,
und schweif auch mal ab.

Ich fliesse im Fluss
von dem, was grad kommt,
und gebe mich hin,
nur so bringt es Sinn

ins Sein dieses Tuns,
nur so ist es das,
was aus mir raus muss,
weil’s leben schlicht will.

©Sandra Matteotti

endlich ankommen

ich bin manchmal schwer,
und oft ist’s nicht leicht.

ich leide dann sehr,
der boden durchweicht

von tränen und meer,
ganz tief, selten seicht,

ich wollte nichts mehr,
und nichts scheint erreicht.

ich mach’s mir oft schwer,
und dir selten leicht,

bemühst dich dann sehr,
doch alle müh weicht

dem uferlosmeer,
das keiner erreicht.

es geht kaum mehr mehr,
hast mich schon erreicht,

es fällt mir nur schwer,
und zu selten leicht,

dass, was schon da sehr,
nicht einbildung weicht,

die tiefdunkles meer,
real mehr als seicht,

stets tief beschwört mehr,
statt hafen erreicht.

©Sandra Matteotti

ich und du

du bist mir nie treu,
du bist es nur dir.

du nimmst mich nie ernst,
das nimmst’ auch dich nie.

du bist schlicht ein clown
mit tiefen in dir.

du bist komödiant,
ich dank’ dir dafür.

ich hadere oft,
mit mir, nicht mit dir…

du lachst dann spontan –
ich gönne es dir.

ich bin erst entsetzt,
dann find’ ich in mir,

den dank für die freud’,
die weg mir war schier.

du holst sie stets her,
aus ich wird ein wir.

ich trete dann aus,
bin nicht nur in mir,

bin auch nicht weit weg,
bin tief drin im wir.

das höher stets ist,
ein ich wär nie hier.

im wir zeigt sich ich,
so wie es sein wird.

©Sandra Matteotti