August 2017
Ich bin im Netz auf verschiedenen Blogs auf ein Monatsprojekt gestossen. Ein Jahr lang soll man jeden Monat vom selben Ort/Gegenstand ein Bild machen und damit den Lauf der Zeit dokumentieren. Ich habe beschlossen, da mitzumachen. Bei der Frage, was ich denn dokumentieren könnte, wurde es dann schwerer. Es soll etwas sein, das mir entspricht, mit mir zu tun hat, etwas von meinem Tun widerspiegelt. Plötzlich war es sonnenklar:
Die Tischsituation
Was hat es damit auf sich? Der Tisch ist immer mit Büchern belegt, die in irgendeiner Form aktuell sind. Die Bücher liegen also aus Gründen da – und sie wechseln oft, ohne dass passiert wäre, wozu sie da liegen, schlicht, weil neue dazu kommen, Interessen ändern. Ich habe auf Instagram schon ab und an solche Bilder eingestellt, allerdings ohne Regelmässigkeit und ohne Erklärung. Dies soll hier anders sein.
Ich versuche, das nun jeden Monat weiterzuführen und dabei zu erklären, welche Bücher auf dem Tisch sind und wieso sie da liegen – allerdings werde ich wohl nicht jedes Buch erwähnen oder genauer darlegen können, es würde je nach Belegung sonst ausufern.
Beginnen wir links unten:
Zu unterst liegt mein Notizbuch, das eigentlich immer dabei ist. Ich hielt darin bislang alles fest, von Exzerpten über Gedanken, hin zu Erlebnissen und anderen Notizen. Neu führe ich zwei, um gewisse Dinge ein wenig zu trennen – ganz sicher bin ich aber noch nicht, ob das gut ist oder nicht. Kann ich die Dinge so klar trennen? Gehört nicht alles irgendwie zu mir?
Darauf liegt Ingrid Nolls neuster Roman „Halali“, der bislang sehr enttäuschend anfing. Da ich die Autorin sonst sehr mag, kämpfe ich noch ein wenig weiter. Darauf schliesslich Interviews mit der wunderbaren Ilse Aichinger. Ich lief an meinem Bücherregal vorbei und sah das Buch und es kam so über mich: Ich will es endlich noch ganz lesen.
Der Haufen darüber setzt sich zusammen aus einem Buch über das richtige Handeln (Bernward Gesang: Darf ich das oder muss ich sogar?: Die Philosophie des richtigen Handelns), das ich rezensieren will, zwei Gedichtbänden (Jürg Beeler/Pierre-Alain Tâche), ebenfalls zu Rezensionszwecken, Rilkes Bildbetrachtungen (weil Rilke immer schön ist), Emersons „Von der Schönheit des Guten“ und dem Briefwechsel von Golo Mann und Marcel Reich-Ranicki, ein wirklich wunderbares Buch, das viel über die Familie Mann, aber auch die Liebe zur Literatur zweier Menschen erzählt.
Oben rechts vier Bände von Hanns Dieter Hüsch zu Rezensionszwecken sowie mein Französisch-Lern-Projekt obendrauf – das Projekt stockt etwas *hüstel
Daneben haben wir zwei Stapel mit Rezensionen, die bislang liegen geblieben sind (ausser Alain de Botton, die Rezension ging ja soeben raus). Oben rechts dann der erste Band von Rainer Stachs wunderbarer Biografie zu Franz Kafka sowie seine Ist das Kafka?: 99 Fundstücke. Die anderen zwei Bände habe ich ins Regal verfrachtet, nicht dass der Tisch noch zusammenbricht. 😉
Das Holzding ist ein Teelichthalter – ich liebe Deko und kann ihr kaum widerstehen, wenn ich sie im Laden sehe. Der Holzteller in der Mitte ist ein weiteres Zeugnis dieser Liebe. Darauf eine andere Liebe: Gedichte und Fontane – also eigentlich zwei Lieben, hier vereint. ich lese jeden Tag mindestens ein Gedicht als Start in den Tag (ein Projekt, das ich ja auf Instagram, Facebook und Twitter dokumentiere), daneben nehme ich mir immer mal wieder einen Dichter vor und tauche tiefer ins Werk.
Rechts vom Teller finden sich Lou Andreas-Salomes Aufzeichnungen über Rilke, eine Biographie über Mascha Kaleko, die Bücher „Reisen mit Stefan Zweig“, Das „Das Florenzer Tagebuch“ von Rilke, Bichsels „Zur Stadt Paris: Geschichten (suhrkamp taschenbuch)
“, sowie Rousseaus Träumereien, weil mich literarische Spaziergänge interessieren, dann Joan Didions Essays „Wir erzählen uns Geschichten, um zu leben: Mit einem Nachwort von Antje Ravic Strubel
“ (sehr empfehlenswert) sowie zwei Bände „Geschichte der deutschen Lyrik“ – ich wollte eigentlich etwas nachschauen, kam aber nicht dazu bislang, und wenn das so bleibt, wandern die bald wieder ins Regal zurück.
Und zum Schluss haben wir einen Bildband „Albert Camus – Sein Leben in Bildern und Dokumenten“, ein Buch, wie man mit einfachen Schritten nähen kann, ein Buch Spielereien zum Schreiben, dann Franz Hessels „Spazieren in Berlin“ und Franz Hohlers „Spaziergänge“ – der Grund ist derselbe wie bei den Büchern auf dem letzten Stapel: die literarischen Spaziergänge. Ui, und fast hätte ich vergessen, unter dem sichtbaren Franz Hohler liegt noch einer mit einseitigen Kurzgeschichten. Ich habe es aktuell mehr mit kurzen Formen, finde die Ruhe für dicke Bücher nicht so. Und ab und an schalte ich einfach schnell was dazwischen, um ein wenig Abwechslung zu haben – da bieten die sich gut an.
Das war meine Tischsituation für den August – ich bin gespannt, wie das alles im September aussieht.
Patricia Duncker gelingt es im vorliegenden Roman, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und mitzureissen. Immer tiefer taucht man selber in die Welt des Ich-Erzählers, später in die von Paul Michel und vor allem: in die Geschichte der beiden ein.
Das vorliegende Buch entält eine Zeitreise durch unsere Weltliteratur. 1001 Bücher, die man gelesen haben sollte, bevor man stirbt, will es beinhalten. Ausgewählt wurden diese 1001 Bücher von 157 Schriftstellern, Literaturwissenschaftlern und Journalisten aus der ganzen Welt. Wir lassen uns am Anfang unserer Reise durch die Literatur von Scheherezade aus 1001 Nacht verzaubern, der Weg führt weiter zu Jane Austens Romanen über heiratswillige junge Damen, sticht mit Moby Dick ins Meer, wendet sich nach einer Wegstrecke dem Bildnis des Dorian Gray zu, führt bei Max Frischs Stiller vorbei zu Jakob dem Lügner, um dann weiter zu gehen zum Parfum von Süskind, Henning Mankells Mörder ohne Gesicht und schliesslich bei Swetlana Alexejiewitschs Secondhand-Zeit zu enden.
Villa am Meer ist eine Familiensage, ein historischer Roman und die Geschichte des Strandkorbs in einem. Zwar soll der Roman ausdrücklich nicht als Sachbuch über den Strandkorb, sondern als fiktive Geschichte verstanden werden, trotzdem wirkt das hier geschilderte sehr authentisch.
Jane, eine Waise, arbeitet als Dienstmädchen bei einer reichen Familie. Dass sie daneben eine Beziehung zu Paul hat, dem Sohn einer mit ihren Arbeitgebern befreundeten, ebenso wohlhabenden Familie, ist ihr Geheimnis. Sie wird es nie jemandem erzählen. Am 30. März 1924 wird sie das letzte Mal mit Paul zusammen sein, denn Paul heiratet bald standesgemäss. Es ist nochmals eine Chance, für eine kurze Zeit ein Glück zu geniessen, das nachher blosse Erinnerung ist. Danach wird alles anders sein. Wie sehr, ahnt sie mittags um 12 noch nicht, erst gegen Abend ist ihr klar: Es wird nie mehr sein, wie es mal war.
Ich habe ja vor einiger Zeit auf Instagram eine #abcliteraturchallenge gemacht, daraus entstand dieser Artikel: HIER
ältnisse in der DDR.
R: Rainer Maria Rilke: Gesammelte Gedichte
T: George Tabori – verschiedene Werke
W: Oscar Wilde: Bunbury
John wächst im politisch immer schwierigeren Südafrika, in Kapstadt, auf und studiert Mathematik. Er ist sich sicher, dass er zum Dichter berufen ist, nur gelingt das mit dem Schreiben nicht ganz, da die Umstände nicht stimmen. Er wähnt sich am falschen Ort und vor allem von der Muse – der richtigen Frau, die für ihn bestimmt ist und die in ihm die Kreativität entzünden wird – ungeküsst.
David Foenkinos hat die Bibliothek der abgelehnten Manuskripte nicht erfunden, die gibt es wirklich: Die Richard Brautigan Library an der Westküste der USA. Ausgehend von dieser, wie er fand, schönen Idee schrieb er den vorliegenden Roman um Monsieur Pick. Entstanden ist ein satirischer und unterhaltsamer Roman, welcher den Buchmarkt kritisch unter die Lupe nimmt: Das Leiden an der Welt von erfolglosen Schriftstellern ist ebenso Thema wie blutrünstige Kritiker und die Mechanismen von nach Erfolg gierenden Verlagen.
Von Anfang an plante Fontane, die Reise mit Zeitungsartikeln und einem Buch zu dokumentieren, um einerseits seine Leser teilhaben zu lassen, wichtiger aber, um die Reise zu finanzieren. Entstanden ist eine wunderbare, unterhaltsame, sehr persönliche Reisebeschreibung – für Fontane-Liebhaber ein Muss. Der Schriftsteller berichtet über schottische Sagen ebenso wie über touristische Attraktionen und die beeindruckende Natur. Als Leser fühlt man sich teilweise wie der Dritte im Bunde mit den beiden Freunden und erlebt so die Reise im Geiste mit.
Mascha Kaléko wird 1907 in Galizien als Kind jüdischer Eltern geboren. Mit ihren Eltern zieht sie schon in jungen Jahren mehrfach um, zuerst nach Frankfurt, danach nach Marburg, schliesslich nach Berlin. Die Eindrücke dieser Ortswechsel prägen Mascha Kaléko ein Leben lang, Themen wie Heimatslosigkeit, Verlassenheit, auch Einsamkeit durchziehen ihre Gedichte.
Nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund besucht Sammi ihre Freundin Candy, die beiden planen einen Mädelsabend. Als Sammi früher als ihre Freundin zurück in die Wohnung will, bietet sich der Barkeeper hilfsbereit an, sie hinzufahren. Diese Hilfe hätte Sammi besser nicht angenommen, denn auf der Fahrt betäubt er sie und setzt sie in der Folge im Australischen Busch aus – die Jagd hat begonnen. Schafft es Sammi, selber Polizistin, ihrem Verfolger zu entkommen und was unternimmt die Polizei, um den Verbrecher, der schon mehrere Frauen auf dieselbe Weise gejagt und umgebracht hat, zu fangen? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Zwei Jungen verschwinden in einem Ferienlager bei einer Nachtwanderung. Der eine wird bald darauf tot aufgefunden, vom andern, von Sander, fehlt jede Spur. Das Leben der bislang glücklichen Familie Meester ist aus den Fugen. Trotzdem die Jahre ins Land ziehen, verschwindet die Hoffnung, Sander zu finden, nicht ganz – und dann meldet sich plötzlich nach sechs Jahren ein junger Mann auf einer Polizeistation und sagt, er sei Sander.
Isabell, unglücklich im Job, und ihr Nachbar und Freund Kalle, nicht weniger unglücklich in der Liebe, sind gefordert: Isabells Oma braucht Hilfe. Die rüstige Rentnerin ist immer im Einsatz für alle, die Hilfe brauchen, rennt vom Kirchenchor zur Häkelgruppe und von da reihum zu allen Nachbarn – und nun ist sie ausgebrannt. Weil sie nicht in eine Klinik will, reisen die Isabell und Kalle aus der Grossstadt in Omas kleinen Ort an der Ostsee, um ihr unter die Arme zu greifen und entwickeln quasi nebenbei eine Antistress-Therapie. Eigentlich könnten nun alle glücklich sein, gäbe es nicht jemanden, der ihnen in die Suppe spucken möchte.