Und manches Mal
bin ich ein Pilz
so vor Glück strotzend,
wie man’s will.

Und manches Mal
Verlierer gar,
ich weiss schlicht nicht
wie mir geschah

Das Leben geht
oft eigne Wege,
und ich geh mit
und schaue hin.

Ich seh oft Berge
und auch Täler,
sehe Gründe,
abgrundtief.

Erst steh ich da
und bin dagegen,
seh dann hin
und traue mich

Und oft passiert es,
dass ich merke,
grad die Hürde
bringt mir was.

Ich wachse weiter,
nehm das Neue,
füg es ein in
mein So-Sein.

Doch was mir Kraft gibt,
ist der Glaube,
mir sind Menschen,
wohlgesinnt.

Es gibt Menschen
Die mich nehmen,
und mich lieben,
wie ich bin.

Dafür danke ich
schlicht diesem Leben,
und vor allem
dank ich dir!

Du bist der Stern
an meinem Himmel,
Du bist mir Halt
und Lebenszier.

Ich sitze so hier und
blick vor mich hin,
ich schaue aufs Meer und
frag nach dem Sinn.

Was wird aus mir werden,
wer möchte ich sein?
Was kann ich gestalten,
wo fliess ich schlicht rein?

Ich habe noch Träume,
doch Pflicht gibt es auch,
wer soll da entscheiden,
Verstand oder Bauch?

Das Meer rauscht ganz leise
und still vor sich hin,
es zeigt sich darin mir
ein tieferer Sinn.

Wir können das Leben
gar selten versteh’n.
Ein jeder muss seinen
ganz eig’nen Weg geh’n.

Wir sind wie die Wellen,
getrieben vom Wind,
wir sind wie die Wellen,
und Windes Kind.

Mal Welle, mal Woge,
mal auch ganzes Meer,
so geh’n wir durchs Leben,
so werden wir mehr.

Wir leben das Leben,
wir wachsen daran,
wir trotzen den Stürmen,
wir kommen voran.

Und wirft uns ein Wind mal,
nen Schritt auch zurück,
der nächste treibt weiter,
wir nennen es Glück.

Doch das ist es nur,
wenn hin zu nem Ziel,
und da kommt das Ich nun
ganz deutlich ins Spiel:

Nicht jedes Ziel ist so
für jeden gemacht,
drum wähle ich meines
bewusst, mit Bedacht.

©Sandra Matteotti

liebesmühlen

und immer wieder
ein sich streiten
und verlieren
sich dann suchen
mühsam finden
und sich schwören
so nie wieder
und dann doch
sich neu verlieren
und im suchen
schon so wissen
dass das suchen
auch ein wollen
und die angst nie
mehr zu finden
diesen kleinen
tod so
mit sich bringt

und immer wieder
ein sich fragen
und dann hadern
und dann weinen
bitter trauern
und sich sagen
so nie wieder
und dann doch sich
neu bemühen
und neu suchen
schon im wissen
dass das leben
auch ein wollen
und die angst
nicht zu bewahren
schlicht den sinn
dem leben nimmt.

und immer wieder
ein sich finden
und sich halten
sich dann schwören
innig fühlend
und sich schwören
so nie wieder
und dann doch sich
sicher sein und
neu verlieren
und dann suchen
um zu wissen
dass das suchen
schlicht dem wollen
und der angst
nicht mehr zu finden

wasser

auf die mühlen trägt.

Du fragtest mich, wie es mir geht,
was war dein Wunsch, was war das Ziel?
Du sagtest mir, dir geht es gut,
war das real, war das nur Spiel?

Was ist gemeint, was nur gesagt?
Wo liegt das Herz, wo nur Benimm?
Was ist noch echt, was darf so sein,
wo ist die Box, wo muss ich rein?

Wo Menschen sind, da gibt es Regeln,
nur manche töten schlicht das Sein.
Was wirklich gilt, das ist Gebot,
was man nicht will, sagt das Verbot.

So laufen wir in strammen Rastern,
geh’n im Schritt, sind gar genehm.
Und wo’s nicht passt, da greifen Strafen,
gesetzlich klar, privat bequem.

Man lässt so durch, was einem passt,
der Rest, der ist gar liederlich,
man nimmt so hin, was ganz entspricht,
den Rest verstösst man, weg damit.

Wir leben so in einer Box,
Die jemand anders definiert,
wir woll’n gefallen, dies die Krux,
es sind wir selber, die verlier’n.

©Sandra Matteotti

Liebst du mich?
Das frag ich mich,
und gäbe viel,
dass du es tust.

Bin ich so gut?
Müsst’ ich was tun?
Was willst du denn,
wo reich ich nicht?

Ein Wort von dir,
ein Blick danach,
schon fühl ich mich
in meiner Pflicht.

Es wög wohl schwer,
wär ich noch mehr,
doch das, was ist,
scheint schlicht mir Mist.

Ich würde gern
in Normen passen,
wäre gern so
ein Gewinn.

Ich würde gern
die Welt bespassen,
bin doch aber
manchmal ernst.

Ich wär so gern der,
den man mag,
doch bleib ich schliesslich
doch nur ich.

Ich würd so vieles
tun für dich, doch
bleiben muss ich
letztlich ich.

©Sandra Matteotti

Wie eine Rose
aus Knospen erblüht,
die Liebe so zärtlich,
sie hat mich berührt.

In zart rosa Farben,
mit Engelsmusik,
das Leben als Traum fast,
versprach ach so viel.

Ein Fels in der Brandung,
ein Netz vor dem Fall,
ein Herz voller Tiefe,
ich gab mich ihm hin.

Ich fühlt’ mich geborgen,
ich fühlt’ mich zuhaus…
doch dann wankt der Boden,
es flutet das Meer.

Erst fehlt nur der Halt, doch
dann fehlt noch mehr.
Da ist nirgends Wärme,
es ist nur noch kalt.

Ich stehe am Abgrund,
ich blicke hinab.
Ich sehe ins Dunkel,
es ist wie ein Bett.

Es ruft mich leis zu sich,
es wirkt sanft und still,
es wirkt wie ein Heim mir,
es scheint, was ich will.

©Sandra Matteotti

Bedrohlich erst, noch sehr subtil,
brach es dann aus, so voll und ganz,
in Strömen kamen, Wellen gleich,
in Flüssen strömten, Wogen reich.

So über mich, in vollen Zügen,
unter mir, ganz weggefegt,
kein Boden mehr, wie Scheine trügen,
kein Himmel mehr, die Sicht belegt.

Ich sitze hier, ich bin allein,
ich fühle mich, gar hilflos klein,
ich sitze hier, ich weiss nicht aus,
und ein schon gar, wo könnt es sein?

So heimatlos und eingeklemmt,
in käfiggleichen Stabstrukturen,
seh ich kaum Welt, krieg ich kaum Luft,
und sehne mich nur nach dem Du.

Ich merk sogleich, es wird nicht sein,
ich bin hier schlicht so ganz allein,
es gibt nur eins, das mir noch bleibt,
ich nehm den Strom, ich geb mich rein.

©Sandra Matteotti

Der Mann, der schaut fern,
der Hund nagt grad hart,
nur ich sitze hier,
und kämpf Wort um Wort

so durch das Gedicht,
mein Fuss scharrt im Takt,
ergreift dann den Reim –
ist das wohl schon Sport?

Ich ring um Gefühl,
und kämpf mit dem Stil,
ich tanz mit den Vers,
und schweif auch mal ab.

Ich fliesse im Fluss
von dem, was grad kommt,
und gebe mich hin,
nur so bringt es Sinn

ins Sein dieses Tuns,
nur so ist es das,
was aus mir raus muss,
weil’s leben schlicht will.

©Sandra Matteotti

ich bin manchmal schwer,
und oft ist’s nicht leicht.

ich leide dann sehr,
der boden durchweicht

von tränen und meer,
ganz tief, selten seicht,

ich wollte nichts mehr,
und nichts scheint erreicht.

ich mach’s mir oft schwer,
und dir selten leicht,

bemühst dich dann sehr,
doch alle müh weicht

dem uferlosmeer,
das keiner erreicht.

es geht kaum mehr mehr,
hast mich schon erreicht,

es fällt mir nur schwer,
und zu selten leicht,

dass, was schon da sehr,
nicht einbildung weicht,

die tiefdunkles meer,
real mehr als seicht,

stets tief beschwört mehr,
statt hafen erreicht.

©Sandra Matteotti

du bist mir nie treu,
du bist es nur dir.

du nimmst mich nie ernst,
das nimmst’ auch dich nie.

du bist schlicht ein clown
mit tiefen in dir.

du bist komödiant,
ich dank’ dir dafür.

ich hadere oft,
mit mir, nicht mit dir…

du lachst dann spontan –
ich gönne es dir.

ich bin erst entsetzt,
dann find’ ich in mir,

den dank für die freud’,
die weg mir war schier.

du holst sie stets her,
aus ich wird ein wir.

ich trete dann aus,
bin nicht nur in mir,

bin auch nicht weit weg,
bin tief drin im wir.

das höher stets ist,
ein ich wär nie hier.

im wir zeigt sich ich,
so wie es sein wird.

©Sandra Matteotti

ich kann dich lieben
ach so sehr,
wenn ich’s nicht zeig,
fällt glauben schwer.

du kannst mich lieben,
noch viel mehr,
wenn ich’s nicht glaub,
fällt’s beiden schwer.

die liebe ist nicht
einfach oft,
sie fordert viel
von einem paar.

die liebe ist zwar
sehr gewollt,
doch so gelebt,
sehr schwer, weil zwar

meist beide wollen,
jeder tut,
und jeder fühlt,
was er grad kann.

das deckt sich oft nicht
wirklich gut,
so dass am schluss
zwei menschen steh’n,

die lieben zwar
ein jeder sehr,
nur keiner fühlt
den andern mehr.

so wirklich lieben
kann wohl nur,
wer sich auch erst
mal selber liebt.

dann geht er hin und
liebt noch mehr
den anderen
grad ach so sehr.

da dieser nun
sich selber liebt,
glaubt er nun schlicht,
dass dieses geht.

nur so liebst du und
liebt auch er
und beide fühlen:
es ist gut!

©Sandra Matteotti

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Wie sagte Johann Wolfgang von Goethe so schön: Man sollte jeden Tag ein Gedicht lesen. Ich stimme ihm hier zu und möchte euch heute eines schenken – vom Meister selber.

Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

Johann Wolfgang von Goethe (Klärchens Lied, aus Egmont, 3. Aufzug, 2. Szene)

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man liebt

Es gibt ein Gedicht für jede Lebenslage, es gibt ein Gedicht für jede Gefühlslage. Ich bin der Überzeugung, dass Lyrik helfen kann, weil sie Raum gibt, weil sie Worte findet, weil sie Sinn über die Worte hinaus vermittelt. Darum auch mein Projekt „Lyrische Helfer“.

 

Ich bin nicht sehr gross,
gefühlt sogar klein,
ich bin nicht perfekt,
ich kann es nicht sein.
Ich tu, was ich kann,
das reicht manchmal nicht,
ich täte gern mehr,
fühl mich in der Pflicht.
Ich wär gern perfekt.
und wär’s nur für dich,
ich wär gern die Welt,
die du bist für mich.
©Sandra Matteotti

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Lass ab von diesem Zweifeln
Laß ab von diesem Zweifeln, Klauben,
Vor dem das Beste selbst zerfällt,
Und wahre dir den vollen Glauben
An diese Welt trotz dieser Welt.

Schau hin auf eines Weibes Züge,
Das lächelnd auf den Säugling blickt,
Und fühl’s: es ist nicht alles Lüge,
Was uns das Leben bringt und schickt.

Und, Herze, willst du ganz genesen,
Sei selber wahr, sei selber rein!
Was wir in Welt und Menschen lesen,
Ist nur der eigne Wiederschein.
(1895)
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Projekt „Lyrische Helfer“  – Weil es für jede Lebenslage ein Gedicht gibt. Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man zweifelt

Ich bin grad so müde und lege mich hin,
schliesse die Augen, das Ohr und den Sinn.
Schlafe dann ein und sehe nur schlicht,
in mir das Liebste, dein lieb’ Gesicht.

Und wenn du dann kommst, dann leg dich zu mir,
decke uns zu und denke bei dir,
wenn ich leise seufzend mich zu dir hinschieb,
dass ich dich gefühlt, weil ich dich so lieb.

©Sandra Matteotti