Ich so…

Ich bin
Thomas Mann,
doch ohne
Romane,

Bin Dürr
enmatt auch, und
grad ebenso.

Und ich

bin bloss
Denker
und halt schlicht
Philosoph.

Ich bin
immerzu,
und dichte
und denk…

Ohne mal Halten
und stets so
dichtend
gedacht

einfach so
ICH

Und wenn
es mal holpert,
dann ist das so
drin!

Ich bin nie
gradlinig,
ich bin,
wie ich bin.

©Sandra Matteotti

Liebesrausch

Hier sitz ich nun,
so ganz allein,
und könnte gut
auch bei dir sein.

Doch sitz ich hier
und du bist da,
und du trinkst Gin
und ich trink’ Wein.

Ich sitze hier
und denk’ an dich,
und denk’ mir schlicht:
so sollt’s nicht sein.

Wir könnten auch
beisammen sein,
tränken erst Gin
und danach Wein.

©Sandra Matteotti

Nomen est omen

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Wenn Fühlen Sinn und Zweck,
wären sie so gut.

Sie sind es klar,
doch ohne Ziel,
denn du bist du,
auch namenlos.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Nun heisst sie nicht,
doch da bist du und

alles, was man Liebe nennt,
und alles, was man ach so kennt
ist als die Eine
tief gefühlt.

Wenn Liebe einen Namen hätte,
hiesse sie wie du.
Das tut sie schlicht,
das tut sie immerzu.

©Sandra Matteotti

Glück im Blick

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

Möcht’ in der Sonne lachen
ein Strahlen im Blick,
verrückt tolle Sachen machen
und singen vor Glück.

Spüre das pralle Leben
und spüre ganz mich
fühle mein Herz erbeben,
und das nur durch dich.

Könnte die Welt umarmen
und meine nur dich,
weil schlicht in deinen Armen
die Welt liegt für mich.

©Sandra Matteotti

selbsterkenntnis

wir reden viel
und hören wenig
wollen tun und
machen nichts

wir rasen durch
und warten kaum je
wollen sein wo
wir nicht sind

Wir hoffen stets
und sehen gern nur
unser Ziel nicht
das was ist

vergessen so
was einzig wichtig
für uns ein- und
hinzusteh’n.

denn nur wer sieht
wo er grad feststeckt
wird je sein wo
er hin will.

©Sandra Matteotti

Unter Druck

Liebst du mich?
Ich weiss es nicht!
Ach komm, das
kannst du nun nicht sagen.

Liebst du mich?
Ich trau mich nicht!
Ach komm, man
muss auch mal was wagen.

Liebst du mich?
Ich glaube nicht!
Ach kommt, du
willst es schlicht nicht sagen.

Liebst du mich?
Ich fühle nichts!
Ach komm, was
lässt du mich so klagen.

Liebst du mich?
Ich weiss, dass nicht!
Ach komm, das
lass ich dich nicht sagen.

Liebst du mich?
Nein, nun lasse mich!
Ach komm, wir
sollten uns vertragen.

©Sandra Matteotti

ich

habe mich
grad neu erfunden
und finde mich
in mir zurecht

verbringe nun
ganz viele stunden
und suche mich
in dem geflecht

und wenn ich mich
dann wirklich kenne
und in mir
zu hause bin

dann lade ich
euch alle ein
mit mir zu feiern
wer ich bin

@Sandra Matteotti

Wunder geschehen

Es war einmal ein kleines Kind,
das fragte viel, wie Kinder sind.
Wieso ist die Banane krumm?
Wer ist gescheit und wer schlicht dumm?

Wo kommt die Liebe her, wo geht sie hin?
Will ich da sein, wo ich jetzt bin?
Haben Tiere auch Gefühle,
gibt’s in Jerusalem genügend Stühle?

Was sehe ich, was du nicht siehst,
Wer ist nun schön und wer das Biest?
Wer muss gehorchen, wer hat Macht?
Was ist ein Krieg, was nur ne Schlacht?

Wieso sind Früchte so gesund,
was macht den Mond oft kugelrund?
Wie melkt man eigentlich die Mäuse
und wie kriegt man schlussendlich Läuse?

Was macht im Sommer Blumen bunt,
und wer bestimmt die letzte Stund’?
In welchem Alter ist man wirklich alt
und wie viel Grad sind bitterkalt?

So fragt das Kind ganz munter weiter,
von bewölkt bis richtig heiter.
Man sitzt so da und staunt gar gross,
woher nimmt es die Fragen bloss?

Es sind die Fragen schlichtes Streben,
zu verstehen, ganz zu leben,
mit jeder Blume, allem Schönen,
der Lebensfreude neu zu frönen.

Drum seid euch sicher, eins ist klar:
Was richtig ist, und was ist wahr,
das findet nur, wer Fragen stellt,
weil sich dann die Welt erhellt.

Bewahre drum das Staunen dir:
Sind zwei mal zwei auch wirklich vier?
Denn was wir glauben oder sehen,
eines bleibt: Wunder geschehen!

@Sandra Matteotti

Nach der Liebe

Du liegst mir im Sinn,
ob ich will oder nicht.
Du bist einfach drin,
darum dieses Gedicht.

Es tat uns nicht gut,
miteinander zu sein.
Statt Liebe meist Wut
und wir waren gemein.

Wir kämpften aufs Blut
und bereuten gleich sehr.
Wir meinten es gut
und machten’s uns schwer.

Und oft hält man nur
an den Träumen noch fest.
Fokussiert viel zu stur,
ignoriert dann den Rest.

Es gibt nur ein Leben,
was machen wir draus?
Könnten viel geben
und halten nur aus.

Und dann kommt die Zeit,
und wir müssen einseh’n,
was in uns laut schreit,
und müssen dann geh’n.

Zurück bleibt der Schmerz
und Trauer und Not,
es blutet das Herz
und fühlt sich wie tot.

Und irgendwann hoffst du,
nun bald zu gesunden,
und irgendwann hoffst du,
auf bessere Stunden.

©Sandra Matteotti

Christian Morgenstern: Mittag

Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Mittag

Tage gibt es, da des Mittags Bläue
Uebermild um braune Berge zittert
Und in unaussprechlich linder Läue
Sie wie Himmelsliebesrausch umwittert.

Ja, wie Liebe bricht es aus den Räumen,
Und nur noch aus Frauenaugensternen
Kannst du dies aus fast zu seligen Träumen
Hergesunkene Gottesleuchten lernen.

1910

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Projekt „Lyrische Helfer“ – Ein Gedicht, das man lesen kann, wenn man liebt